Donnerstag, 18. Mai 2017

Das erste Sommerkleid 2017




Schon seit letztem Sommer, wollte ich unbedingt ein Knitterkleid aus Waxprint haben. Diese großen, bunten Muster, wie sie die afrikanischen Frauen tragen, wurden letztes Jahr in der Nähbloggerinnenszene modern - allerdings fand ich es nicht ganz einfach, an solchen Stoff ranzukommen. Über das Internet zu bestellen, traute ich mich nicht, weil die Muster so wahnsinnig groß sind. Das ist wirklich schwer, sich das am Bildschirm vorzustellen wie ein ganzes Kleid daraus wirken könnte! Als ich meinen Besuch bei der h+h in Köln plante, stand von vornherein fest, dass ich mir Zeit nehmen würde, den Waxprintladen zu besuchen, über den Karin vom Blog dreikah bereits bloggte. Dort kaufte ich zwei Stoffcoupons und startete erst einmal mit dem Coupon in den für mich ungewohnten Farben, der mir weniger gut gefiel und hob mir den Coupon mit den Lieblingsfarben noch auf.


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An Karfreitag nähte ich dieses Kleid und war bei der ersten Anprobe von der Passform begeistert. Ich habe den Waxprint im schrägen Fadenlauf zugeschnitten, das macht ihn elastischer und sorgt für einen schönen Fall. Da Waxprints am Stück von über 5 m verkauft werden, aber nicht so breit liegen, kam das gut hin und ich habe sogar noch ein Stück übrig. So einen Waxprint-Coupon habe ich für 18 € gekauft - für so ein besonderes und schönes Sommerkleid ist das ein Schnäppchen. Es gibt auch noch teurere Waxprints, die dann als "Markenprodukte" betitelt werden und mehr als das Dreifache kosten, aber an denen bin ich erst einmal vorbei gelaufen.

Schnitt: Knitterkleid aus der Kollektion stokx für crafteln (eine Größe kleiner genäht, als ein geknittertes Knitterkleid)
Stoff: Waxprint von hier
Änderungen: Für den Sommer und bei festerem Stoff, nähe ich das Knitterkleid gerne ohne Kragen. Wie ich einen Beleg dafür konstruiere, habe ich mal hier gezeigt. Noch schneller würde es gehen, wenn frau den Halsausschnitt und die Säume einfach mit Schrägband einfassen würde. Außerdem passe ich das Kleid immer an der vorderen Mitte, der hinteren Mitte und an den Seitennähten etwas auf Figur an.





Witzigerweise fand ich durch Zufall auf dem Markt in Hamburg einige Tage nach Köln noch einen tollen Coupon, so dass ich ganz sicher noch mindestens zwei Knitterkleider aus Waxprint für diesen Sommer nähen werde. Ich finde, dieser Schnitt und diese Muster sind einfach das perfekte Paar für wunderbare Sommerlaune. Das ist der Grund, wieso ich auch heute das Kleid zum ersten Mal ausführen werde, nachdem ich gestern Nachmittag die Fotos für rums machte. Das ist ein richtiges Sommerkleid und ich musste erst einmal richtig schwitzen, bis es sich richtig anfühlt. Jetzt ist der perfekte Tag dafür da - ich freue mich auf einen tollen Sommer und noch mehr Waxprint-Knitterkleider!






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Freitag, 12. Mai 2017

Messen und Schnitt anpassen: Wo ist der Brustpunkt?




Frau lernt nie aus. Das ist einer der Gründe, wieso ich so gerne unterrichte, denn Teilnehmerinnen stellen so spannende Fragen. Genau wie in den Blogkommentaren, kommen Frauen in meinen Kursen auf Fragen, für die ich einen blinden Fleck hatte. Fragen sind dafür da, nach Antworten zu suchen, natürlich verblogge ich das und zack, sind wir alle wieder etwas schlauer!

Als am Samstag in meinem Workshop "Oberteile anpassen" eine Teilnehmerin fragte, wie sie denn nun genau die Lage des Brustpunktes in einem Schnittmuster bestimmen könne, verstand ich die Frage erst gar nicht: das Problem hatte ich vorher noch nie! Aber warum war das nie ein Problem für mich? Warum wusste ich immer, wo ich den Brustpunkt einzeichne, um eine FBA (eine kombinierte Weiten- und Längenänderungen im Brustbereich eines Oberteiles) zu machen?


Einfachste Lösung: Schnittmuster korrekt anhalten und echten BP markieren


Nachdem ich nun mehrere Tage über diese Frage nachgedacht, Bücher wälzte und mit klugen Frauen sprach, fand ich eine einfache Antwort: Im Workshop haben wir am Modell gearbeitet - "in echt" halte ich mir das Schnittmuster an, stecke es an der Schulter an meinem Shirt fest und richte die vordere Mitte so aus, dass sie wirklich in der Mitte und lotrecht ist. Dann nehme ich eine Stift und markiere den Brustpunkt, also die stärkste Stelle der Brust. Sonst zeige ich das auch immer - wieso ich das am Samstag nicht machte, weiß ich auch nicht - wahrscheinlich, damit ich gezwungen werde, mal genauer über die Sache nachzudenken!


Die Lage des Brustpunktes bestimmen


Wenn ich ein Oberteilschnittmuster ohne Abnäher habe und eine FBA machen möchte, dann brauche ich eine Senkrechte und eine Waagrechte, um die genau Lage des Brustpunkts (BP) zu bestimmen. Das Maß von der Schulter bis zur Brust heißt Brusttiefe.

Die Brusttiefe wird vom seitlichen Halsansatz/höchster Schulterpunkt/siebter Halswirbel bis zur breitesten Stelle der Brust gemessen. Ich finde das klingt komplizierter als nötig, diese Bezeichnungen für den oberen Punkt. Frau stokx sagte, das ist da wo Hals und Schulter sich treffen und wer Schwierigkeiten hat, die Stelle zu finden, knickt den Kopf Richtung Schulter - das dehnt nicht nur den verspannten Hals, sondern zeigt am Knick, welche Stelle gemeint ist.






Um den Brustpunkt noch genauer zu lokalisieren, messe ich außerdem den Brustabstand zwischen den stärksten Stellen der linken und der rechten Brust. Wenn ich diesen Brustabstand halbiere, dann kann ich damit auf dem Schnittmuster von der vorderen Mitte aus den Brustpunkt bestimmen.

Auf dem Schnittmuster messe ich von der vorderen Mitte aus den halben Brustabstand - egal auf welcher Höhe. Durch diesen markierten Punkt zeichne ich eine senkrechte Parallele zur vorderen Mitte. Von der Schulter aus kann ich nun die Brusttiefe abmessen und voilà, hier ist der Brustpunkt.


Pragmatische Lösung bei Schnittmustern mit Abnähern


Wer mich kennt, weiß, dass ich auch stets auf der Suche nach pragmatischen Lösungen bin. Ich nähe gar keine Schnittmuster mehr, die keinen Abnäher haben, denn kann einfach nicht glauben, dass eine Konstruktion für mich funktionieren kann, die keine Extraweite im Brustbereich vorsieht*. Hat ein Schnittmuster einen Abnäher, dann messe ich von der Schulter bis zur Abnäherspitze und sehe dann eigentlich immer, dass ich den Brustpunkt die üblichen Zentimeter nach unten verlegen muß, da die Schwerkraft bei mir bereits ihr Werk tat.


Der Brustpunkt liegt ca. 1-2 cm von der Abnäherspitze Richtung vordere Mitte, damit der Abnäher nicht auf der Brust endet. Hat das Schnittmuster einen Abnäher, dann weiß ich, wo im Schnitt ungefähr die breitestes Stelle für die Brust vorgesehen ist. Diese Regel gilt auch für alle anderen Abnäher, egal, ob sie von der Schulter kommen oder Taillenabnäher sind. 


Sobald ich eine Schnittmusterfirma und deren Schnitte kenne, messe ich gar nicht mehr nach, sondern zeichne den tiefergelegten Brustpunkt gleich nach Gefühl** ein. Das ist eine Vorgehensweise, die wahrscheinlich viele Hobbyschneiderinnen machen und sich in Formulierungen wie "die üblichen Änderungen" erwähnt wird: frau kennt ihr "Abweichungen von der Norm" und ändert im Vorfeld, ohne größer darüber nachzudenken und es dann auch in ihrem Blogbeitrag zu erklären.

*Ausnahmen sind natürlich Kräusel oder Falten, denn die funktionieren ja genauso wie Abnäher, sind nur nicht so offensichtlich.

** "Das Gefühl" ist eine Hypothesensammlung die sich aus den Materialeigenschaften und den Trageanlässen des zukünftigen Kleidungsstückes und der daraus resultierenden Unterwäsche ableitet.


Wie genau muss es denn sein?


Ich bin der festen Überzeugung, dass alles, was du am Schnittmuster im Vorfeld bewusst änderst, dein genähtes Kleidungsstück viel besser macht, als blindes Drauflosnähen. Deswegen denke ich auch, dass es auf Millimeter und sogar auf einen Zentimeter nicht ankommt. Wenn du das Schnittmuster vorher analysierst und mit deinen Körpermaßen vergleichst, dann stellst du schnell fest, wo die großen Patzer liegen. Ein fehlender Brustabnäher oder ein viel zu hoher Brustabnäher gehören dazu. Das entdeckst du auf jeden Fall, wenn du im Vorfeld schaust.

