Donnerstag, 3. September 2015

Ernte-Dank-Fest des Nähens



Ich kann diese Herbst-Unkerei eigentlich gar nicht hören. Es ist Spätsommer! Spätsommer - nicht Herbst! Woher kommt dieses Bedürfnis, sobald es einen Tick frischer wird, sofort auf Wintermode umzustellen?

Mir geht es eher so, dass ich noch die Sehnsucht habe, mich ganz langsam von der warmen Jahreszeit zu verabschieden. Wenn die Nächte kühler werden, nehme ich als erstes Abschied von den weißgrundigen Kleidungsstücken. Ich trage noch mal das Ming-Vasen-Kleid und den geblümten Rock und seufze, weil es sich schon ein klitzekleinesbisschen falsch anfühlt, angesichts der Kleidung der mich umgebenden Menschen. An jedem herrlichen Spätsommertag - und genau solche sonnigen Tagen mit Mittags knapp über 20 Grad haben wir derzeit - trage ich mit großem Genuss noch mal die Sommerkleidung. Ich freue mich daran, Röcke an den nackten Beinen schwingen zu fühlen und ich entscheide mich morgens ganz bewusst dafür, genau dieses oder jenes Kleidungsstück zu wählen, als wäre es das letzte mal und denke "Chakka", wenn es noch mehrere Gelegenheiten gibt, sie dieses Jahr zu tragen. Es ist ein großes, mehrwöchiges Ernte-Dank-Fest des Nähens!

Natürlich wäre es sinnvoll, sich im Vorfeld um die Herbst- oder Wintergarderobe zu kümmern. Aber mag ich es sinnvoll? Ich bin eine Herznäherin! Ich finde es absurd, wenn es im August Lebkuchen in den Läden gibt und ich mag bei 20 Grad keine Wollstoffe verarbeiten. Der Winter wird lang genug! Nur, weil die Konsumindustrie meint, immer früher mit allem zu kommen, um die Mitbewerber aus dem Rennen zu schubsen, mus ich das Spiel nicht mitmachen. Natürlich dauert nähen länger als kaufen, aber es ist ja nicht so, dass ich nackig gehen müsste, selbst wenn es plötzlich Winter werden würde.



Da ich seit drei Tagen nun ein Schulkind habe, mit dem ich früher zur Schule laufe, als wir vorher zur Kita fuhren, sehe ich durchaus ein, dass es morgens kühl ist und meine 20-Grad-Regel nur zur Mittagszeit Anwendung findet. Aber dann wird eben gezwiebelt und dafür hat Gott die Kniestrümpfe erfunden! Wenn, ja wenn ich ein nächstes Nähprojekt vernünftiger Weise in Erwägung ziehe, dann sollte es eine Hose für morgens sein. Aber noch genieße ich den Spätsommer, trage mit großem Genuss meine Sommerkleider und lasse mir noch etwas Zeit mit den Wollstoffen.

Verlinkt bei rums

Dienstag, 25. August 2015

Näh-Podcasts sind großartig

Gestern hatte ich endlich Gelegenheit, den 10. Näh-Podcast von Muriel, Frau Nahtzugabe5cm,  zu hören. Ihr habt richtig gelesen, 10 Ausgabe gibt es schon und eine großartiger als die andere. Das Jubiläum möchte ich zum Anlass nehmen, etwas über Muriels Podcasts zu schreiben und mich bei ihr zu bedanken!

Als ich die ersten Podcasts hörte, hatte ich das Gefühl, "das gibt es schon immer" - ich war erstaunt, dass keine von uns, schon vorher auf die Idee gekommen ist, akustische Nähkränzchen zu organisieren und zu veröffentlichen. Die ersten Podcasts habe ich noch im Bett, vor dem Einschlafen gehört. Das ist allerdings eine Schnaps-Idee, denn von so einem Podcast wird eine nicht müde, im Gegenteil! Das Hören macht so viel Lust, wieder aufzustehen, die Nähmaschine aufzubauen und zu nähen. Nachdem mir das zweimal passiert ist, höre ich sie jetzt gleich beim Nähen.

