Donnerstag, 26. Mai 2016

MMMay 2016 - third week

Der Mai ist voller Feiertage, Ferien, Familie  und Arbeit - ihr kennt das. Ich versuche aber trotzdem fleissig am Me Made May teilzunehmen, allerdings ohne es zu erzwingen. Auch diese Woche habe ich wieder einen Tag kein Foto gemacht. So what. So isses eben.



Die letzte Woche war ich eher langweilig unterwegs, denn ich trug nur drei verschiedene Schnitte. Von zwei dieser Schnitte habe ich mehrere Versionen und ziehe sie eigentlich auch alle gerne an. Seht selbst.

This week, my wardrobe was a little boaring, because I show two patterns very often, because I have sewn them in many variations and love to wear them. 



Die Woche begann mit einem gemütlichen Ajaccio, weil wir eine lange Autofahrt vor uns hatten, mit Leggins, weil das Wetter nicht Fisch und nicht Fleisch war. Die Leggins ist viel zu groß und gehört eigentlich kürzer und enger genäht....irgendwann. Aber für die Fahrt war das Kleid genau richtig.

The week startet with a Jerseydress (Ajaccio/Schnittquelle) because my family an I had a long road trip with the car. 





Weils so schön war, trug ich am nächsten Tag ein anderes Ajaccio: das Ginsterkleid. Und wie immer mit diesem Kleid. Ich mag die Farben, ich mag das Muster - aber noch schöner finde ich große Muster für mich.




Next day: again Ajaccio. I like the colours and the design but I always think, that I prefer bigger prints. 




Das blaue "Polizeikleid" trug ich zur Lesung in Schwetzingen und war wie immer sehr angetan von diesem Kleid. Das ist einfach schön. Leider braucht es mehr Stoff, als ich üblicherweise kaufe, so dass ich es nicht spontan aus den Vorräten nähen kann. Aber ich sollte mir dringend noch so ein Kleid nähen. Das Schnittmuster, eigentlich ein Mantelschnitt, ist von stokx, ist aber nicht zum Verkauf geplant.



The blue dress is one of my favourite. I really love it. This pattern is unavailable. 



Die gute Nachricht ist, dass es den Schnitt für das Kimono-Kleid bald zu kaufen gibt. Das schwarze Kleid ist wirklich famos. Ich trage es besonders gerne mit Leggins darunter.




Fortunately the pattern of the Kimono-Dress is available soon. I really like this dress with leggins. 



Am nächsten Tag trug ich noch mal das Vortragskleid, das nach dem gleichen Schnitt genäht ist, wie das schwarze Kleid. Aber es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich die beiden Kleider wirken. Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass das pinke Kleid einen Tick zu kurz ist, obwohl es genau die gleiche Länge hat, wie das Schwarze.

Next day again the Kimono-Dress in pink, I allready showed in the beginning of may. I am really surprised, how different the two dresses from the same pattern feel. 





Die Woche endete, wie sie begann: wieder mit Ajaccio und weil es so regnete, ausnahmsweise mit Turnschuhen. Immerhin passen sie farblich.

The week endet like she begun: with an Ajaccio Jersey dress. Because of the rain with sneakers. I am not shure, if I like the combination, but the colours fit. 



Ich bin ein wenig verwundert, dass ich bisher im Mai so wenig "halbe Teller"-Röcke getragen habe. Irgendwie hat sich das selten ergeben. Vielleicht lag es an der Reiserei. Die Röcke knittern so im Koffer. Mal schauen, ob es sich in den nächsten Tagen ergibt.


Mittwoch, 25. Mai 2016

MMM - tierisch



Als wir im Me Made Mittwoch-Team über ein neues Motto nachdachten und "Animal" als Idee entstand, dachte ich "Ach komm geh fort, Tiescher und ich, das werd nix!" Und für die, die des hessischen nicht mächtig sind. "Animal" war für mich stets Leopard und Schlange und das, das hat wirklich so ganz und gar nichts mit meinem Style zu tun.

Aber es geht ja nicht nur um Fell und Haut - alles tierische ist am heutigen Me Made Mittwoch erlaubt (und wer heute etwas ganz anderes Selbstgemachtes angezogen zeigt, darf natürlich auch mitmachen) und Tierchen mag ich schon sehr gerne auf Stoff. Es gibt diverse Stoffe mit allerlei Viehzeug, denen ich schon jahrelang hinterherweine, weil ich sie nicht gekauft habe! Und es gibt Stoffe, die ich kaufte und jetzt doch das Gefühl habe, dass sie wohl an kleinen Mädchen besser aussehen, als an mir. Erinnert ihr euch an den Blümchenmonat? Frauen und Blümchen sind auch nicht immer einfach unter einen Hut zu bringen, denn Blümchen sind nicht gleich Blümchen. Bei den Tierchen ist das genauso - frau kann sehr viel falsch machen mit den falschen Tierchen. Deswegen meine große Faszination. Es ist jedes Mal ein Abenteuer, einen Tierstoff zu vernähen und anschließend zu schauen, ob er zum Leben passt.

Auf dem Gruppenfoto trage ich das Schwalbenkleid und als ich gestern das Gefühl hatte, dass mein Kleiderschrank dringend Shirts braucht, fiel mir auf einmal ein Schwalbenjersey ein, den ich noch im Lager hatte. Nur ein kleines Stück, denn der Jersey war für meine Verhältnisse ziemlich teuer. Außerdem hatte ich ihn bei der lieben Glücksmarie gekauft und scheute mich lange, ihn anzuschneiden. Das Motto war ein guter Anlass, es zu wagen, denn zwischendurch war ich oft unsicher, ob ich Design und Farbe wirklich mag.



Gestern hatte ich plötzlich die Gelegenheit zu nähen, das will genutzt werden. Nur hatte ich keinen passenden Schnitt. Ich wollte gerne ein weites, kürzers Shirt mit überschnittenen Ärmeln und fand partout keinen Schnitt im Vorrat, den es in meiner Größe gab. Ich wollte loslegen und nicht schon wieder erstmal an einem Schnitt basteln. Also kopierte ich freihändig ein Kauf-Shirt, das ich gerne trage und hatte Glück, dass der Stoff gerade so reichte.