Ansonsten habe ich immer nur das ewige Mantra für dich: jeder Stoff verhält sich anders. Du kannst noch so millimetergenau messen, konstruieren und auch nähen, exakt reproduzierbare Ergebnisse sind sehr selten, weil Stoffe eben unterschiedliche Materialeigenschaften haben.

Mit den Schnittmusteranpassungen vermeidest du grobe Fehler und gibst die Richtung vor, ohne eine nachträgliche Überprüfung und eventuelle Anpassung am fertigen Kleidungsstück geht es nicht - das ist der Grund, wieso es in Maßschneiderein auch zwei Anproben gibt. Lähme dich nicht mit Perfektionsansprüchen, sondern versuche mehr und mehr Schnittmuster zu verstehen und deine Maße zu berücksichtigen - alles was du auf diese Art und Weise nähst, wird besser sein, als das, was du vorher gekauft oder produziert hast und mit steigender Erfahrung wird es noch besser und besser. Das ist doch toll!

Donnerstag, 11. Mai 2017

Die frohe Botschaft in die Welt raustragen: Kleidung nähen macht glücklich!



Auf Instagram, twitter und Facebook hatte ich es gestern schon geteilt: ich bin mit einem kleinen Beitrag in der aktuellen Brigitte Woman, als Sidekick des Artikels "Fettes Glück" der tollen Journelle.

Ich freue mich natürlich sehr, dass ich in so einem renommierten Medium ein Plädoyer für selbstgemachte Kleidung beisteuern durfte und wie ich auf Instagram schon schrieb: ich habe das gestyled werden und das Fotoshooting sehr genossen. (Auch wenn ich sicher bin, dass es bestimmt auch vorteilhaftere Bilder von mir gab, als ausgerechnet von der Seite, aber vielleicht hätte ich dann zu gut ausgesehen? harrrharrr)


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Aber es ist, wie es ist, ich mag das Bild trotzdem und es ist immerhin ein kleiner Text in einer großen Zeitung.

Was ich euch aber noch nicht erzählt hatte, war, dass es einen wirklich großen Text über mich, in einem weniger bekannten Magazin gab. Wer wirklich wissen will, was mich antreibt, wieso ich das Nähen der eigenen Bekleidung als Selbstermächtigung empfinde, warum passende Kleidung schön und stark macht, liest den ausführlichen Text im Forum Magazin unter dem Titel "Die Selbermacherin".




Einen weiteren hübschen weiteren Artikel über mich und meine Mission gab es auch noch in der Rubrik "Auf einen Kaffee mit..." in "bei uns", dem Magazin der dhu-Baugenossenschaft in der Ausgabe 01/2017.





Ich freue mich immer sehr, wenn ich über meine Kanäle hinaus die Möglichkeit bekomme, von den Vorteilen des Selbermachens zu schwärmen - sei es ein Vortrag oder ein Interview. "Früher oder später bekommen wir sie alle zum Nähen ihrer eigenen Kleidung", sagen Frau Nahzugabe und ich manchmal. Wir arbeiten dran!

Dienstag, 2. Mai 2017

Kurzmeldung: Instagram und #MeMadeMai2017

Mein Instagram-Account ist umgezogen. Ihr findet mich ab sofort hier:

https://www.instagram.com/crafteln/

Kurzfristig habe ich mich dazu entschlossen, beim #MeMadeMay2017 teilzunehmen. Das ist eine tolle, internationale Aktion, bei der Frauen einen Monat lang ihre selbstgemachte Kleidung fotografieren und zeigen. Jede nach ihrem Gusto und so oft sie will. Ich bin gespannt, wie sich das bei mir im Laufe des Mai entwickelt. Auch in den vergangenen Jahren habe ich immer mal wieder beim MeMadeMai mitgemacht.

Lillestoff-Festival: Das Programm ist nun online



Gestern zeige ich auf Instagram, Facebook und twitter schon eine kleine "Sneak-Preview", was ich für das Lillestoff-Festival 2017 vorbereitet habe. Da das Programm nun seit gestern abend online ist und ihr euch ab morgen im Laufe des Tages anmelden könnt, nun noch ein paar ausführlichere Informationen. In meinen Workshops wird es sich immer um das Thema "Oberteile anpassen" drehen. In den letzten zwei Jahren ist das Thema "Wie mache ich ein Schnittmuster zu einem Maßschnittmuster" zu einem Herzensthema von mir geworden. Deswegen freue ich mich, dazu verschiedene Kurse anbieten zu können, bei der jede sich den genau Passenden aussuchen kann. 

Der ausführliche Workshop "Oberteile anpassen" wendet sich an Frauen mit einer großen Kleidergröße. Hier kümmern wir uns nicht nur um "Platz für die Brust", sondern auch um den Bauch, Bewegungsfreiheit, den Rücken und auch um die Ärmel. Wir üben alle Änderungen am DIN A4-Modell, weil das schön übersichtlich ist.

Der kurze Workshop "Nichts klafft mehr" ist für alle diejenigen, die eine Körbchengröße mehr als B oder C haben. Hier geht es darum Platz im Kleidungsstück zu schaffen, wo wirklich Platz gebraucht wird - und zwar an der Brust - denn wenn eine zu große Kleidergröße gewählt wird, sind schnell der Rücken und die Schultern zu groß. In diesem Workshop zeige ich, wie eine FBA geht, um Platz für die Brust zu schaffen. Wir üben das am DIN A4-Modell, weil das schön übersichtlich ist.

Der dritte Workshop "Lieblingsshirt next Level" ist neu im Programm. Hier geht es darum, zu analysieren, was ein Lieblingsshirt zu einem Liebling macht. Dazu gibt es verschiedene Antworten, jedenfalls zeige ich in diesem Workshop, wie ihr anschließend ganz viele Lieblinge nähen könnt, indem ihr das alte Shirt kopiert, Anpassungen in das Schnittmuster einbaut, damit es besser passt und Design-Details anbringt, die ihr besonders mögt. Zu diesem Workshop ist es wichtig, dass ihr ein Lieblingsshirt (egal, ob gekauft oder genäht) und auch Bilder von Shirts, die ihr gerne mal tragen würdet, mitbringt.

Die genauen Workshopbeschreibungen mit Inhalt, Uhrzeit und Preisen findet ihr im Online-Flyer des Festivals. Die Anmeldung für die Workshops läuft ab morgen im Laufe des Tages über den Onlineshop von Lillestoff. Genauere Informationen dazu auch im Flyer! Wenn ihr nicht nur Workshops besuchen, sondern dort auch mit vielen anderen nähbegeisterten Frauen zusammen nähen möchtet, dann könnt ihr euch auch einen kostenfreien Nähtisch zu den Eintrittskarten dazu buchen. Die Begeisterung für das Festival ist groß - es lohnt sich, schnell zu sein mit dem Kartenkauf.

Mit *klick* aufs Bild zum Festival-Programm (Online-Flyer):





Samstag, 29. April 2017

2012 für gut befunden - heute aussortiert, weil ich es besser kann



Das Schöne am Bloggen ist: ich kann jederzeit nachschauen, was ich früher so gemacht habe und mich daran erfreuen, was ich alles gelernt habe. Letztens fiel mir beim Aufräumen eine Bluse in die Hände, die ich jahrelang ungetragen in meinem Kleiderschrank habe. Ich vermute, ich habe sie Anfang des Jahrtausends gekauft, aber gut gesessen hat sie nie. 

Ein Upcycling-Versuch, der irgendwie doch nicht glücklich machte


2012 habe ich es mit Upcycling probiert. Die Bluse war überall zu eng und eigentlich war es schon ganz schlau von mir gedacht, einen Mustermix-Stoff einzusetzen, wenn es schon unmöglich ist, den exakt gleichen Stoff zu bekommen. Nach meiner Erfahrung ist ein ähnlicher Stoff immer die schlechtere Wahl, weil das schnell "gewollt und nicht gekonnt aussieht". 2012 war ich mit meinem Ergebnis recht zufrieden und zeigte die geupcycelte Bluse beim MMM.




Aus heutiger Sicht habe ich sie in die Altkleidersammlung gegeben. Immerhin, dachte ich, als ich sie in die Hand nahm, um zu entscheiden, ob sie gehen muss oder bleiben darf, immerhin habe ich vorne mehr Stoff eingesetzt, als an den Seiten. Das tat ich damals aber nicht aus dem Bewusstsein, dass vorne noch mehr Platz gebraucht wird, als hinten, sondern deshalb, weil die Erweiterung an den Seiten immer noch nicht ausreichte und die Bluse vorne noch unschön klaffte.

Heute weiß ich, dass es nicht ausreicht, einfach an den Seitennähten Mehrweite einzufügen. Das mag eine Möglichkeit sein, wenn es um 2 cm Mehrweite geht. Doch sobald wir von mehr Mehrweite sprechen, würde eine Zugabe an den Seiten bedeuten, dass nicht nur das Vorderteil, sondern auch das Rückenteil größer wird. Gerade bei so einer auf Figur geschnittenen Bluse ist das nicht erwünscht. Deswegen hatte ich, nachdem ich die Bilder gesehen hatte, die ich für den MMM gemacht hatte, noch einen "Mittelstreifen" eingefügt und einen Nachtrag geschrieben. Und trotzdem war die Bluse nur vordergründig chic, aber gefühlt nicht richtig, weswegen sie eigentlich nie getragen wurde.


