Sonntag, 30. September 2012

Wintermantel-Sew-Along 3: Stoffwahl



Eigentlich dachte ich, alles wäre jetzt klar. Stoff liegt seit einem knappen Jahr hier rum, Futter bestellt, Knöpfe sind auch schon da.... aber ein Sew Along wäre kein Sew Along (also gemeinsames Nähen eines bestimmten Kleidungsstückes zu festen Terminen), würden nicht noch Fragen auftauchen, die frau alleine nie bedacht hätte. Also darf ich den heutigen Termin nicht schwänzen, sondern mache mir noch brav ein paar Zusatzgedanken und erzählte - weiter unten - etwas von meinen Näherfahrungen mit Walk vom letzten Jahr.

Die heutige Näh-Aufgabe zum dritten Treffen lautet:

Der Stoff für den Traummantel wird ausgewählt oder ist sogar schon eingetroffen. Mit welchem Futter wird mein Mantel warm genug, welche Knöpfe nehme ich dazu und brauche ich weitere Zutaten?


Das ist der Schnitt, zu dem ich mich letzte Woche entschieden habe:



Bildquelle für die obigen zwei Bilder vom Schnitt: Zwischenmass Kurzmantel 621201


Und das ist der Stoff, der darauf wartet, ein Kurzmantel zu werden. Es handelt sich um einen Wollstoff aus Wolle + Kunstfaser (fragt mich nicht nach der genauen Zusammensetzung, er ist vom Maybachufer) in den Farben braun/wollweiß/aubergine sowie ein lila Acetat-Futter in ziemlich glänzend und rutschig. Dazu habe ich sehr gut passende auberginige Knöpfe, die aber, falls zu langweilig, auch noch gegen andere Knöpfe ausgetauscht werden können, weil auch günstig und vom Maybachufer.

Ich dachte also, ich hätte alles. Aber drei Sachen habe ich vergessen:

  • Nähgarn
  • Einlage
  • Schulterpolster
  • und die Frage, ob der Wollstoff überhaupt warm genug ist.

Nähgarn ist eigentlich nicht der Rede wert, das wird schon irgendwann, irgendwie hier eintrudeln, oder aber vielleicht passt auch noch etwas aus dem Fundus, denn letztens habe ich 4 x1000 m Garn in lila oder aubergine gekauft, um ein kleines Projekt zu overlocken. Bei Tageslicht werde ich mal prüfen, ob es passt. 

Dazu mein erster Tipp: Spart nicht beim Garnkauf, wenn ihr den Mantel mit Steppnähten versehen wollt und sonst nur kleine Sachen, wie z.B. einen Rock genäht habt. Ich mußte letztes Jahr zweimal Garn nachkaufen, weil ich nicht genügend hatte. 


(Das ist mein himbeerroter Walkwintermantel, den ich letztes Jahr genäht habe)

Einlage. Irgendwie kann ich mich gar nicht mehr daran erinnern, was ich letztes Jahr bei meinem himbeerrotem Walkmantel verstärkt hatte. Ich weiß nur noch, dass ich nicht gemäß der Anleitung des Schnittmusters gehandelt hatte, sondern einfach brav das machte, was die Nählehrerin sagte. Ich meine mich zu erinnern, dass ich Kragen und und die Belege verstärkt hatte und dass ich dafür nicht extra Einlage gekauft hatte. Es war also dann ganz durchschnittlich dünnes, labbriges Zeugs. 

Schulterpolster hat mein Mantel vom letzten Jahr nicht. Da bin ich gar nicht darauf gekommen! Nachdem ich aber aber bei Frau Nahtzugabe in der hervorragenden Wissenssammlung und in Lucias ausführlichem und lehrreichen Post davon gelesen habe, will ich es dieses Mal unbedingt versuchen. Ich habe zwar auch noch ein 80er-Jahre-Schulterpolster-Trauma, aber ich habe auch abfallende Schultern, die keine gute Figur machen. Meinen Mann schmachte ich schließlich auch immer an, wenn er einen gutsitzenden Anzug trägt, also will ich auch einen gutsitzenden Mantel und ich denke, dass ein Paar dezente Polster, die Optik doch immens verbessern könnten. 

Die letzte Frage bereitet mir - genau wie letztes Jahr - Kopfzerbrechen. Wie warm soll der Mantel sein und ist der Stoff warm genug. Erst einmal die Erfahrungen vom letzten Jahr. Walk ist tierisch warm. Ich habe den Himbeermantel nur mit ganz dünnem Futterstoff gefüttert und er hat mich auch bei minus 15 Grad gute Dienste geleistet. Ich war sogar beim Rodeln mit dem Mantel und stand, statt zu Rodeln ewig an der Pistenseite herum, um zu klugscheißern. Also Walk ist schon sehr warm. Da würde ich niemals eine extra Schicht zwischennähen oder über ein unförmige Steppfutter nachdenken. 

Aber ist mein gewebter Wollstoff ebenso warm. Wenn ich ihn anfasse, habe ich das Gefühl, dass er lockerer gewebt ist und damit luftdurchlässig sein könnte. Ich vermute, er ist nicht so warm, wie der Walk. Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten. Entweder, ich freue mich darüber und sage "dann habe ich also einen neuen dünneren Kurzmantel und einen warmen, langen Mantel vom letzten Jahr" oder aber, ich probiere dieses Thinsulate aus. Das klingt ja schon interessant. 

Was ich nicht weiß ist, wann und wie dieses zusätzliche Schicht eingefügt wird. Mein Plan ist, zunächst den Wollmantel zu nähen und dann die gegebenenfalls nötigen Änderungen auf den Futtermantel zu übertragen. Wird dann sozusagen ein dritter Mantel aus Thinsulate genäht und zwischengefasst? Oder kann man so etwas wie Thinsulate auf das Futter bügeln?

Ich neige dazu, einen dünneren Mantel ohne diesen neumodischen Schnickschnack zu nähen. Im Vergleich zum Preis des Schnittmusters, war das sonstige Material sehr günstig und ich würde das Projekt ungerne teurer machen. Lieber nähe ich nächstes Jahr noch einen Mantel, denn frau wird schließlich jedes Jahr erfahrener. 

Zu guter Letzt noch ein paar Worte über die Verarbeitung von Walk. Walk schneidet und näht sich toll. Das ist echt nen feines Material. Was ich allerdings schwierig fand, waren der Kragen und die Pattentaschen. Immer dann, wenn man mehrere Lagen aufeinander näht, wird es verdammt dick und schwer zu handhaben. Ich habe irgendwann meinen Perfektionsanspruch etwas aufzugeben, von wegen ganz spitze Kragenspitzen etc. Das wurde einfach nicht perfekt - aber was soll ich sagen: niemand hat es bemerkt bzw. je etwas darüber gesagt. Die Pattentaschen waren heftig und ich habe das auch nur mit Hilfe der Nählehrerin hinbekommen, obwohl ich vorher schon mal solche Taschen genäht hatte. Aber die Mühe hatte sich absolut gelohnt, denn diese Taschen machen den Mantel edler und praktischer als aufgesetzte Taschen.

Die Knopflöcher im Walk habe ich allerdings nicht selbst gemacht. Obwohl meine Nähmaschine sonst ganz unkompliziert sehr gute Knopflöcher näht, war sie mit den mehreren Lagen Walk überfordert - auch, als ich Backpapier untergelegt hatte. Das hat mich wirklich den letzten Nerv gekostet und der fertige Mantel wartete wochenlang auf Knopflöcher. Letztlich habe ich sie bei einer Änderungsschneiderin machen lassen und werde das dieses Jahr auch wieder tun, wenn ich ähnliche Probleme bekommen sollte (womit ich rechne). Das ist den Blut, Schweiß und die Tränen nicht wert und die 1,50 Euro pro Knopfloch habe ich sehr gerne bezahlt. Also schaut euch rechtzeitig nach einer Schneiderei um, die euch das macht, damit ihr das fast fertige Stück auch anziehen könnt.

Vielen Dank Frau Nahtzugabe und Frau Catherine für die wunderbare Idee, einen Wintermantel-Sew-Along zu organisieren! Die aktuelle Linksammlung zum Sew Along findet ihr dieses Woche hier. 



Live vom ...

20.15 Uhr
Guten Abend. Ich melde ich zum üblichen "Live vom Tatort" - allerdings ist es heute ein Polizeiruf und  nähen werde ich ganz sicher nicht, nach einer langen Autofahrt und einer Woche weg. Da ist es schön, wieder zuhause zu sein und auf der Couch rumzulümmeln.

AAAAber, die neue Knip Mode ist da und muß noch mindestens 3x durchgeblättert werden UND mein Mantelschnitt für den Sew Along war in der Post. Nach einem netten Leserinnenvorschlag, hatte ich mich ja bereits am Dienstag für den Schnitt von Zwischenmaß entschieden und ihn dann auch bestellt. Ich freu mich und bin natürlich wie Bolle gespannt, ihn "anzuschneiden". In letzter Zeit habe ich Papierschnitte immer mit dem Rollschneider ausgeschnitten. Das geht cool schnell und bisher hatte ich auch noch keine "Nebenwirkungen" gemerkt, d.h. der Rollschneider schneidet immer noch ganz prima durch Stoff und sollte das mal anders sein, gönne ich mir ne neue Klinge.

AAAaußerdem bat mich Frau Nahtzugabe in ihrer hervorragenden Wissenssammlung zu den Mantelstoffen um ein paar Worte zu Walk und dessen Verarbeitung als Wintermantel. Das werde ich nachher, nach dem Polizeiruf noch machen. Vermutlich. Bei dem Polizeiruf aus Rostock bin ich ja eher nicht so interessiert. Die Blonde mit dem komischen Mund geht mir oft auf die Nerven. Mal schaun.

Und ihr so?

20.29 Uhr
Achjeee, morgen ist ja auch noch ein Taschen-Monat-Treffen. Das hatte ich ja ganz vergessen und natürlich weder einen Beitrag geschrieben, noch den Walk gesucht, um endlich die Taschen für Hartmut zu machen..... Mist, sieht aus, als hätte ich noch eine Aufgabe heute abend.

21.18 Uhr
Jetzt ist mir schlecht von den Keksen und der Polizeiruf ist auch nur mäßig spannend. Darüber, dass ich den Walk nicht suchen kann, weil er wahrscheinlich im Kinderzimmer ist, bin ich nicht traurig, immerhin wird die Linkliste zum Mottomonat ne ganze Woche geöffnet sein....

Ich finde außerdem, dass wenn ich jetzt noch drei Tage offiziell Urlaub habe, ich dann auch mal tagsüber zuschneiden oder nähen kann. Erlaubnis zum Faulsein. Mal schaun, ob das die anderen beiden Familienmitglieder auch so sehen. Ich kuschele jetzt also weiter aufm Sofa und lasse mich von dem langweiligen Polizeiruf unterhalten. Mir gefällt aber der Blazer zum A-Rock. Ich glaube, ich sollte für den Frühling tatsächlich mal nen Blazer nähen. Ist schon komisch, dass ich beim Fernsehen ständig auf die Klamotten achten muss.

