Dienstag, 27. September 2011

Stricken - wo und mit wem?

Ich habe das Stricken und Häkeln wieder für mich entdeckt. Es macht mir zwar fürchterliche Verspannungen und Kopfschmerzen, aber man kann es eigentlich, theoretisch überall tun und bekommt kleine oder größere Erfolgserlebnisse. Ich finde es zwar absurd, dass man seinen Stoff erst erstellen muß, um ihn zusammen zu nähen, aber das Ergebnis ist ja auch ganz schön.

Theoretisch kann man es überall machen. Ich habe allerdings keine Ahnung wo, außer vor dem Fernseher und auf dem Spielplatz, wenn man keine Spielplatzverabredung hat und das Kind ausnahmsweise nicht schaukeln will oder im Wegrenn-Modus ist. Alle anderen Situationen sind schwierig. Ok, im Bus geht noch, auch wenn man dabei entweder schief angeschaut oder von Omis kommentiert und mit Strickgeschichten aus 6 Jahrzehnten konfrontiert wird.

Ich habe immer das Gefühl, dass es unhöflich ist, in Gesellschaft anderer Menschen zu handarbeiten. Merkwürdig, ich dachte früher wäre das üblich. Aber da saß man wahrscheinlich mit dem Licht einer Petroleumlampe in der Küche, weil das der einzig warme Ort des Hauses war. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie oft ich von LehrerInnen und Professoren (die gabs nur in männlich) gerügt wurde, weil ich, während ich andächtig dem Sermon lauschte, den sie erzählten, unter der Bank blind strickte. Jaja, so alt bin, so war das tatsächlich auch noch in den 80ern.

Heute bekomme ich nur noch vom Fernsehen Sermon erzählt, bei dem ich stricken darf. Wenn andere Leute mit mir reden wollen, sind sie hochgradig irritiert, wenn ich dabei das Strickzeug auspacke. Jings schreibt immer wieder in ihrem Blog "vom Stricken an anderen Orten", aber dabei geht es wohl immer um zwei Strickwütige, die sich einfach ein anderes Umfeld suchen, um neben dem anregenden Gespräch noch etwas zu produzieren. Ich meine dieses Gefühl, eine fast fertige Strickjacke zu haben und nicht voran zu kommen, weil es 1000 kleine Gelegenheiten am Tag gäbe, an denen ich zwei drei kurze Reihen stricken könnte, es aber nicht tue, weil ich das Gefühl habe, dass es nicht passt.

Kommentare:

  1. Ach was, bei den Sonderpädis ging Stricken in der Uni auch noch in den 90ern :-)
    Ich stricke gern auf langen Autofahrten und im Urlaub - da nimmt die Nähmaschine zu viel Platz weg. Ansonsten auch eher vor dem Fernseher und an langweiligen - uups - Schwiergermuttersonntagen :-) - und sehr gerne mit meiner Schwester, die es erst vor einem Jahr gelernt hat!

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  2. Hallo Meike,

    da sprichst du mir aus der Seele, mit der Strickjacke und den paar Reihen...ich hatte sogar schon einen Blogeintrag zum etwa gleichen Thema im Kopf.

    Ich bin seit Jahren Strickerin, viel mehr als nähen lange Zeit, aber es frustriert mich, wie langsam man vorwärts kommt...aus dem Grund stricke ich immer ein "Großprojekt" und ein Paar Socken, denn die versprechen schnelle Erfolge...

    Als Pendlerin habe ich täglich etwa 30 Minuten morgens und abends in Bus und Bahn, die ich mit stricken verbringe. Die komischen Blicke lernt man zu ignorieren. Und oft ernte ich immerhin auch Lob oder freundliche Neugier. Letztens hat ein russischer Opa mir einen Heiratsantrag gemacht. ("Geht sich nichts über warme Socke. Kannst du mich heiraten morgen!") Allerdings werden so Strickjacken oder Pullis auch irgendwann zu unhandlich für die Büro-Tasche und dann bleiben sie im letzten Viertel zu Haus liegen und die Socken fahren mit. Auf die Weise vegetiert meine Frühlingsjacke immernoch unfertig im Strickkorb.

