Freitag, 23. Juni 2017

Nähwerkzeuge: Stoffklammern



In Workshops oder als Stoffverkäuferin werde ich immer wieder gefragt, welche Nähwerkzeuge ich empfehlen kann. Das mache ich gerne, denn wie jede Handwerkerin weiß ich gutes Werkzeug zu schätzen. Manche Werkzeuge sind selbsterklärend, andere stellen nicht nur eine Anfängerin vor Rätsel, wie sie dieses Werkzeug einsetzen kann oder was es beim Kauf zu beachten gibt. 

In dieser Blogserie will ich immer mal Freitags, ein Werkzeug vorstellen - über Ergänzungen in den Kommentaren freue ich mich. Danke für eure tollen Ergänzungen! Wundert euch nicht, falls es mal einen Freitag keinen Beitrag zu dieser Serie gibt. Ich behalte mir vor, nach Lust und Laune Beiträge zu schreiben, aber wenn zu den Werkzeugen, dann immer freitags!



Lange unterschätzt: Stoffklammern


Heute möchte ich euch ein Nähwerkzeug zeigen, das ich schon jahrelang besitze, nie benutzte und dessen Praktikabilität erst in den letzten Wochen zu schätzen lernte: Stoffklammern.






Gekauft habe ich die Stoffklammern zu Zeiten, als ich noch dachte, ich würde gerne Wachstuch zu irgendwelchen Täschchen vernähen. Wer Materialien wie Wachstuch näht weiß, dass sich Stecknadeln nur wenig eignen, da jeder Nadelstich ein Loch macht. Natürlich könnte frau nur in der Nahtzugabe stecken, denn dort stören die Löchlein nicht, aber wer kein Wachstuch vernäht, braucht auch keine Klammern.

In den letzten Wochen habe ich allerdings das eine oder andere Tulpentop genäht. Dieses zeichnet sich ja durch die Stoffkombination eines flutschigen Stoffes mit einem Jersey aus. Und plötzlich kamen die Klammern zum Einsatz. Während sich die Variante mit den Jerseyärmeln noch einigermaßen mit Stecknadeln nähen ließ, bin ich bei den seidigen Ärmeln fast verzweifelt. Es braucht zugegebenermaßen etwas Gehirnschmalz, um die Tulpenärmel anzustecken. Wenn dann noch Stecknadeln aus flutschigem Stoff rutschen und ein heißer Sommertag mit hohen Temperaturen frau den letzten Nerv raubt, kann das schon ätzend sein. An genau so einem heißen Tag besann ich mich darauf, dass ich ja solche Klammern besitze.


Mit Klammern den flutschigen Stoff bändigen


Ich steckte die Ärmel mit Hilfe der Klammern und plötzlich war es gar kein Problem mehr. Die Klammern sitzen so fest, dass ich das Top mit eingestecktem Ärmel zurück auf rechts wenden kann, um zu kontrollieren, ob ich auch richtig gesteckt habe: sitzt der richtige Ärmel im dazu passenden Armloch?  Überdeckt die hintere Seite des Ärmels die Vordere? Erst als alles stimmt, nähte ich den Ärmel ein und war begeistert, dass nichts wegrutschte.





Zugegeben, Stecknadeln stecken und beim Nähen wieder herauszuziehen geht schneller. Aber vielleicht ist das auch nur eine Frage der Übung. Mir gefällt es, dass die Klammern selbst auf rutschigem Stoff bombenfest klammern. Ich muß sie ja nicht immer und für alles nutzen, aber für das Einnähen des Ärmels im Tulpentop, sind sie super.

By the way: Die Blogparade des Tulpentops geht noch bis zum 5.7. weiter. Heute gibt es eine ganz zarte, hübsche Version bei Frau PATCHWORKangel(a) zu sehen und am Samstag findet ihr eine weitere Version im Freizeitparadies.




Aber zurück zu den Klammern. Kennt oder benutzt ihr diese Klammern auch? Wofür eignen sie sich noch? Seid ihr auch so begeistert wie ich?



Noch mehr Nähwerkzeuge


Alle Beiträge der Blogserie findet ihr unter dem Stichwort "Nähwerkzeuge" oder durch Klick auf den Link. Vorherige Beiträge:

Donnerstag, 22. Juni 2017

Das Tulpentop - neu im Schnittmusterkiosk



Heute ist es soweit. Endlich darf ich euch das Tulpentop vorstellen. In den letzten Tagen und Wochen ging es nicht nur wegen der gestiegenen Temperaturen in Deutschland heiß her. Mein großartiges Team an Probenäherinnen und ich, waren auch hitzig damit beschäftigt, die Anleitung für den neuen Schnitt bestens vorzubereiten und Designbeispiele zu nähen. Wie schon beim letzten Schnitt sind wir in eine Art Rausch geraten und es wurde mehr genäht, als für das Testen notwendig gewesen wäre. Das zeigen wir euch in den nächsten Tagen in Form einer Blogparade. Und jetzt hoffen wir, dass ihr genauso begeistert von dem Tulpentop seid, wie wir.





Als ich letztes Jahr das Tulpentop das erste Mal im stokx-Shop sah, war ich begeistert: Seide, hier so ganz anders verarbeitet, als gewohnt. Nicht nur die Materialkombination sprach mich an. Ich war begeistert von der Ergänzung des drapierten Vorderteils durch den amerikanischen Halsausschnitt am Rückenteil. Sofort hatte ich verschieden Farb- und Musterkombinationen im Kopf und überlegte, ob es mit diesem Schnitt nicht möglich wäre, Omas Seidentücher ein neues Leben einzuhauchen, wenn sie nur groß genug dafür sind.

Es kann, aber es muss nicht Seide sein! Das Tulpentop sieht auch in anderen fließenden Stoffen toll aus, denkt an Viskose, Crepe oder auch feinen Satin!






Die Jerseyärmel und das Rückenteil aus Jersey machen das, was vorne aussieht wie eine edle Bluse einfach wahnsinnig bequem und trotzdem sieht frau damit sehr angezogen aus. Für den Sommer finde ich die Tulpenärmel toll. Nicht jede mag gerne ärmellos tragen, aber alle freuen sich doch über einen Luftzug um die Arme und schmeichelnden weichen Stoff der umhüllt, schmückt aber nicht übermäßig wärmt. Die Jerseyärmel machen das Tulpentop zum einem Oberteil für das ganze Jahr.

Die Drapierung fällt so schön, weil das Vorderteil aus fließender Webware im schrägen Fadenlauf verarbeitet wird. Das ist ein bisschen tricky, aber die wie üblich von Frau Nahtzugabe sorgfältig erstellte Anleitung enthält zahlreiche Tipps, wie das auch weniger geübten Näherinnen gut gelingt. Wie gewohnt gibt es neben dem ausführlichen Anleitungtext wieder zahlreiche farbige Grafiken.





Mit den Titelmodellen Christine und Johanna startet die Blogparade. Wenn ihr die beiden auf ihren Blogs Chris' Nadel-Spiele und ejasfreudentraenen besucht, sehr ihr noch mehr Bilder, erfahrt, wie es ihnen beim Probenähen des Tulpentops gegangen ist und lernt neue tolle Blogs kennen.

Das Schnittmuster für das Tulpentop bekommt ihr im Schnittmusterkiosk ---> *klick*


Hier sind die Stationen der Blogparade:


22.6. Chris'Nadel-Spiele und ejasfreudentraenen
23.6 PATCHWORKangel(a)
24.6. Freizeitparadies
25.6. fantipanti.de
26.6. Strickprinzessins Stuff
27.6. Stoffverstümmelungen bei Isabimi
28.6. Rocksaum und Nadelöhr
29.6. ejasfreudentraenen
30.6. NAEHKATZE
1.7. Chris'Nadel-Spiele
2.7. Ostenfelder Nähstube
3.7. Rock Gerda
4.7. PATCHWORKangel(a)
5.7. Elufingerhut

Ganz herzlichen Dank an das großartige Probenähteam. Ihr seid eine tolle Gruppe, habt schöne Modelle genäht, klasse Feedback gegeben, tolle Ideen eingebracht und vor allen Dingen war es einfach schön, mit euch im Austausch zu sein. 1000 Dank für eure Unterstützung! <3



Montag, 19. Juni 2017

Psychotest




Na, gebts doch zu, ihr macht genauso gerne wie ich diese Psychotests in Zeitschriften, oder? In diesem Sinne, viel Spaß mit diesem Test! Und wenn ihr euch Mühe gebt, dann gibts auch was zu gewinnen.


"Bist du der Typ für ein geknittertes oder ein ungeknittertes Knitterkleid?"



