Mittwoch, 16. Mai 2012

Schnitte vergrößern

In den Kommentaren ist die Frage, wie ich das mit den kleinen Schnitten und dem Vergrößern halte implizit und explizit ein paar Mal auf und bevor ich dort immer das Gleiche schreibe, mache ich mal einen Post daraus. Wie ich Schnitte vergrößere. Keine Ahnung, ob das eine gängige Methode ist.

Wenn mir ein Schnitt gefällt, den es zwar als Mehrgrößenschnitt gibt, aber eben nicht in meiner Größe, schaue ich, ob sich die Mühe der Vergrößerung lohnt. Bei Onion 2012 habe ich aufgegeben, weil die Diskrepanz der Maße einfach zu groß war. Bei dem Fame-Knip-Kleid war es nicht so schwer. Ihr seht, es  ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

Eine generelle Anleitung, wie Vergrößern geht, kann ich sowieso nicht geben, denn wer mehr hat, der hat es möglicherweise an originellen Stellen. Bei mir ist es glücklicherweise so, dass das "mehr" ziemlich gleichverteilt ist, wer aber zum Beispiel nur einen ausgeprägten Po hat oder einen ausgeprägten Busen, muß natürlich nicht überall vergrößern

Aber wie geht es?

Ich erkläre mal, wie ich es bei Kleidern mache - es sollte sowieso viel mehr Kleider auf dieser Welt geben.

Zuerst messe ich bei mir Oberweite, Taille und Hüfte und vergleiche diese Maße mit den Maßen des Schnittes, d.h. bevor ich entscheiden kann, ob die Vergrößerung lohnt, muß ich leider pausen.

Am einfachsten, ist es "obenrum" zu beginnen.

Sollte es sich nur um ganz wenige Zentimeter handeln und der Schnitt ist für Frauen mit Busen vorgesehen, hat also irgendwelche Abnäher, dann versuche ich nur die wenigen Zentimeter irgendwie auf die vorhandenen Nähte oder den Bruch zu verteilen. Aber nirgendwo mehr als 1 cm und immer schön darauf achten, dass nicht aus versehen Halsauschnitte oder Armausschnitte zu groß werden. Diese müssen parallel verschoben werden. Das ist eine recht einfache, aber nicht so sehr gute Methode.

Eine bessere Methode ist, hauptsächlich vornerum Platz zu schaffen, d.h. mehr Platz für die Brüste einzuplanen oder wie ich sagen "den Beutel größer machen". Das macht man mit einer FBA, die bei Sewn Sushi sehr gut erklärt ist. Wieviel frau dabei vergrößert, ist abhängig davon, wie groß der Schnitt ist und wie groß die Vergrößerung sein muß. Diese Abschätzung finde ich ziemlich schwierig, was dazu führt, dass ich meist erstmal zu groß vergrößere. Letztlich wird bei der FBA ein Brustabnäher geschaffen und - und das ist ganz wichtig - das Vorderteil verlängert.

Bei einem Schnitt mit Prinzessnähten, geht ihr anders vor. Zuerst checkt ihr, wo ihr die größte Weite braucht. Ihr messt also nicht nur die Oberweite, sondern auch die Brusthöhe, d.h. von der Schulter bis zu der Höhe, auf der ihr die Oberweite messt. Dieses Maß vergleicht ihr mit dem Schnitt - manchmal lösen sich dann die Probleme fast ganz von selbst, weil frau leider realisieren muß, dass aufgrund der Schwerkraft, die Möpse einfach tiefer hängen als im Schnitt vorgesehen. Bei einem Schnitt mit Prinzessnähten, muß man einfach nur den Bogen des Seitenteiles, der die Mehrweite für die Brust gibt, tiefer und etwas größer zeichnen. Traut euch, das kostet ein bißchen Mut, aber ist ein ganz wunderbarer Effekt, denn wenn man einfach nur vergrößert hat man sonst zuviel Weite über der Brust. Kleiner Tipp am Rande: Um eine schöne Linie zu bekommen, kann man das Seitenteil auf Höhe der Taille teilen und das obere Seitenteil im schrägen Fadenlauf zuschneiden. Das gibt ein bißchen Elastizität und modelliert die Brust schön. 

Einen Teil Mehrweite brauche ich auch oft im Rückenteil, damit die Seitennähte dort sitzen, wo sie hingehören. Das ist relativ einfach. Ich nehme die hintere Mitte, oder die Seiten und verteile dort die Mehrweite. Und immer schön darauf achten, dass Armausschnitte und Halsausschnitt nicht größer werden.

Und wie schaut aus mit Ärmel vergrößern? Dazu ist es wichtig, sich ganz genau den Schnitt anzusehen und zu überlegen, ob das nötig sein könnte. Außerdem ist es hilfreich mal zu googlen, ob schon mal jemand über den Schnitt gebloggt hat und es diesbezüglich einen Hinweis gibt. Ich habe da bisher immer darauf verzichtet und gehofft, dass es einfach so hinkommt, denn ne neue Armkugel zu zeichnen ist nicht ohne. Bei gut konstruierten Ärmeln hat es bisher auch immer so geklappt. Schlechte Schnitte nähe ich einfach nicht mehr.

