Sonntag, 28. November 2010

craft:raum



Gestern abend war ich bei der ersten Craftnight im craft:raum. Das war wirklich sehr sehr nett! Schon erstmal gewöhnungsbedürftig. Da saßen viele viele fremde Menschen und bastelten fröhlich vor sich hin. Es gab Kartoffeldruck, Stricken, Broschen basteln, Karten mit Bändern bekleben (masking tape) und wohl noch mehr, was ich nicht endeckte. Was wohl gestern abend fast jeder ausprobierte, waren die Bascetta-Sterne. Puh, was habe ich beim ersten, der mit den Karten aus dem DDR-Atlas, geschwitzt und geflucht. Aber dann war ich doch stolz und entgegen anders lautender Verkündigungen, habe ich mir doch noch 30 Hello-Handmade-Flyer mitgenommen und heute morgen noch einen Stern gebastelt. Man, bin ich stolz!

Frau hello handmade und Frau Ahoimeise und den anderen mir unbekannten OrganisatorInnen, sei auch an dieser Stelle für die ganz wunderbare Veranstaltung gedankt!

Für mich war es ganz spannend, gestern das "Partyvolk" bastelnd, mit Bier und DJ zu erleben. Das ist noch mal was ganz anderes als DIY-Mütter. (Und mir ist schon klar, dass diese Aufteilung völlig willkürlich und vorurteilsbelastet ist. Aber um was herauszufinden, helfen mir manchmal Polarisierungen.) Ich denke da weiter drüber nach, was das Gemeinsame und die Unterschiede sind. Ich fands auf jeden Fall toll, denn oft habe ich Sehnsucht, aus meiner Mama-Rolle rauszuschlüpfen und mal wieder Partyvolk zu sein. Mein Mann fand die Idee völlig absurd und basteln "retro". Aber das isses ja gerade nicht. Aber warum?

Wer Quellen hat, wo irgendwas über den "Trend-DIY" steht, immer her damit! Ich würde mich wirklich freuen. Irgendjemand erzählte mir auch mal was über DIY-Feministinnen in New York, aber ich kann mich weder erinnern, wer das war und wo ich was darüber finden könnte. Weiß da eine weiter?

Wusste ich es doch, kaum habe ich es geschrieben, da finde ich was spannendes: eine super Linkliste, zum weiterlesen im Women Getting Crafty Weblog. Meine Erinnerung trübte also nicht. Sehr sehr spannend alles. Das ist der Beginn einer kurze Einführung zum Thema der Lehrveranstaltung, für die dieses Blog eingerichtet wurde.

"Seit einigen Jahren ist eine Bewegung zu beobachten, die jene Form der künstlerischen Tätigkeit aufwertet, die bis dato als nicht diskursfähig stigmatisiert war: Die Handarbeit, oder, englisch, Crafting. Junge Frauen, vornehmlich aus den USA, die sich dem feministischen und subkulturellen, aktivistischen bis akademischen Milieu zurechnen, entdecken diese Form der Eigenproduktion von Artefakten zwischen künstlerischer Ambitioniertheit und dezidiertem Alltagscharakter für sich als Strategie des Protestes und des Community-Building.... In Übereinstimmung mit dem Gedankengut des Third-Wave-Feminismus, der sich für eine Dekonstruktion dieser geschlechterspezifischen Herabminderungen stark macht, reklamieren diese Frauen die „Coolness“ jener neuen, weiblich geprägten Do-It-Yourself-Kultur für sich. Darüberhinaus begreifen sie den Akt des Crafting als Akt des Protestes ... Offenbart sich hier gar eine retro-utopische Sehnsucht nach Häuslichkeit, Individualität und Authentizität in einer technologisch perfektionierten Welt?..."


Da ist dieses Kribbeln wieder! Das interessiert mich. Wusste ich es doch, dass das alles irgendwie kein Zufall ist.

Kommentare:

  1. Die Sterne finde ich toll. Ich würde beim Basteln der Dinger wahrscheinlich hysterisch werden, sieht sauschwer aus. Liebe Grüße, Nadine

    AntwortenLöschen
  2. Erst wollte ich nur sagen: Hej, Du hast ja doch noch einen zweiten Stern gemacht!
    Außerdem wollte ich dann sagen: vielen Dank und ich sage jetzt mal "wir" (für craft:raum) freuen uns, dass es Dir gefallen hat.
    Und ganz zum Schluss wollte ich sagen, dass ich es immer wieder schön zu lesen finde, wenn sich jemand mit dem beschäftigt, was hinter der ganzen DIY Bewegung steht. Das Warum. In meinem Kopf ist es immer so ein schwammiges Gewaber, aber ich befasse mich zu wenig damit, um es auf den Punkt zu bringen. Ich habe kürzlich über eine Crafting Bewegung gelesen "radical crafting", eine Mischung aus Street Art, öffentlichem Protest und Crafting. http://radicalcrossstitch.com/2007/10/21/cross-stitching-fences/
    Mach weiter so und erforsche unsere Abitionen! Wiebke

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Nadine, ja hysterisch wurde ich auch. Aber du wirst es nicht glauben, im craftraum waren auch "Schnittchen". Das eine Schnittchen machte mir schöne Augen und Mut - da habe ich weiter gemacht und fühlte mich wie 22. :-)

    Liebe Ahoimeise. Danke für den Link! Über das Schwammige reden wir mal beim Kaffee! Würde mich freuen!

    AntwortenLöschen

Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.