Sonntag, 8. Juli 2012

Seitan - zweite Runde

Nachdem der erste selbstgemachte Seitan gestern eher wie Kaugummi mit Steak-Knoblauch-Geschmack schmeckte, mußte ich es unbedingt noch mal probieren. So schnell gebe ich nicht auf.

Den zweiten Seitan machte ich nicht nach der verlinkten Anleitung, sondern nach dem Video.  Und siehe da, es klappte besser. Beim ersten Versuch hatte ich definitiv zu viel Wasser zum Ansetzen des Teiges genommen 550 ml auf 1 kg Weizenmehl war viel besser als 750 ml, was statt eines Teiges eine dicke, klumpige Brühe ergab. Ich wusch auch weniger, weil ich wieder Kaugummi befürchtete. Statt den Seitan vor dem Weiterverarbeiten/einfrieren zu formen, machte ich einen dicken Klops und kochte diesen in Brühe. Von dem Klops schnitt ich Scheiben ab und briet sie in der Pfanne.

Fazit: schmeckte ganz gut.
Was könnte ich noch besser machen:
Die in der Pfanne gebratenen Scheiben sollten definitiv dicker geschnitten sein, damit es nicht nur "kross" schmeckt und können im Vorfeld durchaus noch Marinade oder Würze vertragen.

Morgen gibt es "wiener Seitan-Schnitzel".

Der Sohn hat mitbekommen, dass ich das machte und darüber sprach. Er fragte mich, was der Unterschied zu Fleisch sei und ich erklärte ihm, dass für Fleisch Tiere sterben müssen. Das hat ihn sehr nachdenklich gemacht. Jetzt bin ich etwas befangen - irgendwie möchte ich nicht, dass er jetzt schon zum Vegetarier wird. Klingt komisch oder? Ich will ja auch nicht plötzlich vegetarisch oder vegan werden, weil ich Fleisch grundsätzlich ablehne. Ich will nur möglichst wenig Fleisch essen und möchte dem Kind gerne die Wahl lassen, ohne ihn zu einem Immerzu-Fleisch-Fresser werden zu lassen.

Kommentare:

  1. Ich kann das gut verstehen. Ich bin ja Teilzeitvegetarierin, also Montag bis Freitag. Am Wochenende esse ich mit, wenn es Fleisch für den Gatten gibt. Ich finde, man kann ruhig sagen, dass für Wurst und Schnitzel Tiere sterben müssen. Genauso sage ich, dass z.B. die Löwen im Zoo und Zirkus bestimmt traurig sind, weil die nicht so weit laufen und ihre Beute selbst jagen dürfen. Ich halte darüber keine langen Vorträge, sondern sage es kurz und dann ist gut. Wenn die Kinder irgendwann von selbst sagen, sie wollen kein Fleisch essen, dann ist das okay für mich. Solange man auf Eisen und Vitamin B achtet, ist das auch nicht ungesund.

    Liebe Grüße und vielen Dank für Deine Erkenntnisse bezüglich Seitan!
    Henriette

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  2. Hallo liebe Meike,
    Auf die Idee Seitan selbst zu machen, wäre ich nie gekommen. Wobei wir auch vorwiegend Tofu essen, den ich nicht als so sehr teuer empfinde. Aber ich glaub das probier ich vielleicht mal...

    Ich lasse dich gern an meinem Erfahrungsschatz als Vegetarierkind teilhaben. Meine Eltern waren in meiner Kindheit beide Vegetarier. Es gab bei uns eigentlich niemals Fleisch. Wohl aber bei Opa und Oma und auch, wenn wir explizit danach verlangten, z.B. am Geburtstag. Trotzdem haben meine Eltern uns nie beigebracht, dass Fleisch essen tabu sei, sondern eher, dass sie für sich entschieden hätten, dass sie das nicht essen möchten. Das hat interessanterweise auf uns drei Kinder vollkommen unterschiedliche Auswirkungen gehabt. Wir haben alle als Kinder gern mal Fleisch gegessen. Ich bin aber später zum Vegetarismus zurückgekehrt, während meine Geschwister ziemlich überzeugte Fleischesser sind. Meine Eltern essen übrigens nun schon länger wieder gelegentlich Fleisch. Ich habe für mich in erster Linie mitgenommen, dass man sich Gedanken machen sollte, wo das Essen herkommt und bewusst entscheiden.

