Sonntag, 1. Mai 2011

Vertrauen

Kennt ihr das auch? Oder bin nur ich ein bißchen merkwürdig. Mein Jeansmantel und ich haben ein Vertrauensproblem.

Ich war über Ostern froh, dass ich ihn nicht tragen mußte, weil es eben kein Mantelwetter war. Das hat sich nun geändert und ich musste ihn zwangsläufig erwählen. Hätte ich es nicht getan, wäre er irgendwie im Schrank auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Und was passiert. Ich fühle mich unwohl. Ich zuppele an dem Mantel herum und mache ihn auf und zu und auf und zu und weiß nicht so recht, wie ich mich hinstellen soll, dass er nicht doof aussieht. Ich hänge ihn verschämt auf, damit niemand das zu kurze und schiefe Futter sieht und bin froh, wenn ich ihn aus habe. Doof!

Bei anderen genähten Kleidungsstücken ist das genauso. Ich überprüfe ständig den Sitz des Ausschnittes der Tunika, damit auch nix aus Versehen rausspringt, ich zuppele an dem Saum des Pullovers, den ich liebe. Ich rutsche an den Langeneß herum, dass Vorne auch vorn sitzt. .....

Obwohl ich weiß, dass ich beim Nähen immer versucht habe, mein Bestes zu geben, traue ich meinen Werken nicht. Ich traue ihnen weniger, als gekauften Kleidungstücken, die mir auch meist nur halb gefallen und bei denen ich bei der Passform Kompromisse machen mußte.

Vielleicht weiß ich bei den selbstgenähten Liebchen genauer, wo die Haken sind? Was stört unsere Beziehung? Liegt es daran, dass ich noch Anfängerin bin und im Nachhinein weiß, was man an diesem oder jenem Liebchen anders oder besser hätte machen können? Geht euch das auch so?

Kommentare:

  1. Ja, ich erkenne mich in Deinen Beschreibungen ein wenig wieder... und das nicht nur auf Bekleidung bezogen, sondern allgemine, wenn es um selbstgemachte Dinge geht. Man ist so verdammt selbstkritisch! Und ich weise auch immer noch auf eventuelle Unzulänglichkeiten hin - so nach dem Motto, wenn ich es zuerst sage, ist es vielleicht nicht so schlimm... Bemackt, oder?!
    Gruss,
    Martina

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  2. Oh, dankeschön, Frau Hiltrud (ich liebe diesen Namen!). Ich dachte schon, ich wäre alleine so merkwürdig.

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  3. Niemand würde merken, dass Deine Sachen selber gemacht sind. Du selber stellst sehr hohe Ansprüche an Dich und möchtest perfekt sein. Das ist aber völlig okay :-)
    Ich kenn das nur zu gut. Andere finden es super und ich muss immer noch etwas finden :-)
    Aber nur so werden wir noch besser als wir schon sind oder ???
    LG
    Sylvia

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  4. Ich glaube, es ist wirklich eine Frage der Erfahrung und der Übung. Wenn ich meine Kleidung mit der von vor drei oder vier Jahren vergleiche gibt es schon deutliche Unterschiede und natürlich näht man meistens erst nach einer gewissen Zeit total sauber. Das andere sind die Schnitte, wenn man die Qual der Wahl hat - anders als bei Kaufkleidung - kann man auch mal ein bisschen danebengreifen vor Begeisterung (ist mir bei dir aber noch nicht aufgefallen, ich glaube, der Mantel hat irgendwie einfach nicht die richtige Größe oder Länge oder Farbe)
    Also, erstens ist es auch ein bisschen eigenes Sehumgewöhnen weil die Selbstgemachten Sachen ja wirklich anders aussehen und sich oft auch anders anfühlen und dann ist es Übung und der geübte Blick auf sich selbst und dann die zugegebe verzwickte Übertragung der Selbstbetrachtung auf Schnittzeichnungen und zurück.
    Aber es lohnt sich!!!!!!
    LG!

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  5. Am Sonntag hatten wir Quilttreffen und einige Frauen hatten wunderschöne Quilts zum Zeigen mitgebracht - und was ist passiert? Alle haben ihre Decke ausgebreitet und als allererstes auf die Stellen gezeigt, die ihnen ihrer Meinung nach nicht so gelungen sind, wo die Ecken nicht ganz sauber aufeinander treffen usw. Das war so irre, dass es uns selbst aufgefallen ist. Aber ich glaube - wenn man nicht überhaupt völlig ehrgeizlos ist, dann ist das so. Man will sich ja jedesmal verbessern, oder etwas ausprobieren, was man noch nicth genäht hat. Es ist halt manchmal schwierig, ein gesundes Maß zu finden - ich muss mich da selbst zur Ordnung rufen, weil ich z. B. irgendwo ein Knopfloch sehe und denke "wenn das mein Knopfloch wäre, wär ich damit ja nicht zufrieden!"
    Also das Können wächst, aber die Ansprüche wachsen mit und sind (jedenfalls bei mir) immer ein bißchen höher als das, was ich umsetzen kann. Aber das ist ja auch das Tolle am Hobby: Es ist kein Ende in Sicht. es gibt immer noch etwas, das ich noch nicht ausprobiert hab. Und ich brauche bei manchen genähten Sachen auch erst eine Anlaufzeit, bis ich sie richtig mag.

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  6. Achja, der Hang zur Perfektion! Der gute alte Druck, den Frauen meisterhaft beherrschen!

    Ich bin erstaunt darüber, was das Nähen mit mir macht. Eigentlich bin ich sonst eher schlampig und habe kaum Willen, mir das Leben mit allzuhohen Perfektionsansprüchen schwer zu machen. Als ich vor einem Jahr, das erste Mal nach langer Pause wieder nähte, war ich ganz verblüfft, dass es mir sogar Spaß machte, sorgfältig zu arbeiten! Und jetzt bin ich verblüfft,, dass der Auftrenner so viel in Action ist und dass ich nach Perfektion strebe.

    Wenn ich die MMM-Sachen sehe, dann möchte ich schon noch ganz viel lernen. Hoffentlich mit genau der Menge an Druck, die Lernen ermöglicht, ohne nach Hinten loszugehen.

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