Montag, 1. Oktober 2012

Live vom ersten Wollrock der Saison



16 Uhr
Die Männer sind endlich aus dem Haus. Geplanter Zeitpunkt war "nach dem Mittagessen". Nun ja, Hauptsache, ich habe jetzt gute 2 Stunden frei. Auf dem Plan steht ein schneller Tweedrock, schließlich war ich beim letzten MMM mangels interessantem Klamöttchen und mangels Fotostudio nicht dabei, obwohl ich im Urlaub natürlich hauptsächlich Selbstgenähtes dabei hatte.

Vor dem Nähen steht bekanntlich der Schweiß. Ich hasse Futterstoffe bügeln. Ich bin da ja ne Mischung aus brav und pessimistisch und wasche dieses Drecksding vor dem Nähen. Hinterher bin ich immer verzweifelt, weil er trotz intensiven Bügelns nie mehr so aussieht, wie gekauft. Gibts da nen Trick?

16.18 Uhr
Der Stoff ist gebügelt, jetzt gehts an den Zuschnitt.



16.27 Uhr
So, Schnitt gefunden - das ist bei mir manchmal das Schwierigste, aber dieser Schnitt ist häufig in Gebrauch. Ihr ahnt es schon. Es wird der übliche 8-Bahnen-Rock. Ich frage mich gerade, ob der Tweed eine Richtung hat. Klar, Längsstreifen hat er. Aber kann ich die Teile auch um 180 Grad gedreht auflegen und zuschneiden, ohne dass es auffällt?

Den Schnitt habe ich selbst gezeichnet. Ich nutze Rollschneider zum Ausschneiden und die Schere für die Markierungspunkte. Auf dem Papierschnitt habe ich, mangels Kerbschnittzange, kleine Rechtecke ausgeschnitten, so kann ich schon mit Kreide zum Markieren rüberratschen. Ich fürchte aber, das klappt bei dem Tweed nicht. Dann mache ich eben mit der Schere nur kleine Markierungen in die Nahtzugabe. Ein Bonbonglas und ein Muschelglas beschweren das Papier. Nadeln halte ich für die meisten Stoffe für den Zuschnitt für übertrieben. Ich fürchte aber, beim Futter komme ich gleich nicht drumherum.

Ich werde auch für die Winterfigur etwas großzügiger um die Hüfte rum zuschneiden. Zur Zeit rutschen mir die Röcke immer so merkwürdig hoch. Öhmmm.

16.42 Uhr
Oberstoff ist fertig zugeschnitten. Schon spannend, die Zeit zu nehmen, um herauszufinden, wie lange alles dauert. Ich beeile mich aber nicht, sondern mache das ganz gemütlich und zwischendurch was trinken muß auch drin sein, obwohl ich nur ein kleines Zeitfenster "frei" habe.

Jetzt kommt die "Gruselnummer" Futter zuschneiden. Obwohl ich schon finde, dass das sehr an Grusel verloren hat, seitdem ich das Futter mit dem Rollschneider statt mit der Schere zuschneide.

Während des Futterzuschneidens kann ich mir dann schon mal überlegen, wo ich den nahtverdecken Reißverschluss hingelegt habe. Ich weiß noch, dass ich sehr in Hektik und mäßiger Laune die Tasche ausgepackt hatte...Abendessenszeit eben. Da ist bei uns gerne mal "Zeit für Streit".




17.02 Uhr
Ach, so schlimm war es gar nicht mit dem Futter. Im Gegenteil: es war gut gebügelt und der Rollschneider war brav. Es war total unproblematisch! Fein! Ein Angstgegner weniger. Komisch, dass ich das vergessen hatte, es ist doch erst im Juli (?) gewesen, als ich den gelben Rock mit Futter genäht hatte.

Oben das Bild zeigt rechts den Stapel, den ich wegwerfe und links, das, was ich aufhebe. Ich denke jedes Mal, dass ich eine "Tasche passend zum Rock" nähen werde und hebe große Restteile auf - habe das aber noch nie getan. Trotzdem schaffe ich es nicht, größere Teile einfach zu entsorgen. Bei den Fitzelchen bin ich mittlerweile radikaler geworden. Die schaffen nur Unordnung, also weg damit.

Jetzt kommt der schwierige Entscheidungsmoment: Weitermachen oder die Sonne auf dem Balkon genießen. Ich werde beim Aufräumen und Bund bügeln darüber nachdenken. Mist, da fällt mir ein, ich habe vergessen die Einlage zuzuschneiden. Ach Menno!