Ich glaube, viele Nähnerds hören die Podcasts beim Nähen. Das ist einfach zauberhaft, denn statt alleine an der Maschine zu sitzen oder zuzuschneiden, sind wenigstens akustisch zwei weitere Frauen in Raum, die die gleiche Leidenschaft teilen. Ich finde, das fühlt sich an, wie bei einem Nähkränzchen, denn auch da schaue ich beim Reden die anderen gar nicht so oft an, weil ich ja nebenher in mein Tun versunken bin. Aber die Konzentration reicht meist doch, um den Gesprächen der anderen zuzuhören oder mich zu beteiligen. So ein Podcast hat dazu ja noch das tolle Feature, dass frau zurückspulen kann, wenn es mal lauter wurde, wenn die Ovi tackert, und einfach noch mal nachhören kann. Im Prinzip kann frau diese Podcasts sogar beliebig oft hören, denn die Gespräche sind ja aufgezeichnet. Das habe ich allerdings noch nicht gemacht, weil ich bisher immer so neugierig auf die neuen Folgen war - aber ich bin sicher, mit ein paar Monaten Abstand, werde ich sie noch mal hören und mich erneut an der akustischen Gesellschaft und der Leidenschaft, die da über den Äther weht erfreuen.

Podcasts beim Nähen zu hören, ist einfach schön. Das hat allerdings einen großen Nachteil: wer beim Nähen hört, rafft sich vermutlich viel zu selten dazu auf, Muriel mal ein Dankeschön in einem Kommentar dazu lassen, geschweige denn, auch mal etwas ausführlicheres Feedback zu geben. Auch wenn die Idee, Nähpodcasts zu machen, so unglaublich naheliegend ist, ist es doch auch richtig Arbeit und gerade deswegen, sind Nähpodcasts bisher nicht unzählig vom Himmel gefallen und genau deswegen wäre es auch toll, wenn die Hunderte von Hörerinnen, mal Piep machen würden und Muriel etwas zurück gäben. Wer sich noch nicht vorstellen kann, wie ein Podcast gemacht wird, der sei ausdrücklich die Jubiläumsfolge ans Herz gelegt, in der ausnahmsweise nicht Muriel einen Nähnerd interviewt, sondern Muriel selbst von Frau minimaleExtravaganz interviewt wird. Sehr spannend. Ich habe mich sehr gefreut, auch mehr über Muriel zu erfahren, die sich sonst so sehr zurückhält, um ihren Gästen nicht die Show zu stehlen und merkte aber beim Hören - wie so oft - das langjähriges Bloglesen doch schon viel Nähe schafft und ich schon vieles wusste und kannte, obwohl ich sie noch nie getroffen habe.

Muriel bereitet die Podcasts ausführlich vor und nach - das merkt man beim hören. Sie liest die Blogs ihrer Gästinnen und notiert sich Fragen, damit ein Gespräch nicht ins Stocken kommt. Ich hatte ihr schon mal das Feedback gegeben, dass ich es eigentlich gar nicht so nötig finde, so viel Sachinformationen auszutauschen und das Gespräch mit Fragen so stark zu strukturieren, weil ich es noch viel lieber höre, wenn es einfach fliesst. Aber wahrscheinlich ist es doch hilfreich, sich gut vorzubereiten, denn sollte es mal nicht fliessen, dann ist es ja auch auch doof. Obwohl ich mir das eigentlich gar nicht vorstellen kann, denn bisher gab es auf jeden Nähbloggerinnentreffen und Nähkränzchen stets genug zum reden.

Sehr spannend fand ich es auch, in der Jubiläuumsfolge zu erfahren, wie die Gästeliste zustande kommt. Ich kann gar nicht sagen, welcher Podcast mir am besten gefallen hat, denn wie auch die Gäste, waren sie alle doch auch sehr unterschiedlich - bei aller Ähnlichkeit. Für mich kann ich nur den Vorsatz fassen, mir im Vorfeld den Blog anzuschauen, wenn ich eine Bloggerin noch nicht so gut kenne, um "ein Bild vor Augen zu haben", wenn ich den Podcast höre. Ich finde aber gerade die Mischung aus mir bekannten und mir  wenig bekannten Bloggerinen gut, denn so ist es auch möglich, immer mal neue Schätze zu entdecken.

Ich bin absolut fasziniert davon, wie das gesprochene Wort doch noch einmal anders wirkt, als Blogs mit Texten und Bildern. Das Bild im Kopf, das ich mir beim Lesen und Betrachten der Blogs gemacht habe, wird noch einmal um eine Stimme ergänzt (ach wie schade, dass ich so erkältet war, als meine Podcast-Folge aufgezeichnet wurde!), das schafft noch mal eine ganz andere Art von Vertrautheit und Kennenlernen. Ich kann mich nur wiederholen: es ist einfach nett, andere Nähbloggerinnen akustisch in mein Zimmer zu holen! Ich mag es, wenn sie lachen, insbesondere dann, wenn es um Geständnisse, wie zum Beispiel große Materialsammlungen, geht. Das kennen wir doch alle, das das Hobby großen Raum einnimmt; es ist schön zu hören, damit nicht alleine zu sein!

