Freitag, 23. September 2011

Meine Antwort auf das Nähfragezeichen Nr.6 vom 20. September 2011



TfTs (Teile für die Tonne) und UFOs (Unvollendete Objekte)
Produziert ihr manchmal TfTs oder UFOs? Und wenn ja, woran liegt es? Habt Ihr Strategien entwickelt, um das eine oder andere zu vermeiden? 

Natürlich ist die Frage nicht "einfach so" gestellt, sondern war sozusagen die Fortsetzung meines Posts vom Montag. Dort hatte ich mich schon gefragt, bzw. mit der Feststellung konfrontiert, warum ich manchmal so Schwierigkeiten habe, an etwas weiter zu arbeiten. Letztlich ist diese Herangehensweise typisch für mich. Zum Beispiel "fürchte" ich mich immer vor dem Steuererklärung-machen, weil die Erfahrung zeigt, dass ich, entgegen meiner Vorhaben nach dem letzten Mal, leider nicht ordentlicher geworden bin und es eine fürchterliche Sucherei wird. Nur ist es natürlich nicht nur bescheuert, seine Unterlagen nicht ordentlich abzuheften, es ist noch bescheuerter, sich bei dem, was man eigentlich mit Freude machen sollte, also dem Crafteln, sich in die Hose zu machen, weil man etwas Schlimmes befürchtet.

Vermutlich ist das einfach eine Typsache: es gibt die Draufgänger und Kniffler, die Schwierigkeiten lieben und Leute, die Schwierigkeiten eher scheuen. Dummerweise bin ich eine Mischung aus Beidem: ich bin mutig, habe hochtrabende Pläne und gehe unbekümmert auch zu große Projekte für mich an und gleichzeitig bin ich ein kleiner Schisshase, der am liebsten den Kopf in den Sand steckt, wenn es schwierig wird.


Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Wenns mal so einfach wäre! Aber ich habe die Hoffnung, dass ich durchs Nähen ein besserer Mensch werde. Ich bin total stolz auf die beiden Projekte (der Jeansmantel und das grüne Kleid) , die mich wirklich viel Schweiß, Angst und Mut gekostet haben, um dran zu bleiben. Ich hoffe, dass die Erinnerung an das Projekt, mir auch Mut zum Durchhalten für ganz andere Sachen gibt. Ich sollte mich immer mal daran erinnern, wenn ich sie trage.






Witzigerweise habe ich bisher nur UFOs und keine TfTs. Das ist wahrscheinlich Definitionssache, ab wann ein UFO eigentlich entsorgt gehört. Es gibt eine unfertige Fleecejacke, die mir einfach nicht mehr gefällt, weil sich durch den MMM einfach mein Geschmack geändert hat. Vielleicht sollte ich den rosa Fleece einfach einer Mädchenmutter schenken und mich nicht weiter mit dem Ding belasten. Und dann gibt es noch Sachen, die mir einfach nicht so gut stehen, wie zum Beispiel das bunte T-Shirt mit den Pfauen.


Falscher Stoff und irgendwie auch falscher Schnitt. Mit diesem Schnitt habe ich noch einen flutschigen pinken Viskosejersey zugeschnitten, der definitiv ein UFO ist und, wenn mir nichts besseres einfällt, wohl ein TFT wird.

Oder bei dem nächsten. Definitiv falscher Stoff und vor allen Dingen mag ich ja sowieso keine Jeans-mit-Shirt mehr. Also ist es fast egal.




Das sind Fehlversuche. Man kann sie anziehen und man kann daraus lernen, dass manche Sachen einfach nicht vorteilhaft sind. Wenn sich solche Projekte nicht häufen, finde ich sie aber nicht so schlimm.



Was mich mehr ärgert ist, wenn ich mich bei der Materialauswahl vertan habe. Wenn Stoff nicht die Qualität hat, die er haben müsste, im Vergleich zu der Arbeit, die man reingesteckt hat. Siehe oben. Das schöne Shirt ist schon total verwaschen, obwohl ich es höchstens 4 mal getragen habe. Und der türkise Cord knittert ohne Ende. Da der Rock auch noch "dreht" (ohne Reissverschluß und ohne Unterrock), trage ich ihn nur sehr ungerne, obwohl ich ihn schick finde.

