Dienstag, 4. September 2012

Echte Frauen - #609060

Sorry, Mädels, das Nähfragezeichen muß warten. Jetzt muß ich erst noch mal was anderes schreiben. Echt jetzt.

Den  Blog Journelle lese ich schon ewig. Jahrelang. Das kann ich nur empfehlen. Ein interessanter Einstieg für alle, die hier gerne lesen ist das Essay "Mehr auf den Leib geschneidert und weniger geschneideter Leib" vom 10. August, zu dem ich eigentlich schon die ganze Zeit meinen Senf geben wollte. Im Trubel um den "neuen MMM" habe ich das aber immer wieder vergessen. Journelle greift das Thema heute aber noch mal auf, das erinnerte mich, meine Gedanken auch noch mal in Worte zu fassen.

Journelle startete mit dem ersten Essay die Aktion #609060, fotografierte sich täglich mit ihrem normalen Outfit und postete dieses Bild. Schnell schlossen sich ihr immer mehr Leute an, die auch Bilder von sich in ihren normalen Klamotten unter dem Hashtag posteten und es entspann sich eine Diskussion über "das normale". Obwohl ich mich nicht aufgefordert fühlte, dort auch noch mitzumachen, fand ich die Aktion toll, denn mich interessierte das alltägliche, das ungefotoshopte genauso wie die Träume und Kopfkleiderschränke. Nachdem meine Hoffnung auf das "normale" von der Zeitschrift Brigitte und ihrer merkwürdigen Aktion "Ohne Models" jämmerlich enttäuscht wurde, weil dort auch wieder nur dünne und hübsche Frauen zu sehen sind, die dann auch noch irgendwelche tollen Jobs haben und exotisch wohnen.... fand ich die Aktion #609060 für "normale" Menschen, also Menschen, die nicht nähen, eine tolle Sache.

Wir Näherinnen haben ja schon seit mehr als einem Jahr das tolle Forum Me-Made-Mittwoch, bei dem wir uns alltäglichwunderschön präsentieren können, um einander Mut zu machen, Dinge auszuprobieren, um zu schauen, wie Schnitte an "normalen" Frauen aussehen und um nach und nach mit steigender Selbstakzeptanz herauszufinden, wie wir gerne aussehen wollen, um uns gut zu fühlen. Interessanterweise wird aber der MMM anscheinend oder vielleicht, so genau weiß ich das gar nicht, von einigen oder vielen ganz anders interpretiert. Ich habe das Gefühl, "Stolz" die Hauptmotivation ist, am MMM teilzunehmen. Das finde ich legitim, uns allen tut doch verdammt gut nach einem "seht her, was ich geschaffen habe" positives Feedback zu bekommen. Eine andere Motivation kann natürlich auch der immense Zuwachs an Bekanntheit und BesucherInnenzahlen auf dem Blog sein, der durch den MMM zustande kommen kann.

Als wir uns als neue Crew in den letzten Wochen über die neuen MMM-Regeln Gedanken machten, wurde uns immer deutlicher klar, dass wir gerne "echte Outfits an echten Menschen" sehen wollen, wohlwissend, wie viel mehr Aufwand es bedeutet, gute Fotos an Menschen zu machen, statt mal eben ein neues Kleidungsstück aufs Bett zu legen oder der Puppe überzuziehen und zu fotografieren. Wir hatten die Sehnsucht nach Klasse statt Masse. Ein toller MMM-Beitrag ist, der aussagekräftige Fotos über den Gesamteindruck und vielleicht noch Details hat und einen informativen Text, über Erfahrungen mit Schnitt und Material etc. Das heißt dann vielleicht auch, dass man nicht jede Woche teilnehmen kann, weil es eben nicht jede Woche möglich ist, einen tollen Text mit tollen Fotos zu liefern. Was genau nun "toll" bedeutet ist immerhin noch offen genug. Mein Kompromiss besteht darin, immer mal den Kopf abzusäbeln, wenn ich nicht will, dass ein Bild, auf dem ich mich scheußlich finde, auf Dauer im Internet kursiert und mir zugeordnet werden kann. Mit Kopf ist zwar netter, aber bei schnellschnell Fotosessions ist leider nicht immer garantiert, dass alles prima ist. Ich kann auch jedeN verstehen, die ihre Anonymität aufrecht erhalten will. Internet ist öffentlich - da muß jede selbst entscheiden, was sie zeigen will oder eben auch nicht.

