Mittwoch, 22. Mai 2013

MMM und MMMay13 Tag 22

MMMay13_22

Heute trage ich bei diesem herbstlichen Wetter, eines meiner liebsten Kleider in herbstlichen Farben. Es ist "das Knotenkleid aus der Knip" und ich bin sehr traurig darüber, dass der Stoff mit dem schönen Muster zum Pillen neigt. Deswegen wird das Kleid auch sehr geschont.

Hier habe ich schon mal darüber berichtet.

Schnitt: Knip Mode 2/2011 (vergrößert)
Material: Baumwolle oder Viscosejersey, bin mir da nicht so sicher



Pattern: Knip Mode 2/2011
fabric: jersey maybe cotton, maybe viscose I do not know
This is one of my favourite dresses. It is a shame, that the material starts pilling - so I do not wear it very often, because I l like it so much.


Mehr selbstgemachte Outfits findet ihr wie immer Mittwochs auf dem Me Made Mittwoch Blog, heute mit der blumigen Catherine als Gastgeberin - und in der MMMay13 flickr-Gruppe.

More homesewn Outfits will you find on the Me Made Wednesday Blog and in the MMMay13 flickr group.

Dienstag, 21. Mai 2013

MMMay13 Tag 21

MMMay13_21


Heute endlich mal wieder ein Me Made May Foto von mir. Obwohl oder gerade weil  ich an Feiertagen Familie um mich habe, habe ich keine Gelegenheit zum fotografieren. Heute war wieder ein normaler Tag, also nen Foto von nem ganz normalen Outfit.

Rock: Langeneß von Farbenmix
Shirt: China-Shirt von Schnittquelle

Der Rock ist herrlich bequem mit elastischem Bündchen - verrutscht allerdings ständig. Obwohl ich nicht mehr wirklich Fan von Applikationen bin, kann ich mit diesen "Poesiealbums-Bildchen" gut leben. Der Jeansrock ist auch einfach zu praktisch. Ich ziehe ihn wirklich gerne und oft an.

Das Shirt ist das einzige Shirt, was mir jemals so gelungen ist, dass ich es auch anziehe. Den Schnitt mag ich sehr, das Material nicht so sehr. Da der Baumwolljersey eine weiße Innenseite hat, sieht das manchmal doof aus.


Skirt pattern: Langeneß /Farbenmix
fabric: Jeans
Shirt: China Shirt / Schnittquelle
fabric: Cotton Jersey
Today I wear the only wearable shirt I ever sewn. I like it very much although the fabric is white inside, which looks sometimes a bit funny. The skirt ist one of my first skirts. Very comfortable with elastic cuff.

Mehr selbstgemachte Outfits findet ihr in der MMMay13 flickr-Gruppe. 
More Outfits in the MMMay13 flickr-group

Mal eben schnell einen Tellerrock nähen


Tellerrock_mit_Klammern



Warum ich auf einmal das dringende Bedürfnis bekam, einen Tellerrock zu nähen, erzähle ich ein anderes Mal. Auf jeden Fall war es auf einmal da und als ich vorgestern mal wieder eine schwierige Aufgabe (Schnitt anpassen) durch ein leichtes, schnelles Erfolgserlebnis umgehen wollte, da war auf einmal das Projekt Tellerrock aktuell.

So schwer kann das nicht sein, dachte ich: Einfach einen Kreis schneiden oder einen Halben und dann das Loch in der Mitte. Nicht Pi mal Daumen, sondern wirklich mit 3,14 gerechnet. Bund dran, Reißverschluß rein, fertig. Pustekuchen. Hätte ich gewußt, wie viel es zu dem Projektchen zu sagen gibt, hätte ich unterwegs Fotos gemacht!

Vor dem Vergnügen kam das Denken. Ich dachte "wenn schon denn schon und überhaupt habe ich hier noch 3m Stoff aus dem eigentlich mal ein Kleid werden sollte aber was solls" und entschied mich für einen "ganzen Teller" - nicht ganz unbeinflusst von der "Willi wills wissen"-Sendung, die die Familie anschaute, in der fesche bayerische Mädel drehten, bis der Teller wagrecht standt. Jaja, manchmal habe ich schon Fantasien.... Also ein ganzer Teller, was war zu tun?
  • Taille messen
  • Taille + 3 cm = Taillenweite (die 3cm sind die Nahtzugabe von 1,5 cm für die Seitennähte)
  • Taillendurchmesser = Taillenweite : 3,14
  • Taillenradius = Taillendurchmesser : 2
  • Rocklänge festlegen
Dann habe ich festgestellt, dass ich den Stoff nicht einfach bequem im Bruch liegen lassen kann, sondern ihn aufklappen muß, um genug Platz für meinen Halbkreis zu haben, denn bei mir sind Rocklänge + Taillenradius größer als 70 cm. Jetzt weiß ich auch, warum ein Tellerrock so viel Stoff braucht. Egal, ich hatte genug und ein Schnäppchen war es auch, also kein Risiko. 

Tellerrock

Ich habe mich oben an der Webkante orientiert und den Stoff im rechten Winkel dazu einmal um knapp 90 cm umgeklappt, um nur einen Viertelkreis zu zeichnen. Dann habe ich parallel zur Webkante erstmal 5cm versetzt eine Gerade gezeichnet, die genauso lang war wie Radius + Rocklänge.

