Dienstag, 11. September 2012

Sichtbar und einflußreich

Oft habe ich das Gefühl, dass wir Craftistas mit dem Me-Made-Mittwoch  und den damit verbundenen Ideen, warum unsere Aktion von Bedeutung ist (z.B. hier bei mir oder dort bei Catherine um nur zwei Beispiele zu nennen), in der hintersten Ecke des Internets versauern. Da ist es gemütlich und da bewegt sich was - aber es wird gesellschaftlich bzw. in der Blogosphäre und der medialen Welt kaum wahrgenommen, während eine Aktion wie #609060 ne irre Welle schlägt, weil diese andere Blog-Welt von Journalisten gelesen und ernst genommen wird. Warum ist das so? Wäre es unsere Aufgabe, uns mit dem Rest der Welt besser zu vernetzen? Sind wir schon so weit?

Ich will nicht jammern. Derzeit ist es so, wie es ist und vielleicht brauchen wir, brauche ich, brauchte das Thema einfach seine (richtige) Zeit. Umso schöner finde ich es, dass eine von mir sehr geschätzte feministische Nachdenkerin, Antje Schrupp, sich des Thema Schönheit und Kleidung in ihrem Blog annimmt und ihm damit eine Wichtigkeit gibt, die ich mich selten traue, zu formulieren.  Ich zitiere:

"... wie Frauen in der Welt sichtbar und einflussreich sein können, ohne sich anzupassen. Und dabei ist die Frage des Aussehens – oft belächelt und für nebensächlich erklärt –eine ganz wichtige. Wir haben dafür das Bild der „fünf schönen Königinnen“ gefunden, in dem die drei Komponenten dessen benannt sind, was eine Frau, die in der Welt etwas bewirken will, braucht: Sie darf nicht allein sein, sie muss schön sein, und sie muss souverän sein (in dem Sinne, dass sie ihrem eigenen Urteil vertraut und nicht in erster Linie anderen gefallen will).
Ich finde tatsächlich, dass das ein politisches Thema ist, das natürlich die Geschlechterdifferenz unmittelbar berührt. Menschen, die sich in ihrem Körper und mit ihrem Erscheinungsbild wohlfühlen, sind selbstbewusster, mutiger, eher bereit, Konflikte auszuhalten und für ihre subjektiven Ansichten einzustehen. Die Wahl der Kleidung kommuniziert Dinge, Standpunkte, Werthaltungen – und es gibt guten Grund, das nicht für unwichtig und nebensächlich zu halten, sondern zu reflektieren, individuell und politisch, also im Austausch mit anderen."


Aber hingehen und weiterlesen müsst ihr selbst. Es lohnt.


Kommentare:

  1. Danke Meike für den Input!
    Wir werden aus unserer Internetecke schon noch rausleuchten, da bin ich mir ganz sicher!
    Die 5 Königinnen haben meine Gedanken zum Purzeln gebracht, ich gehe jetzt erst mal spazieren und nachdenken...
    Für Inhaltliches bin ich gerade zu konfus;)

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    1. Das kenne ich. Leider wurde das mit dem 40. dann auch nicht besser. Ich bin immer noch konfus, zumindest kommt mir das oft so vor und dann bin ich erstaunt, wenn andere sagen, sie hätten doch was verstanden.

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  2. ich will einfach nur nähen. genähtes zeigen weil ich stolz darauf bin, egal ob jacke hose shirt, etc. denn es ist meins, meine handschrift.
    und ich will nicht von der welt entdeckt werden.
    nähen ist mein HOBBY.
    denn dann würde ich das bloggen sein lassen.
    lg monika

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    1. Schließe mich Deiner Meinung an!
      Nähen möchte ich für mich (als Hobby und weil ich das Ergebnis tragen möchte) und nicht um damit ein Statement abzugeben.

