Montag, 21. Juli 2014

Badenixen Sew Along: Finale der Herzen



Ich habe wirklich alles gegeben, um rechtzeitig zum Finale der Herzen des Badenixen Sew Alongs fertig zu werden. Und ich bin heute fertig geworden. Ich bin allerdings nur um Erkenntnis, nicht um einen Badeanzug reicher.




Fertig bekommen habe ich "nur" das Probemodell. Trotzdem ist es das teuerste Nähprojekt, was ich bisher gemacht habe. Teurer als der Wintermantel aus gutem Wollstoff.

Der Probe-Bombshell - ein Satz mit X

Zum Beweis, dass ich tapfer bis zum Ende durchgehalten habe, habe ich das Drecksding fotografiert. Was man dank des dankbaren schwarz nur schlecht erkennen kann, ist die liderliche Verarbeitung der oberen Kante und der angenähten Bänder. Am Schluß ahnte ich, nach ein paar Anproben, das Desaster und wollte das Probeding nur noch zusammentackern, um den Beweis zu haben, dass es nicht funktioniert. Hätte es wiedererwartend doch funktioniert, hätte ich vermutlich noch mal getrennt und den Gummi oben, den Saum und die Bindebänder ordentlicher angenäht.



Warum ist es ein Reinfall?

Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Ich sage nur "Neckholder". Neckholder funktioniert nicht bei schweren Brüsten. Ich hoffte allerdings, dass es irgendwie doch funktionieren könnte. Immerhin besitze ich einen Tanknini ähnlichen Schnitts (allerdings mit "konventionellen Trägern"), der einigermaßen sitzt. Bei Bademoden müssen Frauen mit großen Brüsten ohnehin Abstriche machen. Die Wirkung der Schwerkraft kann möglicherweise bei Bademodellen, die nicht genau so wie ein BH genäht sind, einfach nicht aufgehoben werden. Mir war schon klar, dass die Brüste bei dem Badeanzug weiter unten positioniert wären, als im Kleid mit BH darunter, aber dass es so schlimm ist... und dass der Zug auf den Bindebändern um den Hals unerträglich ist und trotzdem nichts bewirkt. Das hätte ich in dieser Extremform nicht gedacht.

Ich nähte deswegen, in quasi weiser Voraussicht, eine Art BH, den ich in zwischen Futter und Oberstoff einnähte. Allerdings habe ich noch nie einen BH genäht. Ich habe mich zwar theoretisch schlau gemacht und außerdem trage ich seit 33 Jahren einen BH, aber trotz der Verwendung von Powernet, einnähbaren Miederstäbchen, Unterbrustgummi und Cups, reichte die Statik nicht aus, um quasi halterlos zu funktionieren. "Halterlos" deswegen, weil für das Gewicht, dass getragen werden muß, die Bändern um den Hals einfach nen Witz sind. Einen Teil des Gewichtes übernahm zwar der Unterbrustgummi, aber das reichte einfach nicht.


Ein zweiter Grund, wieso der Bombshell nichts für Kaliber wie mich ist, sind die neckischen Falten. Die Raffungen sehen bei Frauen, die ein wenig mehr Kurven erzeugen wollen, als gegebenenfalls vorhanden sind, neckisch aus. Ich schaute nur entsetzt auf meinen Po. Eine voluminöse Geschenkverpackung - es fehlte nur das Hasenschwänzchen oder ne rosa Schleife. Neee, neee, da hatte ich anscheinend auch zu viel vergrößert. Diese aufgeplusterten Falten am Po.... das kannstde niemand zeigen! Hingegen am Bauch hatte ich zu wenig vergrößert. Während sich hinten der Po plustert, als wolle ich gleich ein Ei legen, spannen die Falten doch tatsächlich über dem Bauch. Das sähe nur ok aus, wenn ich in Vorfreude auf ein Baby wäre.

So sehr ich doch dafür bin, echte Bilder von echten Frauen, jeden Alters, jeder Figur etc zu zeigen. Das geht nun wirklich nicht. Das Ding, wird höchstens sturzbetrunken guten Freundinnen gezeigt, falls es nicht vorher in die Mülltonne wandert oder ausgeschlachtet wird.

Die Erkenntnisse

Erkenntnisse habe ich eine Menge gesammelt. Zuallererst fand ich es spannend, mit dem Nähen von Bademode und Unterwäsche eine völlig neue Welt zu betreten. Andere Läden, andere Materialien. Es ist wirklich faszinierend, was da noch geht! Und frau kann da ne Menge Geld lassen.

Ich habe nicht zusammengerechnet, was ich alles ausgegeben habe. Besser ist das. Aber dank Nachbestellungen, weil Material fehlte - das konnte ich vorher noch nicht wissen - dem weiteres Material dazulegen, damit das Porto nicht so ins Gewicht fällt, bin ich vermutlich bei 150 Euro gelandet. Wenn ich bedenke, dass mein Ausgangspunkt ein Geldgeschenk von 100 Euro war, habe ich immer noch eine Menge Lehrgeld bezahlt. Das ärgert mich.

Auf der anderen Seite habe ich das geschenkte Geld in dieses Projekt investiert, weil es mir mit den Worten geschenkt wurde "kauf dir was, was du dir sonst nicht gönnen würdest". Tja, das habe ich. Ich hätte sonst vernünftig dreimal nachgedacht und mich gegen den Bombshell und den Sew Along entschieden. Das Geld ist ja nicht weg. Ich habe noch eine große Tüte an Material übrig. Da kann ich noch die eine oder andere Bikini-Hose mit nähen, selbst wenn sie bis unter die Achseln geht. Und das will ich auch. Diesen Sommer vermutlich nicht mehr, aber perspektivisch will ich an dem Projekt schon weitermachen. Auf jeden Fall die eine oder andere Hose und am liebsten noch dazu ein Bikini-Oberteil, das wir ein BH gearbeitet ist. Aber das muß jetzt nicht sofort sein. Das Kind soll nun im Herbst endlich schwimmen lernen. Es wird also auch dann noch Gelegenheiten geben, bei denen ich was zum Anziehen brauche.

Scheitern?

Bin ich nun gescheitert? Also ich habe definitiv etwas genäht, was ich nicht tragen werde. Ich habe viel Zeit und Geld in ein Projekt gesteckt, das kein verwertbares Ergebnis hat. Trotzdem würde ich es nicht als Scheitern bezeichnen. Viel mehr noch, als bei anderen Kleidungsstücken, wurde ich mit der Realität meines Körpers konfrontiert. Um es plakativ zu sagen: sind Kleider eigentlich nur Zierde, ging es beim Bombshell tatsäschlich um Statik. Das ist mir zwar nicht gelungen, aber ich habe herausgefunden, dass Statik interssant ist und einen kleinen Einblick gewonnen, was dafür nötig sein könnte. Ob ich nun einen Faible für Statik entwickeln werde, oder beim Kleidernähen bleibe, weiß ich noch nicht. Ich finde aber diesen Aspekt trotzdem unheimlich spannend.