Der Ausschnitt ist noch zu klein, da gehe ich noch mal ran, aber ich finde es toll, obwohl mir die grundsätzliche Schwäche des Schnitts (fehlender Brustabnäher) bewusst ist. Es ging so schnell, ein Shirt zu nähen! Langsam kapiere ich, worauf es dabei ankommt. Wie schon letztes Jahr, nehme ich mir nun vor, weiter auf die Suche nach guten Baumwolljerseys zu gehen. Jerseys, mit guten Mustern. Gar nicht so leicht, denn so sicher bin ich mir gar nicht, was ich da genau suche. Es bleibt also spannend und ich freue mich, dass das Motto des heutigen Me Made Mittwochs mich dazu bewogen hat, mal wieder die Nähmaschine auszupacken und etwas auszuprobieren.

Dienstag, 24. Mai 2016

Auslosung Maker Faire



Damit ihr eure Wochenendpläne machen könnt, habe ich eben schnell die GewinnerInnen für die Eintrittskarten für die Maker Faire in Hannover ausgelost.

Lose geschnitten, 



ordentlich durchgemischt,




und zwei Gewinnerinnen gezogen. Ihr bekommt nachher eine Mail von mir, wie ihr an die Tickets kommt. Herzlichen Glückwunsch Ottilie und susigoesout.

Alle anderen: seid nicht enttäuscht und kommt trotzdem. Das wird bestimmt spannend dort. Hier könnt ihr sehen, welche Vorträge sonst noch so gehalten werden und das ist das Programm für die Workshops. Aber passt auf: am Sonntag ist in Hannover autofreier Sonntag. Es ist vermutlich ratsam, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. 

Wir sehen uns - ich freue mich auf euch!

Donnerstag, 19. Mai 2016

Vortrag auf der Maker Faire in Hannover --> Tickets zu gewinnen (Werbung)

Foto: Philip Steffan

Ich freue mich sehr, zur Maker Faire in Hannover eingeladen zu sein, um am 29.5. dort einen Vortrag zu halten.

Maker Faire? Ich hatte mir das Programm letztes Jahr mal angeschaut und gedacht "cool, da sind andere DIY-Nerds!", hatte aber gleichzeitig das Gefühl, dass ich als Frau mit meinen textilen Interessen nur bedingt Zielgruppe bin. Dieses Jahr scheint es allerdings mehr Makerinnen dort zu geben und es sin auch für mich interessante Themen sind zwischen allerlei Technikkram zu finden. Es ist eine bunte Mischung für die ganze Familie! Umso mehr freut es mich mein Thema dort vorstellen zu können und Frauen damit Aufmerksamkeit und Raum zu verschaffen.

Mein Vortrag heißt "Sei Pippi und nicht Annika - schreibe ein DIY-Blog" 

Wieder einmal geht es um den Zusammenhang zwischen Bloggen und dem Nähen, die Comunity, die ich aus der DIY-Blog-Szene nun mal am besten kenne. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Internet die Handarbeiten nicht nur befördert hat, in dem es erklärt wie etwas funktioniert. Diese kostenlosen Anleitungen, (Video-)Tutorials und und und sind toll, aber mir ist wichtig darauf hinzuweisen, dass DIY-Bloggen und die Vernetzung und in der Community dem Hobby noch mal eine neue Qualität gibt. Ich erzähle von Selbstermächtigung und Frauenbild, der Kraft und dem neuen Selbstbewusstsein.

Mehr Informationen zur Maker Faire findet ihr hier.
Meinen Vortrag halte ich am Sonntag, den 29.Mai um 11.45 Uhr in Raum 1

Wer Tickets gewinnen will, schreibt bitte bis zum 23. Mai um 23 Uhr einen Kommentar mit Mailadresse (schreibt "ät" in die Mitte, dann finden euch die Roboter nicht). Es gibt drei Familientickets (für einen Tag oder das ganze Wochenende) für zwei Erwachsene und bis zu zwei Kindern (bis 15 Jahre) zu gewinnen. 



Dienstag, 17. Mai 2016

MMMay2016 - second week



Einen Monat lang, zeige ich, wie viele andere Hobbynäherinnen auf der Welt, fast täglich was ich an selbstgemachter Kleidung an diesem Tag trage auf Instagram. Die zweite Maiwoche startete mit gutem Wetter, so dass ich mein liebstes Kleid des letzten Sommers trug: das schwarze Kleid, dass ich 2012 im Praktikum begonnen und letztes Jahr dann endlich fertig gestellt hatte. Mehr Informationen und besser Bilder gibt es hier.




The second week of may started with pretty good weather, so I wore my favorite dress, finished last year. It is again the same pattern like the speaker-dress. Better pictures are here



Am nächsten Tag war es warm genug, für ein weißgrundiges Kleid. Erst, wenn ich mich wirklich an den Sommer gewöhnt habe, kann ich es ertragen, weißgrundige Sachen zu tragen. Das Ming-Vasen-Kleid trage ich mal mit Gürtel und Petticoat, mal lässig ohne. An diesem Tag bevorzugte ich die lässige Version. Mehr Infos zu dem Kleid hier.



Next day nice summer weather again. I wore my "Ming-Vase-Dress". All my handmade clothes have names. Ho is it with yours? I don't kno ift this print has really Ming-Vases - maybe it is greek? Bedause of the lomons? Because the print is n white ground I can wear it onliy, wehn it is really sumerly and the sun is shinging. The pattern is Pattern Hack with the stokx-dress an McCall 4769 (formerly known as the "Drecksding"). Sometimes I wear the dress with belt, sometimes without. Sometimes with Petticoat, but not, when its hot. This day I wore it comfortable without accessoires. 



Am nächsten Tag hatte ich endlich mal eine Fotografin. Ich trug das Tiramisu mit Streifen. Jedesmal, wenn ich ein Tiramisu von Cake Pattern trage frage ich mich, wieso ich eigentlich nicht noch mehr Kleider nach dem Schnittmuster genäht habe.



Next day I wore tiramis-dress from cake pattern. Everytime I wear Tiramisu, I ask myself, why I have not more dresses from this lovely pattern Tiramis from cake pattern. 




Also trug ich am nächsten Tag das andere Tiramisu, das ich eigentlich noch ein bisschen lieber mag, als das mit Streifen.



So I wore the next day the other Tiramisu I have sewn. 



Samstags arbeitete ich im Stoffladen und es war sehr viel kälter geworden. Deswegen trug ich einen halben Teller mit Petticoat darunter und dem gekauften Lieblingsstrickjäckchen.




On Saturday I had to work in the fabric store and it was much colder than the days before, so I decided to wear a half circle skirt with petticoat. I have only sewn the skirt. 