Mit dem Maßband habe ich von der Ecke (Parallele Linie und Stoffbruch) jeweils in kleinen Stückchen einen Viertelkreis gezeichnet - das Maßband immer so lang wie der Taillenradius. Anschließend das gleiche noch mal von dem Kreis mit der Maßbandlänge = Rocklänge, um den äußeren Kreis für die Rocklänge zu zeichnen. Die Nahzugabe habe ich freihändig geschnitten. Das ergabe dann den ersten Halbkreis und dann das gleiche nochmal für den zweiten Halbkreis. 

Dann kam der schlimme Fehler, der aber als Lerneffekt sinnvoll war. 

Ich nähte die rechte Seitennaht aneinander, schnappte mir den Berg Stoff, der so tat, als würde er ein Tellerrock werden und probierte ihn an. Schlimmer Fehler, denn dabei dehnte ich den Stoff gewaltig, ohne es zu wollen, alleine durch das Gewicht der Stoffmenge. Falls ich noch mal einen Tellerrock nähe, fasse ich den Stoff an wie ein rohes Ei und stecke ganz schnell den Bund an, damit nichts gedehnt wird!

Ich habe mich für einen schmalen, geraden Bund entschieden, obwohl ich durchaus auch mit einer Art Sattel liebäugelte, damit es um den Bauch herum nicht so kräuselig aufträgt. Der erste Tellerrock sollte aber partout ein klassischer Teller sein, also kurzer Bund für Stabilität aber eben auch nur so viel Bund wie nötig. 

  • Bundbreite bestimmen und x 2 (zum Umklappen) + Nahtzugabe
  • Bundlänge = Taillenweite + 4 cm Übertritt für einen Knopf
Das zugeschnittene Rechteck für den Bund habe ich dank dem Rat meiner Leserinnen mit Vlieseline bebügelt. Zuerst dachte ich "ach, ein elastischer Bund wäre doch recht komfortabel", mittlerweile habe ich aber kapiert, warum der Bund verstärkt werden muß. Der Rock ist relativ schwer und würde einen elastischen Bund einfach durch sein Gewicht weiten und schwups stünde ich ohne Rock da. 

Jetzt hatte ich also das Problem, dass mein Rock zu weit war. Der innere Kreis hatte 24 cm Mehrweite gegenüber dem Bund. Dank dem Internet fand ich heraus, dass auch schon andere vor mir das Problem hatten und las dort von dem Tip "Mehrweite einhalten". Jetzt ist "einhalten" beim Ärmeleinnähen wahrlich nicht meine Lieblingsbeschäftigung, aber ich dachte mir, dass ein bißchen Kräuselung beim Tellerrock sicherlich nicht wirklich auffallen würde (ich Nähschlampe) und hielt relativ sorglos ein: einfach viele Stecknadeln stecken und sich zwischendurch nicht krämen, wenns mal ein Fältlein wird.

Der Rest war einfach: Reißverschluß einnähen, Knopfloch, Knopf und dann noch mal anprobieren. Puh, passt. Aber ob es wirklich gut aussieht? Bisher nur Anprobe, spät abends im Licht der spiegelnden Fensterscheibe. Ob mir, mit meiner Figur ein Tellerrock steht? Ob ich ihn gerne tragen werde? Er fühlt sich gut an, erinnert mich irgendwie an meine Kindheit. Hatte ich schon mal einen Tellerrock?

Jetzt hängt er ein paar Tage an nem Hosenbügel mit vielen Wäscheklammern am Saum - siehe oben - damit er sich aushängt. So ein Tellerrock ist echt eine heftige Lektion zum schrägen Fadenlauf. Ihr wisst ja sicherlich: im schrägen Fadenlauf, also diagonal zur Webkante ist auch Webstoff elastisch. Ein Tellerrock bringt es mit sich, dass jede Variante Fadenlauf Teil des Tellers ist. Das heißt, dass der Rock sich hier mal dehnt und dort mal nicht, was zu einem zipfeligen Saum führt. Um diese Dehnung möglichst auszugleichen, wird der Rock beschwert aufgehängt und anschließend die Saumlinie bestimmt. Wie das gehen soll, ist mir noch ein Rätsel, denn dafür brauche ich sicherlich Assistenz, denn eines war schon klar im Spiegel der Wohnzimmerscheibe: hinten ist er kürzer als vorne, denn der Popo nahm sich den Platz.

Da der Rock ohnehin noch ein bißchen aushängen muß, brauche ich mir jetzt noch keine Sorgen um den Saum machen, sondern kann noch ein bißchen vom Drehen träumen. 

Das Näh-Fragezeichen sammelt wieder: Stoffläden offline



Gestern, als ein paar "Nähnerds" zusammen zwitscherten twitterten, kam die Idee auf, eine Bezugsquellensammlung zu machen. Das ist natürlich eine große Aufgabe. Das Näh-Fragezeichen, das freundliche, putzige Ding, bot an, die Arbeit zu übernehmen. In den nächsten Wochen wird an dieser Stelle, immer Dienstags, nach Bezugsquellen für bestimmte Dinge gefragt. Wir beginnen diese Woche mit Stoffläden offline. (Nächste Woche kommen dann die Stoffläden online).

Bezugsquellen Stoff - offline
Welche Stoffläden kannst du empfehlen. Bitte Angabe mit Postleitzahl und kurzer Erklärung, was diesen Stoffladen besonders macht (Spezialisierung auf bestimmte Stoffe, großes Sortiment, kompetentes Personal o.Ä.) Bitte auch erwähnen, ob auch Kurzwaren angeboten werden. Und bitte auch eine Internetadresse angeben, wenn der Laden einen Internetauftritt hat.  


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edit:
Das Internet ist schlau wie immer! Dank Frau lunadepanas Kommentar weiß ich nun, dass es ein interaktives Kartenprojekt schon gibt. Hurra!  Schaut mal bei hier:


Wir brauchen uns also gar nicht mehr die Mühe machen!

