Montag, 3. September 2012

Feministisches Nähen?

Vorhin hatte ich, im Gespräch mit einer Freundin, einen wunderbaren Aha-Effekt. Sie sagte:
"Stricken ist leichter als nähen und außerdem braucht man für das Nähen so viel Platz".
Es stimmt, dass frau zum Nähen Platz braucht. Ja klar, zuschneiden braucht Platz, die Nähmaschine(n) brauchen Platz, das Material braucht Platz. Aber wollen wir Frauen immer nur bescheiden und still in unserer Sofaecke sitzen und platzsparend stricken?

In den letzten Tagen habe ich mich ganz oft gefragt, was Feminismus für mich ganz persönlich bedeutet. Was in meinem Leben und Handeln ist feministisch? Alle paar Jahre lohnt es sich, mal wieder darüber nachzudenken, statt stillschweigend davon auszugehen, dass frau doch irgendwie Feministin ist, aber gleichzeit müde geworden ist, die immergleichen Diskussionen zu führen. Nach tagelangem darüber nachdenken und mit der intensiven Beschäftigung mit den MMM-Regeln, habe ich eine Antwort für mich gefunden: Feministisch zu leben und zu handeln bedeutet für mich Frauen zu ermächtigen. 

Ich möchte Frauen dazu ermuntern und darin unterstützen, die eigenen Träume zu verwirklichen, die Projekte zu realisieren, für die sie brennen, das Leben zu führen, das sie sich wünschen und das Selbstbewußtsein zu enwickeln, die Frau zu sein, die sie sein wollen. Dabei schließe ich mich ausdrücklich mit ein; denn feministisch zu sein, heißt auch, mich um mich zu kümmern.

Und um das alles zu tun, braucht frau Platz. Erst, wenn wir uns, unsere Träume und unsere Bedürfnisse ernst nehmen, haben wir auch den Mumm dafür Zeit und Raum zu fordern bzw. in Anspruch zu nehmen. Dann ist Platz ein Synonym für Respekt und Me-Made-Nähen ein feministischer Akt der Selbstermächtigung die Frau zu sein, die wir sein wollen.

Kommentare:

  1. Du sprichst mir aus dem Herzen und ich werde versuchen mir Platz zu schaffen, und sollte ich es mal wieder vergessen, werde ich mich an diesen/Deinen Post erinnern. Danke liebe Maike :-)
    Liebe Grüße Martina

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  2. Kann ich voll und ganz unterschreiben. Oft haben die Frauen im Haus keinen Ort, an dem sie wirklich ungestört sein und sich mit ihren kreativen Werken ausbreiten können. Aber nichts ist schlimmer, als sich "im Weg" zu fühlen und sich (bzw. sein aktuelles Projekt) mal wieder unsichtbar machen zu müssen, weil der Esszimmertisch gerade gebraucht wird. Es ist natürlich immer eine Platzfrage, aber zumindest ein kleines, "eigenes" Eckchen sollte sich in jeder Wohnung finden.

    LG Nicole

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  3. Ich gebe dir recht. Wenngleich ich bei mir aufpassen muß, daß aus feministisch nicht egoistisch wird, denn seitdem ich nähe, ist der haushalt und garten nicht mehr top, tagsüber drehen sich meine gedanken schon darum, was ich abends nähe, welche stoffe ich unbedingt wieder brauche... Sprich ich muß echt aufpassen, daß ich meine Familie nicht vernachlässige!

    Lieben gruß von daxi

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  4. Diesen Wunsch habe ich mir schon lange erfüllt und es ist was wunderbares, wenn ich meinen Hobbyort so einfach verlassen und die Türe zumachen kann um bei nächster Gelegenheit wieder weiterzumachen, ohne Aufräumstress!!!

    Frauen, gönnt euch diesen "Luxus", wenn ihr die Möglichkeit dazu habt!

    Gruß Frieda

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  5. Hmmm, das mit dem Platz ist sogar im weiiiitlaeufigeren, geraeumigeren Australien mitunter nicht so einfach: er kostet!
    ABER:
    Schallend gelacht habe ich kuerzlich bei einer sehr beliebten Gartensendung, welche ueber ein ca. 70-jaehriges Ehepaar berichtete. Schob die lieb, suess und sehr treuherzig dreinguckende Dame des Hauses doch glatt verschmitzt folgenden Satz heraus: " Jede Frau braucht ihren eigenen Schuppen!"
    Dazu muss noch gesagt werden, dass es fast so etwas wie australisches Maennlichkeitszeichen ist, eine eigene Shed/Schuppen zu haben, wo's ziemlich "betreten verboten" heisst fuer den uneingeladenen Rest der Welt!

    LG, Gerlinde


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  6. Schöne wahre Worte... doch bei mehr Platz mußte ich unweigerlich schmunzeln, denn er bestärkt mich in meinen Überlegungen: Umziehen in einen größeren "Schuppen" (s.o.) LG, Marja

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  7. Liebe Meike, auch ich kann Dir voll und ganz zustimmen! Ich habe festgestellt, dass meine kreativen Ideen wieder anfingen zu sprudeln, nachdem ich einen eigenen Platz für mich und meine Hobbies eingerichtet hatte. Nicht mehr überlegen müssen, ist das Projekt zu groß, zu aufwendig o.ä. Mädels es lohnt sich, für Euch Raum einzufordern.
    Liebe Grüße und danke für die vielen Anregungen auf Deinem blog,
    Ute

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  8. Feministisches nähen verstehe ich nicht.Ich nähe beruflich, mit der Hand ,deshalb ist es für mich normal Zuhause für mich zu nähen .Aber ich war schon immer störrisch und lebe allein .

    Doris

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  9. Obwohl ich ein Zimmer für mich alleine habe, in dem ich tun und lassen kann was ich will, bin ich trotzdem beim Nähen nicht so produktiv wie ich es gerne wäre. Mich plagen derzeit ein paar Sorgen und im Gegensatz zu vielen, die sich dann regelrecht in ihr Hobby stürzen, bin ich ziemlich blockiert. Beim Stricken kann ich leichter entspannen. Zudem hatte ich in letzter Zeit eher mäßig Erfolg mit meinen genähten Kleidungsstücken, das ist auch nicht gerade motivierend. Ich hoffe, dass es im Herbst dann wieder etwas besser läuft.

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  10. Ich dachte immer ich sei keine Feministin, nur eine Frau die eben ernst genommen werden will... aber eine Nähecke hatte ich von Anfang an und das erleichtert die Sache doch ungemein! ;-) Stricken braucht weniger Platz, aber bei mir dafür deutlich mehr Zeit, das war auch der Grund warum ich angefangen habe zu nähen, weil Stricken einfach zu lange gedauert hätte!


    LG
    RockGerda

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  11. Liebe Meike, ich liebe platzsparendes Stricken und raumgreifendes Nähen gleichermaßen, alles zu seiner Zeit. Mit Deiner Forderung nach ausreichend Platz hast Du mich an das berühmte Essay von Virgina Woolf erinnert. "Ein eigenes Zimmer". Sehr lesenswert!
    LG Kuestensocke

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Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.