Außerdem möchte ich erwähnen, dass Muriel uns ganz großartig bei dem Weihnachts-Hörspiel des Me Made Mittwoch-Teams unterstützte, das wir als Dankeschön für die Spendenaktion im Dezember 2014 veröffentlichten. Ohne Muriels Vorarbeit, sich über die Veröffentlichung von Tondateien im Internet schlau zu machen, ohne ihren technischen Support und ohne zur Verfügung stellen des Webspaces dafür, hätten wir das Hörspiel niemals gemacht und veröffentlicht. Ich fand das wirklich toll, dass Muriel und unterstützte und wieder einmal wurde mir klar, dass Muriel mit ihren Podcasts ein ganz wichtiger Teil unserer Nähnerd-Nische im Internet ist, die sich rund um den Me Made Mittwoch gefunden hat.

Also, liebe Muriel: herzlichen Glückwunsch zu 10 erfolgreichen Podcastfolgen. Du machst das ganz toll und ich möchte dir ganz herzliche Danke dafür sagen! Wenn ich dich irgendwie unterstützen kann, dann mache ich das gerne und ich hoffe doch sehr, dass wir wieder einmal zusammen sprechen, denn es hat mir irre viel Spaß gemacht, mit dir zu Podcasten. Danke auch dafür!

Liebe Leserinnen: wenn euch die Podcasts genauso gut gefallen wie mir, dann hinterlasst Muriel doch auf ihrem Blog einen Dank oder Feedback - ich weiß, dass sie sich sehr darüber freuen wird! Hier findet ihr die Übersicht über alle bisherigen Nähpodcasts und wenn ihr nach unten scrollt findet ihr auch das Kommentarfeld.

Donnerstag, 13. August 2015

Stoffwechsel-Finale



Die Frist fürs Stoffwechsel-Finale läuft bis zum Samstag, aber ich gebe heute schon auf. Es ist einfach nicht realistisch, aus dem, was ich habe, in der verbleibenden Zeit ein Hemdblusenkleid zu zaubern.

Der Plan war, ein McCalls 6696 zu nähen. Stella lieh mir netterweise den Schnitt und brachte mich überhaupt erst auf die Idee, dieses Schnittmuster zu wählen. Obwohl ich den Stoff sehr schön fand und finde, hatte ich nicht sofort ein klares Bild vor Augen, was er werden könnte. Ich assozierte sehr stark ein Betty-Draper-Kleid, war mich aber unsicher, ob ich überhaupt Lust auf ein Retrokleid habe. Meine verrückten Ideen, es mal mit etwas ganz anderem, z.B. einem Maxidress oder sogar einem Jumpsuit zu versuchen legte ich glücklicherweise schnell wieder ab, als ich bei H&M in der Umkleidekabine Dinge anprobierte, die wirklich merkwürdig an mir aussahen. Also doch ein Retrokleid, wenn schon, denn schon.



Obwohl ich hörte, dass der Schnitt nicht klein ausfällt und er auch netterweise bis Größe 24 geht und auch noch Varianten für große Cups hat, tat ich gut daran, ihn sorgfältig mit meinem Grundschnitt zu vergleichen. Es gab einige Stellen, an denen was zu tun war - ich hätte vermutlich niemals die Arme heben können - deswegen machte ich mir den Schnitt dann komplett neu und übernahm nur die Designmerkmale wie Kragen, Form der Abnäher, Falten im Rockteil und Rückenpasse. Das war ein Stückchen Arbeit und an dem geplantem Nähtag, den ich mir für das Projekt freigeschauftelt hatte, kam ich leider nur bis zum Zuschnitt und den allerersten Nähten.

Heute nähte ich eine gute Stunde und erfuhr wenig später, dass ich mein Manuskript bis Dienstag abgeben muss. Das heißt, ich werde die nächsten Abende und in jeder freien Minute arbeiten. Die geplante Nähzeit am Freitag abend fällt weg. Natürlich könnte ich irgendwie versuchen, mir am Wochenende tagsüber ein paar freie Stunden zu organisieren, aber ich merke, wie ich das nicht kann, weil die Arbeit einfach vorgehen muß. Schließlich will ich ein Buch abliefern, auf das ich stolz bin. Das Kleid ist mir einfach nicht wichtig genug.