17.39 Uhr
Geschafft, die Einlage ist auch aufgebügelt. Wie ihr seht, mache ich das lieblos zugeschnitten und gepuzzelt. Dieses Mal hatte ich noch recht viel Einlage, aber manchmal sind das echt winzige Stücke, die ich zusammenklebe. Glücklicherweise weiß ich jetzt, dass das Zeugs eine Richtung hat und mache eine Dehnprobe, bevor ich puzzle. Ein guter Tag ist es, wenn ich keine Einlage aufs Krepppapier gebügelt habe. Heute ist ein guter Tag. Das ist selten. Normalerweise klebt das Zeug immer irgendwo, wo es nicht hinsoll, gerne auch auf dem Bügeleisen. Ich schneide die Einlage auch deswegen unordentlich zu, weil ich ohnehin nachher mit der Overlockmaschine versäubere, die schneidet das dann ja noch ordentlich ab.

Lohnt es sich jetzt noch die Nähmaschine aufzubauen? Wie lange werden die beiden wohl beim Möbelschweden bleiben? Schade, dass es nicht eine Kamera vor den Kassen gibt, so wie der Liveticker vor dem Elbtunnel.

Geht es euch auch so? Ich bin nach dem Zuschneiden immer erstmal k.o. Obwohl ich beim Bügeln eben ganz oft dachte "hach, das wird ein hübscher Rock", überwiegen doch gerade die Zuschneide-Rückenschmerzen (blöder Esstisch in der falschen Höhe mit Lampe drüber) und die Unlust, nachdem gerade ein wichtiger Meilenstein erreicht wurde. So ein Bahnenrock hat bei mir drei Meilensteine: 1. Zuschnitt, 2. Taschen, Reißverschluß  und Bahnezusammennähen, 3. Anpassungen, Versäubern und Saum. Aber eigentlich ist es blöd, 3 Abende bzw. 3 Zeiteinheiten für einen simplen Rock zu brauchen. Wenn ich da an das Wintermantelprojekt denke, was da alles auf mich zukommt... Bisher habe ich Mäntel nur im Nähkurs genäht, wenn wir 2 volle Tage dafür Zeit hatten. Wenn ich eine so faule Zuhausenäherin bin, dann wird der Mantel eher was fürs Frühjahr und nicht zum Sew Along-Finale fertig...

17.57 Uhr
Ich habe mich fürs Aufräumen und die Sonne entschieden. Schließlich nähe ich zum Spaß und wenn der Rock nicht fertig wird, dann überlege ich einfach kreativ, was ich am Mittwoch olles Genähtes zu den neuen Übergangsschuhen anziehe. Außerdem wollten wir "Zeit für Streit" schließlich nicht herausfordern und wenn die Kerle hungrig nach der Jagd nachhause kommen, sind sie immer etwas schlecht gelaunt, wenn der Tische belegt ist.....es klingelt. Weise Entscheidung.

18.17 Uhr
Boah, das war echt Timing! Nachdem mir die letzten Male immer vorgeworfen wurde, dass es ich nicht däumchendrehend im aufgeräumten Zimmer sitze, um die Kerle mit "Aaah" und "ooh" zu empfangen, sondern stattdessen sogar noch etwas zu Ende machte, um dann erst aufzuräumen. Natürlich sollte ich - rein aus Prinzip - mich nicht so unterbuttern lassen, aber der liebe Frieden, ihr wisst schon.

Jetzt wollen die Jäger allerdings noch aufbauen und ich habe noch ein paar Minuten Zeit, bei euch herumzusurfen. Auch wenn der Rock nicht fertig ist - was bilde ich mir eigentlich immer ein, dass so etwas möglich wäre tststs - das war ein schöner kleiner Nachmittag. Ferien eben. Zwei geschenkte Stunden können so kostbar sein!

18.29 Uhr
Ich werde dauernd ins Kinderzimmer, in dem die Jagdtrophäen aufgebaut werden, gerufen. Das nervt. Wieso brauchen eigentlich Männer immer jemand, der ihnen beim Arbeiten zusieht? Und wieso finden Frauen genau das furchtbar?

Kommentare:

  1. "Live von Meike" !!!! Schön! Und der Rock ist auch nächste Woche schön......
    Herzliche Grüße
    Sabine

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  2. Dein Mann geht freiwillig zu I..A? Unglaublich!

    Irgendwie rennt einem die Nähzeit echt immer so zwischen den Fingern durch...mal eben schnell nen Rock nähen...das geht bei mir auch nicht. Gut Dingw will einfach auch Weile haben.

    Viele Grüße
    Gaby

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  3. wg dem Futterstoff, ich finde das die Markenware weniger Knitter bekommt und sich auch einfacher Bügeln läßt.