Wenn es vorne klafft, hilft nur eine FBA


Heute kann ich eine FBA machen und dort Mehrweite einfügen, wo Mehrweite gebraucht wird - das ist nunmal meist an der Brust. Diese kombinierte Weiten-und Längenänderung sorgt zudem dafür, dass der Stoff, der einen längeren Weg über die große Brust geht, untenrum nicht "bauchfrei" erzeugt. Das ist natürlich bei einem neugenähten Kleidungsstück einfach im Vorfeld mit einzuplanen. Bei einem Upcycling, also nachträglichen Änderungen an einem fertigen Kleidungsstück, nicht so einfach.

Genau das ist der Grund, wieso die an sich hübsche Idee, Streifen aus gestreifter Bündchenware einzusetzen, nicht funktionierte. Ihr seht, was ich meine, oder?





Die Bluse hat mit Paspeln abgesetzte Teilungsnähte. An sich eine wunderschöne Idee. Aber genau das macht offensichtlich, was an dieser Bluse falsch ist: die Brustrundung sitzt oberhalb der Brust!

Große Brüste und die Brüste von Frauen, älter als Anfang zwanzig, sitzen nicht unbedingt an der Stelle, die die DesignerIn für eine Größe 36 vorgesehen hat. Einfach die Kurve um ein paar Zentimenter zu verschieben, reicht meist nicht. Je größer die Kleidergröße, desto tiefer muß der Brustpunkt. Das ist zwar eine Faustregel und ist signifikant auch eher für die großen Größen zu sagen, aber als Faustregel schon ziemlich offensichtlich. Ihr wisst schon: die Schwerkraft und so.

Wenn wir selbst nähen, dann können wir dort Weite einfügen, wo Weite wirklich gebraucht wird und gerade bei Teilungsnähten, die Brustrundung genau dort schön ausformen, wo sie wirklich sitzen soll. Seit dem ich das kapiert habe und auch noch lehre, kann ich so eine "falsche Bluse" einfach nicht mehr anziehen.


Es ist großartig, dass wir keine komische Kleidung tragen müssen!


Das ist doch großartig, dass wir nähen können und nicht mit komischer Kleidung herumlaufen müssen! Irgendwie tat es mir leid, als ich die hübsche Bluse aussortierte, aber gleichzeitig freute ich mich wie Bolle darüber, dass ich sie aussortieren kann und dass ich dazu in der Lage bin, etwas besseres zu nähen. Und sollte ich die Bluse wirklich vermissen - ja, dann nähe ich mir einfach so eine ähnliche (mit oder ohne Mustermix), aber dann wenigstens passend!

Donnerstag, 27. April 2017

Bald startet die Anmeldung für das lillestoff-Festival



Für diejenigen, die das lillestoff-Festival noch nicht kennen: das ist ein großes, sehr gut organisiertes Event, bei dem sich hunderte von Hobbynäherinnen für ein Wochenende treffen, um gemeinsam zu nähen und in Workshops neues zu lernen. Kennt ihr den Film vom letztem Jahr - damit bekommt ihr einen guten Eindruck. Weil ich an dem Wochenende 16. und 17. September dort auch Workshops geben werde, für die ihr euch bei Interesse zügig anmelden müsst, will ich euch kurz erklären, wie das geht. 

Demnächst wird der Workshopplan veröffentlicht und vermutlich einen Tag später, gibt es die Eintrittskarten und Workshoptickets im Onlineshop von lillestoff zu kaufen. An diesem Erstverkaufstag sitzen lauter verrückte Hobbynäherinnen vor ihrem Computer, aktualisieren minütlich ihren Browser, um den Verkaufsstart nicht zu verpassen, denn die Eintrittskarten sind binnen kürzester Zeit (noch am selben Tag binnen weniger Stunden) ausverkauft.  Es lohnt, sich das Workshopprogramm vorher in Ruhe anzuschauen und sich vorab zu entscheiden. Die Workshops sind vielleicht nicht ganz so schnell ausverkauft, wie die Eintrittskarten, aber wer weiß. Ich sage euch auf jeden Fall bescheid, sobald das Programm online ist.

Die gute Nachricht ist: wenn ihr es nicht schaffen solltet, Tickets für das lillestoff-Festival zu ergattern, dann könnt ihr trotzdem einen Workshop bei mir besuchen. Im Schnittmusterkiosk findet ihr unter Workshops noch Restkarten für alle Workshops des zweiten Quartals und für das dritte Quartal bin ich schon fleißig am Planen.

Kurzmeldung: heute in Ninjashirt und Stadtmantel




Ich weiß, alle warten auf den richtigen Frühling und den Sommer und glaubt mir, ich kann es auch kaum erwarten, endlich wieder ohne Stumpfhosen zu sein. Aber heute freue ich mich wie Bolle über die tolle Kombination aus Ninjashirt und Stadtmantel, die zur Zeit einfach genau richtig sind.

Ich kann keine Schals und Tücher mehr sein, will Freiheit am Hals und einen freien Blick auf den schönen Mantelkragen. Das Ninja wärmt mit Kapuze und hohem Wasserfallausschnitt genau richtig und wenn es nachher wärmer wird, drapiere ich den Ausschnitt einfach um, um mehr Luft an den Hals zu lassen.

Freitag, 21. April 2017

Webware oder Jersey?





Vorgestern zeigte ich mein "Knitterkleid-aus-Jersey-Experiment". Ich liebe dieses Schnittmuster in allen Varianten, die ich bisher nähte, egal, ob geknittert oder ungeknittert, aus festem oder fliessendem Stoff. Es juckte mich in den Fingern, noch einen Schritt weiter zu gehen und es mit einem elastischen Stoff zu probieren. 

Witzigerweise zeigte am gleichen Tag rosa p., ihren neuen Schnitt Liva, der für Jersey konzipiert ist, in einer Variante aus Webware und erklärte, was zu beachten ist, wenn das Material gewechselt wird. Das bringt mich dazu, auch noch mal ein paar Worte zu diesem Thema zu verlieren. Achtung, es folg ein langer Beitrag - ganz ohne Bilder!



Der Unterschied zwischen Webware und Jersey


Ich glaube, vielen Näherinnen ist zunächst der Unterschied zwischen Webware und Jersey nicht klar. Irgendwie wissen sie es, aber es kommt leicht zu Verwechslungen. Immer wieder höre ich die Unterscheidung "Jersey statt Baumwolle" - ich hoffe damit können wir nach diesem Blogpost aufhören. 


Webware


Webware ist, wie der Name schon sagt, ein gewebter Stoff. Meist sind die Fäden - wie in einem Webstuhl, den ihr vielleicht als Kind mal hattet -  gerade miteinander verwebt, das heißt es gibt senkrechte und waagrechte Fäden. Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten den Stoff zu verweben (verschiedene "Bindungen"). Aber grundsätzlich gilt, es gibt einen Kettfaden und einen Schussfaden und diese beiden Fäden werden miteinander verbunden. 

Webware kann aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt werden. Die von Hobbynäherinnen am meisten verwendeten Webwaren bestehen aus Baumwolle oder Viskose.  


Jersey


Jersey hingegen ist ein gestrickter oder gewirkter Stoff. Hier gibt es (in der Regel) nur einen Faden, der wie beim Stricken in sich verschlungen wird, so dass daraus ein Stoff entsteht. Die Produktion von Strickstoff oder Jersey könnt ihr euch wirklich vorstellen, wie große Strickmaschinen, die euch die Arbeit abnehmen aus einem Faden ein Materialstück herzustellen. 

Auch Jersey gibt es aus den unterschiedlichsten Fasern. Die von Hobbynäherinnen am meisten verwendeten Jerseys sind aus: Baumwolle, Viskose, Wolle oder Kunstfaser. 



Die Materialeigenschaften von Webware und Jersey


Sowohl die Herstellungsweise (gewebt oder gewirkt/gestrikt) aber auch die Faser bestimmen die Materialeigenschaften des Stoffes. Dazu später mehr. Denn jetzt geht es erst einmal um die Herstellungsweise. 

Grob gesagt, ist ein Jersey stets elastisch und Webware unelastisch. Das kommt natürlich darauf an. Je nach Material und Herstellung kann das variieren, aber die Grundregel gilt. 



Webware ist in der Regel unelastisch


Genau diese mangelnde Elasthizität wird bei der Herstellung eines Schnittmusters berücksichtig. Schnittmuster für Webware enthalten neben der Designzugabe (also wie locker soll das Kleidungsstück sitzen, damit es der DesignerIn gefällt) auch noch eine Bewegungszugabe, also zusätzliche Weite, damit in dem fertigen Kleidungsstück Bewegungen möglich sind. Mittlerweile gibt es viele Webwaren, die einen Elasthananteil haben. Elasthan ist eine Art Gummifaden, der Elastizität bringt. Das macht Kleidungsstücke nicht nur bequemer, sondern es passt dadurch auch mehr Menschen - bei Massenkonfektion ein ganz wichtiges Argument. 