Am Sonntag verließ ich nur kurz das Haus, um das Kind zu einem Kindergeburtstag zu fahren, also zog ich eben schnell Jeans, Shirt und Regenmantel an. Den Regenmantel nähte ich vor langer Zeit nach dem Schnittmuster Johanna von Farbenmix und das Shirt ist ein China-Shirt von Schnittquelle - auch uralt.



On rainy saturday I just left short the house to bring my child to a birthday party. I wore jeans from a shop and a selfmade shirt (china shirt from Schnittquelle) and the selfmade raincoat from a pattern called Johanna from farbenmix. 




Mein Outfit wurde erstaunlicherweise begeistert auf Instagram kommentiert, so dass ich am Tag darauf, noch einmal Jeans und China-Shirt anzog. Selbst mein Mann kommentierte das alte Shirt wohlgefällig, was mich erstaunte. An diesem Tag kombinierte ich mit dem Nina-Cardigan, der sich irgendwie als ein sehr praktisches Kleidungsstück herausstellt, dass ich unheimlich oft greife.

Yesterday again the shirt but this time with the nina cardigan from Style Arc, which seems to me one of the new basic thing in my warderobe. 

It is really fun to take part at the #mmmay on instagram. For more information, I try to write every week a blogpost with further information. 

Es macht wirklich Spaß, am Me Made May auf Instagram teilzunehmen! Das geht so zwischendurch, ohne viel Aufwand und es ist einfach sehr toll zu sehen, was die handmade-Bewegung über den Erdball verteilt, für tolle Klamotten näht. Ich hoffe, ich schaffe es trotzdem, jede Woche einen ergänzenden Blogpost zu schreiben.






Freitag, 13. Mai 2016

Empfehlung: Vorzügliche Vorträge

Das schöne Wetter der letzten Tage, bot mir abends eine wunderbare Gelegenheit auf dem Balkon zu sitzen, und mit dem ipad ein paar Vorträge zu hören. Wie wunderbar ist es doch, dass im Zeitalter des Internets es möglich ist, auch von Konferenzen, bei denen eine nicht dabei war, im Nachhinein wenigstens den Input mitzubekommen. Drei Vorträge haben mir besonders gut gefallen. Alle drei Vorträge haben etwas damit zu tun, was ich gerne denke und vortrage. Statt aber zu grollen, weil mein Vortragsentwurf bei der re:publica wieder nicht angenommen wurde, freue ich mich, dass andere viele Aspekte, die mir wichtig sind vortrugen und damit die wertvollen Gedanken auch ohne mich bei der re:publica und der Podcastkonferenz Subscribe7 eine Bühne bekamen.



Josefine Matthey kannte ich vorher noch gar nicht. Auf ihren Vortrag "EveryBODY dance now - unsere Körper im Netz" auf der re:publica wurde ich über twitter aufmerksam.  Ohne die Ankündigung vorher zu lesen, sprach mich der Vortragstitel sehr an und ich wurde nicht enttäuscht. die bezaubernde @Josefine hinterließ weit mehr als nur einen Ohrwum bei mir. Wie sie entdeckte ich das Internet Ende der 90er Jahre auch über das Chatten. Ich fand es damals toll, einander ohne Bild, rein textbasiert zu begegnen, ohne mir klar zu machen, dass ich das gerade so toll fand, weil ich Bilder meines Körpers nicht mochte. Durch das Nähbloggen veränderte sich meine Haltung gegenüber meinem Körper und das regelmäßige Fotografieren und diese Bilder im Internet zu zeigen, veränderten mindestens ebenso viel, wie das Tragen schönere, eben selbstgenähter Bekleidung.

"Sichtbarkeit des eigenen Körpes im Internet muss eins sich leisten können (Privilegien) und wollen (Widerstandsfähigkeit)." Josefine Matthey

Wie wahr! Mir war nicht klar, dass sich zu Zeigen, ohne doofe Kommentare zu bekommen, tatsächlich ein Privileg ist, obwohl ich natürlich schon seit der Kindergartenzeit wusste, dass es "die Schönen" gibt, die wesentlich weniger Probleme damit haben sich zu zeigen, als "wir anderen". Ich denke, dass wir uns diese Privilegien durch eine gut funktionierende Nähblog-Comunity geschaffen haben. Hier bin ich privilegiert, weil ich mich mich zeige, wohlwissend, dass es in unserer kuscheligen Internetnische auch gefahrlos möglich ist. Dieses Privileg, mich zu zeigen und mich dabei sicher zu fühlen, gab es bei der Fernsehsendung - und das auch noch im Privatfernsehen - natürlich nicht - dort habe ich dann auch ordentlich "mein Fett weg bekommen" und wenn ich nicht vorher neues Selbstbewusstsein in unserer wertschätzenden Kultur des Umgangs miteinander gewonnen hätte, wäre es mir nicht möglich gewesen, mich bei "Geschickt eingefädelt" zu zeigen, nur um meine Mission, dass Kleidung nähen stark macht, auch weiteren Kreisen zu vermitteln.

Link zum Video von Nahlinse




Von diesen Wert der Comunitys berichtete auch @nahlinse, Monika Andrae, in ihrem Vortrag "Das parallele Podcastuniversum - ein Einblick in die Podcastszene der DIY- und Kreativ-Ecke". Die Fasernerd-Podcasterinnen-Kommunikation findet wohl mehr auf ravelry denn auf Blogs statt, aber diese wertschätzende Haltung, die auf der gemeinsamen Leidenschaft beruht, ist wohl mit unserer Kultur der näherds vergleichbar. Alles das, was sie über die Fasernerds berichtet, erlebe ich bei uns in den Nähblogs und finde es absolut wert, darüber auch anderen zu erzählen. Hatespeech ist ein Problem, das auch seit Jahren auf der re:publica diskutiert wird und gerade Ingrid Brodnig hat dazu spannende Ideen (ihren aktuellen Vortrag muß ich mir unbedingt noch anhören, aber seit zwei Jahren bin ich schon Fangirl von ihr, seit ich sie vor zwei Jahren auf der re:publica kennenlernte) . Doch statt Hatespeech zu bejammern und auf Frauenthemen abwertend zu schauen, lohnt meines Erachtens für diejenigen, die nach Lösungen für eine funktionierende Gesprächskultur im Internet suchen der Blick über den Tellerrand und die Erforschung andere Gruppen und das ist ein Grund, wieso ich gerne über die Nähnerds berichten

"Jetzt strickst du also nur noch" Monika Andrae

Glücklicherweise ist unser Austausch weitesgehend verschont von Trollen, doch wir erleben Abwertungen von außen, weil Handarbeiten nicht das beste Image haben. Mehr noch: mit Bemerkungen "Jetzt strickst du also nur noch" wird, wie @nahlinse überzeugend ausführt,  das, was den Menschen sonst noch an Erfahrungen und Wissen ausgemacht genauso ausgeblendet wie die Tatsache, dass textile Themen durchaus politisch gedeutet oder mit anderen Wissensgebieten verknüpft werden können. Den Blogbeitrag eines Hörers des Vortrages von Frau Nahlinse fand ich ganz wunderbar, denn auch er beschäftigt sich mit Privilegien und der unsäglichen Haltung, die Leidenschaften anderer abzuwerten.