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Antworten könnt ihr als Kommentar hier oder auch ausführlicher bei euch im Blog. Solltet ihr bei Euch schreiben, lasst bitte einen Kommentar mit Link hier, damit wir es finden. Die Antworten werde ich im Laufe der Woche, nach Postleitzahlen sortiert, zusammenfassen und hier in diesem Post veröffentlichen.

Wer das Näh-Fragezeichen noch nicht kennt. Informationen über das Näh-Fragezeichen gibt es hier und alle Fragen und Antworten zum Nähfragezeichen findet ihr unter dem Label "Näh-Fragezeichen" hier im Blog. 

Sonntag, 19. Mai 2013

Live vom .... Samstag abend ohne Tatort



Gestern und heute kein MMMay13 hier. Gestern trug ich zwar schickes Me-Made, aber vor dem aus dem Haus gehen, kamen wir nicht zum fotografieren und nach dem nachhausekommen wollte ich nicht, weil komplett durchnässt. Heute dann im gekauften Lieblingsblümchenjerseykleid. Ich habe keine Lust, so eine Aktion in Stress ausarten zu lassen, also werde ich weitermachen, aber eben immer nur, wenn es irgendwie passt.

Auf dem Bild oben seht ihr eine Probe-Häkel-Decke. Ich finde es gar nicht so leicht, mich für das konkrete Muster zu entscheiden. Material ist klar, Farben und Muster sind klar. Ich häkele aus Drops Baby Merino (Sale bis Ende Mai!) mit Grundfarbe weiß und Wellen in cerise (pin), mittelgrau, hellgrau und knallgrün das oben ausprobierte Wellenmuster. Was ich allerdings schwierig finde, ist zu entscheiden, ob ich gleichmäßige dicke bzw. dünne  Streifen mache oder ob ich dicke weiße Streifen mit dünnen farbigen Streifen kombiniere oder ob ich sogar nur dünne weiße Streifen zwischen dicke bunte Streifen häkele. Ich habe den Verdacht, dass bei "dicken weißen Streifen", ich immer mal Motivationsprobleme beim Häkeln zu bekommen, denn eine 180 cm lange Reihe ist verdammt lang und wenn ich das dann zu viel in weiß machen muß, ist das arg langweilig. Schwierig, schwierig. Ich probe-häkel also erstmal weiter dieses schmale Stück aus Resten und überlege noch ein bißchen vor mich hin.

Heute abend nähe ich dem Schirmchenkleid einen neuen, verlängerten Saum, wage vielleicht einen Tellerrock und nähe ein Probeoberteil von McCalls 4769. Den Schnitt habe ich zwar schon ein Jahr hier liegen, traute mich aber bisher noch nicht daran, weil es sein könnte dass ich obenrum vergrößern muß. Normalerweise hätte ich jetzt ausführlich überlegt und vergrößert, bevor ich richtig zuschneide. Dieses Mal habe ich mich für den Probe-Teil-Weg entschieden und auch vorhin schon zugeschnitten. Ich nähe aus billigem Stoff aus dem schwedischen Möbelhaus das Probeoberteil und dann kann ich immer noch basteln. Den dann hoffentlich in den nächsten Tagen dann fertig zugeschnittenen Pünktchenstoff will ich dann nächstes Wochenende nach Berlin mitnehmen.... Hach, ich freu mich!

20.49 Uhr 
Während ich den neuen Saum am Schirmchenkleid annähte, dachte ich, ach, wenn ich lauter so nen Kram heute vorhabe, könnte ich doch auch mal wieder live bloggen. Gesagt getan, Rechner wieder an und hier bin ich wieder. Saum fertig, jetzt kommt das Probeteil von 4769. Aber wirklich nur zusammennähen und nicht mehr, denn der Gatte hat heute abend "Höhle" und der Spiegel ist im Schlafzimmer, d.h. in der Höhle und er mag es nicht, dort gestört zu werden. Männer brauchen das, sagt er. Soll er haben!

21.11 Uhr
Ambitioniert hatte ich für das Probe-McCalls 4769 Ärmelchen zugeschnitten, nach dem Motto: richtig beurteilen kann ich es nur, wenn Ärmel drin sind. Aber diese Mehrweite! Ich wollte doch nur schnell schnell zusammen nähen! Mmmmmh.

21.36 Uhr
Ach, es wäre doch zu schön gewesen, dass einmal, das dieses Mal zu erleben. Einfach eine Größe abpausen, nähen und sagen "Glück gehabt". McCalls 4769 passt natürlich nicht. Das war zu erwarten, denn immerhin sind die Maße des fertigen Kleidungsstückes auf dem Schnittumschlag angegeben. Aber ich mußte es ja probieren! Es fehlen im Rücken ein paar Bewegungs-Zentimenter und vor der Brust eine ganze Menge. Die Abnäher sitzen aber ganz gut. Immerhin.

Die Ärmel habe ich eingesetzt, allerdings sozusagen als Puffärmel, also mit vielen Fältchen. Während des Ärmeleinsetzens philosophierte ich darüber, ob es sowas wie "die 10 typischen Näh-Lehrerinnen-Lügen bzw. Mythen" gibt, denn meine Praktikums-Chefin Lindy behauptete immer, dass es gar nicht so viel Mehrweite in der Rundung wäre, wenn ich, statt auf die Schnittkante zu achten, genau auf die Nahtlinie schauen würde, dann würde es schon fast automatisch passen. Das halte ich für ein Gerücht!