      Christel

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    2. Jib, genau wie Monika sehe ich das auch! Ich möchte damit die Welt nicht verändern, oder den Blick auf mich und meine Dinge. Ich möchte kein Bloggerstar sein, oder im Rampenlicht stehen.
      Außerdem seh ich es nicht so, dass wir in einer Internetecke versauern, das ist ja pure Selbstabwertung.
      Es klingt ja fast so, als ob du mit dem Bloggen groß rauskommen und von aller Welt gesehen werden möchtest. Sorry, aber das verstehe ich so und irgendwie gefällt mir das nicht. Das schließt so von sich selbst auf die ganze Welt.
      Vera

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  3. Politisch ist das Nähen und Bloggen für mich auch nicht. Aber ein Statement irgendwie schon. Ich muss keine Klamotten kaufen und mich dem Wandel der Saison anpassen sondern kann anziehen was ich mag und was einmalig ist. Das ist mehr als ein Hobby. Allerdings muss ich das nicht reflektieren. Das ist einfach stimmungsabhängig und nur ich muss mich wohlfühlen. Souverän bin ich deshalb nicht zwingend ;-)

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  4. Ich sehe das Nähen auch nicht so politisch. Für mich geht es nicht um Widerstand gegen die Bekleidungsindustrie, solche Gedanken erscheinen mir sogar etwas hochgegriffen. Sondern ich bin froh, mir das machen zu können, was mir gefällt. Ich, ganz egoistisch, in meiner kleinen Ecke.

    Wofür ich dem Bloggen im Allgemeinen und dem MeMadeMittwoch im Speziellen allerings dankbar bin, ist das Selbstverständnis, mit dem ich inzwischen meine Sachen trage. Mir genügt das im Moment völlig und ich bin sehr zufrieden.

    LG
    anne

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    1. hier schließe ich mich 100% an! schön formuliert!

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    2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  5. Interessant, das Les ich gleich nach meinem Termin. LG

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  6. Klar, ich habe auch nicht mit Nähen angefangen, weil ich ein politisches Signal setzen wollte - aber vergesst nicht, dass auch das, was man scheinbar nur für sich tut, ein Signal nach außen sendet, ein Statement abgibt, auch wenn man das vielleicht gar nicht vorhat.

    Warum bloggt ihr denn alle übers Nähen? Warum näht ihr ausgerechnet Kleider für euch, ich könntet auch Deko nähen oder Bilder malen, oder töpfern, wenn es nur um das Schöpferische und um "etwas mit den Händen machen" ginge.

    Mit dem Bloggen und dem sich-Vernetzen sitzt man doch automatisch nicht mehr zuhause allein für sich, sondern begibt sich damit bewusst in die Öffentlichkeit.

    Wird mit dem Nähen und dem Bloggen darüber nicht automatisch eine Haltung ausgedrückt, auch wenn man das nicht polittheoretisch unterfüttert? Ich trage lieber das von mir für mich Selbstgenähte, weil es mir passt, weil es meinen Vorstellungen genau entspricht, weil ich mich damit identifizieren und mich ausdrücken kann - das impliziert, dass die Angebote im Laden all das nicht leisten können.

    Ich blogge übers Nähen, weil ich mich anderen mitteilen und mich austauschen möchte, weil ich Leute, die erst am Anfang der Näherei stehen, ermutigen möchte, es auch zu versuchen. Ich nehme an, ihr habt mit euren Blogs ähnliche Absichten - und das IST Öffentlichkeit.

    Wie Jenny gerade sagte, muss man das nicht reflektieren - es ist de facto so, auch ohne dass man darüber nachdenkt.