21.27 Uhr
Etwas muß ich unbedingt noch rausplaudern, obwohl ich dafür schon wieder den Krimi pausieren muß, was natürlich nicht zur Spannung beiträgt.: Ich habe eine fantastische Lösung für mein Übergangsschuhdilemma gefunden. Bequem und dennoch schick! Hach! Am Mittwoch zeige ich sie euch in echt!

22.35 Uhr
So, der Taschen-Monats-Beitrag ist geschrieben. Der kommt morgen um 8 Uhr. Jetzt muß ich noch mal an die Wintermantelgeschichte ran. Nachdem ich die zum Sew-Along gehörigen Beiträge in meinem RSS-Feed gelesen habe, merke ich, dass trotz vorhandenem Material, doch noch ein paar Fragen offen sind. Also bleibt der Fernseher aus und der Näh-Tisch auch weiter unberührt - dafür kommt gleich noch mein Beitrag zum heutigen Sew-Along-Treffen.

0.20 Uhr
Jetzt habe ich alle Beiträge des Wintermantel-Sew-Alongs angeschaut und auch einige kommentiert. Es nervt mich wirklich ab, dass ich zur Zeit so wenig Zeit habe und damit auch kaum zum Kommentieren kommen. Gerade wenn ich zu Linkveranstaltungen das ipad benutze, spare ich mir aus Bequemlichkeit die Kommentare, aber doof ist das trotzdem, denn ich freue mich ja auch so sehr über jeden Kommentar. Aber seid gewiss, meine Lieben, ich lese euch!

Der Kaffee um 18 Uhr war wohl doch nicht so ne gute Idee. Ich bin jetzt knallwach. Theoretisch könnte ich.... nein, das ist auch keine gute Idee. Dann bin ich morgen zu nix zu gebrauchen. Ich nehme mir jetzt mal Rundgang 3 und 4 durch die KnipMode vor. Bisher hat mich kein Schnitt angesprungen - aber das ist auch gut so, denn jetzt sind erstmal Winterröcke und der Mantel dran - aber ich mag es, mir diesen holländischen Stil ganz genau von Kopf bis Fuß anzuschauen.

Ich glaube, ich "erlaube" es meinen Männern, morgen zum Möbelschweden zu fahren, dann habe ich ein bißchen Zeit für mich. Im Auto vorhin war das kurz Thema, das werde ich dezent beim Frühstück aufgreifen. Das ist ein guter Plan. Also jetzt Knip, danach ab ins Bett und morgen ganz zufällig das Möbelhaus, die Rutsche und die Bügelperlen, die den Kleinen letztens so begeisterten erwähnen .... Gute Nacht!

Dienstag, 25. September 2012

Wintermantel-Sew-Along 2a: Schnittmusterwahl






Ich bin ein bißchen verliebt. Annette ist "schuld". Annette (eine meiner Leserinnen, anscheinend ohne Blog - warum nur?)  las meine Überlegungen zum Wintermantel-Sew-Along und schlug in den Kommentaren einen anderen Schnitt vor. Ist der nicht schön?!!!

Hach, meine Leserinnen sind klasse! Ich danke Euch, für Eure Kommentare. Vielen, vielen Dank!

Ich mag die Teilungsnähte. Sie sind doch viel schöner als bei Johanna. Und natürlich mag ich die Taillierung und dass er unten glockig fällt. Das wollte ich ja schon bei Hartmut. Annette versicherte mir, dass das funktioniert und sagte auch, dass er clevere Taschen in den Nähten hat. Na, was will frau mehr!

Bei dem Kragen frage ich mich, ob er mir nicht ein wenig zu originell ist und ob er nicht etwa zu viel Stoff auf der Brust macht, weil er durch die Assymetrie doch fast zweireihig ist. Aber, wenn ich mir Mühe gäbe, dann könnte ich sicherlich auch den Verschluß auf die vordere Mitte legen und den Kragen symmetrisch arbeiten - wobei ich derzeit eher denken würde, die faules-Mädchen-Lösung zu wählen und dem Schnitt zu folgen, immerhin war der Stoff nicht teuer und ein Experiment wäre schon drin.

Der isses doch, oder? Ich denke schon!

Was ich mich jetzt aber frage ist: was wäre für mich die optimale Länge für einen Kurzmantel? Wo soll er enden? Ich gehe mal davon aus, dass ich genügend Stoff habe, ihn etwas länger zuzuschneiden und bin wie Bolle gespannt, wie kurz ich ihn dann machen werde. Hach, ich freu mich!

Sonntag, 23. September 2012

Wintermantel Sew-Along_2: Schnittmusterwahl

Ich ignoriere jetzt mal die Überschrift und schwafele filosofiere ein bißchen vor mich hin, denn schon eines sei vorab verraten: Ich habe noch nicht gewählt.

Nach und nach klickte ich mich letzte Woche durch die Posts der anderen Mitnäherinnen beim Wintermantel-Sew-Along durch. Hach, das ist mal wieder eine inspirerende Aktion, gemeinsam einen Wintermantel zu planen und zu nähen! Vielen Dank liebe Frau Nahtzugabe und liebe Catherine!

Das ist schon sehr interessant, die einzelnen Mantelschnitte und Hintergedanken zu lesen. Bei mir kristallisiert sich derzeit folgende Erkenntnisse zu meiner Projektidee heraus:
  • auf jeden Fall einen Schnitt mit Bahnen - denn das ist leicht auf die Figur anzupassen
  • Der Kragen muß irgendwie ein Hingucker sein. Ich könnte mir gut vorstellen, die eine oder andere Bloggerin mit tollem Mantelschnitt mit großem Augenaufschlag und blinkernden Wimpern anzuschmachten, mir ihr Kragenschnitteil zu kopieren. 
  • ich könnte mir auch einen Webpelz-Kragen vorstellen
  • mit der Idee eines Kurzmantels freunde ich mich langsam an.
Wie viele andere auch, bin ich ziemlich angefixt von diesem Mantelschnitt:





Bildquelle und Schnittmuster käuflich hier: The Abbey Coat von Jamie Christina

Aber das Schnittmuster muß ich nicht kaufen, denn bei dem unteren Volant und den Ärmelmanschetten bin ich mir nicht 100% sicher, ob ich es mag - mir gefällt eben besonders der Bubikragen. Ansonsten ist es eben ein Mantel mit Teilungsnähten und es gibt ihn nicht für meine Größe.

Ich kann mich höchstens fragen, ob mir es mir für die Rückfront des Mantels wichtig wäre, die Teilungsnähte oben beginnen zu lassen, oder ob so ein Sattel, wie bei Johanna für mich ok wäre.



Kurz und gut, ich bin sehr inspiriert, habe mich aber noch nicht entschieden. Da ich aber in den nächsten 9 Tagen ohnehin keine Zeit zum Nähen habe und die Mantelzutaten hier schon rumliegen, fühle ich sowieso keine Eile.

Ich neige dazu, ganz faul Lucys Rat aus meinen Kommentaren zu folgen und Johanna zu nähen. Das wäre wenig Aufwand und irgendwie diesem Projekt und meinem aktuellen Leben angemessen. Ich würde dann ausnahmsweise nicht verlängern aber dafür mir vielleicht nen interessanten Kragen ausdenken.

Aber keine Hektik. Theoretisch habe ich ja bis zum 7.10. Zeit, bevor es laut Sew-Along-Plan an den Zuschnitt und die Einlage geht. 

Donnerstag, 20. September 2012

Das verspätete Näh-Fragezeichen


Vorgestern habe ich mal wieder das Näh-Fragezeichen vergessen und heute wollte ich eigentlich schreiben, dass das Näh-Fragezeichen mal Pause macht, weil mir zur Zeit irgendwie alles über den Kopf wächst. Ich hechele irgendwie meinen Aufgaben nur noch hinterher und habe das Gefühl, kaum etwas zu Ende und auf die Reihe zu bekommen. Das könnte auch daran liegen, dass MMM, MMM-Crew, Bloggertreffen, Motto-Monat, Nähfragezeichen, Live vom Tatort etwas viel blogging ist.

Aber gestern sah ich den MMM-Beitrag von Flora Fadenspiel und entdeckte.....eine zackige Kante. Ich leihe mir das Bild mal von ihr aus, in der Hoffnung, dass das ok ist.


Bildquelle: Flora Fadenspiel

Und da fiel mir ein, dass ich auch eine Zackenschere besitze und mit dieser aber noch nichts gemacht habe, außer bei Lunchbags das Wachstuch hübsch abgeschnitten zu haben. Also frage ich euch, was man noch mit der Zackenschere machen kann.



Zackenschere
Habt ihr eine Zackenschere? Nutzt ihr sie auch? Und wenn ja, wozu? Wenn ich mich recht erinnere, wurden früher oft Zackenscheren benutzt, um nicht versäubern zu müssen. Bei welchen Stoffen funktioniert das?

Das Nähfragezeichen ist bis zum 2. Oktober aktuell und kann hier in den Kommentaren oder bei Euch im Blog beantwortet werden. Dann bitte einen Link bei Mr. Linky hinterlassen, damit wir eure Antwort finden.


Mittwoch, 19. September 2012

Ungewohnt, aber möglich

Irgendeine reizende Kommentatorin erzählte mal, dass sie auch mal im Stehen in der Küche overlockt. Ich kam gar nicht dazu, den Gatten zu fragen, ob ich heute abend ausnahmsweise für ein Stündchen oder so (dauert ja meist länger, als frau denkt) den Esstisch nutzen könnte, da war dieser schon blockiert. Aber da mir dauernd das Wort "Reisekleid" im Kopf herumspukte, hatte ich schon große Lust, das anno 2011 zugeschnittene und am Sonntag mutig erneut in die Hand genommene Kleid "Onion 2007" zusammenzulocken, um zu schauen, ob es vielleicht doch...

Es geht tatsächlich. Es ist möglich, im Stehen an der erhöhten Küchenarbeitsplatte mit der Overlockmaschine zu nähen. Das Kabel fürs Pedal reichte gerade so und im Vergleich zum Nähen mit der normalen Nähmaschine ging es sogar recht gut. Ein Herzensprojekt würde ich so aber nicht nähen, deswegen sitze ich auch jetzt am Rechner, statt das andere zugeschnittene Knotenkleid zu nähen.