Und trotzdem bleibe ich dabei: ich finde "echte Menschen in echten Outfits" toll, weil es meinen Blick auf die Welt verändert. Egal, ob meine Nachbarn nur in Jeans herumlaufen oder ich bin Einkaufszentrum spätestens ab Oktober nur noch Outdoorjacken sehe. Immer wieder Mittwochs sehe ich beim MMM tolle Frauen in tollen Outfits, die manchmal, aber nicht zwangsläufig "der Norm" entsprechen, was ungemein inspirierend für mich ist. Wenn wir uns zeigen, mit unserem echten Körper und wenn es zum Beispiel beim MMM, bei #609060, bei fatshionista immer mehr echte Menschen zu sehen gibt, die Wert darauf legen, sich schön zu machen, um sich gut zu fühlen, dann verändert sich etwas. Vielleicht nur ganz langsam, vielleicht auch schneller als wir denken. Wir haben mindestens eben so viel Macht wie die Brigitte (die jetzt doch überlegt, die Aktion wieder einzustampfen). Wir müssen uns dieser Macht nur bewußt sein.

Jedenfalls sind wir nicht ausgeliefert. Gerade, weil wir nähen und weil wir nähen-und-bloggen, haben wir die Macht für uns im Kleinen das zu schaffen, was uns gut tut und im Großen können wir andere ermutigen, dies ebenso zu tun. Wir sind nicht mehr abhängig von der Mode-und Bekleidungsindustrie. Ist das nicht großartig. Lasst uns großartig sein!

Kommentare:

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  2. Wie schön, dass wir so unterschiedlich sind! Ich habe mich nach meiner Pubertät fast immer in meinem Körper wohl gefühlt, auch ohne mich überhaupt um Mode zu kümmern. Mein Selbstwertgefühl wurde aus ganz anderen Quellen genährt. Und kürzlich habe ich eben Mode und Mode machen als neues Hobby entdeckt - und Spaß dran gefunden.
    Dafür finde ich den MMM ein seeeehr ansprechendes Format, erst recht, wenn es mehr in die angedachte Richtung läuft, Kleidung an der Frau zu präsentieren. Auf andere, aber gleichberechtigte Weise inspirierend wie Designer-Shows...

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  3. Also. ich fürchte, das wird jetzt lang.

    Seit ich für mich selbst nähe, kann ich das zeigen, was ich will und das verstecken, wonach mir gerade nicht ist. deshalb trage ich fast immer nur dreiviertelärmel. das ist seltsam, aber ich gehe durch die selbstgemachten sachen dann eher in der masse unter, wenn mir danach ist.
    ich muss mir nicht die furchtbaren stücke bei den großen billiglabels kaufen, die mir wohl doch nicht passen oder die (viel schlimmer) ein kind für wenig geld genäht hat.
    durch das selbst nähen kann ich sein wer ich bin.

    es ist nicht mehr so anstrengend sich morgens etwas aus dem schrank zu holen, weil alles gut passt!
    oh man, das hab ich echt erst seit ich selbst nähe! traurig eigentlich...

    ich weiß nicht, ob ich nochmal beim mmm mitmache.
    ich kann keinen schnitt besprechen oder so, weil ich alles selbst zusammenbastel und das interessiert dann kaum jemanden, glaube ich. und mir dann extra so eine große mühe geben mit schönen fotos und so. oh je, nee, das schaff ich auch nicht.
    ja, was ist denn ein schönes bild?
    eins, das man in der minivorschau gern anklickt? eins, das lust auf mehr macht?

