Sonntag, 26. Februar 2012

Live vom Tatort

Der heutige Tatort ist ausschließlich unsere Wohnung und die Glotze bleibt aus. Die  münchner Kommissare liegen mir nicht so und außerdem muß ich packen, weil der Kleine und ich für ein paar Tage in die alte Heimat, nach Frankfurt, fahren. Nebenher nähe ich noch ein kleines Mitbringsel und versuche eine Lösung für meine Wickeljacke zu finden.

Irgendwann in den letzten Tagen hatte ich mich endlich getraut, den Wollstoff anzuschneiden. Meinen selbstkonstruierten Schnitt vom Tatort vor zwei Wochen, konnte ich dank einer lieben Leserin mit dem Knip-Wickeldings-Schnitt vergleichen und machte eine Mischung aus Beiden, denn ich wollte die Jacke nicht unter dem Busen enden lassen, sondern bis zur Taille und außerdem, war ich doch skeptisch, ob mir eine 46 passen könnte. Das Projekt sah wie folgt aus:

1/2 Jahr eine Wickeljacke als Projekt formulieren und den Stoff einzulagern
1 Abend Schnitt konstruieren
20 Minuten Schnitt ausschneiden und Stoff zuschneiden
10 Minuten mit der Overlock nähen

Die lange Skepsis schien in keinem Verhältnis zur Umsetzung des Projektes zu stehen. Aaaaber..... Leider habe ich von dem Zwischenergebnis kein Foto gemacht. Eine Anforderung hatte das Teil auf Anhieb bestanden: die Wickeldinger waren ausreichen lang und dünn, um hinten einen Knoten zu machen. Aber der Ausschnitt war überall zu groß. Insbesondere im oberen Brustbereich störte es mich, dass ich zu wenig Stoff hatte.

Auf einmal hatte ich so eine Noa Noa-Fantasie und sah mit schon ätherisch mit einem leichtem Traum in grau gehüllt. Hach, dachte ich, dann nähen wir einfach eine eingekräuselte Borte aus dem Strickstoff dran. Das sieht bestimmt ganz liebreizend aus. Während des zuschneiden des Zusatzstreifens (mit dem Rollschneider zickzack) und dem Annähen, schwebte ich in höheren Spären und dachte, hach wie genial, da werde ich noch unendlich viele Jäckchen zaubern, wenn das soooo einfach ist.

Pustekuchen! Es sieht total bescheuert aus. Der "Kragen" legt sich in die falsche Richtung. Und nun? Es gilt also auch dafür heute abend noch eine Lösung zu finden, denn es wäre sooo schön, einen leichten Traum in grau einzupacken!

Ok, wieder einmal schwer vorstellbar? Dann gehe ich mal die Fotoausrüstung zusammen suchen...



20. 41 Uhr
Das ist wie immer lustig. Was sich in dem Moment der Verursachung als riesige Katastrophe darstellt ist ein paar Tage später, nachdem man das frustriert in die Ecke geworfene Ding, wieder aus der Ecke herausholt, gar nicht mehr sooo schlimm. Klar, subotimal ist es. Aber nicht unrettbar, oder?

Das Problem ist aber deutlich, oder? Der Ausschnitt ist zu groß und der angesetzte Kräuselkragen legt sich nach außer, so dass die Overlocknaht sichtbar ist.

Jemand online und nen Vorschlag zur Rettung des Jäckchens? Wirklich viel Stoff ist allerdings nicht übrig. Nicht genug, um noch eine andere "Kragenlösung" zuzuschneiden, nur noch einzelne Fetzen.
Meine Idee wäre es,

- entweder mit der normalen Nähmaschine die Nahtzugabe in die Jacke zu steppen
- oder den "Kragen" noch mal abzuschneiden und die Kante einfach nur ordentlich mit dem übrigen "Band" aus dem Wollstoff einzufassen.

Ich schneide derweil das Mitbringsel zu.

21.55 Uhr

Ihr seid super! Danke für die Tipps. Es gibt allerdings zwei Dinge, die ich so gut wie niemals tue: mit der  Hand nähen und ne Overlock naht sorgfältig auftrennen. Ersteres versuche ich zu vermeiden, indem ich immer irgendwie mit der Nähmaschine versuche das Problem zu lösen und für zweiteres gibt es ja die saubere Lösung: abschneiden. Entweder die ganze Naht oder wenns arg knapp wird zumindest die "Bögen" am Saum und dann Fädchen rauszupseln.

Das Mitbringsel ist fertig. Ich habe schon schönere U*ensi*os genäht - die Beschenke liest hier mit, aber sie kann das Rätsel sicherlich nicht lösen - deswegen natürlich auch kein Foto. Aber ich finde das immer noch besser, als Geschenkpapier. Die Ziernaht hat mal wieder ver-un-ziert. Dass da aber auch jedes Mal was dazwischen kommen muß! Normalerweise bekomme ich ja Ziernahtprobleme direkt über dem Busen. Glücklicherweise hat das Mitbringsel keine pikante Stellte.