Und Onion 2007? Ach, das ist so lange her. Eigentlich ist es nur ein Jahr, aber es kommt mir vor, als wäre es aus den Nähanfängen. Es stammt aus einer Zeit, als ich noch nicht wusste, was für kleine Scheißerchen diese Onion-Schnitte sind. Ich mag den Stil, aber sie sind mir einfach zu klein. Onion 2007 flog mir auf der Suche nach Onion 2012 zu und da ein günstiger Jersey zur Hand war, versuchte ich mich daran und gab aus diversen Gründen vor einem Jahr auf und beschloß am Sonntag, dieses UFO, das ein Jahr auf der Overlock lag, mal anzugehen. Zur Not wirds ein Hauskleid, dachte ich. Und das wird es wohl auch. Der Ausschnitt ist riesengroß, da würde ich gerne noch ne Art weiten Rollkragen dran basteln, wenn der Stoff reicht. Schaun wir mal, ich denke die Zeit reicht sowieso nicht, dass es ein Reisekleid wird. Da kann ich es auch noch ein Jahr liegen lassen....

Und dann habe ich noch die Leggins genäht und war immens beruhigt, dass sie ungefähr 3 Größen zu groß ist. Danke Ottobre, you made my day. Ok, der Polyjersey war auch extrem dehnbar und das Schnittteil erschien mir beim Zuschnitt sehr groß. Aber dreimal enger nähen ist schon schmeichelhaft.

Hat eine ne Idee, was an der Leggins falsch ist, wenn sie in der Kniekehle Falten schlägt?

MMM - bewährt und doch experimentell





Heute mal wieder im Knotenkleid. Aber ein Neues ist es. Im Sommer habe ich es irgendwann genäht und für zu warm befunden, weil der Baumwolljersey sich sehr nach Flanell-Schlafanzug anfühlt. Außerdem wollte ich eigentlich noch "Kunst" machen, d.h mit grünem Jersey lustige Rollbündchen annähen. Das war mir dann aber doch zu viel Mühe, mir zu überlegen, wie das wohl beim Ausschnitt geht und da ich es nicht auf dem Stapel mit den unfertigen Dingen liegen lassen wollte, machte ich vor ein paar Tagen eben schnell den Saum ..... und ich liebe es!

Schnitt: Knipmode 2/2011 (den kann man übrigens bei knipmode.nl online bestellen) Es gab im Dezember noch einen Knotenkleidschnitt für große Größen, den habe ich aber noch nicht ausprobiert.
Stoff: Baumwolljersey von Stoff und Stil
Passform: nach Schnittvergrößerung gut und angenehm.
Schwierigkeitsgrad: einfach, wenn man den Trick mit dem Knoten raus hat (die Lösung gibts hier)
werde ich noch mal machen? Das nächste ist bereits zugeschnitten.

Es ist einen Tick kürzer, als meine anderen beiden Knotenkleider (hier ist das Probekleid, ohne Ärmel, hier das Zweite in grün und dort das bisher Liebste mit Retro-Muster). Hach, ich mag es so kurz! Das gibt dem Kleid das "flotte", dass ich zunächst bei dem klassischem Muster auf Marine vermisste. Ich weiß, auf den Fotos sieht der Saum schief aus, dabei ist es vorne etwas kürzer als hinten. Der Jersey zuppelt sich ja irgendwie dahin, wo er will, deswegen ist es wohl hinten etwas hochgerutscht. Damit kann ich leben.

Und dann kam das Schlimme: Kleid ist super, aber was ziehe ich dazu an? Klar, im Winter ziehe ich knallhart schwarze Stiefel zum nachtblauen Kleid an. Verschiedenfarbige Stiefel sind ein Traum, aber bisher nur im Kopfkleiderschrank vorhanden. Aber verschiedenfarbige Handtaschen habe ich. Unzählige :-) Die kommen noch aus der Zeit, als ich aus Frust darüber, dass ich beim Shoppen nichts Gescheites zum Anziehen fand, immer Taschen und Schuhe (gerne zueinander passend) kaufen musste.




In meiner Übergangsschuhverzweiflung der letzten Tage räumte ich erstmal alle verschwiegenen Ecken der Wohnung, wo ich statt Stoff Schuhe versteckt habe. Erstaunlich, was ich alles fand! Unter anderem fand ich diese braunen Stiefelletten. Sagt mal, kann ich die zum Kleid tragen? Ich finde es eigentlich ganz schick.




Und dann habe ich es mit roten Schuhen versucht, fand mich vor dem Spiegel ziemlich klasse, aber auf den Fotos nur noch so naja. Vielleicht besser mit hautfarbenen Strümpfen?

Ganz schlimm war der Versuch mit den Turnschuh-Ballerinas. Die konnten noch nicht mal durch die gelbe Tasche gerettet werden. Auf der anderen Seite sind das die einzigen Schuhe, in denen ich nicht nur einen Hinweg, sondern auch noch einen Rückweg gehen könnte...



Ach herjje, ist das schwierig mit den Schuhen. Ich mag den Knotenkleidschnitt und so weibliche Kleider gerne, aber es ist schon ein bißchen schick und sieht mit bequemen Schuhen einfach blöd aus. Ich brauche irgendwie noch nen Kleiderschnitt, der auch mit bequemen Schuhen geht, denn ich bin zu alt, um unbequem durchs Leben zu stöckeln.

Jetzt noch mal ein Bild von hinten. Sagt mal, ist es zu eng? Oder warum gibt es so Falten rund um die Taille?



Mehr tolle selbstgemachte Outfits an echten Frauen findet ihr immer Mittwochs im Me-Made-Mittwoch-Blog und hier kommt ihr direkt zur heutigen Sammlung.

Montag, 17. September 2012

Rückfall

Ganz inoffiziell hatte ich für 2012 den Plan, jeden Tag einen Rock oder ein Kleid anzuziehen und die Hosen, was bei mir zu 98% identisch mit Jeans ist, zu meiden. Ich habe das nicht an die ganz große Glocke gehängt, weil ich das 1. zu ehrgeizig fand und 2. mich auch nicht unter Druck setzen wollte. Aber insgeheim hatte ich es vor. Es ging mir nicht darum, ins Guiness-Buch zu kommen oder irgendetwas beweisen zu wollen.

Mir geht es mehr darum, dass mir mein alter Stil einfach nicht mehr gefallen hatte. Trug ich ein Shirt oder einen Pullover zu Jeans, gefiel mir die Silhouette nicht und trug ich eine Tunika, fühlte ich mich zwar weiblicher, aber zu "muddimäßig". Das Ganze hat sicherlich auch mit meinen Leben zu tun, habe ich doch einen 4 jährigen Sohn und arbeite daran, den Spagat zwischen um die Familie kümmern, aber auch wieder mehr für mich und meinen Beruf zu tun, zu managen. Mir helfen oft Uniformen, deswegen war es mir ein Anliegen, die Muddi-Uniform abzustreifen, um nach der intensiven Familienphase wieder eine andere Meike zu werden.

Doch heute hatte ich einen Rückfall. Ich bin verschnupft und konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, bei 14 Grad barfuß in Schuhe zu schlüpfen oder eine Strumpfhose anzuziehen. Ich wollte eigentlich nur einen Jogginganzug anziehen (den ich nicht besitze) und in die Kita schlürfen, um das Kind abzugeben. Also ne Jeans und ne Tunika, Socken an und los. Puh. Ich mag mich gar nicht leiden, finde es aber herrlich unkompliziert.

 Ich finde es ein Dilemma, schön sein zu wollen und alles im Griff haben zu wollen - wohlwissend, dass immer etwas auf der Strecke bleibt. Ich weiß, dass mir vieles leichter von der Hand geht, wenn ich mich schön, d.h. adäquat angezogen fühle. Aber es ist auch anstrengend. Zumindest mir geht das in manchen Situationen so. An manchen Tagen finde ich es einfach nur anstrengend, einen eben-schnell-Lidstrich-mit-Wimperntusche zu ziehen oder eine Strumpfhose anzuziehen. Gibt es nicht eine Lizenz für Schlumpftage? Ich will ja nicht jeden Tag rumschlumpfen, aber hin und wieder bin ich einfach schwach.

Das ganze Problem existiert nur in meinem Kopf, denn es gibt niemanden, der mir Vorschriften macht, wie ich aussehen solle. Aber mein Kopf ist in der Regel mein strengster Richter.

Nachtrag:
Ihr Lieben, ihr seid toll! Ihr bringt mich auf gute Idee. Ich glaube, ich brauche einfach nur für jede Jahreszeit, zumindest für die schwierigen, wie Herbst und Frühling ein "Schlumpfoutfit", mit dem ich leben kann, das als Notfallpaket für eben solche Tage bereit liegt. Und ich glaube, dass dieses Schlumpfoutfit irgendetwas mit bequemen Schuhen, in die ich einfach nur reinschlüpfen muß, zu tun hat. Ich werde darüber nachdenken, was das für den Herbst sein könnte. Danke.

Nachtrag 2:
Mir schwant langsam, dass ich tatsächlich kein Jeansproblem, sondern ein Schuhproblem habe. Wenn ich Übergangsschuhe hätte, in die barfuß oder mit Strumpfhose oder mit Leggins und Socken reinspringen könnte, dann könnte ich mir einen Haufen Jerseykleider und vielleicht noch ein paar Leggins nähen, würde morgens einfach, wie im Sommer in das Kuschelkleid springen und anschließend in die dünnen, bequemen Stiefel und alles wäre gut. Den Jerseykleidern würde ich sogar verzeihen, wenn sie keine Taschen hätten, denn im Herbst/Winter/Frühling muß frau ja ohnehin was drüber ziehen.

Taschen-Monat-September: 2. Treffen



Hallo und herzlich willkommen zum zweiten Treffen unseres Taschen-Monats-September.

Weiter geht es mit Tasche auf/in/an Erwachsenkleidung. Alles ist möglich: funktionale Taschen aber auch Taschen zur reinen Zierde.


Damit das Motto nicht mißverstanden wird, betone ich noch mal ausdrücklich, dass es nicht um Accessoires geht, sondern um Taschen, die in und auf Me-Made-Kleidungsstücken (also selbstgemachte Erwachsenkleidung) festgenäht sind. Also bitte keine Taschen zum Umhängen, in die Hand nehmen oder einpacken, sondern nur Taschen, die Bestandteil eines Kleidungsstückes sind. 

Die Regeln und der Ablauf sind wie gehabt. Obwohl es "Taschen-Monat-September" heißt, werden wir uns auch noch 2x im Oktober (1.10. und  22.10.) hier treffen. Dann könnt ihr Euren Blogbeitrag zum Thema Taschenvielfalt in der Linkliste verlinken.