    (@Meike, Danke für den Hinweis auf den interessanten Artikel)

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  7. Mir drängt dich dabei immer wieder die Frage auf:
    Von wem genau soll das wahrgenommen werden? Von einer maskulinistischen Schmiere wie dem Fokus? Vom ins Boulevard abgkeitenden Stern? Von der kämpferischen Emma? Soll es Tagesschauthema sein, die Wettervorhersage verdrängen, beim Fußball an der Bandwerbung auftauchen?
    Soll ganz Deutschland darüber sprechen, sollen H&M, Zara und Co. schließen, damit alle selber nähen, stricken, häkeln? Also von welcher Aufmerksamkeit und von welcher Internetkuschelecke wird genau gesprochen? (Also nicht nur du, liebe Meike, sondern jede von "uns", die sich Gedanken um Frauen und ihre Sichtbarkeit macht :-) ) Für mich bleibt dieser Gedanke diffus, denn sichtbar für wen?
    All die Rollenspielfreaks, die Erotikerzähler, die Igelretter sind untereinander durch ihr Interesse an einer Sache ebenso gut vernetzt und wären theoretisch auch eine Gruppe, an die man politisch heran treten könnte. Und allzu sichtbar im Sinne von wichtig für - ja, hier steht wieder das blanke Feld: s.o. Focus, Stern, TV...? - sind sie auch nicht.

    Und warum bloggt man darüber, wenn man nicht auch ein Statement damit abgeben will? Weil es ein Tagebuch ist, gedacht für die eigenen Gedanken, Erfolge, Träume und Taten, an denen andere teilhaben dürfen, aber nicht müssen. Dass man sich im Laufe der Jahre entwickelt und persönlicher, vielfältiger wird und Dinge in einem anderen Licht sieht und beschreibt und dort heraus auch politischer sein mag - toll. Für mich gilt das gerade im Besonderen. Aber ich bin kein Herdentier, ich mag nicht vor einen Karren gespannt werden oder vereinnahmt werden - und ich will nicht den Blick von Leuten geraten, die mit meinen(Kern)Interessen nichts anfangen können. Ich möchte vor allem Frauen um mich herum haben, die meine Hobbies teilen und mit mir auf einen Wellenlänge sind - die habe ich gefunden. Wenn ich eine gewiße Bekanntheit dazu nutzen kann, auf Dinge aufmerksam zu machen, die mir wichtig sind (wie beispielsweise die Lage der Hebammen), dann finde ich das toll. Mich als Teil einer organisierten und einflussreichen Gemeinschaft sehen - nein, das mag ich nicht, weil es einem Teil im meinem Leben (dem Bloggen) gegenüber all den anderen Aspekten ein viel zu großes Gewicht gäbe.

    Ach, ich kann mich gerade nicht so gut ausdrücken. Was ich sagen will, ist: wieso willst beispielsweise du von wem genau wofür wahrgenommen werden? Das immer wieder erwähnen von DIY-Bloggerinnen in sämtliches Frauenzeitschriften scheint ja nicht das richtige zu sein ;-)

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    1. Na, vielleicht nicht in die Tagesschau, aber ins Kulturmagazin, ins Zeitungsfeuilleton oder auf die Medienseite? Warum denn nicht? Wir sind viele! Es wird immer mal wieder über Internetphänomene berichtet, und das sind häufig welche, die wesentlich weniger Zulauf haben als der MMM oder die Nähbloggerei.

      Aber ich finde an der Debatte zeigt sich sehr schön, was Ante Schrupp und ihre Mitstreiterinnen festgestellt haben, und wogegen sie das Bild der Fünf schönen Königinnen setzen (was mir im übrigen sehr gefällt). Der Drang von Frauen, mit ihren Ideen nach außen zu gehen, ist oft nicht sehr ausgeprägt.

      "Warum ist bei fähigen Frauen der Wunsch so viel geringer, mit ihren Ideen nach außen zu kommen, als beispielsweise bei den 20 Männern, die derzeit den Netzdiskurs [...] beherrschen? Wirksamkeit kann man zwar nicht machen, sie ist ein Gnadengeschenk, aber man kann etwas dafür tun. Warum tun viele Frauen nichts dafür, vor allem ältere Feministinnen? Wie könnte es gelingen, ihnen zu vermitteln, dass sie einen Schatz haben, wie könnte das Bedürfnis in ihnen geweckt werden, ihn in die Welt zu bringen?" schrieb Dorothee Markert (http://schoenekoeniginnen.wordpress.com/2012/04/30/funf-schone-koniginnen/).