Der erste Blick in den Spiegel morgens. Was denkst du?

a) Wo ist der Spiegel? (10)
b) Wer ist diese zerknitterte Frau im Spiegel? (5)
c) Wow, ich sehe fantastisch und ausgeschlafen aus! (15)





Wir kennen das alle, wir stehen morgens vor dem Schrank und haben mal wieder gar nichts anzuziehen. Wie sieht es bei dir aus?

a) Alle Kleidungsstücke hängen ordentlich gebügelt im Schrank, aber ich habe gar nichts anzuziehen! (5)
b) Der Ablagestuhl im Schlafzimmer ist ordentlich mit Kleidung belegt, aber ich habe gar nichts anzuziehen! (15)
c) Ich hänge die Kleidungsstücke auch ungebügelt in den Schrank und habe gar nichts anzuziehen! (5)


dreikah im Knitterkleid



Trägst du Kleidung gerne figurbetont?

a) Am liebsten trage ich Wallewalle-Zelte und verkleide mich als Litfasssäule. (5)
b) Ganzkörperleggins sind mein Lieblingskleidungsstück. (15)
c) Ein gute Silhouette ist was feines, aber ein kühlender Luftzug darf trotzdem immer mal zwischen mich und mein Kleidungsstück. (10)

buntekleider im Knitterkleid



Brauchst du Taschen an Kleidungsstücken?

a) Taschen tragen unangenehm auf und außerdem bin ich handtaschenkaufsüchtig. (5)
b) Meine Taschen haben grundsätzlich Löcher. (15)
c) Klar, ich trage gerne meinen halben Hausrat mit mir herum. (10)




Nähst du gerne mehrere Kleidungsstücke nach einem Schnittmuster?

a) Nähen? Ich verbringe lieber meine Zeit vor dem Computer, um nach Schnittmusterangeboten zu suchen und mit anderen Nähnerds zu chatten. (15)
b) Na klar, am liebsten in Serie und für jede Jahreszeit. (10)
c) Es gibt so viel zu nähen, da habe ich gar keine Zeit, mehr als eine Variante zu nähen. (5)


buntekleider in der Knitterbluse


Was wäre dein Traumurlaub?

a) Mit dem Rucksack durch die Anden (10)
b) Durch die Karibik und abends zum Kapitäns Dinner (5)
c) Auf der Couch endlich alle TV-Serien mit schönen Kleidern am Stück zu sehen. (15)



Rechne die Punkte hinter den Fragen zusammen. Na, wieviel Punkte hast du? Die Auflösung gibt es hier *klick*


Donnerstag, 15. Juni 2017

Schnittmuster anpassen-Flow

Heute habe ich endliche mal wieder, nach gefühlten Jahren, am Schnittmuster-Anpassungsbuch geschrieben und es hat so Spaß gemacht! Ich habe ein wirklich schwieriges Ding, vor dem ich echt Respekt hatte, nun richtig, richtig verstanden. Auf einmal hat es klick gemacht. Das fühlt sich super an. Auch wenn ich noch keinen Verlag für das Buch habe. Ich schreibe jetzt einfach weiter, denn das will alles raus und auf Papier.  Jetzt bin ich in der perfekten Stimmung für die zwei Workshops am Wochenende. Yay, ich freue mich drauf!

Mittwoch, 7. Juni 2017

Der Me Made Mittwoch





Wahrscheinlich ist es euch aufgefallen. Seit meinem Ausstieg aus dem Me Made Mittwoch-Team, habe ich an keinem Mittwoch mehr an der wunderbaren Verlinkungsaktion teilgenommen. Habt ihr euch gefragt warum?


Für diejenigen, die den Me Made Mittwoch nicht kennen sollten: der MMM ist eine wöchentliche Verlinkungsaktion, bei der Frauen ihre selbstgemachte Kleidung angezogen präsentieren und darüber berichten, wie es ihnen beim Nähen ergangen ist, ob sie das Schnittmuster empfehlen können und wie ihnen das fertige Kleidungsstück gefällt. Den MMM gibt es seit 2011, ich war von Anfang an als Teilnehmerin und dann für fast 5 Jahre als Organisatorin mit im Team. Das Besondere des Me Made Mittwochs ist nicht nur, dass viele Frauen schon so lange daran teilnehmen und es wunderbar ist, ein Stück weit an ihrem Leben und an ihrer Entwicklung teilzuhaben. Ich glaube, das es auch eine Besonderheit ist, dass der MMM werbefrei ist und wirklich von privat an privat Informationen weitergegeben werden.

Wenn Ihr die meine Me Made Mai-Beiträge auf Instagram verfolgt habt, dann werdet ihr gesehen haben, dass ich zur Zeit kaum noch etwas anderes trage als die Schnittmuster aus dem Hause crafteln und eigentlich auch fast nur Knitterkleider. Da beim Me Made Mittwoch keine Werbung erlaubt ist, ist es klar, dass ich dabei nicht als Teilnehmerin mitmachen kann, wenn ich Schnittmuster umgesetzt habe, die ich verkaufe. Das ist Ehrensache! Ich weiß noch, wie ich an vielen, vielen Mittwochen genervt war, wenn sich Probenäherinnen und Schnittmusterverkäuferinnen in die Linkliste schlichen und so taten, als kennen sie die Regeln der Veranstaltung nicht. Mittlerweile kann ich das sogar verstehen, aber gut finde ich es immer noch nicht.

Ich schaue mir immer noch gerne die verlinkten Beiträge an und freue mich bekannte und neue Gesichter dort zu entdecken. Bei jedem Schnittmuster aus meinem Hause, freue ich mich besonders und seufze ein wenig, wenn ich keines entdecke, denn es ist so unendlich schwer, am Mark Fuß zu fassen und bekannter zu werden. Aber darum geht es ja beim Me Made Mittwoch nicht - es geht um die Freude an der selbstgenähten Garderobe, an der Lust, Kleidungsstücke für sich zu nähen, die wirklich gut zu dem Menschen passen und hinter diesem Motto stehe ich noch immer voll und ganz und freue mich sehr, dass es den Me Made Mittwoch gibt. 

Donnerstag, 1. Juni 2017

Wie nähe ich einen Lieblingsrock?



In meinem Workshop "Lieblingsrock" am 18.6. sind noch ein paar Plätze frei. Da dachte ich, ich erzähle euch mal etwas, wie es zu dem Workshop kam und was ich da vor habe. Aber auch für alle diejenigen, die keine Zeit haben, zu dem Workshop zu kommen oder für die es zu weit nach Hamburg ist, soll es trotzdem Blogbeitrag werden, der euch ein Stück näher zu eurem Lieblingsrock bringt. 

Röcke empfinde ich als sehr einfache Kleidungsstücke. Wenn mich eine frau fragt, was sie als erstes Kleidungstück für sich nähen könnte, dann antworte ich prompt: "ein Sommerrock", denn eigentlich ist ein Erfolgserlebnis damit vorprogrammiert.

Für einen einfachen Rock mag das stimmen, doch nach dem ersten Erfolgserlebnis, möchte möchest du bestimmt nicht nur irgendein Erfolgserlebnis, sondern wirklich einen Lieblingsrock. Deswegen kam ich der Bitte gerne nach, auch mal einen Workshop zum Thema Rock anzubieten. In diesem Workshop lernst du, Rockdesigns zu verstehen und mit diesem Hintergrundwissen und deinen Maßen, Rockschnittmuster auf deinen Körper anzupassen, damit du ab sofort nur noch Lieblingsröcke nähst.

Was macht einen Lieblingsrock zu einem Lieblingsrock?


Ja, das ist die Frage! Der Antwort nähere ich mich auf drei Wegen, denn wer sagt denn, dass frau nur einen Lieblingsrock haben kann oder braucht?!

1. Zu welchen Gelegenheiten möchte ich den Rock tragen?


Soll der Rock "für schick" sein oder möchte ich einen Alltagsrock haben, zu dem ich meine unzähligen Shirts anziehen kann? Möchte ich mit dem Rock Fahrrad fahren? Welche Schuhe, welche Jacke, welcher Art Oberteil möchte ich zu dem Rock tragen. Will ich das Oberteil hineinstecken oder darüber tragen? Diese und andere Fragen gilt es zu klären, wenn ihr einen wirklichen Liebling nähen wollt. Und ich vermute mal, bei einem Liebling für alle Gelegenheiten wird es nicht bleiben. Da aber Röcke schnell genäht sind, muß es das auch nicht. Wenn ihr mal einen guten Schnitt für einen Rock habt, könnt ihr diesen Rock immer wieder duplizieren und anders gestalten - dafür nähen wir doch!

--> Je besser du verstehst, wie Rockdesigns funktionieren und welche Annahmen hinter Designdetails stecken, um so situationsgenauer kannst du deinen Lieblingsrock gestalten und Schnittmuster variieren. 

2. Welche "Zusatzfeatures" soll mein Rock haben?


Beim Rock stellt sich immer die Frage nach den Taschen! Taschen sind praktisch, tragen aber ein bisschen auf. Die Beantwortung der ersten Frage führt also direkt zur Beantwortung der zweiten Frage. Und dann stellt sich die Frage, was für Taschen es sein sollen - das kommt natürlich auf die Rockform an.

Auch die Form des Bundes kann einen Rock zu einem gern getragenem Kleidungsstück oder zu einer Schrankleiche machen. Welche Bundformen magst du und warum? Warum passt die eine Bundform zu dem einen Design oder Material als eine andere?

--> Je besser du deine Bedürfnisse kennst, um so besser kannst du das passende Schnittmuster auswählen und "personalisieren". 