    ich mag beim bimbambuki bspw. immer ger, dass sie ihr outfit zeigt, sagt woher der schnitt ist und gut ist. ohne langen text.

    fand ich auch immer klasse.

    lg

    halitha

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    1. Also ICH finde auch gerade selbstentworfene Schnitt spannend und möchte darüber lesen. Denn das x-te Mal zu lesen, wie toll die Mila oder Frederike oder wie die Teile alle heißen sind, hilft doch nicht weiter. Aber vielleicht Stück für Stück von anderen lernen zu können, wie man einen Schnitt entwirft oder auch verändert und zusammenbastelt, so dass man das Ergebnis bekommt, was man möchte, und so, dass es am Ende auch richtig passt, das fände ich toll. Es ist schließlich noch keine Designerin vom Himmel gefallen. Jedenfalls in meinem Fall...

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  4. ok, ich hab deinen text jetzt nochmal gelesen und anders verstanden: wir brauchen also gar keine tollen, umwerfenden bilder? es reicht auch ein husch-husch bild? hauptsache echt und selbstgenäht?

    das fänd ich super.

    das ist dann eben das leben.

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    2. Mein Kommentar ist weg. Merkwürdig. Sollte man halt nicht, zwischen Tür und Angel. Also noch mal kurz.

      Tolle Bilder für mich sind, echte Bilder an echten Frauen, so gut, wie es eben geht, sei es im Spiegel oder sonstwie und dann noch Detailfotos, wenn spannende Details gibt und diese dann eben das STück aufs Bett legen oder so.

      Tolle texte sind für mich Infos über den Schnitt, die Stoffwahl (war sie gut?) und Probleme beim Nähen und deren Lösungen. Aber so ausführlich kann und muß es nicht immer sein.

      Spanennd finde ich selbstgemachte Schnitte und recyclte Materialien.

      Ach mist, ich könnte noch viel mehr schreibne, muß aber los.

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    3. okay, und ich habe deinen zweiten Kommentar erst nachträglich gelesen und schließe mich in kurzform noch Meike an
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  5. "durch das selbst nähen kann ich sein wer ich bin" - Halitha, damit hast du das Ziel des MMMs perfekt auf den Punkt gebracht. Und es ist nicht der Sinn, neue Normen aufzustellen, dass nur die mitmachen "dürfen", die umwerfende Bilder knipsen, oder perfekt nähen, oder oder oder. Es geht um Selbstgemachtes im Alltag, und Alltag ist eben oft unspektakulär. Ich finde es aber immer toll, wenn ich außerdem noch etwas über Materiel, Verarbeitung, Schnitt etc. erfahre - das Fachsimpeln mit anderen Selbermacherinnen ist für mich auch ein wichtiger Aspekt des MMMs.

    Zwei Nebengedanken kommen mir noch, zu deinem großartigen Artikel, Meike: - es ist seltsam, dass die deutschen DIY-Blogs relativ isoliert dastehen und sowohl von Feminstinnenseite als auch von Medienseite kaum wahrgenommen werden. Wir Selbermacherinnen müssten wohl die Vernetzung nach außen aktiver betreiben. Der Liebste meinte gestern Abend (wir unterhielten uns zufällig auch über #609060), der MMM müsste auch noch twittern.
    - es ist sicher kein Zufall, dass die klassischen Frauenzeitschriften seit Jahren mit sinkenden Auflagen zu tun haben. Die ohne-Models-Aktion der Brigitte war ja auch nur ein untauglicher Versuch, sich dem Schwund entgegenzustellen, vermeintliche Authentizität zu präsentieren und die Bindung der Leserinnen ans Blatt zu stärken. Dass sowas nicht mehr so einfach klappt, ist vielleicht schon ein Symptom, dass sich manche Dinge ändern. Den Mix aus Modetipps und Produktwerbung kann frau ja in jedem beliebigen Modeblog finden, dazu muss sie keine Zeitschrift kaufen. die Chance für echten Journalismus in Frauenzeitschriften (man wird ja noch träumen dürfen...)!

