Dienstag, 14. August 2012

Nähfragezeichen-Antwort: Schnitte und Preise



In letzter Zeit habe ich Nähfragezeichen eher indirekt beantwortet, z.B., in dem ich Eure Antworten ernst nahm und mich im Shirt-nähen versuchte. Heute will ich doch mal auch eine eigene Antwort zum aktuellen Näh-Fragezeichen schreiben.

Schnittmuster-Preise
Was für Schnittmuster kauft ihr am liebsten (Einzelschnitt, Zeitung, siehe oben) und wie viel seid ihr bereit, für ein Schnittmuster zu zahlen. Woran hängt eure Zahlungsbereitschaft (z.B. gute Erfahrung mit der Firma, zahlreiche Variationsmöglichkeiten...)?


***************  Auch noch mitmachen? Gerne!  *******************

Das Nähfragezeichen ist noch eine ganze Woche lang aktuell und lädt herzlich zum Antworten ein. Bisherige Antworten findet ihr in den Kommentaren zu dem Blogbeitrag und bei Mr. Linky, in dem ich die Frage zu den Schnittmusterpreisen zum ersten Mal schrieb.

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Ich nähte bisher nach Zeitschriften (Knip Mode, Ottobre, Burda), nach Mehrgrößenschnittmustern (Farbenmix), ich kaufte Schnittmuster, die ich aber nicht nähte (Onion, McCalls, Butterick), weil ich sie hätte noch vergrößern müssen und mit Einzelgrößenschnittmuster (Schnittquelle, meine Praktikumsschnitt sowie selbst konstruierte Schnitte).

Im Praktikum und bei den Schnittquelle-Schnittbögen fand ich es so unglaublich luxuriös, auf dem Schnittbogen selbst Veränderungen zu malen und dann den Schnitt, auf schönem Papier, einfach auszuschneiden. Im Praktikum hatte ich dann noch das Vergnügen, die Passzeichen am Schnitt mit dieser wunderbaren Kerbschnittzange machen zu können, so dass die Passzeichen ritschratsch mit Kreide auf den Schnitt übertragen werden können. Da ich mich immer schwer disziplinieren muß, um nicht unordentlich zu arbeiten, fand ich dieses feste Papier, mit diesen wunderbaren Kerben, das ich einfach nur mit mit Muscheln gefüllten Marmeladengläsern beschwerte, statt zu stecken, toll, so dass ich zwangsläufig ganz ordentlich arbeitete - selbst dann als ich, nicht ganz "regelkonform" um den Schnitt herum mit dem Rollschneider durch den Stoff jagte, statt den Schnitt vorher komplett mit Kreide zu übertragen. Das einzige Problem, dass ich ahnte war: was, wenn ich nachträglich Änderungen im Schnitt anzeichnen will, die mehr Papier benötigen? Glücklicherweise war das nicht nötig, aber sonst hätte ich wohl einfach etwas drangeklebt. 



Bildquelle: Peggy Morgenstern



Mehrgrößenschnitte brauche ich nicht. Im Prinzip bräuchte ich sie nur, wenn ich mal für jemand anderen nähe, aber das passiert sowieso selten. Was mir aber hilft ist, wenn im Schnitt angegeben ist, wo Taille, Hüfte und Brustpunkt sind. Dann kann ich an den relevanten Stellen nachmessen und ggf. anders zeichnen. Die Angaben auf den Maßtabellen finde ich ohnehin rätselhaft. Ich habe immer den Eindruck, dass sie eher pessimistisch sind. Wähle ich nach den Maßtabellen eine Größe, dann "darf" ich im Nachhinein etwas verkleinern. Relevant sind also die Maße auf dem Schnitt und nicht die in der Maßtabelle. Das Risiko, bei der Bestellung eines Eingrößenschnittes, die falsche Größe zu erwischen halte ich demnach auch für klein, denn die Gradierungen zwischen Größen sind doch sowieso nur ein paar Zentimeter. Frau kann doch einfach nachmessen und entsprechend der gedruckten Linie einfach selbst zeichnen, denn auf dem Einzelgrößenschnitt ist das doch sehr übersichtlich. Ab gesehen davon, bin ich mittlerweile großer Fan von eingezeichneten Nahtzugaben.

Natürlich bin ich vor Zeitschriften auch nicht gefeit. Zu groß ist doch das Vergnügen, darin zu blättern und zu träumen. Aber ganz ehrlich, wenn ich überlege, was das Knip Abo kostet und wie wenige Schnitte ich daraus tatsächlich realisiert habe, dann sind die Schnitte doch ziemlich "teuer". Aber wie gesagt, bei den Zeitschriften bezahle ich auch für das Lesevergnügen und ich freue mich immer wie Bolle, wenn es nur noch wenige Tage sind, bis die neue Knip im Briefkasten ist.

Das "zu teuer" habe ich in Anführungszeichen geschrieben, weil ich als Selbständige und als Beraterin ohnehin weiß, wie schwierig Preiskalkulationen sind. Aus der Sicht derjenigen, die einen Schnitt produzieren, sind alle Preise der Schnitte für den Markt der Hobbyschneiderinnen lächerlich billig. Es müssen schon sehr sehr viele Schnitte verkauft werden, bis die kreative Leistung, einen Schnitt zu erstellen, honoriert ist und dazu kommen ja noch diverse andere Leistungen, wie Projektmanagement, Marketing, Verkaufsorganisation etc. Ich wüsste zu gerne mal, wo der "Break-Even" bei einem Schnittmuster liegt, d.h. wie viele Exemplare eines Schnittes verkauft werden müssen, bis erst einmal die entstandenen Kosten gedeckt sind.

