Sonntag, 30. September 2012

Wintermantel-Sew-Along 3: Stoffwahl



Eigentlich dachte ich, alles wäre jetzt klar. Stoff liegt seit einem knappen Jahr hier rum, Futter bestellt, Knöpfe sind auch schon da.... aber ein Sew Along wäre kein Sew Along (also gemeinsames Nähen eines bestimmten Kleidungsstückes zu festen Terminen), würden nicht noch Fragen auftauchen, die frau alleine nie bedacht hätte. Also darf ich den heutigen Termin nicht schwänzen, sondern mache mir noch brav ein paar Zusatzgedanken und erzählte - weiter unten - etwas von meinen Näherfahrungen mit Walk vom letzten Jahr.

Die heutige Näh-Aufgabe zum dritten Treffen lautet:

Der Stoff für den Traummantel wird ausgewählt oder ist sogar schon eingetroffen. Mit welchem Futter wird mein Mantel warm genug, welche Knöpfe nehme ich dazu und brauche ich weitere Zutaten?


Das ist der Schnitt, zu dem ich mich letzte Woche entschieden habe:



Bildquelle für die obigen zwei Bilder vom Schnitt: Zwischenmass Kurzmantel 621201


Und das ist der Stoff, der darauf wartet, ein Kurzmantel zu werden. Es handelt sich um einen Wollstoff aus Wolle + Kunstfaser (fragt mich nicht nach der genauen Zusammensetzung, er ist vom Maybachufer) in den Farben braun/wollweiß/aubergine sowie ein lila Acetat-Futter in ziemlich glänzend und rutschig. Dazu habe ich sehr gut passende auberginige Knöpfe, die aber, falls zu langweilig, auch noch gegen andere Knöpfe ausgetauscht werden können, weil auch günstig und vom Maybachufer.

Ich dachte also, ich hätte alles. Aber drei Sachen habe ich vergessen:

  • Nähgarn
  • Einlage
  • Schulterpolster
  • und die Frage, ob der Wollstoff überhaupt warm genug ist.

Nähgarn ist eigentlich nicht der Rede wert, das wird schon irgendwann, irgendwie hier eintrudeln, oder aber vielleicht passt auch noch etwas aus dem Fundus, denn letztens habe ich 4 x1000 m Garn in lila oder aubergine gekauft, um ein kleines Projekt zu overlocken. Bei Tageslicht werde ich mal prüfen, ob es passt. 

Dazu mein erster Tipp: Spart nicht beim Garnkauf, wenn ihr den Mantel mit Steppnähten versehen wollt und sonst nur kleine Sachen, wie z.B. einen Rock genäht habt. Ich mußte letztes Jahr zweimal Garn nachkaufen, weil ich nicht genügend hatte. 


(Das ist mein himbeerroter Walkwintermantel, den ich letztes Jahr genäht habe)

Einlage. Irgendwie kann ich mich gar nicht mehr daran erinnern, was ich letztes Jahr bei meinem himbeerrotem Walkmantel verstärkt hatte. Ich weiß nur noch, dass ich nicht gemäß der Anleitung des Schnittmusters gehandelt hatte, sondern einfach brav das machte, was die Nählehrerin sagte. Ich meine mich zu erinnern, dass ich Kragen und und die Belege verstärkt hatte und dass ich dafür nicht extra Einlage gekauft hatte. Es war also dann ganz durchschnittlich dünnes, labbriges Zeugs. 

Schulterpolster hat mein Mantel vom letzten Jahr nicht. Da bin ich gar nicht darauf gekommen! Nachdem ich aber aber bei Frau Nahtzugabe in der hervorragenden Wissenssammlung und in Lucias ausführlichem und lehrreichen Post davon gelesen habe, will ich es dieses Mal unbedingt versuchen. Ich habe zwar auch noch ein 80er-Jahre-Schulterpolster-Trauma, aber ich habe auch abfallende Schultern, die keine gute Figur machen. Meinen Mann schmachte ich schließlich auch immer an, wenn er einen gutsitzenden Anzug trägt, also will ich auch einen gutsitzenden Mantel und ich denke, dass ein Paar dezente Polster, die Optik doch immens verbessern könnten. 