Es gibt eine weitere Möglichkeit, Webware elastisch zu machen: sie kann auch im schrägen Fadenlauf verarbeitet werden. Während Webware nicht nachgibt, wenn du sie in der Richtung der Fäden (senkrecht oder waagrecht) ziehst, gibt sie beim Ziehen in der Diagonale sehr wohl nach. Seit dem ich dies von Frau stokx gelernt habe, nähe ich bei körpernahen Kleidungsstücken aus Webware, so lange es das Stoffmuster zulässt, manche Teile aus Webware, um mehr Bewegungsfreiheit zu bekommen. Der Zuschnitt im schrägen Fadenlauf "kostet" natürlich mehr Stoff, aber die Schnittteile werden elastisch und fallen schöner. 

Den schrägen Fadenlauf habt ihr vielleicht schon mal bemerkt, wenn ihr ein Kleidungsstück aus Webware nähtet und anschließend der Halsausschnitt abstand. Das ist ärgerlich! Das kann passieren, weil der Ausschnitt zum Teil im geraden und zum Teil im schrägen Fadenlauf zugeschnitten wird. Überall, wo die Schnittkante im schrägen Fadenlauf ist, kann sie sich leicht ausdehnen. Also vorsicht! Ein Trick diese Dehnung zu verhindern ist, dass ihr rund um die Ausschnittkanten in die Nahtzugabe mit Geradstich eine Stütznaht näht. 

Aber: Egal, ob eine Webware durch die Verwendung des schrägen Fadenlaufes oder durch Zugabe von Elasthan dehnbarer wird - sie ist niemals so elastisch wie ein Jersey!


Jersey ist in der Regel elastisch


Gestrickter oder gewirkter Stoff ist elastisch, mehr oder weniger jedenfalls. Das kommt ein bisschen auf die Machart und das Material an. Wenn Kleidungsstücke für Jersey entworfen werden, dann werden sie mit wenig Designzugabe, keiner oder sogar negativer Bewegungszugabe designt, denn der Stoff gibt nach. Genau das lieben viele Hobbyschneiderinnen, denn beim Vernähen von Jersey kommt es nicht so sehr auf die Passform an. Der Jersey sucht sich seinen Weg und irgendwie passt es schon. 

Diese Materialeigenschaft hat allerdings den Nachteil, dass sich Erfolgserlebnisse nicht beliebig wiederholt werden können, denn jeder Jersey verhält sich anders. Ist der Stoff mehr oder weniger elastisch, passt das schon mal genähte Kleidungsstück möglicherweise beim erneuten Nähen nach dem gleichen Schnittmuster, mehr oder weniger gut. Hier hilft nur Anfassen und Ziehen und ein Gespür dafür zu entwickeln, wie sich der befühlte Jersey verhalten könnte. 


Ja, aber was ist nun? Kann ich Webware und Jersey tauschen?



Bei Hobbynäherinnen gibt es drei Fraktionen: die Jerseyfraktion, die Webwarefraktion und diejenigen, die Beides vernähen. Die Jerseyliebhaberinnen lieben die Unkompliziertheit des Materials: frau muß es nicht bügeln und irgendwie passt es schon. Die Beführworterinnen von Webware schätzen gewebte Stoffe dafür, dass sie leicht und flott zu verarbeiten sind (insbesonderen Baumwollwebware) und dass ihnen die Festigkeit des Stoffes Gestaltungsmöglichkeiten gibt, konturierte Kleidungsstücke zu arbeiten, die nicht unbedingt körpernah sein müssen (und damit jedes Röllchen zeigen). Beides hat seine Vor- und Nachteile. Ich gehöre zu der dritten Fraktion und verarbeite beide Materialien gleich gerne, aber ich tausche nur selten ein elastisches Material gegen ein unelastisches Material aus. Doch theoretisch geht das.

Wenn die Materialeigenschaften klar sind, dann kann ich tatsächlich bei manchem Schnitt das Material austauschen, aber ich muß aber Folgendes beachten:


Ein Webwareschnitt --> aus Jersey nähen


Ist ein Schnitt für Webware vorgesehen und ich will ihn aus Jersey nähen, dann wird das Kleidungsstück vermutlich zu weit. Ich sollte also mindestens eine Nummer kleiner wählen. Wenn es eine Fertigmaßtabelle gibt, ist das hilfreich bei der Größenwahl. 

Nicht jedes Schnittmuster ist gleichermaßen geeignet - aber grundsätzlich ist es auch möglich Kragen oder viele Schnitteile, die über Teilungsnähte verbunden werden, aus Jersey zu nähen. Hier müsst ihr darauf achten, dass einige Teile mit Einlage verstärkt werden und dann entscheiden, welche Einlage ihr dafür wählt. Es gibt Einlagen, die auch elastisch sind und deswegen für Jersey empfohlen werden, aber wollt ihr z.B. einen elastischen Kragen? Ihr seid die Schneiderinnen und bestimmt den Look - ich wollte euch nur darauf hinweisen. Es kann sein, dass ihr die Anleitung nicht 1:1 befolgen könnt, sondern überlegen müsst, wie ihr das Alternativmaterial unterstützt oder anders verarbeitet, als die Umsetzung für Webware es vorsieht. Zum Beispiel nähe ich in Jerseykleider auf die Schulternaht oder/und in den rückwärtigen Halsausschnitt meist ein Stück Band, damit Schultern und Ausschnitt nicht leiern. Das ist in der Anleitung eines Schnittes, der für Webware vorgesehen ist nicht angegeben, aber ich mache es natürlich dann erst recht, wenn ich das Webware durch Jersey ersetze. 

Bei der Entscheidung für oder gegen ein Material würde ich dann noch darauf achten, wie fliessend das Material sein sollte oder wieviel Stand es braucht, um die gewünschte Silhouette zu erreichen. Jersey wird niemals so viel Stand haben wie Webware und Viskose ist egal, ob gewirkt oder gewebt immer fließender als Baumwolle - es gilt also ein Gespür dafür zu entwickeln, was geht. Ein bisschen Experimentierfreude schadet dabei nicht. 


Einen Jerseyschnitt --> aus Webware nähen



Möchte ich einen Jerseyschnitt in Webware nähen, dann muß ich dafür sorgen, dass ich in das Kleidungsstück hereinkomme und mich bewegen kann. Um die negative Designzugabe zu beachten, könnte ich eine Nummer größer nähen. Vielleicht reicht das schon, vermutlich aber nicht. Ich könnte auch entscheidende Teile, die besonders viel Bewegungen auszuhalten haben, wie zum Beispiel das Rückenteil, im schrägen Fadenlauf zuschneiden. Das kann funktionieren, aber es kommt drauf an. Je körpernaher das Design ist, umso schwieriger wird es, das Material in dieser Reihenfolge zu ersetzen. 

Wahrscheinlich ist euch schon einmal aufgefallen, dass Kleidungsstücke aus Webware oft einen Reißverschluss oder Schlitze haben und jetzt wisst ihr warum. Ihr braucht Bewegungsfreiheit und müsst irgendwie in das Kleidungsstück hineinkommen. Wenn ihr ein Schnittmuster für Jersey also aus Webware näht, bedenkt, dass ihr Verschlüsse und Schlitze braucht! 

Ganz besonders kritisch sind Ärmel und Armlöcher. In der aktuellen Mode werden enge Ärmel als schick empfunden, weil wir viele Kleidungsstücke aus Jersey tragen. Kleidungsstücke aus Jersey haben oft enge Ärmel und kleine Armlöcher. Außerdem werden Jerseyärmel oftmals gedehnt in das Armloch gedehnt. Das geht sehr viel einfacher, als einen Ärmel aus Webware einzusetzen, der Einhalteweite für mehr Bewegungsfreiheit hat. Wenn ihr ein Schnittmuster aus Jersey habt und dieses aus Webware nähen wollt, dann könnt ihr folgendes machen: Ihr nehmt einen Ärmel und das passende Armloch eines Schnittes aus Webware und bastelt dieses Armloch an den Jerseyschnitt an statt des ursprünglichen Ärmels oder Armloches. Das ist in meinen Augen die beste Methode. Alternativ könnt ihr ganz kurze Ärmel machen, da diese nicht so einengen wie lange Ärmel. Ihr könnt Puffärmel anbringen, in dem ihr die Armkugel aufschneidet uns so Weite einfügt, aber das verändert natürlich den Look. Manchmal funktionieren auch 3/4 lange Ärmel mit einem Schlitz, aber das ist der riskanteste Versuch. Oder aber, ihr lasst die Ärmel weg. Dann müsst ihr aber das Armloch mit Schrägband einfassen oder einen Armlochbeleg konstruieren. 


Mein Fazit


Ich glaube, es ist mit etwas Erfahrung möglich, die Materialien auszutauschen. Variante 1: einen Webwareschnitt aus Jersey zu nähen,  ist mit weniger Risiko und weniger Änderungen verbunden, als die zweite Variante. Aber optimal ist es auch nicht. Es hat schon seinen Grund, wieso die DesignerInnen Materialempfehlungen aussprechen. Sie haben sich schließlich bei der Entwicklung eines Schnittmsusters etwas dabei gedacht. 

Andererseits sind wir ja auch deswegen Hobbyschneiderinnen, weil wir machen wollen, was wir uns erträumen. Deswegen finde ich es absolut spannend, Materialien zu tauschen und mit ihnen zu experimentieren. Und wenn ihr das, was ich über die Eigenschaften und den Tausch geschrieben habe beachtet, ist das Risiko, das etwas schief gehen kann, schon gar nicht mehr so groß. 