Frau Nahtzugabe hat natürlich recht. Die tweets habe ich favorisiert und fühlte mich eher getröstet als angegriffen!

Gescheitert bin ich dahingehend, dass ich für die Badeverabredungen in den nächsten Wochen, keinen Wow-Badeanzug habe. Das wäre ja auch zu schön gewesen. Letztlich spielte da mein Kopfkleiderschrank mir etwas vor, das zugegebener Maßen unrealistisch war. Ich bin eben anders. Beim Kleidernähen sehe ich das ja als meine persönliche Herausforderung, durch das selber Nähen alles möglich zu machen. Ich sprenge die Vorgaben bezüglich Augengewöhnung und zur Verfügung stehender Schnitte und mache einfach mein Ding. Selbst wenn andere dann nicht "Wow" juchzen, freue ich mich, wenn ich ein Teil meines Kopfkleiderschrankes verwirklicht habe. Möglicherweise hat der Kopfkleiderschrank aber berechtigte Grenzen und nicht alles geht. Ich bin traurig, dass ich mich nicht mit den anderen Bombshell-Nähnerds zum Synchronschwimmen verabreden kann. Das wäre wirklich ein entzückendes Bild gewesen - im Traum sind wir schon oft gemeinsam zur Musik geschwommen. Trauer und Enttäuschung ist eindeutig dabei, die lässt sich auch nicht wegrationalisieren!

Trotzdem ganz herzlichen Dank an Frau Fadenverloren für die bezaubernde Organisation des Badenixen Sew Alongs. Ich finde es toll, dass du dich hast überreden lassen und damit anderen Mut gemacht hast, es einfach mal zu versuchen. Danke!

edit: 
Den Post habe ich, frustriert, gestern abend nach Fertigtstellung geschrieben, aber noch nicht online gestellt, weil ich keine Fotos machen konnte. Heute gab ich dem Ding noch mal eine Chance. Der Fairniss halber, probierte ich auch meinen Schwimm-Badeanzug und meinen Plansch-Tankini an zum Vergleich, denn ich wollte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Was soll ich sagen: durch Zufall fand ich eine Möglichkeit, wie ich den Bombshell tragen könnte. Den Vorschlag der twitter Nähnerds aufnehmend, kreuzte ich die Bänder über den Rücken und weil ich nicht wusste, wohin damit, knotete ich sie vorne unter der Brust. Oh! Wenn ich den Bombshell bis fast unter die Achseln ziehe (so dass die Brust seitlich gestützt wird, da habe ich ja Miederstäbchen eingenäht) und dann die Bänder hinten kreuze und durch das Verknoten ein zusätzliches Unterbrustband schaffe, dann kann ich die Schwerkraft ein wenig austricksen. Es geht und es ist auch nicht so unbequem. Die Rückansicht bleibt allerdings und das Ding bleibt trotzdem zum nächsten Badeausflug zuhause.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Tiramisu



Tiramisu wollte ich schon länger nähen. Mich gefiel das gestreifte Kleid auf der Schnittverpackung und es reizte mich sehr, dass ungewöhnliche Schnitt- und Größensystem von Cake Patterns auszupobieren. Als es zum Anfang dieses Sommers in Nähnerdkreisen in Mode kam (Frau talentfreischön und Frau von Mema begeisterten mich besonders), bestellte ich es spontan bei Urban Cut und war begeistert, als der Schnitt am nächsten Tag in meinem Briefkasten lag.

Zunächst konnte ich es gar nicht glauben, dass ich zur Abwechslung nicht einfach die größte Größe nehmen muß. Wahrscheinlich erging es mir wie vielen Näherinnen in meinem Format, dass wir erst einmal ein zu großes Kleid zuschnitten. Das Maßsystem fand ich super. Es leuchtet mir direkt ein, dass es auf die Rückenbreite bzw. die Oberbrustweite ankommt, die mit der Cup-Größe kombiniert wird. So kann es viel mehr varriiert und passformgenauer gearbeitet werden, als mit dem Maß der Oberweite, die große Brüste und breites Kreuz in einen Topf packt. Viele Näherinnen finden sowieso ihren Weg durch Mehrgrößenschnitte, in dem sie obenrum eine andere Größe wählen als unten. Bei Cake ist das gewollt. An verschiedenen Punkten trifft frau Entscheidungen und stellt sich so einen gut funktionierenden Schnitt zusammen - wenn frau sich auf das System einlässt und daran glaubt.




Mein erster Entwurf sah scheußlich aus. Ich nähte ihn aus einem geschenkten Stoff. Frau 81GradNord wunderte sich vor ein paar Monaten über ihren Fehlkauf und fragte mich, ob mir der Stoff gefalle. Auf dem Foto, das sie mir schickte, schätze ich die Kreise größer ein und obwohl braun an für sich nicht so mein Ding ist, mochte ich die türkisen Sprengsel und das Retromuster und sagte deswegen "ja" und an dieser Stelle noch mal "herzlichen Dank!".




Geschenkte Dinge sollte frau nicht zu lange rumliegen haben (Entschuldigung, für die zwei noch nicht genähten Schnitte!), deswegen griff ich beherzt zu dem einzigen, zu diesem Zeitpunkt herumliegenden Jersey und schnitt das Tiramisu zu. Interessant, by the way, ich habe ein Webware und Futterstoffe-Lager aber kein Jerseylager. Das Kleid war zu groß, die Taschen hingen an den Knien, das Taillenband zu weit und der Stoff lud dazu ein, es kurzer Hand als Kittel zu beurteilen. Siehe oben.


Ich wollte aber, obwohl ich eigentlich gerade noch genug Nähprojekte habe, die eigentlich bis nächste Woche fertig werden sollten, nicht aufgeben. Ich kaufte für 2 Euro noch petrolfarbenen Jersey dazu, nahm das Kleid noch einmal komplett (bis auf Rockteil mit Taschen) auseinander, kürzte das Taillenband und doppelte es gleich und fügte die kontrastierenden Blenden an. Ein Abend zusätzlich Arbeit und jetzt habe ich ein neues Kleid.




Witzigerweise war mein Urteil nicht sofort begeistert, aber mir schwante, dass das Kleid "ein Renner" werden würde. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber es ist so unkompliziert und angezogen. Vielleicht liegt es an Farben und Muster, die sich nicht in den Vordergrund drängen, vielleicht liegt es aber auch am Schnitt. Der weite Rock und die angeschnittenen Ärmel bedecken und sind trotzdem luftig. Es ist mehr Stoff, als an den kurzärmeligen Ajaccios und das fühlt sich weniger nackt an. Eigentlich mag ich diese angeschnittenen Ärmel überhaupt nicht, ich finde sie unförmig und zu 80er für mich. Ich habe auch immer Sorge, dass sie zu wenig Kontur geben und damit die Oberweite unnötig aufblähen. Aber witziger Weise stört es mich bei dem Kleid nicht, nachdem ich es im Taillenbereich noch mal wesentlich enger nähte.