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  6. danke euch die antwort! das bringt mich weiter.
    und ich empfinde es auch so, dass die bloggerszene in deutschland oft kaum gehör findet. da gibt es frauen, die bloggen schon über ein halbes jahrzehnt und von denne hat noch nie jemand gehört.
    manchmal gibt es artikel in diy-zeitschriften, aber die vernetzung ist dann doch eher auf das "von blog zu blog" beschränkt.
    und selbst da merkt man ja, dass man sich irgendwie und irgenwo immer mal wieder "trifft". aber aus dem computer heraus schafft es doch kaum einer.

    schade!

    ich wohne bspw. in einer landeshauptstadt und bin mit meinem diy allein auf weiter flur, weil ich einfach keine ahnung habe, ob meine kommilitonin nicht vielleicht über ihre selbstgestrickten jäckchen bloggt.
    es redet keiner drüber.
    ich hab schon über ein t-shirt mit der aufschrift "nähst du auch? dann lass uns die welt verändern" nachgedacht ;)

    das bloggen hat kaum eine lobby.
    oder irre ich da?

    ich jedenfalls fing erst an zu bloggen, als mir der näh-austausch anfing richtig zu fehlen. und dann eröffnete sich mir ja eine welt. wow!

    oh man, schon wieder zu lang ;)
    und vielleicht auch der falsche platz für diese fachsimpeleien?!

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    1. Alles Gut, nicht zu lang.

      Die Idee, bloggen und regionale-in-echt-Sachen zu vernetzten finde ich super. In Hamburg z.B. gibt es zwar so tolle Sachen, wie den Craftraum, aber z.B. mein Nähkränzchen ist eingeschlafen und ich fand einfach keinen "Nachwuchs". Ich kenne zwar hamburger Craftistas, aber die wohnen zu weit weg oder sind schon in kleinen verschworenen Zirkeln miteinander liiert. Ich bin allerdings sicher, dass es noch andere "einsame Craftista-Herzen" gibt, die es lohnt, kennenzulernen. Ich werde mit der Idee mal schwanger gehen.

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  7. Du hast das sehr schön geschrieben, nur eine Sache stört mich ein wenig (aber vielleicht hab ich das auch nur falsch verstanden): Warum sind "echten Frauen" nur Frauen mit Kurven etc.?

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  8. Ich nähe schon seit mein ganzes Erwachsenenleben einen großen Teil meiner Garderobe - und das ist schon seit den Mittsiebzigern - und meine besten Stücke sind 'selbstgenäht'. Wenn man klein ist und keine Normfigur hat, dann wird das Einkaufen häufig sehr schnell zu einer frustrierenden Angelegenheit. Meine Erfahrung ist, daß ich mit Selbstgenähtem einfach so viel mutiger und individueller mit Mode umgehe - ja, ich fühl mich wirklich viel mehr ich-selbst - eben echter. Der MMM interessiert mich - ich muß es mir einfach mal anschauen und bekomme Lust, auch mitzumachen.
    Liebe Grüße
    Antje

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  9. Ich bin zufällig gerade gestern bei einem der großen Online-Magazine über die #609060-Aktion und die Fatshionista-Flickr-Group gestolpert. Aber ich "sammle" schon länger Fatshion-Blogs, vorwiegend amerikanische, da die Fat Acceptance-Bewegung dort viel weiter ist als hierzulande. Und ich bin begeistert, wieviel sich da tut. Zwar nach wie vor in einer kleinen Bekanntheitsnische, aber man kann beobachten, wie die neue Präsenz der Bilder das Bewusstsein verändert. Diese Frauen sind dick, richtig dick, aber sie zelebrieren ihre Formen farbenfroh und selbstbewusst. Je öfter durchschnittsfrau schöne, dicke Frauen sieht, die sich auch ihrer "Problemzonen" nicht schämen, desto mehr bekommt frau selbst das Gefühl, okay zu sein, selbst wenn sie bisher das Gefühl hatte, aus einer einzigen Problemzone zu bestehen.