      Ich lese aus deiner Antwort heraus, dass auch du wirksam sein willst - z. B. auf Sachen aufmerksam machen, die dir wichtig sind. Ob du dich vereinnahmen lässt, liegt doch ganz allein an dir (von wem? von denen, die sich über die Wirksamkeit von Nähblogs Gedanken machen? Vor welchen Karren spannen? Das verstehe ich ehrlich gesagt gerade nicht.)

      viele Grüße!

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  8. Da kann ich mich Monika nur anschließen. Ich nähe unpolitisch. Und dafür braucht man keine Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit. Aber warum dann überhaupt Bloggen? Ich denke, darum:

    "Selbsterfindung in performativen Handlungen

    Im Grenzgang zwischen Leben und Kunst eine performative Einstellung dem Wahrgenommenen, sich selbst und den anderen gegenüber zu entwickeln, heißt, eine Achtsamkeit auf den Vollzug der eigenen Handlungen zu legen. So sind es bestimmte Haltungen und Gesten, die im performativen Prozess zum Ausdruck kommen und nachgehend, z.B. schreibend, überdacht und mit erinnerten Lebensgeschichten in Beziehung gesetzt werden können. [...]

    Im Imaginieren, Experimentieren, Spurensuchen, Sammeln, Schreiben, Gestalten und Präsentieren bzw. Inszenieren können Aspekte des eigenen Lebens vergegenwärtigt und medial zum Ausdruck gebracht werden. Biographische Bezüge sind z.B. Vorlieben für bestimmte Dinge und Menschen, Erinnerungen an Vergangenes und Träume von Zukünftigem."

    Quelle: Peters, Maria (2005): Performative Handlungen und biographische Spuren in Kunst und Pädagogik. In: Pazzini, Karl-Josef/Sturm, Eva/Legler, Wolfgang/Meyer, Torsten (Hrsg.): Kunstpädagogische Positionen. Band 11. Hamburg. S. 8-10

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  9. Man kann sich auch wichtiger nehmen als man ist ... so langsam nervt es mich dieser neu entdeckte Feminismus, als hätten Männer nicht ähnliche Probleme. Auch sie müssen mit ihrem Äusserem etwas darstellen,das ist nicht nur ein Frauen Problem.
    Ich nähe weder aus Politischen noch aus Feministischen Gründen, ich nähe weil ich es einfach kann und warum sollte ich mich nur auf Kissen beschränken? Und mit meinem Kleidungsstil will ich auch kein Statement setzen, ich trage das was mir geschmacklich gefällt, ich setze ja auch kein Statement mit meinem Essen, sondern verspeise das was ich nun mal mag und nicht das was eventuell Politisch korrekt sein könnte.
    Und warum ich blogge? Einfach zum Erfahrungsaustausch, wer hat mit welchem Schnitt gearbeitet, wo bekomme ich einen bestimmten Stoff und wie nähe ich das verflixte Schrägband am einfachsten an? Das ist ein Austausch von Informationen, ohne das ich damit etwas darstellen möchte. Womit ich mich ja selber in die Position der Königinnen drängen würde um unbedingt etwas darstellen zu wollen.
    Aber jedem das Seine
    viele liebe Grüße Rubinengel

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    1. Sehr gut geschrieben, ganz meine Meinung!
      Vera

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  10. Mist, alles weg - ich bin einfach zu unkonzentriert. Nochmal in kurz:

    Als Strickerin erlebe ich ja seit mehreren Jahren, dass die dazugehörigen Blogs und vor allem Ravelry durch alle möglichen Artikel laufen, sei es nun in Feuilleton, Fernsehzeitschrift, Geekforen, Social Media Blogs oder sonstwo (bitte nie ohne die Worte Julia Roberts und Zen!) und was hat sich dadurch geändert? Es haben sicherlich eine Handvoll Frauen begonnen, zu stricken, aber ansonsten? Mich hat im Bekanntenkreis noch niemand für dumm oder beschränkt oder hausmütterlich gehalten, nur weil ich meine Kleidung selber herstelle - vor allem Männer sind schlicht überwältigt und betrachten es als große technische Herausforderung.