Während Handarbeiten abgewertet und belächelt werden, sind die Kommentare von außen bei Körpern, die von der Norm abweichen noch mal um einige Grade heftiger. Ungefragte Hilfestellungen zur Optimierung von Ernährung, Sport und Kleidung sind nur die Vorboten von handfesten Beleidigungen, für die eine ein großes Maß an Widerstandsfähigkeit braucht.

"Ich finde, dass die Existenz eines Menschens als Wert ausreicht!" Journelle

Eine Community, in der sich die Einzelne zeigen kann, ohne abgewertet zu werden ist eine wunderbare Ergänzung zu Beiträgen die aufzeigen, dass es möglich ist, aus dem Selbstoptimierungswahn auszusteigen und ein Leben auch jenseits der Größe 36 für lebenswert zu halten, wie sie von Blogs, die sich mit Body Acceptance beschäftigen veröffentlicht werden. Wenn @Journelle in ihrem Vortrag auf der re:publica sagt "Das Internet hat mich dick gemacht" meint sie genau diese Beiträge in Wort und Bild, die ihr geholfen haben, ihren Körper anzunehmen und jetzt zu leben, statt auf den Tag X zu warten, an dem sie endlich anfangen zu leben, Sport zu treiben und sich mögen kann. In ihrem Vortrag entlarvt sie quasi atemlos, weil sie so viel zu sagen hat, ihre drei Lieblingsmyhten rund um dicke Körper "Fett sei hässlich", "ein dicker Körper ist ungesund" und "Diäten funktionieren und ich bin wirklich froh darüber, dass solche Aussagen eine Bühne bekommen!



Sehr gut gefallen hat mir in dem Vortrag von Josefine die am Schluß vorgetragenen 11 Punkte, was wir   nun tun können, damit unsere Gesellschaft immer mehr so wird, dass jedeR Mensch eine Existenzberechtigung hat und respektvoll behandelt wird. Ganz konkret benennt sie, wie wir unsere Privilegien einsetzen können und was uns den Rahmen aufzeigt, innerhalb dessen Benehmen respektvoll ist.

Alle drei Vorträge berührten mich, weil sie vermittelten, dass jeder Mensch wertvoll ist, es verdient, Raum einzunehmen und sichtbar zu sein. Durch solche Vorträge und das Erleben wertschätzenden Austauschs in den schönen Nischen des Internets, entwickeln wir Stärke der Gesellschaft der Normierungen, der Hate Speech und der Abwertungen selbstbewußt etwas engegen zu setzen, mit Haltung durchs Leben zu gehen und das Leben zu genießen. Das Internet ist eine großartige Sache, wir sind in der Lage, uns unabhängig von den Mainstreammedien zu machen, uns selbst zu ermächtigen, einfach Dinge ins Netz zu schreiben, die uns wichtig sind und die dem, was uns nicht gefällt, etwas entgegen setzen. Ich freue mich, dass es euch gibt, euch Internetfreundinnen und kann euch die drei Vorträge, wenn ihr sie noch nicht gehört habt, nur empfehlen!

Donnerstag, 12. Mai 2016

Save the date - aktuelle Lesungstermine für Mai und Juni

Wer es noch nicht gesehen hat: hier im Blog gibt es jetzt eine Extra-Seite mit Veranstaltungsterminen mit mir. Damit ihr keinen Termin in eurer Region verpasst, erinnere ich euch kurz vorher noch einmal. Für die Veranstaltungen im Mai oder Juni müsst ihr euch anmelden - die Plätze sind begrenzt!

Egal, ob es Lesung, Buchverstellung oder sonstwie heißt: Ich lese aus dem Buch "Nählust statt Shoppingfrust", plaudere mit euch über das Nähen und meine Mission, die Menschen vom Nähen von Bekleidung zu begeistern und signiere Bücher. Hier und hier habe ich schon mal über meine Lesungen gebloggt.


Aktuelle Lesungstermine

Mai
20.5. Schwetzingen 
um 16 Uhr bei Weltbild, Mannheimerstr. 11, 68723 Schwetzingen, Anmeldung in der Filiale oder telefonisch unter  06202-12 71 86,  Eintritt frei

21.5. Bad Kreuznach
um 11 Uhr bei Weltbild, Mannheimerstr. 135, 55543 Bad Kreuznach, Anmeldung in der Filiale oder telefonisch unter 0671-48 20 83 3, Eintritt frei

Juni
9.6. in Hamburg
um 20 Uhr in der Parallelwelt, Gärtnerstraße 54 in Hamburg, Eintritt nach Ermessen, Anmeldungen für die Gästeliste ab dem 15. 5. an fraucrafteln ät gmail punkt com


Ende Mai halte ich noch einen Vortrag in Hannover und im August komme ich in die Schweiz - mehr dazu in Kürze!

Montag, 9. Mai 2016

MMMay2016 - first week

Ich war etwas abgetaucht, letzte Woche, aber jetzt bin ich wieder da. Gut erholt und voller Motivation für das, was da kommen mag (ein paar Andeutungen sind schon in diesem Beitrag versteckt). Nach dem Vortrag, dazu später mehr, habe ich mir bei herrlichem Wetter ein paar schöne freie Tage in Berlin und Hamburg gemacht. Das tat so gut. Bis auf die Sonntage, habe ich versucht, jeden Tag ein Foto von meinem Outfit zu machen.

I had lovely days the last week in Berlin an Hamburg. It was nice weather - the first time this year in Germany. I tried to make every day - but not on sundays - to make an outfit photo. Please excuse my english - I am out of training since years! 