Schlimm ist es, wenn man im Rausch Farben oder Muster gekauft hat - wie bei dem T-Shirt mit den Vögeln oder dem Flower-of-Hearts-Schrägband an dem türkisen Rock - die einfach nicht zu mir passen. Das ist einfach doof und dumm.



Zum Beispiel habe ich ein Problem mit diesem Blümchen-Stoff. Ich will unbedingt ein Ersatzkleid für das gekaufte Lieblingskleid, dass nach mehrjährigem häufigem Tragen an vielen Stellen dünn wird.


(Das ist das gekaufte Lieblingskleid)

Es soll eine Art Hauskleid sein, sehr bequem, einfach drüberziehen und fertig, ohne formende Unterwäsche drunter. Aber schick genug, um damit gut auszusehen, wenn Muddis und Kinder zum Spielen vorbei kommen und auch so, dass der Anblick dem Gatten mehr Freude macht, als eine Jogginghose.

Ich habe ewig nach einem Blümchenjersey gesucht und dann in Dänemark diesen gekauft, damit ich endlich einen Stoff für das dringende Projekt habe. Irgendwie habe ich den Stoff zähneknirschend gekauft, denn so richtig gut finde ich ihn nicht. Wenn ich mir vorstelle mit Onion 2007 daraus ein Kleid zu nähen, dann befürchte ich, dass es ein Nachthemd wird. Wenn ich es irgendwie anders nähe, befürchte ich, dass es trutschig wird. Wenn ich ein Knotenkleid nähe, muß ich war ordentliches drunter tragen.  Mir fällt einfach kein Detail ein, dass eine kleine ironische Brechung hereinbringt, die es dann zu einem richtigen Meike-Kleidungsstück macht. So lange, bis diese Idee Klarheit in meinen Kopf bringt, liegt der Stoff herum. Ich habe ihn jetzt mal auf einen Stuhl drapiert, damit ich ihn vor Augen habe, damit sich eine Idee formen kann - aber das ist natürlich auch keine Lösung! Habt ihr eine Idee?

Das zeigt eine neue Kategorie belastender Projekt, die noch in der Frage fehlen. Die  NRPs = nicht realisierte Projekte.  Das sind die Projekte, die das Stofflager so voll machen. Eigentlich sind es auch UFOs, denn die schlaflosen Nächte der Planung, sowie die meist nicht unbeträchtliche Investition in Stoff und Kurzwaren sind schon Teil des Projektes. Wenn ich ehrlich bin, dann ist nur der kleinste Teil meines Lagers Pünktchen und Vichys "die man immer braucht, auch für Geschenke" und der größte Teil sind die Resultate schlafloser Nächte, eben NRPs. In der Erstellung von NRPs bin ich richtig gut, aber ich vermute, ihr auch, wenn ich an Eure Stofflager so denke...

Hach, ich sollte schleunigst mein Passt-Fast-Kleid fertigstellen, um endlich das Frottekleid und das graue Onion 2007 zu vollenden, damit sie nicht mehr mein Gewissen belasten. Und vielleicht habt ihr ja noch eine Idee für den Blümchenstoff..... Es gibt so viel zu tun!

P.S. Der Post ist sowieso nur so lang geworden, weil ich mich gerade darum drücke, den Kragen für das Passt-Fast-Kleid zu konstruieren...

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Lust, beim Näh-Fragezeichen mit zu machen? Antworten könnt ihr - eine ganze Woche lang - hier in den Kommentaren oder bei Euch im Blog - dann bitte das Bild mitnehmen, auf die Aktion verweisen und bei Mr. Linky bescheid sagen, wo wir Euch und Eure Antworten finden:





Kommentare:

  1. vielleicht solltest du den blümchenjersey einfach mit was einfarbigem kombinieren? rot oder schwarz? ich find die blümchen eigentlich ganz schön - aber ein kleid NUR daraus ist dann vielleicht wirklich "too much". aber wer weiß?

    ich find das immer witzig: "Crafteln.de ist ein Blog über das Glück, Dinge selbst zu machen." und dann ärgerst du dich so oft *g* nein, ich find es so schön wie du immer nochmal alles überdenkst.

    und nrps gibts hier auch soooooooooo viele. unmöglich!

    glg
    halitha

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  2. ..NRPs.. da sieht es nur teilrosig aus bei mir.. in einem Köfferchen lagern noch ein paar Stoff-und-Schnittmuster-Kombis aus grauer Vorzeit. Und ich bringe es nicht übers Herz, die (allesamt netten) Stoffe für andere Projekte zu verwenden.. wie blöd von mir, denn die Kleider- und Rockmuster, die wir damals dazu ausgesucht habe, werde ich eh nie tragen. Hätte ich auch damals nicht. Einkauf der Variante, Mutter meint, Mutter wird zahlen, also hat Mutter das letze Wort ;-)

    Obwohl.. ich glaube, ich traue mich bloß nicht, weil ich irgendwie ein schlechtes Gewissen habe.. Weg damit!