Die letzte Frage bereitet mir - genau wie letztes Jahr - Kopfzerbrechen. Wie warm soll der Mantel sein und ist der Stoff warm genug. Erst einmal die Erfahrungen vom letzten Jahr. Walk ist tierisch warm. Ich habe den Himbeermantel nur mit ganz dünnem Futterstoff gefüttert und er hat mich auch bei minus 15 Grad gute Dienste geleistet. Ich war sogar beim Rodeln mit dem Mantel und stand, statt zu Rodeln ewig an der Pistenseite herum, um zu klugscheißern. Also Walk ist schon sehr warm. Da würde ich niemals eine extra Schicht zwischennähen oder über ein unförmige Steppfutter nachdenken. 

Aber ist mein gewebter Wollstoff ebenso warm. Wenn ich ihn anfasse, habe ich das Gefühl, dass er lockerer gewebt ist und damit luftdurchlässig sein könnte. Ich vermute, er ist nicht so warm, wie der Walk. Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten. Entweder, ich freue mich darüber und sage "dann habe ich also einen neuen dünneren Kurzmantel und einen warmen, langen Mantel vom letzten Jahr" oder aber, ich probiere dieses Thinsulate aus. Das klingt ja schon interessant. 

Was ich nicht weiß ist, wann und wie dieses zusätzliche Schicht eingefügt wird. Mein Plan ist, zunächst den Wollmantel zu nähen und dann die gegebenenfalls nötigen Änderungen auf den Futtermantel zu übertragen. Wird dann sozusagen ein dritter Mantel aus Thinsulate genäht und zwischengefasst? Oder kann man so etwas wie Thinsulate auf das Futter bügeln?

Ich neige dazu, einen dünneren Mantel ohne diesen neumodischen Schnickschnack zu nähen. Im Vergleich zum Preis des Schnittmusters, war das sonstige Material sehr günstig und ich würde das Projekt ungerne teurer machen. Lieber nähe ich nächstes Jahr noch einen Mantel, denn frau wird schließlich jedes Jahr erfahrener. 

Zu guter Letzt noch ein paar Worte über die Verarbeitung von Walk. Walk schneidet und näht sich toll. Das ist echt nen feines Material. Was ich allerdings schwierig fand, waren der Kragen und die Pattentaschen. Immer dann, wenn man mehrere Lagen aufeinander näht, wird es verdammt dick und schwer zu handhaben. Ich habe irgendwann meinen Perfektionsanspruch etwas aufzugeben, von wegen ganz spitze Kragenspitzen etc. Das wurde einfach nicht perfekt - aber was soll ich sagen: niemand hat es bemerkt bzw. je etwas darüber gesagt. Die Pattentaschen waren heftig und ich habe das auch nur mit Hilfe der Nählehrerin hinbekommen, obwohl ich vorher schon mal solche Taschen genäht hatte. Aber die Mühe hatte sich absolut gelohnt, denn diese Taschen machen den Mantel edler und praktischer als aufgesetzte Taschen.

Die Knopflöcher im Walk habe ich allerdings nicht selbst gemacht. Obwohl meine Nähmaschine sonst ganz unkompliziert sehr gute Knopflöcher näht, war sie mit den mehreren Lagen Walk überfordert - auch, als ich Backpapier untergelegt hatte. Das hat mich wirklich den letzten Nerv gekostet und der fertige Mantel wartete wochenlang auf Knopflöcher. Letztlich habe ich sie bei einer Änderungsschneiderin machen lassen und werde das dieses Jahr auch wieder tun, wenn ich ähnliche Probleme bekommen sollte (womit ich rechne). Das ist den Blut, Schweiß und die Tränen nicht wert und die 1,50 Euro pro Knopfloch habe ich sehr gerne bezahlt. Also schaut euch rechtzeitig nach einer Schneiderei um, die euch das macht, damit ihr das fast fertige Stück auch anziehen könnt.

