Donnerstag, 19. Januar 2012

Praktikumsbericht Teil 3


It is a funny thing..... ooohhh, besser auf deutsch. Ich spreche den ganzen Tag englisch bei meinem Praktikum, because meine Freundin und Praktikums-Chefin Lindy, kommt aus Australien. Manchmal ist es eine krude Mischung aus deutsch und englisch, aber ich war ganz glücklich, zu improve my English in the last days. Nice Nebeneffekt.

Ach, es ist schon ein merkwürdiger Zufall, zur Fashion Week in Berlin zu sein, ein Praktikum bei einer Designerin zu machen und sich so gar nicht für Mode und den ganzen Trubel zu interessieren. Am Rande bekomme ich natürlich etwas mit, besonders dann wenn die alle irgendwie ähnlich aussehenden Fashionweek Trullas und Trullos den Stokx-Shop besuchen und nach dem Besuch noch ihr Parfum im Raum wabert, dass laut Lindy wohl ausschließlich aufgrund des Designs der Flasche ausgewählt werden konnte...




Aber eigentlich habe ich damit gar nichts zutun, denn ich sitze im hinteren Teil des Raumes, im Atelier, werkele vor mich hin und genieße es jedes Mal, wenn Lindy wirklich interessierten KundInnen die Geschichten zu ihrer Kleidung erzählt. Wenn sie von den speziellen Materialeigenschaften berichtet, oder wenn sie herleitet, warum etwas so ist, wie es ist und warum genauso einfach perfekt ist.


Bildquelle: stokx.de

Obwohl das Kleid noch nicht ganz fertig ist, durfte ich heute den Mantel beginnen. Das musste ich einfach sein - obwohl mir natürlich klar ist, dass es irgendwie befriedigender für uns beide gewesen wäre, wenn ich morgen mit einem fertigen Teil die Heimreise antreten würde. Aber der Mantel ist einfach so schön und das Angebot, ihn aus original Stokx-Stoff zu nähen, war einfach zu verlockend. Letztlich war es gar keine so schlecht Idee, denn obwohl der Schnitt wirklich figelinsch ist und das Material extrem flutschig, war es doch irgendwie reeller, den dicken Mantelstoff zu vernähen, als das dünne Kleidchen.

Nach dem Zuschnitt war ich erstmal erledigt. Ich habe mir extra viel Mühe gegeben, nicht nur, weil Lindy sagte, dass es mir anschließend leichter fallen würde zu nähen, sondern weil ich einfach Respekt vor dem Stoff hatte. Es ist toll an einem riesigen Tisch zuzuschneiden, der eine gute Höhe zum Stehen hat, aber anschließend war ich trotzdem k.o. Kein Wunder bei dem Programm hier! Außerdem ist es zuhause schließlich auch immer so, dass ich an einem Abend zum Zuschneiden komme und erst Tage später zu Nähen beginne. Ich bin das einfach nicht gewöhnt. Was müssen diese Schnitte auch so viele Teile haben!



Das müssen sie. Sie sind so gut, weil sie so viele Teile haben. Diese optimale, dreidimensionale Passform ist eben nur schwer mit einem platten Vorder- oder Rückenteil und ein paar Abnähern hier und da zu erreichen. Nach dem Ausschneiden des Papierschnittes und nochmal, nach dem Zuschnitt bekam ich die Aufgabe, ein fertiges Kleidungsstück mit den Schnitteilen zu vergleichen, um den Schnitt zu verstehen. Diverse Male mußte ich Lindy fragen, wie ich diese und jede Falte nähen kann. Es war zwar nicht allzuschwer, beim zweiten Praktikumsstück die Schnittteile zu identifizieren, aber wenn ich den fertigen Mantel rechts um ansah, entsprach das nicht direkt dem, was ich links herum sah oder auf den Schnitteilen entdeckte. Erst, als ich die Teile zusammen nähte, entdeckte ich, dass an vielen Stellen, vieles ganz automatisch aneinanderflutschte und sich diese merkwürdigen Falten wie von selbst ergaben. Das ist so dermaßen tricky und ausgefuchst, dass ich mir im Moment nur ganz schwer vorstellen kann, noch einmal einen easypeasy-Fertigschnitt zu nähen oder gar selbst Schnitte zu konstruieren!



Wie ihr seht, habe ich mich für das glänzende Grau entschieden und mein kleiner Designbeitrag sind gelbe Taschen. Aber wie ihr auch seht, muß ich die Taschen wohl noch mal zuhause ordentlich machen. Das ist natürlich der Nachteil an ungefütterten Mänteln: innen muß es schon auch schick aussehen!

Der Mantel ist schätzungsweise ungefähr zu 40 % fertig genäht. Der Rücken ist komplett, ein Vorderteil ist dran, die Taschen sind auch schon an Platz und Stelle, auch wenn ich sie ordentlich mit der Overlocknaht versaut habe - aber Trennen kann ich auch zuhause! Meine Praktikumschefin verließ gegen 19 Uhr das Atelier, als ihre Mitarbeiterin um 21.30 Uhr gehen wollte, packte ich eben auch ein, obwohl ich eigentlich so weit kommen wollte, dass für die knappe Zeit morgen, nur noch der Kragen und das Vorderteil mit dem komplizierten Knopflöcherbeleg (verdeckte Knopfleiste) übrig ist. Es wäre doch doof, wenn ich das nächste Woche alleine in Hamburg nicht hinbekommen würde. Aber jetzt bin ich müde und habe Rückenschmerzen und morgen werden wir früh aufstehen (wie nett von Lindy, wo Berliner doch normalerweise erst gegen Mittag aus dem Haus kommen...) und schauen, wie weit wir kommen.

Kommentare:

  1. hiHi, meine Erfahrung mit den Berlinern und dem Frühaufstehen sind ebenso!
    Es hört sich so toll an, liebe Heike, was Du gerade erlebst, das ich mich richtig mitfreue. Und zwei Teile wirst Du daraus mitnehmen und immer beim Tragen daran denken, und dabei GROSSARTIG aussehen. Ich freue mich schon auf die Bilder von Dir in den neuen selbstgenähten Kunstwerken. Echt super, so eine Lindy-Freundin!!! Finde ich toll, das sie Dir so viel zeigt. Du bist ja damit jezt auf der Überholspur und wirst wohl demnächst einiges leichter zaubern können. So super!!
    Schlaf gut, mit frischer Kraft morgen in den Endspurt. Ich mache auch gleich Schluss mit meiner Lernerei. Oh mann, Du bist echt ein Lichtblick, mit Deinen Praktikumsberichten in den letzen Tagen, am Ende von meinen Pauktagen. Lrenen mit Ü40 und 2 Kindern ist der HAMMA!
    Liebe Grüße, Sabine

    AntwortenLöschen
  2. Mensch Meike, das hört sich soooo toll an. Ich denke, dass Du in Deinem Praktikum soviel für Dich mitnehmen kannst, was Dir bei Deinen weiteren Kreationen unendlich viel weiterhilft. Echt super!
    Auf die fertigen Kleidungsstücke bin ich auch sehr neugierig.

    viele Grüße
    Gaby

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Meike, völlig genial, was du da diese Woche machst. Als ich gelesen habe, dass du nach B fährst und ich kurze Zeit später im Radio von der Fashion Week hörte, dachte ich, aha ..... aber das "Praktikum" ist ja um einiges spannender. Lieben Gruß, Anja

    AntwortenLöschen

Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.