Donnerstag, 20. Oktober 2011

Meine Antwort auf das Nähfragezeichen Nr. 10 vom 19. Oktober 2011



Wozu braucht man eine Overlock-Maschine
Wofür, für welche - Materialien, Kleidungsstück, Nähte - nutzt ihr eine Overlockmaschine? Wo hat sie sich bewährt? Was geht besonders gut damit? Wo sollte man lieber vorsichtig sein bzw. besser die normale Nähmaschine benutzen? 

Tja, die Ovi! Theoretisch ganz wunderbar finde ich sie für T-Shirts, Nicky-Pullover und Pumphosen für den Kleinen. Theoretisch schneide ich mehrere passende Shirts, Hosen oder Pullover zu und rattere sie dann nacheinander durch. Theoretisch. Praktisch ist es bisher nur bei diesem Plan geblieben, denn die Pullover vom letzten Jahr passen noch "naja" und Hosen sind derzeit genügend da. Und an die schönen Jerseys, die sich hier häufen, traue ich mich oft nicht ran. 

Praktisch habe ich also hier und da mal ein T-Shirt oder eine Mütze genäht. Das ging schnell - wenn die Maschine denn eingefädelt war und nicht wieder unter hinstellen, wegräumen, in Tasche packen und Transport im Auto gelitten hatte, dann muß meist alles neu eingefädelt werden. 

Nach dem Mißerfolg mit den zu schnell geratterten Prinzessnähten bei meinem Kleid, bin ich etwas vorsichtiger geworden. Theoretisch habe ich eine Regel gelernt.

Nutze die Ovi, wenn du sicher bist, dass die Passform stimmt. 

Theoretisch weiß ich also, dass ich die Ovi nehmen kann, wenn ich ein (Jersey-) kleid ein zweites Mal nähe und meine Änderungen auf den Schnitt übertragen habe. Ob ich das aber praktisch mache? Da Kinderkleidung gerader, zweidimensionaler, einfacher ist und nicht so passformgenau sein muß, kann ich die obige Regel auch ziemlich bedenkenlos auf Kinderkleidung anwenden. 

Ansonsten habe ich die Antworten der letzten Tage so verstanden, dass man die Ovi durchaus einfach nur zum Versäubern nutzen kann und dann ganz normal mit der Nähmaschine weiternäht. Das erscheint mir plausibel, für mich aber ziemlich aufwendig, da ich entweder zum Nähtreff fahre und dann beide Maschinen einpacken muß oder aber hier zu Hause immer alles auf- und abbauen muß. Ich fürchte, da wähle ich dann hin und wieder die faule Variante und zickzacke. Wir werden es sehen. 

Was ich nicht verstanden habe:
  1. Wenn ich elastische Teile, die ich zum ersten Mal nähe, vorher mit der normalen Nähmaschine zusammen nähen, um zu sehen, ob es passt, und dann anschließend mit der Ovi noch mal drüber gehe - welchen Stich wähle ich dann bei der normalen Maschine? Muß der dann nicht auch elastisch sein?
  2. Wenn ich einen krisseligen Saum unten an ein Shirt oder Kleid nähen will. Heißt das dann Rollsaum und was muß ich anders einstellen, als beim Rollsaum an meinem Futter, damit es so schöne Wellen macht - oder passiert das automatisch?
  3. Soll ich die Ovi einpacken, wenn ich am Wochenende im Nähkurs den Wintermantel nähe? Eigentlich bräuchte ich sie doch nur für das Futter, aber das Futter beim Jeansmantel habe ich auch nicht versäubert (laut Anweisung der Nählehrerin). 


Irgendwie ist für mich die Ovi immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. So richtig anfreunden kann ich mich noch nicht mit diesem lauten, wie ein Traktor nach Öl riechendem Ding, obwohl ich das Einfädeln weniger schlimm finde, als ich befürchtete. Aber immer und immer wieder liest man, dass Näherinnen nicht mehr auf ihre Ovi verzichen wollen. Irgendwas wird dran sein an dem Ding. Ich hoffe, das erschließt sich mir nach und nach. Eines finde ich aber wirklich super. Wenn es denn funktioniert, sehen die Nähte und die Innenseiten von Kleidungsstücken echt toll aus. Nur manchmal frage ich mich, ob das sein muß - ist doch selbstgemacht. 

