
Das Passt-Fast-Kleid ist noch nicht fertig, da reitet mich schon wieder eine neue Idee. Ihr habt es vielleicht schon geahnt, als ich, ganz nebenbei das oben abgebildete Buch "Schnittkonstruktion in der Mode - Grundschnitte" von Teresa Gilewska erwähnte. Das Desaster mit dem stolz konstruiertem Peter-Pan-Kragen hat mich aber nicht davon abgehalten, weiter mit dem Buch herumzuprobieren.
Ausgangspunkt war die ausführliche und vor Allen Dingen ansprechende Buchbesprechung und die Idee von Frau Nahtzugabe, dass ich "ein schnelles Erfolgserlebnis brauche", während ich am Fluchen und Vergrößern von Onion 2012 war. Natürlich fand ich die Idee super und nahm den Prinzessinnenschnitt aus "Passt! - Selberschneidern nach Maß" von Jörg Schwanz, um schnell mit meinem Passt-Fast-Kleid starten. Hätte ich nicht so nen komisches Kleid mit Futter, Ärmeln und Kragen gemacht, sondern die eigentlich geplante Tweedversion, wäre es auch schon fertig. So schiebe ich diese Fitzelsachen, die mich jetzt noch vom Erfolg trennen Abend für Abend vor mich hin.
Aber das Thema "Maßschnitt" lässt mich nicht los. Einmal damit angefangen, frage ich mich, wieso man überhaupt Schnittmuster braucht? Das oben genannte Buch zeigt die Anfertigung eines Grundschnittes, die ich brav für ein Oberteil gemacht habe. (Das Teil sieht deswegen so merkwürdig aus, weil ich es nur bis zur Taille gezeichnet habe.) Zu diesem Grundschnitt kann man dann modular Ärmel, Ausschnitt und Taschen anfügen und simsalabim fertig ist das Schnittmuster. Das Gleiche gilt auch für Röcke - das zeichne ich als nächstes. Wahrscheinlich sind Kleider letztlich nur zusammengefügte Ober- und Unterteile und Mäntel das Gleiche dann mit Weitenzugaben. Das ist doch theoretisch einfach! Ok, ok, ich kann verstehen, wenn man es gerne quick und dirty hat und lieber einen fertigen Schnitt abpaust und mit Schritt-für-Schritt-Anleitung umsetzt. Das ist sozusagen auf Nummer sicher.
Ich empfinde es aber mittlerweile eine Scheinsicherheit. Ok, man könnte den Sicherheitsfaktor erhöhen, in dem man das Papierschnittmuster mit den eigenen Maßen vergleicht und dann Änderungen daran anbringt. Wenn man das denn kann. aber letztlich ist es doch eine immense Enttäuschung, wenn man etwas näht und es nicht passt. Das Nähfragezeichen hatte uns letzte Woche verraten, dass Damenbekleidung nahezu immer angepasst werden muß. Ist das nicht enttäuschend? Für mich ja!
Warum also überhaupt mit fertigen Mehrgrößen-Schnitten arbeiten, statt mit Maßschnitten? Warum gibt es so wenige Angebote für Maßschnitte? Ich kann das gar nicht verstehen, denn eigentlich müsste das doch ganz einfach sein. Beim erstellen meines Maßschnitt-Oberteiles arbeitete ich mit meinen Körpermaßen und mit Berechnungsformeln. Hat man die Körpermaße, können mit Hilfe der Formeln und einem Computerprogramm, dass die Formeln kennt, eigentlich sehr schnell Maßschnitte ausgespuckt werden. Genau das macht ja auch das Passt-Buch. Da frage ich mich noch einmal: warum gibt es so wenig Angebote für Maßschnitte?
Der Markt für Maßschnitte ist doch riesig, denn erstens hat fast jede Frau ein "Figurproblem" und laut Nähfragezeichen müssen alle irgendwie irgendwas anpassen. Erst dachte ich, das wäre ein Problem für große Größen, aber das stimmt nicht. Kleine, Große, Dicke, Dünne berichten mir, dass sie nicht den Konfektionsgrößen entsprechen und bei Fertigschnitten etwas ändern müssen. Die Frage liegt doch nahe: Wieso gibt es so wenig Angebote für Maßschnitte?
Ein Problem habe ich mittlerweile identifiziert und vor mir haben das sicherlich auch schon andere. Ein Problem des Maßschnittes ist, dass keine Passformgarantie gegeben werden kann, wenn nicht perfekt gemessen wird. Aber das sollte doch die tollen Schnittkonstrukteure eigentlich nicht davon abhalten, Maßschnitte anzubieten. Wenn ich bedenke, wieviel besser das Passt-Fast-Kleid sitzt, obwohl ich so schlampig mit der Overlockmaschine gearbeitet habe....
Vor ein paar Jahren begann eine Freundin zu nähen und träumte dann von einer perfekten Hose. Sie besuchte einen Schnittmuster-Konstruktionskurs für den Hosenschnitt, aber ich weiß gar nicht, ob die Hose jemals fertig geworden ist. Da muß ich mal nachfragen! Gibt es die Einen, die irgendwann wie meine Freundin, die bewundernswerte Michou und ich bei diesem Thema landen und sich entweder darin
Wie ist das bei Euch? Was meint ihr zu dem Thema? Habt ihr schon mal einen Maßschnitt probiert? Was würdet ihr dafür ausgeben? Welche Maßschnitt-AnbieterInnen kennt ihr? Findet ihr das Thema Maßschnitt nicht auch immens spannend?