    Einen schönen Abend

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    1. Danke fürs Teilhaben lassen. Ich denke, deine Eltern haben das sehr nett gemacht!

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  3. Hallo Meike,

    ich habe mit unseren Kindern früh über "Fleischproduktion" gesprochen, dass es o.k.ist Fleisch zu essen, dass Tiere dafür geschlachtet werden und dass es deshalb wichtig ist, dass die Tiere anständig gehalten und geschlachtet werden. Ich selbst bin Vegetarierin, meine Mann ist Fleisch, nicht viel, aber gerne. Unsere Kinder haben, als sie kleiner waren, beide Fleisch gegessen, z.Z. isst unser Sohn Fleisch und Wurst, unsere Tochter gar nicht mehr.
    Das mit der Seitanherstellung werde ich mir mal genauer anschauen, danke für die Inspiration!
    Herzliche Grüße
    Sabine

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  4. kinder werden doch in allen möglichen bereichen ganz bewusst von ihren eltern geprägt/erzogen. wieso sollte man das nicht im ernährungsbereich machen? (und jedes steak, dass nicht gegessen wird, ist ein schritt in die richtige richtung...)
    btw: seitan selbst machen ist sooo derbe aufwendig- ich glaub, da ist man mit kaufen besser dran, oder? spricht da ein bestimmter grund dagegen?

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  5. Vll. sollte man den Kindern erklären, dass es nicht immer Fleisch sein muss, u. wenn, dann Fleisch aus Biohaltung. Und vor allem sollte man nicht mit gehobenen Zeigefinger agumentieren. Aber man kann durchaus schon kleineren Kindern gewisse Werte vermitteln, u. ihnen auch ökologische Aspekte erklären. Um 1 kg Äpfel zu produzieren, braucht es 700 l Wasser, für 1 kg Eier 3.300 l, für 1 kg Rindfleisch 15.500l.
    LG Elke

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  6. Hallo Meike,

    ich finde es spannend, dass du als Nicht-Vegetarier Seitan ausprobierst und dich heranwagst. Weniger Fleisch zu essen ist mir als Vegetarier immer sympathisch. Ich esse seit Jahren kein Fleisch, allerdings auch weder Tofu noch Seitan oder sonstige "Ersatzprodukte", wie sie immer gern bezeichnet werden. Wobei das in meinen Augen nicht richtig ist, denn das sind ebenso eigenständige Nahrungsmittel - wer etwas will, das nach Fleisch schmeckt und wie Fleisch aussieht, kann eigentlich nur Fleisch essen, um nicht enttäuscht zu werden. Interessant finde ich den Punkt, dass du nicht möchtest, dass dein Sohn jetzt schon Vegetarier wird - wieso nicht? Was an dem Gedanken macht dir Angst? Zwei meiner Nichten haben im Alter von um die 6 Jahre gefragt, wo das Fleisch herkommt, und sich dann von selbst entschieden, dass sie keine Tiere essen möchten. Das hält seit ein paar Jahren auch so an. Wie auch immer die Kinder sich entscheiden, ich finde es wichtig, dass sie ein Bewusstsein entwickeln, wo die Nahrungsmittel auf ihrem Teller herkommen, wie sie produziert werden und dass sie nicht so einfach im Supermarkt herumliegen. Das fängt bei "Milch wächst nicht in Tüten" an und hört auch bei unterschiedlichen Haltungsbedingungen von Nutztieren nicht auf. Insofern kann ich dich nur ermutigen, weiter zu experimentieren und auch deinen Sohn mit einzubeziehen. Bei uns gibt es gern mal große Bauernmärkte, auf denen es zum Beispiel um alte Tomatensorten geht (unglaublich, diese Vielfalt - nicht nur die Standard-Einheits-Tomate in der Plastikpackung) oder Apfelfeste mit Sorten, die auch nicht dem Standardrepertoire entsprechen und die man alle probieren kann. Vielleicht könnt ihr gemeinsam etwas Neues entdecken.

    Liebe Grüße
    daisy

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  7. Vielen Dank für die Kommentare - danke, dass das nicht in eine dogmatische Diskussion ausartete. Sollte dies der Fall werden, schließe ich die Kommentare, denn das mag ich nicht hier haben. Dogmatismus rollt mir die Zehennägel aus.