    Es ist nun einmal ein Hobby bzw. eine Tätigkeit, an die sich nur weniger herantrauen oder die Zeit dafür haben. Was genau wäre für Journalisten der Mehrwehrt einer Geschichte darüber? Das meine ich nicht abfällig, sondern als konkrete Frage. Was bringt es ihm/ihr, der Leserschaft, uns?
    Ich kann eben nur aus meinem Dunstkreis heraus sagen, dass es nur wenige gibt, die bloggen und wenige, die handarbeiten - konkret: ich bin unter zehn Freundinnen die Einzige, die bloggt, drei außer mir können stricken, tun es aber eher selten. Nähen kann nur noch Eine. Die Schnittmenge aus all dem bin nur ich ... - anderen geht es sicherlich genauso und so sind wir Handarbeitsbloggerinnen gemessen an der Bevölkerungszahl wenige. Dazu ist das kein aufsehenerregendes Hobby, das bei Lesern ungläubiges Staunen, Fremdschämen, breites Grinsen oder Angst hervorrufen könnte - ja, das ist nicht leicht, das dem Chefredakteur als heiß oder intellektuell bedeutend zu verkaufen ;-)

    Du zitierst:
    "Warum ist bei fähigen Frauen der Wunsch so viel geringer, mit ihren Ideen nach außen zu kommen, als beispielsweise bei den 20 Männern, die derzeit den Netzdiskurs [...] beherrschen? Wirksamkeit kann man zwar nicht machen, sie ist ein Gnadengeschenk, aber man kann etwas dafür tun. Warum tun viele Frauen nichts dafür, vor allem ältere Feministinnen? Wie könnte es gelingen, ihnen zu vermitteln, dass sie einen Schatz haben, wie könnte das Bedürfnis in ihnen geweckt werden, ihn in die Welt zu bringen?"

    Weil ein Schatz, in die Welt gebracht, schnell abgegriffen, schäbig und schmutzig werden kann - möchte ich das? Nur weil Männer das tun und ich mich gleichstellen will, muss ich ja nicht alles genauso handhaben, schon gar nicht bei einer Sache, die mir vor allem Freude und Entspannung geben sollen.
    Aber klar verstehe ich den Ansatz auch und unsere ewige Angst, bescheiden und schüchtern in der Ecke sizen zu bleiben, während Kerle über uns bestimmen - aber mal brauche ich zumindest auch etwas ganz für mich und meine kleine Clique an Frauen, die das Gleiche mögen, auf meiner Welle schwimmen und eben auch nicht genügend Handarbeiterinnen im Freundeskreis haben.

    Ach, ich sage es nochmal, ich bin eigentlich viel zu unkonzentriert, konfus und lahm für Diskussionen,hier ist bestimmt manches durcheinander geraten - tut mir leid :-)

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  11. Das Stricken ist doch ein gutes Beispiel, dass eine gewisse Wahrnehmung in der Öffentlichkeit sehr wohl etwas bewirken kann! Vielleicht ist das in Bonn einfach nicht so - hier in Berlin ist das gerade für die unter-25-jährigen wieder ein Thema, Strickkurse und -Treffen allerorten, Guerillastricken etc. Das ist völlig aus der verstaubten Ecke herausgekommen, es ist nach außen getreten, und ich bin froh darüber, es hat dem Stricken nicht geschadet.

    Meikes Ausgangsfrage war ja auch, warum eine Aktion wie #609060 fast sofort medial wahrgenommen wird, obwohl da eher weniger Leute beteiligt sind, als in den Nähblogs. Ich denke das liegt nicht daran, dass die Chefredakteure das eine interessanter finden als das andere...

    Dem Vorwurf, mich wichtig zu nehmen (nicht von dir, Michou), setze ich mich übrigens gerne aus. Wenn ich mich und was ich mache nicht wichtig nehme, wer dann?

    viele Grüße!

