Mittwoch, 18. Januar 2012

Praktikumsbericht Teil 2



Das Atelier ist nicht leicht zu finden. Man geht am Hackeschen Markt an den Hackeschen Höfen vorbei und sucht eine kleine Einfahrt. Dort, wo das Kino ist, geht es auch zum Haus Schwarzenberg e.V., das unter anderem das Atelier von Lindy mit ihrem Label Stokx beherbergt. Ein Stück vom alten Berlin. Von dem Berlin, in dem ich in den 90ern lebte und das ich liebte. Ins zweite Hinterhaus muß man und dann zwei Stockwerke die Treppe herauf. Mein Vater wäre fast nicht hoch gegangen, als er das Treppenhaus voller Graffitis sah, aber dann kaufte er meiner Mutter einen Stokx-Rock....

Ich fand heute dort nachmittag dorthin, nachdem ich bei dem freundlichsten Kiosk von Berlin mit DHL-Filiale, direkt an der U-Bahnstation Schönleinstrßae, ein großes Paket Stoff, nach einem Maybachmarktbummel, packte und an mich sendete. Hach, das wird toll, nachhause zu kommen und ein Paket vorzufinden :-)

Aber zurück zum Praktikum. Heute durfte ich nähen! Und wenn ich die heutigen Erfahrungen mit einem Wort beschreiben sollte, dann würde ich "ganzschönschnell" sagen. Puh, ich sage euch, diese Industrienähmaschinen sind schon ganz schön anders, als das Heimwerkerzeugs, was ich zuhause herumstehen habe. Sie sind verdammt schnell! 




Dabei dachte ich immer, meine Overlockmaschine wäre ein Rennwagen (mit dem Krach und Geruch eines Traktors)! Lindys Overlockmaschine surrte zwar nur leise vor sich hin, aber die Crux ist es, sie mit dem linken Fuß zu steuern. Habt ihr schon mal aus Spaß beim Autofahren die Füße vertauscht? Ich hatte das mal probiert und es war unmöglich. Der linke Fuß ist grobmotorisch auf die Kupplung gepolt und mit dem rechten Fuß kann ich sanft Gas geben. Ihr könnt euch also vorstellen, wie mir die Overlockmaschine davon gerannt ist. Es war wirklich verdammt schwer, die Nähte ungefähr so zu machen, wie es mir vorschwebte, aber ich tröstete mich damit, dass es nur innen nicht so schön ist und ich das zuhause besser hinbekomme. Was ich aber gelernt habe, ist, bei welchen Aufgaben bei einem derartigen Kleid die Ovi genutzt wird: erst wird mit der Nähmaschine genäht, dann beide Nahtzugaben zusammen versäubert.  Diese Verfahrensweise kommt mir sehr entgegen, denn es widerstrebt mir einfach, vor dem Zusammennähen erstmal brav alle Schnitteile zu versäubern. 

Die Nähmaschine war recht einfach zu bedienen, wenn auch ungewohnt. Der Kniehebel irritierte mich und meine Hand suchte immer den Hebel für das Füßchen. Als ich den Faden neu einfädeln wollte, entdeckte ich, dass die Nadel nicht von vorne nach hinten gefädelt wird - und fädelte prompt von der falschen Seite aus ein. Und dann war die Spulenkapsel alle und ich freute mich, dass einfädeln und Kapsel wechseln bei zuhause leichter geht. Aber das ist sicherlich alles eine Frage der Übung. 

Nachdem ich einigermaßen mit den Maschinen umgehen konnte, begann ich das Kleid. Eigentlich lief es prima, bis ich zu den Rundungen kam. Dieser 3-D-Effekt, der durch Teilungsnähte entstehen soll, damit die weiblichen Rundungen Platz haben, ist ja nicht gerade einfach zu nähen. "Einhalten", das klingt so einfach, ich tue mich damit recht schwer und tat dies heute mit den ungewohnten Nähmaschinen noch viel mehr. Der Nahttrenner war ein guter Freund...



Das Probekleid sieht aber auch ohne Ärmel schon ganz gut aus. Es könnte einen Tick weiter am Busen sein, aber vielleicht muß ich einfach einen anderen BH anziehen und außerdem ist es ja ein Probekleid und die Schnittexpertin wird mir helfen, den Schnitt anzupassen. Ich freu mich schon darauf, es morgen fertig zu machen und das nächste Projekt zu beginnen.