Kurz und gut, hätte ich jetzt Zeit und einen gestreiften Jersey herumliegen, würde ich es sofort noch mal nähen. Hatte ich schon erwähnt, wie schwer verliebt ich in dieses Tiramisu bin, das ich letzte Woche beim Me Made Mittwoch entdeckte?

Egal, jetzt wird erstmal das Premiere-Tiramisu getragen, bis sich der Saum so ausgehängt hat, dass sich das säumen lohnt. Ich bin gespannt, ob mein erster Versuche wirklich so ein gern getragenes Alltagskleid wird, wie ich es schwer vermute. Ich glaube schon!





Montag, 14. Juli 2014

WM endlich fertig - das Jäckchen noch nicht



Obwohl ich es nicht mit Fußball habe, nahm ich mir vor, ein WM-Jäckchen zu stricken. Gestern war Finale, heute sind alle um mich rum Weltmeister, da ist es an der Zeit, vom Zwischenstand zu berichten.


Wie ihr seht, bin ich vom Jäckchen noch ziemlich weit entfernt. Rücken ist fertig und der erste Ärmel so gut wie, denn da fehlt nur noch die Armkugel. Witzigerweise fand ich schon in der Vorrunde heraus, dass es der Mann ertragen kann, wenn ich neben dem Fußballspiel nähe oder mit Schnittkonstruktionspapier rumkruschele. Das darf ich nämlich an normalen Abenden nicht. Normalerweise fühlt er sich genervt, wenn ich im gleichen Zimmer knistere, rattere und (angeblich) fluche. Insofern habe ich in den letzten Wochen oftmals spontane Nähzeit, die ich eben nicht zum Stricken nutzte. An den anderen Abenden war ich schlichtweg zu müde, um auch nur  nach den Nadeln zu greifen.

Normalerweise stricke ich auch während des Fußballtrainings des Kindes, das normalerweise zweimal die Woche stattfindet. Aufgrund verschiedenster Umstände, haben wir dieses aber in den letzten Wochen auch öfters ausfallen lassen. Das WM-Jäckchen wuchs also nur langsam. Aber egal, ich glaube, dass ich besonders im Frühling das Bedürfnis nach einem weißen Jäckchen habe, also habe ich noch etwas Zeit ....

Freitag, 11. Juli 2014

Stoffwechsel - Finale



Quasi auf den letzten Drücker, habe ich mein Stoffwechsel-Kleid genäht. Ihr lest richtig, ich habe es nicht nur auf den letzten Drücker fertig gestellt, nein, ich habe auch erst auf den letzten Drücker damit begonnen. Woran lag's? Zum einen kam der Badenixen-Sew Along dazu, der mich schon sehr beschäftigte (obwohl ich auch dort, nach dem bereits gelaufenen Finale, noch weit davon entfernt bin, Ergebnisse zu haben), aber was wirklich hinderlich war war dass mir der von meiner Stoffwechselpatin ausgesuchte Stoff nur so lala gefiel.

Ich deutete es im letzten Stoffwechsel-Beitrag ja schon an. Irgendwie wurden wir nicht so richtig warm, der Stoff und ich: das Muster war mir zu klein, die Farben zu sehr ins Blaue, statt ins türkis/petrolige, das rot einen Tick zu falsch und das Muster insgesamt, erinnerte mich an Kleidungsstücke meiner Eltern. Ich hätte diesen Stoff niemals für mich gekauft. Es ist nicht so, dass ich ihn hässlich finden würde, sondern ich fand einfach keinen Bezug zu dem Stoff. Sowohl "im Wohnzimmer drapieren", "Fotos von mir und dem Stoff machen" als auch "erstmal weglegen und das Unbewusste arbeiten lassen" funktionierte nicht. Der Final-Termin rückte näher und ich hatte einfach keine Lust, etwas daraus zu nähen.



Letztlich funktionierte doch der letzte Punkt "erstmal weglegen..." in Kombination mit meinem Pflichtgefühl. Ich hätte es einfach schäbig gefunden, aus der Aktion auszusteigen, hat sich doch jemand für mich viel Mühe gegeben. Außerdem sind diese widersprüchlichen Gefühle doch vielleicht genau der Witz von Stoffwechsel. Hätte ich einen Stoff bekommen, bei dem ich "Juchhu" geschrieen hätte, weil genau FrauCrafteln drauf steht, dann hätte meine Stoffpatin die Herausforderung zwar mit Auszeichnung bestanden, weil sie mich so gut kennt, aber für mich wäre es ein Kinderspiel gewesen. Ich fragte mich zwischendurch übrigens auch, ob ich mehr Vertrauen in den Stoff gehabt hätte, wenn ich gewusst hätte, wer meine Stoffpatin ist. Bei bestimmten Personen würde ich blind vertrauen und einfach tun, was sie vorschlagen. Ich habe keinerlei Idee, von welcher Nähnerdin der Stoff sein könnte. Wenn man mich zwingen würde, einen Tipp abzugeben, würde ich Frau Siebenhundertsachen nennen, aber das auch nur, weil ich mir aus dem Poststempel des Paketes etwas zusammenreime.

Wer sich schon mal mit mir zum Nähen verabredet hat, weiß, dass ich früher oder später sagen "eigentlich nähe ich gar nicht gerne". Das ist zwar nur die halbe Wahrheit, weil ich den Flow und die Konzentration, die sich beim Nähen oft einstellt, schon gerne mag. Aber obwohl mein Kleiderschrank mittlerweile ganz gut gefüllt ist, stellt sich  meine Nähmotivation immer noch hauptsächlich über das unbedingte Bedürfnis, genau dieses Kleidungsstück meiner Träume anziehen zu wollen, ein. Ich sehe einen Stoff und/oder einen Schnitt und kann gar nicht mehr leben, ohne ein daraus entstandenes Kleidungsstück zu besitzen. Beim Stoffwechselstoff spürte ich nur die Verpflichtung. Ich konnte mir absolut vorstellen, weiter zu leben, ohne ein Kleidungsstück aus diesem Stoff zu besitzen.

Aber genau das ist doch die eigentliche Herausforderung! Ich gelobte zu Beginn der Aktion, mich auf etwas einzulassen, was ich sonst nicht selbst gewählt hätte. Zuerst dachte ich, ich müsse mal etwas anderes nähen; ein Oberteil zum Beispiel oder eine andere Silhouette. Aber die Herausforderung war ja schon der Stoff. Also zog ich in Erwägung, einfach noch ein "Frau-Kirsche-Kleid" zu nähen. Das wäre schnell gemacht und auf Nummer sicher gewesen. Ich befürchtete allerdings, dass ich anschließend das Kleid nicht anziehen würde - dafür war ich dann doch zu faul.