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    1. Ja sich als Person sollte man wichtig nehmen, aber nicht als Geschlecht ... ich verstehe nicht warum ich mich mit anderen Frauen gleich stellen und mich von Männern abgrenzen soll? Ich würde das gerne Persönlicher Ich- bezogener formulieren, als es unter einem Titel von Feminismus setzen.
      War vielleicht etwas unglücklich von mir formuliert (Autistin halt *lach*)
      Ich glaube das ist so ein Frauending das wir der Meinung sind man nimmt uns nicht genügend wahr und das die Männer sich ja nicht für unsere Belange interessieren... auf der anderen Seite sehe ich das ich mich auch nicht sonderlich für die Belange der Männer interessiere, aber die scheint das nicht in ihrem Selbstbewußtsein zu stören. Also warum stören wir Frauen uns daran?
      Dieses defferenzieren mag ich überhaupt nicht...
      Weiter finde ich das wir in einem Land leben dürfen in dem wir den Luxus haben uns frei zu entfalten, da empfinde ich es als Jammern auf hohem Niveau was wir hier betreiben.
      Zumal es wirklich Frauen gibt, die Körperlich mißhandelt und in ein bestimmtes Frauenbild gezwungen werden.
      viele liebe Grüße Rubinengel

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    2. Warum diese Aktion stärker zur Kenntnis genommen wird als das Nähen/Nähbloggen, das ja - und da sehe ich Potenzial für breite Medienpräsenz - das Thema Körperwahrnehmung, Schönheit, Individualität ganz selbstverständlich mitabhandelt? Weil es leichter zugänglich ist und auch in einem Sog mitschwimmt, der schon länger zieht. Auch Brigitte ist ja damals mit hineingesprungen und seitdem weiß auch der Reporter der Hintertupflinger Abendnachrichten, dass das Thema für Verkaufszahlen und Aufreger sorgt. Dazu betrifft die Frage nach Schönheit, Jugendlichkeit, Persönlichkeit, OPs so ziemlich jeden, egal, ob Mann oder Frau, dick oder dünn - letztendlich sehen wir ja alle falsch aus ;-)

      Für mich übrigens hat kein einziger Artikel zum Thema Stricken etwas ausgelöst; ich habe wieder damit begonnen, als in Bonn auf einmal ein Wolle Rödel wieder aufmachte und ich stillend zu Hause saß. Dieser Medienhype setzte erst drei Jahre später ein und nervte schnell gewaltig, denn kaum einer machte sich die Mühe, wirklich etwas zu recherchieren: Einer schrieb beim Anderen ab und alle erzählten das Gleiche. Dass Stricken so altmodisch und verachtenswert gewesen wäre, bevor uns von Freundin, Frau-TV und Spiegel Online erklärt wurde, dass es das nicht sei - nein, das kann ich nicht bestätigen. Sicherlich haben mehr Frauen danach mit dem Nadeln angefangen, aber hätte es nicht schon vor der Medienschlacht sehr viele, sehr sichtbare Neustrickerinnen gegeben, so hätte es auch nicht einen einzigen Artikel darüber gegeben.

      Ich glaube, wir wollen (ich nehme mich ja gar nicht so sehr aus, wie es vielleicht den Anschein hat ;-) ) die grünkarierte Maiglöckchen fressende eierlegende Wollmilchsau:
      Es sollen Massen mobilisiert/aufmerksam gemacht werden, aber dabei die Individualität, die Vielfalt gewahrt werden.
      Wir wollen Aufmerksamkeit, aber sicher keine destruktive Kritik irgendwelcher Schwachmaten (die dann sicher bald käme und weh tun könnte).
      Wir sind als lose Gemeinschaft doch stolz, werbefrei und unabhängig zu sein - aber große mediale Aufmerksamkeit führt auch zu Kommerzialisierung. Vielleicht nicht auf den Blogs an sich, aber sagen wir mal so: Punks waren auch mal Individualisten, bis sie zur Supermodewelle wurden und von Fürstinnen übernommen wurden ;-) Und da sehe ich dann die Möglichkeit, vor einen Karren gespannt zu werden. In dem beispielsweise Zeitschriften ungefragt zitieren, kopieren und falsch zusammen fassen.