Ich kann euch nur ermuntern, zu experimentieren und etwas über Materialien zu lernen - das geht ganz toll mit dem Stofflexikon von Frau Nahzugabe "Stoff und Faden". Es schadet auch nichts, etwas über die Konstruktion von Kleidungsstücken zu lernen. Denn wenn ihr mehr versteht, was ihr macht und wenn ihr genauer, wisst, wo ihr Weite benötigt, Formgebung möchtet und Elastizität braucht, kann das bei der Materialauswahl berücksichtig werden und damit die Trefferquote für ein Traumkleidungsstück erhöhen. Wenn ich in meinen Workshops zum Thema Schnittanpassungen spreche, dann üben wir zwar Theorie, aber da Material und Schnitt niemals getrennt voneinander betrachtet werden können, spielt auch das Material in den Workshops immer eine Rolle.

Je länger ihr näht, umso mehr werdet ihr ein Gefühl für Materialien und Schnittkonstruktion entwickeln, das Reinfälle seltener macht. So werden eure Nähwerke immer persönlicher und individueller. Bis dahin lest ihr einfach genau die Materialempfehlungen und überlegt, was die DesignerInnen sich dabei gedacht haben, denn frau lernt nie aus! Und das ist doch toll! 

Donnerstag, 20. April 2017

Knitterkleid aus Jersey?



Das Knitterkleid aus Jersey? Kann das funktionieren?


Ich habe einen neuen Lieblingskleidschnitt und wer mich kennt weiß, jetzt bin ich nicht mehr zu stoppen. Lieblingskleid heißt = näht sich flott und geht irgendwie immer. Oder besser noch: Lieblingskleid heißt, "da steht Meike drauf", das bin ich, ich fühle mich gut und richtig angezogen.

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht ganz unterschiedliche Kleider bräuchte, um ich zu sein. Hey, ich bin Zwilling. Das sind die Menschen von Sternzeichen, die am liebsten mit zwei Füßen in unterschiedlichen Pfützen stehen. Ich mag es, ganz unterschiedliche Dinge zu tun, mehrere Jobs zu haben und unterschiedliche Rollen leben. Ich mag es mal so, mal so zu sein, ich mach mich gestern fein, mag es heute praktisch und übermorgen wie auch immer -  es gibt so viel spannende Dinge auszuprobieren. Für so einen Zwilling wie mich, ist ein Schnittmuster dann ideal, wenn ich es 1000 mal quasi im Schlaf nähen kann und das Resultat doch immer anders aussieht.





So schön


Als ich nach einem Namen für dieses Schnittmuster suchte, nannte ich es Knitterkleid. Ich sah im Atelier stokx eine ältere Dame das Kleid anprobieren, die eigentlich Sorge hatte, das Design könne ihre Falten am Hals zu sehr betonen, die sie ganz und gar nicht mochte. Die Dame kam aus der Kabine, sah sich im Knitterkleid im Spiegel und sah sich fasziniert an. Dann lächelte sie.

Diese Dame war begeistert und kaufe das Kleid und ich wusste: dieses Schnittmuster will ich machen. Dieses Design soll Hobbyschneiderinnen zur Verfügung stehen. Dieses Kleid soll alle Frauen, die auch nur den leisesten Zweifel haben, dass sie wunderschön sind, anziehen und sie eines Besseren belehren.




Ich nannte es "Knitterkleid", weil es es in der Kollektion stokx aus hauchzartem Stoff gibt, der nach dem Waschen feucht zusammengerollt wird, damit er geknittert wird. Es entsteht ein filigranes Gewebe, dass eine Frau zart umhüllt und ihre Schönheit zum strahlen bringt.

Doch ich täuschte mich. "Knitterkleid" war der falsche Name. Der Name wird diesem Design nicht gerecht, denn das Kleid kann auch ohne Knitter. Das Design kann eigentlich mit allen Stoffen. Noch habe ich nicht alles probiert, aber glaubt mir, das werde ich tun!


Und wie habe ich es gemacht?


Nachdem ich das Kleid nun diverse Male in "ungeknittert", aus Webware genäht habe, ist dies nun meine erste Version aus einem Jersey.

SchnittmusterKnitterkleid
StoffWolljersey von Lillestoff


Es ist anders aus Jersey, ich finde es noch nicht perfekt, aber ich finde es schön. Das nächste Mal würde ich es in Jersey nicht nur eine Größe kleiner sondern zwei Größen kleiner nähen. Und vielleicht würde ich es auch nicht im schrägen Fadenlauf nähen, wie es das Schnittmuster vorsieht -  ich glaube, es ist nach zwei Tagen tragen, ein wenig länger geworden. Vermutlich wird es auch gut im geraden Fadenlauf funktionieren (bei meinen ungeknitterten Kleidern aus Webware geht das ja auch). Aber es funktioniert! Deswegen zeige ich es bei rums. Es fühlt sich an, als wäre es ein Nachthemd und gleichzeitig fühle ich mich angezogen. Es ist ein Knitterkleid aus Jersey - wer hätte das gedacht!

Ich bin vermutlich der einzige Mensch, den es freut, dass der Winter kurz zurück gekommen ist, denn das Kleid habe ich erst letzte Woche fertig gestellt. Jetzt kann ich es tragen! Und wenn es ganz bald wärmer wird, zeige ich euch meine nächste Version des Knitterkleides aus Waxprint.



Montag, 17. April 2017

Finale Stadtmantel-Sew Along




Hallo und herzlich Willkommen zum vierten und letzten Teil des Stadtmantel-Sew Alongs. Heute ist das große Finale. Ich freue mich schon sehr, eure Stadtmäntel zu sehen!

Mein Frühlingsmantel


Über meinen Frühlingsmantel freue ich mich sehr. Auch wenn ich den "dunktel-bunten" Stadtmantel (*klick* hier) sehr mag, ist es doch im Frühling irgendwie schöner, etwas farbenfrohes anzuziehen.





Die gekochte Wolle hatte ich jahrelag im Schrank liegen und irgendwie scheint sie nur auf dieses Schnittmuster gewartet zu haben. Die Mühe, die Karos auszurichten, hat sich gelohnt, auch wenn es natürlich nicht überall perfekt sein kann. Besonders die Rückenansicht macht mich glücklich!







Natürlich träume ich auch noch von einem dezenten Stadtmantel, in grau, petrol oder dunkelblau "für diese anderen Tage" an denen ein zurückhaltender und trotzdem auffallend schicker Mantel gebraucht wird. Wie genau der aussehen soll, weiß ich noch nicht. Da lasse ich mich von euch inspirieren und nähe einfach meinen Stadtmantel Nr. 4 im nächsten Herbst.


Der Stadmantel erobert die Welt und eure Herzen


Es ist jedes Mal ein aufregender Moment, einen Stadtmantel, ein Knitterkleid, einen Partyrock, ein Ninjashirt oder ein Kimonokleid von euch genäht zu sehen. Plötzlich wird unsere Idee, Designerschnittmuster für Hobbyschneiderinnen zur Verfügung zu stellen, lebendig. Aus dem Design, aus dem in monatelanger Arbeit hergestelltem Schnittmuster mit Anleitung wird ein mit Liebe genähte, ganz individuelles und sehr persönliches Kleidungsstück. Weitaus persönlicher, als es ein Designerstück jemals sein kann und trotzdem mit der gleichen Klasse und Raffinesse. Oder um es mit Lindy Stokes, der Designerin des Stadtmantels und schlauer Kopf hinter dem Label stokx zu sagen, als sie auf Facebook mein ungeknitteres Knitterkleid vorstellte:

"I love it. It has wings! Fly be free!
Meike has transformed the "Gossamer Dress" into the "Knitter Kleid" an then back to the "Unknittered Kleid". Don't stop. Welcome all of the stokx-crafteln-hybrids!" Lindy Stokes

Genau so ist es. Lindy lässt uns Hobbyschneiderinnen die Freiheit, mit ihren Designs etwas ganz Eigenes zu machen. Das, was in den vielen Köpfen steckt, die die Schnittmuster kaufen und dann zu ihrem ganz eigenem Kleidungsstück umsetzen, kann sich ein einzelner Kopf gar nicht ausdenken. Das ist und bleibt einfach unsagbar spannend. Und ganz besonders freut es mich natürlich, wenn das Nähen Dank der Anleitung gut geklappt hat.

Ich freue mich sehr, dass auch zwei Leserinnen, die nicht bloggen, mir Bilder von ihren Stadtmänteln geschickt haben, um ihre Freude darüber, mit uns zu teilen.

Diesen frühlingsfrisch grünen Stadtmantel hat die bloglose Leserin Annett genäht und mir freundlicherweise Bilder geschickt.