Ich lasse mich jetzt von dem Probeteil nicht frusten, sondern schaue mal, ob ich das mit dem Tellerrock hinbekomme. Erste Schwierigkeit: frau muß im Vorfeld wissen, wie lang der Tellerrock werden soll. Ja, woher soll ich das denn wissen? Ich habe doch sowieso dauernd Schwierigkeit, die richtige Saumlänge zu bestimmen!

Ich bin ganz froh, dass die "#Nähnerds"heute nicht bei twitter aktiv sind, so kann ich in Ruhe nachdenken. Deswegen schaue ich auch keinen Tatort. Mir ist Münster "zu witzig".

21.51 Uhr
Tellerock-Denken ist trotz diverser Anleitungen ganz schön schwierig. Ich habe zwar jetzt alle Maße und Rechnungen gemacht, aber traue ich mich zuzuschneiden? Ok, erstmal Tisch aufräumen, damit ich Platz zum Zuschneiden habe. Tellerrock nähen ist ja Pipifax, jetzt kommt das Schwierige!

22.11 Uhr
Juchhu, ich habe das System verstanden! Jetzt weiß ich auch, wieso ein Tellerrock so viel Stoff braucht. Würde ich den Stoff im Bruch liegen lassen, dann hätte ich anschließend nur ca. 50 cm Rocklänge, weil ich den Taillenring rausschneide. Also muß ich den Stoff aufklappen und zwei halbe Teller zuschneiden, die ich dann zusammennähe und an der einen Seite den Reißverschluß einfüge. Also los jetzt, malen und Zuschneiden!

22.34 Uhr
Cool, jetzt habe ich die zwei halben grünen Teller zugeschnitten. Bei einer Rocklänge von 65 cm brauche ich - falls es ein nächstes Mal gibt - großzügig gerechnet 3,50 m. Nen Haufen Zeugs, was dann noch unten übrig bleibt! Jetzt muß ich noch den Bund zuschneiden. Ich mache einen ganz einfachen kleinen geraden Bund.

22.46 Uhr
So ein Mist, heilige Unordnung: die Einlage ist "in der Höhle" und bei einem schnellen Besuch nicht auffindbar. Bund ohne Einlage? Er ist sowieso nur 3 cm breit. Mmmmm.

22.56 Uhr
Ach was, ich mache Schluß für heute Abend. Habe doch ne Menge erreicht. So kann ich noch mal in mich gehen, ob ich nicht doch einen breiteren Bund zuschneide und was ich mit "Einlage im Bund oder nicht" mache bzw. die Einlage bei Tageslicht noch mal suchen. Auf die 3cm Bund bin ich gekommen, weil sich das stoffsparend an der einen Stelle angeboten hat, einfach in einem Stück einen Bund zuzuschneiden. Aber es ist ja noch ne Menge Stoff übrig. Der Stoff hat einen leichten Elasthananteil, was für einen Bund ja ganz nett wäre. Geht dieser Effekt dann nicht durch die Einlage verloren? Trotzdem Einlage? Hach schwierig! Was meint ihr?

Freitag, 17. Mai 2013

MMMay13 Tag 17

MMMay13_17

Heute das erste Mal den ganzen Tag im Schirmchenkleid. Anlass: Lunch mit Frau Strichfaden - bei ihr hatte ich mich damals in den Schirmchenstoff verliebt. Da sollte sie das fertige Kleid natürlich auch zu sehen bekommen und durfte es auch gleich fotografieren.

Mit dem Gürtel fremdele ich immer noch. Als der Lunch vorbei war, habe ich es casual ohne Gürtel getragen und fühlte mich wohler. Obwohl, wenn ich jetzt so die Fotos sehe, finde ich es "mit" doch ganz schick. Ich bin mir auch nach wie vor nicht sicher, ob das Kleid nun luftig ist oder nicht. Der Baumwollstoff ist relativ kompakt und damit "nicht luftig", der weite Rock und das offene Ende fühlen sich aber "luftig" an. Ich bin gespannt, wie oft ich es im Sommer tragen werde! Ganz so unkompliziert, wie ein Jerseykleid ist es einfach nicht.

Hier gibts mehr Informationen zum Kleid und dort, in der flickr-Gruppe, mehr MeMadeMay13 Fotos.

pattern: not available
material cotton with little umbrellas 

Today at lunch with a dress made in april. I am still not shure, wether I prefer it with belt or not, so I wore it before lunch with belt and after lunch without. 

Schwierige Blümchen-Mission



Diesen wunderbaren Blümchenstoff habe ich netterweise von Frau AnneBlog geschenkt bekommen. Ganz herzlichen Dank dafür! Ob ich es wagen kann, aus diesem Hauch von leicht durchsichtiger Viscose ein Sommerkleidchen zu nähen?

Eine schwierige Mission, denn der Stoff könnte knapp werden und durchsichtig und diese Blümchen, die ich so reizend finde. Vom Muster her würde ich sagen "Rock" vom Stoff her "eher Bluse". Nur bin ich so gar kein Blusentyp. Zur Not könnte ich ja einen leichten Unterrock nähen, wenn es ZU durchsichtig wird.

Eine schwierige Mission. Genau das richtige für den Blümchenmonat. Nächstes Treffen ist übrigens der übernächste Montag, d.h. der 27. Mai.

Mittwoch, 15. Mai 2013

MMM und MMMay13 Tag 15

MMMay13_15


Heute trage ich eines meiner allerersten Kleidungsstücke, das ich für mich nähte. Meinen ersten Rock.