Kommentare:

  1. Ob das sein muss? Nö, ich bin ovi-los und glücklich und versäubere meine Sachen auf andere Art ;-)

    Fürs Mantelnähen musst du die Ovi nicht mitnehmen, da wird doch nix versäubert: der Sorbetstoff franst wahrscheinlich eh kaum, und da der Mantel komplett gefüttert wird, lässt man das so. Genauso beim Futter. Die knappen Nahtzugaben, die man aus Kaufkleidung kennt, werden nur aus Stoffspargründen so gemacht, nicht weil das profimäßig so gehört. Beim Selbernähen kann man bei einem Mantel an Teilungsnähten, Seitennähten gerne 2cm Nahtzugabe lassen, die Nähte lassen sich viel besser ausbügeln und die Nahtzugaben wirken stabilisierend.

    Bei Jersey nähe ich die Teile mit Zickzackstich zusammen, das ist auch elastisch - aber hier liegt auch der Grund, warum ich ab und zu doch mit der Anschaffung einer Ovi liebäugele. Es geht zwar, aber ich stelle mir immer vor, dass es mit Ovi doch elastischer und besser würde - und dass ich mir dann in Serie Shirts zusammenrattern könnte. Ich glaube die schnelle Zusammenrattermöglichkeit, auch für Kindersachen, ist wohl der Grund, weswegen die Ovi für viele unverzichtbar ist. Und das Versäubern geht schön schnell,

    viele Grüße!

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  2. Toll, jetzt hab ich ewig was Geschrieben, und es ist einfach weg! Gr!

    Gekürzt, sei nicht böse, wenn es nun nicht ausformuliert ist:

    1. Theoretisch macht das keinen Sinn, aber wenn man das als besseres Heften sieht, schon ;) Aber alles andere als Geradstich ist da übertrieben.
    Ich mache das bei Halsbündchen, weil ich an der Nähma einfach mehr Kontrolle über die erforderliche Dehnung und Überlappeng der Nähte habe.
    Wenn dann der Geradstich beim Dehnen reißt, ist ja Wurscht. Manchmal wird er dann ohnehin abgeschnitten von der Ovi.

    2. Keine Ahnung, benutze ich (bisher) nicht - aber du musst was am Differential und an der Spannung ändern. Steht bestimmt in der Anleitung! Wellensaum, eigentlich ja das, was man mit der Ovi vermeiden will ;) Übrigens hat mir damals die Dame bei der Einführung gesagt, ein Probeläppchen bei dehnbarem Stoff mit der Ovi zu nähen, empfiehlt sich. Das stimmt ;)

    3. Nein, das Futter liegt innen, musst du also nicht versäubern mit der Ovi.

    So als Hinweis, weil Melleni meinte, dass sie die Farben nie ändert bei der Ovi:
    bei mir sind unterschiedliche Farben eingefädelt (meist sowas mit blau, rot und grau), wenn eine dann zum Stoff passt und das andere bunt ist, sieht es immer noch besser aus, als z.B. einfach schwarz. Viele nehmen generell einen Grauton. Ich nehme Schwarz oder Weiß nur wenn wirklich diese Farben im Stoff drin sind, sonst ist der Kontrast zu hart.

    Übrigens glaube ich, dass dein größtes Hindernis der Platz ist. Wenn du sie irgendwo aufgebaut stehen lassen könntest (und sei es unten irgendwo im Regal) würdest du sie bestimmt häufiger nutzen. Bei mir kommt sie jetzt ins Regal und für die Nähme hab ich mir einen Schrank angeschafft.

    Ich finde die Ovi toll, weil die Versäuberungsnähte so viel haltbarer und auch schöner sind. Und man versäubert in mehr als der doppelten Geschwindigkeit, da ich finde dass man relativ viel versäubern muss beim Nähen, lohnt sich das schon. Das Verhältnis ist fast halbe-halbe.
    Für Jersey nehme ich sie auch zum nähen, nähe aber meist nur für die Kinder Kleider aus Jersey. Und sooo passformsensibel nähen muss ich bei Jersey nicht, dass ich vorher alles mit der normalen Maschine nähe, der Stoff ist ja dehnbar.