    Öffentliche Bilder machen nämlich ein Statement. Stephanie Zwicky von www.leblogdebigbeauty.com z.B. verhüllt ihre Stempelbeinchen nicht, sondern setzt sie sogar mit farbigen Schuhen in Szene. Und plötzlich verliert das Argument "ja, wenn ich ideale Beine hätte" an Gewicht. Weil Stephanies Beine nämlich überaus sexy wirken - obwohl sie weit, weit vom Ideal entfernt sind. Was im öffentlichen Bildraum vorkommt, und zwar mit positiver Besetzung vorkommt, wird ermächtigt. Das Nicht-Ideale wird liebenswert.

    Übrigens interessant zu beobachten: so langsam beginnt die Bewegung, dem dünnen Idealbild ein dickes entgegen zu setzen. Die Models in Zeitschriftenproduktionen oder auf den Laufstegen der Full Figure Fashion Week werden offenbar nicht mehr aus einem Pool hübscher, mutiger Kundinnen gecastet, sondern dank des gewachsenen Marktes auch im Plussize-Bereich aus den Schönsten der Schönen. Nie zuvor waren dicke Models toller proportioniert: rubeneske Sanduhr-Figuren, an denen jedes Pfund an der richtigen Stelle sitzt. Das ist natürlich Glamour-Welt und nicht das echte, pralle Leben. Viel wichtiger ist es, dass die Vielfalt der Schönheit alltäglicher Frauen sichtbarer wird. Aber da eins mit dem anderen zusammen hängt, wachsen eben auch Plattformen wie die Fatshionista-Gruppe oder adipositivity.org wie Pilze aus dem Boden.

    Um den Bogen zum Selbermachen zu schlagen - ich finde es toll, dass gerade Ihr runderen Frauen über die schnittlichen Kämpfe mit den barocken Formen berichtet, und zwar auch in aller Imperfektion mit Bildern vom noch nicht so toll sitzenden Kleidungsstück (was der Eitelkeit ja besonders schwer fällt). Ohne Passformprobleme bei kleinen Größen verniedlichen zu wollen, aber gerade bei größeren Größen sind gut sitzende Schnitte leider viel schwieriger von der Stange zu haben. Das liegt tatsächlich in der Natur der Sache, da mit zunehmendem Umfang die Abweichungen vom Durchschnitt immer mehr streuen.

    Viele Grüße
    Ursula

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  10. witzig, gerade heute morgen hab ich das auch entdeckt und mich durchgelesen..inspirierend das alles...muß noch drüber nachdenken.
    bzw weiterdenken.

    grüße
    stella

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  11. Das hast Du schön geschrieben, Meile!
    Ja, genau das war mein Bestreben, als ich mit dem Nähen angefangen habe: mir meine passende Kleidung auf den Körper zu schneidern und nicht meinen Körper (in meinem Fall mit einer Brustvergrößerung, wie mir unglaublicherweise einmal von einer Verkäuferin geraten wurde!) an die Kaufkleidung anzupassen!
    Mit Selbstbewußtsein hinter seinen Körperformen stehen, gerade weil sie nicht der Standardwunschfigur der Modeindustrie entsprechen... auch das ist für mich der MMM!

    Christel

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  12. iiiiks, sorry - ich wollte natürlich MEIKE schreiben!

