Samstag, 9. März 2013

Frei machen

Diese Verpflichtungen. Lästig! Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber wenn ich das Gefühl habe, etwas zu müssen, zu etwas verpflichtet zu sein, dann sinkt meine Motivation gen Null. Plötzlich kommt die gemeine Aufschieberitis, gegen die ich gar nichts machen kann. Ich weiß, ich sollte etwas machen, aber aus mangelnder Lust, trotz juckendem Verpflichtungsgefühl, bekomme ich es nicht auf die Reihe.

In unserem Bekanntenkreis regnet es derzeit mal wieder Babys. Da mittlerweile überall bekannt ist, dass ich nähe, stricke und häkele, wird davon ausgegangen, dass ich irgendetwas ach so niedliches, (das es sonst nur überteuert - so sagen die Nicht-SelbermacherInnen) in kleinen Lädchen zu kaufen gibt, herstelle und verschenke. Ich bin nicht sicher, ob das wirklich von mir erwartet wird, aber ich habe das verdammte Gefühl, das das so ist. Nur habe ich überhaupt keine Lust, irgendso einen hübschen Tüdelüt zu nähen. Wenn ich so etwas sehe, denke ich immer "ach wie schön" und "ach wie schade, dass ich, als ich schwanger war noch nicht nähen konnte", aber nur weil ich es jetzt könnte, heißt das noch lange nicht, dass ich jetzt den unbedingten Drang verspüre, es zu realisieren.

Und dann frage ich mich ausführlich "warum nicht". In der Zeit, in der ich  mit meinem schlechten Gewissen kämpfe, statt mal eben schnell ein Mützchen oder ein Knistertuch zu nähen, fühle ich mich natürlich doof, aber merkwürdiger Weise funktioniert das Nähen ohne Lust bei mir nicht. Allein der Gedanke, den Stoffschrank zu öffnen und etwas zuzuschneiden, verdirbt mir die Laune. Das hält mich natürlich nicht davon ab, in meinen Schnittmusterzeitschriften zu blättern, in Online-Shops nach Erwachsenen-Jerseys zu surfen und von meinem Kopfkleiderschrank zu träumen.Genau das ist es. Obwohl ich mittlerweile einen gewissen Sättigungsgrad meines Kleiderschrankes erreicht habe und obwohl sich mein Kleiderschrank und mein Kopfkleiderschrank nun schon sehr stark angenähert haben, nähe ich doch immer noch am allerbestern für den Menschen, den ich am liebsten haben sollte: für mich!

Und vielleicht ist es auch so, weil mich diese Sprüche nerven, wie überteuert diese Sachen in den Läden so sind. Mich stört es, dass zwar einerseits gerne genommen wirdwas geschenkt wird, aber anderseits wenig Wertschätzung dem damit verbundenen Arbeitsaufwand entgegen gebracht wird. Sollen sie doch weiter Pferdefleisch essen! Es gibt nur wenige Menschen, die von mir die manifestierte Liebe in etwas Selbstgemachten geschenkt bekommen. Witzigerweise fällt es mir dann auch sehr leicht zu werkeln und  zu verschenken.

Ansonsten muß ich einfach an mir arbeiten, dass ich nicht diejenige bin, die mir Druck macht. Wie gesagt, ich weiß ja noch nicht mal, ob die anderen wirklich Selbstgemachtes von mir erwarten. Aber selbst wenn: es bleibt doch meine Entscheidung, ob ich es mache oder nicht. Viele junge Eltern können wahrscheinlich mit etwas Geld sowieso mehr anfangen, als mit dem 100. schicken Body in Größe 50. Das Problem ist in meinem Kopf. Davon werde ich mich jetzt frei machen!

Kommentare:

  1. Hallo Meike!
    Ich finde es auch sehr schwierig, Nicht-Selbermacherinnen zu beschenken. Weil sie keine Ahnung davon haben, wie (zeit)aufwendig es ist, mal eben was zu nähen oder zu sticken. Ich habe schon oft in ein "Und was soll ich damit???"-Geschicht gesehen. Oder es wurde einfach kein Wort darüber verloren. Wer mich nicht gezielt anspricht, braucht keine Angst zu haben, etwas zu bekommen.
    Liebe Grüße,
    Sandra

    AntwortenLöschen
  2. Ich sehe das genauso wie du!! Für manche Menschen mache ich herzlich gerne etwas "Selbergewerkeltes". Aber für jemanden, der keine Ahnung davon hat, wieviel Herzblut darin steckt oder auch für jemand, der darin nur "Billigware" sieht - der bekommt nichts.
    Und eben mal schnell eine Patchwork-Krabbeldecke genäht, ist eben auch nicht soooo schnell machbar!
    Auch bei mir gilt wie bei Sandra auch: Wer mich nicht unbedingt gezielt anspricht, der braucht auch keine Angst zu haben, etwas zu bekommen - hat mir auch meine Erfahrung gezeigt.
    Manchmal meint man, die Leute müssen sich für was "Selbstgerechtes" fremdschämen (und sooo schlimm sehen meine Sachen nun wirklich nicht aus *hoffeich* :)
    Lieben Gruß Marion