3. Trage ich Röcke gerne "auf Taille" oder "auf Hüfte"


Zu dieser Frage gibt es Moden und Vorlieben und manchmal gibt es auch zu enge oder zu weite Röcke, die einfach dahin rutschen, wohin es der Rock will - nicht immer im Sinne der Trägerin oder der ursprünglichen Vorstellung. Auch hier sind die Antworten aus Frage 1 wichtig bei einer bewußten Entscheidung. Und wenn die Entscheidung gefallen ist, dann hat das wahrscheinlich zur Folge, dass das Schnittmuster angepasst werden muß, damit er anschließend wirklich dort sitzt, wo er sein soll.

--> Überlasse die Stelle, an der der Bund sitzt nicht dem Zufall, sondern schneidere Röcke, die dort bleiben, wo sie hinsollen, damit du die Silhouette erzielst, von der du träumst. 

Von der Vorstellung zur Umsetzung 


Die Beantwortung der Fragen, kann ich euch nicht abnehmen, aber ich kann euch dabei helfen, fundierte Entscheidungen zur Wahl der Rockform und des Materials geben, damit der Lieblingsrock dann auch so wird, wie ihr ihn erträumt.

Ich möchte euch die grundsätzliche Rockformen und Konstruktionen erklären, damit ihr wisst, worauf es bei der Auswahl des Materials und der Anpassungen ankommt. Designdetails sind manchmal nur Schmuck, oft aber Funktion. Wenn ihr versteht, warum dort eine Falte nicht nur hübsch ist, sondern sein sollte, dann könnt ihr genau das bei euren Änderungen berücksichtigen. Wir besprechen Probleme, die ihr bei bisher genähten oder gekauften Röcken habt und ich verraten euch noch ein paar Tricks, wie der Gesamteindruck eures Rockes besser wird.

Mit diesen Vorüberlegungen und Hintergrundwissen ist die Umsetzung der Änderungen nicht mehr schwierig. Wir messen deine relevanten Maße und ändern die Schnittmuster, die du zum Workshop mitbringst. Anschließend kannst du unzählige Lieblingsröcke nähen und den lauen Sommerwind an braunen Beinen genießen.

Wenn du nun neugierig geworden bist und Lust hast, am Sonntag, den 18.6. in kleiner Runde beim Workshop "Lieblingsrock" dabei zu sein, dann melde dich über den Schnittmusterkiosk ganz einfach an: --> *klick* , schnapp dir Röcke aus deinem Schrank, bring Bilder von Röcken mit, die du gerne nähen würdest und Schnittmuster die du schon dafür gekauft hast, die wir dann für deine Maße anpassen! Ich freue mich auf Dich! 

Oder doch lieber "Oberteile anpassen" - für den Workshop am Tag davor, am 17.6. gibt es noch Restplätze. --> *klick*

Dienstag, 30. Mai 2017

Maßbänder im Schnittmusterkiosk



Ich habe schon länger nichts mehr in meiner Serie "Nähwerkzeuge" geschrieben, das hat einen einfachen Grund. Ich bin in das Werkzeug-Schwarze-Loch gefallen. Erinnert ihr euch, als wir über Maßbänder sprachen? Dank eurer zahlreichen Kommentare habe ich erst nach dem Blogpost herausgefunden, was ich alles noch nicht darüber weiß. Genau wie viele von euch, hätte ich niemals gedacht, was es alles für unterschiedliche Maßbänder angeboten werden, welche Qualitätsunterschiede es gibt und dass die Dinger leiden, wenn frau sie aufrollt. Ich finde es super spannend, mich mit solchen Sachen wirklich intensiv zu beschäftigen und euch daran teilhaben zu lassen!






Zum Schnitte anpassen ist das Maßband das wichtigste Werkzeug


Dann wollte ich es genau wissen und suchte nach Quellen für gute Maßbänder. Ich fand heraus, dass sich eine Investition in "Made in Germany" durchaus lohnt. Wie ärgerlich, wenn ein Maßband nicht das misst, was es verspricht!  Gerade, wenn wir uns Mühe mit Schnittmuster anpassen geben, benutzen wir Maßbänder (und da spreche ich bewußt im Plural) ständig und wollen zuverlässige Messungen bekommen. Da ich es gar nicht so einfach fand herauszufinden, ob die angebotenen Maßbänder wirklich von guter Qualität sind, habe ich Proben bestellt und mir genau angeschaut. Damit für euch das Suchen einfacher ist, habe ich jetzt, ergänzend zu den Schnittmustern, Büchern und Workshops in den meinen Online-Shop auch die Kategorie "Nähzubehör" aufgenommen, in der es im Moment noch hauptsächlich um das Thema "Messen", also um Maßbänder geht. Alle Maßbänder, die ich dort anbiete, sind von sehr guter Qualität. 


Braucht frau mehrere Maßbänder? Ja!


Entschieden habe ich mich für folgende Varianten, die ich selbst gerne benutze: es gibt ein Taillenmaßband mit Haken und Löchern, das ich zur Markierung der Taille benutze und dort auch lasse, bis ich auch die vordere Länge und die Rückenlänge bestimmt habe. 





Desweiteren habe ich ein "Easy check" Maßband mit Schieber in den Shop mit aufgenommen. So ein Maßband sah ich das erste Mal in meinem Workshop im Herbst in Leipzig, als eine Teilnehmerin dies dabei hat. So ein Maßband mit Schieber hat einen Druckknopf und eignet sich hervorragend zum Messen von Umfängen (Brustumfang, Taillenumfang etc.) Der Clou: Das Maßband wird zugeknöpft, gezogen bis es straff aber nicht zu eng sitzt und dann kann nach dem Öffnen des Druckknopfes das Maß an dem roten Strich des Schiebers bequem abgelesen werden. 





Sehr praktisch finde ich auch ein Maßband, das sowohl Zentimeter als auch inch-Angaben hat. Wenn ich mit amerikanischen Schnittmustern arbeite, rechne ich nicht um, sondern arbeite nur in inch. Jedes Umrechnen, jedes Runden birgt Fehlerquellen - da bleibe ich doch lieber in der angegebenen Einheit. 



Außerdem wunderte ich mich bei meiner Recherche, dass eigentlich fast alle Maßbändern nur bis 150 cm gehen. Ich denke, das reicht auch für die allermeisten Menschen, aber ich finde es trotzdem toll, dass es auch Maßbänder gibt, die 200 cm haben und auch davon habe ich ein paar gekauft, um sie euch anzubieten. 




Wer im Schnittmusterkiosk noch genauer stöbert, findet noch ein scheinbar brutales Gerät: das Stachelrädchen. Wozu ich das benutze und was es damit auf sich hat, verrate ich bei Gelegenheit, wenn ich endlich mal wieder etwas über Nähwerkzeuge schreibe. 

Donnerstag, 18. Mai 2017

Das erste Sommerkleid 2017




Schon seit letztem Sommer, wollte ich unbedingt ein Knitterkleid aus Waxprint haben. Diese großen, bunten Muster, wie sie die afrikanischen Frauen tragen, wurden letztes Jahr in der Nähbloggerinnenszene modern - allerdings fand ich es nicht ganz einfach, an solchen Stoff ranzukommen. Über das Internet zu bestellen, traute ich mich nicht, weil die Muster so wahnsinnig groß sind. Das ist wirklich schwer, sich das am Bildschirm vorzustellen wie ein ganzes Kleid daraus wirken könnte! Als ich meinen Besuch bei der h+h in Köln plante, stand von vornherein fest, dass ich mir Zeit nehmen würde, den Waxprintladen zu besuchen, über den Karin vom Blog dreikah bereits bloggte. Dort kaufte ich zwei Stoffcoupons und startete erst einmal mit dem Coupon in den für mich ungewohnten Farben, der mir weniger gut gefiel und hob mir den Coupon mit den Lieblingsfarben noch auf.


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An Karfreitag nähte ich dieses Kleid und war bei der ersten Anprobe von der Passform begeistert. Ich habe den Waxprint im schrägen Fadenlauf zugeschnitten, das macht ihn elastischer und sorgt für einen schönen Fall. Da Waxprints am Stück von über 5 m verkauft werden, aber nicht so breit liegen, kam das gut hin und ich habe sogar noch ein Stück übrig. So einen Waxprint-Coupon habe ich für 18 € gekauft - für so ein besonderes und schönes Sommerkleid ist das ein Schnäppchen. Es gibt auch noch teurere Waxprints, die dann als "Markenprodukte" betitelt werden und mehr als das Dreifache kosten, aber an denen bin ich erst einmal vorbei gelaufen.

Schnitt: Knitterkleid aus der Kollektion stokx für crafteln (eine Größe kleiner genäht, als ein geknittertes Knitterkleid)
Stoff: Waxprint von hier
Änderungen: Für den Sommer und bei festerem Stoff, nähe ich das Knitterkleid gerne ohne Kragen. Wie ich einen Beleg dafür konstruiere, habe ich mal hier gezeigt. Noch schneller würde es gehen, wenn frau den Halsausschnitt und die Säume einfach mit Schrägband einfassen würde. Außerdem passe ich das Kleid immer an der vorderen Mitte, der hinteren Mitte und an den Seitennähten etwas auf Figur an.