      Es ist schwierig. Lieb von dir, Lucy, dich mit meinen so wirren Gedanken zu befassen ;-) Lieb von Meike, mal wieder ein Thema zu diskutieren!

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  12. Als ich Dein Post, liebe Meike, und die ersten Kommentare gelesen dachte ich mir zunächst, dass ich doch auch einfach nur mein Hobby betreiben, mich darüber austauschen, eine Art virtuelles Tagebuch führen und auch ein wenig stolz zeigen möchte, was ich geschafft habe.

    Eine Botschaft o.ä. verbinde ich mit dem Nähen - für mich gesehen - nicht primär. Allerdings, was mich schon länger ärgerte, ist, dass mir die Sachen von manchen Marken, die ich eigentlich ganz gerne mag, oft nicht (mehr) passen. E*sprit, M*xx usw. gibt es in vielen Läden nur bis Gr. 42 und je nach Gewicht/Fitnesszustand ist mir das oft zu klein. Und das geht ja nicht nur mir so. Die fertigen meines Erachtens an einer großen Zielgruppe vorbei. Jetzt kann ich denen ne Nase drehen und muss nicht krampfhaft versuchen, ein paar Kilos loszuwerden, um wieder mein Geld dorthin tragen zu "dürfen". Vielmehr bin ich unabhängig und das ist dann doch ein bißchen mehr für mich als "nur" Nähen und irgendwie schon eine Botschaft.

    Aber ein wenig ist das nun "off topic" und hat mit Feminismus auch nicht wirklich was zu tun. Aber dazu kann ich aus meiner Warte auch wenig schreiben. Ich stimme allerdings Rubinengel zu, dass in der ganzen Debatte die Männer oft gar nicht mehr gesehen werden - aber das ist nochmal ein anderes Thema und ein weites Feld...

    LG
    Poldi

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  13. So eine Diskussion geb es in meinem Blog ja kürzlich auch und ich glaube inzwischen, dass man Gedanken Feminismus und DIY können was miteinander zu schaffen haben (allerdings, größtes Missverständnis: strukturell und nicht individuell) etwas abgewinnen kann, oder eben nicht. Ist ja auch nicht schlimm. Ich finde den Gedanken sehr spannend und werde ihn weiter verfolgen.

    Ich hatte zu dieser 906090 Geschichte auch den Gedanken, komisch, das machen wir doch schon seit Jahren??!! Warum ist das plötzlich so ein großes Ding. Meine Antwort bisher ist auch, wir sind "unsichtbar" als Szene (sehr skuril, wir sind ja sehr viele) aber vor allem: wir sind wahnsinnig voraussetzungsvoll. Die Ebene von 609060 haben die meisten von uns schon lange hinter sich ist mein Eindruck. Außerdem muss man nähen können - wer kann das schon? Wir sind da einfach einen Schritt weiter.

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  14. Ein paar Gedanken eher stichwortartig. Wenn man mal den Rahmen etwas weiter spannt als Feminismus (allein schon weil der Begriff so vielfältig konnotiert ist) und fragt: Ist das selbernähen und darüber bloggen politisch? Die Antwort muss jede für sich finden und es ist für viele sicher auch nicht so. Für mich gilt:
    Ja, weil ...
    - ich mich nicht mit dem abfinde (n muss) was die derzeitige Mode mir bietet.
    - ich nicht gezwungen bin Konzerne zu unterstützen, die irreführende Schönheitsideale propagieren, Menschen ausbeuten, die Umwelt und die Ressourcen vergeuden, auf der ganzen Welt Kleingewerbe zerstören und lausige Qualität anbieten.
    - ich Qualität und Arbeitszeit wertschätze und bewusster klar habe, dass ein Kleidungsstück mehr wert ist als 5 Euro.
    - ich meine Zeit mit etwas verbringe, das nicht der pure passive Konsum ist.
    - ich etwas für mich tue
    - ich Teil einer Gemeinschaft bin, die deutlich und klar davon zeugt, dass Individualität und Vielfalt total toll sind

    Konsumkritik, der Wunsch dass kein Kind für meine Kleidung sein Leben aufs Spiel setzt, ein selbstbewussterer Umgang mit meinen Proportionen und einfach Spaß alles spielt als Motivation mit rein.