    So viel kann ich also mit meinem Wissen beitragen, bin mal gespannt, was die anderen noch sagen.
    Liebe Grüße!

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  3. liebe Meike,
    stimmt, auf die Overlock möchte ich nicht mehr verzichten. Sie steht bei mir auf dem Arbeitstisch neben der Nähmaschine. Das ist mein Vorteil, dass ich Platz genug habe und nix wegräumen muss.
    Ich nähe Shirts und Leggings und alles andere dehnbare mit ihr, auch das Knotenkleid bis auf die kniffligsten Stellen. Da nehme ich die Nähmaschine, weil ich differenzierter damit nähen kann.
    Bei den Bündchen am Hals z. B nähe ich auch als erste Naht mit der NÄhmaschine mit dem Gerad- oder ganz wenig Zickzackstich. Wenns kracht machts nichts, ich fahre ja noch mit der Overlock drüber.
    Fäden wechsle ich übrigens immer passend zum Kleidungsstück. Ich schneide sie an der Rolle ab und knüpfe die neuen an, ziehe die Fäden durch die Maschine (Nähfuß dazu anheben wegen der Spannung) und muss nur noch die Nadeln einfädeln. Fertig. So kannst du sie auch gut transportieren. Die abgeschnittenen eingeklemmten Fäden (Nähfuß unten) halten eine Fahrt gut aus.
    Wellensaum mache ich kaum, Rollsäume schon. Ich glaube beim Wellensaum musst du den Stoff etwas dehnen beim Nähen. Vielleicht auch den Differentialtransport verstellen, das müsstest du mal nachlesen, aber auf alle Fälle ein Probeteilchen vorher nähen!
    Ich nehme die Overlock auch zum Versäubern der Säume, ganz toll bei leicht gerundeten wie z. b. Tellerrock. Differential auf 2 stellen, abketteln und der Saum legt sich fast wie von allein etwa 1 cm weit nach innen. Du brauchst nur noch genau messen, stecken und kannst nähen. Nichts mehr mit Fältchen legen oder mit Heftfaden einkräuseln.
    lieben Gruß von Friederike
    schau mal auf meiner Anleitungslinkseite, da findest du links mit Tips zum Overlocknähen (ganz wichtig: wie trennen sich wenn nötig die 4 Fäden wieder vom Stoff?)
    http://dasblauecafe.blogspot.com/p/anleitungslinks.html

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  4. Liebe Meike,

    also was ich wirklich nicht schön finde ist das Du immer alles wieder abbauen mußt. Das ist natürlich nicht nur zeitaufwändig, sondern die Maschine wird dadurch mit Sicherheit auch nicht besser!
    Meine Maschinen stehen alle auf 4 Tischen verteilt und sind jederzeit startbereit. Muß halt bloß gelegentlich die Farben wechseln aber meißt nähe ich ein paar Teile hintereinander wo die Grundfarben identisch sind.
    Allerdings dauert das einfädeln bei mir auch nicht mehr wirklich lange. Bei der Ovi vielleicht 2 Min. für alle 4 Fäden und ich nutze fast nie die Einfädler an den Maschinen sondern fädel immer mit der Pinzette.

    Warum kannst Du nicht auch Paßformgenau mit der Ovi nähen, das versteh ich nicht? Mit hochgeklapptem Messer kannst Du prima alle Kurven meißtern. Das ist einfach nur eine Frage der Übung und stellt sich mit der Zeit von alleine ein.
    Und was ist das Problem am Auftrennen einer Ovinaht? Einmal hinten, einmal vorn mit dem Nahtrenner durch und die Stoffe langsam auseinander ziehen. Schlimm ist dann bloß das Fadengekrümel was man einsammeln muß.
    Also kannste doch beim falsch nähen einfach nochmal einen zweiten Versuch starten! Ich glaube auch das es schwer ist wirklich einen Jersey komplett zu versauen, keine Angst.

    Ich glaube das ist alles nur eine Frage der Übung! ;-)

    LG Shiva

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  5. Für den Wellensaum reicht es auch aus wenn du den Stoff stark dehnst, dadurch entstehen die Wellen.

