Samstag, 18. August 2012

Live vom hamburger Single-Nähkränzchen

12.01 Uhr
Die schönen Berlinerinnen tun es. Ich auch. Trotz Ansage, dass es heute der heißeste Tag des Jahres werden soll. Der große und der kleine Mann sind bis zum späten Nachmittag weg. Das muß genutzt werden.

Theoretisch hatte ich den Plan zwei oder drei Jungshosen zu nähen, die Jungs, die gerade dazu überredet werden endlich trocken zu werden, leicht öffnen bzw. herunterziehen können. Aber trotz diverser Ottobres habe ich den idealen Schnitt noch nicht gefunden, der zu dem Streifenjeans oder zu den ollen ausgemusterten Jeanshosen des Gatten passen könnte. Da der Junge aber noch am Üben ist, habe ich mich umentschieden und kurzerhand noch ein Streifenshirt und ein Wickelkleid zugeschnitten. Natürlich für mich. Wenn in den nächsten Tagen noch Sommer ist, dann sollte ich die Sommerstoffe noch nutzen. Sonst liegen sie doch nur herum. Nach dem Zuschneiden schweißgebadet fand ich, dass ein kleine Bloggingpause nicht schaden kann. Also habt ihr die Gelegenheit, bei meiner kleinen Singleparty dabei zu sein.

Aber  jetzt packe ich die Maschinen aus und starte auf dem Balkon, so lange die Sonne noch nicht ums Haus rum ist, mit den zwei Projekten - ganz naiv hoffend, dass ich am Ende noch Zeit habe, was für den Jungen zu zaubern und sei es nur der zweite Versuch ein Kaufshirt mit ner 4 zu pimpen, nachdem das Heldenshirt verschmäht wurde. Hach, ich würde zu gerne nebenher mit den Berlinerinnen schnattern und Limonade trinken.

14.10 Uhr
Hamburg ist entzückt - allerdings mehr ob der Nachricht der Berlinerinnen als über das neue Ringelshirt: unordentlich gekräuselt, irgendwie komisch und an dem einen Arm mit einschneidendem Gummi zu eng gepufft. Auch wenn das Ding nur einen Materialwert von ca. 5 Euro hat, ist es ärgerlich.

Und dann diese Griller. Dieses zwanghafte Grillen, kaum lugt der Sommer hinter den Wolken hervor. Überall riecht es nach Fleisch und mir Teilzeitvegetarierin und Grillhasserin knurrt der Magen. Single-Nähkränzchen sind essenstechnisch echt schlecht ausgestattet. Fleisch, Fleisch, Fleisch - ich habe Hunger und knabbere Studentenfutter - oder schreibt man das jetzt auch mit großem I? Ich versuche einfach meine Gedanken auf anderes Fleisch umzulenken und filosofiere neben dem Knabbern und Nähen über "Riot, don't diet".

Das weiße Garn ist auch fast alle. Schlechte Vorbereitung. Und mittlerweile ist es auf dem Balkon wärmer, als in der Wohnung. Aber die holt noch auf, ist ja unterm Dach. Ich fange trotzdem das Wickelkleid an, schließlich will ich seit 2 Jahren ein Wickelkleid nähen.

15.22 Uhr
Von wegen "mal eben schnell mit der Ovi zusammentackern". Die Tücke liegt wie immer Detail. Hat mich beim Shirt das Kräuseln und das Gummiband beschäftigt, sind es beim Kleid 6 Abnäher, die erstmal genäht werden wollen und gefühlte 100 m Bindeband, das gewendet werden will. Ich bin mittlerweile ins Wohnzimmer umgezogen. Radio statt Grillgeruch ist besser. Aber Hunger habe ich immer noch.

15.47 Uhr
Netterweise haben sich ein paar Nudeln, mit einer Zwiebel, etwas Knoblauch, etwas Olivenöl, Chili, Rucola und Parmesan zusammengetan, um das Loch im Bauch zu füllen. Der "Kaffee danach" muß auch sein, sonst schaffe ich es nicht, eine meiner Lieblingssachen zu machen: Ärmel einsetzen.

Langsam kommt auch das schlechte Gewissen ob meines selbstsüchtigen Handelns. Vor dem Elbtunnel sind 10 km Stau. Das ist nicht schön, für die, die in der Hitze stehen, verschafft mir aber noch etwas Zeit, weil meine Lieben sicherlich erst später losfahren.

Klar, bei Catherine drüben ist es netter, von wegen Fotos. Aber das schaffe ich einfach nicht auch noch. Respekt, Catherine! Allerdings die Lady-Di-Gedächtnisärmel - da zuckte ich doch zusammen und war froh, als ich weiter las.

16.30 Uhr
Ärmel einnähen war easy mit gefülltem Magen. Danke, ihr lieben Passzeichen. Ich lerne euch zu schätzen. Das Kleid sitzt super. Hach! Abnäher sind Freunde. Aber ich mußte trotzdem lachen, als ich es anhatte.