"Am Stadtmantel gefällt mir besonders seine figurumschmeichelnde Form und das tolle Material Wollwalk. Ich habe vorher noch nie dieses Material verarbeitet und bin sehr positiv überrascht.... erst einmal ein Probestück aus Baumwolle angefertigt. Dann habe ich mich erst an den richtigen Mantel gewagt und habe schnell festgestellt, dass die Anleitung ja doch gar nicht so schwierig ist, wie ich zuerst dachte. Stück für Stück habe ich meinen Mantel fertig gestellt, bin immer noch begeistert und trage ihn mit Stolz." Annett

Auch Anette hat mir Bilder von ihrem Stadtmantel geschickt und sagt:

"Das Schnittmuster hat wunderbar funktioniert und somit hatte ich viel Freude beim Nähen. Da dies mein erster Mantel war, habe ich mich recht strickt an die Materialauswahl und Anleitung gehalten und wurde mit einem tollen Ergebnis belohnt. " Anette




Wie großartig ist es, dieses Ergebnisse zu sehen und zu lesen, dass sich jemand dank des Stadtmantels zum ersten Mal an das Nähen eines Mantels traute und dann das Ergebnis liebt.

Das ist das Schnittmuster


Für alle diejenigen, die hier heute zufällig vorbei kommen und den Stadtmantel noch nicht kennen. Der Stadtmantel, designed by Lindy Stokes, ist ein leichter Wollmantel für die Übergangsjahreszeit. Nur die Ärmel und die Schulterpartie sind zum leichteren Anziehen und besseren Sitz gefüttert. Der Mantel kann wahlweise mit Teilungsnähten im Vorderteil oder aber mit einem Brust- und einem Schulterabnäher genäht werden.





Die große Wissenssammlung


In den letzten Wochen haben wir, über die ausführliche Anleitung hinaus - viel Wissen um das Nähen des Stadtmantels zusammengetragen. Meine Beiträge und die verlinkten Beiträge der Sew Along-Teilnehmerinenn findet ihr hier:




Linkliste für die Finalistinnen


Verlinkt eure Beiträge mit eurem Fazit zum Stadtmantel gerne in der Linkliste. Diese ist eine ganze Woche lang, bis nächsten Montag Abend, geöffnet. Wie jede Woche des Sew Alongs, gibt es auch diese Woche zwei Schnittmustergutscheinter unter allen verlinkten Blogbeiträgen der dieswöchigen Linkliste zu gewinnen. Die Gewinnerinnen des dritten Sew Along-Termines sind Ankasews und Naehkatze Carola. Bitte schreib mir eine Mail, damit ich euch den Gutschein schicken kann.









Sonntag, 16. April 2017

Osternett



Ich wünsche euch allen schöne Ostertage! Lasst es euch gut gehen!

Und wenn der Osterhase etwas vergessen hat, dann macht ihr euch eben selbst eine kleine Freude!  Im Schnittmusterkiosk gibt es heute und morgen ein kleines Osternett: 20 % Rabatt auf Schnittmuster.

Donnerstag, 13. April 2017

Neue Workshop-Termine





Ich freue mich, dass euch die Idee, Workshops über den Schnittmusterkiosk zu buchen und mit mir in Hamburg-Altona an einem Nachmittag etwas über Schnittmusteranpassungen zu lernen, so gut gefällt. Aufgrund mehrfacher Nachfrage, habe ich mich nun dazu entschlossen, auch einen Workshop zum Thema "Röcke" anzubieten.

---> Mehr Informationen und Anmeldung *klick*

In kleiner Gruppe zeige ich euch, wie ein Rock konstruiert ist und wie unterschiedliche Rockdesigns funktionieren. Dieses Hintergrundwissen hilft euch, eure Rockschnitte ganz individuell auf eure Figur anzupassen. Zu den Workshops könnt ihr verschiedene Rockschnitte mitbringen und ich zeige euch, wie ihr diese auf eure Maße anpasst. 


In den Workshops  "Oberteile anpassen am 6.5". und am "Oberteile anpassen am 17.6." sind noch Restplätze erhältlich. 

Mittwoch, 12. April 2017

Häkelprojekt: Origami-Tasche



Wenn gar nichts mehr sonst geht, fange ich immer an zu häkeln. Dank schmerzender Schulter stricke ich seit Januar kaum bis gar nicht und auf Nähen habe ich zur Zeit selten Lust. Ganz entgegen meiner Gewohnheit, gibt es sogar mehrere zugeschnittene Projekte und trotzdem bin ich abends zu müde, um mich aufzuraffen und die Nähmaschine aufzubauen. Aber häkeln geht immer und Taschen häkeln
sowieso. Erstaunlicherweise schaffen es meine Häkelprojekte in den seltensten Fällen ins Blog. Keine Ahnung, woran das liegt.

Das Problem mit Häkeln ist ja, dass diese Dinge irgendwie kaum zu gebrauchen sind. Häkeltücher finde ich nicht so hübsch, Kleidung häkelt sich nicht wirklich toll, gehäkelte Kuscheltiere braucht kein Mensch genausowenig wie zahlreiche Häkeldecken und Häkeltaschen haben oft ein immenses Eigengewicht, so dass ich sie zwar gerne häkele, aber selten nutze. Doch als ich die Origami-Tasche sah, musste ich sofort los und Wolle besorgen, um sie zu häkeln. Ich weiß nicht genau, was mich triggerte, die Größe war es irgendwie und das Stichwort Origami. Dass es eine extra Faltanleitung für die Tasche gibt, fand ich irgendwie cool und dafür stumpf ein Rechteck häkeln passt ganz gut zu meinem aktuellen Aktivitätslevel neben der Arbeit.






Ich häkele die Tasche einen Tick kleiner, weil es nur 6 statt 7 Knäul in dem rosa gab, dass ich je nach Lichtverhältnissen super oder total schlimm finde. Dazu kann ich nur sagen: auf keinem Foto sieht es so aus, wie in echt. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Egal, ich häkele stumpf weiter und habe Freude dabei.




Auf Instagram habe ich schon 3 Mithäkelerinnen gefunden. Das ist nett. So können wir uns gegenseitig motivieren, wenn uns der große Lappen irgendwann kurz vor Schluß langweilig wird. Oder hat von euch noch eine Lust mitzuhäkeln? Das Muster ist nicht schwer, weil logisch. Das merkt sich frau schnell und die fertige Tasche wird bestimmt hübsch und dank der dünnen Wolle und der Löcher hoffentlich auch nicht zu schwer.

Dienstag, 11. April 2017

Terminerinnerung: Am Ostermontag ist Finale des Stadtmante-Sew Alongs




Na, seid ihr schon fertig oder noch fleissig dabei? Wie geht es euren Stadtmänteln? Am Ostermontag ist das große Finale und da die einzelnen Sew Along Termine schon ein bisschen her sind, heute eine Erinnerung.

Gibt es noch Fragen, hängt ihr an einer Stelle? Kann ich oder können wir euch helfen? Braucht ihr noch Druckknöpfe? Fragen bitte hier in die Kommentare und Druckknöpfe, so wie sie in der Kollektion stokx genutzt werden gibt es in drei Farben im Schnittmusterkiosk *klick*. Auch am Finale, gibt es wieder zwei Schnittmustergutscheine, für alle, die sich in der Linkliste mit ihren Stadtmänteln eintragen, zu gewinnen. Ich freue mich schon, auf Eure Mäntel!

edit:
Du hast keinen Blog, um deinen Stadtmantel zu zeigen? Dann schreibe mir eine Mail  an fragen (ät) crafteln.de mit einem Foto und zwei oder drei Sätzen, was dir am Stadtmantel gefällt oder was dir beim Nähen aufgefallen ist. Dann nehme ich das in meinen Blogbeitrag am Ostermontag mit auf. 

Montag, 10. April 2017

Vom Fotografieren, Posen und so





Ihr kennt das wahrscheinlich. Es ist gar nicht so einfach, Outfitfotos zu machen, wenn der Mensch, sprich ihr selbst, darin steckt. Während ihr vermutlich alles, was ihr für Kinder näht, irgendwie süß findet und auch für die Freundin ein nettes Wort parat habt, seid ihr bei euch selber vermutlich etwas kritischer. 

Ich habe hier im Blog schon öfters (2011 und 2015) über Fotografieren gesprochen und an meiner Erkenntnis von damals hat sich nichts geändert: Ich glaube nach wie vor, dass frau einfach viele Fotos machen muß, um dann die Besten auszusuchen. Die Fotos, die sie von sich in der Öffentlichkeit zeigen kann, mit denen sie leben kann. Ich lösche dabei alle Fotos auf denen ich bekloppt aussehe und der faszinierende Effekt der letzten 8 Jahre ist: es gibt nur noch gute Fotos von mir und ich fing mit der Zeit an zu glauben, dass ich so prima, wie auf diesen Fotos aussehe.





Irgendwann kapierte ich, dass Fotos deswegen schwieriger als Filme sind, weil wir tatsächlich Sekundenbruchteile so bescheuert schauen. Diese Grimassen werden auf Fotos festgehalten, während in einem Film diese Sekundenbruchteile nicht auffallen, weil wir in Bewegung gleich wieder anders aussehen. Diese Erkenntnis bestätigte mich darin, beknackte Fotos von mir zu löschen. Wenn ein Foto schon nicht meinen Charme, meine Klugheit und meinen Witz festhalten kann, dann soll es wenigstens keinen schlechten Eindruck hinterlassen!





Posingtipps für Nähbloggerinnen?