    Und ich werde n der Tat oft gefragt, ob ich aus politischem Antrieb nähe (sowie ob ich aus politischem Antrieb Vegetarierin bin) - die Antwort ist wie alles im Leben vielschichtig.

    Und ich bin 29 und kenne auch persönlich viele Selbermacherinnen und viele die es gern wären (weder auf Frauen noch auf nähen beschränkt) - also JA ich fühl mich als Teil einer Bewegung. Mag aber auch an meiner natürlichen Revoluzzerveranlagung in Kombination mit Ökohippieerziehung liegen, wer weiß.

    Danke Meike für die Anregungen der letzten Tage!

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  15. Ich sehe das so ähnlich wie "siebenhundertsachen". Ich glaube, dass wir (noch?) ein wenig elitär unterwegs sind, ganz einfach, weil viel weniger Menschen nähen als solche, die Probleme haben, passende und schön empfundene Kleidung zu finden. Wir kommen eben langsam.......z.B. der MMM wächst!
    Herzliche Grüße
    Sabine

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  16. Da muss ich auch mal meinen Senf dazu abgeben.

    Tatsächlich habe ich bisher noch nicht einmal einen Gedanken daran verschwendet, dass "Nähen" und "Feminismus" und das Bloggen darüber irgend etwas miteinander zu tun haben. Gerade heute habe ich darüber einen Post geschrieben, dass sich diesbezüglich meine Meinung ein wenig ändert. Aber eher dahingehend, dass ich meinen Kindern ein anderes Wertesystem vorleben kann.

    Ob man als DIY-Bewegung aus der Nische ohne Beachtung rauskommen muss, mehr Öffentlichkeit braucht, oder nicht, tja darüber kann man streiten!

    Aber..hmmm, ja, warum eigentlich nicht? Wenn immer nur das Öffentlichkeit "bringt", was aus Männerhand geschaffen wurde (und das ist ja bei typisch weiblichen Dingen durchaus der Fall, z.B. Kochen, Schneidern etc.), dann kann man doch durchaus mal drüber nachdenken, ob wir nicht doch zu zurückhaltend sind, mit dem was wir machen. Ich denke wir, könnten schon eine lautere Stimme vertragen.

    Liebe Grüße von Ute

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  17. Ich glaube, das Thema 'Naehen' ist vermutlich zuuu alt und damit wohl zu 'abgelutscht' (?) - immerhin mussten schon die Tierfelle irgendwie um den Koerper gebunden werden! ;-)

    LG, Gerlinde

    Ausserdem: versuchen kann man's (wird's getan; sogar nebenbei per MMM) ABER: it takes two (and more) auf beiden Seiten. Z.B.: JEDER kann herstellen/produzieren, was immer er mag und/oder kann (so lange in gesetzlich erlaubten Bahnen); ob's auch Interessenten dafuer gibt - ist eine andere Sache!

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  18. Liebe Meike ,
    ich habe nicht das Gefühl , dass wir 60/90/60 in irgendeiner Weise beneidenswert finden sollten , oder den MMM oder andere unserer Aktionen als " in der hintersten Ecke des Internets versauernd " betrachten sollten ! Weil erstens hat sich hier eine grosse Gemeinschaft von Frauen aufgetan , die sich gegenseitig motivieren, bestätigen und beraten, und zweitens sehe ich an Blogs wie" Gerties " oder " Casey's " ( die schon eine grosse Aufmerksamkeit geniessen ) , wie hunderte von clicks und dementsprechender Öffentlichkeitsdruck in beiden blogs einen ziemlichen Kreativitätsabfall verursachen .
    Liebe Grüsse Dodo

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