Ob ich jetzt noch schnell so nen Baby-Knister-Label-Tuch nähe? Sowas macht ja immer viel her, bei Leuten, die nicht nähen, aber irgendwie habe ich gar keine Lust, das neue Baby im Freundeskreis anschauen zu gehen.... Ich finde Kinder werden erst ab 2 Jahren amüsant. Vorher kann ich mit denen wenig anfangen und habe die bei meinem Kleinen die Zeit eher abgelitten. Nun gut, es geht ja um die Freundschaft und Material liegt ja hier rum.... Weiter gehts!



22.55 Uhr

Von wegen "schnell". Beim Live-Bloggen merkt man, dass jetzt doch wieder ne Stunde rum ist.

Das Baby wird zwar von mir nicht lernen, wie rechte Winkel gehen, aber dafür darf es zupseln was das Zeugs hält und lernt die viel wichtigere Lektion, dass im Leben auch nicht immer alles gerade verläuft. Diese filosofische Betrachtung wird dem Vater sicherlich gefallen, haben wir doch im Studium zusammen bei viel Wein viel Blödsinn geredet.

Kurze Anleitung, wie man ein Knistertuch näht gefällig?

Also, zwei gleichgroße Quadrate aus hübschen Stoffen ausschneiden, Bänderreste raussuchen, Band-Enden abfackeln, damit die Bänder nicht ausfransen. Rettungsfolie ohne komplett aufzufalten, in der gleichen Breite wie die Quadrate abschneiden und auf den einen Stofflappen auf die linke Seite nähen. Dann die Bänder an den anderen Stofflappen. Ich habe sie mit Zickzack angenäht, damit sie auch halten, da hätte ich mir das Abfackeln wohl auch sparen können. Dann die beiden Quadrate rechts auf rechts zusammen nähen (Wendeöffnung nicht vergessen!) , Ecken abschneiden (habe ich vergessen), wenden, Kanten absteppen. Fertig. Ich hatte noch nen Schnullerband beim letzten Aufräumen gefunden und für diesen Zweck aufbewahrt.

Das mit dem Dreifachzickzack zur Jackenrettung habe ich an einem Probestück probiert. Schlimmer kanns nicht werden, also versuche ich das jetzt mal, obwohl ich nur noch weißes, statt graues Garn habe. Zur Not kommt die Schere. Ich habe allerdings die leise Ahnung, dass das ne Krumpelei oben und hinten am Hals geben könnte.....

23.14 Uhr

Die Jackenrettung hat leider nicht geklappt. Die Rüsche fällt nach wie vor nach außen. Oder hattet ihr das so gemeint? Mir ging es ja um die Verkleinerung des Ausschnittes. Nun gut, im Februar wird es dafür keine Lösung mehr geben. Lege ich sie also auf Wiedervorlage im März ... und muß mir für Mittwoch was anderes einfallen lassen.

So, jetzt ne Viertelstunde "theoretisch packen", d.h. Liste machen, was ich einpacken werde. Hach, welche Kleider packe ich nur ein??????? Super Problem! Das wir morgen leicht mit der Bereitstellung, wenn alles zumindest vorgedacht ist. Nur habe ich überhaupt keine Lust, mit Rucksack zu reisen. Das ist irgendwie vorbei. Aber mit Kind, mit Rollkoffer, mit Rollkoffer des Kindes, mit Tasche, mit Handtasche? Klingt nach ner komplexen Situation. Und nach dem "theoretisch Packen", räume ich den Näh-Kram bei druckfrisch auf. Das anzusehen, lohnt sowieso viel mehr als Tatort. Aber es kommt ja leider immer so spät!

Gute Nacht allerseits! War wieder schön mit euch!

Kommentare:

  1. Erstmal: wow! Ich find, die Jacke sieht toll aus. Fast wie gestrickt ;-) Wo hattest du denn den tollen Strickstoff her?
    Und dann: Wie wäre es, wenn die die Ovi-Naht des Kragens nach innen schlägst und dort feststeppst, so wie man das mit Bündchen z.B. am Kragen von Shirts ja auch macht? Dann wäre die Naht (hoffentlich) nicht mehr zu sehen und der Kragen bekommt (hoffentlich) auch etwas Stand.
    Bin gespannt ;-)

    Viele Grüße
    Christina

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  2. Tolle Jacke! Rüsche bitte nicht entfewrnen - so schön! Meine Idee wäre auch feststeppen oder alternativ ein passendes oder kontrastfarbenes Samtbändchen o. ä. zur Verdeckung der Naht zu befestigen. Liebe Grüße, Birte

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  3. Ich bin für einfassen! Feststeppen könnte sich leicht wellen...