On Monday I started with a shirt I have sewn last year mit a assymetrical neckline. . I love retro-prints! It is made with cotton jersey an the pattern ist from knipmode 6/2014

Montag trug ich ein Shirt vom letzten Jahr und eine Kaufjeans. Oh ja, eine Kaufjeans. Nach 5 Jahren Hosenabstinenz, muss ich wohl erst einmal wieder lernen, wie Hosen und ich zusammenpassen, bevor ich mir die perfekte Hose nähe. Die zwei neuen Kaufjeans haben beide ihre Tücken, aber erstaunlicherweise mag ich sie trotzdem. Das Shirt ist aus der Knipmode 6/2014 und ich zeigte es bereits hier.


Last year, I tried to sew trousers, but I was not confident with the results. In sprintime, I hate tights, so I bought a few weeks ago two pair of jeans an I must say, I am really happy with them, although they are not perfect.




Dienstag trug ich auf Reisen Kaufklamotten und abends das Vortragskleid. Darüber schreibe ich gesondert noch etwas. Der Schnitt für das Vortragskleid ist von meiner Freundin Lindy, der Designerin mit dem Label stokx und wird sehr bald auch über meinen Blog zu erhältlich sein. Ihr kennt ihn schon z.B. von hier und hier. Außerdem trug ich die ersten selbstgenähten Leggins, die funktionieren - auch dazu schreibe ich bei Gelegenheit noch etwas.

On Tuesday I talked about sewing blogs and of course I sew a new dress for the event. The pattern will be available soon, more infos here on the blog in june. It is made by my friend Melinda Stokes the designer with the lable stokx. I have sewn this pattern before. More fotos are here and here. I combined the dress with my first self-made-leggins-that-work. I tried to sew leggings before, but I did not like them, but now I know which pattern, which size an which material, yeah!



Am Mittwoch trug ich das Vortragskleid noch einmal, weil es toll ist und ich cool genug war, es am Abend nicht zu sehr zu verschwitzen. Weil es am Mittwoch nicht ganz so warm war, trug ich darüber den Nina Cardigan (von Style Arc) und den Mantel, den ich im Praktikum genäht hatte sowie mein neues Tuch, das ich noch nicht verbloggt habe.



On wednesday I wore again the "lecture-dress", but because of the lower temperature, I had to combine it with the Nina Cardigan (Style Arc) and a coat, I sew in my internship at the label stokx a few years ago.  

Am Donnerstag trug ich schon wieder stokx! Da es noch etwas bezüglich der Anleitung mit Lindy zu besprechen gab, war es am einfachsten, den Jeans-Rock zu unserem Treffen anzuziehen. Aber Jeansrock geht sowieso eigentlich immer. Darüber trage ich ein Kaufshirt, das irgendwie gut ist, weil es ein sehr fester Baumwolljersey ist und irgendwie die perfekte Länge hat.



On thursday again stokx, because I had a meeting with the designer-friend and some questions about the fall of the folds for the tutorial. I showed the skirt before here. The shirt is bought an not selfmade. 

Freitags las ich auf twitter, dass der #mmmay einen Mottotag hat. Gelb! Naja, da habe ich wenig Auswahl im Kleiderschrank. Kurzentschlossen zog ich mich um und wechselte zu dem gelben Rock, den ich nicht so gerne mag, weil er wie verrückt knittert. Was ich aber an ihm mag ist sein Venezia-Futter. Es fühlt sich herrlich an den nackten Beinen an! Ich sollte vielleicht doch öfter Sommerröcke füttern. Der Schnitt für den Rock ist selbstgemacht. Es ist ein 8-Bahnenrock mit angeschnittenem Bund. Die vorderen seitlichen Bahnen sind für Taschen geteilt.



On friday I realized, that there ist a motto for the #mmmay2016 so I changed my outfit and choose the skirt I wear not often because it crinkles very quick. But I love the feeling of the lining on my naked legs! The pattern for the skirt I made myself. It is made from 8 similar peaces, only two front peaces are cut for the pockets. 

Zur Arbeit im Stoffladen trug ich am Samstag ein Ajaccio aus Baumwolljersey. Für Viscosejersey erschien mir die Zeit noch nicht reif. Der Baumwolljersey gibt mehr Halt und ist bei warmem Temperaturen trotzdem angenehm zu tragen. Um mich rum waren die Menschen aber "angezogener", d.h. noch nicht so auf Sommer eingestellt. Schon seltsam, die Übergangsjahreszeit!



On Saturday I had to work in the fabrik store an decided to wear a dress made from cotten jersey. The pattern is called "Ajaccio" from Schnittquelle an I sew it more thean 10 times. Although it was a warm day, the people around me wore "more clothes" - it is quite difficult to change the season!

It is really fun to take part at the #mmmay on instagram. For more information, I try to write every week a blogpost with further information. 

Es macht wirklich Spaß, am Me Made May auf Instagram teilzunehmen! Das geht so zwischendurch, ohne viel Aufwand und es ist einfach sehr toll zu sehen, was die handmade-Bewegung über den Erdball verteilt, für tolle Klamotten näht. Ich hoffe, ich schaffe es trotzdem, jede Woche einen ergänzenden Blogpost zu schreiben.


Dienstag, 3. Mai 2016

#MMMay2016



Ich war noch unentschlossen, aber als ich gestern morgen im Bus den Hashtag #mmmay16 bei Instagram scrollte und unzählige Frauen aus aller Welt in ihren genähten Outfits sah, dachte, ich "ach, ich mache auch beim Me-Made-May 2016 mit - aber nur nicht stressen lassen mit den Fotos!" Ich werde als morgens ein Spiegel-oder-Aufzugsfoto machen und wenn es sich im Laufe des Tages kein besseres Foto ergibt, dann bleibt es dabei. Ungefähr einmal die Woche mache ich dann einen Post in dem ich diese Fotos hier zeige und auf Beiträge mit besseren Fotos und dazugehörigen Text verlinke.

Gestern trug ich den Nina Cardigan und ein Shirt aus der KnipMode 6/2013. Der selbstgenähte graue Mantel hat es nicht aufs Foto geschafft, aber das macht er bestimmt noch mal diese Monat. Heute bin ich unterwegs nach Berlin zum Vortrag bei der GLS-Bank. Das Reiseoutfit ist unspektakuläres Alltagsoutfit, das ich garantiert noch mal im Mai tragen werde. Ich hoffe, beim Vortrag macht jemand ein schönes Foto von mir. Obwohl ich ein komplettes Outfit selbst gemacht habe (Kleid, Cardigan, Leggins, Mantel, Tuch), bin ich noch unsicher, ob ich es tragen werde. Die Wettervorhersage macht mich kirre.