Der Retrojersey als Wickel-Kleid (das ist der gelb/braun/schwarz gemusterte) sieht schon schräg aus. Sehr nach alter Tante. Da muß ein Schrägband dran. Das war ja eigentlich ohnehin geplant gewesen, aber mangels Einkaufsmöglichkeit dann irgendwie in Vergessenheit geraten.

Kurzer Anruf beim verblüfften berliner Nähkränzchen. Wenn schon mal die geballte Fachkompetenz zusammensitzt! Als ich fragte, ob es ganz schlimm wäre, ein normales Schrägband an den flattrigen Viskosejersey zu setzen, waren die Berlinerinnen entsetzt. Man kann ja mal fragen. Am Besten war die Antwort von Frau Nahtzugabe: "Setz doch ein Stück grünen Jersey dran. Das machst du doch öfter." Jaaaa, das stimmt. Aber Grün an DEN Stoff? Da bin sogar gerade ich zu schüchtern dazu. Nun gut, dann lege ich das Kleid jetzt mal zu dem genauso unfertigen Knotenkleid, räume ein wenig auf und wende mich dann Kinderprojekten zu. Schade, dass das Kleid nicht fertig ist. Es ist sehr schön luftig.

16.38 Uhr
Irgendwie habe ich Lust, in den Jerseykisten zu kramen und wenig Lust auf Kinderkram. Rabenmutter!

Das mit der Rabenmutter konnte ich irgendwie nicht auf mir sitzen lassen - auch wenn ich es selbst gesagt hatte. Auf der Suche nach einem Jerseyrest fand ich den passenden Jersey für den Hubschrauberstoff. Also habe ich dem Jungen wenigstens rasch ein T-Shirt genäht, wenn ich mich doch gerade im Shirt nähen übe. An zwei Stellen finde ich es noch nicht so gut, aber es ist niedlich. Ich hoffe, dem wählerischen Kind gefällt es.

Die Berlinerinnen sind fertig - ich glaube, ich räume jetzt auch auf. Immerhin zwei fertige Shirts und ein fast fertiges Kleid. Das ist keine schlechte Bilanz. Auch wenn es natürlich doof ist, dass hier jetzt zwei fast fertige Kleider, ein fast ..... es klingelt. Die freie Zeit ist vorbei!

Kommentare:

  1. Für ganz simple Schlupfhosen: Ottobre 3/2011, Modell 22. Lass den ganzen Taschenfilrefanz weg (oder mach etwas nach deinem Geschmack), die Gürtelschlaufen sind verzichtbar. Man kann die Hosenbeine auch verlängern, wenn es keine 7/8 mehr sein soll. Ist schnell genäht und sitzt gut, nicht zu pluderig.

    Viele Grüße von Kirstin

    AntwortenLöschen
  2. Viel Spaß und viel Erfolg!
    Ich warte auch auf meine Nähkränzchendamen...

    Heiße Grüße
    Simone

    AntwortenLöschen
  3. schrägband ? wo?

    und wenn du etwaseinfasst mit einem jerseystreifen? ähnlich meinem schwarzweißem wickelkleid, das war mir auch zu gepunktet, deshalb etwas rot.

    lg monika

    ich komme auch gut voran.

    AntwortenLöschen
  4. Ich sach ja nur: Satin-Schrägband! Ich finde es fällt weicher und sieht ein bisschen edler aus! Was ist denn nun eigentlich mit dem Schrägbandformer?

    AntwortenLöschen
  5. Also, ich würde das Kleid gerne mal sehen! Den Stoff finde ich nämlich sehr schön.
    Und zu Deinem Schößchen-Plädoyer: JA, ich will! Hatte ich mich doch erst vor kurzem in ein derartiges Kleid verguckt. Toll finde ich sie schon immer. Ich weiß nur nicht aus welchem Stoff.
    Herzliche Grüße
    Sabine

    AntwortenLöschen
  6. Ich finde wirklich, dass grün zu dem Stoff gut passen würde! Das wäre ganz sicher nicht mehr alte Tante. Eine schwarze Einfassung fände ich zu hart, aber grau oder weiß oder dunkelbraun wäre auch gut, oder halt gelb bzw. orange, bloß das wirst du ja nicht im Vorrat haben. Einen technischen Hinweis soll ich noch von Wiebke ausrichten: sie hat letztens ein Wickelkleid mit einem jerseystreifen eingefasst, den sie von der Vorderseite rechts aus rechts an die Kante genäht hat (overlock). Den Streifen hat sie dann um die Kante nach innen umgeschlagen, aber innen nicht noch einmal eingeschlagen, sondern offenkantig gelassen. Von rechts hat sie ihn dann mit Zickzackstich durchgenäht (auf dem Kleidstoff, nicht auf der Einfassung). Das ergab eine schöne elastische Kante.

    viele Grüße! Lucy

    AntwortenLöschen

Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.