Witzigerweise fand ich durch Zufall auf dem Markt in Hamburg einige Tage nach Köln noch einen tollen Coupon, so dass ich ganz sicher noch mindestens zwei Knitterkleider aus Waxprint für diesen Sommer nähen werde. Ich finde, dieser Schnitt und diese Muster sind einfach das perfekte Paar für wunderbare Sommerlaune. Das ist der Grund, wieso ich auch heute das Kleid zum ersten Mal ausführen werde, nachdem ich gestern Nachmittag die Fotos für rums machte. Das ist ein richtiges Sommerkleid und ich musste erst einmal richtig schwitzen, bis es sich richtig anfühlt. Jetzt ist der perfekte Tag dafür da - ich freue mich auf einen tollen Sommer und noch mehr Waxprint-Knitterkleider!






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Freitag, 12. Mai 2017

Messen und Schnitt anpassen: Wo ist der Brustpunkt?




Frau lernt nie aus. Das ist einer der Gründe, wieso ich so gerne unterrichte, denn Teilnehmerinnen stellen so spannende Fragen. Genau wie in den Blogkommentaren, kommen Frauen in meinen Kursen auf Fragen, für die ich einen blinden Fleck hatte. Fragen sind dafür da, nach Antworten zu suchen, natürlich verblogge ich das und zack, sind wir alle wieder etwas schlauer!

Als am Samstag in meinem Workshop "Oberteile anpassen" eine Teilnehmerin fragte, wie sie denn nun genau die Lage des Brustpunktes in einem Schnittmuster bestimmen könne, verstand ich die Frage erst gar nicht: das Problem hatte ich vorher noch nie! Aber warum war das nie ein Problem für mich? Warum wusste ich immer, wo ich den Brustpunkt einzeichne, um eine FBA (eine kombinierte Weiten- und Längenänderungen im Brustbereich eines Oberteiles) zu machen?


Einfachste Lösung: Schnittmuster korrekt anhalten und echten BP markieren


Nachdem ich nun mehrere Tage über diese Frage nachgedacht, Bücher wälzte und mit klugen Frauen sprach, fand ich eine einfache Antwort: Im Workshop haben wir am Modell gearbeitet - "in echt" halte ich mir das Schnittmuster an, stecke es an der Schulter an meinem Shirt fest und richte die vordere Mitte so aus, dass sie wirklich in der Mitte und lotrecht ist. Dann nehme ich eine Stift und markiere den Brustpunkt, also die stärkste Stelle der Brust. Sonst zeige ich das auch immer - wieso ich das am Samstag nicht machte, weiß ich auch nicht - wahrscheinlich, damit ich gezwungen werde, mal genauer über die Sache nachzudenken!


Die Lage des Brustpunktes bestimmen


Wenn ich ein Oberteilschnittmuster ohne Abnäher habe und eine FBA machen möchte, dann brauche ich eine Senkrechte und eine Waagrechte, um die genau Lage des Brustpunkts (BP) zu bestimmen. Das Maß von der Schulter bis zur Brust heißt Brusttiefe.

Die Brusttiefe wird vom seitlichen Halsansatz/höchster Schulterpunkt/siebter Halswirbel bis zur breitesten Stelle der Brust gemessen. Ich finde das klingt komplizierter als nötig, diese Bezeichnungen für den oberen Punkt. Frau stokx sagte, das ist da wo Hals und Schulter sich treffen und wer Schwierigkeiten hat, die Stelle zu finden, knickt den Kopf Richtung Schulter - das dehnt nicht nur den verspannten Hals, sondern zeigt am Knick, welche Stelle gemeint ist.






Um den Brustpunkt noch genauer zu lokalisieren, messe ich außerdem den Brustabstand zwischen den stärksten Stellen der linken und der rechten Brust. Wenn ich diesen Brustabstand halbiere, dann kann ich damit auf dem Schnittmuster von der vorderen Mitte aus den Brustpunkt bestimmen.

Auf dem Schnittmuster messe ich von der vorderen Mitte aus den halben Brustabstand - egal auf welcher Höhe. Durch diesen markierten Punkt zeichne ich eine senkrechte Parallele zur vorderen Mitte. Von der Schulter aus kann ich nun die Brusttiefe abmessen und voilà, hier ist der Brustpunkt.


Pragmatische Lösung bei Schnittmustern mit Abnähern


Wer mich kennt, weiß, dass ich auch stets auf der Suche nach pragmatischen Lösungen bin. Ich nähe gar keine Schnittmuster mehr, die keinen Abnäher haben, denn kann einfach nicht glauben, dass eine Konstruktion für mich funktionieren kann, die keine Extraweite im Brustbereich vorsieht*. Hat ein Schnittmuster einen Abnäher, dann messe ich von der Schulter bis zur Abnäherspitze und sehe dann eigentlich immer, dass ich den Brustpunkt die üblichen Zentimeter nach unten verlegen muß, da die Schwerkraft bei mir bereits ihr Werk tat.


Der Brustpunkt liegt ca. 1-2 cm von der Abnäherspitze Richtung vordere Mitte, damit der Abnäher nicht auf der Brust endet. Hat das Schnittmuster einen Abnäher, dann weiß ich, wo im Schnitt ungefähr die breitestes Stelle für die Brust vorgesehen ist. Diese Regel gilt auch für alle anderen Abnäher, egal, ob sie von der Schulter kommen oder Taillenabnäher sind. 


Sobald ich eine Schnittmusterfirma und deren Schnitte kenne, messe ich gar nicht mehr nach, sondern zeichne den tiefergelegten Brustpunkt gleich nach Gefühl** ein. Das ist eine Vorgehensweise, die wahrscheinlich viele Hobbyschneiderinnen machen und sich in Formulierungen wie "die üblichen Änderungen" erwähnt wird: frau kennt ihr "Abweichungen von der Norm" und ändert im Vorfeld, ohne größer darüber nachzudenken und es dann auch in ihrem Blogbeitrag zu erklären.

*Ausnahmen sind natürlich Kräusel oder Falten, denn die funktionieren ja genauso wie Abnäher, sind nur nicht so offensichtlich.

** "Das Gefühl" ist eine Hypothesensammlung die sich aus den Materialeigenschaften und den Trageanlässen des zukünftigen Kleidungsstückes und der daraus resultierenden Unterwäsche ableitet.


Wie genau muss es denn sein?


Ich bin der festen Überzeugung, dass alles, was du am Schnittmuster im Vorfeld bewusst änderst, dein genähtes Kleidungsstück viel besser macht, als blindes Drauflosnähen. Deswegen denke ich auch, dass es auf Millimeter und sogar auf einen Zentimeter nicht ankommt. Wenn du das Schnittmuster vorher analysierst und mit deinen Körpermaßen vergleichst, dann stellst du schnell fest, wo die großen Patzer liegen. Ein fehlender Brustabnäher oder ein viel zu hoher Brustabnäher gehören dazu. Das entdeckst du auf jeden Fall, wenn du im Vorfeld schaust.

Ansonsten habe ich immer nur das ewige Mantra für dich: jeder Stoff verhält sich anders. Du kannst noch so millimetergenau messen, konstruieren und auch nähen, exakt reproduzierbare Ergebnisse sind sehr selten, weil Stoffe eben unterschiedliche Materialeigenschaften haben.

Mit den Schnittmusteranpassungen vermeidest du grobe Fehler und gibst die Richtung vor, ohne eine nachträgliche Überprüfung und eventuelle Anpassung am fertigen Kleidungsstück geht es nicht - das ist der Grund, wieso es in Maßschneiderein auch zwei Anproben gibt. Lähme dich nicht mit Perfektionsansprüchen, sondern versuche mehr und mehr Schnittmuster zu verstehen und deine Maße zu berücksichtigen - alles was du auf diese Art und Weise nähst, wird besser sein, als das, was du vorher gekauft oder produziert hast und mit steigender Erfahrung wird es noch besser und besser. Das ist doch toll!

Donnerstag, 11. Mai 2017

Die frohe Botschaft in die Welt raustragen: Kleidung nähen macht glücklich!



Auf Instagram, twitter und Facebook hatte ich es gestern schon geteilt: ich bin mit einem kleinen Beitrag in der aktuellen Brigitte Woman, als Sidekick des Artikels "Fettes Glück" der tollen Journelle.

Ich freue mich natürlich sehr, dass ich in so einem renommierten Medium ein Plädoyer für selbstgemachte Kleidung beisteuern durfte und wie ich auf Instagram schon schrieb: ich habe das gestyled werden und das Fotoshooting sehr genossen. (Auch wenn ich sicher bin, dass es bestimmt auch vorteilhaftere Bilder von mir gab, als ausgerechnet von der Seite, aber vielleicht hätte ich dann zu gut ausgesehen? harrrharrr)


Ein Beitrag geteilt von crafteln|Meike Rensch-Bergner (@crafteln) am


Aber es ist, wie es ist, ich mag das Bild trotzdem und es ist immerhin ein kleiner Text in einer großen Zeitung.

Was ich euch aber noch nicht erzählt hatte, war, dass es einen wirklich großen Text über mich, in einem weniger bekannten Magazin gab. Wer wirklich wissen will, was mich antreibt, wieso ich das Nähen der eigenen Bekleidung als Selbstermächtigung empfinde, warum passende Kleidung schön und stark macht, liest den ausführlichen Text im Forum Magazin unter dem Titel "Die Selbermacherin".