Good Morning! I decided to take part at #mmmay16, because I love the idea, that woman all around the world show their selfmade outfits they really wear during the whole month. Today is the first day with good wheather since a long time. I can not remember, how it might feel to have 20 degrees. It was difficult for me to choose my outfit. My choice: a shirt, a cardigan and a coat I have sewn an jeans I have bought recently, because it was hard for me to sew a trouser without trying it on before. The Shirt ist from Knip Mode 6/2013, the cardigan is the Nina Cardigan from #StyleArc. Once a week I write a blogpost on crafteln.de with all the outfits and links to better pictures an explaining text in german. 



Montag, 2. Mai 2016

In guten Stoff investieren #2 - Das Interview mit Karin Schell (Werbung)

Vertrauen ist der Schlüssel, war das Resümee meines Blogpostes "In guten Stoff investieren" vor ein paar Tagen. Wenn ich mehr Geld für etwas ausgebe, dann muß ich mir vertrauen, dass ich daraus etwas Anständiges produziere. Aber ich muß auch dem Hersteller und dem Verkäufer vertrauen, dass das, was ich mitnehme, mein gutes Geld wert ist. Ich bin wahrhaftig nicht markengläubig: ich kann mir bei vielen teuren Bekleidungs-Marken beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie wie auch immer besser sind, als billiges Zeug. Und gleichzeitig habe ich eine Abneigung gegen billige Kleidung, die zur Wegwerfware mutiert ist.

Um mein Unbehagen zu bearbeiten, beschloss ich mehr über Stoff herauszufinden. Mit Karin Schell bzw. ihrem Ladengeschäft und Onlinehandel "Der Rote Faden" habe ich eine Kooperation am Laufen, über die bei Gelegenheit mehr berichte. Jedenfalls bekam ich von ihr Stoff, um etwas auszuprobieren und bin von der Qualität dieses Stoffes sehr angetan. Damit aber alles seine Ordnung hat, habe ich diesen Beitrag mit "Werbung" gekennzeichnet, denn wenn ich auch kein Geld für den Beitrag bekommen habe, gibt es eben diese Vorgeschichte. Ich weiß, dass Qualität bei ihren Stoffen eine besondere Rolle spielt, sie unheimlich lange schon näht und sich einfach auskennt, deswegen habe ich mich für ein Interview mit ihr entschieden.



Karin Schell ist eine alte "Häsin" im Stoff-(Online)-Handel. Ihr Stoffgeschäft gibt es schon seit 1998. Zunächst war sie auf der Suche nach Stoffen und Nähzubehör für eigene Nähvorhaben und als Sie sich als "Einkaufstrüffelnase" erwies, wuchs sich ihre Leidenschaft zu einem Hauptberuf aus. Sie startete mit Reißverschlüssen und Nähzubehör, das sie zunächst für den eigenen Bedarf kaufte und dann an andere Schneiderinnen weiterverkaufte, weil es natürlich günstiger war, große Mengen zu bestellen. Zunächst verkaufte Karin Schell von zu Hause aus, doch zwei Jahre später bot sich ihr die Chance, nach dem Umzug nach Aachen, in ein Stoffgeschäft einzusteigen. Sie startete einen Online-Handel und übernahmt nach einigen Jahren das Stoffgeschäft und verkauft nun seit vielen Jahren Stoffe und Nähzubehör an gewerbliche- und Privatkunden.




Zu Beginn unseres Gespräches per E-Mail habe ich sie gefragt, wie sie die Stoffe für ihr Sortiment auswählt.
"Ich kaufe immer noch das ein, was mir gefällt, was ich gut finde und nicht, was so günstig ist, dass ich eine besonders hohe Marge rausholen könnte. Da ich immer noch selber nähe, soweit die Zeit es hergibt, also nachts ;) merke ich schnell, wenn bei Stoffen oder Nähzutaten die Qualität nicht stimmt und nehme entsprechende Artikel aus dem Sortiment. Die ganze Mühe einer individuellen Kreation, sei es nun bei Modeateliers oder bei Hobbyschneidern, lohnt sich nicht, wenn das Teil dann schnell kaputt ist.
Stoffe probiere ich größtenteils aus. Wenn sie pillen, also Knötchen bilden und nach dem Waschen ganz fusselig werden, bestelle ich bei dem Lieferanten nicht mehr, es sei denn, er kann mir die Problematik erklären und ich kann solche Stoffe vermeiden."
Das ist der Punkt! Die Mühe des Selbermachens lohnt nicht, wenn das Material nicht hält, was es verspricht. Aber wie finde ich heraus, ob ich dem Material trauen kann? Eine Möglichkeit ist es, der Fachfrau zu vertrauen, die auch selbst näht. Wenn "eine von uns" sagt, dass sich ein Material bewährt, empfinde ich das als vertrauenswürdig.
"Und dann gibt es noch einen Aspekt: es müssen nicht immer Markenartikel sein. Wenn die Qualität bei einem (vielleicht auch nur in Deutschland) unbekannteren Produkt genauso gut ist, aber der Preis niedriger als der des Markenartikels ist kann ich hier für meine Kunden einen Preisvorteil anbieten. Das ist bei den hochwertigen spanischen Rubi-Reißverschlüssen ebenso der Fall wie bei dem Coats-Nähgarn, bei Einlagen und Schulterpolstern, die nach unseren Vorstellungen gefertigt werden u.v.m."
Marken sind ein gutes Stichwort! Bei vielen Produkten gibt es Marken und ein „Marken-Vertrauen“. Wieso wird bei Stoff so wenig über Marken vertrieben? Ist es den Kundinnen nicht wichtig, wer den Stoff designt oder hergestellt hat? Im Patchworkbereich wird ja viel über den Designernamen
gemacht, warum bei den anderen Stoffen nicht?
"Ja, im Patchworkbereich gibt es ein paar Firmen, die sich mit tollen Dessins auf immer gleichbleibenden gewebten Baumwollstoffen einen Namen gemacht haben. Der Name steht also für bestimmte Dessins und nicht die Stoffe als solche. Davon gibt es auch ein paar bei den Bekleidungsstoffen. Aber immer steht das Design im Vordergrund. 
Das Gros der Stoffe wird aber nicht über das Dessin sondern die Qualität vertrieben, also Herstellungsart (gewebt, gewirkt), Zusammensetzung (Anteile an Natur- und Kunstfasern), Grammatur (Gewicht pro qm).  Das Dessin ist meist nicht herausragend, sondern zweitrangig. 
Und bei Bekleidungsherstellern, Großhändlern und für Stoffgeschäfte ordernden Einkaufsgemeinschaften sind Namen, etwa von guten Stoffwebern, durchaus bekannt. Dadurch aber, dass diese Einkäufer die Stoffe in sehr großen Mengen kaufen müssen und sie oft auch Einfluss auf die Zusammensetzung nehmen können, ist der Stoff, der nachher entsteht, schon wieder ein Spezialprodukt, das man nicht mehr dem Hersteller zuschreiben kann. Also welchen Markennamen soll man da etablieren? 
Bei den Futterstoffen ist es ja auch wieder anders: hier können sich, aufgrund gleichbleibender Zusammensetzung der Qualitäten, sehr wohl Markennamen etablieren, wie Nevaviscon oder Devetex."
Das kann ich irgendwie nachvollziehen. Das ist sicherlich ein Grund, wieso Fabrikverkäufe bei Hobbynäherinnen beliebt sind. Wenn der Bekleidungshersteller den Ruf hat, Qualitätsware zu verkaufen, sind die Stoffe, die es dort zu kaufen gibt, bestimmt auch von guter Qualität. Aber solche Fabrikverkäufe gibt es ja nicht überall und ständig. Wo bekommen wir sonst noch gute Qualität. Karin Schell sprach von der Zusammensetzung, der Grammatur und der Herstellungsart. Darüber möchte ich noch mehr wissen. Wenn Preis und Qualität in einem echten Verhältnis stehen: Welche Faktoren machen Stoff teuer?
"Die Rohstoffe. Es gibt etwa Wolle aus 1. Schur (Schurwolle) und solche, bei der auch Reißwolle beigemischt wird, quasi Recycling. Seide ist aus der Mitte des Kokons fein und gleichmäßig, die gröberen Enden werden zu unregelmäßigerer Seide verarbeitet. Baumwolle oder Viskose kann als „Gewirke“ also z.B. Jersey langstaplig sein und damit viel glatter und feiner oder aus den kürzeren Resten, die dann eher zum Pilling neigt. Als Gewebe können Sie aus einer langstapeligen Baumwolle feinen Batist machen, die kurzstapeligen Reste taugen nur für grobes Fahnentuch."
Oh, das wusste ich so nicht, auch wenn es plausibel klingt. Wie schade, dass den Stoffen nicht mehr Informationen mitgeliefert werden! Wenn ich genauer wüsste, was ich bekomme, dann könnte ich auch eine viel bewußtere Preisentscheidung treffen, statt mich ausschließlich von Farbe und Muster verführen zu lassen!