Gesammelt werden:

  • Gedanken und Überlegungen zu Taschen an Kleidungsstücken an sich, zum eigenem Stil und dem eigenen Verhältnis zu Taschen, zu der gefühlten Passung zwischen Person und Kleidungsstück. Was haben Taschen mit unserem "Kopfkleiderschrank" zu tun. Gibt es einen Grund, Taschen gut zu finden - sie aber doch nicht zu nähen?
  • "alte" Taschen-Näh-Werke - Kleidungsstücke für Erwachsene - ob geliebt oder ungeliebt und wenn ja, warum
  • Taschen, die ihr von irgendwoher kennt (bitte Fotos z.B. von Kaufkleidung) und gerne mal machen würdet.
  • tolle Taschen-Tutorials (bitte beim Verlinken die Quelle nennen!)
  • und natürlich möchte ich alle euren, neuen, vom Taschen-Monat-Juli inspirierten Kleider, Röcke, Hosen, Jacken, Mäntel etc. sehen.

Die Linksammlung ist eine ganze Woche geöffnet. Das nächste Treffen findet am 17. September statt.

Über eine Rückverlinkung würde ich mich freuen. Das Bild dürft ihr gerne mitnehmen. Und jetzt gehts los! Ich freue ich auf Eure Taschen-Ideen! *Tusch*




Sonntag, 16. September 2012

Live vom Zuschneidetisch

20.11 Uhr
Tja, eigentlich wollte ich heute Hartmut Taschen verpassen. Das hatte ich den gesamten letzten Herbst vor und natürlich nie gemacht. Anlässlich des morgigen nächsten Taschen-Monat-September-Treffs  wäre das eine gute Sache gewesen, um nicht nur Gastgeberin zu sein, sondern auch was zeigen zu können. Aber ich finde den verdammten türkisen Walk nicht. Wo habe ich den nur hingetan? Ich hätte schwören können, dass er bei den himbeerfarbenen Walkresten ist. Aber leider leider....

Was mache ich also heute abend? Eine zweite Option für heute Abend war, das gepunktete Knotenkleid fertig zu machen, um es nächste Woche bei der Taufe anzuziehen. Erst wollte ich da ja ganz kunstvoll noch so grüne Saumblenden machen.... aber gerade ist mir gar nicht nach kunstvoll und ich finde es so schlicht ganz schön. Das bedeutet, dass nur noch die Säume gemacht werden müssen, was nicht besonders aufregend und viel ist. Das ginge auch mal zwischendurch.

Auf der Suche nach dem Walk habe ich noch diverse Stoffe gefunden, die ich  mehr oder weniger auf dem Zettel hatte. Zum Beispiel zwei, die "Knotenkleid" riefen. Theoretisch hätte ich ja lieber diverse Jerseykleider nach dem Weihnachtskleid-Schnitt oder so assymetrisch wie das Knip-Kleid. Aber ich finde, diese beiden Schnitte rufen nach Uni-Jersey. In Ermangelung eines besseren Jereyschnittes als das Knotenkleid für gemusterte Jerseys, sollte ich wohl aufhören, dem rotschwarzgemustertem Jersey von Stoff und Stil nachzuweinen, den ich zwar bei Rita und Rosa bewunderter, aber aus Budget- und Platzgründen nicht bestellte, sondern lieber mal aus dem Lager arbeiten.

Kurz und gut. Ich glaube, ich schneide bei Stedefreund und Lürsen noch ganz gemächlich ein Knotenkleid zu und schau mal, ob ich dann noch Lust habe, die Ovi auf schwarz umzufädeln oder ob ich dann lieber noch den Tweedrock zuschneide. Und dann wäre da noch ein letztes Jahr nach Onion 2007 zugeschnittenes graues Kleid, dass ich eigentlich gut als Rumlümmelkleid gebrauchen könnte. Aber was so lange in der Ecke liegt, ist irgendwie wenig attraktiv.

Und ihr so?

20.34 Uhr
Also ich mag Frau Postel und bei Stedefreund abstrahiere ich jetzt einfach mal den Quatsch, den Oliver Mommsen (der Schauspieler) letztens in ner Talkshow erzählt hat und finde ich einfach, ganz heimlich so als treue Ehefrau schnuckelig. Aber nix verraten, ich schau mal wieder zeitversetzt..... und fluche, weil ich den verdammten Knotenkleidschnitt nicht finde! So ein Mist. Ich dachte, der läge auf dem "Geheimwaffen-Stapel".

20.46 Uhr
Na immerhin, der Knotenkleidschnitt ist aufgetaucht, der vom Bahnenrock auch und der vom asymetrischen Knipkleid. Mmmhhh, welchen Schnitt nehme ich jetzt. Den Trubel im Tatort konnte ich leider nicht konzentriert verfolgen, aber vielleicht ist das ja auch nicht wichtig.

21.22 Uhr
Ich hasse zuschneiden. Genauer gesagt, hasse ich zuschneiden am Esstisch. Es wäre ein Traum, einen Tisch wie beim Praktikum zu haben, so richtig hoch und ohne störende Lampe darüber. Aber das Knotenkleid ist fertig zugeschnitten. Ich war erstaunt, dass der Wollstoff ziemlich dünn und durchsichtig ist. Ich bin schon sehr gespannt, wie er sich trägt. Den Tatort finde ich eher verwirrend. Liegt es an der mangelnden Konzentration?

Ich glaube, ich schneide aber jetzt noch den Bahnenrock zu. Es tut mir zwar der Rücken weh, aber auf Nähen habe ich auch keine Lust. Zur Not kann ich zur Taufe ja auch das assymetrische Kleid anziehen.  Das hatte sowieso noch keinen "großen Einsatz".

21.27 Uhr
Beim Aufräumen und Zusammenlegen des Knotenkleidprojektes und des Reststoffes (wieso ist da eigentlich noch so viel übrige? Und was mache ich damit?) fiel mir das Stichwort "Reisekleid" ein (von wem war das noch?). Nächste Woche reise ich ja zur Taufe meiner neuen Nichte und bleibe ein paar Tage in Frankfurt (wer war das noch, die in der Nähe wohnte? War das nicht "Frau Reisekleid"? Ich werde alt.) Es wäre irgendwie cool, nur Jerseykleider einzupacken. Ich sollte vielleicht doch eher mal das graue Rumlümmelkleid dahingehend studieren, was mich letztes Jahr davon abgehalten hatte, es fertig zu nähen. Das wäre eigentlich ein perfektes Reisekleid. Theoretisch. Und für Tweedröcke ist es in Frankfurt bestimmt noch zu warm.

22.03 Uhr
Cool, mein Gedächtnis ist wohl doch noch nicht komplett mittelaltersdement. Sehr schön, Frau Reisekleid, ich hoffe, du bist nicht allzu lange fort. Allerdings verrät mir mein Gedächtnis nicht, warum ich Onion 2007 nie weitergenäht habe. Ich finde keinen Fehler. Ich kann mich erinnern, dass ich spätabends, ganz kurz vom dem Sommerurlaub aufhörte zu nähen, weil ich irgendwie nichts mehr kapierte....aber warum habe ich letzten Herbst nie weitergenäht? Vielleicht weil dann mein Onion-Hass kam? Ich bin gespannt.

Ich glaube, den Tatort hätte ich mir sparen können. Komischer Film. Ich bin immer noch nicht ganz am Schluß, aber die Braut hat gerade gestanden.

22.12 Uhr
Aaaaah, ich sehe das Problem. Das Vorderteil ist komplett merkwürdig zugeschnitten, irgendwie so, als hätte mich jemand zwischendurch gestört oder so. Jetzt ist der Zuschnitt aber mehr als ein Jahr her, so dass ich leider nicht mehr weiß, was ich mir gedacht hatte. Da das Kleid jetzt schon so lange herumliegt, werde ich es jetzt "irgendwie" zusammenfrickeln und mich überraschen lassen. Ich erinnere mich auch dumpf, dass das einzig interessante an dem Kleid die Abnäher sind. Da bin ich ja wirklich gespannt.

22.21 Uhr
Oh nein, es wird immer schlimmer. Am Vorderteil, unten am Rock fehlt ein Stück und ich finde kein Zipfelchen des grauen oder schwarzen Jerseys mehr, den ich für das Kleid vorgesehen hatte. Ich erinnere mich dunkel, dass der graue bis zum letzten Rest aufgebraucht war. Nun gut, jetzt kommt "Design". Der Zufall wollte es, dass der gepunktete Jerseyrest direkt auf der Zuschnittsleiche lag. Ob ich es wagen soll und einfach ein Stück einsetzten soll? Irgendwas muß ich da schließlich einsetzen. Oder doch noch weiter nach dem schwarzen Jersey suchen?

22.50 Uhr
Witzig, ich hatte gerade ein Deja Vu (und irgendwohin gehört noch ein Accent). Ich habe im Traum schonmal den gepunkteten Stoff an das graue Kleid genäht. Sehr merkwürdig, aber ich weiß nicht mehr, wie es im Traum ausging. Nachdem ich den Pünktchenstoff einmal eingesetzt hatte, sah es etwas gestückelt aus. Dann dachte ich "wenn schon, denn schon" und schnippelte das Stück wieder ab und nähte ein Neues Teil daran, dass ich in Falten legte. Jetzt habe ich so etwas, wie eine extra eingesetzte Falten-Rockbahn unten im Kleid. Das ist Design, sag ich euch!

Und nun? Eigentlich bin ich ja jetzt gespannt, wie das Kleid aussieht, aber ich bin eigentlich zu faul, die Nähmaschine aufzubauen, um die Abnäher zu nähen.....

23.40 Uhr
Ich habe dann doch aufgegeben und aufgeräumt. Immerhin stammte der Zuschnitt noch aus der Zeit, als ich noch nicht so ordentlich war (*g*) und natürlich waren die Abnäher noch nicht eingezeichnet... Ein anderes Mal geht es daran weiter. Ich fand es aber gut, dass ich es mal angegangen bin, das olle Ding. Aber jetzt ist Schluß. Ich wünsche allerseits eine gute Nacht!

Wintermantel-Sew-Along: Teil 1







Ich habe zwar gerade eine Nähkrise (irgendwie kein wirkliches Erfolgserlebnis bei den letzten Nähversuchen), aber statt den normalen Weg zu gehen, und zwischendurch etwas Kleines zu nähen, gehe ich mal den Meike-Weg und nehme mir was Großes vor: Ich mache beim Wintermantel-Sew-Along von Lucy und Catherine mit.

Theoretisch ist die Fallhöhe nicht so groß, denn der Stoff, Futter, Knöpfe sind im Lager und waren sehr günstig. Allerdings habe ich gerade mit den günstigen Stoffen in letzter Zeit ziemlich Mißerfolge gehabt. Vielleicht hatte ich die Projekte nicht ernst genug genommen?




Der Stoff ist ein Wollgemisch vom Maybachufer und das Futter ist in echt lila und von Stoff und Stil. Das Futter hätte etwas auberginiger sein können, um perfekt zum Stoff zu passen (der hat die Farben dunkelbraun, beige, wollweiß und aubergine/lila), aber ich wollte gerne ein Knallfutter - dann ist das schon ok so. Nach meinem himbeerfarbenen Mantel vom letzten Jahr, wollte ich gerne einen etwas dezenteren Mantel mit Muster. Dezent ist dehnbar, so richtig dezent bekomme ich das ja nie hin. Er soll auch nicht spießig sein, nur eben nicht so knallig, denn an manchen Tagen und in manchen Launen ist es gar nicht so leicht, mit einem knalligen Mantel auf die Straße zu gehen.



