Samstag, 3. Dezember 2011

DIY-Ausstellung in Frankfurt: hingehen!




Natürlich mußte ich meine Reise letzte Woche nach Frankfurt nutzen, um die DIY-Ausstellung im Kommunikationsmuseum zu besuchen. Netterweise hatte ich den Ausstellungskatalog bei Handmade Kultur gewonnen* und natürlich auch schon bewundert und gelesen, aber eine Ausstellung zu besuchen ist nicht das gleiche. Meine Vorfreude wurde belohnt. Ich fand es toll, dass ich die Gelegenheit hatte, die Ausstellung zu sehen. 

Zufälligerweise begann just bei meinem Eintreffen eine Führung; die habe ich natürlich mitgemacht. Nicht, weil ich wirklich erhoffte wahnsinnig viel Neues zu erfahren, sondern weil es mich interessierte, wie die Menschen, die augenscheinlich nicht komplett handmade-verrückt waren (zumindest waren sie nicht ganzkörpereingestrickt oder Ähnliches) auf die Dinge wie "Radical Crafting"  reagieren würden.


Während der Herr zu Beginn der Führung über Baumärkte im allgemeinen und speziellen referierte und mehrfach den Namen H*bach aussprach, um dabei zu betonen, dass dieser Markt zwar Sponsor der Ausstellung wäre, es aber Zufall wäre, dass die Bauten und der Katalog orange wären, strickte ich an einem am Eingang liegenden Kunstprojekt ("Liebe Besucher, bitte mitmachen") ein paar Reihen. Die Ideen über verschiedene Selbermach-Typen und Baumärkte kannte ich zwar schon, aber ich hatte die ollen Heimwerkerzeitschriften noch nicht in echt gesehen und fand das toll. Beim "Psychologietest" am Computer fand ich heraus, dass ich "Bricoleur" (im Gegensatz zum Amateuer oder Pragmatiker) bin. Das trifft es wohl sehr gut - aber bin ich dann eine Bricolette? Auch schön, statt crafteln. 


Bricoleuer
"Der französische Begriff  >>bricolage<< meint in wörtlicher Übersetzung >>Heimwerken<< bzw. >>Basteln<<. Eine weiterführende kulturtheoretische Bedeutung hat die Bricolage über Claude Lévi-Strauss erklang: Er kontrastiert das planvolle, professionelle Vorgehen des Fachmanns/Ingenieurs zu dem intuitiven, auf Improvisation setzenden Zugang des Basterls/Bricoleurs." 
(Zitat aus dem Ausstellungskatalog


Dann gab es exemplarisch vier Aussstellungsstück über "Steckenpferde" oder Hobbys: drei von Männern eines von einer Frau. Der Herr erzählte uns ausführlich über Nummer 1 den Hobby-Funker. Nummer 2 war ein Projekt von Herrn Bausteln den ich beim Craftraum kennenlernen durfte, als er mir die Pfeife mit dem 3-D-Drucker baute und alles erklärte. Als Steckenpferd Nummer 3 wurde eine meisterhaft aber in der Freizeit gefertige Gitarre vorgestellt.  Dann ging unser Führer nonchalant über Nummer 4 die Häkelkünstlerin mit den Worten hinweg, dass man zu stricken oder häkeln ja nichts sagen müsste, denn das kennt ja jeder. Achso, hmmm, mmmhh. Die Ausstellung selbst und der gut recherchierte Katalog lässt allerdings in dieser Hinsicht nichts vermissen. 

Dann kam etwas über Handarbeiten und Handarbeitsunterricht (da sind wir natürlich ganz schnell durch), dann über Reparieren und Nutzung origineller Materialien im Krieg. Es folgten der obligatorische selberbau-Stuhl des schwedischen Möbelhauses sowie die personalisierten Turnschuhe. Sehr schön fand ich die Aussstellungsstücke aus dem Bereich Punk, Fanzines,Piratensender und die Freie Republik Wendland, insbesondere auch, weil Bezug auf Frankfurter Projekte rund um die Startbahn West und zum Pflasterstrand genommen wurde. Als frankfurter Mädscher, d.h. ich bin in Frankfurt aufgewachsen, war mir das natürlich ein Begriff, aber ich war damals zu klein, um mich detailliert zu erinnern. Natürlich wurde Guerillia-Gardening und bestrickte Laternenpfähle erwähnt, aber dann durften wir noch ausführlich Zeit bei den Erfindern des Telefons (klar, wir waren ja im Kommunikationsmuserum), den Technikbaukästen und erneut bei den Funkern verbringen. Nun ja, wer genau hinschaut sieht, dass die Logo-Dame ja auch eher eine Handwerkerin als eine Handmaid ist. 

Eine kleine Selbermach-Ecke gab es auch. Die dort ausgestellten Sachen waren ziemlich abgefahren: Irgendwelche Radios in Röhren, die was sagten, wenn man zwei Finger dranhielt und ähnliches Technikspielzeug. Ich vermute, diese Dinge sind bei speziellen Veranstaltungen, des ausführlichen Rahmenprogrammes (für das ich leider keine Zeit hatte) zur Veranstaltung gebastelt worden. Damit die BesucherInnen aber richtig mitspielen können lagen noch Buntstifte herum und man durfte eine Buttonmaschine benutzen. Fein, dann habe ich eben einen Button gebastelt und beim Rausgehen noch dem Häkelprojekt ein paar Maschen spendiert.

Mir hat die Ausstellung gut gefallen, denn, ganz dem Thema entsprechend, ist es etwas anderes, nur über Trends und Bewegungen zu lesen oder Dinge, wenn schon nicht anfassen, doch zumindest ansehen zu können. Also ein klarer Reingeh-Tipp, wenn ihr in Frankfurt seid. Die DIY-Ausstellung "Die Mitmach-Revolution"19.02.2012 im Kommunikationsmuseum in Frankfurt gezeigt. Und der Katalog lohnt sich auf jeden Fall für alle, die mehr über die Hintergründe des DIY-Erfahren wollen. 

*Achneee, schon wieder Werbung. Seit der Diskussion zu Catherines Posting zum Thema Werbung in Ihrem Blog, bin ich etwas befangen. Meine Vorgehensweise: ich empfehle das, was ich gut finde und bekomme sowieso kein Geld dafür, dass ich das tue. Für Handmade Kultur und kleinformat schreibe ich hin und wieder, insofern gibt es eine Verknüpfung zwischen uns, aber ich nehme an, dass der Gewinn des Kataloges nichts damit zu tun hat. Jedenfalls habe ich mich sehr darüber gefreut, ihn in der Post zu finden.

Kommentare:

  1. Das klingt super, da bin ich doch hocherfreut, zu lesen, dass ab März die Ausstellung auch in Berlin zu sehen ist. Da werde ich auf jeden Fall hingehen.
    DAnke für den Tipp!
    LG Ute

    AntwortenLöschen
  2. Ich empfinde es bei dir nicht als Werbung, sondern als Empfehlung, eine rezession über dessen was du auf der Ausstellung erlebt hast. Als Autistin gehe ich ja kaum aus dem Haus, da freue ich mich immer über solche Berichte, es gibt mir dann einen Einblick in eine Welt die ich selber so nicht betreten kann.
    viele liebe Grüße Rubinengel

    AntwortenLöschen

Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.