Aber vor allen Dingen ist es eines der meist getragenen Kleidungsstücke in meinem Kleiderschrank. Als ich 2010 mit Nähen und dann im Frühjahr 2011 mit "Nähen für mich" begann, nähte ich zunächst mit günstigen Ikea-Stoffen, weil ich noch wahnsinnigen Respekt vor dem Zerschneiden teurer Stoffe hatte. Der Vorteil, es gibt dort günstige Stoffe mit schönem Design. Der Nachteil: die Qualität lässt zu wünschen übrig - häufiges Waschen tut dem Stoff nicht gut. Mittlerweile hat er einen ordentlichen gelbstich. Nicht schön, ich versuche es zu ignorieren. Diesen Rock mag ich aber so gerne, dass ich die letzten Sommer über, in denen ich ihn ständig trug, immer wieder überlegte, ob ich ihn einfach, genau so, noch mal nähen sollte.

Der Schnitt ist eine Valeska von Farbenmix. Wohl ein typisches Einsteigerinnenmodell, denn er ist etwas raffinierter als ein einfacher "Gummiband-Rock" aufgrund der Taschen und der Raffungen, aber aufgrund des fehlenden Reißverschluss recht einfach zu nähen.



Die Taschen führen auch dazu, dass sich der Valeska-Rock gerne zu einem Lieblingsstück entwickelt, denn es ist einfach wunderbar, wenn Kleidungsstücke Taschen (für Kleinigkeiten wie Taschentuch und Schlüssel) haben. Ich kann nicht verstehen, dass bei diesem Schnitt in der weiten Näherinnenwelt immer wieder das Argument "trägt zu sehr auf" kommt. Das ist das Design! Und letztlich kommt dieses "trägt zu sehr auf" aus der "kaschieren-Ecke" und kaschieren finde ich sowieso bescheuert, denn wir sind, wie wir sind und selbst das raffinierteste Design lässt den Unterschied zwischen einem Frauenkörper in 38 und 42 erahnen. Gerade Frauen mit Figurproblemen (haha, Witz bemerkt?!) neigen dazu, ständig irgendetwas kaschieren zu wollen. Das finde ich genauso mühsam, wie die beknackten Diäten und Antizellulitisprogramme in den Frauenzeitschriften. Wer kaschieren will, hält sich für "nicht gut genug" - ist das eine gute Ausgangsposition, um zufrieden und glücklich durchs Leben zu laufen? Neee!

Mein Allheilmittel in der Anfangszeit meines Nähens war das Schrägband. Bei mir wurde ALLES mit Schrägband eingefasst. Der bunte Farbklecks gefällt mir als nettes Detail - ich fand das immer "wahnsinnig design"! Später wurde mir klar, dass das Leben einer Näh-Anfängerin auch signifikant einfacher durch den Einsatz von Schrägband wird, denn zum Beispiel Säume sind so ratzfatz und vergleichsweise ordentlich genäht. Für große Menschen wie mich hat Schrägband außerdem den Vorteil, dass wenn frau vergessen hat, die Länge des Schnittes zu überprüfen und etwas Länge zuzugeben, mit Schrägband statt Saum-Umklappen nichts an Länge verloren geht.



Oben hat der Rock ein angenähtes elastisches Bündchen - weil es das Erste war, ist es in sich verdreht, egal, damit kann ich leben. Sehr bequem diese Bündchen und eigentlich auch nicht schwer anzunähen. Ganz wichtig in meine Näh-Anfangszeit waren auch Applikationen. Applikationen empfand ich auch als "wahnsinnig design" und vor allen Dingen als "Aufpeppen" Kaufklamotten, denn richtig Nähen von Kleidung traute ich mir noch nicht zu, also wurde appliziert, bis der Arzt kommt.

Ich mag diesen Rock einfach. Er ist so unkompliziert. Er hat die richtige Mischung aus unauffällig, weil eben grau und meist mit schwarz kombiniert und besonders. So ein Rock passt im Sommer einfach ganz oft in mein Leben. Außerdem mag ich es, wenn mich Frauen auf der Straße ansprechen, und mir erzählen, dass sie aus meinem Rockstoff Vorhänge, Tischdecken oder Kissen genäht haben.... am MMM am 11.5.2011 habe ich den Rock schon mal gezeigt und auch da war ein paar Tage vorher die Kopf-ab-oder-nicht-Diskussion, wie in meinem Post zu lesen war....

Mehr wunderbare selbstgemachte Outfits findet ihr wie immer auf dem Me Made Mittwoch Blog - heute mit der zauberhaften, wie immer gut gekleideten und durchaus praktisch veranlagten Wiebke und natürlich in der MeMadeMay13 flickr-Gruppe


Dienstag, 14. Mai 2013

MMMay13 Tag 14

MMMay13_14

Heute hätte es fast kein Foto gegeben. Mir war absolut nicht nach Stativ-Aufbauen-viele Fotos machen - Fotos auswählen. Damit ich aber trotzdem ein bißchen MMMay13 Kontinuität bieten kann, bat ich den jüngsten Mitbewohner um ein iphone-Foto. Heute trage ich das 1. von mittlerweile 3 Vichys. Ganz gemütlich, aber ich fremdele nach wie vor mit der Farbe.


Schnittmuster / Pattern: Vichy /Schnittquelle
Gratisdownload - download for free
Material / fabric: Viskose-Seiden-Jersey / viscose/silk jersey

Today another comfortable dress from the free download pattern vichy. This was my first one of 3.



Viel Text heute, aber mir ist es wichtig

Seit letzten Donnerstag liegt mir auf dem Herzen, inhaltlich in die Diskussion über unseren Artikel auf dem MMM-Blog einzusteigen. Der unschöne Trubeln im DIY-Bloggerland, körperliches Unwohlsein und private und berufliche Verpflichtungen hielten mich bisher davon ab. Ich nehme heute endlich suschnas Kommentar bei Melleni als Ausgangspunkt, um meine Position etwas genauer zu erläutern und zitiere daraus. 