Ich fand mich heute gar nicht so schlecht und hatte das Gefühl, trotz Auftrennens und überall luschern und lernen recht weit gekommen zu sein. Rein aus Interesse fragte ich Lindy, wie lange sie an so einem Kleid nähen würde. Ihre Antwort: bis zu den Knopflöchern und Knöpfen ungefähr 1,5 Stunden - das frustrierte mich dann, im Vergleich zu meinen Künsten doch. Aber anders herum gesehen, wenn selbst ein Profi so lange an einem Kleid sitzt, dann darf es eigentlich diese unglaublich niedrigen Preise mancher Bekleidungsgeschäfte eigentlich gar nicht geben. Ich hoffe, ich denke daran, wenn ich beim nächsten Mal so einen Fummel in der Hand habe und überlege, ihn zu mitzunehmen, weil es doch kein großes Risiko ist bei dem Preis!

Und als kleines Special gibt es noch einen kleinen Blick auf mein Hochzeitskleid, das Lindy 2006 für mich entwarf. Das sind Fotos von der letzten Anprobe im Atelier. Meine Patenkinder, damals 2 Jährige Zwillinge schauten ganz andächtig, als ich aus der Kabine kam und raunten "ein Engel! Und ich konnte es nicht fassen, wie unglaublich toll sich so ein Seidenkleid, das wirklich nur für mich gemacht worden ist, anfühlt.

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Danke, liebe Lindy, für deine Freundschaft, das wunderbare Brautkleid und die Chance, von und mit Dir lernen zu dürfen!

Kommentare:

  1. Hach.....
    Schön siehste aus, nicht nur im weißen!
    Viel Spaß und Erfolg weiterhin! Bin gespannt auf den nächsten Bericht!
    Liebe Grüße, Sabine

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  2. wow, da hast du wirklich eine tolle chance, liebe meike! und es freut mich, dass du trotz allen aufs und abs so viel freude hast und so viel lernen kannst *hach*

    ich bin gespant auf all deine ergebnisse!

    und dein hochzeitskleid ist ein wahrer traum! ich würde so gern noch mehr bilder, ganzkörper und ganzkleidbilder. das wäre toll!

    lg
    halitha

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  3. oh Gott, wie süß - Ein Engel ;-))))

    das hört sich wirklich total spannend an, seit ich nähe, checke ich auch bei jeder Änderungsschneiderei, an der ich vorbei komme, die Maschinen-Marken etc ;-)

    viele Grüße
    Tina

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  4. Wouw, wouw, wouw ... alles ... soooo spannend .... ganz toll

    *keineWortemehrfür*

    Grüßle

    Steffi

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  5. zu den Hochzeitskleidbildern fällt mir nur eines ein:
    wunderschön

    bin schon auf das fertige Kleid gespannt.

    Grüße Elke

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  6. oh maike. dein hochzeitskleid - ein traum
    und das schwarze - ein zweiter traum. das wird toll.
    genau so einen schnitt suche ich, ein wenig hemdblusenkleid mit nicht zu schwingendem rock. fürs weihnachtskleid nichts gefunden.
    lg monika

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  7. Weiter berichten! Das ist so schön zu lesen. Dein Hochzeitskleid ist toll. Da kriegt man ja fast schon Lust auf weiße Brautkleider... LG, Bronte

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  8. Das Brautkleid so schlicht und so schön. Dieses Praktikum würde mir auch gefallen!

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  9. Das Brautkleid ist wirklich wunderschön. Genau mein Geschmack.
    Um das Praktikum bist du wirklich zu beneiden.
    An sich selbst ein Paket zu schicken hat wirklich was. Ich wäre vermutlich sogar noch überrascht, was da alles so enthalten ist, wenn ich mir mich, im Stoffshoppingwahn mal so vorstelle ;o)
    LG LeNa

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  10. Ich kenne mich in Berlin nicht wirklich aus, aber an die Hackerschenhöfe kann ich mich auch noch gut erinnern, weil ich sie irgendwie fazinierend fand.
    Das mit Deinen Praktikum klingt wirklich toll, das Kleid sieht schon vielversprechend aus!!

    Viel Spaß weiterhin,
    liebe Grüße
    Alisna

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  11. wow, das ist ja klasse. So was würde ich auch mal gerne machen.
    Bin schon richtig gespannt auf dein fertiges Kleid.

    Lieber Gruß, Muriel

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  12. Na du hattest es gut, ich würde liebend gern mal wieder an einer Industrieoverlock sitzen. Ich hab ja mal zwei Jahre lang an Industriemaschinen gesessen, ja ich! So richtig mit Fließband und so. Damals nannten sich Overlockmaschinen noch Interlock und es war einfach nur g..... ehm, toll. Natürlich mit den ganzen Fußpedalen und einem Absauger, der die Reste einfach weg gesaugt hat...... Ach ja... na dann, ich bin dann mal wie die Anderen gespannt....

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