Winter-Mantel vom letzten Herbst: Schnittmuster Johanna von Farbenmix, verlängert

Was feht ist ein Schnitt bzw. die Idee davon, was für ein Mantel/Jacke es werden soll.

Letztes Jahr wollte ich unbedingt einen langen taillierten Mantel (ohne darüber nachzudenken, dass das ohne Taille und mit Gürtelphobie gar nicht so leicht ist) und gab mein bestes, das Schnittmuster Johanna von Farbenmix auf meine Bedürfnisse anzupassen, denn alle anderen Schnittmuster, die ich bei langen Recherchen gefunden hatte, waren "nur Säcke".

In meinem Praktikum durfte ich allerdings einen noch viel tolleren Mantel nähen, den ich wirklich heiß und innig liebe. Jetzt hätte ich zwar endlich den perfekten Schnitt für so etwas, aber dafür bräuchte ich mehr als 3 m Stoff. Das heißt, der Schnitt vom grauen Praktikumsmantel fällt leider aus, weil ich nicht genügend Stoff habe.



Praktikums-Mantel, genäht Anfang 2012 : toller Schnitt, braucht aber viel, viel Stoff...

Den Schnitt vom Praktikumsmantel habe ich schon mal versucht, als Jackenschnitt (bis zur Hüfte ungefähr) als Sommerjacke zu nähen. Sieht bekloppt aus und ist noch nicht fertig, deswegen habe ich das noch nicht gezeigt.

Ich brauche also einen Mantel/Jackenschnitt den eine Frau wie ich zu Röcken/Kleidern tragen kann, der aber mit ca. 3 m auskommt oder die zündende Idee, wie ich diesen Stoff mit einem anderen Stoff ergänze, um Stoff zu sparen. Und jetzt sagt nicht, 3m wäre viel. Für eine verlängerte Johanna  reicht es gerade so, aber nicht jeder Mantelschnitt in großer Größe funktioniert mit 3 m.




Probemantel in Jeans nach Johanna und auch verlängert - wie man sieht, genäht April 2011

Für den Johanna-Schnitt spricht, dass ich jetzt weiß, was ich ändern muß, damit er mir passt, denn schließlich habe ich ihn schon 3x genäht. Hier seht ihr noch den Jeansmantel und den Regenmantel nach dem gleichen Schnitt. Der Regenmantel ist etwas kürzer und gefällt mir eigentlich von der Länge ganz gut.... zu Hosen. Für Röcke finde ich es etwas ungewohnt, einen Kurzmantel zu tragen. Was meint ihr? Funktioniert das auch in kurz?


Regenmantel, auch nach Johanna von Farbenmix, genäht April 2011

Wenn ich Johanna verwenden würde, würde ich auf jeden Fall hinten einen Riegel arbeiten, um ihn noch etwas auf Figur zu bekommen (ohne schon jetzt zu wissen, wie das mit dem Riegel funktionieren könnte.

Achso, einen Kurzmantel habe ich noch genäht: Hartmut. Das Schnittmuster könnte ich natürlich auch verwenden. Allerdings habe ich faule Socke nicht notiert, was ich alles geändert habe. Es waren aber maßgeblich Abnäher, wenn ich mich recht erinnere. Außerdem ist es ein Schnittmuster (aus der Ottobre 5/2009 ) für einen ungefütterten Mantel. Da wäre also noch einiges an Eigenleistung zu machen, um ihn zu füttern. Das wäre aber schon machbar, würde ich sagen.


Ungefütterter Walkmantel, genäht Herbst 2011

Wenn ich mir die Bilder hier so versammelt ansehe, dann könnte ich mich in den Hintern beißen, dass ich nicht einen Meter mehr Stoff letztes Jahr gekauft habe! Mein Herzblatt wäre schon der Schnitt vom Praktikumsmantel, aber ich bin extrem fantasielos, welche Schnittteile bzw. Teile von Schnittteilen ich mit einem anderen Stoff arbeiten könnte, um meinen vorhandene Stoff zu ergänzen.

Was brauche ich also, um einen Mantel zu nähen?

Ich bräuchte

  • entweder ein ganz anderes Schnittmuster (das wird schwer zu finden in meiner Größe!) für einen schicken Wintermantel oder eine Jacke.
  • oder die Inspiration, wie ich beim Stoffverbrauch des Praktikumsmantel tricksen könnte, also mit was für einem Stoff und vor allen Dingen an welchen Stellen ich den vorhandenen Stoff ergänzen könnte.
  • oder aber - der einfachste Weg - die Überzeugung, dass ein Kurzmantel fesch und praktisch zum Rock wäre. 
Alles andere ist im Prinzip da. Alles, was ich noch nicht kann, bin ich mutig genug auszuprobieren. Mantel nähen ist zwar ne große Aufgabe, lohnt sich aber, weil man das Ding ständig anhat. Einen anderen Stoff werde ich aber dieses Jahr für ein Mantelprojekt nicht kaufen. 

Habt ihr ne Idee?

Bitte lasst euch nicht frustrieren, von meinen vielen Mantelprojekten. Ich wollte letztes Jahr einfach nen Probemantel (Jeansmantel) nähen, bevor ich an den teuren Walk gehe. Hartmut ergab sich eher zufällig, weil ich so viele Frau Tulpe-Gutscheine geschenkt bekommen hatte und der Praktikumsmantel war auch zufällig in mein Leben gekommen. Tja, rate ich jetzt zu einem Probemantel? Eher nein, wichtiger als ein Probemantel ist wirklich ordentlich messen und zwar Körper + dicken Pulli und die Schnittmusterteile. Der Probemantel ist nur bedingt aussagekräftig, wenn er aus einem anderen Material genäht ist.

Ich bin schon sehr gespannt, wie es Euch so geht. Von was für Wintermänteln ihr träumt und freue mich schon sehr, auf das gemeinsame Träumen, Schwitzen, Planen, Nähen und Freuen.

Mehr Teilnehmerinnen des Wintermantel-Sew-Alongs findet ihr hier. 

Danke Lucy und Catherine für die schöne Idee!

Freitag, 14. September 2012

Tatsächlich Herbst

Nachdem ich heute morgen über den Herbst noch etwas überrascht war, habe ich beim nächsten Verlassen des Hauses dann doch Stiefel angezogen. Herrlich! Ich wusste gar nicht mehr, was warme Füße sind! Aber bekloppt ist das schon. Angeblich wird es übermorgen wieder 22 Grad.

Heute kam auch die Stoff und Stil-Lieferung. Also, den Gymnastikstoff kann man sicherlich zu Leggins verarbeiten, bekommt aber sicherlich davon Augenkrebs. Der Bi-Stretch ist leider überhaupt nicht dafür geeignet. Ich frage mich, was ich mit 2 Stücken a 1,15 m in blau und grau anfangen könnte. Das könnte ein zweifarbiger Bahnenrock werden. Aber egal. Die Investition war nicht so hoch. Von den Futtertstoffen, die ich bestellt habe, war bin ich ganz angetan. Und dann habe ich noch diesen grünen Jersey Jacquard bestellt, den finde ich auch ganz gut. Das wird bestimmt ein nettes Winterkleid. Im Großen und Ganzen bin ich aber etwas enttäuscht von meiner Bestellung. Ich glaube, ich bin nicht so die Onlinebestellerin, denn ich muß fühlen, bevor ich mich entscheide.

Herbst

Ich bin komplett aufgeschmissen. Der Herbst kam so plötzlich. Da kokettiert frau eben noch mit Nähplänen á la Tweed oder Wintermäntel-Sew-Along und denkt sich, ach was, das ist doch graue Theorie und noch ewig hin. Und dann wird mir gestern morgen klar "ohne Strümpfe wirds jetzt heikel" und heute bin ich komplett aufgeschmissen.

Der Zufall wollte es zwar, dass wir uns letzte Woche rund um Oldenburg verfuhren und durch Zufall bei einem dicke-Frauen-Lagerverkauf landeten, bei dem ich zwei lila und eine rote Leggins und eine lila Strumpfhose kaufte, aber was für Schuhe ziehe ich an? Das Übergangs-Schuh-Problem werde ich einfach nicht los! Ich kann doch nicht nahtlos von barfuß-in-Sommerschuhen auf Stiefel wechseln. Aber es hat draußen 13 Grad! Verzweifelt suchte ich nach einer dünnen Strumpfhose in der Stumpfschublade. Die hautfarbenen, die ich eigentlich gar nicht nicht mag, hatten alle Laufmaschen, die Schwarzen gingen gar nicht. Ich kann doch nicht im September eine schwarze Strumpfhose anziehen! Es ist so verdammt schwer, nicht einfach in eine Jeans zu schlüpfen!

Und jetzt sagt nicht: machs doch einfach! Nein, ich will nicht. Ich sehe furchtbar damit aus. Basta!

Mittwoch, 12. September 2012

Doch MMM - Fazit: Shirts nähen



Eigentlich wollte ich heute nicht beim Me-Made-Mittwoch mitmachen. Dabei hatte ich mir gestern abend noch große Mühe gegeben. Ich stellte das hässliche Kleid und zwei hässliche T-Shirts fertig. Aber ich mag diese Sachen einfach nicht anziehen.

Doch als ich heute morgen das Haus verlassen wollte, stellte ich fest, dass ich, wie eigentlich fast jeden Tag, me-made gekleidet bin. Also mußte der Kleine noch schnell zwei Fotos von mir machen (das ist übrigens sehr viel entspannter, als mit dem angespannten, perfektionistischem Gatten) und ich bin doch dabei: ganz im Sinne von MMM=Alltagskleidung.

Das habe ich an: 
einen selbstgenähten 8-Bahnenrock (wie eigentlich jeden Tag), ein selbstgenähtes Shirt, eine recycelte Strickjacke und, dem Schleudertrauma geschuldet, einen gekauften Schal sowie gekaufter Unterwäsche, Schuhe und Tasche.

Rock: Schnitt selbstgemacht, gestreifter "Jeans", ungefüttert, Schrägbandsaum
Shirt: China-Shirt, Baumwolljersey



Fazit: Shirts nähen

Vor ein paar Wochen wollte ich aufgrund des aufmunternden Nähfragezeichens, mich doch mal daran wagen, T-Shirts zu nähen. Vorher hatte ich nicht wirklich Bedarf, bzw. der Bedarf an anderen, wirklich gut passenden Kleidungsstücken, war größer. Außerdem mag ich ganz schlichte Basic-Shirts eigentlich ganz gerne zum interessanten Rock. Aber, ich bin ja experimentierfreudig und positiven Argumenten gegenüber durchaus aufgeschlossen.



