Montag, 11. März 2013

Gefühlte Kompetenz

Gestern kam meine frischinfizierte Freundin zu Besuch; die, die sich jetzt auch eine Nähmaschine wünscht. An der Tasche sah ich eine Häkelblume und auf dem Kopf hatte sie so ne Boschi-Mütze. Ganz stolz erzählte, dass sie sich das Häkeln mit Youtube beigebracht hatte. Ja, so ist das heutzutage! Verwundert erzählte sie auch, dass sie schon mehrere Menschen angesprochen hätten, ob sie nicht auch für sie eine Blume oder eine Mütze häkeln würde. Sie? Sie hatte das doch gerade erst vor ein wenigen Tagen gelernt!

Das brachte mich auf den Gedanken, dass es sich hierbei um "gefühlte Kompetenz" handelt, bei der - wie in vielen Fällen - das Selbstbild und das Fremdbild nicht übereinstimmt. Diejenigen, die etwas nicht können, sind beeindruckt von der Kompetenz der Selbermacherin. Hingegen diese sieht immer nur die unperfekten Dinge und fühlt sich als wie auch immer schon ein bißchen oder noch gar nicht so weit fortgeschrittene Anfängerin. Und was ziehe ich für Schlüsse daraus? Vielleicht "einfach machen", auch wenn frau zunächst denkt "das schaffe ich nie"? Oder nicht ganz so kritisch mit den eigenen Werken sein?

Kommentare:

  1. Ganz klar: nicht so kritisch mit den eigenen Werken sein! Natürlich will man lernen und sich verbessern und man wird verwöhnt was Passform und Stoff und Schnitt und alles anbelangt - trotzdem, ab und zu kann man sich auch mal einfach auf die Schulter klopfen und sich sagen: Hey, so gut gekleidet gehen nur wenige andere durch die Welt. Gestern beim Nähkränzchen nähte eine unserer relativ neuen Damen einen einfachen Jersey-Rock von H&M nach. Sie war selbst ganz baff, dass der in weniger als einer Stunde fertig war, dabei viel besser verarbeitet und aus schöneren Stoffen als das Original und ihr besser passte. Bisher hatte sie sich das eine oder andere Kränzchen mit Röcken nach Schnittmuster rumgeschlagen und erst jetzt verstanden: Was wir normalerweise selbst als Anfängerinnen angehen ist schon elaborierter als der mittlere Kaufrock...

    AntwortenLöschen
  2. Solange Selbstkritik nicht zur nörgelnden Selbst-Unzufriedenheit wird, ist sie doch ein tolle Motivation. Dinge, die ich geschafft habe, trage ich - auch wenn sie Fehler haben - mit Stolz. Trotzdem: Der intrinsische Anreiz, beim nächsten Mal "die Karos noch besser aufeinander abzustimmen", "das Futter sorgfältiger zu arbeiten", "den Armel besser einzufügen" ist bei mir immer sehr hoch.
    Bei anderen Personen versuche ich im Urteil ehrlich, aber fair sein: Jede hat eigene Ansprüche, Standards und Fähigkeit, die es zu respektieren gilt.

    Ida

    AntwortenLöschen
  3. Selbstkritik ist sicherlich immer gut und treibt schließlich auch neue Versuche und auch den Ehrgeiz an und ist ungemein motivierend. Aber natürlich kann frau auch ein bisschen stolz sein. Gerade, wenn frau sich Nähen, Häkeln o.a. selbst beigebracht hat. Letztlich geht ja ein Kompliment für eigene Werke runter wie Öl. Das kann man ruhig auch mal genießen ;-)

    Liebe Grüße
    Denise

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Meike,

    das ist so eine Sache. Dass jemand, der nicht näht, die Sachen, die man als "Nähanfänger" näht und die daher oftmals ziemlich unperfekt sind, als gut befindet, ist für mich verständlich, schließlich kann man selbst als Nähanfänger immer noch besser nähen als derjenige, der gar nicht näht (das gilt natürlich auch für´s Häkeln).

    Ich wurde auch gleich nach meinen ersten "Werken" gefragt, ob ich auch Aufträge annehmen würde... Äh, nee... ich nähe für mich und meine Tochter, die Sachen sind selbst jetzt, nach einem halben Jahr, noch ziemlich unperfekt... Ich nähe inzwischen ab und an mal was für Freunde/Familie, aber das sind dann Geschenke, da können die Leute schlecht rummäkeln ;-) Das hat dann auch nix mit übersteigerter Selbstkritik zu tun, ich denke, jeder kann seine Fähigkeiten schon sehr gut selbst einschätzen, wenn er ehrlich ist... Und es gibt Leute, die nach einem halben Jahr schon richtig super und ordentlich nähen können. Nun ja, ich kann meine Nähmaschinen bedienen und war noch nie ein Perfektionist, mit meinem Hobby werde ich daher wohl nie Geld machen können ;-D Stört mich aber auch nicht, mir gefällt trotzdem, was ich nähe!