Einen weiteren hübschen weiteren Artikel über mich und meine Mission gab es auch noch in der Rubrik "Auf einen Kaffee mit..." in "bei uns", dem Magazin der dhu-Baugenossenschaft in der Ausgabe 01/2017.





Ich freue mich immer sehr, wenn ich über meine Kanäle hinaus die Möglichkeit bekomme, von den Vorteilen des Selbermachens zu schwärmen - sei es ein Vortrag oder ein Interview. "Früher oder später bekommen wir sie alle zum Nähen ihrer eigenen Kleidung", sagen Frau Nahzugabe und ich manchmal. Wir arbeiten dran!

Dienstag, 2. Mai 2017

Kurzmeldung: Instagram und #MeMadeMai2017

Mein Instagram-Account ist umgezogen. Ihr findet mich ab sofort hier:

https://www.instagram.com/crafteln/

Kurzfristig habe ich mich dazu entschlossen, beim #MeMadeMay2017 teilzunehmen. Das ist eine tolle, internationale Aktion, bei der Frauen einen Monat lang ihre selbstgemachte Kleidung fotografieren und zeigen. Jede nach ihrem Gusto und so oft sie will. Ich bin gespannt, wie sich das bei mir im Laufe des Mai entwickelt. Auch in den vergangenen Jahren habe ich immer mal wieder beim MeMadeMai mitgemacht.

Lillestoff-Festival: Das Programm ist nun online



Gestern zeige ich auf Instagram, Facebook und twitter schon eine kleine "Sneak-Preview", was ich für das Lillestoff-Festival 2017 vorbereitet habe. Da das Programm nun seit gestern abend online ist und ihr euch ab morgen im Laufe des Tages anmelden könnt, nun noch ein paar ausführlichere Informationen. In meinen Workshops wird es sich immer um das Thema "Oberteile anpassen" drehen. In den letzten zwei Jahren ist das Thema "Wie mache ich ein Schnittmuster zu einem Maßschnittmuster" zu einem Herzensthema von mir geworden. Deswegen freue ich mich, dazu verschiedene Kurse anbieten zu können, bei der jede sich den genau Passenden aussuchen kann. 

Der ausführliche Workshop "Oberteile anpassen" wendet sich an Frauen mit einer großen Kleidergröße. Hier kümmern wir uns nicht nur um "Platz für die Brust", sondern auch um den Bauch, Bewegungsfreiheit, den Rücken und auch um die Ärmel. Wir üben alle Änderungen am DIN A4-Modell, weil das schön übersichtlich ist.

Der kurze Workshop "Nichts klafft mehr" ist für alle diejenigen, die eine Körbchengröße mehr als B oder C haben. Hier geht es darum Platz im Kleidungsstück zu schaffen, wo wirklich Platz gebraucht wird - und zwar an der Brust - denn wenn eine zu große Kleidergröße gewählt wird, sind schnell der Rücken und die Schultern zu groß. In diesem Workshop zeige ich, wie eine FBA geht, um Platz für die Brust zu schaffen. Wir üben das am DIN A4-Modell, weil das schön übersichtlich ist.

Der dritte Workshop "Lieblingsshirt next Level" ist neu im Programm. Hier geht es darum, zu analysieren, was ein Lieblingsshirt zu einem Liebling macht. Dazu gibt es verschiedene Antworten, jedenfalls zeige ich in diesem Workshop, wie ihr anschließend ganz viele Lieblinge nähen könnt, indem ihr das alte Shirt kopiert, Anpassungen in das Schnittmuster einbaut, damit es besser passt und Design-Details anbringt, die ihr besonders mögt. Zu diesem Workshop ist es wichtig, dass ihr ein Lieblingsshirt (egal, ob gekauft oder genäht) und auch Bilder von Shirts, die ihr gerne mal tragen würdet, mitbringt.

Die genauen Workshopbeschreibungen mit Inhalt, Uhrzeit und Preisen findet ihr im Online-Flyer des Festivals. Die Anmeldung für die Workshops läuft ab morgen im Laufe des Tages über den Onlineshop von Lillestoff. Genauere Informationen dazu auch im Flyer! Wenn ihr nicht nur Workshops besuchen, sondern dort auch mit vielen anderen nähbegeisterten Frauen zusammen nähen möchtet, dann könnt ihr euch auch einen kostenfreien Nähtisch zu den Eintrittskarten dazu buchen. Die Begeisterung für das Festival ist groß - es lohnt sich, schnell zu sein mit dem Kartenkauf.

Mit *klick* aufs Bild zum Festival-Programm (Online-Flyer):





Samstag, 29. April 2017

2012 für gut befunden - heute aussortiert, weil ich es besser kann



Das Schöne am Bloggen ist: ich kann jederzeit nachschauen, was ich früher so gemacht habe und mich daran erfreuen, was ich alles gelernt habe. Letztens fiel mir beim Aufräumen eine Bluse in die Hände, die ich jahrelang ungetragen in meinem Kleiderschrank habe. Ich vermute, ich habe sie Anfang des Jahrtausends gekauft, aber gut gesessen hat sie nie. 

Ein Upcycling-Versuch, der irgendwie doch nicht glücklich machte


2012 habe ich es mit Upcycling probiert. Die Bluse war überall zu eng und eigentlich war es schon ganz schlau von mir gedacht, einen Mustermix-Stoff einzusetzen, wenn es schon unmöglich ist, den exakt gleichen Stoff zu bekommen. Nach meiner Erfahrung ist ein ähnlicher Stoff immer die schlechtere Wahl, weil das schnell "gewollt und nicht gekonnt aussieht". 2012 war ich mit meinem Ergebnis recht zufrieden und zeigte die geupcycelte Bluse beim MMM.




Aus heutiger Sicht habe ich sie in die Altkleidersammlung gegeben. Immerhin, dachte ich, als ich sie in die Hand nahm, um zu entscheiden, ob sie gehen muss oder bleiben darf, immerhin habe ich vorne mehr Stoff eingesetzt, als an den Seiten. Das tat ich damals aber nicht aus dem Bewusstsein, dass vorne noch mehr Platz gebraucht wird, als hinten, sondern deshalb, weil die Erweiterung an den Seiten immer noch nicht ausreichte und die Bluse vorne noch unschön klaffte.

Heute weiß ich, dass es nicht ausreicht, einfach an den Seitennähten Mehrweite einzufügen. Das mag eine Möglichkeit sein, wenn es um 2 cm Mehrweite geht. Doch sobald wir von mehr Mehrweite sprechen, würde eine Zugabe an den Seiten bedeuten, dass nicht nur das Vorderteil, sondern auch das Rückenteil größer wird. Gerade bei so einer auf Figur geschnittenen Bluse ist das nicht erwünscht. Deswegen hatte ich, nachdem ich die Bilder gesehen hatte, die ich für den MMM gemacht hatte, noch einen "Mittelstreifen" eingefügt und einen Nachtrag geschrieben. Und trotzdem war die Bluse nur vordergründig chic, aber gefühlt nicht richtig, weswegen sie eigentlich nie getragen wurde.


Wenn es vorne klafft, hilft nur eine FBA


Heute kann ich eine FBA machen und dort Mehrweite einfügen, wo Mehrweite gebraucht wird - das ist nunmal meist an der Brust. Diese kombinierte Weiten-und Längenänderung sorgt zudem dafür, dass der Stoff, der einen längeren Weg über die große Brust geht, untenrum nicht "bauchfrei" erzeugt. Das ist natürlich bei einem neugenähten Kleidungsstück einfach im Vorfeld mit einzuplanen. Bei einem Upcycling, also nachträglichen Änderungen an einem fertigen Kleidungsstück, nicht so einfach.

Genau das ist der Grund, wieso die an sich hübsche Idee, Streifen aus gestreifter Bündchenware einzusetzen, nicht funktionierte. Ihr seht, was ich meine, oder?





Die Bluse hat mit Paspeln abgesetzte Teilungsnähte. An sich eine wunderschöne Idee. Aber genau das macht offensichtlich, was an dieser Bluse falsch ist: die Brustrundung sitzt oberhalb der Brust!

Große Brüste und die Brüste von Frauen, älter als Anfang zwanzig, sitzen nicht unbedingt an der Stelle, die die DesignerIn für eine Größe 36 vorgesehen hat. Einfach die Kurve um ein paar Zentimenter zu verschieben, reicht meist nicht. Je größer die Kleidergröße, desto tiefer muß der Brustpunkt. Das ist zwar eine Faustregel und ist signifikant auch eher für die großen Größen zu sagen, aber als Faustregel schon ziemlich offensichtlich. Ihr wisst schon: die Schwerkraft und so.

Wenn wir selbst nähen, dann können wir dort Weite einfügen, wo Weite wirklich gebraucht wird und gerade bei Teilungsnähten, die Brustrundung genau dort schön ausformen, wo sie wirklich sitzen soll. Seit dem ich das kapiert habe und auch noch lehre, kann ich so eine "falsche Bluse" einfach nicht mehr anziehen.


Es ist großartig, dass wir keine komische Kleidung tragen müssen!