Als ich im Herbst auf der Buchmesse das Buch "Professionelles Posing" von Hendrik Pfeifer entdeckte,  überlas ich den Untertitel "Der Ratgeber für Fotografen und Models Grundlagen und neue Trends", denn mein Auge blieb auf dem runden Teaser "Leicht erklärt - perfekt für Anfänger" hängen. Ich dachte "Bingo, das ist doch was für Nähbloggerinnen!" Als ich das der freundlichen Damen am Stand des humboldt-Verlages erzählte, war sie erstaunt, denn diese Zielgruppe, hatten sie bisher nicht im Visier. Und das merkte ich dann auch am Buch, wie sich später herausstellte.

Als ich das Buch freundlicherweise vom Verlag zugeschickt bekam, hatte ich es schnell durchgelesen.  Das Buch enthält ohnehin mehr Bilder als Wörter. Die Hälfte des Buchtextes wendet sich an Fotografen und glänzt mit Tipps, wie Körperpflege und Studio aufräumen. Die andere Hälfte des Buchtextes spricht vermutlich junge Mädchen an, die gerne Modell werden wollen. Aber darum geht es eigentlich nicht, denn das Buch hat sowieso wenig Text, aber dafür viele Bilder. Klar doch, es geht ja auch um Posen. Auch wenn ich von diesen Posen vieles für uns nicht für umsetzbar halte, denn wir wollen doch, im Gegensatz zu einer großen Nähzeitschrift, auch zeigen, wie unsere Outfits aussehen, statt einfach nur ein Lebensgefühl zu vermitteln, finde ich die Vielfältigkeit der Abbildungen doch inspirierend. Alleine der Gedanke, sich mal im Sitzen zu zeigen, ist gut. Denn wenn frau bedenkt, wie viele Stunden wir im Leben sitzend in unseren Kleidern zu bringen, ist es durchaus von Interesse, die auch mal im Sitzen zu fotografieren. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich eine bestimmte Rockform aussortierte, nachdem ich sie mal im Sitzen fotografiert hatte!




Ein Tipp ist aber nach dem Lesen bei mir hängengeblieben und ich denke jedes Mal daran, wenn ich die Kamera aufgebaut und den Fernauslöser in der Hand halte: Wenn mir gar nicht einfällt, was ich machen soll, beginne ich auf der Stelle zu Gehen (ohne die Füße dabei vom Boden zu heben), um meinen Körper in Bewegung zu bringen. Ich verlagere immer abwechselnd das Gewicht von dem einen Bein auf das andere und mit der Zeit gewöhnt sich mein Körper an den Schwung und fängt an, sich von selbst noch weiter zu bewegen. Für eine Situation ohne Musik, ist das der perfekte Tipp - ansonsten bevorzuge ich es nach wie vor, meine Lieblingsmusik zum Fotografieren laut anzumachen und dazu zu tanzen.

Doch was das Buch nicht klärt, ist, wie mit der grundsätzlichen Hemmung umgegangen werden kann, sich beim Fotografieren unwohl zu fühlen. Da das Buch als Zielgruppe Modells hat, schließt es diese Voraussetzung aus. Es zieht zwar Verlegenheit ob der Begegnung mit dem unbekannten Fotografen in Betracht, aber die Voraussetzung ist der Wille, fotografiert zu werden. Bei Nähbloggerinen ist das vermutlich etwas anders, da geht es ja um das Kleidungsstück und nicht um den Wunsch, ein tolles Foto von sich zu haben, um damit berühmt zu werden.




Fragen über Fragen


Was macht das fotografiert werden so schwierig? Woher kommt diese Angst, sichtbar zu werden, Was hemmt uns so davor, vor der Kamera uns selbst zu zeigen oder zumindest eine Pose vorzuführen, wie wir gesehen werden wollen? Was unterscheidet uns erwachsene Frauen von den jungen Frauen, die ganz selbstverständlich Selfies machen? Und überhaupt, können wir da von "den jungen Frauen sprechen" oder sind da auch nur einige wenige dieser Generation so selbstverständlich sichtbar? Welche Annahmen hemmen uns und wo ist die tiefere Ursache dafür. Warum können wir Wörter wie Schönheit oder Attraktivität so wenig auf uns selbst beziehen? Was machen die Bilder von Frauen in der Öffentlichkeit mit uns, dass es uns schwer fällt, unsere Individualität anzunehmen und schön zu finden? Suchen wir stets die eine Schönheit oder können wir Vielfalt als bereichernd empfinden? Das sind Fragen, die mich immer und immer wieder beschäftigen.

Bei mir hat es irgendwann "klick" gemacht und Fotografieren war plötzlich nicht mehr schlimm. Im Gegenteil: mittlerweile genieße ich es sogar, besonders dann, wenn ein professioneller Kameramensch sich mir widmet (aber Outfitfotos zuhause vor der Klotür mit klingelndem Telefon und nörgelndem Kind, stressen mich nach wie vor.) Ich würde zu gerne erklären können, was genau passierte, das es mir plötzlich so leicht machte, damit auch andere Frauen Erleichterung bekommen. Denn auch wenn es in Nähblogs eigentlich um die Outfitfotos geht, geht es mir doch um viel mehr. Wenn ihr euch wohlfühlt in eurer Haut und in euerer Kleidung, wenn ihr das Gefühl habt, attraktiv zu sein, dann traut ihr euch viel mehr zu. Ihr traut euch, sichtbar zu werden, in den Vordergrund zu sehen und den Mund auf zu Machen. Ihr lasst nicht mehr nur den wenigen die Bühne, die sie schon seit langem in Besitzt genommen haben, sondern ihr bereichert die Welt mit euren Ansichten und euren Erfahrungen. Das stelle ich mir ganz wunderbar vor!






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Freitag, 7. April 2017

Meine Nähmaschine und ich - Rückblick auf 8 Jahre Zusammenarbeit



Als ich vorgestern den Beitrag von rosa p. im Rahmen des Nähkongresses* hörte, dachte ich, ich muß unbedingt mal was über Nähmaschinen schreiben. rosa p. erzählt in einem umfassenden Rundumschlag alles, was frau wissen muß, wenn sie auf der Suche nach einer ersten Nähmaschine ist. Vieles davon habe ich auch nicht gewusst und manches nicht in dem Zusammenhang gesehen.

Nachdem ich den Beitrag gesehen hatte, fragte ich mich, was ich beim Nähmaschinenkauf 2010 anders gemacht hätte, wenn ich das alles gewusst hätte und kam zu dem Schluss, dass das eigentlich alles, damals vor knapp 8 Jahren, ganz gut gelaufen ist. Ich hatte mich im Fachhandel beraten lassen und wahrscheinlich auch etwas Glück. Oder die Entscheidung um die 600 € in die Hand zu nehmen, was richtig. Oder doch nicht?

Bei meiner Brother innov-is 150 kann ich die Stichplatte entfernen, um sie zu reinigen, sie ruckelt nicht auf dem Tisch herum, selbst wenn sie hart arbeiten muß, sie näht Knopflöcher ziemlich gut. Alles paletti.


Was darf eine Haushaltsnähmaschine kosten?


Immer, wenn ich in den letzten Jahren teurere Maschinen bei einem Nähkränzchen sah, fragte ich mich, ob ich auch so etwas brauche. Und in all den Jahren ist mir kein schlagendes Argument eingefallen, warum ich mehr als 1000 Euro in die Hand nehmen sollte, um mir eine bessere Maschine zu kaufen. Mal ganz abgesehen von noch teureren Maschinen, die ich tatsächlich eher für diejenigen sehe, die professionell und in Serie nähen und diese Dinge dann verkaufen. Dabei ist mir allerdings aufgefallen, dass viele Modedesignbuden weniger schnieke Maschinen haben, als manche Hobbynäherin. Aber das ist ein anderes Thema.




Näht sie schön gleichmäßig und auch flutschige Stoffe?


Das meine Brother ein weniger schönes Stichbild hat, als teurere Maschinen, damit kann ich auch leben. Bisher ist mir niemand so nahe gekommen, dass er oder sie sagte "Wie siehst du denn aus?! Deine Nähmaschine macht ja verdammt unregelmäßige Stiche!" Von Weitem sehen Steppnähte tipptopp aus und nur ich sehe den Unterschied. Letztlich gibt es meist ohnehin die Möglichkeiten zum Finetuning, wenn erstmal auf einem Stück zur Probe genäht wird und nach meinem Dafürhalten liegt ein unregelmäßiges Stichbild auch oft an dem schrottigen zu bauschigen Garn, das ich oft benutze, weil es für mich einfach zu besorgen ist. Auch Knopflöcher könnten noch schöner werden, da weiß ich mittlerweile, was bei teureren Maschinen geht. Aber für Blusen und Hemdblusenkleider sind meine Knopflöcher ok und bei festeren Stoffen würde ich ohnehin die schickeren Paspelknopflöcher nähen.

Bei flutschigen Stoffen gerät die Brother an ihre Grenzen. Ich weiß das, weil ich eine Zeit lang auf einer Pfaff mit Obertransport genäht habe. Seide, dünner Satin aber auch manchmal Viskosejersey ist kein großer Spaß mit ihr zu nähen. Oder sagen wir so: es geht, wenn frau weiß, wie sie den Stoff zu führen hat, aber die Naht ist in meinen Augen oft nicht schön genug und das, obwohl ich wirklich großzügig über viele Dinge hinwegschaue.


Alles Plastik, oder was?


Also, im Prinzip bin ich mit dem, was meine Maschine kann und leistet zu frieden uns habe eigentlich nicht das Bedürfnis, mir etwas Schickeres zu kaufen - wenn sie nicht seit einigen Monaten droht auseinander zu fallen.