    Und ich habe eine "Strickfreundin" wie im Blog von Jings, mit der zum Kaffeeklatsch eben Stricken einfach dazu gehört. Ich finde stricken ist eben andererseits viel kommunikativer und alltagstauglicher als nähen. Ein Nähkränzchen ist ein ziemlich großer Aufwand. Das Strickzeug einpacken, wenn man sich bei Starbucks trifft hingegen ziemlich simpel. Meine Freundinnen lästern immer, man merke, dass es auf Weihnachten zugehe, wenn meine Stricknadeln auch beim Abendessen immer dabei seien ;-)

    In diesem Sinne: Einfach mutig sein und im Bus und beim Kaffeeklatsch das stricken nebenher machen. Die Leute gewöhnen sich schnell daran und ignorieren es weitgehend. Du musst dich allerdings dann über kurz oder lang darauf gefasst machen, ständig Kommentare wie "ach solche Socken würden mir auch gefallen" gekonnt zu überhören ;-) Oder einfach antworten: "Ich zeig dir wie's geht." und so eine Strickfreundin rekrutieren!

    Liebe Grüße
    Hannah

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  3. Im Auto stricke ich auch viel - sofern ich nicht am Steuer sitze. Das hat zeitweise dazu geführt, dass meine bessere Hälfte im Hellen und ich fast grundsätzlich im Dunklen gefahren bin :-) Und natürlich beim Tee morgens und wenn der Fernseher mal an ist.

    Dieses merkwürde 'eigentlich ist es unpassend'-Gefühl kenne ich auch. Während im Zug oder so die Leute vielleicht komisch gucken, sich aber doch mit mir unterhalten, sind viele Freunde eher irritiert und haben den Eindruck, man sei nicht ganz bei der Sache..
    Andereseits war und ist es bei (den sehr seltenen, weil viel Weg dazwischen) Treffen mit meiner Freundin nicht ungewöhnlich, dass eine von uns Flickzeug in der Hand hat oder sonst handarbeitet. Und ich finde, das macht (am Besten natürlich mit einer Kanne Tee gepaart) eine ganz besondere Atmosphäre. (Oh, ich werde kitschig)

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  4. Wow, du hast einen wundervollen Blog! :-)
    Ich habe immer das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben für meine Handarbeiten. Aber ich bin dann auch nicht die, die in absolut jeder Minute die Arbeit aufnimmt. Dadurch habe ich dann auch das Gefühl, nicht voranzukommen bzw. nur richtig arbeiten zu können, wenn ich frei habe. Tja, ich muss unbedingt wieder Projektlisten und einen Arbeitsplan schreiben:-)

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  5. Ich stricke immer und überall. Es hat mich amüsiert, wenn mich die Leute im Halenbad ganz komisch anschauten, so nach dem Motto, zu Hause stricken wäre billiger, aber das ist mir schlichtweg egal. Und ich möchte nicht erörtern, wie mich manchmal Nichtstricker in Zügen, Cafes usw. nerven, mit Angewohnheiten, die nicht unbedingt salonfähig sind....
    lg
    petra
    Mich freut auch, das Stricken grundsätzlich wieder sehr "in" ist

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  6. Ja, auch ich habe noch im Unterricht gestrickt. Bei uns hat auch nie ein Lehrer was dagegen gesagt, denn man hat ja wenigstens nicht durch Schwätzen gestört...Auch bei Treffen mit Freundinnen wurde nebenher immer genadelt.
    Bei mir liegt es glaube ich daran, dass ich nicht mehr so "offen" stricke, dass ich zur strickenden Minderheit meines Umfeldes gehöre, aber vielleicht sollte man einfach mal wieder öfter das Strickzeug auspacken, dann bekäme ich auch mehr geschafft.
    Ich persönlich finde es auf jeden Fall viel schlimmer, wenn mir jemand gegenüber sitzt, der während wir uns eigentlich unterhalten, permanent sein Handy checkt, oder Leute, auch Familien, die zusammen essen gehen und alle nur mit ihrem jeweiligen Handy beschäftigt sind *graus*
    Und unsereins macht sich einen Kopf, ob es unpassend ist, zu stricken....

    Viele Grüße
    Gaby

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