Aber gleichzeitig ärgert mich das. Es ist so schofelig von mir, mich nicht an die Vorgaben der Stoffwechselaktion zu halten. Der Zeitrahmen war schließlich großzügig genug und der Stoff liegt schon seit Wochen bei mir. Es ist nicht anständig, etwas anzunehmen, sich zu verpflichten und dann einfach auszusteigen. Ich ziehe daraus die Konsequenz, ersteinmal bei keiner weiteren Veranstaltung, keinem weiteren Sew Along mehr mitzumachen. Ich weiß, das habe ich schon einmal geschrieben, aber die Verlockung ist oft zu groß. Bitte erinnert mich daran, falls ich mal wieder mit so einem Projekt liebäugele. Das Nähen nach Plan, die Fertigstellung zu einem bestimmten Zeitpunkt, ein aufwendiges Projekt, das kein Herzenswunsch von mir ist, liegt mir einfach nicht, bzw. passt derzeit nicht in mein Leben. Ich habe kein Nähzimmer, in das ich mich abends oder wenn zwischendurch mal Zeit ist, zurück ziehen kann, ich muß immer das freie Wohnzimmer beantragen und alles aufbauen und ich habe schlichtweg seit Monaten so viel um die Ohren, dass außer dem fest eingeplanten Sonntagabend keine Nähzeit für mich vorgesehen ist.

Liebe Stoffwechselpatin, ich habe keine Ahnung, wer du sein könntest. Der Stoff ist so sehr für mich gemacht, dass es mir nicht möglich ist, Rückschlüsse zu ziehen, wer ihn gekauft haben könnte. Ich danke Dir sehr für den Stoff, denn ich glaube fest daran, dass er irgendwann zu einem flattrigen Sommerkleid für mich wird, das ich bestimmt gerne trage. Die Hälfte des Projektes habe ich geschafft, es ist schon fast ein Kleid, aber Kragen, Knopfleiste, Saum und die tausend Kleinigkeiten, die dann noch zu machen sind, schaffe ich einfach nicht mehr rechtzeitig. Ich hoffe sehr, dass der Sommer noch ein paar Wochen bei uns bleibt.

Ein herzlichen Dank an meine Stoffpatin und die Organisatorinnen Siebenhundertsachen und Lottikatzkowski!

Samstag, 8. August 2015

#Stoffwechsel-Vertröstungs-Post

Dieses Wochenende ist das Stoffwechselfinale. Mmmh und wo bin ich? Ich bin ca. 400 km von meinem zugeschnittenen Stoff entfernt. Aber immerhin habe ich den Schnitt fertig und zugeschnitten, ich war also nicht untätig. Aber ob ich bis Ende der Woche ein Kleid daraus zaubern kann?

Ich fühle mich doof, weil ich nicht im Zeitplan bin, denn meine Stoffwechselpatin hat sich viel Mühe gegeben, mir einen Stoff auszusuchen und die ganze Aktion lebt vom Einsatz und der Disziplin der Teilnehmenden. Es wäre nicht fair, nicht fertig zu werden. Aber im Moment kann ich ganz und gar nichts dafür tun, das Ziel zu erreichen. Ich kann mir nur fest vornehmen, mir am Ende der Woche etwas Zeit frei zu schaufeln und das Kleid noch zu nähen. Hoffentlich klappts!

Montag, 3. August 2015

Ein großes Hach 3> und große Pläne



Ich bin gerührt. Meine Mutter erzählte mir von "meinem Fan aus Ulm" und der Begeisterung, die durch das Lesen meines Blogs entsteht und zum Nähen anregt. Gute Besserung nach Ulm! :-)

Mit großer Begeisterung habe ich auch zur Kenntnis genommen, dass meine Mutter durch den Me Made Mittwoch surfte und losging, einen Schnitt zu kaufen, der ihr an einer Teilnehmerin so gut gefallen hatte. Bisher nähte sie nur vorsichtig das, was ich ihr ans Herz legte. Sie wird erwachsen, meine Mutter. Ja, sie werden so schnell groß!

