Samstag, 16. Juli 2011

Schnittmuster vergrößern - ein Versuch



(Das ist die eine Vorderteilseite. In grau das Teil in der größten im Heft angegebenen Größe, darunter mein Pappschnitt, bretthart, weil an allen Stellen geklebt)

Puh, drei Stunden habe ich gestern abend dran gesessen. Am Schluß war ich verdammt stolz. Das Knoten-Kleid hat zwar nur 5 Teile, aber eines davon (das obere Vorderteil, das dann verknotet wird) ist der Hammer. (Siehe Bild oben) Aber ich coole Socke habe das Kleid mal eben um 2 Kleidergrößen und ca. 2 Körbchengrößen vergrößert. Hoffentlich stimmt das was ich ausgetüftelt habe. Aber wenn ich die Schnittteile anhalte, dann scheint es zu passen. Das wird dann das Kleid hoffentlich auch.

Zunächst dachte ich ganz schlicht, ich messe mal die Oberweite und dann verbreitere ich "einfach" alles um 4 cm. Pustekuchen! Nicht nur, dass dann die Schultern zu breit gewesen wären. Es hätte einfach nicht gepasst. Vielleicht hätte der Jersey einige Denkfehler ausgeglichen - aber einen großen Denkfehler auf keinen Fall!

Der entscheidende Hinweis kam von Frau Gaby (10000 Dank dafür!) : FBA (Full Bust Adjustment) also Vergrößerung der Oberweite. Vornerum ist die Frau besonders dreidimensional! Und genau da muß die zusätzliche Weite hin!

Das habe ich natürlich sofort gegoogelt und eine schlaflose Nacht darüber nachgedacht, wie das wohl gehen könnte, bei so nem Wickeldingens. Erst hatte ich, trotz der tollen Anleitung von Sew'n Sushis Sewing Secrets (auf deutsch) keine Idee, wie das bei so einem Shirt gehen könnte, aber dann malte ich das Oberteil einfach so auf, als wäre es kein Wickeldingens. Als nächstes vergrößerte ich Schulterbreite, Länge des Ausschnittes und Größe des Armloches proportional gemäß der Größenschritte auf dem Schnittmuster.  Dann probierte ich  laut Anleitung von sewnsushi, Linien einzuzeichnen, aufzuschneiden und zu verschieben.

Dabei hatte ich dann die entscheidende Erleuchtung! Ich muß nicht nur Weite zufügen, sondern auch Länge! Eine Brust ist dreidimensional! Ich hielt mir das zu kleine Schnittteil an den Oberkörper und sofort war klar, dass da auch verbreitert nie und niemals meine Brust reinpassen würde. Ich hätte die Naht, die Oberteil und Rockteil verbindet, wie bei vielen beknackten Kaufkleidern irgendwo auf der Brust gehabt, statt darunter!

Also nahm ich das alte Still-Shirt, das ich schon halb für mehrere Recyclingprojekte zerschnitten hatte zu Rat, maß dort und maß gefühlte 1000 Mal bei mir von Schulter bis unter die Brust malte das auf meinen "ist gar kein Wickelteil"-Schnitt und wußte dann, um wieviel ich die Saumlinie des Oberteils zu verschieben hätte. Cool! (Das war gar nicht so einfach, weil dieser "Packpapier-Papierwahlfisch" immer so schief lag, dass ich kaum wusste, wo unten und oben ist. Aber zum Glück gibt es die winzige Gerade "vordere Mitte", diese konnte ich parallel verschieben und hatte so die gedachte Hilfslinie an deren rechten Winkel ich wieder zerschneiden und verlängern konnte. Bei sewnsushi heißt die Linie "Linie 3") Als ich den (nun zusätzlichen) Brustabnäher zusammenklebte, so dass mein Packpapierschnitt nun dreidimensional wurde, stand ich begeistert vor dem Spiegel!

Ich fürchte allerdings, dass die Stoffteile (das "Schwänzchen am halben Vorderteil"), die geknotet werden, nun zu breit sind und deswegen zu sehr auftragen. Aber abschneiden kann ich immer noch, wenn ich kapiert habe, wie das Knoten geht.




(Rückenteil: unschwer zu erkennen: alles, was Packpapier ist, ist meine Vergrößerung. Auch die Schultern sind noch ein bißchen verbreitert, das habe ich etwas unauffälliger mit transparentem Klebeband gemacht.)

Dann veränderte ich noch die Veränderungen, die ich bereits am Rückenteil vorgenommen hatte. Ich verbreiterte die Schulter nur nach den Proportionssprüngen des Schnittmusters und legte die zusätzliche Weite parallel zu den Seitennähten. Ich war allerdings unsicher, ob ich tatsächlich soviel Weite zugeben muß, weil ich hinten ja flacher gebaut bin, als vorne. Aber das sehe ich dann, wenn ich anprobiere. Die Weite aus den Seitennähten rauszunehmen ist ja ein Kinderspiel.



Jetzt kann es natürlich sein, dass die Ärmel (die ich natürlich auch in der Weite anpasste), zu weit werden. Nun, dicke Frauen haben auch starke Arme. Ich habe die Armkugel gemäß der Weitenzulage vergrößert und das die Ärmel mit nur 1 cm Weitenzugabe zulaufen lassen. Da bin ich mal gespannt, ob das hinhaut. Die Rockteile hatte ich schon vorgestern verbreitert, aber zu guter Letzt ist mir noch der Beleg eingefallen. Der war natürlich ruckzuck neu gemacht. Dann bin ich- voller Stolz, Vorfreude und Aufregung - ohne Zuschneiden ins Bett, weil das Unbewußte daran weiter arbeiten und mögliche Fehler finden sollte. Es hat aber keine Fehler gefunden, das fleissige Unbewußte, also schneide ich jetzt zu. Puh, ist das aufregend!



(hier habe ich mit breitem transparentem Klebeband verbreitert)

Hinterher dachte ich. "Mensch, hättest erst mal mit so etwas Einfachem, wie Onion 2007 anfangen können, das Vergrößern zu üben....". Aber es kam eben anders. Wo die Liebe eben hinfällt und sie fiel eben zum Knotenkleid.

Wenn das wirklich so klappt, wenn das nun ein Schnitt wäre, der mir wirklich passt, dann wäre ich nicht nur glücklich ein wunderbares Kleid zu haben, sondern verdammt stolz auf mich. Und ich hätte verdammt viel gelernt. Passt es nicht, dann muß ich wohl noch verdammt viel weiterlernen. Aber Spaß hat es schon gemacht.

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