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  13. Heute möchte ich auch mal ein Statement abgeben – ungewöhnlich für mich, weil ich mich normalerweise aus solchen Berichten heraushalte:
    Ich nähe, seit ich denken kann, angefangen mit Puppenkleidern, später für mich aus der Carina, Brigitte, Burda Moden, Neue Moden und wie sie alle hießen. Da ich noch nie oder nur kurzfristig zu den „Normalos“ gehörte, hatte ich immer schon mit dem Problem zu kämpfen, passende Schnitte in meiner Grösse zu finden. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als große Größen bei 42 anfingen – und Schnitte in dem Bereich für meinen Geschmack altmodisch waren. Das schlimme am selbst nähen ist, dass man irgendwann nicht mehr in der Lage ist, Kaufkleidung zu tragen, denn wenn ich – auch oder vor allem bei teuren Teilen – die Verarbeitung ansehe, bin ich nicht mehr bereit, für ein Teil ein Heidengeld zu zahlen.
    Manchmal frage ich mich, woher ich überhaupt mein Selbstbewusstsein nehme, wo ich doch schon fast 50 Jahre als Vollweib rumlaufe und nicht der von wem auch immer vorgegebenen Norm entspreche. Die Zeiten als Vollweib waren vor 20/30 Jahren wesentlich schlechter, Dicke waren als bequem, faul und inkonsequent verrufen, da sie es ja nicht mal schaffen, abzuspecken. Und wehe, man aß in der Öffentlichkeit – „kein Wunder, dass die so dick ist....“ Im Vergleich dazu ist es jetzt ja schon fast der wahre Himmel für uns. Plötzlich werden wir als „Markt“ wahrgenommen, jede Kaufhauskette hat „Mode in großen Grössen“; es gibt nur für uns Näh- und Strickzeitschriften, Boutiques, jede Marke hat schon fast einen XL-Bereich. Nun versucht jeder, von und durch uns zu provitieren. Manch schlanke Frau beneidet uns plötzlich sogar um unsere Auswahlmöglichkeiten.

    Als Feministin habe ich mich nie bezeichnet, bin aber wohl doch eine. Mein grösstes Anliegen ist es, Frauen klar zu machen, dass man zu sich stehen muss; sich erst mal selbst akzeptieren muss; dass man von niemandem abhängig sein darf; dass Frau ohne Mann durchs Leben gehen kann und dass man so leben soll, wie man möchte. Manchmal komme ich mir wie eine Missionarin vor, wenn ich miterlebe, wie Frauen sich von Männern verbiegen lassen. Männer sind schwach – wir Frauen sind die starken. Und da das viele Männer wissen, haben sie Probleme mit uns starken, selbstbewussten Frauen und versuchen, uns auf andere Weise gefügig zu machen.
    ... das war jetzt die Kurzfassung und ich hoffe, ich habe im Eifer des Gefechts nicht das Thema verfehlt:-)

    Liebe Grüße

    Katharina von "Rosi Rund"

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    1. Respekt - stehender Aplaus hier!

      LG, Gerlinde

      Ach ja, und meinem lieben GoeGa weise ich oefter mal darauf hin, dass das kein guter 'deal' war, wenn er meinte, mich ca. als gutes Basis-Model zu heiraten und dann auf seine Beduerfnisse 'zu biegen'; soll selber mit gutem Beispiel vorangehen - ist auch nur gutes 'Basis-Modell' ! ;-)

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  14. Liebe Meike,

    super geschrieben und genau meine Meinung.

    Ich lese seit fast 10 Jahren keine Frauenzeitschriften mehr, ich lese stattdessen Blogs von echten Menschen.

    Je mehr ich nähe und stricke, desto weniger gehe ich Kleidung kaufen und muss mich immer weniger von Konfektionsgrößen und fiesen Umkleidekabinen demütigen lassen. Das ist ganz bestimmt schlecht für die Wirtschaft, weil sowohl die Textilindustrie als auch die Fitness-, Diät- und Kosmetikindustrie weniger verdienen. Aber wir wissen doch inzwischen alle, wer dort das Geld einsteckt und wer für einen Hungerlohn schuftet.
    An dieser Stelle weise ich auf das Buch "Wohlstand ohne Wachstum" hin. Wer mehr zu dem Thema wissen will, liest dort.