Ich finde das großartig. Für mich hat das Nähen meiner eigenen Klamotten (!) so viel verändert, mich so sehr verändert, mein Selbstbewusstsein auf ein sicheres Fundament gestellt, dass ich am liebsten allen Frauen raten würde, den Mut zu fassen und es auch zu tun. Es ist natürlich ein bisschen größenwahnsinnig, alle bekehren zu wollen, doch ich freue mich immer, wenn ich bemerke, dass ich mit meiner Begeisterung anstecken konnte. Ach was solls, mit dem Größenwahn, warum eigentlich nicht? Meike, mach das W-lan aus und schreib endlich das Buch fertig!

Donnerstag, 30. Juli 2015

Veränderungen

Während wir gerade noch über Kopf- vs. Herznähen nachdenken, drängt sich ein zweites Thema an die Oberfläche, das in den mehreren Blogs auftaucht: Stil und Veränderungen. Auch hier möchte ich den Faden aufnehmen und ein bisschen weiterspinnen. Vielleicht haben die beiden Themen miteinander zu tun. Absurd fände ich es nicht.



Mit Erstaunen beobachtete ich bei Michou in den letzten Wochen den neuen Stil, die neue Silhouette. Ich war überrascht und doch nicht überrascht. Auf der einen Seite, die so stilsicher und konsequent gekleidete Frau und auf der anderen Seite Texte, die seit langem von Veränderung erzählen. Eigentlich ist es nicht erstaunlich. Aber es ist schön, daran teilzuhaben. Danke!

Die aktuelle Mode, diese weiten Flatterdinger, die frau seit einiger Zeit trägt, betrachte ich allerdings mit Verwunderung. Obwohl meine Augen sich langsam daran gewöhnen, kann ich das schon aus Prinzip nicht gut finden. Ja, wenn dünne Frauen so was tragen, dann wirkt es zart und unschuldig - bei Dicken ist es schlichtweg kaschieren oder schlimmer noch: gehen lassen. Das wird bei Dicken nicht akzeptiert. "Out of Bed" geht nur bis zu einem gewissen Alter und BMI - ab einem gewissen Alter, hat frau dafür zu sorgen, die Umwelt nicht zu sehr mit ihrem Aussehen zu belasten. 

Doch ich kann mich den Modeströmungen genauso schwer entziehen, wie der Sehnsucht nach Bequemlichkeit. Wie sehr sehne ich so eine stylishe Jogginghose in mein Leben wohlwissend, dass das bei mir wirklich niemals stylish aussehen kann. Ich bin nun mal ich und nicht Sinje! Jemand wie ich müsste schon High Heels dazu tragen, um ein Ausrufezeichen zu setzen mit der Botschaft "seht her, ich bin nicht verlottert". Das passt aber nicht zu der Sehnsucht, sich in Papas weiten Pullover zu hüllen, ein bisschen niedlich zu sein und einfach nur bezaubernd. Das funktioniert leider nicht. 

Ich mag meine Kleider, ich mag meine Klamotten und ich kann sehr gut damit leben, oftmals overdressed zu sein - aber ich trage sie mit bequemen Schuhen, denn mehr geht nicht. Mehr gut aussehen, macht mein alter Körper nicht mit. Die Jerseykleider sind eine gute Möglichkeit, schick auszusehen und trotzdem gemütlich zu sein. Leider verlieren sie sofort ihre Wirkung, sobald ich gezwungen bin, eine Strumpfhose zu tragen. Lieber friere ich von April bis November! Doch ein Jerseykleid mit Decoltée ist wahrlich nicht das Gleiche, wie eine stylishe Jogghinghose und zarte Flatteroberteile!

Wenn ich bei Michou und eben bei Zsusa von Veränderungen lese und mich in meiner Unlust beobachte, das Stoffwechselkleid in Retro-Optik - ein Style, der mir so dermaßen 2013 vorkommt -zuzuschneide, dann merke ich, wie eine kleine Sehnsucht mich umweht, mal wieder ganz etwas anderes zu probieren. Mein Leben ändert sich 2015 radikal - noch kann ich nicht viel verraten, aber meine unregelmäßige Bloggerei verrät möglicherweise, wie wenig ich derzeit bei der Sache bin. Und ganz nebenbei, fasziniert mich das Thema Wechseljahre mehr und mehr. Radikale Veränderungen verlangen zumindest eine neue Frisur - aber dem Mann gefallen meine wachsenden Haare nicht. Also habe ich einen Friseurtermin zum Nachschneiden vereinbart, arbeite brav am Stoffwechselschnitt, seufze dem Hauch von Sehnsucht hinterher und widme mich dem aufregenden echtem Leben, das sowieso eigentlich alle meine Kräfte fordert.