Genau so einen Kommentar habe ich mir zu unserem Text auf dem Me Made Mittwoch Blog gewünscht. Gedankenanstöße, die mich mich zum Weiterdenken anregen  - denn das es Blinde Flecken gibt, dass wir, bei dem tausendmal hin- und hermailen beim gemeinsamen Schreiben eines Textes, ganz sicherlich eine Menge übersehen haben, war mir/uns natürlich klar. Danke Suschna!

"- Der MMM wird von den Teilnehmerinnen sehr bejubelt, die Crew tritt sehr geschlossen auf (dadurch entsteht vielleicht auch der Eindruck einer dubiosen "Macht"). Kritische oder abwägende Stimmen werden vielleicht von der Crew, aber nicht von den "Fans" gern gesehen." (suschna in den Kommentaren bei talentfreischön)

Der MMM wird bejubelt. Ja, das ist wirklich schön. Die Bestätigung tut gut. Punkt. 

Die Crew tritt geschlossen auf. Warum eigentlich? Und wie macht sie das? Ich kann euch sagen, wir mailen sehr sehr viel. Mein Postfach quillt über, seit dem ich in der Crew bin. Wir besprechen und beraten uns sehr viel, wir diskutieren und sind nicht immer einer Meinung. Ich erlebe das Gemeinsame als immens bereichernd, weil ich das Gefühl habe, durch unsere Verschiedenheit viel lernen zu können.  Wir schauen uns jeden MMM-Beitrag an, wir geben dazu Feedback oder löschen ihn auch, wenn er nicht unseren Vorgaben entspricht. Das machen wir nicht leichtfertig und es gib sehr sehr oft Fälle, in denen wir ein Vorgehen erst diskutieren. Wir machen das als Gruppe, weil es für eine Einzelne nicht nur zu viel Arbeit wäre, sondern auch zu viel Verantwortung, denn es ist wirklich nicht immer leicht, eine Entscheidung zu treffen. 

Die kritischen Stimmen sehen wir in der Tat gerne, sonst würden wir nicht zu Feedback einladen. Vielleicht haben wir nicht immer sofort, vielleicht auch keine einstimmige, vielleicht auch gar keine Antwort darauf. Aber wir lesen es und machen uns unsere Gedanken. Der MMM ist ein Projekt, d.h. er kann sich auch verändern. Warum auch nicht?! Es gibt den MMM auch nur aufgrund seiner Teilnehmerinnen. Ohne die Teilnehmerinnen wäre der MMM nichts. Bei so einer großen Menge an Teilnehmerinnen können wir zwar moderieren, aber der MMM wird von allen gemacht. 

"- Es entsteht ein "Wir sind eine große Familie"-Gefühl und es geht in Richtung Krabbenkorb. Andersdenkende äußern sich nicht mehr, suchen sich andere Kanäle, Aggressionen brodeln unterschwellig, "Gegenkoaltionen" werden gebildet. "(suschna in den Kommentaren bei talentfreischön)


Ich freue mich über ein "Wir-Gefühl", wohlwissend, dass es trügerisch ist, denn das "wir" ist nur eine Schnittmenge aus den unzähligen Interessen und Persönlichkeitsmerkmalen, die die Teilnehmenden des "wird" haben. Wir, als Gruppe der Teilnehmenden, sind ja nicht einmal ein konstantes "wir", denn unsere Tür ist offen und jede kann kommen und gehen wie es ihr beliebt. Und trotzdem ist da dieses Gefühl. Das Gefühl, nicht alleine zu sein und die Möglichkeit, Gleichgesinnten zu begegnen, mich mit ihnen auszutauschen und mich zumindest in manchen Dingen auf sie verlassen zu können. Das weiß ich sehr zu schätzen. Wenn ich zum Beispiel manchmal das Gefühl habe "overdressed" durch die Gegend zu laufen, dann sehe ich zwar um mich herum "nur" die in den Jeans und Funktionsjacken, aber durch den MMM weiß ich, dass es noch mehr so welche wie ich gibt und mein "overdressed-Gefühl" relativiert sich wieder. Das tut gut. 

"Ich bin wahrlich keine Soziologin, aber ich könnte mir vorstellen, das das schon ein Prozess ist, den Gruppenbildung so mit sich bringt: vor allem wenn die Gruppe immer größer und erfolgreicher wird. Der gemeinsame Nenner wird irgendwie kleiner. Dadurch gibt es schneller auch Unstimmigkeiten und es treffen auch immer mehr unterschiedliche Ansätze aufeinander (oder manche ziehen sich zurück, weil sie sich dort nicht wiederfinden, aber werfen das der Gruppe dann im Stillen vor??)."  (frisfris in den Kommentaren bei talentfreischön)

Der gemeinsame Nenner wird kleiner. Ja, das trifft auf den MMM zu. Die Frage ist, möchte man dann lieber in der kleinen Kuschelgruppe bleiben, in der sich alle einig sind oder birgt die große Gruppe auch Vorteile. Eine große Gruppe lässt sich schlecht steuern. Wir haben es mit unseren Regeln versucht, versuchten aber gleichzeitig sehr offen zu sein: bei uns ist jede me-made-Klamotten-Näherin (und auch die Männer, denn die sind selbstverständlich immer mitgemeint) willkommen, egal, ob es das erste Shirt ist (oder das Hunderste) oder das ein schwieriger Mantel. Es ist sehr einfach, bei uns mitzumachen und jede kann ohne den Antrag auf Mitgliedschaft mitmachen. Die Erhaltung dieses niedrigschwelligen Angebots ist uns wichtig, auch wenn uns die Nachteile davon manchmal nerven. Das ist einer der Werte des MMM. 

