Mittwoch, 17. August 2011

Meine Antwort auf das Nähfragezeichen vom 16.8.




Nähen für mich oder für andere? 

Viele nähen Kleidungsstücke für ihre Kinder, Geschenke, Taschen oder Accessoires. Andere gestalten einen Teil oder einen Großteil ihrer eigenen Garderobe. Warum näht ihr hauptsächlich das Eine oder Andere? Oder macht ihr mal dies und mal das? Hat sich etwas im Laufe der Zeit verändert? Warum? 


Meine Antwort zum Näh-Fragezeichen wird normalerweise Donnerstags kommen. Dienstags möchte ich keine Art Vorgabe machen, wie ich mir die Antwort vorstelle und irgendwann kommt Mittwochs wieder der MMM und der ist heilig (geht es nächste oder übernächste Woche wieder los?). Heute ist mir aber nach Antwort und der MMM macht Ferien, also los.

Als Teenie nähte ich für mich merkwürdige 80er-Jahre Klamotten. Leider gibt es keine erhaltene Teile und so weit ich weiß keine Bilder davon. Als ich im Frühjahr 2010 wieder mit Nähen anfing, hatte ich ein 19 Monate altes Kind und war so sehr Nur-noch-Muddi, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, etwas nicht für das Kind zu nähen. Er fand die liebevoll genähte Latzhose scheußlich und trug sie nie.
Statt mich abschrecken zu lassen, nähte ich in den darauf folgenden Monaten diverse Halstücher, Pumphosen und Nickypullis für den Kleinen und verschönerte fast alle T-Shirts mit Applikationen. Das führte zu einer niedlichen, aber auch anstrengenden Anspruchshaltung, so findet er T-Shirts "ohne was drauf" untragbar und geht an meinen Stoffschrank und sucht Stoffe aus, wenn er der Meinung ist, dass er eine neue Hose braucht...

Nach dem Latzhosenfiasko nähte ich eine Tunika für mich und war entsetzt darüber, dass das gar nicht so einfach ist. Nur Teile ausschneiden und zusammennähen wurde meiner dreidimensionalen Figur nicht gerecht. Das klappte dann etwas besser bei den Sommerröckchen. Obwohl die Ergebnisse alles andere als perfekt sind, leckte ich Blut und habe heute eigentlich nur noch Lust, für mich zu nähen, weil es mir eine Vielfalt an Kleidungsstücken ermöglicht, vor der ich vorher noch nicht mal zu träumen wagte. Die Herausforderung, dass ich dazu noch sehr viel lernen muß, reizt mich erstaunlicherweise, statt mich abzuschrecken.

Ein paar Geschenke habe ich auch genäht und sie kamen eigentlich gut an, aber irgendwie bin ich stets unsicher, ob der Beschenkte den Aufwand überhaupt zu schätzen weiß und nur nett sagt, dass es gefällt. Oft komme ich dann zu dem Schluß, dass ich doch besser Zeit für mich investieren sollte, weil Zeit gerade so kostbar ist. Auf der anderen Seite ist Selbermachen manifestierte Liebe und natürlich will ich auch gerne manifestierte Liebe verschenken. Deshalb finde ich es auch so schwierig, ein selbstgenähtes Objekt für den Gatten zu finden. Es soll ja auch toll und nützlich sein und die Liebe widerspiegeln, die ich empfinde.

Andererseits denke ich schon, dass sich-selbst-gut-behandeln eine Grundvoraussetzung für jegliche Art von Erfolg und gutem Gefühl ist, also ist es auch "erlaubt", sich selbst zu verwöhnen. Vielleicht war ich einfach 3 Jahre etwas zuviel selbstlose Muddi und bin deswegen gerade so ego-zentriert. Aber im Großen und Ganzen nähe ich am liebsten für mich. Es gibt so unendlich viel zu tun!

1 Kommentar:

  1. "Es gibt so unendlich viel zu tun". Wie recht Du doch hast ... ich kann nicht annähert so schnell nähen wie ich Ideen habe :-)

    Lieber Gruß,

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