Mittwoch, 1. Februar 2012

MMM mit Gast



Heute zeigt vor allen Dingen der andere Teil des "doppelten Lottchens" (erinnert ihr euch an die zwei Amy-Röcke?) einen neuen Kellerfaltenrock. Letzte Woche berichtete ich schon vom Besuch meiner Mutter und der Bitte, zusammen einen weiteren Rock zu nähen, damit sie "sieht wie das geht". Dieses Ansinnen verwunderte mich doch etwas, hatte ich doch vor knapp 30 Jahren die Grundlagen des Nähens von meiner Mutter beigebracht bekommen. Aber natürlich bin ich immer offen dafür, Menschen (wieder) zum Nähen zu motivieren, also ließ ich mich nicht lange bitten. Jetzt lasse ich aber mal meine Mutter zu Wort kommen.

"Ich wollte nicht nur meinen Enkel sehen, sondern auch dich wollte ich sehen und erleben, womit du dich beschäftigst und was deine Prioritäten sind. Auch aus diesem Grund hatte ich dich gebeten, mir den Schnitt des Rockes zu erklären. Ich hatte nicht geplant, dass du ihn nähen solltest, aber du hattest dich mit einem Elan darauf gestürzt, dass ich nur staunen konnte.


Du hast Recht, dass ich dir die Grundlagen des Nähens vermittelt habe, diese sind mir auch noch vollkommen klar. Ich habe aber schon lange nicht mehr genäht und die Courage, mit der du an die Arbeit gingst, hat mich fasziniert. Man hat heute neue Techniken und Hilfsgeräte, die ich bei dir kennengelernt habe. Denk nur mal an den Ausschneider! Zack zack hattest du den Rock zugeschnitten, so schnell konnte ich gar nicht schauen. Dann die Overlockmaschine, die uns leider nur kurze Zeit das Vergnügen machte. Mein Gott, geht das toll! Deine surrende Nähmaschine ist meiner alten Dampflock nicht zu vergleichen. Ich weiß nun, dass mit all den Hilfsmitteln das Nähen wirklich Spaß machen kann."

Das ist interessant, oder? Ich bin nicht wirklich davon überzeugt, dass der Spaß am Nähen wirklich hauptsächlich durch die Hilfsmittel (der Rollschneider und die Matte, das Füßchen für den verdeckten Reißverschluß und die Overlock - alles Dinge, die meine Mutter nicht kannte) kommen. Aber natürlich ist mir schon klar, dass man nur mit gutem Werkzeug bei der Sache bleibt und nicht alles in die Ecke schmeißt, weil man nicht weiterkommt und denkt, es läge an einer selbst. Da bin ich wirklich froh, dass mein Mann Verständnis für meine Wünsche hatte und hat und mich unterstützt. Aber letztlich ist es nicht nur das Werkzeug, manchmal braucht man einfach einen Anstoß, um (wieder) mit Nähen zu beginnen. Sei es, dass man miterlebt, dass ein Rock wirklich schnell genäht ist oder aufgrund der Begeisterung, mit der man ein selbstgemachtes Kleidungsstück trägt.

Aber nun konkret zum Rock:

Schnittmuster: Amy
Stoff: vom Maybachufer
Passform: gut, nachdem eine Größe kleiner gewählt und die Naht für die Kellerfalte verlängert wurde
Schwierigkeitsgrad: einfach - wenn man eine andere Art des Reißverschlußeinsetzens wählt (ich bevorzuge nahtverdeckte Reißverschlüsse)
werde ich noch mal machen: ich hoffe dohc sehr, dass sich meine Mutter zuhause nun mal an einen eigenen Rock nach dem Schnitt traut. Ich werde mir bald mal einen ähnlichen Rock nähen, diesen aber lieber selbst konstruieren, denn für mich ist die Passform nicht stimmig.

"Außerdem hast du erstaunlich ordentlich einen Riesenvorrat an Stoffen und Zubehör. Du zaubertest den Stoff, das Futter, die Vlieseline, den Reißverschluß aus deinen Lagern und wusstest immer, wo du zugreifen mußt. Kompliment! So genoß ich das gemeinsame Werkeln, dass mir so Vielerlei vermittelte. Vielen Dank."

Bitte, Bitte! Habe ich gern gemacht (auch wenn mich zwischendurch die Migräne quälte)!

Ich trage heute ganz unspektakulär, wie zur Zeit fast jeden Tag, weil es einfach so toll ist, das Passt-Kleid Nummer 3, mit den neuen Thermo-Leggins vom Maybachufer, diversen Unterhemden und Shirts unter dem schwarzen Shirt und den neuen Stulpen, die ich zuerst bei Frau WollixundStoffix bewundert und dann nach der Anleitung von Frau Beerentöne gestrickt und für euch mal auf nackter Haut zum besseren sehen, fotografiert habe.