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  3. Jajaa, du hast Recht, ich ärgere mich ganz schön viel. Aber grundsätzlich überwiegt schon das Positive, sonst würde ich ja nicht dranbleiben.

    Da ich das Nähen schon als eine Art Selbsterfahrungskurs sehe - wenn nicht das ganze Leben überhaupt - dann macht es mir Freude, darüber zu reflektieren. Und Anstoß für Reflektion ist meist, dass etwas "juckt", also stört oder ärgert.

    Danke für den Hinweis!

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  4. Ich als auf dem Landelebenede Hausbewohnerin mit Messitendenzen rede mir natürlich ständig mein Stofflager schön. Aber ich denke manche Stoffe brauchen einfach Zeit bis das richtige Projekt kommt. Von Stoffen würde ich mich nicht stressen lassen, die haben Geduld. Ich bin eh nicht der Typ, der es schafft gezielt für einen Schnitt einen Stoff zu kaufen. Ich kaufe meist was mir gefällt und was gerade günstig ist. Ich gebe ungern mehr als 10 Euro pro m aus, schlechte Qualität möchte ich aber auch nicht. Daher kaufe ich oft im Schlussverkauf, was ein Stoffelagern meist schon bei der Bestellung vorsieht. Aber wie gesagt, ich habe kein Platzproblem und einen sehr toleranten Gatten, vielleicht bin ich auch schon pathologisch, aber wie genau wäre eine pathologische Stoffe- und Nähsucht definiert, ich denke ich bin doch noch ein Stückchen davon weg, ganz ganz sicher...;-)
    Danke für deine Gedanken!
    Viele Grüße
    Julia

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  5. nrp. das ist klasse. das ganze haus ist voller nrps... und die tonnenteile sind überschaubar.ufos gibt es einige.eben wie du sagtest nach längerem hängen gibt es dies oder das was nicht mehr ganz stimmig ist.
    da ich auch ein geizhals beim stoffekaufen bin, hab ich oft auch nix passendes für projekte.ich bin da zu wählerisch.das nervt mich manchmal wenn die regale voll sind und nix dabei....

    die landlord jacke z.b. weiß ich.bleibt ein ufo.weil tragen werd ich sie sicher nicht...weil das bin ich nicht. aber auf der suche nach dem craftingglück gibts manchmal eben auch stolperfallen....

    liebe grüße
    stella ,
    die sich von deinen gedanken gerne anregen läßt .!

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  6. Tatsächlich denke ich, das zumindest die Bluse zu retten wäre. Hast du es mit einem breiten dunklen Gürtel probiert? Das wäre ganz schick, das Muster aufgehoben usw.
    Ich hab tatsächlich ein richtig bescheidenes TfT produziert: Ein Shirt ohne Form, kaum Abnäher, kein Reißverschluss. zum Glück nur mit ganz billigen Stöffchen genäht. Um die Zeit war es schade,d afür weiß ich jetzt ganz genau, was ich möchte, wie ich es möchte und wie es aussehen sollte.

    Liebe Grüße,
    Pauline

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  7. Viele spannende Gedanken, puuh! :-) Hab mir gerade nochmal den Onion 2007 Schnitt angeguckt, willst Du die schlichte Variante nähen oder die mit dem schrägen Rockansatz? Falls letzteres, könnte man nicht als Hingucker beispielsweise eine gelbe Paspel dazwischensetzen, die dann einmal so schräg rüberläuft? Oder falls Du die schlichte Variante nähst, könntest Du Ärmel und/oder Saum mit gelben Schrägband einfassen. Auf jeden Fall würde ich den Stoff mit einem knalligen gelb (oder ist es bei den Blümchen eher ein orange?) kombinieren, dass passt zu den Farben und würde das Ganze evtl. etwas aufpeppen...