Zu guter letzt, reifte in mir eine Idee: ich wollte schon lange mal mehr aus einem Stoff machen, d.h. diesen mit einem anderen Stoff, gemustert oder uni, zu kombinieren. Es ist ein bisschen stumpfsinnig, einfach "ein Schnittmuster aus einem Stoff runterzunähen", aber Stoffkombinationen empfinde ich als heikel. Ganz schnell können Stoffkombinationen "witzig" aussehen, aber nach witzig steht mir derzeit nicht der Sinn. Mit einem einfarbigen Stoff zu kombinieren, erschien mir dann eine sicherere Bank, die ich unbedingt mal versuchen sollte. Und genau das motivierte mich dann, es endlich anzugehen.



Schon vor Wochen hatte ich B 6018 abgepaust und wollte diesen mit meinem Grundschnitt anpassen. Leider ernüchterte mich meine Schnittkonstruktionslehrerin mit der Aussage, dass das nicht funktionieren könnte: der Bogen im Vorderteil würde aufgrund der Schwerkraft ganz anders werden, als im Schnitt vorgesehen und niemals den in der anderen Richtung gerundeten Bogen des Rückenteils treffen. Es war also schnell klar, dass nur ein Bogen, wie er beim Frau-Kirsche-Kleid ist, möglich wäre. Ich konnte mich, nach dieser doofen Erkenntnis, wochenlang nicht aufraffen, das Rockteil zu vergrößern und das Oberteil anzupassen, obwohl ich den Kragen immer noch sehr toll fand.

Diese Woche hatte ich etwas Zeit, so dass ich am Dienstag quick and dirty mein, auf den Grundschnitt angepasstes, Frau-Kirsche-Kleid-Schnittmuster nahm und an dieses den Kragen bastelte und das Projekt zuschnitt: Das Kleid aus dem Stoffwechselstoff und die Kontraste aus rotem Baumwollleinen von Stoff und Stil. Das Nähen entwickelte sich als schwieriger, als gedacht, weil ich den Schnitt samt Anleitung nicht finden kann. Einen Abend frickelte ich am Kragen rum, einen zweiten Abend an den Manschetten. Dank netter twitter-Hilfe, danke Frau Siebenhundertsachen und @Beate, die mir ein Foto der Anleitung twitterte, bekam ich die Manschetten dann gegen Mitternacht doch noch ans Kleid. Sie sind zwar nun etwas schmaler, als vorgesehen, da ich beim Trennen einiges Abschnitt, aber ich finde sie immer noch bezaubernd.



So, wie es ist, gefällt mir das Kleid nun. Ich gestehe allerdings, mein Blick wird immer wieder auf die roten Details gelenkt, da ist der Rest fast egal. Ich glaube, der Stoff, die feine Baumwolle, die Farben und das Muster passen gut zu dem Kleid. Aber ich würde ihn dennoch nicht selbst für mich kaufen. Es war einfach keine Liebesheirat mit dem Stoff und mir, aber arrangierte Ehen halten angeblich auch gut und lange.

Im Nachhinein bin ich froh, nicht aufgegeben zu haben. Es fühlt sich schon cool an, sich durchgebissen zu haben. Ich freue mich, über mein neues Kleid (und ziehe es morgen zu einem "Anlass" an).




Ich bin allerdings nicht sicher, ob ich noch mal bei einer Aktion wie #Stoffwechsel mitmachen würde. Zum einen mußte ich in den letzten Wochen lernen, dass "Nähen auf Termin" für mich nicht gut ist. Finaltermine verursachen bei mir einen Druck, der mir die Freude nimmt. Ich werde versuchen auch weiterhin von der Inspiration und Wissenssammlung von Sew Alongs zu profitieren, aber ich werde trotzdem versuchen, mich von dem Zeitplan frei zu machen. Stoff geschenkt zu bekommen, finde ich im Nachhinein auch schwierig. Ich glaube, ich bin zu eigensinnig dafür. Ich kann es auch nicht ertragen, etwas für die Wohnung geschenkt zu bekommen, was ich mir nicht selbst ausgesucht habe. Was mir aber sehr an der Stoffwechselaktion gefallen hat, waren die Steckbriefe im Vorfeld, dir mir schon mal eine Menge Selbsterkenntnis (und Erkenntnisse über die anderen Teilnehmerinnen) brachte und das Feedback, das in dem Brief meiner Stoffpatin steckte. Eine theoretische Partneraktion unter nähnerds würde mir viel Spaß machen, bei der es um so eine Art gegenseitige Typberatung und Projektvorschläge geht. Vielleicht überlege ich mir mal was diesbezüglich.

1000 Dank an Frau Siebenhundertsachen, die Stoffwechsel ins Leben rief und liebevoll begleitete. Es war mir eine Freude, für dich einen Stoff auszusuchen und ich hoffe sehr, dass er dir so gut gefällt, wie du schreibst. Ganz herzlichen Dank auch an meine Stoffpatin - na, wer wars? - für den tollen, tollen Brief, den ich ganz bestimmt aufbewahre und immer noch mal lesen werde, weil da eine  Menge drin steckt! Und natürlich auch herzlichen Dank für den Stoff! Ich weiß, du hast es gut gemeint und sicherlich sorgfältig gewählt. Wer weiß, vielleicht wird das ja doch noch eine ganz große Liebe mit mir und dem Kleid?!



P.S. Bilder ohne Hollywoodschaukel und Häschen (die twitter nähnerds wissen, wovon ich spreche), aber dafür noch vor der letzten Minute. Ich mußte die Häschen-Schaukel-Party leider wegen des Anlasses absagen. Wenn ihr aber unbedingt mal Schaukel-Häschen wollt, dann mache ich das mal für euch :-)


Sonntag, 29. Juni 2014

Bade Nixen Sew Along - kein Finale, denn es ist noch nicht aus mit mir und den Nixen



Tja, diese Sew Alongs, die sind einfach nichts für mich. In den letzten Wochen fühlte ich mich nur gehetzt und obwohl sich zusätzliche Nähzeit ungeplant ergab, bin ich trotzdem weit hinter dem Soll. Kurz und gut: ich bin alles andere als fertig mit dem Bombshell.

Trotzdem sind Sew Alongs klasse: sie treiben mich an, etwas Neues zu probieren. Sie sind Inspiration und Mutmacher. Ich habe es einfach nur nicht so mit den Zeitplänen. Statt mich zu motivieren, frustrieren mich die Zeitpläne nur. Beim Untendrunter Sew Along bin ich irgendwann ausgestiegen aus den Terminen und der pünktlichen Berichterstattung und für mich war das gut so. Ich habe im stillen Kämmerlein weitergenäht und freue mich an meinen zwei neuen Unterröcken. Trotzdem plagt mich ein schlechtes Gewissen, denn der Ausstieg aus den Terminen bedeutet auch, dass ich nur nutznieße aber wenig gebe. Letztlich steige ich so aus, aus der gesammelten Wissensammlung.