Es begann mit dem Tragegriff. Eines Tages brach dieser ab und die Recherche meines Mannes ergab, dass es nicht möglich ist, diesen angeschraubten Griff als Ersatzteil zu bekommmen. Nun ist auch die Plastikabdeckung unter er Stichplatte abgebrochen. Das Loch, durch das die Schraube kommt, um dieses Plastikteil anzuschrauben, ist ausgeleiert und jetzt rutscht die Abdeckung immer weg, wenn ich das Zubehörkästchen entferne, um bei engen Säumen im Ärmel oder bei Kinderhosen, besser dranzukommen. Das ist alles noch kein Drama, die Maschine näht ja noch. Aber ich habe das Vertrauen in die Nähmaschine verloren. Welches Teil wird als nächstes abbrechen?




Jetzt muß ich dazu sagen, dass ich meine Nähmaschine, in Ermangelung eines Nähzimmers, jedes Mal auf- und abbaue, wenn ich nähen will. Sie steht auf dem Fußboden, wird 5 Schritte getragen und dann auf den Tisch gehoben. Zu Nähkränzchen habe ich sie ca. 30 oder 40 mal mitgenomen. Dazu habe ich sie entweder mit der Plastikabdeckung ins Auto gestellt oder habe sie für längere Reisen (ca. 4x) in eine Tasche gepackt und getragen. Dieser Transport bzw. dieses öfters bewegt werden, ist sicherlich nicht optimal für eine Maschine, aber eine durchaus übliche Benutzung bei Hobbyschneiderinnen. Außerdem stand die Nähmaschine auch niemals der direkten Sonne ausgesetzt - außer, wenn ich auf dem Balkon nähte. Ich finde, das eine derartige Benutzung eigentlich auch über längere Jahre möglich sein sollte.

In dem Vortrag von rosa p. habe ich gehört, dass auch im Inneren der Maschine Plastikteile verwand werden. Da ich meine nicht so einfach öffnen kann, weiß ich nicht, welche Teile aus Plastik sind. Das fühlt sich für mich wie eine unausgesprochene Bedrohung an. Das Plastik in der Maschine ist, weiß ich, weil dort, wo der Faden läuft, ein Teil vergratet ist und dort, der Faden bei jedem dritten Einfädeln hängen bleibt. Mittlerweile kenne ich diese Macke meiner Nähmaschine und nähe erst gar nicht darauf los, wenn der Faden schwergängig ist - das würde nur noch größere Probleme machen. Aber super finde ich dieses unregelmäßige Plastikteil natürlich nicht.


Hat sich der Kauf rentiert?


Ich nähe 1 bis 2x die Woche, das heißt, ich nutze die Nähmaschine ungefähr 75 mal im Jahr - ich würde sagen, eher weniger. Wenn ich von 65 Nähsessions auf 8 Jahre hochrechne, komme ich auf 520 Nähsessions mit dieser Maschine. Bei einem Preis von 600 Euro hat mich die Maschine 86 Cent pro Benutzung gekostet. Das klingt für mich ok und trotzdem hätte ich erwartet, dass die Nähmaschine langlebiger wäre.





Nach zwei Jahren Benutzung habe ich die Nähmaschine übrigens mal zur Inspektion gebracht, weil ich wollte, dass dieses teure Gerät, möglichst gut behandelt wird und deswegen langlebig ist. Der Zeitpunkt war aufgrund eines Urlaubs geplant, an dem ich die bis dahin gut funktionierende Maschine nicht vermissen würde. Leider lief die Maschine nach der Inspektion unrund und auch ein erneuter Besuch beim Mechaniker veränderte nichts daran. Ich habe mich daran gewöhnt, ich bin ja auch keine 15 mehr und habe meine Macken, aber blöd fand ich das schon und natürlich habe ich sie nach dieser Erfahrung lieber selbst gereinigt, statt noch mal aus der Hand zu geben.

 Fazit


Grundsätzlich würde ich sagen, dass ich zufrieden mit meiner Maschine bin. Sie näht zuverlässig. Aber gleichzeitig bin ich unzufrieden, dass eine Nähmaschine, die mal um die 600 € gekostet hat, nach knapp 8 Jahren vermutlich recht bald ersetzt werden muß. Meine Mutter näht auf einer fast 50 jährigen Pfaff-Maschine. Diese hat natürlich nicht so viele Stiche und auch der Transport ist weniger gut, als bei meiner Maschine, aber diese ollen Dinger sind verdammt zuverlässig. Oder sagen wir es anders: was nicht aus Plastik ist, kann auch nicht so leicht brechen.

Der Beitrag ist mit "Nähwerkzeuge" getaggt, denn in einer lockeren Folge blogge ich freitags über Nähwerkzeuge. Alle Beiträge der Blogserie findet ihr unter dem Stichwort "Nähwerkzeuge" oder durch Klick auf den Link. Vorherige Beiträge:

Ihr seid gefragt


Ich bleibe etwas ratlos zurück. Die Maschine wird erst ersetzt, wenn sie gar nicht mehr geht, aber dann muß ich relativ flott eine Entscheidung treffen. Deswegen würde ich gerne eure langjährigen Erfahrungen mit euren Nähmaschinen sammeln. Wenn ihr eine bestimmte Haushalts-Nähmaschine länger als 5 Jahre benutzt, dann würde ich mich freuen, wenn ihr einen Erfahrungsbericht schreiben und hier verlinken würdet. Bitte schreibt auch dazu, wie oft ihr näht und was für Sachen, damit die Lesenden eure Erfahrungen besser einordnen könnt. Und zu guter letzt interessiert mich euer Gefühl zu eurer Nähmaschine. Glaubt ihr, sie wird euch noch lange treue Dienste leisten? Würdet ihr sie nochmal kaufen oder schielt ihr zu den anderen schönen Töchtern?



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Donnerstag, 6. April 2017

Knitterkleid - ungeknittert und frühlingsfrisch




Endlich ist es das richtige Wetter um mein schon im Januar auf der "AnNÄHerung genähtes Frühlingskleid zu tragen. Wie ihr vielleicht schon erkannt habt, ist es ein Knitterkleid aus der Kollektion stokx - allerdings in der ungeknitterten Version.

Auf der h+h, der Handarbeitsmesse, habe ich es schon getragen und wurde dort und auf Instagram immer wieder auf mein Kleid angesprochen. Dann wird es ja Zeit, es euch endlich einmal ausführlich vorzustellen!





Das Knitterkleid ist ein Raglanschnitt mit einer bezaubernden Rückenansicht. Das Rockteil ist mit einer halbrunden Naht etwas oberhalb der Taille angesetzt und macht deswegen eine schöne Ansicht von hinten. Die Ärmel habe ich auf meine Lieblingslänge (ca. 3/4) gekürzt.





Den Kragen habe ich nach Anleitung genäht, d.h. etwas in sich verdreht. Ich mag es, dass er jedes Mal anders fällt. Das ist wirklich schmeichelhaft.

Ausnahmsweise zeige ich euch auch mal ein Bild von der Seite, obwohl ich das von mir normalerweise überhaupt nicht mag. Aber beim Knitterkleid ist das ok. Da mag ich mich sogar so.




Dieses Kleid habe ich aus einem Polyesterstoff genäht, um den ich lange herumgeschlichen bin. Ich war mir einfach unsicher, ob ich so eine Kunstfaser gerne tragen würde.  Aber es trägt sich fantastisch, weil es so leicht fliesst und schwingt. Es ist wahnsinnig unkompliziert, weil trage-waschen-aufhängen-tragen und das alles ohne Bügeln oder lange Wartezeiten.

Es hat bereits einen Härtetest in praller Sonne gehabt, zum Bus gerannt bin ich damit auch und einen kompletten Messetag hat es auch mit Bravour bestanden - keine Schweiß- oder Geruchsprobleme. Fein! Dann war es ja doch eine gute Entscheidung, mich für das schöne Muster zu Entscheiden, obwohl es sich um Kunstfaser handelt. Alleine, wenn ich eine darüber gezogene Strickjacke ausziehe, knistert es ganz gewaltig.


Stoff: Polyester, gewebt aber dehnbar von Stoff und Stil, leider schon quasi ausverkauft (in Berlin und Hamburg gab es am Montag es noch sehr sehr kleine Mengen)
Schnitt: Knitterkleid 
Änderungen: Ärmel gekürzt, an den Seitennähten sowie an der vordere und hinteren Mitte etwas mehr tailliert.




Das ungeknitterte Knitterkleid mit den schönen Blumen ist definitiv schon jetzt eines meiner Lieblingskleider für dieses Jahr. Ich liebe diesen Schnitt und werde ganz sicherlich noch ganz viele Kleider damit dieses Jahr nähen - geknittert und ungeknittert. Deswegen zeige ich es euch gerne bei rums.

Achjaaaa, Taschen in der Seitennaht hat das Kleid auch noch. Beim Nähen finde ich das immer störend, aber hinterher freue ich mich doch, wenn ein Kleidungsstück Taschen hat. Selbst dann, wenn ich zufällig eine Handtasche in der passenden Farbe habe. Handtaschen in den unterschiedlichsten Farben hätte ich genügend - in welcher Farbe nähe ich nur das nächste Knitterkleid?
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