Also nähte ich dieses Shirt und fand es grottig.



Dann zerschnitt ich es und nähte daraus dieses Shirt - das zwar besser ist, indem ich mich aber so unwohl fühlte, dass ich es wochenlang liegen liess, um es erst gestern fertig zu machen. Irgendwie passen der labrige Viscosejersey und die mit Vliesline bebügelten festen Abschlüsse nicht zusammen. Gestern abend hatte ich es dann endlich fertig gemacht (es stand nur noch der Saum aus), aber heute morgen fand ich es zu dünn, zu flattrig und vor allen Dingen zu schrill.



Dann habe ich noch dieses Shirt genäht und ich mag und trage es auch nicht. Der eine Gummi am Arm ist zu eng. Sehr merkwürdig, waren doch beide Gummis genau gleich lang. Anscheinend habe ich rechts Muddi-Muckis vom Kind hochheben. Außerdem mag ich die misslungene Kräuselung am Ausschnitt nicht und überhaupt, habe ich irgendwie nix, was dazu passt. Schade um die Zeit und den Stoff.

Das einzige gute Ergebnis meines Shirt-Experimentes ist das Gepunktete, das ich heute und auch sonst recht oft anhabe. Der Schnitt ist das China-Shirt von der Schnittquelle. Den finde ich richtig gut: das Shirt ist was besonderes und ist wirklich schnell und einfach genäht. Der Ausschnitt macht einfach was her. Den etwas dickeren Baumwolljersey von Stoff und Stil mag ich auch gerne, obwohl er sich ein bißchen nach Schlafanzug anfühlt. Da die Grundfarbe irgendwas zwischen schwarz und marine ist, bin ich da auch nicht so genau und trage es mal als schwarz oder marine. Zu dem gestreiften Rock mit den kleinen Ankern auf dem dunkelblauen Schrägband, gefällt es mir am besten. Ich habe aber auch keine Hemmungen, es mit der schwarzen Jacke Jacke zu kombinieren.

Shirt-näh-Fazit: ich glaube, das ist nicht so meine Welt, dazu habe ich einfach viel zu viele andere Bedürfnisse bezüglich Röcke, Kleider und Mäntel. Ich finde auch, dass ich zu unordentlich dafür nähe und mich deswegen nicht mit den Kauf-Shirts messen kann. Bei einem Kleid, das so einen Gesamt-AAAh-und-OHhhh-Effekt hat, fällt das nicht so auf. Da müsste schon ein wirklich genialer Jersey kommen, der so dermaßen perfekt zu einem Rock passt, dass ich mich noch mal an dem Thema versuchen würde. Und wenn überhaupt, dann wohl das China-Shirt.

Mehr tolle Craftistas in schönen, selbstgemachten Outfits findet ihr heute hier.

Dienstag, 11. September 2012

Sichtbar und einflußreich

Oft habe ich das Gefühl, dass wir Craftistas mit dem Me-Made-Mittwoch  und den damit verbundenen Ideen, warum unsere Aktion von Bedeutung ist (z.B. hier bei mir oder dort bei Catherine um nur zwei Beispiele zu nennen), in der hintersten Ecke des Internets versauern. Da ist es gemütlich und da bewegt sich was - aber es wird gesellschaftlich bzw. in der Blogosphäre und der medialen Welt kaum wahrgenommen, während eine Aktion wie #609060 ne irre Welle schlägt, weil diese andere Blog-Welt von Journalisten gelesen und ernst genommen wird. Warum ist das so? Wäre es unsere Aufgabe, uns mit dem Rest der Welt besser zu vernetzen? Sind wir schon so weit?

Ich will nicht jammern. Derzeit ist es so, wie es ist und vielleicht brauchen wir, brauche ich, brauchte das Thema einfach seine (richtige) Zeit. Umso schöner finde ich es, dass eine von mir sehr geschätzte feministische Nachdenkerin, Antje Schrupp, sich des Thema Schönheit und Kleidung in ihrem Blog annimmt und ihm damit eine Wichtigkeit gibt, die ich mich selten traue, zu formulieren.  Ich zitiere:

"... wie Frauen in der Welt sichtbar und einflussreich sein können, ohne sich anzupassen. Und dabei ist die Frage des Aussehens – oft belächelt und für nebensächlich erklärt –eine ganz wichtige. Wir haben dafür das Bild der „fünf schönen Königinnen“ gefunden, in dem die drei Komponenten dessen benannt sind, was eine Frau, die in der Welt etwas bewirken will, braucht: Sie darf nicht allein sein, sie muss schön sein, und sie muss souverän sein (in dem Sinne, dass sie ihrem eigenen Urteil vertraut und nicht in erster Linie anderen gefallen will).
Ich finde tatsächlich, dass das ein politisches Thema ist, das natürlich die Geschlechterdifferenz unmittelbar berührt. Menschen, die sich in ihrem Körper und mit ihrem Erscheinungsbild wohlfühlen, sind selbstbewusster, mutiger, eher bereit, Konflikte auszuhalten und für ihre subjektiven Ansichten einzustehen. Die Wahl der Kleidung kommuniziert Dinge, Standpunkte, Werthaltungen – und es gibt guten Grund, das nicht für unwichtig und nebensächlich zu halten, sondern zu reflektieren, individuell und politisch, also im Austausch mit anderen."


Aber hingehen und weiterlesen müsst ihr selbst. Es lohnt.


Montag, 10. September 2012

Ohne Models


"Unterschiedliche Models mit ein und demselben Körper, wenig dezente Photoshopkunst bei H&M"

Bild, Zitat und Informationsquelle: derStandart.at, Originalbild von H&M

Ich wusste gar nicht, wo ich in der Überschrift die Tüdelchen hinmachen soll, dann habe ich es einfach gelassen.Wusstet ihr, dass die Frauenbildchen in dem H&M-Onlineshop (und in anderen auch), gar keine echten Frauen sind, sondern computergenerierte Frauenbildern, denen die Klamotten an und die Köpfe aufmontiert wurden? Und die schämen sich nicht mal dafür, die Leute, die so etwas veröffentlichen. Da ist es ja regelrecht harmlos, Serviererinnen eine "Aufwandsentschädigung" und ein Gratisabo in die Hand zu drücken und zu fotografieren.

Umso mehr freue ich mich, dass unser Me-Made-Mittwoch "ohne Models" ist und wir mit unseren echten Bildern an echten Frauen Realität schaffen, an die ich mich sehr gerne gewöhne! Ich fand es letzte Woche supersupersupergut wie viele Frauen sich einen Ruck gegeben haben und ihre Sachen am eigenen Körper fotografiert haben. Das war echt noch mal ein Quantensprung. Herzlichen Dank dafür!

Sonntag, 9. September 2012

Live mit Borowski

19.59 Uhr
Guten Abend die Damen. Heute abend wird es wieder schwer. Eigentlich ist das Wohnzimmer meins und der Tisch aufgeräumt. Andererseits ist es mal wieder warm in der Bude und ich quäle mich mit latenter Näh-Unlust. Und dann noch Herr Borowski, für den ich ja heimlich schwärme. Letzteres ist allerdings besser geworden, seit dem Frau Kilkeli die noch unglaublich viel tollere Psychologin ersetzt hat.

Was steht heute abend an. Der vernünftige Plan wäre es, das Wickelkleid fertig zu nähen. An dieses wollte ich noch eine gelbe "Einfassung" nähen. Der Stoff ist gekauft, aber mit Unglück verbunden, denn auf dem Rückweg vom Stoffkauf, hatte ich den Autounfall. Das ist wirklich ärgerlich. Da nähe ich ein Kleid, finde, dass es doof aussieht, fahre los, um 50 cm Dekoration zu kaufen und dann nix wie Ärger, Kosten und Schmerzen. Mein Verhältnis zu dem Kleid ist etwas gestört.

Andererseits. Nachdem ihr mich in den letzten Tagen so hervorragend dabei unterstütz habt, über Leggins-nähen nachzudenken, habe ich gestern wie durch Zufall zwei geeignete dafür vorgesehene Stoffe gekauft und heute tatsächlich auch das Ottobre-Schnittmuster in meiner Sammlung gefunden. Das ist ein Zeichen!

Mal schaun. Vielleicht stricke ich ein paar Runden Frangiflutti, um in den Tatort reinzukommen, schneide dann die gelben Streifen und pause das Legginsschnittmuster ab.... ich finde, das ist nen ganz guter Plan.

Und ihr so?

20.51 Uhr
Heijeijei gruselig, aber auch noch nen bißchen symbolüberladen. Muß Frau Kilkelli aussehe wie Schneewittchen? Hat Herr Borowski schon immer dunkle Hemden mit grünen Kravatten getragen? Das sieht nicht schön aus. Ich stricken noch ein bißchen weiter....

21.14 Uhr
Bin ich froh, dass ich nicht alleine wohne. Und dass ich die vorlaute Frau Kilkelli zwar manchmal auf der Straße sehe, sie aber nix sagt, wenn sie an mir vorbei läuft.

So, genug gestrickt für heute. Ich pause jetzt den Legginsschnitt ab.

21.34 Uhr
Wow, nur ein Schnittmusterteil und dieses nur 2x zuschneiden. Ich beginne zu verstehen, wieso manche Frauen Leggins nähen. Jetzt bin ich gespannt, wie sich der flutschige Polyesterjersey zuschneidet.

21.36 Uhr
Das Schnittteil ist allerdings riesig. Ich kann nicht glauben, dass ich wirklich so nen extrem dicken Hintern habe und hoffe, dass es mir geht, wie bei der Ottobre-Walkjacke, die viel zu groß war. Es ist immerhin Jersey.

21.56 Uhr
Zeitversetzt, dank Festplattenrecorder nun die heiße Verfolgungsjagd. Ich hoffe immer noch, dass Frau Kilkeli den Dienst quittiert und die Psychologin zurückkommt.

Zuschneiden ging ganz gut. Es hat nur eine Weile gedauert, bis ich den Stoff schön gelegt hatte. Dass das eine Teil nicht auf meine mittlerweile zwei Schneideunterlagen passt, kränkte mich zuerst, aber dann kapierte ich, dass es ja Nahtminimierung und deswegen nur zwei Teile sind. Ich bin gespannt, wie sich der Flutschjersey näht. Aber heute nicht mehr. Die Overlock ist weiß gefädelt und der Flutsch ist braun. Erst muß ich das Wickelkleid fertig nähen. Hier in der Bude ist es dank Fernsehheizung tropisch. Aber ich schneide trotzdem noch die gelben Streifen zu. Heldin!