    AntwortenLöschen
  3. Ja, es ist immer gut wirklich nur denen selbstgemachtes zu schenken, die es wert zu schätzen wissen. und für die nähe ich dann so gern eine patchworkkrabbeldecke! eben weil dann nicht ich, sondern auch sie stolz darauf sind. und weil mich schenken dann einfach auch irgendwie zufrieden macht :)

    neben denen, die selbstgemachtes generell als überteuert in den läden sehen, gibt es daber auch noch die, für die selbstgemachtes (vielleicht aus der ostzeit?) als etwas, das einen mangel kompensiert, ansehen. "wenn man kein geld dafür hat, muss man es sich eben selbst machen." das sind dann die, die lieber bei h&m einkaufen gehen und sich den babystrampler eben von einer 13jährigen in bangladesch nähen lassen.

    lg

    halitha

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Meike,
    das ist wirklich so eine Sache mit dem Verschenken von Selbstgemachtem. Einerseits sind Menschen bereit, für ein etabliertes Modelabel sehr viel Geld auszugeben, denn dann sieht ja jeder, daß man sich diese "Marke" leisten kann - überteuert hin oder her. Wenn es aber um etwas Selbstgemachtes geht, dann sind die teuren Marken plötzlich überteuert. Das heißt aus meiner Sicht: die Arbeit, die darin steckt, kann doch nicht soooo teuer sein, sprich so viel Wert sein. Dabei wird vergessen, daß die industriell gefertigten Sachen auch von Menschen hergestellt werden, die dafür oft einen Hungerlohn bekommen und unter miesesten Bedingungen arbeiten. . Etwas anonym gefertigtes darf ruhig teuer sein (egal wie und woher), aber etwas "Selbstgemachtes" sollte doch bitteschön nicht viel kosten.
    Dies entspricht der weit verbreiteten "Schnäppchenmentalität". Und hier will ich mich auch nicht einreihen. Ich beobachte auch immer wieder, daß Frauen leider oft ihre Handarbeiten weiter unter Wert verschleudern.
    Ich finde, das hast Du ganz richtig erkannt: das Thema heißt "Wertschätzung"! Und wenn ich mich selbst nicht wertschätze, kann ich auch nicht von anderen erwarten, daß sie mich bzw. meine Arbeit wertschätzen und ich selbst werde auch die Arbeit anderer nicht gebührend wertschätzen ..... und so bedingt das eine das andere.
    Also, mach dich frei und entscheide ganz selbstbewußt, wer deiner Arbeit so viel Wertschätzung entgegenbringt, daß er verdient, von Dir auf diese Weise beschenkt zu werden. Ansonsten - sollen sie wirklich weiter "Pferdefleisch" essen.
    Ein schönes Wochenende und liebe Grüße
    Antje

    AntwortenLöschen
  5. Ja mach dich frei! Fühlt sich spitzenmäßig an kann dir versichern. Eine Kollegin bat mich neulich, ihr die bei Ikea nicht mehr erhältlichen Raffrollos zu rekonstruieren und zu nähen. Vier Stück bitte. Ich habe ihr daraufhin erklärt, dass ich ein Ego-Näher bin. Nur für mich und nur wenn ich Lust dazu habe. Oder Zeit. Und diese neben dem Vollzeitjob und dem Rest desLebens zu finden ist sowieso herausfordernd. Daher habe ich beschlossen: nur für mich. Ohne schlechtes Gewissen. :)

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Meike,
    das kenn ich auch sehr gut - zu Beginn meiner Nähkarriere kamen sogar Anfragen (vor allem aus der Verwandtschaft), Bettwäsche zu kürzen, Knöpfe anzunähen, Hemden zu flicken. Pffff!! Das fand' ich schon krass.
    Mittlerweile ist aber allen klar, dass das MEIN Hobby ist und ich daher für mich selbst und nur bei viel Lust, Laune und Zeit auch selten mal für andere was nähe. Jemand der Tennis spielt, macht das doch auch nicht FÜR andere und die Freunde/Verwandten erwarten ja dann auch nicht, dass der eventuelle Gewinn gespendet wird.

    Also, mach weiter so und näh' ganz egoistisch nur, wenn Du Lust dazu hast. Und was die Wertschätzung angeht, da sagst Du etwas sehr Wahres! Was für eine Motivation, um ein Geschenk zu bitten (was man ja eh eigentlich nicht tun sollte): Nur weil's im Laden teurer ist!? Heftig...