Als auf twitter die Idee aufkam, Badeklamotten zu nähen und Lotti dazu überredet wurde, den Sew Along zu organisieren, zweifelte ich von Anfang an: der Zeitplan, der Bedarf? So richtig konnte ich mich mit der Idee nicht anfreunden. Auch die Motivation á la "die Linkliste ist eine Woche offen", half nicht. Trotzdem leckte ich Blut und der Lemming in mir wollte mitmachen, trotz oder auch gerade wegen des Themas, denn Badeklamotten brauche ich selten (und habe erstaunlicherweise Kaufklamotten, die einigermaßen gehen) und ich werde ganz sicherlich keine Tragefotos von mir mit dem möglichen Ergebnis hier im Blog zeigen. Bei aller "ich steh zu mir selbst"-Dings und dem ganz klaren Wert von Fotos mit Me-Made-Teilchen, neeee, meine Oberschenkel sind einfach nicht fotogen, da nützt der schönste Badeanzug obendrüber nichts.

Trotzdem geriet ich im Laufe des Sew Alongs in Nixen-Rausch. Die Materialbestellungen, ja Plural, waren wesentlich teurer, als ich beim Zögern vor dem Projekt gedacht hätte. Natürlich kann ich es mir schönreden, von wegen ich hatte ja Geld zum Geburtstag geschenkt bekommen und ich könnte daraus sicherlich zwei Badeanzüge und mindestens einen Bikini nähen, aber Fakt ist: es hat nen Haufen Geld gekostet, dieser Nixen-Rausch. Nach der ersten Stoff-und-Kurzwaren-Bestellung mußte ich noch mal Badefutter nachkaufen, weil der "Probe"-Badeanzugstoff von Stoff und Stil dazwischen kam, es dort aber kein Badefutter gibt. Dann hatte ich nicht genügend Badegummi, also mußte der Probeanzug mit Framilonband aus dem Lager auskommen. Soweit, wie ich ihn jetzt genäht habe weiß ich


  • die FBA ist nicht ganz korrekt - zwischen den Beinen war zu viel Stoff  vorgesehen, das habe ich freihändig am Stoff korrigiert und das kam gut hin. Hier und da ist zu viel, da und dort etwas zu wenig Stoff, aber dafür ist ja auch ein Probeteil ein Probeteil.
  • Badestoff zu nähen geht mit meiner Maschine
  • brauche ich definitiv noch eine Lösung zur Stabilisierung der Brüste. Ein Unterbrustgummi und Powernet irgendwie irgendwo rangebastelt, hält vermutlich nicht genügend aus. 


Heute habe ich noch mal Cups bestellt und Badegummi und damit sich die Bestellung dann auch lohnt, noch mal nen günstigen Badestoff plus Futter. Auch wenn ich immer noch meine Zweifel habe, ob es für mich überhaupt sinnvoll ist, so etwas zu nähen, bin ich etwas angefixt und will weiter probieren, so mich die Motivation nicht verlässt und ich irgendwann irgendwie Zeit finde.



Lange Worte, kurzer Sinn. Hier seht ihr mein Probemodell "Bombshell" fertig, bis auf den Brustbereich und die Träger. Ob ich noch einen "richtigen" Bombshell aus dem eigentlich geplanten rosarotem Badestoff  nähen werde, bezweifele ich. Denn so richtig vorteilhaft finde ich noch nicht, was ich sehe, aber das liegt vielleicht auch an meinem starren Blick auf die Oberschenkel und die Brüste, die beim derzeitigen Stand des Modells hängen, wo sie nicht sollen. Von hinten ist es nicht sooo schlecht. Nach dem Lesen der Sew Along Beiträge der letzten Wochen habe ich auch den Wunsch aufkeimen spüren, einen Fatkini zu nähen. Der Bombshell hat schon sehr viele Lagen Stoff, da wäre ein schickes Oberteil (ein BH-Schnitt, der mir passen könnte, dürfte doch aufzutreiben sein) und so eine Mörderhüfthose doch irgendwie cool. Außerdem gefällt mir das Wort Fatkini. Das nennt es beim Namen. Es ist zwar etwas deftig, aber wann, wenn nicht in Badeklamotten wird sichtbar, was da ist. So ein Fatkini ist dann doch noch mal eine Nummer emanzipatorischer als ein Bombshell.

Trotzdem träume ich schon davon, dass der Bombshell irgendwann fertig wird - nicht zuletzt träume ich davon, mit den #nähnerds - alle im Bombshell - einmal synchron zu schwimmen! Vielleicht klappt das ja mit den Cups aus Österreich. Weil ich mit den Größen unsicher war und diese nun wirklich nicht teuer sind, habe ich gleich 3 Paar bestellt. Ihr seht, ich bin mit dem Thema noch nicht durch, denke aber, dass ich mit großer Wahrscheinlichkeit, meinen rosaroten Badeanzugstoff von sewy weiterverkaufen würde, falls eine Interesse hätte.

Danke Lotti, dass du den Sew Along organisiert und uns virtuell das Händchen gehalten hast. Ich werde am Thema dranbleiben, Ergebnisse zeigen und auf deine Aktion verlinken. Danke auch an die anderen Teilnehmerinnen, die beratenden #nähnerds auf twitter und die Teilnehmerinnen des Bombshell Sew Alongs vom letzten Jahr!

Die anderen, erfolgreicheren Teilnehmerinnen als ich des Badenixen Sew Alongs findet ihr bei Lotti auf ihrem Blog Faden verloren. 

Mittwoch, 25. Juni 2014

MMM - als Gastgeberin mit Blick aufs Untendrunter



Heute mal wieder drüben auf dem Me Made Mittwoch Blog als Gastgeberin - der Vollständigkeit halber auch hier:

Heute zeige ich euch meinen neuen Tellerock. Es ist ein halber Teller aus einem Stoff, den ich dank Frau Nahtzugabe auf dem Markt am Maybachufer entdeckte und sehr sehr liebe. Seltsamerweise wurde der Rock, trotz großer Begeisterung meinerseits, erst Wochen nach dem Beginn des Nähens fertig...