22.00 Uhr
Huch? Hat der Borowski den Mörder entkommen gelassen?

22.36 Uhr
Nur kurz nach dem Film das Licht ausgemacht, um zu Lüften, schon ist die Arbeitsmotivation flöten. Ungefähr 6m Streifen brauche ich, wenns überall rundum gehen soll. Ob die Frau im Laden wohl die 50 cm einigermaßen gerade abgeschnitten hat? Soll ich pessistische Streifen schneiden, wenn ich das Licht wieder anmache?

Noch ne halbe Stunde bis Kulturitschko. Irgendwie ist mir  - trotz Platz - heute mehr nach stricken. Wenns nur nicht so warm wäre! Und so dunkel!

Donnerstag, 6. September 2012

Leggins sind keine Hosen - Teil 2


Nachtrag nach 6 Kommentaren (Danke!) und 1 Nacht drüber schlafen:

Mir geht es um "Erwachsenen-Leggins", also genauer gesagt, um Leggins für mich. Und da tu ich mir schwer, mir geringelte Baumwolle anzuziehen, obwohl das vielleicht auch mal einen Versuch wert wäre. 

Mir schwebst noch was anderes vor. Es müsste doch Microfaser oder so was geben, was eher so einer dickeren Stumpfhose entspricht. Sehr dehnbar, aber nicht so glänzend wie die Gymnastikanzüge von Jane Fonda. Vielleicht mit einem Wollanteil oder Seide.

Ich suche dehnbares Material für Frauenbeine, um Leggins zu nähen. Das muß es doch geben! Aber wie heißt so etwas und wo bekommt Frau es her?

Nachtrag:

Dieser Post und der davor sollen eine Tipps&Tricks-Sammlung zum Thema Leggins-Nähen sein. 

Ich lösche jetzt alle Kommentare, die nicht dazugehören. Ich bitte darum, Meinungen wie "kann man doch überall kaufen" (stimmt leider für dicke Frauen nicht) und "Leggins sehen doof aus"-Statements oder -Diskussionen in Euren Blogs zu schreiben bzw. zu führen. 

Mittwoch, 5. September 2012

Leggins sind keine Hosen

Meine Damen, ich brauche Eure Hilfe. So viele von Euch schreiben, dass sie Leggins nähen.

Bittet verratet mir die ultimative Stoffquelle und den Namen des ultimativen Stoffes. 

Der Herbst kommt in großen Schritten näher und es gruselt mich. Ich habe jetzt in den vergangenen Monaten des Jahres 2012 nur 4 oder 5 mal eine Jeans getragen, aber ich stehe kurz vor einem Rückfall, wohlwissend, wie bekloppt die Röllchen überm Hosenbund aussehen. Aber obwohl ich ne heiße Type bin und ewig ohne Strümpfe rumlaufe - langsam wird es morgens frisch an den Beinen.

Ich habe weder Zeit noch Geld, diverse Leggins zu nähen, die nicht toll sind. Euch geht es doch bestimmt genauso. Lasst und hier nen Wissenspool zum Thema Leggins-nähen aufmachen und uns Gegenseitig die Geheimnisse verraten. Bei Frau Nahtzugabes Wickelkleid hat das Zusammentragen des gemeinsamen Wissens doch super geklappt. Lasst uns ein bißchen fischeln und unsere Schwarmintelligenz nutzen. Das wäre sooo toll!


MMM - nur neu kombiniert, aber echt




Das Bild hat mein 4 Jähriger Sohn morgens beim Warten auf den Bus gemacht.

Schnitt: selbstgemachter 8-Bahnenrock-Schnitt
Stoff: Twill aus Baumwolle (leider sehr schmutz und knitteranfällig), gefüttert mit teurem Viskosefutter, was sich ganz herrlich an den nackten Beinen anfühlt. 
Passform: ich liebe meinen Bahnenrock, aber bei diesem Exemplar sitzt mir der Bund etwas zu hoch. da muß ich beim nächsten aufpassen. 
werde ich nochmal machen: na klar!

Bevor ihr zur Rüge ansetzt, dass ihr meinen gelben Rock und mein Frühlingsjäckchen schon kennt, möchte ich doch noch erklären, warum ich das noch mal zeige: Weil es echt ist, weil es ein echtes Foto an einem echten Tag an einer echten Frau ist. Allerdings noch am frühen Morgen, bevor der Rock ziemlich vom Sitzen verknittert war.

Im  Rückblick, nach dem ersten neuen MMM auf dem MMM-Blog hat die MMM-Crew, zu der ich auch gehöre, betont, dass wir "Bilder an der Frau" wünschen. Dazu stehe ich, wohlwissend, wie schwer es oft ist, gute Bilder zu organisieren. Mein gestrige Post, der das Thema auch aufgreift, liegt mir sehr am Herzen, denn ich glaube an die Macht der öffentlichen Bilder. Ich zitiere mal das Ende meines Beitrages:

"Wenn wir uns zeigen, mit unserem echten Körper und wenn es zum Beispiel beim MMM, bei #609060, bei fatshionista immer mehr echte Menschen zu sehen gibt, die Wert darauf legen, sich schön zu machen, um sich gut zu fühlen, dann verändert sich etwas. Vielleicht nur ganz langsam, vielleicht auch schneller als wir denken. Wir haben mindestens eben so viel Macht wie die Brigitte (die jetzt doch überlegt, die Aktion wieder einzustampfen). Wir müssen uns dieser Macht nur bewußt sein.
Jedenfalls sind wir nicht ausgeliefert. Gerade, weil wir nähen und weil wir nähen-und-bloggen, haben wir die Macht für uns im Kleinen das zu schaffen, was uns gut tut und im Großen können wir andere ermutigen, dies ebenso zu tun. Wir sind nicht mehr abhängig von der Mode-und Bekleidungsindustrie. Ist das nicht großartig. Lasst uns großartig sein!"

Mir nützen Bilder an der Puppe oder Klamotten, die auf dem Bett liegen, genauso wenig, wie Shop-Fotos in Größe 34. Ich kann mir dann nur schwer vorstellen, wie das wirklich aussieht. Natürlich muß ich auch bei einer Frau mit anderen Maßen als ich abstrahieren und meine Vorstellungskraft kreativ werden zu lassen, um zu entscheiden, ob etwas Vergleichbares auch etwas für mich wäre. Aber es fühlt sich trotzdem echter an. Am liebsten hätte ich nur noch MMM-Fotos und Beiträge, die am Ende eines langen, harten (normalen) Tages gemacht wurden, um zu schauen, ob sich das morgendlich ausgewählte Outfit bewährt hat. Aber dann hätten wir vermutlich nicht so viel Teilnehmenden, denn es ist ja viel schöner, Mittwochs abends auf dem Sofa zu liegen und durch die wunderbaren Beiträge zu surfen, als selbst einen zu schreiben.

Hat sich mein Outfit bewährt?

Ich gestehe, ich habe es nicht den ganzen Tag getragen. Vormittags, als berufstätige Frau war es ein gutes Outfit. Auf der Rückfahrt vom Termin habe ich das Shirt aus dem Bund gezuppelt und fühlte mich damit zwar nicht mehr so adrett, aber wohler. Nachmittags habe ich mir für die Spielplatzsession etwas anderes angezogen. Der gelbe Rock ist doch sehr schmutzempfindlich.



Das "andere" für den Nachmittags war übrigens - wie so oft -  das "Eisbärenkleid" (für dieses Outfit habe ich kein aktuelles Foto), denn das ist etwas luftiger, unkomplizierter und nicht schmutzempfindlich. Wie gut, dass ich nicht mehr am Rande des Sandkastens sitzen muß, denn dafür wäre es zu kurz.

Viel mehr wunderbare und echte Me-Made-Outifits findet ihr in unserem neuen Me-Made-Mittwoch-Blog. 


Dienstag, 4. September 2012

Besser spät als nie: das aktuelle Näh-Fragezeichen



Am liebsten würde ich ja das Näh-Fragezeichen ausfallen lassen, weil mich eigentlich viel mehr interessiert, was ihr zu meinem Beitrag heute mittag zu sagen habt. Aber ich neige zu Dogmatismus und habe tolle Leserinnen, die mir mit guten Fragen aushelfen, wenn ich gerade mal keine parat habe. Deswegen jetzt noch kurzvorschluß das neue Näh-Fragezeichen.

Die heutige Frage ist von Frau Linkshänderin. Ich habe nur ganz wenig ergänzt. Vielen Dank!

Trauma oder Vorbild
Wurdest du als Kind von Mama, Oma, Tante oder vielleicht sogar Papa benäht/bestrickt/becraftelt? Hat diese Person auch für sich selbst genäht? Wie fandest du das damals? Und wie findest du es aus heutiger Sicht. Hat es dich geprägt?

Antworten könnt ihr ZWEI Wochen lang, hier in den Kommentaren oder bei Euch im Blog. Hinterlasst  , wenn ihr bei Euch antwortet, bitte einen Hinweis bei Mr. Linky, wo wir euch finden.


Echte Frauen - #609060

Sorry, Mädels, das Nähfragezeichen muß warten. Jetzt muß ich erst noch mal was anderes schreiben. Echt jetzt.

Den  Blog Journelle lese ich schon ewig. Jahrelang. Das kann ich nur empfehlen. Ein interessanter Einstieg für alle, die hier gerne lesen ist das Essay "Mehr auf den Leib geschneidert und weniger geschneideter Leib" vom 10. August, zu dem ich eigentlich schon die ganze Zeit meinen Senf geben wollte. Im Trubel um den "neuen MMM" habe ich das aber immer wieder vergessen. Journelle greift das Thema heute aber noch mal auf, das erinnerte mich, meine Gedanken auch noch mal in Worte zu fassen.

Journelle startete mit dem ersten Essay die Aktion #609060, fotografierte sich täglich mit ihrem normalen Outfit und postete dieses Bild. Schnell schlossen sich ihr immer mehr Leute an, die auch Bilder von sich in ihren normalen Klamotten unter dem Hashtag posteten und es entspann sich eine Diskussion über "das normale". Obwohl ich mich nicht aufgefordert fühlte, dort auch noch mitzumachen, fand ich die Aktion toll, denn mich interessierte das alltägliche, das ungefotoshopte genauso wie die Träume und Kopfkleiderschränke. Nachdem meine Hoffnung auf das "normale" von der Zeitschrift Brigitte und ihrer merkwürdigen Aktion "Ohne Models" jämmerlich enttäuscht wurde, weil dort auch wieder nur dünne und hübsche Frauen zu sehen sind, die dann auch noch irgendwelche tollen Jobs haben und exotisch wohnen.... fand ich die Aktion #609060 für "normale" Menschen, also Menschen, die nicht nähen, eine tolle Sache.

