Freitag, 19. August 2011

Auf der Suche nach Stil


Bildquelle: Amazon

Dieses Buch tauchte in den letzten Wochen immer wieder in meinen Empfehlungen beim großen virtuellen Buchhändler auf - und ich fand es seltsam. Als ich es aber in der Bücherhalle zwischen den Handarbeitsbüchern entdeckte (warum auch immer es dort stand), nahm ich es mit. In der Bücherhalle habe ich stets wenig Zeit, etwas für mich auszusuchen, weil der Dreijährige mit dem Konzept "Aussuchen" noch etwas überfordert ist. Aber außer dem Schleppen der schweren Tasche anschließend, ist es kein Risiko einfach mal was mitzunehmen, auch wenn es irritiert. Und wie bei dem Buch von Frau Wittler war ich positiv überrascht.

Nun gut, es ist ein Ratgeber, da kann man schon mal allergische Reaktionen bekommen. Aber nix gegen Ratgeber, ich gebe ja auch von Berufs wegen ständig angebliche Weisheiten von mir. Schon interessant, dass Frauen Ratgeber lesen und Männer Sachbücher.... Und außerdem ist mir schon klar, dass man alleine durch den Besitz von Diätratgebern nicht abnimmt!

Diese etwas ach-so-witzige amerikanische Art, voll locker zu schreiben, liegt mir nur bedingt. Es ist eine Gratwanderung und ich finde Frau Kindel übertreibt es etwas mit witzig, jovial und Begeisterung. Aber es war nur geliehen, also sah ich darüber hinweg und las einfach weiter. Interessant fand ich, dass ich mich, obwohl ständig von 40-Jährigen Frauen (und älter) die Rede war, tatsächlich angesprochen fühlte. Theoretisch bin ich zwar 43 Jahre alt, aber da die Muddis um mich herum alle in den Dreißigern sind, fühle ich mich natürlich wesentlich jünger. Über-40 jährige Frauen waren für mich immer "erwachsene" Frauen, die sich entweder gehen lassen oder teuer-stilvoll kleiden. Je älter die Frau, desto mehr Schmuck. Ich denke "45" und spontan fallen mir Kamelhaar, Kaschmir, Pumps und klirrende Goldketten ein. Irgendwie nicht mein Stil. Ich hänge ja immer noch tendenziell im Berlin der 90er und damit meinen Post-Studienjahren und dem damit verbundenen Style nach.

Aaaaber. Nicht von der Hand zu weisen sind zwei Dinge. Erstens meine Sehnsucht nach Kleidern und damit die Suche nach Weiblichkeit und etwas mehr Engagement für meine Garderobe. Zweitens die Sehnsucht, mit Kleidungsstücken mehr abzubilden, wer ich eigentlich bin. Und vielleicht bedeutet beides zusammengenommen,  dass ich tatsächlich eine Frau "in den mittleren Jahren" bin, die eben auch aussehen sollte, wie eine Frau in den mittleren Jahren - ohne dabei trutschig zu sein. Schließlich ist es, abgesehen von dem Ausdruck "eine Frau in den mittleren Jahren", ganz wunderbar in der Mitte des Lebens angekommen zu sein, zu genießen, was man sich erarbeitet hat und auf die Irrungen und Wirrungen von früher lächelnd zurück zu blicken, wohlwissend, dass es immer noch viel zu lernen gibt.

Ich merke, wie die Lust von Tag zu Tag größer wird, den Kleiderschrank radikal auszumisten. Und gleichzeitig habe ich Angst davor. Angst, Abschied zu nehmen von dem scheinbaren Gefühl der Sicherheit, genug vorrätig zu haben (dabei ziehe ich nur einen Bruchteil der Kleidungsstücke (gerne) an). Angst davor, mich von Träumen wie "das passt irgendwann schon wieder" zu verabschieden. Mein letzter Umzug liegt 5 Jahre zurück. Es ist eigentlich längst mal wieder an der Zeit!

Vielleicht hemmt mich der Mangel an Geld und Zeit, denn es ist klar, dass die Lücken im Kleiderschrank nur sehr langsam geschlossen werden können. Aber ich merke, wie die Argumente im Buch mir ein Kribbeln bereiten, es anzugehen. Ganz besonders ist mir das Kapitel hängen geblieben, in dem es um anspruchsvolles Einkaufen geht. Man soll nur noch Sachen kaufen, zu denen man JA sagt. Sachen, ohne die man nicht mehr leben kann. Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt so ein Kleidungsstück im Schrank habe. Und ich weiß auch, dass die von mir genähten Kleidungsstückversuche eigentlich auch noch himmelweit davon entfernt sind, ein überzeugtes JA zu sein. Aber das gehört wohl dazu, dass man sich langsam an das Neue herantastet, in dem Bewußtsein, dass Einer das JA zusteht und nichts anders. Das gefällt mir an dem Buch. Von Diäten und Schönheits-OPs wird abgeraten und den Frauen Mut gemacht, sich per Definition einfach toll zu finden, weil man es wert ist. Ganz meine Rede - auch wenn ich das besser anderen erzählen kann, als es tagtäglich selbst zu glauben.

Skeptisch bin ich allerdings bei dem immer wieder im Buch wiederholten Rat, Dinge zu tragen, die meiner Augenfarbe und meiner Haarfarbe entsprechen. Ich mag weder helles Leder (für Schuhe und Accessoires) noch blau. Nun denn, ich kann ja mit den anderen Tipps anfangen... Und ich denke, es lohnt, sich das Buch (gebraucht) zu kaufen. Ich vermute, dass ich da noch öfters drin blättern muß!

Kommentare:

  1. Auf der Suche nach meinem Stil bin ich auch. So langsam kristallisiert sich heraus, was ich mag, was mir steht und was nicht. Meine Kinder sind mittlerweile 5 und 10, so dass Bequemlichkeit der Kinder wegen nicht mehr das Wichtigste an Kleidung ist...man gewöhnt sich halt selbst an den "Jeans-Shirt-Chucks-Look". Ich will die Sachen auch gar nicht verbannen, aber es gibt Sachen, in denen ich besser aussehe und mich schöner fühle.
    Ein spannender Weg, und ich finde es schön, dass wir ihn sozusagen "gemeinsam" gehen.
    Gleich gehe ich übrigens zur Post!

    Viele Grüße
    Gaby

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  2. Es scheint, Du bist da auf einem spannenden Weg. Ich geh den auch schon länger und habe mittlerweile das Gefühl, ihn schon ganz gut zu kennen.
    Meine radikalste Veränderung war die fast 100 %ige "Verbannung" von Hosen aller Art aus dem Kleiderschrank. Das heißt, es gibt noch ein paar Hosen - zwei oder drei Jeans, zwei Leinen-Sommer-Hosen und ein paar Business-Hosen - aber ich trage sie praktisch nie. Und eine große Veränderung betraf die Sicht und Wahrnehmung der Figur und das, was mir steht. Früher gerne mal eher figurfern und "sportlich" (naja), heute - nach 2 Kindern, 4 Jahren Nähen und zugegebenermaßen einigen Kilos weniger - gerne figurnah, farbig und, naja, viel weiblicher.
    Gerade von Leuten, die mich von früher kennen, aus der Heimat in der Provinz, höre ich oft: Wow, was bist Du schick, Du siehst toll aus. Das tut gut!
    Viel Spaß weiter auf Deinem Weg!
    Melleni

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