    Ich habe heute im Cordrock auch gefroren und dachte es wird Zeit für Wolle! Ich finde den 8-Bahnen Rock für Dich klasse und bin schon gespannt aus Ergebnis, aber laß Dich nicht stressen, nähen ist Hobby! ;-)

    Liebe Grüße
    Rock Gerda

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  4. Herrlich!
    Ich lebe ja ohne jagende Männer - wenn ich das lese, weiß ich auch warum. No offence meant ;-) ...

    Aber einen - gefütterten! - Rock (ein Kleid, eine Bluse ...) in ein paar Stunden fixfertig zu nähen halte ich für Illusion. Selbst dann, wenn der Schnitt erprobt ist und einfach durchgenäht werden kann. Es sei denn, frau wäre sturmerprobte Musternäherin - die können so was.

    Genieß den Urlaub, der Rock wird schon.

    Viele Grüße
    Ursula

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  5. Schade, bin gerade erst dazugestoßen... wenigstens konnte ich so alles in einem Rutsch lesen.
    ich persönlich bügele das Futter immer sehr feucht... wenn es schon im Trockner war und lange auf mich warten mußte, dann kommt die Wasserspritze zum Einsatz. So weicht eigentlich jede Falte...

    bin sehr gespannt auf deinen Rock - beneidenswert, dass du einen Schnitt gefunden hast, der dir immer wieder gefällt bzw. dich immer weider anspricht, es noch mal zu probieren. Nach so etwas suche ich noch - vor allem, was Kleider und Tuniken angeht... habe heute zwei neue Schnitte bestellt und hoffe, dass ich noch vor unserem Urlaub nächste Woche dazu komme, wenigstens einen auszuprobieren...

    Alles Liebe
    Die Pitti

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  6. Bei mir steht auch ein Wollrock auf dem Plan, nachdem ich am Maybachufer einen schönen Stoff ergattert habe. Ich bin schon gespannt auf dein Exemplar!

    D. und M. würden übrigens nie allein zu I.kea fahren. Insofern hast du Glück ;-))

    LG
    Poldi

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  7. oh das war schön da zu lesen bei dir! ich denk mir ganz oft beim zuschneiden: na das wird heute mal alles flott gehn und heute auch noch fertg :D aber so ist es nie!! anpassungen dauern bei mir tage und manchmal werden die sachen dann zu ufos weil ich keine lust mehr habe:/
    bin schon auf deinen rock gespannt!!!
    lg m.

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  8. Hallo Meike,
    mein Tipp fürs Bügeln sehr zerknitterter Teile: Krause-Minze-Öl, mit Wasser in einen Blumensprüher. 10 Tropfen auf 1 l Wasser und "Oleum Menthae crispae" ist der richtige Name, bestellbar in der Apotheke, ist auch gar nicht so teuer, 200 ml - umd die 9 Euro.
    Jetzt lese ich deinen Post weiter.
    LG, Birgit C.

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  9. *lach* Die Jungs halt!! Mach's doch mal umgekehrt: näh einfach weiter und ruf die beiden bei jeder neuen Naht, jedem neu zugeschnittenen Teilchen, sie sollen sich das doch bitte mal anschauen :-)

    Viel Spaß beim fertig nähen und vielleicht bis morgen beim MMM!
    Liebe Grüße,
    Stefanie

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  10. Ich find Stefanies Idee großartig! Oder du stellst vielleicht ein Babyphone/WalkieTalkie ins Zimmer und sagst einfach alle 10 Minuten Mal "Mensch! SUUUPEEER!".
    Liebe Grüße!

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  11. Ich hätte einen Lösungsvorschlag anzubieten: Es gibt - zumindest auf dem iPhone, keine Ahnung ob auch anders - irgendsoeine Verfogungsmöglichkeit des Partners. Da kannst Du per GPS auf der Landkarte sehen, wo Dein Mann gerade ist. Natürlich muss er Dir die Verfolgung gestatten, aber Du kannst ja sagen, dass Du rechtzeitig das Nudelwasser aufsetzen, den Kaffee kochen oder den Esstisch frei räumen willst, bevor er nach Hause kommt.
    Ich würde mich ja nicht so überwachen lassen wollen, aber Männer mögen ja so technische Spielereien...

    Vielen Dank für Deine Live-Berichte, die ich immer sehr gern lese, selbst wenn sie schon Wochen alt sind.

    Liebe Grüße,
    Henriette

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  12. Eben auf Deinen Post gestoßen Weiss gar nicht, ob Du überhaupt noch schreibst. Weil ich mir einen Rock aus Tweed selber nähen will. Schönen Gruss von Cosmee

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Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.