Nach dem Download der Anleitung fiel mir auf, dass dort "für kleine bis mittelgroße Hände" steht. Arrrgsss. Ich habe zwar relativ schmale Hände, aber eben in Relation zu meinem sonstigen Volumen. Ich habe deswegen trotz relativ lockerem Strickens statt Nadelstärke 2,5 mit 3er Nadeln gestrickt und siehe da, sie passen. D.h. ich werde sie mir wohl nochmal aus ganz edler Wolle stricken, diese waren erstmal nur zur Probe aus Sockengarn. Ich finde sie aber bildhübsch. Und da ich immer traurig bin, wenn ein Projekt fertig ist, kurz, nachdem ich die Systematik des Musters endlich so durchschaut habe, so dass ich routiniert stricke, habe ich gestern ein paar Stulpen für Lindy angefangen. Ich glaube, ich bin stricksüchtig geworden. Ich finde es ganz wundervoll entspannend, abends vor der Glotze mit den Nadeln zu klimpern. Hatte ich erwähnt, dass ich häkeln und stricken auch von meiner Mutter lernte?

Mehr wunderbare MMM-Outfits findet ihr bei Catherine. Und wie immer gebührt ihr ganz herzlichen Dank für die Initiative und Organisation des MMM:

Kommentare:

  1. schön, dass du deine mama wieder etwas näher ans nähen bringst. irgendwie in einer nähwütigen phase des lebens unvorstellbar, dass dies irgendwann wieder aufhören könnte! irgendwie auch schön zu sehen, wie du heute deiner mutter etwas geben kannst, das sie dir vor 30 jahren gegeben hast!
    und die stulpen sind wunderschön!
    lg, mi

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  2. Die Stulpen sind wirklich entzückend. Schön dass du deine Begeisterung deiner Mutter anschaulich machen konntest, ich freue mich auch wenn ich mal jemanden "bekehren" kann.
    Lg, Claudia

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  3. Stulpen und Rock gefallen mir sehr gut, toller Stoff! Ich habe auch das Nähen als Teenie von meiner Mutter gelernt, sie hat jetzt keine Lust mehr dazu, völlig o.k., so habe ich ihr schon einige Shirts und eine Schlupfhose genäht.
    Herzliche Grüße
    Sabine

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  4. Was für eine wunderschöne Geschichte. Und auch der Rock ist hübsch geworden :.)

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  5. Die Stulpen sehen herrlich aus! Da möchte ich meine Hände direkt auch reinkuscheln :-)

    Viele Grüße
    Caroline

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  6. Bin auch im Moment im Strickwahn. Ich habe heut schon wieder was neues angefangen und muss mich arg in Zaum halten, dass ich das Frühlingjäckchen nicht jetzt schon stricke. Schlimm.
    Viele Grüße
    Julia

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  7. Wunderbar, so ein generationenübergreifendes Nähen, ich vermute, der Enkel war wirklich gut dabei.
    Das ERgebnis ist überzeugend.
    liebe Grüße
    Marion

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  8. Es gibt Lebensphasen mit nähen und solche ohne. "Jede in ihren Stiefel" ist der alte Spruch dazu. Gut ist, wenn die Grundfähigkeiten von Generation zu Generation weitergegeben werden wie bei euch. Mein Kompliment an deine Mutter dafür.
    Gruß Mema

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  9. Die Stulpen sind wirklich sehr hübsch geworden. Genau das richtige bei diesem Wetter :)

    Ich habe vor 2 Wochen auch meine erste "Amy" genäht. Allerdings habe ich beim Reißverschluss-einnähen ganz schön geflucht. Das war mein erster Rock mit RV und Futter und das hat mich schon ein wenig abgeschreckt. Ich habe Cordstoff verwendet und auch Paspelband und dann waren beim Absteppen des RV von rechts die Stofflagen viel zu dick, als dass es noch vernünftig gegangen wär :( Der Nahttrenner war mein Freund :)
    Du hast oben geschrieben, dass du eine andere Art gewählt hast, den Reißverschluss einzusetzen. Kannst du mir verraten, welche? Gibt es dazu vielleicht schon eine Anleitung im Netz?

    Viele Grüße
    Astrid

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  10. Danke für die - wie immer - netten Kommentare!

    @Astrid, ich habe nen nahtverdeckten RV eingenäht - nur mit der Anleitung, die in Mini-Schrift dem Füßchen beilag (das Ding kostet ungefähr 4 Euro und ist goldwert). Das Futter muß dann meine Mutter noch per Hand an den RV annähen und wenn ich ihre merkwürdige Handhaltung sehe, dann vermute ich, dass sie das noch nciht gemacht hat :-) Es gibt bestimmt irgendwo Anleitungen für nahtverdeckte Reißverschlüsse, aber das ist wirklich keine Zauberei. Allerdings löst das nicht das Problem mit den Paspeln, das hatte ich bei meiner ersten Amy auch und keine Lösung dafür.

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  11. Danke, Meikes Mama, für den Gastbeitrag heute!
    Und viel Spaß mit dem schönen Rock.

    Leibe Grüße
    Melleni

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  12. Ach ja: nicht persönlich nehmen, Meike. Und keinen Streß machen wegen des Karokleids. Bin grad im Flow, gerade ist das Wickelkleid fertig. Jetzt ist erstmal Schluss mit Karo!
    Melleni

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