Wie viele andere Hobbynäherinnen, war ich in den letzten Monaten intensiv auf der Suche nach guten Strickstoffen und bin nicht wirklich fündig geworden. Das, was ich fand, war entweder "Plastik" so hochpreisig, dass ich dann doch auf den Einkauf verzichtete. Warum gibt es so viele Strickstoffe mit Kunstfaseranteil? Welche Vorteile bringen die Kunstfasern mit sich?
"Zum einen ist es eine Frage des Preises, Kunstfasern sind viel billiger im Preis, zum anderen erleichtert allerdings ein geringer Kunstfaser-Anteil die Waschbarkeit, Tragbarkeit (Pilling, Formstabilität). Ist der Kunstfaser-Anteil recht hoch, schwitzt man aber darin, obwohl die Hersteller mittlerweile auch hochwertige Kunststoffe entwickeln, die luftdurchlässiger sind, die haben aber auch ihren Preis.
Das Problem bei guten aber bezahlbaren Strickstoffen ist so: je besser die Qualität, desto teurer. Wir haben zum Beispiel einen wunderbaren Angora-Strick, der recht teuer ist und daher von wenigen Kunden gekauft wird, so dass wir nur noch schwarz nachproduzieren können. Jetzt haben wir einen ähnlichen mit mehr Polyester-Anteil mit ins Programm genommen, der ca 30% weniger kostet und der läuft sehr gut. Was lernen wir daraus?"
Achja. Das stimmt natürlich alles. Auch hier gilt wohl: wenn ich einen Schnitt erprobt habe und ein Kleidungsstück haben möchte, was mich wirklich zufrieden macht, muss ich wohl doch investieren.

Ganz oft höre ich von Näherinnen, dass eine bestimmte Art Stoffe schwer zu bekommen seien; z.B. moderne Stoffe aus interessanten Fasermischungen oder technischen Eigenschaften, Sportmaterialien - gibt es solche Stoffe tatsächlich nur schwer als Meterware oder ist das Preis-Leistungsverhältnis so, dass die Kundinnen nicht genügend zugreifen? Oder werden bestimmte Stoffqualitäten für bestimmte Bekleidungshersteller produziert und sind gar nicht als Meterware erhältlich?
"Technische Fasern/Sportmaterialien, da werden unendlich hohe Abnahmemengen verlangt, da kommen wir nur selten dran."
Aha, da lag ich also richtig. Das wäre ein Argument, bestimmte Dinge dann doch nicht zu nähen, sondern lieber zu kaufen. Aber glücklicherweise gilt das ja nur für bestimmte Stoffqualitäten. Bei den allermeisten Stoffen gibt es glücklicherweise eine große Auswahl.



Aber wie soll ich nun meine Wahl treffen? Kann ich überhaupt so etwas "Kompliziertes" wie Stoff online bestellen? Ist der Onlinestoffkauf nur etwas für Sparfüchse und funktioniert gar nicht für diejenigen, die auf der Suche nach guter Qualität sind? Was ersetzt das „Anfühlen“ der Stoffe beim Online-Kauf? Es kann doch nicht nur über den Preis gehen!
"Das finde ich auch. Den Stoff einfach mal kaufen, weil der Preis so günstig, egal ob er notfalls nachher in der Ecke liegenbleibt, widerstrebt meinem Verlangen nach Nachhaltigkeit. Da man nicht von jedem Stoff ein Muster schicken kann, dem Kunden aber vermitteln möchte, du musst nur 1x ein Muster bestellen, dann kannst du immer die gleiche Qualität in verschiedenen Farben nachordern: das war für mich der Grund, die Stoffe zu standardisieren, als ich das Stoffgeschäft übernahm. Jetzt führen wir ja auch ständig wechselnde Modestoffe, die meisten davon werden aber immer auf die gleichen Qualitäten gedruckt: beim Jersey ist es eine Ware von 92% Viscose, 8% Elasthan, beim Baumwoll-Köper eine Ware von ca. 96% Baumwolle, 4% Elasthan, bei leichten Batisten 100% Baumwolle und bei schwereren Popelinen eine Baumwoll-Polyestermischung, so dass der Kunde auch hier davon ausgehen kann, dass er im nächsten Jahr die gleiche Qualität, nur mit neuem Dessin bekommt."
Na, das finde ich super! Genau so etwas wollte ich hören! Doch das war mir nicht bewusst. Das ist wirklich ein Kauf-Argument. Wenn ich bereits gute Erfahrungen mit der Qualität gemacht habe, dann ist es doch mehr als plausibel, den gleichen Stoff in der nächste Saison noch einmal in anderer Farbe oder anderem Muster zu verarbeiten.