Das ist doch großartig, dass wir nähen können und nicht mit komischer Kleidung herumlaufen müssen! Irgendwie tat es mir leid, als ich die hübsche Bluse aussortierte, aber gleichzeitig freute ich mich wie Bolle darüber, dass ich sie aussortieren kann und dass ich dazu in der Lage bin, etwas besseres zu nähen. Und sollte ich die Bluse wirklich vermissen - ja, dann nähe ich mir einfach so eine ähnliche (mit oder ohne Mustermix), aber dann wenigstens passend!

Donnerstag, 27. April 2017

Bald startet die Anmeldung für das lillestoff-Festival



Für diejenigen, die das lillestoff-Festival noch nicht kennen: das ist ein großes, sehr gut organisiertes Event, bei dem sich hunderte von Hobbynäherinnen für ein Wochenende treffen, um gemeinsam zu nähen und in Workshops neues zu lernen. Kennt ihr den Film vom letztem Jahr - damit bekommt ihr einen guten Eindruck. Weil ich an dem Wochenende 16. und 17. September dort auch Workshops geben werde, für die ihr euch bei Interesse zügig anmelden müsst, will ich euch kurz erklären, wie das geht. 

Demnächst wird der Workshopplan veröffentlicht und vermutlich einen Tag später, gibt es die Eintrittskarten und Workshoptickets im Onlineshop von lillestoff zu kaufen. An diesem Erstverkaufstag sitzen lauter verrückte Hobbynäherinnen vor ihrem Computer, aktualisieren minütlich ihren Browser, um den Verkaufsstart nicht zu verpassen, denn die Eintrittskarten sind binnen kürzester Zeit (noch am selben Tag binnen weniger Stunden) ausverkauft.  Es lohnt, sich das Workshopprogramm vorher in Ruhe anzuschauen und sich vorab zu entscheiden. Die Workshops sind vielleicht nicht ganz so schnell ausverkauft, wie die Eintrittskarten, aber wer weiß. Ich sage euch auf jeden Fall bescheid, sobald das Programm online ist.

Die gute Nachricht ist: wenn ihr es nicht schaffen solltet, Tickets für das lillestoff-Festival zu ergattern, dann könnt ihr trotzdem einen Workshop bei mir besuchen. Im Schnittmusterkiosk findet ihr unter Workshops noch Restkarten für alle Workshops des zweiten Quartals und für das dritte Quartal bin ich schon fleißig am Planen.

Kurzmeldung: heute in Ninjashirt und Stadtmantel




Ich weiß, alle warten auf den richtigen Frühling und den Sommer und glaubt mir, ich kann es auch kaum erwarten, endlich wieder ohne Stumpfhosen zu sein. Aber heute freue ich mich wie Bolle über die tolle Kombination aus Ninjashirt und Stadtmantel, die zur Zeit einfach genau richtig sind.

Ich kann keine Schals und Tücher mehr sein, will Freiheit am Hals und einen freien Blick auf den schönen Mantelkragen. Das Ninja wärmt mit Kapuze und hohem Wasserfallausschnitt genau richtig und wenn es nachher wärmer wird, drapiere ich den Ausschnitt einfach um, um mehr Luft an den Hals zu lassen.

Freitag, 21. April 2017

Webware oder Jersey?





Vorgestern zeigte ich mein "Knitterkleid-aus-Jersey-Experiment". Ich liebe dieses Schnittmuster in allen Varianten, die ich bisher nähte, egal, ob geknittert oder ungeknittert, aus festem oder fliessendem Stoff. Es juckte mich in den Fingern, noch einen Schritt weiter zu gehen und es mit einem elastischen Stoff zu probieren. 

Witzigerweise zeigte am gleichen Tag rosa p., ihren neuen Schnitt Liva, der für Jersey konzipiert ist, in einer Variante aus Webware und erklärte, was zu beachten ist, wenn das Material gewechselt wird. Das bringt mich dazu, auch noch mal ein paar Worte zu diesem Thema zu verlieren. Achtung, es folg ein langer Beitrag - ganz ohne Bilder!



Der Unterschied zwischen Webware und Jersey


Ich glaube, vielen Näherinnen ist zunächst der Unterschied zwischen Webware und Jersey nicht klar. Irgendwie wissen sie es, aber es kommt leicht zu Verwechslungen. Immer wieder höre ich die Unterscheidung "Jersey statt Baumwolle" - ich hoffe damit können wir nach diesem Blogpost aufhören. 


Webware


Webware ist, wie der Name schon sagt, ein gewebter Stoff. Meist sind die Fäden - wie in einem Webstuhl, den ihr vielleicht als Kind mal hattet -  gerade miteinander verwebt, das heißt es gibt senkrechte und waagrechte Fäden. Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten den Stoff zu verweben (verschiedene "Bindungen"). Aber grundsätzlich gilt, es gibt einen Kettfaden und einen Schussfaden und diese beiden Fäden werden miteinander verbunden. 

Webware kann aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt werden. Die von Hobbynäherinnen am meisten verwendeten Webwaren bestehen aus Baumwolle oder Viskose.  


Jersey


Jersey hingegen ist ein gestrickter oder gewirkter Stoff. Hier gibt es (in der Regel) nur einen Faden, der wie beim Stricken in sich verschlungen wird, so dass daraus ein Stoff entsteht. Die Produktion von Strickstoff oder Jersey könnt ihr euch wirklich vorstellen, wie große Strickmaschinen, die euch die Arbeit abnehmen aus einem Faden ein Materialstück herzustellen. 

Auch Jersey gibt es aus den unterschiedlichsten Fasern. Die von Hobbynäherinnen am meisten verwendeten Jerseys sind aus: Baumwolle, Viskose, Wolle oder Kunstfaser. 



Die Materialeigenschaften von Webware und Jersey


Sowohl die Herstellungsweise (gewebt oder gewirkt/gestrikt) aber auch die Faser bestimmen die Materialeigenschaften des Stoffes. Dazu später mehr. Denn jetzt geht es erst einmal um die Herstellungsweise. 

Grob gesagt, ist ein Jersey stets elastisch und Webware unelastisch. Das kommt natürlich darauf an. Je nach Material und Herstellung kann das variieren, aber die Grundregel gilt. 



Webware ist in der Regel unelastisch


Genau diese mangelnde Elasthizität wird bei der Herstellung eines Schnittmusters berücksichtig. Schnittmuster für Webware enthalten neben der Designzugabe (also wie locker soll das Kleidungsstück sitzen, damit es der DesignerIn gefällt) auch noch eine Bewegungszugabe, also zusätzliche Weite, damit in dem fertigen Kleidungsstück Bewegungen möglich sind. Mittlerweile gibt es viele Webwaren, die einen Elasthananteil haben. Elasthan ist eine Art Gummifaden, der Elastizität bringt. Das macht Kleidungsstücke nicht nur bequemer, sondern es passt dadurch auch mehr Menschen - bei Massenkonfektion ein ganz wichtiges Argument. 

Es gibt eine weitere Möglichkeit, Webware elastisch zu machen: sie kann auch im schrägen Fadenlauf verarbeitet werden. Während Webware nicht nachgibt, wenn du sie in der Richtung der Fäden (senkrecht oder waagrecht) ziehst, gibt sie beim Ziehen in der Diagonale sehr wohl nach. Seit dem ich dies von Frau stokx gelernt habe, nähe ich bei körpernahen Kleidungsstücken aus Webware, so lange es das Stoffmuster zulässt, manche Teile aus Webware, um mehr Bewegungsfreiheit zu bekommen. Der Zuschnitt im schrägen Fadenlauf "kostet" natürlich mehr Stoff, aber die Schnittteile werden elastisch und fallen schöner. 

Den schrägen Fadenlauf habt ihr vielleicht schon mal bemerkt, wenn ihr ein Kleidungsstück aus Webware nähtet und anschließend der Halsausschnitt abstand. Das ist ärgerlich! Das kann passieren, weil der Ausschnitt zum Teil im geraden und zum Teil im schrägen Fadenlauf zugeschnitten wird. Überall, wo die Schnittkante im schrägen Fadenlauf ist, kann sie sich leicht ausdehnen. Also vorsicht! Ein Trick diese Dehnung zu verhindern ist, dass ihr rund um die Ausschnittkanten in die Nahtzugabe mit Geradstich eine Stütznaht näht. 

Aber: Egal, ob eine Webware durch die Verwendung des schrägen Fadenlaufes oder durch Zugabe von Elasthan dehnbarer wird - sie ist niemals so elastisch wie ein Jersey!


Jersey ist in der Regel elastisch


Gestrickter oder gewirkter Stoff ist elastisch, mehr oder weniger jedenfalls. Das kommt ein bisschen auf die Machart und das Material an. Wenn Kleidungsstücke für Jersey entworfen werden, dann werden sie mit wenig Designzugabe, keiner oder sogar negativer Bewegungszugabe designt, denn der Stoff gibt nach. Genau das lieben viele Hobbyschneiderinnen, denn beim Vernähen von Jersey kommt es nicht so sehr auf die Passform an. Der Jersey sucht sich seinen Weg und irgendwie passt es schon. 