Stoff: Baumwolle vom Markt am Maybachufer in Berlin
Schnitt: halber Teller, selbstgemacht
Bemerkungen: Bund mit Reißverschluß und Knopf, Saum mit schmalem Schrägband




... Ich war sehr lange unschlüssig, ob ich den Rock füttere oder nicht. Der weißgrundige Stoff ist wunderschön, aber auch etwas durchsichtig. Je weniger ich den Sommer gewöhnt bin, umso schamhafter bin ich. Da kam mir der Untendrunter Sew Along sehr entgegen. Ich nähte zunächst einen stufigen Unterrock aus Voile, der entsorgt werden mußte, weil er am Baumwollrock klebte. Als nächstes nähte ich einen fluffig leichten stufigen Unterrock aus weißem, weichen Tüll, der sich bereits sehr gut bewährte, obwohl er ein bisschen empfindlich ist..


weicher Tüllunterrock
Stoffweicher Tüll und Charmeuse (Jerseyfutter) für die oberste Stufe
Schnitt: nach meinen Maßen nach dieser Anleitung
Bemerkung: für den Bund habe ich einen Tunnel für ein Gummiband genäht. Die Tüll-Lagen sind nicht gesäumt.

Am Wochenende vollendete ich noch einen dunkelblauen Unterrock, aus festerem Tüll. Auf die Idee, mit Futterstoff und zwei Lagen Tüll einen Unterrock zu nähen, kam Catherine von allures-und-couture, die auch den Untendrunter Sew Along veranstaltete und ausführliche Testreihen zum Thema Untendrunter startete. Sie nähte diesen innovativen, wunderschönen Unterrock

                                      "Patent"-Unterrock von allures-und-couture

und war so begeistert, dass sie uns an ihrem Erfolgsrezept teilhaben ließ. Danke dafür! Mein dunkelblauer Unterrock trägt sich auch wunderbar (*raschelraschel*) und ich finde, er geht auch gut unter dem weißgrundingen Rock, wenn ich dazu ein blaues Shirt und blaue Schuhe trage. Für euch - und dem Paketboten, der gerade klingelte, als ich fotografierte - ein Foto vom Unterrock ohne Rock darüber.



Unterrock á la allures-und-couture
Stoff: zwei Lagen Tüll, darunter eine Lage Acetat-Futter
Anleitunghier
Bemerkungen: der Bund ist ein Gummiband, seitlich habe ich einen Reißverschluß eingenäht. Der Tüll ist mit schmalem Satinschrägband gesäumt. Alle drei Lagen sind als halber Teller zugeschnitten.

Nun aber ein ordentliches Foto, mit dem Blumenrock und dem blauen Unterrock darunter. Man sieht ihn leicht durchschimmern, dadurch leuchtet das Weiß ein bißchen anders. Durch den Tüllunterrock á la allures-und-couture bekommt der Rock etwas Stand, raschelt schön beim Tragen, ist es wärmer und "angezogener".

                                      mit blauem Unterrock á la allures-und-couture 


Den weißen Unterrock aus weichem Tüll finde ich aber unter dem geblümten, weißgrundigen Rock noch ein bißchen besser, denn das sommerlich Leichte wird durch den hauchzarten Unterrock noch unterstützt, ohne, dass ich mich komplett nackt fühle.


                                          mit weißem, weichem Tüllunterrock

Natürlich habe ich auch die Variante "ohne Unterrock mit hautfarbenen Slip" getestet und siehe da, es geht auch. Der Rock fällt etwas gerader runter, aber soweit ich es erkennen kann, ist er eigentlich gar nicht so durchsichtig, wie ich befürchtete.

                                                           ohne Unterrock

Mehr selbstgemachte Outfits an echten Menschen findet ihr wie immer Mittwochs auf dem Me Made Mittwoch Blog.

Montag, 23. Juni 2014

Noch nen Unterrock



Nachdem ich mit meinem weißen Unterock aus weichem Tüll erst einmal "skeptisch-zufrieden" war, sprang ich gleich auf die Idee von Catherine an, einen Unterrock aus festerem Tüll zu nähen. Mein "weicher Petticoat" fühlt sich zwar toll an, ist aber so leicht und luftig, dass ich jedes Mal Sorge habe, dass ich ihn zerreißen könnte. Mal schauen, wie ich den bei Gelegenheit noch ein bißchen patchen kann, damit er mir "mehr Sicherheit" gibt. In dem oben verlinkten Beitrag schreibe ich genaueres über den weichen Petticoat.

Auf dem Bild oben, seht ihr nun den neuen marinefarbenen Unterrock. Nein, so solo werde ich ihn nicht tragen! Ich weiß gar nicht, wie ich den neuen dunkelblauen Unterrock nun nennen soll. Ein Petticoat ist er irgendwie nicht, weil ich mir einen Petticoat immer gerüscht vorstelle. Aber ein Unterrock ist es auch nicht, denn ein Unterrock ist eigentlich glitschig und aus Futterstoff. Auf jeden Fall ist er eine Erfindung von Catherine *tusch* und deswegen nenne ich ihn den "Unterrock á la allures-und-couture". Von Catherine ist die Idee und bei ihr findet ihr auch die Anleitung, wie so ein Unterrock zu nähen ist.

Da ich genügend Futterstoff hatte, habe ich alle drei Lagen (Tüll, Tüll, Futter) als halben Teller zugeschnitten, die eine Seitennaht geschlossen und auf die andere Seite ein Reißverschluß eingenäht. Zunächst nutze ich, wie üblich, einen nahtverdeckten Reißverschluss. Das war allerdings eine Schnapsidee, wie ich schon beim ersten Schließen feststellen musste, als sich der Tüll im Reißverschluss verhakte. Also trennte ich ihn wieder raus und fand aber glücklicherweise in den Vorräten noch einen normalen Reißverschluss in anthrazit. Merkt kein Mensch. Als oberen Bund nähte ich ein 4 cm breites schwarzes Gummiband, das ich auch noch im Lager fand. Ich tüftelte ein bisschen, wie ich das annähe, damit es gut aussieht und trotzdem die Nahtzugaben nicht kratzen. Trotz Tüfteln kratzen sie, es ist eben nur ein einlagiger Bund. Da überlege ich  mir vielleicht noch mal was. Im Nachhinein hätte ich mir den Reißverschluss sparen können, da ich eine sehr geringe Hüft-Taillen-Differenz habe, aber noch mal trenne ich ihn nicht heraus.

Aussehen tut dieser Unterrock etwas ungewöhnlich. Er hat etwas von Faschingsrock und fühlt sich auch so an. Als Kind wünschte ich mir mal ein Prinzessinnenkostüm und meine Mutter kaufte ein hellblaues Nachthemd und nähte auf das Rockteil einfach eine Lage Tüll darauf. Trauma! Ich wollte doch ein knisterndes rosa/goldenes gekauftes richtiges Prinzessinnen-Plastikkleid! Der neue Unterrock ist eine Mischung aus beiden. Glücklicherweise ist die unterste Lage raschelndes Acetat-Futter und kein Baumwollnachthemd. Der Unterrock trägt sich fein, das wurde heute natürlich gleich unter dem roten Lieblingstellerrock ausprobiert: er raschelt ein bißchen und gibt ein "Unterrock-Gefühl" und dem Rock Stand, ohne zu bauschig zu sein. Mittlerweile finde ich ja, dass ich verschiedene Unterröcke brauche, je nach Laune. Wer hätte das vor ein paar Jahren gedacht!