Oftmals habe ich dann nach dem Vergrößeren doch irgendwo zuviel Mehrweite, dann muß ich senkrechte Abnäher machen. Eine gute Idee ist es auch, ein Rückenteil nicht im Bruch zuzuschneiden, sondern in zwei Teilen, weil man dann eine Mittelnaht hat, die man modellieren kann, also hier und da etwas wegnehmen, damit das Teil gut sitzt.

Das Rückenteil ist dann so gut wie fertig. Habt ihr aber eine FBA gemacht, müsst ihr noch schauen, wie lange das Vorderteil geworden ist und das Rückenteil entsprechend verlängern.

Näht ihr ein Kleid, müsst ihr euch auch noch um die Unterteile kümmern. Ihr wisst jetzt, wie breit Vorderteile und Rücken sind  - das ist der Ansatz für die Unterteile. Jetzt müsst ihr noch schauen, ob das auch auf Höhe der Hüfte hinkommt und entsprechend vergrößern. Ob das Ganze nun auf der Taille passt, werdet ihr später sein. Gebenenfalls müsst ihr senkrechte Abnäher vorne oder hinten ergänzen. Bei mir ist das eigentlich fast immer der Fall, deswegen mag ich Schnitte gerne, die Teilnungsnähte haben. Bei diesen kann ich mir die Abnäher sparen und kann einfach an den Teilungsnähten enger nähen.

Bei Röcken ist es noch einfacher. Einfach Taille und Hüfte ausmessen und entscheiden, wo der Rockbund sitzen muß und entsprechend vergrößern. Beim Hüfte messen passe ich immer auf, dass ich nicht die "korrekte" Hüfte, d.h. genau auf den Knochen messe, sondern die dickste Stelle und die ist bei mir einen Tick höher am Bauch. Auch bei Röcken gilt: je mehr Nähte, desto einfacher ist das Vergrößern, weil man die Mehrweite verteilen kann. Gleiches gilt auch für Falten. Diese können natürlich auch angepasst werden und müssen nicht genauso wie im Schnittmuster gemacht werden. Zu den Falten habe ich noch einen Hinweis: In Schnitten ist oft angegeben, wie lang eine Falte zugenäht werden muß. Das ist kein festes Maß! Bei einem Kellerfaltenrock muß z.B. bei mir die Kellerfalte weiter zugenäht werden, als im Schnitt angegeben, denn sonst springt die Falte genau auf dem Bauch auf!

Als letztes kann frau als Perfektionistin noch auf die Details schauen. In der Regel sind z.B. Taschen in allen Größen gleich groß angegeben. Das kann bei einer Vergrößerung schon mal doof aussehen, wenn man minikleine aufgesetzte Taschen hat. Diese sind aber einfach zu vergrößern, oder?!

So mache ich das. Habt ihr Ergänzungen oder macht ihr es ganz anders? Könnt ihr mit meinen Erklärungen etwas anfangen?

Kommentare:

  1. Hallo Meike!

    Ich habe ja zu meinem Glück in einer älteren Knipmode, die sich in meinen Vorräten befand, einen Knotenkleidschnitt gefunden- der allerdings nur bis Gr. 42 geht.

    Die Vergrößerung auf 44 habe ich so:
    http://nowak.blog.hobbyschneiderin.net/2008/02/11/mehrgrosenschnitt-vergrosern-teil-1/

    http://nowak.blog.hobbyschneiderin.net/2008/02/14/mehrgrosenschnitt-vergrosern-teil-2/

    gemacht- und das hat einwandfrei geklappt.

    Viele Grüße,
    Martje

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  2. Vielen Dank für deine Erläuterungen. Genau das Problem mit dem Teilungsnähten habe ich bisher (erfolglos) bei den Hobbyschneiderinnen gepostet. So wie du es beschreibst wollte ich es auch machen, habe mich aber bisher nicht getraut!

    Nun wird es aber mal probiert.

    lg

    Karin

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    1. Ja, mach das. Ich habe es so in meinem Praktikum gezeigt bekommen. Das funktioniert. Vielleicht erstmal mit nem günstigen Stoff ausprobieren.

      Bei mir ist es auch oft so, dass ich pessimistisch lieber zu groß nähe und mir dann selbst abstecke, was dazu führt, dass ich an manchen Stellen viermal enger nähe, bis es mir gefällt. Ich habe leider keine Puppe und niemand, der sich wirklich gut stecken traut. So, wie ich es mache, ist es mühsam, aber es lohnt und wird bei jedem Schnitt, den ich nähe, schneller und einfacher.

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  3. so, habe deinen Tipp eben ausprobiert. Ging gut und schnell, Ergebnis positiv!
    Einzig der Ausschnitt ist mir immer zu groß. Da muss ich noch was dran machen. Am Armausschnitt habe ich vorne auch immer etwas zuviel Stoff. Bei dem jetzigen Probeteil zwar nicht so sehr, aber doch etwas. Immerhin passt das ansonsten gut. Blöderweise habe ich einen U-Boot ausschnitt gemacht. Und jetzt ist das alles etwas zu weit. Trotzdem tragbar.
    Danke!

    Karin

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