    Und gerade zum Thema Fleisch mag ich keine Schwarz-Weiß Diskussionen. Ich bin der Meinung, wir (und damit meine ich meine Familie, denn für andere mag ich nicht sprechen) sollten wenig aber bewußt Fleisch essen, denn ich esse Fleisch und Serranoschinken und auch mal ne Wurst gerne.

    In unserer Familie kann man auch viel über Ernährung etc. lernen und die beschriebenen Tomatensorten etc. kennt der Sohn. Er hat auch mit 2 ein Buch über Ernährung geschenkt bekommen "Wo kommt unser Frühstück her", was ich relativ gut finde, auch wenn es sich auf industriell gefertigte Nahrung bezieht. Mich stört nur diese Bauernhof-Romantik in den Kinderbüchern, die mit den Fleischfabriken nichts zu tun haben. Allerdings fände ich Kinderbücher mit Fleischfabriken auch seltsam.

    Ich möchte nur nicht, dass er zu früh einen Ekel bekommt, denn er ist noch nicht in der Lage rational abzuwägen und das halte ich bei solchen schwierigen Themen für wichtig. Er kann noch nicht Vor- und Nachteile sammeln und Argumente bewerten. Es geht mir nicht um das Gefühl Ekel, sondern ich finde, das ist durchaus ein Thema, bei dem man rational entscheiden kann.

    Bei uns lernt er, bewußt mit Nahrungsmitteln umzugehen und dazu gehört für mich auch Seitan und Tofu, denn ich finde es immens bereichernd, sich in "anderen Kulturen" umzuschauen, genauso wie ich es bereichernd finde, dass die italienische Küche in unsere Essgewohnheiten Einzug gehalten hat, damit wir nicht immer nur Kartoffeln essen müssen.

    @Steph: Es gibt viele Argumente, Dinge selbst herzustellen, statt sie zu kaufen. In diesem Falle war es bei mir
    - Neugier, aus was und wie das gemacht wird
    - der Preis (meine Haushaltskasse ist beschränkt und GUTES Essen kostet verdammt viel, was es mir wert ist, aber eben nicht locker mit links bezahlt wird.
    - die Freude und der Stolz, etwas zu Schaffen

    Beim mir geht das immer in Wellen. Im Winter backe ich mein Brot selbst, im Sommer bin ich meistens zu faul dazu und der Sauerteig macht Urlaub im Gefrierschrank.

    Aber eigentlich habe ich gar nicht so viel Lust, darüber zu diskutieren.

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    1. hey, das war gar kein angriff. ich versuche auch so wenig wie möglich zu konsumieren und so viel wie möglich selbst zu machen, aber mein schwager stand letztens nen kompletten vormittag in der küche, damit wir irgendwann gegen zwei uhr seitan in ner gemüsepfanne hatten, die auch ohne sehr gut geschmeckt hätte. ich wollte nur sagen, dass ich mir bei seitan nicht sicher bin, ob die aufwand-nutzen-rechnung aufgeht.

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  8. ich lebe seid mehr als 10 jahren vegetarisch und hab noch nie seitan gemacht. ich verfolge das hier mit interesse und bin weiterhin gespannt. meistens habe diese fake-fleisch-dinger ja eine komische (gummi)konsistenz und das finde ich nicht so toll.
    ich habe eine tochter(9 jahre), der ich immer die wahl gelassen habe, ob sie fleisch ißt , oder nicht. ich denke sie ißt wenger, als andere kinder und letzte woche meinte sie, sie wolle eine vegetarische woche einlegen, um zu gucken, ob es das richtige für sie ist. geschafft hat sie die woche nicht (wegen der geflügelmortadella;-))....finde ich nicht schlimm, weil jeder für sich raus finden muß, was er möchte...
    liebe grüße,
    susanne

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  9. Ich denke gerade immer noch über die Frage des Ekels nach. Ich habe mit 12 Jahren aufgehört Fleisch zu essen - v.a. aus Ekel. Meine Mum fand das damals so gar nicht gut, weil ich noch in der Wachstumsphase war. Aber das ist eine andere Geschichte. Was ich eigentlich schreiben wollte: der Ekel war der Auslöser und die rationalen Gründe kamen nach und nach und mit zunehmender Auseinandersetzung dazu. Der Ekel ist trotzdem zumindest bis zu einem gewissen Punkt geblieben. Das ist jetzt über 18 Jahre her. Vielleicht entstehen bewußte Entscheidungen manchmal einfach aus einem Gefühl heraus.

    Liebe Grüße,
    Kathrin

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