Montag, 19. März 2012

Special Interest matters!

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Hach Catherine, du bringst mal wieder mein Blut in Wallung! Und nicht nur meines. Die lange Kommentarliste zu deinem aktuellen Posting "Gender matters" zeigt, dass du mal wieder in ein Wespennest gestochen hast. Danke. Gar zu leicht könnte ich jetzt auf die vielen, vielen wichtigen Aspekte deines Beitrages und der Kommentatorinnenn antworten, aber ich glaube, da verliere ich zu schnell den Fokus, deswegen greife ich mir etwas willkürlich heraus und schreibe meinen eigenen Kram dazu.

Du beginnst mit der Präsenz der Frauen in den Medien. Gestern, als ich kurz in dieses Bundesversammlungsdings reinschaute, kommentierte ich "Oh, da sind aber wenig Frauen". Mann und Sohn fanden dass da sehr viele Frauen wären. Die, die man sah, sah man gut, weil sie oftmals was Rotes anhatten. Das war wohl nen Schwenk auf die Linke und damit nicht repräsentativ. Aber auch dort sah man eben ein Rot zwischen vielen, vielen Anzügen. Ich habe mir die Mühe gemacht und die Wahlmenschenliste mal durchzuzählen: leider war es gestern Nacht schon sehr spät und ich etwas müde, so dass ich nicht sicher bin, ob ich 420 oder 520 gezählt habe. Ich tippe aber auf 420 von 1240 Wahlmenschen. Wenn man bedenkt, dass die Parteien sich sicherlich Mühe gegeben haben "auch genügend" Frauen ins Rennen zu schicken, dann sind das immer noch zu wenige und zu wenige tragen hübsche Kleider, so dass man sie zwischen den grauen Männern auch sieht. Vermutlich standen die, die ich nicht gesehen habe, sowieso in der erfahrungsgemäß längeren Schlange vor der Frauentoillette.

Was Frauen und Blogs anbelangt, so fass ich mich da an die eigene Nase. Ich poste bewußt monothematisch und ohne Nachnamen, weil ich der Meinung bin, dass sowieso schon zu viel von mir im Netz frei zur Verfügung steht. Ich habe es am eigenen Leib erlebt, wie es ist, wenn sich Journalisten aus dem Blog bedienen, ohne Zusammenhang zitieren und es einer auf einmal ganz bang ums Herz wird, was da für Sachen auf einmal über eine gesagt werden. Das fühlt sich nicht schön an. Ein Freund von mir, der sich mit Blogs lange und gut auskennt sieht das anders. Er sagt, alles was ich blogge, habe ich unter Kontrolle. Das sind Aussagen von mir über mich und Blogs stehen in den Suchmaschinen sehr weit oben, so dass ich kontrolliere, was die Suchmaschine über mich ausspuckt. Auch eine Sichtweise, aber vielleicht bin ich (als Frau) auch verletzlicher, wenn jemand etwas böses über mich schreibt. Und da ich mich lieb habe, meine ich, mich schützen zu müssen.

Monothematisch bloggen führt dazu, eine Art Fachliteratur zu sein. Das finde ich gar nicht schlecht. Wenn schon Krauf-und-Rüben-Themen, dann bitte ordentlich taggen, damit ich das, was ich suche, auch finde. Aber allabendlich blätter ich schnell durch endlose Bilderserien von diesem oder jenem, was mich nicht interessiert, um die Juwelen unter den Beiträgen zu finden. Aber jede nach ihrer Facon - ich muß ja nicht alles gut finden und lesen. Ich finde monothematisch bloggen gut.

Aber jetzt kommst: Die Frage ist, ob ich mein Bloggen und mein Nähen ernst nehme und auch in Männerkreisen ganz selbstverständlich darüber rede, dass ich eine gewisse Form der Meisterschaft in einem beruflich-nicht-relevantem Thema erarbeitet habe und darüber ein Blog für ein Fachpublikum führe, dass täglich von mehreren Hundert Fachkundigen gelesen wird. Tue ich nicht! Ich hatte überlegt, ob ich mich für einen Vortrag auf der re:publika bemühe und über Special-Interest-Blogs für Frauen rede - und habe mich nicht getraut. Dabei kenne ich unzählige Menschen aus dem Publikum und von den RednerInnen dieser Veranstaltung seit Jahren oder Jahrzehnten. Aber aus anderem Kontext. Und ich weiß, wie sie über "Katzencontent" reden.

"Katzencontent" war zumindest in den Urzeiten des Bloggens, damals, so 2003 oder so ein böses Schimpfwort für "unrelevante Themen". Das war extrem abwertend und so ziemlich das Schlimmste, was über ein Blog gesagt werden konnte. Perfide war das, denn Bloggen war immer auch privat, aber die sogenannten A-Blogger und deren Fangemeinde (selbstverständlich fast ausschließlich Jungs und Männer) definierten eben, was relevant war und was nicht. Das, was in Blogs von Frauen stand, war es oft eben nicht und wurde häufig als Katzenconten diffamiert. Und was passierte dann? Auf einmal gab es unzählige KatzenliehaberInnen, die Katzencontent produzierten, weil sie das, was sie taten wertschätzen.