    Du könntest auch die Rüschen abschneiden und einfach mit Rollsaum säumen, aber ob das so der Knüller ist weiß ich auch nicht, ist mir nur gerade so gekommen!

    LG
    Theresa

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  4. Hallo Meike,
    ich hatte mal aus einem Mesh-Stoff eine Tunika genäht, die hinten und vorne nicht passte. Daraus schnitt ich dann ein Wickelsdings, hatte damit aber das gleiche Problem - meine Lösung war damals einen Streifen von ca. 10 cm Breite um den ganzen Ausschnitt mit der Overlock nähen - bis zum Bindeband. Die Kanten versäuberte ich mit einem Rollsaum. Damit hatte ich zugleich einen Kragen, den ich umlegen konnte und der Ausschnitt war danach auch passend. Allerdings war der Stoff links und rechts gleich - wie das bei deinem Strickstoff ist, kann ich nicht beurteilen. Das Ergebnis sah aus, als sei das so gewollt. Ich hoffe, Du kannst Dir vorstellen, was ich meine...
    LG
    "Rosi Rund"

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  5. Beide Deiner Ideen find ich in Ordnung. Hängt davon ab wieviel Ziet Du hast ... ne Ovi-Naht an nem Strickstoff aufribbeln hat was von Harakiri. Absteppen war meine erste Idee.

    Grüßle

    Steffi

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  6. Bin auch für Absteppen (eventuell mit dem dreigeteilten Zickzack, wegen dehnbar und so). Die Naht mit einem Bändchen zu verdecken ist auch eine gute Idee, aber da würde ich unbedingt auch ein dehnbares Bändchen nehmen. Samtband gibt es manchmal auch in elastisch, oder eine elastische Spitze. Das wäre vielleicht die zweite Maßnahme, falls abgesteppt doch nicht so gut aussieht. Aber ich denke das wird, mit der angesetzten Rüsche ist das schon mal super.

    viele Grüße, Lucy

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  7. Hi Meike,
    die Jacke ist toll und ich dachte auch gleich an Absteppen.
    Gute Reise ins Hessenland, bist dann ja fast bei mir um die Ecke!
    Herzliche Grüße
    Sabine (aus Darmstadt)

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  8. rüsche lassen und nicht mit der nähmaschine, vielleicht wieder eine handnaht?
    lg monika

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  9. spontan fiel mir auch ein, dass ich die Rüsche genau anders herum angenäht hätte, also links auf links, dann wäre die ovinaht vonder Rüsche verdeckt.
    Ob man die Ovinaht allerdings auftrennen kann?? Hattest du nicht demletzt einen link mit nem trick gepostet?

    Ansonstenwürd ich auch den schon erwähnten dreigeteilten Zickzackstich nehmen und das ganze absteppen... wird dann evtl eine etwas dicke nah an dem zarten wickeldings. welches übrigens richtig klasse aussieht

    Schöne Reise wüncsh ich euch, darf das Strickzeug mit?

    LG
    Wiebke

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  10. Also der Tatort war gar nicht so schlecht, obwohl meine Bayern-Aversion durch den Dürer-Streit gerade wieder genährt wurde.
    Aber danach, Peter Hahne bei Jauch, das geht gar nicht.

    Zur Jacke brauch ich nichts mehr sagen, wäre auch erst mal für´s Absteppen. Mit Band könnte es zwar schicker werden, manchmal macht man sich aber da auch eine Mühe und dann geht´s doch daneben. Der Stoff ist superschön, das allein wirkt schon.

    Viele Grüße
    Julia

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  11. Auf keinen Fall die Rüsche abtrennen. Ich finde, sie passt so gut zum Stoff. Außerdem macht es ja wirklich keinen Spass Overlocknähte aufzutrennen. Wenn du die Naht mit einem dreigeteilten Zickzackstich feststeppst müsste es gehen, auch ohne dass sich der Ausschnittrand wellt.
    Viele Grüße Rita

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  12. ich wäre für auftrennen und die rüsche innen reinnähen, umklappen und mit feinem stich ind jerseynadel absteppen. die unschöne naht verschwindet gänzlich und der ausschnitt verkleinert sich, zwar nur ein bisschen aber immerhin.
    oder noch ne schmälere rüsche obendrauf ? einfach zugeschnitten, eingerafft und auch innen angenäht zum umklappen ? gäbe noch mehr volumen und noch mehr noanoa..

    grüße
    stella

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  13. Ich bin viel zu spät, aber: DIe Jacke ist par principe ein Traum und du solltest unbedingt dran bleiben. Ich würde auch ein elastisches Samtbändchen annähen, dann hat es auch noch mehr von NoaNoa! Ach, und da empfiehlt es sich (und ich bin wahrhaftig ein schlechtes Vorbild) mit sehr viel Geduld daherzukommen.
    Liebe Grüße und viel Spaß in Frankfurt!

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