    Viele Grüße und ich bin gespannt :-)
    Hella

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  8. Eine spannende Frage! Wenn ich Stoff kaufe, habe ich oft eine Idee. Zu Hause trennen sie sich manchmal nach einer gewissen Zeit. Gefällt mir der Stoff immer noch, dann bekommt er eine neue Idee, bin ich schnell genug, wird sie sogar realisiert. Manchmal reichen aber die Stoffmengen dann nicht, was mich ärgert oder es ist gerade nur so viel Stoff übrig, dass man nix mehr draus machen kann, zuviel aber zum Wegwerfen. Meinen wachsenden Stoffberg habe ich kürzlich entrümpelt, viel für Kindernähkurse verschenkt - und prompt fiel mir für einen der verschenkten Stoffe ein Projekt ein! NRPs gibt es bei mir also ziemlich viele, wobei ich für mich den Begriff auf "neu realisierte Projekte" ausweiten würde. Das letzte Ufo lag unsinnige Jahre, dieses Jahr habe ich den blauen Rock tatsächlich fertig genäht. Zur Zeit liegt ein unvollendeter Rock hier rum, bei dem ich Hilfe beim Abstecken brauche wegen der Sprunghaftigkeit seiner Falten. Tonnenteile gibt es bei mir auch, aber sie sind in der Regel so gewollt - Probeteile, schnell und unvollkommen zum Testen zusammengeschustert. Du siehst also, auch bei mir ist es ähnlich.
    lieben Gruß von Friederike

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  9. Dieser Blogeintrag spricht mir sehr aus dem Herzen. Geht es mir doch mit einigen Projekten genau so.
    Ich habe den Onion Schnitt 2007 bis jetzt zwei mal genäht. Allerdings als Shirt einmal kurzarm und einmal langarm Version. Zu sehen auf meinem Blog. Beim nächsten Mal gibt es ihn als Kleid.
    Ich kann mir den Blümchenstoff gut als Kleid vorstellen aber mit andersfarbenem Bündchen. Grün könnte ich mir gut vorstellen.

    L.G. Sybille

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  10. Genau die Reflexion mag ich am Nähfragezeichen.

    Ich habe Nähen immer für relativ selbstverständlich genommen und meist nur unter finanziellen und Nachhaltigkeitsaspekten betrachtet. Und das Nähfragezeichen bringt mich dazu ein, mir über andere Dinge im Dunstkreis Nähen Gedanken zu machen.

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  11. http://talentfreischoen.blogspot.com/2011/09/das-nahfragezeichen-nr-6.html

    Melleni

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  12. Meike, Du hast es mal wieder sehr treffend beschrieben, kann mich in Deinen Worten gut wiederfinden. Es ärgert mich auch immer wieder, dass ich Teile oft so lange liegenlasse, weil´s irgendwo hakt (z.Zt. eine Jersey-Svea (Ausschnitt misslungen, wartet auf Neuansatz), ein langer Cordrock (ist zu weit, müsste enger gemacht werden, aber der Bund-Beleg ist schon dran und abgesteppt) ein zugeschnittener, noch ungenähter Mantel (bin unentschlossen, ob was drauf soll oder nicht und wenn´s erst genäht ist, ist´s zuviel Stoff unter der Nähma, um noch nachträglich was draufzunähen), eine Tunika aus einem umgebastelten Herrenhemd (die Ärmelausschnitte stimmen nicht und mir fällt keine Lösung ein)....
    Ich finde es toll, dass Du Deine Gedanken rund ums Crafteln mit uns teilst und bewundere jedesmal Deine gelungene (und amüsante) Art zu reflektieren.
    Danke dafür!!
    Zum Blümchenkleid:
    Ich denke, eine Art "Rahmen" aus z.B. schwarzem Stoff würde gut tun, z.B. die unteren Teile der Ärmel, der Ausschnittbeleg und vielleicht noch eine Art gefakter Unterrock aus schwarzer Spitze (Gardinenbordüre), die in paar Zentimeter untendrunter rausblitzt.
    Ich bin jedenfalls gespannt auf Deine Lösung!
    (und auf das aktuelle Eigentlich-nur-Probekleid!)
    Liebe Grüße
    Natalie

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