Ich verstehe aber, dass für die Kundinnen bestimmte Preisobergrenzen gelten. Wir alle wissen, dass Nähen nicht billig ist. Bis ein Kleidungsstück entstanden ist, geben wir eine Menge Geld für Schnitt, Stoff und Kurzwaren aus - unsere Arbeitszeit gar nicht mit eingerechnet. Interessant fand ich eine Antwort, wo für ein "besonderes Kleidungsstück" der Schnitt auch mal teurer sein darf. Das ist bei mir eigentlich eher umgedreht. Ich würde mehr Geld ausgeben für das perfekte Ding, was ich mehrmals nähe, weil sich dann ein Schnitt eher rentiert.

Und mein Resumée? Mmmh, ich würde sagen, als Kundin entscheide ich sehr wenig rational, sondern gehe eher nach dem Lustprinzip. Den Kostenfaktor lasse ich meist außer acht, weil "ich mir ja sonst nix gönne" *g*. Als Beraterin und zukünftige Produzentin bin ich sehr nachdenklich geworden, denn um wenigstens die Kosten zu decken, müssen schon sehr große Mengen abgesetzt werden und diese Reichweite muß frau erst einmal erreichen.

Und wie immer denke ich über die Wertschätzung von Handgemachtem nach. Sind Schnitte nicht eine handwerkliche Leistung, die von Selbermacherinnen gewertschätzt und gerade anständig entlohnt werden müssten? Oder machen wir Selbermacherinnen uns manchmal etwas vor, wenn wir von dem Wert des Selbstgemachten und der Nachhaltigkeit reden - sind wir vielleicht auch nur gehetzte Konsumentinnen im Konsumrausch, wo alles billig, ständig neu und schnell verfügbar sein muß?


Kommentare:

  1. ich gebe dir grundsätzlich in fast allem recht was du schreibst - aber: ich sehe eine generelle überteuerung in diesem jetzigen gesellschaftssystem.
    vor vierzig jahren gab es umsonst ein-größen-schnitte, bebildert und mit einer übersichtlichen arbeitsbeschreibung in der Bri*gitte.
    Neu* M*ode oder B*urda waren damals schon teuer wenn es lose schnitte waren. und teuer hieß damals mehr als 1,80 /2,50 DM !!
    ich verstehe in dem sinne also die heutige preispolitik grundsätzlich nicht. denn es geht offenbar nicht nur um Kostendeckung und kleine gewinne; es geht, wie immer fast immer heute im kommerziellen bereich, um die Große Kohle.
    und das ärgert mich maßlos, und ich bin nicht gewillt da mit zu spielen.
    schnitte abnehmen, anpassen, verändern ist eine hilfreiche alternative.
    wer also nicht nur näht, sondern auch tatsächlich schneidert, wird schnell eigene ideen entwickeln und auch deren umsetzung ( an einem vorhandenen grundschnitt) hinbekommen. allerdings setzt das, wie das schneidern ja ohnehin, ein bisschen zeitaufwand voraus. schwierig war und ist und bleibt nach wie vor das belege konstruieren; jedenfalls dann wenn man nicht einfach nur zusammenrödelt und von oben absteppen will.
    ich gebe zu, dass alles läßt sich natürlich mit mehr als 50jähriger näh-und-hobby-schneiderei-erfahrung locker schreiben (und auch umsetzen).

    fazit: ich finde schnitte heute maßlos überteuert - unabhängig von der wertschätzung der kreativleistung "dahinter".

    lg
    carola

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  2. Das ist sehr interessant, was du schreibst, Carola. Mir waren die Preise für Schnittmuster vor 40 Jahren nicht bekannt und ich überlege nun sehr genau, was diese in den 80ern gekostet haben, als ich in einem Kaufhaus in der Stoffabteilung jobbte. Wenn ich mich recht erinnere, so waren das damals aber auch so um die 7 Mark und es erschien mir damals, als Schülerin, sehr teuer. Ich werde versuchen, mich genauer zu erinnern, bzw. vielleicht finden sich ja im Keller noch alte Schnitte, auf denen ein Preis steht.

    Allerdings bin ich eher vorsichtig, was die Annahme "es geht um die große Kohle" anbelangt. Vielleicht trifft das auf die großen Firmen zu - wie bei wahrscheinlich allen großen Konzernen, bei denen die Gier irgendwann siegte. Neben den großen Firmen gibt es aber unzählige kleine ProduzentInnen kreativer Leistungen, bei denen die Skalenerträge einfach kleiner sind.

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  3. Aber der durchschnittliche Lohn hat sich seit 1970 fast versechsfacht (wenn ich Wikipedia und co. mal glauben darf), die Preise einfach zu vergleichen bringt wahrscheinlich nicht so viel. Auch gibt es heutzutage noch Gratis-Schnitte, gerade im Internet.
    Ich kaufe in alle Preisrichtungen, gerne günstig, aber für Qualität auch gern mehr. Auch mal einen Schnitt für 20€, von dem ich immer noch nicht weiß, ob er es wert ist, weil er noch unangetastet hier liegt ;-). Also, wenn ich denke, dass es sich lohnt, schlage ich zu (nach sehr reiflicher Überlegung und Recherche) und lote meine Schmerzgrenze jedes Mal neu aus. Leider weiß mann trotzdem erst hinterher, ob es sich gelohnt hat und es jetzt aber mal wirklich DER Schnitt ist.
    Schönen Abend noch!
    Viele Grüße
    Nicole

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