    Danke, liebe Meike!
    Viele Grüße aus Berlin,
    Henriette

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  15. Liebe Meike,

    auch von mir VIELEN DANK für diesen Artikel!
    Ich nähe zwar nur selten für mich, aber ich merke, dass es immer mehr wird, je mehr für mich passende Schnitte ich entdecke. Weil es nämlich Freude macht, etwas zu tragen, was MIR passt und was ZU MIR passt. Und ja, es macht auch sehr viel Freude, darauf angesprochen zu werden, im RL und im Blog, gelobt zu werden, Feedback zu bekommen, Hinweise, wie es noch schöner ginge. Darum blogge ich. Darum blogge ich auch gern beim MMM - auch wenn es mich nach wie vor Überwindung kostet, Bilder meines alles anderen als perfekten Körpers einzustellen.
    Eine Puppe hab ich gar nicht, die gibt es nicht in meiner Konfektionsgröße ;o), von daher MUSS ich ja "an mir" knipsen. Die Sachen wirken ja nun nicht besonders am Bügel ...

    Anyway, zurück zum Thema: Ich mag die Vorstellung, dass wir uns noch mehr vernetzen, noch mehr austauschen. Ich werde zwar weiterhin mehr im "Nähen für Kinder" unterwegs sein, aber ich finde es wahnsinnig inspirierend, was auch für Große so drin ist.

    @Halitha: Du bist für mich einer der Inbegriffe der Kreativität, die ich beim Bloggen erlebe! Wehe, du hörst auf beim MMM! ;o)

    Liebe Grüße und danke fürs Hirnanstoßen am Abend
    Luci

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  16. Eine Redakteurin fragte mich kürzlich: "Würden Sie sage, dass das Nähen Ihr Leben verändert hat!"
    Meine Antwort: "JA, definitiv!"

    Früher habe ich mich immer versteckt. Jaaa unaufällig sein. Bekam man doch durch die Medienwelt vermittelt: DICK = dumm, faul, ungepflegt ... und was nich sonst noch alles.
    Heute interessiert mich das alles nicht mehr. Das Nähen hat mich Selbstbewußter gemacht. Und seit mir klar wurde, dass ich durch das Selbernähen mir fast jeden Modewunsch selber erfüllen kann bin ich mutiger und experimentierfreudiger geworden. Es reizt mich auch immer wieder zu beweisen: dieser oder jener Stil läßt sich auch in Plus-Size tragen. Auch wenn unser DIY-Blogger-Dasein scheinbar eher wenig Beachtung findet, so freue ich mich umso mehr über jeder Leserin die mir schreibt: "Danke, Du machst mir Mut doch auch mal was Neues auszuprobieren auch wenn ich nicht der Normgröße entspreche".

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  17. Ich hatte den text von Journelle auch schon vor einer Weile entdeckt und vor ein paar Tagen kommentiert - irgendwie witzig, seit über einem Jahr machen wir fast dasselbe, nur ohne twitter - und das 609060 ist jetzt eine große Nummer! Dabei finde ich uns beim MMM deutlich interessanter, weil wir mehr Generationen und Milieus vereinen und damit tatsächlich "normaler" sind. Allerdings sind bei uns die Zugangskriterien andere, wir sind quasi schon einen Schritt weiter und müssen nicht mehr kaufen.

    Lg!

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  18. Vielen vielen Dank für deinen Text. Was du schreibst und generell dein Blog inspirieren mich. Genauso die Kommentare hier dazu. Ich muss gestehen, mich mit dem Thema intellektuell noch nicht wirklich intensiv befasst zu haben - aber vieles was ihr schreibt, habe ich auch schon so empfunden und deswegen kann ich leider nicht viel Eigenes beitragen, nur nicken und mich darüber freuen, dass andere auch so denken wie ich. Danke.

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Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.