Mir ist es nicht wichtig, dass durch das verbindende "wir", dass sich über das Selbstmachen und Tragen von Kleidung ausdrückt ein gemeinsame Meinung ausbildet. Im Gegenteil: erst durch die Pluralität der Meinungen, den Austausch über verschiedene Lebenswelten und die Haltungen dazu, wird es in meinen Augen erst interessant und lehrreich. Dabei habe ich immer wieder die Wahl, in welchen Blogs ich schauen will, bei welchen Blogs ich genauer hinschauen will und wo ich meinen Senf dazu gebe. 

Dass sich Grüppchen bilden, halte ich für völlig normal. Ich rede doch auch mit den einen über andere und den anderen über wieder andere. Das bleibt doch nicht aus. Und natürlich findet man sich gerade in der Unzufriedenheit und bestärkt sich gegenseitig durch Beobachtungen und den Austausch von Meinungen. Für die Grüppchen gilt für mich aber das Gleiche, wie für die Individuen: konstruktiver Austausch immer gerne - ansonsten bleibt doch weg bzw. bleibe ich einfach weg. Die Welt - auch die Me Made-Welt - ist groß genug, um sich dort aufzuhalten, wo es mir gut tut. 

- Wenn die Crew nach Meinungen fragt, gibt es außer "alles toll" keine Rückmeldungen mehr. 

Das sehe ich nicht so. Es gibt kritische Rückmeldungen. Es gab sie im Januar, als wir fragten, es gab sie letzte Woche, als wir den Text veröffentlichten und es gibt sie in den Kommentaren zu einzelnen Beiträgen, sei es beim MMM oder auch in anderen Blogs. Aber sie sind in der Tat in der Minderheit, das Positive überwiegt, weil es tatsächlich eine offene Tür ist und man wegbleiben kann, wenn es nicht gefällt. Und vielleicht überwiegt einfach auch das Positive. Zumindest für die, die mitmachen - und für die machen wir das ja auch. 

Mich wundert im Gegenteil, dass es immer wieder Äußerungen gab, dass die Teilnahme am MMM "aufgekündigt" wurde. Auf die Idee würde ich gar nicht kommen. Ich würde einfach wegbleiben. Ich habe in meinem Blog zwar immer mal Zweifel geäußert, ob ich noch weiter mitmachen will, aber ich habe das nicht der damaligen Organisatorin Cat offiziell kund getan - in der Annahme, dass sie das einfach nicht interessiert. Und ich habe es nicht getan, um gebeten zu werden, zu bleiben. Grundsätzlich finde ich es aber gut, wenn jemand sagt "ich habe Schwierigkeiten, weiter mitzumachen, weil mir es aus diesem oder jenem Grund nicht mehr gefällt", denn das gibt uns die Chance, unser Vorgehen zu überprüfen und abzuwägen, ob wir etwas verändern wollen. Manche Dinge haben wir verändert, ein Beispiel: als wir im August letzten Jahres als Crew begonnen haben, schufen wir uns eine gemeinsame anonyme Identität, mit der wir Regelverstöße kommentierten. Das wurde bemängelt, wir diskutierten die Sache und beschlossen, mutig genug zu sein, uns möglichen Angriffen mit unserer eigenen Identität zu stellen und den Schutz aufzugeben. 


"Dass das Durchlicken durch die Beiträge vielleicht auch langweilig ist, dass die Nähprodukte meist einem bestimmten Geschmacksbereich entsprechen, dass viele allein wegen der Klickzahlen mitmachen, dass man sich nicht von Konsumwahn und der Bekleidungsindustrie unabängig macht, wenn man mit deren Stoffen näht und das Genähte evtl. kaum oder gar nicht trägt, dass das mit dem verbesserten Körperbild vielleicht nur Augenwischerei ist, weil z.B. das Dünnseindiktat doch in allen steckt, dass der Text für die Republica ziemlich schwer zu lesen ist, die Crew das Vorhaben leider vorher nicht öffentlich gemacht hat - solche Stimmen besprechen sich lieber woanders, wenn sie keine Lust auf Ärger haben. Gestern stand irgendwo noch ein Kommentar, dass die Thesen in dem Republicaentwurf z.T. doch etwas bemüht wirken. Der Kommentar ist nun schon wieder weg, egal warum. Eine fruchtbare Diskussion kommt so nicht zustande. Keiner hat Lust, sich aus dem Fenster zu hängen." (suschna bei talentfreischön)

Ja, ja, ja... zu vielen dieser Kritikpunkte kann ich ja sagen - und trotzdem finde ich den MMM gut. Mir ist es auch langweilig, alle Beiträge anzuschauen und oft fehlt mir die Zeit - und trotzdem finde ich es super, dass so viele, verschiedenartige Menschen teilnehmen. Manchmal macht mich einfach die große Zahl froh. Seit dem es das "Bildchen-Link-Tool" gibt, steht es mir frei, auszuwählen, was ich mir anschaue. Das ist doch prima. Und trotzdem raffe ich mich oft dazu auf, alles anzuschauen, weil mir sonst manchmal Perlen entgehen. 