Stoffe verkaufen sich oft „über schöne Farben und interessante Muster“. Ein Muster kann in einem Online-Shop gut dargestellt werden. Wie verkauft sich Qualität?
"Die Berührungsängste sind da. Der Neukunde weiß erst mal nicht, ob die aufgezeigte Zusammensetzung und Grammatur auch mit Qualität verbunden ist. Eine gewisse Aufklärung, Beschreibung im Online-shop kann da schon helfen, Mustersendung auch, wenn dem Kunden das nicht zu lange dauert. Schön ist es, wenn der Kunde einem diese Chance gibt, ihn überzeugen zu dürfen."
Von einigen Stoffen verschicken Sie Stoffproben. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Verfolgen Sie, wie viele Muster zu Aufträgen führen?
"Eigentlich verschicken wir ja von allen Stoffen Proben. Nur von den Modestoffen muss man sie per Mail anfordern, von den Standard-Stoffen kann man eine Farbkarte bekommen. Wir machen damit gute Erfahrungen, die Schwellenangst ohne Muster ist doch am Anfang recht hoch. Wir halten auch nicht nach, wieviel Prozent der Kunden nach Musterbestellung den Stoff auch bestellen, da wir daraufhin auch nicht die Konsequenz treffen würden, etwa keine Muster mehr zu schicken, weil es zu teuer wäre. Aber interessieren würde es mich auch: irgendwann werde ich diese Mammut-Aufgabe in Angriff nehmen…."
Immerhin Stoffproben sind zwar nicht vergleichbar damit, ein Stück Stoff vom Ballen abzuwickeln und ihn vor dem Spiegel am Körper zu drapieren, um herauszufinden, ob er für mich gemacht ist, aber immerhin kann ich den Stoff anfassen und die Farben besser einschätzen, als am Bildschirm. Gefühlt bleibt der Nachteil, dass ich so noch länger auf den Stoff warten muss, bevor ich endlich anfangen kann. Aber erfolgreiche Projekte werden möglicherweise nicht huschhusch erledigt, sondern erfordern gute Vorbereitung und Investitionsbereitschaft.

Qualität hat seinen Preis. Haben Sie das Gefühl, dass die Kundinnen das einschätzen können?
"Teilweise schon, der Rest muss mit Beratung gemacht werden."
Beratung, ja klar. Das heißt Kontakt, das heißt Gespräch und Offenheit. Vielleicht sollte ich mehr das Gespräch zu den Verkäufern suchen, statt nur den Bestellfinger zucken zu lassen!

Ich bin immer noch neugierigen. Mich interessieren die Hersteller. Warum erfahre ich so wenig über die Herstellungsbedingungen? Beziehen Sie die Stoffe direkt von den Herstellern? Wissen Sie etwas über die Herstellungsbedingungen?
"Teilweise beziehen wir sie direkt, teilweise auch von einigen Großhändlern. Wir bemühen uns mehr und mehr von unseren Lieferanten ein Öko-Tex-Zertifikat zu bekommen, das ja nicht nur eine Aussage über die Schadstoffe macht sondern auch über die Herstellungsbedingungen. Wir haben aber auch kleine deutsche Stricker, die sich einfach ein solches Zertifikat nicht leisten können, wir wissen aber, wie sie arbeiten und stehen dahinter."
Die Problematik mit den Zertifikaten kenne ich. Das hat mir auch schon mal der Apfelbauer vom Wochenmarkt erklärt, der in Bioqualität produziert, aber das Biosiegel zu teuer findet und deswegen seine Äpfel "konventionell" anbietet. Die Frage ist ja ohnehin, was diese Zertifikate bringen. Frau Siebenhundertsachen hat ja mal sehr interessant über Siegel gebloggt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich über diesen Weg nicht wirklich mehr Vertrauen gewinnen kann. Aber wie denn dann?




Ich habe im Onlineshop des "Roten Fadens" die Bemerkung „Standardstoffe für längere Zeit lieferbar gelesen". Das bringt mich zu der Vermutung, dass auch der Händler die Marke sein könnte. Das Vertrauen wird über ein stabiles Produktsortiment aufgebaut, so dass zum Beispiel die Aussage „guten Walk bekommst du beim Roten Faden“ ein wesentliches Argument dafür ist, bei Ihnen zu bestellen, weil sie für langfristig, gleichbleibend gute Qualität stehen. Ist damit der Händler „die Marke“ und ersetzt damit Produkt- bzw. Herstellermarken?
"Diese logische Schlussfolgerung finde ich sehr schön und in gewissser Weise bestätigt das auch das oben Gesagte. Ja, genau wie der Bekleidungshersteller oder -designer für die von ihm verwendeten und in der Entstehung mit beeinflussten Stoffe als Marke für diese Stoffe gilt, steht irgendwo auch der Händler als Garant für gleichbleibende Qualität."
Ich glaube, das ist der Punkt. Genauso wie ich Äpfel am liebsten bei meinem Lieblingsbauern auf dem Wochenmarkt kaufe, ist eine Möglichkeit Vertrauen zu gewinnen, um ein gutes Gefühl bei der Stoffinvestition zu bekommen, LieblingshändlerInnen zu finden, denen ich gerne vertraue, weil sie mir vertrauenswürdig erscheinen. Dieses Vertrauen bekomme ich über das Gespräch, über Offenheit und den Willen, mit den Kundinnen ins Gespräch zu kommen und auch Hintergrundwissen mitzuteilen.

In diesem Sinne bedanke ich mich sehr bei Karin Schell für die offene Beantwortung meiner Fragen! Wer noch mehr über Karin Schell und ihr Stoffgeschäft den "Roten Faden" wissen will, kann auch den informativen Podcast von Muriel Nahtzugabe5cm hören, in dem die beiden ausführlich fachsimpelten.