    Aber es stimmt: Ich bewerte die Arbeit anderer grundsätzlich nicht so streng wie meine eigene - was aber auch daran liegt, dass ich die Arbeit anderer selten genauer unter die Lupe nehme ;-)

    LG
    Isabimi

    AntwortenLöschen
  5. Ich bin auch darauf bedacht, dass das Genähte so perfekt wie möglich ist, und könnte mich grün ärgern, wenn es nicht so wird. Warum eigentlich? Meistens sieht das tatsächlich nur ein einziger Mensch: man selbst. Lockerer die eigenen Fehler übersehen, das habe ich mir auch vorgenommen. Außerdem habe ich ja noch so viel Zeit zu lernen (und so viele schöne Schnitte und Stoffe zum Üben)...

    Liebe Grüße,
    Mond

    AntwortenLöschen
  6. Da ist viel Wahres dran!

    Ich denke mir: Leute, die sich mit keiner Handarbeit befasst haben, glauben oft, es wäre ein riiiesengroßer Schritt von "keine Handarbeit können" zu "ein bisschen nähen/stricken/häkeln/... können". Dabei muss man einfach nur loslegen.
    Mein Lieblingssatz in dem Zusammenhang: "Ich kann nicht sticken!" Was gibts denn da zu "können"?! Nadel rein in den Stoff, Nadel raus aus dem Stoff. Wenn der-/diejenige sagte: "Ich habe keine Geduld zum Sticken/Es wird nicht perfekt.", aber so kann ich mich nur wundern ...
    Wie so oft, "Ich kann nicht" wohnt in der "Ich will nicht"-Straße :D

    Und wer als geübter Handarbeiter mit den eigenen Sachen nicht zufrieden ist, sollte mal einen kritischen Blick auf Gekauftes werfen ...

    AntwortenLöschen
  7. Angefangen hat alles damit, daß ich schon als Vorschulkind dabei war, wenn meine Mutter nähte (sie ist gelernte Schneiderin) und ich kleine Stoffreste und Fetzchen zusammen stichelte. Ich erinnere mich noch an mein Glücksgefühl, wenn mein Teddy ein neues Anzügelchen hatte. Und ich erinnere mich auch daran, daß ich schon damals bemerkte, daß dieses Anzügelchen nicht so recht passte - es war zu eng - und ich zog schon meine ersten Schlüsse daraus. Das liegt nun bereits über 50 Jahre zurück. Seit dem nähe ich. Und genauso lange bin ich auch immer wieder unzufrieden und kritisch mit meinen Werken. Aber genau diese Unzufriedenheit und Kritik treibt mich gleichsam an, meine Arbeit auch nach so vielen Jahren weiter zu verbessern. Aber ehrliche Selbstkritik soll den verdienten Stolz auf das Eigene nicht schmälern oder gar ausschließen. Egal ob Anfängerin oder Fortgeschrittene. Denn ehrlich - es ist doch der Prozess des Entstehens, der uns so glücklich macht. Das gelungene Endergebnis ist dann die Krönung. Und alleine, daß jemand sich in diesen Prozess begibt (mit Euphorie beginnen-sich verschneiden-wieder auftrennen-in die Ecke knallen-mit neuer Erkenntnis morgens aufwachen-neuer Anlauf .....), den Mut aufbringt, sich darauf einzulassen - das verdient den ganz großen Respekt und darauf darf man mächtig stolz sein!

    AntwortenLöschen
  8. Wenn du es schaffst, weniger kritisch mit deinen Werken zu sein, wirst du mein Guru und ich werde einen kleinen Altar mit deinem Bild bei mir aufstellen, täglich frische Blumen davor arrangieren und hoffen, dass ich mich deinem Vorbild annähern kann. Und das ist nur halb ein Witz. Viele Grüße, Petra

    AntwortenLöschen
  9. Hallo Meike,
    vielen Dank für den Hinweis mit dem fehlenden MeMade-Link in meinem Post. Habe mich so schnell wie möglich darum gekümmert... durch die ver. Zeitzonen hat es leider etwas gedauert.
    Schade auf mein Haupt, ich habe es zum ersten Mal vergessen, ist mir noch bei keiner Aktion passiert, war sooo spät dran und war schon auf dem Weg ins Meeting.
    Ich verspreche Besserung.
    Sonnige Grüße, Muriel

    AntwortenLöschen

Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.