Teilnahme wegen der Klickzahlen finde ich nicht schlimm. Aufmerksamkeit ist doch die einzige Währung, die beim Bloggen funktioniert. Die Frage ist doch, ob sich die Vorbeikommenden den Blog merken und öfters vorbeikommen. Die einen freut es dann, weil sie höhere Werbeieinnahmen haben, die anderen, weil vielleicht spannende Diskussionen in den Kommentaren passieren. Das kann doch jede machen, wie sie will. Mich ärgert nur, wenn schnell ein Halstuch genäht wird, um dieses beim MMM zu zeigen, weil es mir/uns um Kleidung geht. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn Sachen öfters gezeigt werden und dann spannende Trageberichte geschrieben werden. Die meisten sind doch nicht frei davon, eine Linkaktion wie den MMM dazu zu nutzen, stolz etwas Neues zu zeigen. Bei mir ist es aber so, dass sich nicht jedes Kleidungsstück bewährt oder ich es dann doch zu ganz anderen Gelegenheiten oder in anderer Kombination trage - so etwas lese ich auch sehr gerne bei anderen. Aber das ist Geschmackssache und Geschmäcker darf es beim MMM in aller Unterschiedlichkeit geben. 

Die Diskussion um Konsumwahn, Bekleidungsindustrie, kritischen Stoffeinkauf etc. finde ich immer wieder wichtig und gar nicht langweilig. Es schadet nichts, das eigene Vorgehen immer wieder kritisch zu hinterfragen. 

Jetzt wirds spannend "dass das mit dem verbesserten Körperbild vielleicht nur Augenwischerei ist". Ich würde sagen, dass kann nur jede für sich beantworten. Aber ich kann für mich sagen, dass es für mich stimmt. Das neue Körperbild meinerseits basiert auf sehr verschiedenen Dingen, die aber alle mit dem MMM zusammenhängen. 1. das regelmäßige Fotografieren; am Anfang eine schier unüberwindbare Hürde, mittlerweile nur noch lästige Last. Aber mich immer wieder auf Fotos anzuschauen, trainierte mein Selbstbild immens. 2. das Finden von anderen dicken Selbstnäherinnen war mich ein Highlight. Ich kann oft schon im Vorfeld schauen, wie ein Schnitt bei anderen Frauen unpopulären Formats wirkt und werde von diesen auf Ideen gebracht, welche Schnitte ich mal ausprobieren kann. Großartig. Als ich noch verstärkt auf der Suche war, gab es die Aktion "Big is beautiful" als Linksammelaktion noch nicht. Ich bin auch nicht überzeugt davon, dass es solche Spezialitätengruppen wirklich braucht - denn im großen Sammelbecken MMM kann sich jede die Blogs raussuchen, die als "Gruppe Gleichgesinnter" hilfreich ist. Aber egal, im Internet macht jedeR was sie will. 3. die Beitragssammlung über die Zeit hinweg, die meine eigene Entwicklung sehr schön aufzeigt. 4. Die Kommentare, die manchmal mein Bild von etwas zurechtrücken. 5. Und nicht zuletzt "der Applaus", der mir immens Mut macht. Immer wieder. 

Ja, der Text für die republica ist schwer zu lesen. Punkt. Ich denke, das liegt daran, dass Frauen ihn schrieben, die geübt sind in differenzierten Betrachtungen und Formulierungen und gewöhnt sind, auch schwierige Texte zu lesen. Ich vermute auch, dass es daran liegt, dass wir den Text gemeinsam geschrieben und immer wieder daran herumgefeilt haben. Aber, auch wenn ich der Meinung war, wir hätten ihn auch etwas "boulevardesquer" schreiben können, so kann ich mit der Schlußfassung leben, denn es lohnt die Mühe, sich auch mit diesem/einen schwierigem Text auseinander zu setzen. 

Eine vorherige Bekanntmachung des Vorhabens, unsere Thesen einer Öffentlichkeit zu präsentieren, finde ich nicht notwendig. Ich mag nicht jede Idee, die ich habe, vorher zur Diskussion stellen und ich habe nicht den Eindruck, jemand mit unserer Analyse "benutzt" zu haben. Das bedeutet nicht, dass ich das geäußerte Gefühl "sich benutzt geworden gefühlt" oder "vereinnamt worden gefühlt" nicht mit Bedauern zur Kenntnis nehme. Das tut mir in der Tat leid und dennoch bin ich der Meinungen, mit dem Text niemand benutzt oder vereinnahmt zu haben, denn es ist der Versuch einer Analyse und Beschreibung. 

"Unsere Thesen wirken etwas bemüht". Kann sein. Das ist bei neuen Thesen oft so. Wir bemühten uns, Zusammenhänge aufzudecken und Thesen zu entwickeln. Für diejenigen, die sich darüber noch keine Gedanken gemacht haben, kann das bemüht wirken. Für andere vielleicht inspirierend. Ich glaube, dass neue Verständnisprozesse nur in Gang gesetzt werden können, wenn irgendjemand immer mal damit anfängt, sich um neue Thesen zu bemühen. 

Das war jetzt wieder ein langer Text und sicherlich auch mühsam. Aber es ist eine Einladung zur Diskussion, bei der wir durchaus unterschiedlicher Meinung sein können - deswegen habe ich auch hier so deutlich in der "Ich-Form" geschrieben und diesen Text nicht im Vorfeld mit der Crew besprochen. Natürlich gibt es noch viel mehr zusagen - ein Teil davon, haben schon andere Crew-Mitgliedern in Kommentaren an verschiedenen Stellen getan (besonderer Dank an Frau Nahtzugabe!) Ich fände toll, wenn wir den MMM nicht nur erleben und nutzen, sondern mehr und mehr verstehen würden, wenn unsere Thesen sich verhärten oder verändern und wenn wir das, was mich so bewegt, auch mit anderen teilen könnten!