Zuzsa schreibt, dass sie in ihrem Blog Veränderung ausprobieren kann. Das finde ich eine schöne Vorstellung. Bevor es in die Welt hinaus geht, erstmal die virtuellen Reaktionen abwarten - wohlwissend, dass der Flausch, den wir uns hier schaffen, ein sanfter Versucht ist, eine neue Seite zu zeigen. Vielleicht tun wir das alle, wenn wir neue Kreationen beim Me Made Mittwoch zeigen, in einem Moment, in dem wir noch nicht wissen, wie es uns auf mittlere und auf lange Sicht mit dem neuen Kleidungsstück gehen wird. Mittwochs holen wir uns die Versicherung und die Kraft, uns mit einer kleinen Veränderung in die Welt zu trauen. Das ist eine wichtige Funktion unseres Mittwochstreffs, die ich sehr schätze. 

Vielleicht ist es aber in der Nähnerdnische auch deshalb so spannend, weil wir durch das Selbstnähen der eigenen Hülle, die Möglichkeit haben, auch auf seismografische Veränderungen unserer Stimmungslage, unserer Interessen, unserer Haltung und unseres Körpers zu reagieren. Kein Kleidungsstück, das wir produzieren gleicht dem anderen, genauso wenig, wie wir auf ewig der gleiche Mensch sind. Welch großartige Möglichkeit ist es doch, immer wieder neu das Innere im Äußeren manifestieren zu können und in wertschätzender Umgebung die ersten Schritte zu machen! 

Mittwoch, 29. Juli 2015

MMM mit Reisegepäck



Beim letzten Me Made Mittwoch vor der Sommerpause, fragt Wiebke - heute im sensationellen MultifunktionsoverallfüralleGelegenheiten - nach unserer Urlaubsgarderobe. Damit kann ich dienen!

Egal, wann und wohin ich in Urlaub fahre, der Kofferinhalt beinhaltet mindestens ein Ajaccio, meist 3-6 Modelle - wahlweise mit kurzem oder langem Arm. Ajaccio ist mein Standardjerseykleidschnitt, diejenigen, die öfters hier vorbei kommen, kennen ihn schon. Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Kleider ich bisher nach dem Schnitt genäht habe - ich vermute, es sind 12 oder so. Alle diese Ajaccios/Ajaccien sind noch rege in Gebrauch, allerdings habe ich festgestellt, dass die ersten Modelle, die nun bereits 2,5 Sommer auf dem Buckel haben, nun nicht mehr nur pillen, sondern auch schon kleine Löchlein haben. Da ist es doch klar, dass ich Nachschub brauche.




Ich habe für mich herausgefunden, dass ich es am befriedigendsten finde, gleich zwei oder drei Ajaccios auf einmal zu nähen, brauche ich doch abwechselnd die Nähmaschine, die Overlock und dann wieder die Nähmaschine. Da das Kleid schnell zugeschnitten und genäht ist und ich bei hübschen Jersey ohnehin selten nein sagen kann, ist auch meist geeigneter Stoff am Lager, sollte ich wieder einmal Notstand oder Lust auf ein Erfolgserlebnis haben.

Ins Reisegepäck wandern im Sommer auch die Ajaccios mit halblangen Ärmeln, denn die sind quasi für jedes Wetter und für jede Gelegenheit. Die kurzärmelige Version ist mein perfektes Sommerfreizeitoutfit. Autofahren, lange Bahnfahrten, gute Speisen oder zwischendurch schnell durchwaschen - ein Ajaccios macht alles klaglos mit. Auch in den Koffer knüllen ist kein Problem. Bei Temperaturen unter 20 Grad trage ich sie mit Leggins und Stickjacke.




In diesem Beitrag seht ihr alle vier 2015er Ajaccios, die ich zum Teil noch nicht gezeigt habe. Das bunt Geblümte von ganz oben ist mein derzeitiger Liebling aus der Serie, den ich allerdings ein bisschen schone, weil ich es so gerne mag. Die gekringelte Alternative dazu, die ich stattdessen  aus dem Schrank ziehe, wenn es sich um einen Alltagstag handelt, zeigte ich gestern und das Farbberatungskleid (das ich nicht so, wegen der "Schleife auf der Brust, mag) schon vor einer Weile. Das rote mit den pinken Punkten ist aus Baumwolljersey und sehr casual, aber für Sommertage an denen es nicht gerade 30 Grad hat, nett.