Wir Näherinnen haben ja schon seit mehr als einem Jahr das tolle Forum Me-Made-Mittwoch, bei dem wir uns alltäglichwunderschön präsentieren können, um einander Mut zu machen, Dinge auszuprobieren, um zu schauen, wie Schnitte an "normalen" Frauen aussehen und um nach und nach mit steigender Selbstakzeptanz herauszufinden, wie wir gerne aussehen wollen, um uns gut zu fühlen. Interessanterweise wird aber der MMM anscheinend oder vielleicht, so genau weiß ich das gar nicht, von einigen oder vielen ganz anders interpretiert. Ich habe das Gefühl, "Stolz" die Hauptmotivation ist, am MMM teilzunehmen. Das finde ich legitim, uns allen tut doch verdammt gut nach einem "seht her, was ich geschaffen habe" positives Feedback zu bekommen. Eine andere Motivation kann natürlich auch der immense Zuwachs an Bekanntheit und BesucherInnenzahlen auf dem Blog sein, der durch den MMM zustande kommen kann.

Als wir uns als neue Crew in den letzten Wochen über die neuen MMM-Regeln Gedanken machten, wurde uns immer deutlicher klar, dass wir gerne "echte Outfits an echten Menschen" sehen wollen, wohlwissend, wie viel mehr Aufwand es bedeutet, gute Fotos an Menschen zu machen, statt mal eben ein neues Kleidungsstück aufs Bett zu legen oder der Puppe überzuziehen und zu fotografieren. Wir hatten die Sehnsucht nach Klasse statt Masse. Ein toller MMM-Beitrag ist, der aussagekräftige Fotos über den Gesamteindruck und vielleicht noch Details hat und einen informativen Text, über Erfahrungen mit Schnitt und Material etc. Das heißt dann vielleicht auch, dass man nicht jede Woche teilnehmen kann, weil es eben nicht jede Woche möglich ist, einen tollen Text mit tollen Fotos zu liefern. Was genau nun "toll" bedeutet ist immerhin noch offen genug. Mein Kompromiss besteht darin, immer mal den Kopf abzusäbeln, wenn ich nicht will, dass ein Bild, auf dem ich mich scheußlich finde, auf Dauer im Internet kursiert und mir zugeordnet werden kann. Mit Kopf ist zwar netter, aber bei schnellschnell Fotosessions ist leider nicht immer garantiert, dass alles prima ist. Ich kann auch jedeN verstehen, die ihre Anonymität aufrecht erhalten will. Internet ist öffentlich - da muß jede selbst entscheiden, was sie zeigen will oder eben auch nicht.

Und trotzdem bleibe ich dabei: ich finde "echte Menschen in echten Outfits" toll, weil es meinen Blick auf die Welt verändert. Egal, ob meine Nachbarn nur in Jeans herumlaufen oder ich bin Einkaufszentrum spätestens ab Oktober nur noch Outdoorjacken sehe. Immer wieder Mittwochs sehe ich beim MMM tolle Frauen in tollen Outfits, die manchmal, aber nicht zwangsläufig "der Norm" entsprechen, was ungemein inspirierend für mich ist. Wenn wir uns zeigen, mit unserem echten Körper und wenn es zum Beispiel beim MMM, bei #609060, bei fatshionista immer mehr echte Menschen zu sehen gibt, die Wert darauf legen, sich schön zu machen, um sich gut zu fühlen, dann verändert sich etwas. Vielleicht nur ganz langsam, vielleicht auch schneller als wir denken. Wir haben mindestens eben so viel Macht wie die Brigitte (die jetzt doch überlegt, die Aktion wieder einzustampfen). Wir müssen uns dieser Macht nur bewußt sein.

Jedenfalls sind wir nicht ausgeliefert. Gerade, weil wir nähen und weil wir nähen-und-bloggen, haben wir die Macht für uns im Kleinen das zu schaffen, was uns gut tut und im Großen können wir andere ermutigen, dies ebenso zu tun. Wir sind nicht mehr abhängig von der Mode-und Bekleidungsindustrie. Ist das nicht großartig. Lasst uns großartig sein!

Montag, 3. September 2012

Berlin, ich komme!



Gewöhnt euch nur nicht daran, dass hier mehrmals am Tag Postings auftauchen. Das ist Zufall und macht mich als private Bloggerin auch herrlich sympathisch und unterscheidbar von den professionell gepflegten Blogs, die ansprechend abwechslungsreich gestaltete Themenvielfalt für ihren Blog vorbereiten und planen. Nee, das ist hier nicht so. Hier werden die Feste gefeiert, wie sie fallen - und glaubt nicht, ich hätte schon eine Näh-Fragezeichen-Frage für morgen.

Also heute noch einen Beitrag zum Bloggerinnentreffen. Hach, was freu ich mich darüber und darauf. Und obwohl ich letztes Jahr dabei war und sozusagen ein alter Hase bin, finde ich es doch wieder aufregend. Frau weiß ja nicht, wer so kommt. Und wenn ja wie viele. Und überhaupt.

Aber egal, das wird schon gut. Traut euch, falls ihr noch unentschlossen seid. Und egal, ob ihr nur am Treffen oder am Damenprogramm oder am Marktbesuch teilnehmt oder an allem zusammen - eine Reise nach Berlin, eine kleine Auszeit lohnt doch immer! Das habt ihr euch verdient!

Und wozu das Ganze? Na, um tolle Frauen zu sehen. Um Menschen dreidimensional und mit Ton zu erleben, die ihr sonst nur vom Blog kennt. Um haufenweise Stoff auf dem Markt zu kaufen (Fertigpaketkarton mitnehmen und im naheliegenden DHL-Laden aufgeben und nachhause schicken). Um zu erleben, wie toll es sich anfühlt Teil einer Bewegung zu sein. Um in den Genuß eines ganzen Haufens wunderbarer, gutgekleideter Frauen zu kommen. Wo gibts denn sowas.

Na, in Berlin. Am 18.11.2012. Und mehr Informationen gibt es bei Catherine.
Ick freu mir!
Kommstde ooch?

Feministisches Nähen?

Vorhin hatte ich, im Gespräch mit einer Freundin, einen wunderbaren Aha-Effekt. Sie sagte:
"Stricken ist leichter als nähen und außerdem braucht man für das Nähen so viel Platz".
Es stimmt, dass frau zum Nähen Platz braucht. Ja klar, zuschneiden braucht Platz, die Nähmaschine(n) brauchen Platz, das Material braucht Platz. Aber wollen wir Frauen immer nur bescheiden und still in unserer Sofaecke sitzen und platzsparend stricken?

In den letzten Tagen habe ich mich ganz oft gefragt, was Feminismus für mich ganz persönlich bedeutet. Was in meinem Leben und Handeln ist feministisch? Alle paar Jahre lohnt es sich, mal wieder darüber nachzudenken, statt stillschweigend davon auszugehen, dass frau doch irgendwie Feministin ist, aber gleichzeit müde geworden ist, die immergleichen Diskussionen zu führen. Nach tagelangem darüber nachdenken und mit der intensiven Beschäftigung mit den MMM-Regeln, habe ich eine Antwort für mich gefunden: Feministisch zu leben und zu handeln bedeutet für mich Frauen zu ermächtigen. 

Ich möchte Frauen dazu ermuntern und darin unterstützen, die eigenen Träume zu verwirklichen, die Projekte zu realisieren, für die sie brennen, das Leben zu führen, das sie sich wünschen und das Selbstbewußtsein zu enwickeln, die Frau zu sein, die sie sein wollen. Dabei schließe ich mich ausdrücklich mit ein; denn feministisch zu sein, heißt auch, mich um mich zu kümmern.

Und um das alles zu tun, braucht frau Platz. Erst, wenn wir uns, unsere Träume und unsere Bedürfnisse ernst nehmen, haben wir auch den Mumm dafür Zeit und Raum zu fordern bzw. in Anspruch zu nehmen. Dann ist Platz ein Synonym für Respekt und Me-Made-Nähen ein feministischer Akt der Selbstermächtigung die Frau zu sein, die wir sein wollen.

Taschen-Monat-September: Die Eröffnungsgala



Herzlich willkommen zum neuen Motto-Monat!

Im September und Oktober werden wir uns dem Thema "Taschen-in-auf-und-an-Erwachsenkleidung" widmen. Alles ist möglich: funktionale Taschen, aber auch Taschen zur reinen Zierde.

Heute und im Laufe der Woche könnt ihr schon mal Pläne schmieden, was ihr in den nächsten zwei Monaten zum Thema präsentieren wollt. Ihr dürft aber auch bereits genähte Sachen zeigen, bei denen ihr eure Taschen besonders liebt, euch besonders Mühe gegeben habt, besonders schön oder praktisch findet.

Vielleicht habt ihr aber auch den Wunsch, nach einer ganz besonderen Tasche und keine Ahnung, wie man so eine Tasche nennt und wie frau sie macht? Dann fotografiert so eine Tasche an einem Kaufkleidungsstück und fragt die Näh-Gemeinde. Ich bin sicher, wir werden eine ganze Menge Ideen und Anleitungen sammeln und in den nächsten Wochen ganz viele wunderbare Sachen fertigen, die schön und funktionale sind!

Damit das Motto nicht mißverstanden wird, betone ich noch mal ausdrücklich, dass es nicht um Accessoires geht, sondern um Taschen, die in und auf Me-Made-Kleidungsstücken (also selbstgemachte Erwachsenkleidung) festgenäht sind. Also bitte keine Taschen zum Umhängen, in die Hand nehmen oder einpacken, sondern nur Taschen, die Bestandteil eines Kleidungsstückes sind. 

Die Regeln und der Ablauf sind wie gehabt. Wir werden uns 2x Montags im September (3.9. und 17.9.) und 2x im Oktober (1.10. und  22.10.) hier treffen. Dann könnt ihr Euren Blogbeitrag zum Thema Taschenvielfalt in der Linkliste verlinken.

Gesammelt werden:

  • Gedanken und Überlegungen zu Taschen an Kleidungsstücken an sich, zum eigenem Stil und dem eigenen Verhältnis zu Taschen, zu der gefühlten Passung zwischen Person und Kleidungsstück. Was haben Taschen mit unserem "Kopfkleiderschrank" zu tun. Gibt es einen Grund, Taschen gut zu finden - sie aber doch nicht zu nähen?
  • "alte" Taschen-Näh-Werke - Kleidungsstücke für Erwachsene - ob geliebt oder ungeliebt und wenn ja, warum
  • Taschen, die ihr von irgendwoher kennt (bitte Fotos z.B. von Kaufkleidung) und gerne mal machen würdet.
  • tolle Taschen-Tutorials (bitte beim Verlinken die Quelle nennen!)
  • und natürlich möchte ich alle euren, neuen, vom Taschen-Monat-Juli inspirierten Kleider, Röcke, Hosen, Jacken, Mäntel etc. sehen.

Die Linksammlung ist eine ganze Woche geöffnet. Das nächste Treffen findet am 17. September statt.

Über eine Rückverlinkung würde ich mich freuen. Das Bild dürft ihr gerne mitnehmen. Und jetzt gehts los! *Tusch*