Diese Materialeigenschaft hat allerdings den Nachteil, dass sich Erfolgserlebnisse nicht beliebig wiederholt werden können, denn jeder Jersey verhält sich anders. Ist der Stoff mehr oder weniger elastisch, passt das schon mal genähte Kleidungsstück möglicherweise beim erneuten Nähen nach dem gleichen Schnittmuster, mehr oder weniger gut. Hier hilft nur Anfassen und Ziehen und ein Gespür dafür zu entwickeln, wie sich der befühlte Jersey verhalten könnte. 


Ja, aber was ist nun? Kann ich Webware und Jersey tauschen?



Bei Hobbynäherinnen gibt es drei Fraktionen: die Jerseyfraktion, die Webwarefraktion und diejenigen, die Beides vernähen. Die Jerseyliebhaberinnen lieben die Unkompliziertheit des Materials: frau muß es nicht bügeln und irgendwie passt es schon. Die Beführworterinnen von Webware schätzen gewebte Stoffe dafür, dass sie leicht und flott zu verarbeiten sind (insbesonderen Baumwollwebware) und dass ihnen die Festigkeit des Stoffes Gestaltungsmöglichkeiten gibt, konturierte Kleidungsstücke zu arbeiten, die nicht unbedingt körpernah sein müssen (und damit jedes Röllchen zeigen). Beides hat seine Vor- und Nachteile. Ich gehöre zu der dritten Fraktion und verarbeite beide Materialien gleich gerne, aber ich tausche nur selten ein elastisches Material gegen ein unelastisches Material aus. Doch theoretisch geht das.

Wenn die Materialeigenschaften klar sind, dann kann ich tatsächlich bei manchem Schnitt das Material austauschen, aber ich muß aber Folgendes beachten:


Ein Webwareschnitt --> aus Jersey nähen


Ist ein Schnitt für Webware vorgesehen und ich will ihn aus Jersey nähen, dann wird das Kleidungsstück vermutlich zu weit. Ich sollte also mindestens eine Nummer kleiner wählen. Wenn es eine Fertigmaßtabelle gibt, ist das hilfreich bei der Größenwahl. 

Nicht jedes Schnittmuster ist gleichermaßen geeignet - aber grundsätzlich ist es auch möglich Kragen oder viele Schnitteile, die über Teilungsnähte verbunden werden, aus Jersey zu nähen. Hier müsst ihr darauf achten, dass einige Teile mit Einlage verstärkt werden und dann entscheiden, welche Einlage ihr dafür wählt. Es gibt Einlagen, die auch elastisch sind und deswegen für Jersey empfohlen werden, aber wollt ihr z.B. einen elastischen Kragen? Ihr seid die Schneiderinnen und bestimmt den Look - ich wollte euch nur darauf hinweisen. Es kann sein, dass ihr die Anleitung nicht 1:1 befolgen könnt, sondern überlegen müsst, wie ihr das Alternativmaterial unterstützt oder anders verarbeitet, als die Umsetzung für Webware es vorsieht. Zum Beispiel nähe ich in Jerseykleider auf die Schulternaht oder/und in den rückwärtigen Halsausschnitt meist ein Stück Band, damit Schultern und Ausschnitt nicht leiern. Das ist in der Anleitung eines Schnittes, der für Webware vorgesehen ist nicht angegeben, aber ich mache es natürlich dann erst recht, wenn ich das Webware durch Jersey ersetze. 

Bei der Entscheidung für oder gegen ein Material würde ich dann noch darauf achten, wie fliessend das Material sein sollte oder wieviel Stand es braucht, um die gewünschte Silhouette zu erreichen. Jersey wird niemals so viel Stand haben wie Webware und Viskose ist egal, ob gewirkt oder gewebt immer fließender als Baumwolle - es gilt also ein Gespür dafür zu entwickeln, was geht. Ein bisschen Experimentierfreude schadet dabei nicht. 


Einen Jerseyschnitt --> aus Webware nähen



Möchte ich einen Jerseyschnitt in Webware nähen, dann muß ich dafür sorgen, dass ich in das Kleidungsstück hereinkomme und mich bewegen kann. Um die negative Designzugabe zu beachten, könnte ich eine Nummer größer nähen. Vielleicht reicht das schon, vermutlich aber nicht. Ich könnte auch entscheidende Teile, die besonders viel Bewegungen auszuhalten haben, wie zum Beispiel das Rückenteil, im schrägen Fadenlauf zuschneiden. Das kann funktionieren, aber es kommt drauf an. Je körpernaher das Design ist, umso schwieriger wird es, das Material in dieser Reihenfolge zu ersetzen. 

Wahrscheinlich ist euch schon einmal aufgefallen, dass Kleidungsstücke aus Webware oft einen Reißverschluss oder Schlitze haben und jetzt wisst ihr warum. Ihr braucht Bewegungsfreiheit und müsst irgendwie in das Kleidungsstück hineinkommen. Wenn ihr ein Schnittmuster für Jersey also aus Webware näht, bedenkt, dass ihr Verschlüsse und Schlitze braucht! 

Ganz besonders kritisch sind Ärmel und Armlöcher. In der aktuellen Mode werden enge Ärmel als schick empfunden, weil wir viele Kleidungsstücke aus Jersey tragen. Kleidungsstücke aus Jersey haben oft enge Ärmel und kleine Armlöcher. Außerdem werden Jerseyärmel oftmals gedehnt in das Armloch gedehnt. Das geht sehr viel einfacher, als einen Ärmel aus Webware einzusetzen, der Einhalteweite für mehr Bewegungsfreiheit hat. Wenn ihr ein Schnittmuster aus Jersey habt und dieses aus Webware nähen wollt, dann könnt ihr folgendes machen: Ihr nehmt einen Ärmel und das passende Armloch eines Schnittes aus Webware und bastelt dieses Armloch an den Jerseyschnitt an statt des ursprünglichen Ärmels oder Armloches. Das ist in meinen Augen die beste Methode. Alternativ könnt ihr ganz kurze Ärmel machen, da diese nicht so einengen wie lange Ärmel. Ihr könnt Puffärmel anbringen, in dem ihr die Armkugel aufschneidet uns so Weite einfügt, aber das verändert natürlich den Look. Manchmal funktionieren auch 3/4 lange Ärmel mit einem Schlitz, aber das ist der riskanteste Versuch. Oder aber, ihr lasst die Ärmel weg. Dann müsst ihr aber das Armloch mit Schrägband einfassen oder einen Armlochbeleg konstruieren. 


Mein Fazit


Ich glaube, es ist mit etwas Erfahrung möglich, die Materialien auszutauschen. Variante 1: einen Webwareschnitt aus Jersey zu nähen,  ist mit weniger Risiko und weniger Änderungen verbunden, als die zweite Variante. Aber optimal ist es auch nicht. Es hat schon seinen Grund, wieso die DesignerInnen Materialempfehlungen aussprechen. Sie haben sich schließlich bei der Entwicklung eines Schnittmsusters etwas dabei gedacht. 

Andererseits sind wir ja auch deswegen Hobbyschneiderinnen, weil wir machen wollen, was wir uns erträumen. Deswegen finde ich es absolut spannend, Materialien zu tauschen und mit ihnen zu experimentieren. Und wenn ihr das, was ich über die Eigenschaften und den Tausch geschrieben habe beachtet, ist das Risiko, das etwas schief gehen kann, schon gar nicht mehr so groß. 

Ich kann euch nur ermuntern, zu experimentieren und etwas über Materialien zu lernen - das geht ganz toll mit dem Stofflexikon von Frau Nahzugabe "Stoff und Faden". Es schadet auch nichts, etwas über die Konstruktion von Kleidungsstücken zu lernen. Denn wenn ihr mehr versteht, was ihr macht und wenn ihr genauer, wisst, wo ihr Weite benötigt, Formgebung möchtet und Elastizität braucht, kann das bei der Materialauswahl berücksichtig werden und damit die Trefferquote für ein Traumkleidungsstück erhöhen. Wenn ich in meinen Workshops zum Thema Schnittanpassungen spreche, dann üben wir zwar Theorie, aber da Material und Schnitt niemals getrennt voneinander betrachtet werden können, spielt auch das Material in den Workshops immer eine Rolle.

Je länger ihr näht, umso mehr werdet ihr ein Gefühl für Materialien und Schnittkonstruktion entwickeln, das Reinfälle seltener macht. So werden eure Nähwerke immer persönlicher und individueller. Bis dahin lest ihr einfach genau die Materialempfehlungen und überlegt, was die DesignerInnen sich dabei gedacht haben, denn frau lernt nie aus! Und das ist doch toll! 

Donnerstag, 20. April 2017

Knitterkleid aus Jersey?



Das Knitterkleid aus Jersey? Kann das funktionieren?


Ich habe einen neuen Lieblingskleidschnitt und wer mich kennt weiß, jetzt bin ich nicht mehr zu stoppen. Lieblingskleid heißt = näht sich flott und geht irgendwie immer. Oder besser noch: Lieblingskleid heißt, "da steht Meike drauf", das bin ich, ich fühle mich gut und richtig angezogen.