    Warum sollte man das Futter nicht versäubern? Weil man es nicht sieht? Grade Futterstoffe neigen doch dazu auszufransen, das ist der Grund warum ich den versäuber.Allerdings habe ich auch schon mal eine Französiche Naht genäht, dann braucht man nicht zu versäubern.
    Wenn du mit der Nähma ein Jersey zusammen heftest, wird es doch beim nochmaligen drüber nähen mit der Ovi eh abgeschnitten. Ansonsten kannst du den Dreifach-Gradstich wählen, der ist dehnbar. Ich verwende ihn oft am Saum oder Ausschnitt, wenn ich die Nahtzugaben bändigen möchte.
    viele liebe Grüße Rubinengel

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  6. Zu Jersey kann ich nichts sagen, weil ich damit keine Erfahrung habe, und einen Rollsaum hab ich auch noch nicht gemacht. In der Schule gibts eine extra Maschine dafür (hach, manchmal ist die Schule doch toll^^).

    Zum Mantel kann ich allerdings was sagen, da ich ja (wie schon mal erwähnt ;)) auch einen nähe.
    Bei allen Kleidungsstücken, bei denen das Futter rundherum angenäht ist (wie eben Mäntel und Jacken), muss nichts versäubert werden. Das Futter wird an den Belegen, den Ärmelsäumen und dem Saum angenäht, ist also nirgends offen. Falls das Futter allerdings extrem ausfranst und die Nahtzugaben nur schmal sind, würde ich darüber nachdenken, es trotzdem zu versäubern.

    Overlocknähte (zumindest die dreifädigen, bei vierfädigen hab ichs noch nicht probiert) lassen sich übrigens relativ leicht auftrennen. Wenn man die am Anfang oder Ende überstehenden Fäden auseinanderstreicht, ist einer der Fäden kürzer als die anderen. Wenn man an dem zieht (natürlich so vorsichtig, dass er nicht reißt), lassen sich die anderen Fäden auch völlig ohne Gefussel entfernen.

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  7. Hach, danke für dieses Nähfragezeichen. Ich bin seit kurzem auch Besitzerin einer Overlock und bin noch am austesten udn probieren, was geht und was nicht geht. Und frage mich, was möglich wäre. Dabei hat mir dieses Nähfragezeichen unglaublich geholfen. DANKE! :-)
    LG
    Tiffy

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  8. Liebe Meike,
    du hast mich noch folgendes gefragt: "Ich dachte, man braucht für Jersey eine elastische Naht und genau deshalb näht man ihn mit der Ovi. Wie machst du das mit deinen KLeidern. Nimmst du einen normalen Geradestich und wenns dann passt, nochmal mit der Ovi drüber, so dass es egal ist, wenn der Geradestich reißt?"
    Also, wenn ich die Frage richtig verstehe: Ich nähe mit Geradstich und versäubere dann innerhalb der Nahtzugabe, also vor dem Geradstich, Beide Nähte berühren sich nicht, der Geradstich bleibt intakt.
    Ach ja: an der Ovi kann man in mehreren Stufen einstellen, ob man einen elastischen oder einen nicht-elastischen Stoff hat. Sie ist also nicht per se nur für Jerseys und Co.
    Hab mir heute Mantelstoff gekauft! Denke aber, dass ich mir ein bisschen Zeit lasse, muss ja nicht unbedingt bis zum Treffen feritg werden.

    Melleni

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  9. Hallo Meike,

    gestern habe ich meine Antwort auf meinem Blog geschrieben aber ganz vergessen einen Kommentar bei Dir zu hinterlassen.

    Bei passformsensiblen dehnbaren Sachen nähe ich erst alles mit einem 6er Stich mit ganz lockerer Fadenspannung ganz knapp innerhalb der Nahtzugabe - Anprobe (evtl. Änderungen) - mit der Overlock über den Nähmanaht und diese dabei abschneiden.

    Ich schleppe meine beiden Maschinen auch schon öfters mit mir rum. Man gewöhnt sich daran. Bisher haben es beide Maschinen gut überlebt.

    Lieber Gruß, Muriel

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