Im Zuge des Unterrock-Nähens habe ich mich etwas mit Materialien schlau gemacht und weiß nun, dass es tatsächlich einen Unterschied, zwischen Viskose-Futter und Acetat-Futter gibt. Beide Materialien sind zwar Kunstfasern aus Naturstoffen (Holzbrei), aber Viskose kann noch mehr Feuchtigkeit aufnehmen als Acetat und lädt sich deswegen noch weniger statisch auf. Die Reihenfolge, Qualität absteigend, für Rockfutterstoffe ist also: Viskose, Acetat und ganz unten und eigentlich nicht akzeptabel Polyester. Eine Verkäuferin meinte, dass Triacetat super wäre, aber in meinem sehr geliebten, aus der Bücherhalle ausgeliehenen Materialkundebuch steht, dass sich dieses auch mehr auflädt, als Viscose. Mangels farblich passenden und schönem Viskosefutter habe ich mich bei diesem Modell nun mit Acetat beholfen. Catherine meinte, dass der weiche Polyestertüll, den ich für den weißen Rock verwandte, möglicherweise auch weniger optimal wäre, als der Brauttüll aus Nylon. Wir werden sehen. Es ist noch eine Testphase. Ich vermute mal stark, dass sich beide Unterröcke bewähren werden und dann kann ich immer noch einen Weißen á la allures-und-couture aus Brauttüll und Viskosefutter machen und andere "Weiche" aus dem großen Farbspektrum, die Stoff und Stil zu bieten hat. Jetzt weiß ich ja, wie es geht.

Mittwoch, 18. Juni 2014

MMM - wo ist der Hartmut reloaded


Den Hartmut (eine Walkjacke aus dem Jahr 2011) habe ich heute glücklicherweise nicht an, denn es ist schönes Wetter; aber meine neue Strickjacke mit den eingestrickten Herzchen. In Berlin gekauft, kunstvoll vergessen und dann nach 3 Wochen endlich zum Geburtstag geschenkt bekommen. Kaufkleidung! Puh, aber immerhin über selbstgenähtem Kleid vom letzten Sommer und selbstgenähtem untendrunter - später mehr. Leider finde ich Wickeljacken etwas umständlich, so dass ich bei Gelegenheit noch eine rote Strickjacke stricken werde. Aber egal, jetzt freu ich mich erstmal an der neuen Herzchenjacke (von King Louie).




Unter dem Kleid seht ihr, dank intelligenter Pose, meinen neuen Unterrock blitzen. Als nachträgliches Ergebnis des Untendrunter Sew Alongs und meinem mißlungenen Sommer-Petticoat aus Voile habe ich noch einen aus weichem Tüll von Stoff und Stil genäht. Er funktioniert, scheint mir aber ein bißchen empfindlich (sehr dünnes Material, könnte eventuell leicht reißen) und klebt, wie der andere Petticoat auch, gerne mal am Po, nach dem Sitzen fest, was zu doofer Fummelei führt. Ich mag ihn aber trotzdem, denn er ist nur halb so bauschig, wie mein gekaufter Petticoat und dementsprechend auch nur halb so warm.  Er fühlt sich sehr schön an, ist aber extrem durchsichtig und wohl als Unterrock für meinen weißgrundigen, immer noch nicht vollendeten, Blumenrock auch nicht geeignet. Wenn sich dieser Unterrock ein paar Wochen dauerhaft bewährt hat, nähe ich vielleicht noch die eine oder andere Farbe. Genäht ist er nach meinen Maßen und dieser Idee (via Frau Kleidermanie).


Die obere Stufe ist doppellagig aus Jerseyfutter mit einem Gummizug im Tunnel und dann kommen zwei Stufen weicher Tüll. Alles ist mit normalem Zickzackstich zusammen gefügt und der Tüll ist unversäubert. Ich hatte erst überlegt, unten noch eine Spitze anzunähen, aber schlussendlich sind es in der untersten Stufe 8 zusammengenähte Bahnen á 1,40m, d.h. eine Saumweite von 11.20 m. Das wäre dann doch zu teuer geworden. Als faules Mädchen habe ich den Tüll mit normalem Geradestich gekräuselt, was ich durch Zufall entdeckte, als ich mal den falschen Stich eingestellt hatte. Da ich zweimal Tüll nachkaufen mußte, weiß ich nicht, wieviel Tüll ich genau brauchte, ich vermute aber, es waren ca. 2,60 m, die ich in 20 cm breite Bahnen mit der Küchenschere schnitt (damit die Stoffschere nicht stumpf wird) Bei einem Meterpreis von 3,95 € hält sich die Investition aber auch in Grenzen.

Mehr selbst gemachte Kleidung an echten Menschen findet ihr wie immer Mittwochs auf dem Me Made Mittwoch Blog; heute mit als der wunderbar verrückten Frau talentfreischön als Gastgeberin. Wie großartig, dass sie - ganz wissenschaftlich - zwei Kleider nach zwei Lieblingsschnitten aus dem gleichen Stoff näht, um die Schnitte besser zu vergleichen. Das ist wahrer Nähnerdismus! Großartig!

Dienstag, 17. Juni 2014

Badenixen Sew Along - Fortsetzung




Ehrfürchtig fasse ich die Materialien aus dem Paket von sewy an. Das ist echt ne andere Welt! Mit so etwas, habe ich noch nicht gearbeitet. Immerhin habe mich mich getraut, die Stoffe schon mal zu waschen. Erst hielt ich das mit dem Vorwaschen für nen Witz, aber dann dachte ich, dass ich ja auch hinterher, wenn auch selten, einen Badeanzug mal in der Maschine wasche.





Den Schnitt habe ich zusammengeklebt und ausgeschnitten. Jetzt ist es allerdings so, dass mir an allen drei angegebenen Maßen ein paar Zentimeterchen fehlen. Ohne ein Probemodell, ist es allerdings schwer herauszufinden, wo genau wie viel fehlt. Allerdings ist ein Probemodell aus irgendeinem Jersey wahrscheinlich auch nicht sonderlich aussagekräftig. Was tun?

Da ich über das "rosarot" meines gewählten Stoffes, das sich eher wie neonpink macht, doch etwas erschrocken war, habe ich mir noch einen schwarzen Badeanzugstoff von Stoff und Stil gegönnt. Doch welches wird nun das Probemodell? Auch wenn ich nach wie vor seltsam schaue, wenn ich den teuren pinken Badestoff anschaue, wird es wohl ein schwarzes Probemodell, denn der Stoff fühlt sich nicht so hochwertig an. Allerdings habe ich dazu kein schwarzes Badefutter. Das muß ich dann wohl nachbestellen, sollte er passen.