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht ganz unterschiedliche Kleider bräuchte, um ich zu sein. Hey, ich bin Zwilling. Das sind die Menschen von Sternzeichen, die am liebsten mit zwei Füßen in unterschiedlichen Pfützen stehen. Ich mag es, ganz unterschiedliche Dinge zu tun, mehrere Jobs zu haben und unterschiedliche Rollen leben. Ich mag es mal so, mal so zu sein, ich mach mich gestern fein, mag es heute praktisch und übermorgen wie auch immer -  es gibt so viel spannende Dinge auszuprobieren. Für so einen Zwilling wie mich, ist ein Schnittmuster dann ideal, wenn ich es 1000 mal quasi im Schlaf nähen kann und das Resultat doch immer anders aussieht.





So schön


Als ich nach einem Namen für dieses Schnittmuster suchte, nannte ich es Knitterkleid. Ich sah im Atelier stokx eine ältere Dame das Kleid anprobieren, die eigentlich Sorge hatte, das Design könne ihre Falten am Hals zu sehr betonen, die sie ganz und gar nicht mochte. Die Dame kam aus der Kabine, sah sich im Knitterkleid im Spiegel und sah sich fasziniert an. Dann lächelte sie.

Diese Dame war begeistert und kaufe das Kleid und ich wusste: dieses Schnittmuster will ich machen. Dieses Design soll Hobbyschneiderinnen zur Verfügung stehen. Dieses Kleid soll alle Frauen, die auch nur den leisesten Zweifel haben, dass sie wunderschön sind, anziehen und sie eines Besseren belehren.




Ich nannte es "Knitterkleid", weil es es in der Kollektion stokx aus hauchzartem Stoff gibt, der nach dem Waschen feucht zusammengerollt wird, damit er geknittert wird. Es entsteht ein filigranes Gewebe, dass eine Frau zart umhüllt und ihre Schönheit zum strahlen bringt.

Doch ich täuschte mich. "Knitterkleid" war der falsche Name. Der Name wird diesem Design nicht gerecht, denn das Kleid kann auch ohne Knitter. Das Design kann eigentlich mit allen Stoffen. Noch habe ich nicht alles probiert, aber glaubt mir, das werde ich tun!


Und wie habe ich es gemacht?


Nachdem ich das Kleid nun diverse Male in "ungeknittert", aus Webware genäht habe, ist dies nun meine erste Version aus einem Jersey.

SchnittmusterKnitterkleid
StoffWolljersey von Lillestoff


Es ist anders aus Jersey, ich finde es noch nicht perfekt, aber ich finde es schön. Das nächste Mal würde ich es in Jersey nicht nur eine Größe kleiner sondern zwei Größen kleiner nähen. Und vielleicht würde ich es auch nicht im schrägen Fadenlauf nähen, wie es das Schnittmuster vorsieht -  ich glaube, es ist nach zwei Tagen tragen, ein wenig länger geworden. Vermutlich wird es auch gut im geraden Fadenlauf funktionieren (bei meinen ungeknitterten Kleidern aus Webware geht das ja auch). Aber es funktioniert! Deswegen zeige ich es bei rums. Es fühlt sich an, als wäre es ein Nachthemd und gleichzeitig fühle ich mich angezogen. Es ist ein Knitterkleid aus Jersey - wer hätte das gedacht!

Ich bin vermutlich der einzige Mensch, den es freut, dass der Winter kurz zurück gekommen ist, denn das Kleid habe ich erst letzte Woche fertig gestellt. Jetzt kann ich es tragen! Und wenn es ganz bald wärmer wird, zeige ich euch meine nächste Version des Knitterkleides aus Waxprint.



Montag, 17. April 2017

Finale Stadtmantel-Sew Along




Hallo und herzlich Willkommen zum vierten und letzten Teil des Stadtmantel-Sew Alongs. Heute ist das große Finale. Ich freue mich schon sehr, eure Stadtmäntel zu sehen!

Mein Frühlingsmantel


Über meinen Frühlingsmantel freue ich mich sehr. Auch wenn ich den "dunktel-bunten" Stadtmantel (*klick* hier) sehr mag, ist es doch im Frühling irgendwie schöner, etwas farbenfrohes anzuziehen.





Die gekochte Wolle hatte ich jahrelag im Schrank liegen und irgendwie scheint sie nur auf dieses Schnittmuster gewartet zu haben. Die Mühe, die Karos auszurichten, hat sich gelohnt, auch wenn es natürlich nicht überall perfekt sein kann. Besonders die Rückenansicht macht mich glücklich!







Natürlich träume ich auch noch von einem dezenten Stadtmantel, in grau, petrol oder dunkelblau "für diese anderen Tage" an denen ein zurückhaltender und trotzdem auffallend schicker Mantel gebraucht wird. Wie genau der aussehen soll, weiß ich noch nicht. Da lasse ich mich von euch inspirieren und nähe einfach meinen Stadtmantel Nr. 4 im nächsten Herbst.


Der Stadmantel erobert die Welt und eure Herzen


Es ist jedes Mal ein aufregender Moment, einen Stadtmantel, ein Knitterkleid, einen Partyrock, ein Ninjashirt oder ein Kimonokleid von euch genäht zu sehen. Plötzlich wird unsere Idee, Designerschnittmuster für Hobbyschneiderinnen zur Verfügung zu stellen, lebendig. Aus dem Design, aus dem in monatelanger Arbeit hergestelltem Schnittmuster mit Anleitung wird ein mit Liebe genähte, ganz individuelles und sehr persönliches Kleidungsstück. Weitaus persönlicher, als es ein Designerstück jemals sein kann und trotzdem mit der gleichen Klasse und Raffinesse. Oder um es mit Lindy Stokes, der Designerin des Stadtmantels und schlauer Kopf hinter dem Label stokx zu sagen, als sie auf Facebook mein ungeknitteres Knitterkleid vorstellte:

"I love it. It has wings! Fly be free!
Meike has transformed the "Gossamer Dress" into the "Knitter Kleid" an then back to the "Unknittered Kleid". Don't stop. Welcome all of the stokx-crafteln-hybrids!" Lindy Stokes

Genau so ist es. Lindy lässt uns Hobbyschneiderinnen die Freiheit, mit ihren Designs etwas ganz Eigenes zu machen. Das, was in den vielen Köpfen steckt, die die Schnittmuster kaufen und dann zu ihrem ganz eigenem Kleidungsstück umsetzen, kann sich ein einzelner Kopf gar nicht ausdenken. Das ist und bleibt einfach unsagbar spannend. Und ganz besonders freut es mich natürlich, wenn das Nähen Dank der Anleitung gut geklappt hat.

Ich freue mich sehr, dass auch zwei Leserinnen, die nicht bloggen, mir Bilder von ihren Stadtmänteln geschickt haben, um ihre Freude darüber, mit uns zu teilen.

Diesen frühlingsfrisch grünen Stadtmantel hat die bloglose Leserin Annett genäht und mir freundlicherweise Bilder geschickt.




"Am Stadtmantel gefällt mir besonders seine figurumschmeichelnde Form und das tolle Material Wollwalk. Ich habe vorher noch nie dieses Material verarbeitet und bin sehr positiv überrascht.... erst einmal ein Probestück aus Baumwolle angefertigt. Dann habe ich mich erst an den richtigen Mantel gewagt und habe schnell festgestellt, dass die Anleitung ja doch gar nicht so schwierig ist, wie ich zuerst dachte. Stück für Stück habe ich meinen Mantel fertig gestellt, bin immer noch begeistert und trage ihn mit Stolz." Annett

Auch Anette hat mir Bilder von ihrem Stadtmantel geschickt und sagt:

"Das Schnittmuster hat wunderbar funktioniert und somit hatte ich viel Freude beim Nähen. Da dies mein erster Mantel war, habe ich mich recht strickt an die Materialauswahl und Anleitung gehalten und wurde mit einem tollen Ergebnis belohnt. " Anette




Wie großartig ist es, dieses Ergebnisse zu sehen und zu lesen, dass sich jemand dank des Stadtmantels zum ersten Mal an das Nähen eines Mantels traute und dann das Ergebnis liebt.

Das ist das Schnittmuster


Für alle diejenigen, die hier heute zufällig vorbei kommen und den Stadtmantel noch nicht kennen. Der Stadtmantel, designed by Lindy Stokes, ist ein leichter Wollmantel für die Übergangsjahreszeit. Nur die Ärmel und die Schulterpartie sind zum leichteren Anziehen und besseren Sitz gefüttert. Der Mantel kann wahlweise mit Teilungsnähten im Vorderteil oder aber mit einem Brust- und einem Schulterabnäher genäht werden.





Die große Wissenssammlung


In den letzten Wochen haben wir, über die ausführliche Anleitung hinaus - viel Wissen um das Nähen des Stadtmantels zusammengetragen. Meine Beiträge und die verlinkten Beiträge der Sew Along-Teilnehmerinenn findet ihr hier:




Linkliste für die Finalistinnen


Verlinkt eure Beiträge mit eurem Fazit zum Stadtmantel gerne in der Linkliste. Diese ist eine ganze Woche lang, bis nächsten Montag Abend, geöffnet. Wie jede Woche des Sew Alongs, gibt es auch diese Woche zwei Schnittmustergutscheinter unter allen verlinkten Blogbeiträgen der dieswöchigen Linkliste zu gewinnen. Die Gewinnerinnen des dritten Sew Along-Termines sind Ankasews und Naehkatze Carola. Bitte schreib mir eine Mail, damit ich euch den Gutschein schicken kann.