Und ihr? Habt ihr auch einen Urlaubsschnitt, der sich vielleicht auch im Alltag bewährt? Ich bin gespannt, auf eure MMM-Beiträge

Dienstag, 28. Juli 2015

"Erst mal das weniger Schöne"



Ich mag es sehr, wenn sich in unsere Nähnerd-Nische Gedanken weiter gereicht werden. Zuletzt startete Julia und warf einen Gedanken in die Runde: Sie stellte Überlegungen zu "Nähen: Nutzen kontra Zeitvertreib in die Runde", die viele bewegten. La Couseuse nahm den Faden auf und bloggte über "Vernunft und Gefühl", wobei sie die zwei wunderschönen Begriffe "Kopfnähen und Herznähen" schuf, die fortan fester Bestandteil meines Wortschatz sind. Mamamachtsachen ergänzte dann, dass es für sie wenig sinnvoll ist so einen Widerspruch zwischen "Kopf UND Herz" aufzumachen, denn sie befriedigt Nähen insbesondere dann, wenn das Eine mit dem anderen zusammen geht. Alles drei sind lesenswerte Artikel und sehr typisch für die jeweilige Bloggerin, das gefällt mir. Lest auch die Kommentare.

Obwohl ich mir auch viel Gedanken über das Nähen mache, habe ich für mich noch nicht diese Unterscheidung zwischen Kopfnähen und Herznähen getroffen, denn eigentlich praktiziere ich nur Herznähen oder anders gesagt, ich nähe experimentierfreudig nach dem Lustprinzip. Das trifft auch dann zu, wenn ich ein Kleid wie Ajaccio schon mehr als 10 mal genäht habe - dann kommt die Lust aus der Motivation, genau aus diesem Stoff eben noch eines von der Sorte zu nähen und da ich die Dinger sowieso ständig trage, stellt sich für mich auch nicht die Frage von "zuviel" oder Unvernunft. Meine Vorliebe für das Lustprinzip beim Nähen mag daran liegen, dass ich selbständig arbeite und wenig Verpflichtungen habe, bei denen ich irgendwie korrekt aussehen muss. Im Gegenteil: bei mir ist es oft eher so, dass ich das Gefühl habe, overdressed zu sein - aber daran gewöhnt frau sich schnell. :-)

Meiner Erfahrung nach lohnt es sich, angebliche Beschränkungen zu hinterfragen. Ich bin der festen Überzeugung, dass in den allermeisten Branchen, diese "ungeschriebenen Gesetze der Kleiderordnung" eben nicht in Stein gemeißelt sind. Sie haben sich so ergeben und alle halten sich daran, weil es einfacher ist, keine eigenen Entscheidungen zu treffen. Dabei schätze ich das Risiko verhältnismäßig gering ein, "etwas falsch" zu machen, wenn frau etwas vom üblichen Dresscode abweicht. Ist es im Job nicht hilfreich, hin und wieder sichtbar zu sein, damit andere bemerken, wie sehr wir uns einbringen? Auf jeden Fall! Das gilt vielleicht nicht für jeden Tag. Jede hat diese Zeiten, in denen sie lieber in der grauen Masse verschwinden will, weil die Tagesform gerade nicht für Sonderleistungen ausreicht. Aber den Rest der Zeit, können wir durchaus mal was wagen, finde ich. Das können dann die Momente sein, an denen wir auch außerhalb unserer kuscheligen Nähwelt Komplimente bekommen.

Kurz und gut: ich ziehe an und nähe, wonach mir ist. Das einzige, was mich wurmt ist, dass ich im Vorfeld fast gar nicht sagen kann, welches Nähwerk ein Lieblingskleidungsstück wird und welches nicht. Ihr kennt sicherlich das Phänomen, dass Probekleider oftmals irgendwie besser werden, als das lange geplante Traumstück aus dem Streichelstoff. Das ist verflixt! Mich ärgert das deswegen, weil es nicht nur enttäuschend ist, wenn Träume wie Seifenblasen platzen, sondern das sind auch die Momente, in denen ich mich Frage, ob Nähen nicht manchmal Ressourcenverschwendung sein könnte.

Bei mir herrscht oft die Kleidungsregel, die dem Blogbeitrag seinen Titel gab "Erst mal das weniger Schöne!". Im Zweifelsfall ziehe ich die nicht ganz so heiß geliebten Klamotten aus dem Schrank, damit die Besonderen für besondere Anlässe geschont werden. Gerade heute trage ich das Kringelajaccio. Ich habe ein anderes, das ich euch morgen zeige, das ich viel viel schöner finde. Aber häufiger trage ich das mit den Kringeln. Welches hat nun seine Berechtigung? War es nun besser, das Blumenajaccio zu nähen oder das mit den Kringeln? Oder hätte eines von beiden gereicht und zwei sind Luxus?

