Samstag, 5. Mai 2012

Ein paar Nähfragezeichen-Antworten



Ich habe gefühlt schon ewig nicht mehr die Näh-Fragezeichen-Fragen beantwortet. Ich versuche mal, gleich einen ganzen Schwung abzuarbeiten.


Weg oder Ziel?
Wie schauts aus beim Nähen, geht es euch um das Nähen selbst oder um die Ergebnisse? Was bedeutet Euch mehr und warum?

Schwierige Frage. Obwohl ich phasenweise das Nähen an sich genieße, bin ich doch immer noch ziemlich ergebnisgetrieben. Im Laufe eines Projektes, bei der Idee, beim Materialkauf oder spätestens bei der Durchführung, wächst die Sehnsucht nach diesem einen ganz bestimmten Kleidungsstück so stark, dass ich mich motivieren kann, auch doofe Sachen dafür zu machen, damit ich es endlich anziehen kann. Das ist wohl auch der Grund, wieso ich lieber für mich als für den Kleinen oder andere Leute nähe. Ich will das Zeugs besitzen. Alles für mich, für mich, für mich.....

Natürlich mag ich es, dass mit etwas Erfahrung Dinge leichter gehen und ich freue mich darüber, wenn etwas klappt. Ich mag es auch Zeit für mich zu haben, die Nähen letztlich bedeutet. Ich mag es, im Nähen zu versinken und mal nicht über das ganze andere Zeugs nachzudenken. Aber vor allen Dingen mag ich schöne Sachen anhaben, die es so für mich nicht zu kaufen gibt und mich in Komplimenten zu suhlen. Keine sehr edle Haltung, ich weiß. Aber so isses nunmal. 

Probemodelle
Näht ihr Probemodelle? Und wenn ja aus was? Welche Vor- und Nachteile hat das Probenähen?

Ich nähe keine richtigen Probemodelle. Dazu ist mir meine Zeit zu schade. Natürlich gibt es Testläufe, aber die Dinge, die bei den Testläufen entstehen, will ich auch anziehen können. Für den Wintermantel habe ich im Vorfeld den Jeansmantel genäht und mich bei "Hartmut" an Wollstoff geübt. Das fand ich sinnvoll, denn ich hatte keine Lust, Material für über 100 Euro zu versauen. 

Andere Sachen, die ich nähe, haben nicht so einen hohen Materialwert. Für ein Röckchen braucht man nicht so viel Stoff wie für ein Kleid und Sommersachen sind nicht gefüttert und damit billiger. Das sind dann eigentlich keine Probemodelle, sondern müssen gleich tragbar sein - was nicht heißt, dass es gleich Meisterstücke sind oder zu Lieblingsstücken werden. 

Letztlich nähe ich nicht nur hin und wieder Quark, sondern ich kaufe auch manchmal merkwürdige Stoffe, die dann doch irgendwie nicht passen. Da weiß ich schon beim Nähen, dass es kein Liebling wird, aber letztlich wird es als Erfahrung verbucht und insgeheim schlummert dann doch die Hoffnung, dass es "aus Versehen" ein Liebling wird. 

Ressourcenschonend ist diese Vorgehensweise sicherlich nicht. Aber ich bin einfach immer noch am Lernen und weit davon entfernt, zielsicher Stoffe und Schnitte so auszusuchen, dass daraus ein tolles Ding entsteht. Ich experimentiere und da muß man eben auch weniger gute Sachen mit in Kauf nehmen. Wenn ich bedenke, in welchem Tempo ich mich stilistisch und nähtechnisch weiterentwickelt habe, wäre das ohne eine gewisse Unverfrorenheit nicht möglich gewesen. 

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