Zunächst überlegte ich, rundum am Schnitt einfach ein paar Zentimeter zuzugeben und freihand die Rundungen neu zu zeichnen. Anschließend fiel mir ein, dass die kritische Stelle vermutlich am Busen ist. Die Abweichungen zwischen den Größen erscheinen mir minimal am Schnittmuster in Hinblick darauf, dass ich doch erhebliche Abweichungen bei Brüsten beobachten kann. Üblicherweise muß bei mir bei Fertigschnittmustern eine FBA gemacht werden, dh. eine Vergrößerung im Brustbereich, ohne untenrum einen Sack zu produzieren. Gestern abend habe ich mal dran gemacht, eine FBA zu probieren und sie extra für euch mit grünem Papier hinterklebt, damit ihr seht, was ich gemacht habe. Ich habe ordentlich zugegeben, nach dem Motto "anschließend kleiner machen geht immer irgendwie". Natürlich entsteht ein Brustabnäher, über den ich zunächst unglücklich war. Aber treu dem Motto "Abnäher sind Freunde", werde ich es mit ihm versuchen, falls es nicht mit Rand kräuseln zum Stoff verteilen geht.



Von links nach rechts: Vorderteil außen, Vorderteil Futter, Rückenteil außen


Ich habe das Außenteil auch vorne und hinten etwas verlängert, denn ich bin nicht nur breit sondern auch groß. Obwohl Einige schrieben, dass das nicht nötig sei, vermute ich doch, dass ich dieses mehr an Stoff gebrauchen kann. Ihr wisst schon, Masse sucht sich ihren Platz und bei denjenigen, bei denen die Verlängerung nicht nötig war, ist vielleicht auch nicht so viel in die Breite gezogen worden. Das Futterteil habe ich nur soweit verlängert, wie es sich aus der FBA ergab. Eine zusätzliche Verlängerung habe ich nicht gemacht, da ich in anderen Beiträgen las, dass das Badefutter dazu neigt, nass größer zu werden und dann heraushängt.

Ich bin sehr gespannt, ob das, was ich mir ausgedacht habe, hin kommt. Aus Mangel an Zeit und auch vermutlich an Mangel an Aussagekraft, werde ich wohl kein ProbeProbeModell aus anderem Jersey nähen. Oder habt ihr ne Idee, ob ich vielleicht nur das Innen oder das Außen zur Probe nähen sollte?

Ein Rätsel sind mir auch noch die Nadeln. Auf Twitter oder in einem eurer Beiträge las ich irgendwas über Elastiknadeln, die vielleicht etwas anderes sind als Jerseynadeln? Ich bin ja eher ne Nadelschlampe und schon stolz auf mich, wenn ich beim Jeans nähen an die Jeansnadel denke. Muß ich noch spezielle Nadeln kaufen oder reichen die Jerseynadeln?

Wie es den anderen Badenixen des Sew Alongs geht, seht hier hier versammelt! Danke Lotti!

Montag, 16. Juni 2014

Auf Nummer sicher



Letzte Woche beichte ich bereits, dass mein "WM-Jäckchen" eine fantasielose Kopie der Jacke einer Teilnehmerin des Frühlingsjäckchen Knit Alongs ist. Wie schön, dass ich Absolution bekommen habe, aber eigentlich wollte ich noch über etwas ganz anderes schreiben.

In den letzten Monaten hatte ich mehr und mehr das Gefühl, dass ich - negativ betrachtet - nur noch "auf Nummer sicher nähe". Ich nähe bevorzugt in Reihen:


  • 3 halbe Tellerröcke
  • 3 Frau Kirsche Kleider
  • 8 Ajaccio-Kleider seit April 2013
  • 2012 3 x Kleid Texel




Und nun das Jäckchen-Plagiat. Mir fällt das immer auf, wenn ich kurz davor bin, Gastgeberin beim Me Made Mittwoch zu sein (nächste Woche bin ich wieder dran) und das Gefühl habe, dort etwas unheimlich spektakuläres zeigen zu müssen. Das stimmt natürlich nicht, beim MMM ist alles erlaubt - auch das Zeigen der 100. Version des selbstgenähte Lieblingsrockes oder genähte Kleidungsstücke, die wiederholt gezeigt werden, weil sie einfach gerne angezogen werden. Theoretisch stimmt das zwar, aber als Gastgeberin fühle ich schon mehr Druck, wenn ich auf der großen Bühnen stehe.

Manchmal muß ich aber auf mich selbst aufpassen, dass ich mich mit Selbstkritik nicht runterziehe. Dann fasse ich mir an die eigene Nase, statt, wie gewohnt bei anderen klugzuscheißen, und ermahne mich, das Positive zu sehen, statt nur an mir herumzumäkeln.




Wenn ich also mein Nähwerk der letzten Monate anschaue, dann lässt sich doch, positiv gesehen, ganz eindeutig etwas sagen: ich habe ein paar Schnitte gefunden, die funktionieren. Ich habe endlich Schnitte gefunden, die einfach zu nähen sind, von denen ich weiß, dass sie mir stehen und Kleidungsstücke produzieren, die ich gerne trage. So gesehen ist das doch ein riesiges Erfolgserlebenis und kein Grund rumzumäkeln. Mag sein, dass die Ergebnisse unspektakulär für sensationsheischende ZuschauerInnen sind und vielleicht ein bißchen zu langweilig, um sie zu verbloggen, aber letztlich ist das doch genau das, was ich wollte! Eigentlich ist das doch der Traum jeder Konsumentin und jedes Konsumenten, ein geliebtes Kleidungsstück in jeder gewünschten Farbe/Muster/Material einfach haben zu können. Das ist doch perfekt!

Mit den Strickjäckchen ist es letztlich genauso. Ich habe meine Wollstärke gefunden, mein Material und im Groben eine Anleitung, die ich verstehe, die funktioniert und die Jäckchen produziert, die mir passen. Ich weiß, was für ein Jäckchen ich von der Form mir vorstelle, schaue in den Kleiderschrank, um festzustellen, welche Farbe fehlt und suche mir aus der Vielfalt der Muster, die ich in Musterbüchern oder bei Aktionen wie dem Frühlingsjäckchen Knit Along finde einfach ein Muster aus, das mir gefällt und mich beim Stricken unterhält. Das ist doch perfekt! Das ist die Autarkie, die Unabhängigkeit vom begrenzten Sortiment an Kaufklamotten, die wir uns wünschen.




In diesem Sinne werde ich wahrscheinlich in den nächsten Monaten noch diverse Strickjäckchen stricken, Sinnesfrid-Strickwesten, Tellerröcke und Frau Kirschekleider nähen - immer mit einem triumphierenden Lächeln auf dem Gesicht, weil ich einfach weiß, dass es gut wird. Und hinter den Kulissen bastele ich weiter an selbstgemachten Schnitten herum, ans Probemodellen, an Petticoats und Unterkleidern und an Badeanzügen. Und wenn mir danach ist, werde ich von Erfolgen und Misserfolgen berichten.