Vielen Dank Frau Nahtzugabe und Frau Catherine für die wunderbare Idee, einen Wintermantel-Sew-Along zu organisieren! Die aktuelle Linksammlung zum Sew Along findet ihr dieses Woche hier. 



Kommentare:

  1. Das beruhigt mich ungemein, dass bei Dir auch noch nicht alles klar ist.
    Ich habe es so verstanden, dass man Thinsulate genauso zuschneidet wie den Außenstoff, und diese beiden Lagen dann zusammen vernäht werden.

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  2. Ja, ich würde das auch so machen, wie Judy schreibt. Den Windbreaker habe ich so verarbeitet: zuschneiden auf den Außenstoff legen (also von links) und dann mitnähen. Damit es nicht verrutscht habe ich die Lage an den Rändern festgeheftet vor dem Zusammennähen des Mantels.

    Ich lasse das aber weg. Ich will einen klassischen Mantel und wenn mir kalt wird (und mir wird kalt - Rodelrumstehen in Walk bbbbrrrr), dann kommt was drunter oder der warme Mantel aus dem Schrank oder beides.

    Dein Mantel liest sich eher kühl. Aber ich halte auch Walk für NICHT wintertauglich. Außer als Kleid...

    LG, Bronte

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  3. Hallo Meike, du hattest ganz zu Anfang einen Kragen als Hingucker gewünscht. Ich habe, wie du auch, Locken und dabei die Erfahrung gemacht, dass ein auffälliger Kragen zusammen mit den Locken und - zumindest meiner nicht allzu großen Größe - mein Gesicht ganz erdrückt. Ich nutze in der Regel die Knöpfe als Hingucker, appliziere evt. noch ein Rest alte Spitze oder besonderen Stoff auf eine Frontseite und einen Ärmel. Deshalb mein Tipp: da du deine Knöpfe noch nicht endgültig hast, geh mit dem fast fertigen Mantel (incl. Futter) zu einem guten Kurzwarengeschäft bzw. schönen Knopfladen. Du wirst wahre Schätze finden.Leider kann man auch für Knöpfe ein kleines Vermögen ausgeben, aber es lohnt sich und macht einen Mantel zu etwas ganz Besonderem. Zur Knopfaufteilung schicke ich dir noch einen Link - sehr empfehlenswert.(http://sewinggalaxy.blogspot.de/2012/06/regeln-zu-richtigen-knopfaufteilung.html). Viele Grüße, Annette

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  4. Die Knopflöcher zu delegieren finde ich ja 'ne gute Idee! Wenn der Walkmantel schon so schön warm ist, fände ich einen leichteren Mantel als Zweitmantel eigentlich ganz sinnvoll, zumal da der ja auch nicht so furchtbar lang wird. Die Hightech-Supermaterialien laufen dir ja nicht weg - ohne Zwischenlage ist die Verarbeitung auf jeden Fall einfacher. Wobei es Membrane und Thinsulate bei funfabric auch in Futterstoffe integriert gibt, die kosten dann nur ein Vielfaches des Oberstoffs.

    vieel Grüße!

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  5. Einen tollen Schnitt hast Du Dir ausgesucht, der piekt auch schon eine ganze Weile in meiner Nase, ich bin also gespannt auf Deine Fortschritte...
    Sollte ich tatsächlich auch mal auf die Idee kommen, Walk abzufüttern, könnte ich mir durchaus vorstellen, einen Kragen oder Taschenklappen mit Futtertaft oder Futterseide abzufüttern - dann sollte es für jede normale Maschine zu schaffen sein.
    Greets,
    Liese

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  6. Oh ja, Einlage ist ja noch so ein Thema... Da mag ich gar nicht dran denken und lasse es noch mal bis ich eine Idee habe warum ich das wo an meinem Mantel brauche.
    Dein Schnitt Eklat mir unheimlich gut und die schulterpolster finde ich mutig, aber auch cool.
    Katti r.

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  7. Liebe Meike,
    Vielen dank für Deine Walk-Infos. Die haben mir grad ca. 50 fragen auf einmal beantwortet ;-)
    Jetzt kann's losgehen.
    Liebe Grüße
    Nina

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