Vielleicht muss ich die Kategorie "Lieblingskleid" überdenken, denn Lieblingskleider sind nicht immer die Schönsten, sondern möglicherweise die Meistgetragenen.


Ich bin gespannt, welche Bloggerin "das Stöckchen" nun aufsammelt und unser aktuelles Thema mit ihren Gedanken bereichert. Ich freu mich drauf!

Donnerstag, 23. Juli 2015

Schlaflos in Hamburg




Nein, keine Sorge, mir ist nicht die Lust am Nähbloggen vergangen. Mir fehlt nur ein wenig die Zeit für Beides: also das Nähen und das Bloggen. Obwohl ich eigentlich schon damit beschäftigt bin. Ich nähte zum Beispiel zwei Hosenbeine für den Mann, der Shorts liebt, für die er keine zusätzliche Tasche braucht. Also ist das Nähen der Taschen letztlich das Aufwendigste, an so einem Höschen. Und wenn ich irgendwann Zeit und Muße finde, dann werden die zwei Hosenbeine auch noch zusammengefügt. Immerhin ist es ein Geburtstagsgeschenk und der Geburtstag schon vorbei.

Heute Nacht konnte ich auch vielerlei Gründen nicht schlafen. Das, was mich aber am meisten vom Wiedereinschlafen aufhielt war die Sorge, nicht mehr alle geplanten Sommerkleider für diese Saison zu schaffen, denn wir haben jetzt schon fast Ende Juli! Dabei ist es in Hamburg gar nicht oft heiß! Meine weiteren Pläne für diese Saison wären eigentlich:



Ich fürchte, ich werde nicht alles schaffen. Vor allen Dingen dann nicht, wenn ich, wie zur Zeit ständig, abends einfach nur todmüde bin und es so schwer fällt, mich an die Nähmaschine zu bewegen. Mein Herz schlägt am dollsten für das Karokleid, mein Pflichtgefühl mahnt das Stoffwechselkleid, das mich bisher wenig inspiriert und für das der Schnitt noch gar nicht hier ist ist und dann ja auch noch bearbeitet werden muss. 

Und dann denke ich an die Shorts für den Gatten. Der Mann wünschte sich eine identische Hose, wie ich sie ihm letztes Jahr - nach einer Kaufhose - genäht habe. Ist er komisch oder bin ich es? Während ich genügend Kleider im Schrank habe und gar nicht genügend Gelegenheiten, um sie zu tragen, bin ich dauernd auf der Suche nach dem Neuen, dem unerwartet endtollem Kleid und statt mich an dem Einen zu erfreuen, was als Projekt auf mich wartet oder über das, was gerade fertig gestellt ist. Stattdessen grübele ich über die unzähligen Möglichkeiten, die mir das Nähen beschert. Fluch oder Segen? 

Freitag, 17. Juli 2015

Schnipp, schnapp, ab!



Nachdem ich dem schwarzen Kleid durch Abschneiden der Ärmel und Kürzen zu einer Kleiderschrankdaseinsberechtigung verholfen habe, die mich außerordentlich erfreut, habe ich diese Therapie gleich noch einem Kleid zukommen lassen, das auch "irgendwie nicht richtig war". Das war natürlich naheliegend, weil nach dem gleichen Schnitt.

Das Schirmchenkleid kam mir immer zu kurz vor. Ich trug es meist mit rotem Gürtel, obwohl sich das auch irgendwie falsch (und unbequem) anfühlte. Jetzt, mit kurzen Ärmeln und noch kürzer, trage ich es sehr gerne ohne Gürtel und alle sagen "hui". Schon erstaunlich!

Vorher:




Nachher





Es ist trotz Überarbeitung nicht die ganz so große Liebe, wie bei dem schwarzen Kleid. Vielleicht spendiere ich dem Kleid bei Gelegenheit noch eine Schleife am Rücken wie bei Dress Bleuet.




Aber es ist auf jeden Fall jetzt so anders gut geworden, dass ich es in letzter Zeit im Familien-Alltag sehr gerne trage. In dieser "Casual"-Version sind der kindliche Stoff mit den roten Details und der Schnitt stimmiger.