Den Schluss, den ich aus Catherines Posting ziehe ist (für mich eigentlich kein neuer Gedanke, aber ich muß mich immer wieder daran erinnern): Wenn ich mich und das, was ich mache, nicht wertschätze und ernst nehme, dann tuen das wahrscheinlich auch viele andere nicht.

Ich denke auch über die "neue Häuslichkeitskultur" nach, auch wenn ich sie so nicht nenne. Ich überlege, was Nähen mit Mutterschaft zu tun hat und Nestbautrieb mit Weiblichkeit. Ich frage mich, was das Brot und was die Rosen sind. Das ist wertvoll! Und meine neuen Kleider, die mein neues, altes ICH umhüllen, die zum Ausdruck bringen, wer ich bin und wer ich sein will, die sind verdammt wertvoll. Und die Kommentare, der Austausch untereinander, das ist der Hammer. Die Wertschätzung, die ich von Euch bekomme, gibt mir Kraft mein Leben in allen Lebenslagen zu meistern.

Wertschätzung, das ist für mich das Stichwort. Sich selbst ernst nehmen und wertzuschätzen, was man macht. Stehen wir Frauen so sehr unseren Mann so selbstverständlich und gut im Beruf, dass wir jetzt auch noch "im Haus" gut sein müssen, um etwas ganz besonders zu sein? Reissen wir uns damit unnütz ein weiteres Bein aus oder sind das die Rosen, die unser Leben lebenswert machen? Warum müssen wir wieder die alte Kluft zwischen "schönem Zuhause, leben mit Kindern etc." aufmachen und es gegen die Arbeitswelt oder das öffentliche politische Engagement abwägen. Wir Frauen wissen doch, dass beides und alles möglich ist, möglich sein muß und mal eben mehr das eine oder das andere im Vordergrund steht. Wieso müssen wir da ständig vergleichen und entwerten? Dann lieber wertschätzen, was wir tun und uns gemeinsam freuen. Weg mit Formulierungen wie "neue Häuslichkeit" und her mit den guten Gedanken und den den Rosen!

Viele viele Kommentare gibt es zu dem Posting "Gender matters" bei Catherine. Und mehr ausführliche ergänzende Gedanken gibt es bei:
Michou und auch noch mal hier und noch mal dort
Abendstern und auch noch mal hier
SwingingCat
MadforMod
enim sou
Melleni
und noch mal Catherine
Siebenhundertsachen
DickesPaulinchen
Mama macht Sachen


edit:
Und obwohl es eigentlich nur am Rande zum Thema passt, aber weil Frauen so toll sind und Nanas sowieso, ein Hinweis zu dieser Anleitung, die ich über Frau Büntchen gefunden habe.


Hier gehts direkt zur Anleitung -->
Und hier zu ein paar Videos mit der bezaubernden österreichen Stimme von Frau Nadelspiel, damits leichter geht -->

Und dieser Text gehört dazu:

"Am 22. Mai jährt sich der Todestag der Künstlerin Niki de Saint Phalle zum 10. Mal. Anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März und in Erinnerung an die große Künstlerin habe ich diese Anleitung ausgetüftelt.Es würde uns freuen, wenn Ihr diese Anleitung und die Nanas so weit wie möglich verbreitet und Fotos von Euren kunterbunten Nanas als Ausdruck von „praller“ Lebensfreude in unserer Facebook-Gruppe präsentiert."

Natürlich finde ich F*cebook schlimm, aber ich denke, es wird uns nicht schaden, ein paar Nanas zu häkeln!

Kommentare:

  1. Mehr Mut auch stolz darüber zu reden. Was für eine gute Idee. Ich selbst traue mich das oft viel zu wenig.

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  2. Liebe Meike, du sprichst mir aus dem Herzen. Ich schicke dir eine Wagenladung Rosen.
    LG, Claudia

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  3. tolle diskussion! anbei ein total kommerzieller und kaum ironischer link zu katzen-content ... habe mich jedenfalls köstlich amüsiert: http://cashcats.biz/

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  4. Sehr schön betrachtet. Wenn du dann eines Tages doch bei der re:publica sprichst, komme ich bestimmt.

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  5. Liebe Meike, ich danke Dir für deinen tollen Beitrag! Gruß Floh

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  6. Lass' uns den re:publika-Vortrag doch für nächstes Jahr vornehmen (das gleiche hatte ich nämlich auch schon gedacht). Ich bin mittlerweile so weit, mein Bloggen als "Fachpublikation" zu betrachten. Wäre ich ein Mann und mein Hobby Angeln oder Schrottskulpturen schweißen und darüber Bloggen wäre das ja was gaaaanz anderes als Katzencontent und niemand würde auuch nur in Zweifel ziehen, dass das wichtig und gut ist!

    viele Grüße, Lucy

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  7. Schliesse mich meinen Vorrednerinnen an!
    Ich bin nämlich sehr froh und stolz den Schritt die Erstellung eines BLOGS gewagt zu haben und mit Euch meinen mir sehr wichtigen Austausch zu pflegen!!
    Das Leben ist doch viel zu kurz um nicht einfach mal die Dinge zu tun, die einem wichtig sind. Und nicht nur davon zu träumen, bzw. diese ein Schattendasein fristen zu lassen.

    Prost! Birgit

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