    Herzlich
    Stefanie

    AntwortenLöschen
  7. Hey Meike,

    ich nähe gerade zum Geburtstag einer Erzierhin ein Kosmetiktäschchen, üblicherweise liegt der Schenkwert bei 5 € meint die Elternbeiratkollegin ob, wir nicht noch was dazu machen sollten... das hat mich dann auch gewurmt, obwohl es von ihr sicher nicht böse gemeint war.
    Und was die Babygeschenke angeht, irgendwie drücke ich mich auch vor dem selber nähen, manchmal geht es leicht von der Hand und das nächste Mal ist es eine lästige Pflicht. Wenn es mir widerstrebt gibt es dann eben einen einfallslosen Geschenkgutschein vom großen Drogerieladen...

    Liebe Grüße
    Rock Gerda

    AntwortenLöschen
  8. Spannend, dass Einige hier von Nicht-Wertschätzung der selbstgemachten Geschenke berichten - ich habe bis jetzt eher genau das Gegenteil erlebt: Die genähten Geschenke werden wertgeschätzt und gerne und oft getragen/benutzt.
    Ich nähe allerdings auch nur für enge Freunde und Familie, und eher nicht für das neugeborene Baby der eigentlich nur entfernt bekannten Kollegin, oder so. Vielleicht macht das den Unterschied.
    Insofern: Ja, ich kenne den selbstgemachten Druck, was Genähtes zu verschenken, und finde das dann auch manchmal stressig, aber meistens eben doch schön. Und wenn es mir zu viel wird, verschenk ich halt ein Buch.
    "Aufträge" Gardinen zu kürzen, Taschen zu flicken, etc, nehem ich nur von meiner Mutter an, die dann im Gegenzug den ganzen Nachmittag mit meinem Kind auf den Spielplatz geht. Da haben dann alle Beteiligten was von.

    Grüße,
    naehfreundin

    AntwortenLöschen
  9. Bei meinem Mann wurden in den letzten 3 Jahren innerhalb der Familie mehrere Babies geboren. Da ich eine Phase hatte, in der ich sehr gern einige "Winz-Sachen" angefertigt habe, gab es wirklich schöne Sachen. O-Ton meines Mannes: "Da muss ich dann aber noch was dazukaufen, das ist ja nicht viel!". Diese Aussage veranlasste mich, meine Sachen wieder wegzupacken und ihn eben mal für viel Geld 0815-Klamotten kaufen ließ.
    LG
    Christiane

    AntwortenLöschen
  10. Das kenne ich nur zu gut. Ich bin froh, dass es anderen auch so geht.
    LG Elke

    AntwortenLöschen
  11. Schenk doch den jungen Müttern eine Anleitung, wie Spucktücher oder Zudecken zu nähen sind und evtl. das Material dazu...
    Das hätte zweierlei Effekt: Vielleicht bringst du sie zum Nähen (was bei Kindern schon sehr sinnvoll ist) und die Beschenkte weiß anschließend den Wert der Arbeit zu schätzen. Zwei Fliegen mit einer Klappe.
    Und natürlich machst du dir selbst Druck - wer denn sonst? Geht doch gar nicht, oder?

    AntwortenLöschen
  12. Hallo Meike,
    was du hier schilderst kenne ich bedingt. Denn "kannst du mal eben Aufträge" nehme ich nicht mehr an.
    Meine mit viel Liebe handgefertigten Dinge gibt es nur für liebe, mir wichtige Menschen. Und die wissen, wieviel Mühe und Zeit die Fertigstellung gekostet hat. Von den Materialkosten ganz zu schweigen.
    Außerdem kann ich nur nähen, wenn ich Muße dazu habe. Sonst wird's eh nix! Gern zwischendurch was für Babys zur Geburt, ansonsten für MICH!
    Viele Grüße
    Astrid (immer noch bloglos !)

    AntwortenLöschen
  13. Mit Widerwillen Babysachen nähen oder stricken - warum?? Das Wollschaf fragte übrigens vor 2 Wochen, wie die LeserInnen zu Babysachen stehen, da waren die Antworten auch nicht durchgehend begeistert. Meine übrigens am wenigsten - geflattrt hätte mich keine LeserIn.... Mal eben Ausbesserungsaufträge annehmen, eher nicht, schließlich gibt es mehrere ÄnderungsschneiderInnen im Viertel. Ich habe eine Freundin "vom Stamme Nimm", die fragt mich sowas, aber nach dem ersten Jeansflicken lehne ich nun alle weiteren Aufträge ab. Viele Grüße, Petra

    AntwortenLöschen

Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.