Donnerstag, 30. Oktober 2014

Schnittkurs - Hosengrundschnitt die erste Probehose



Ich glaube, meine aktuelle Schnittkursstunde habe ich 3 oder 4x verschoben. Ich hatte einfach keine Zeit, mich konzentriert um die Hausaufgaben zu kümmern und vormittags zwei Stunden für den Unterricht zu erübrigen. Vielleicht war aber auch ein bisschen Sorge dabei, mich mit dem Wunsch nach einer tollen Hose übernommen zu haben. Mich beschlichen ganz konkrete Zweifel, ob der Plan, eine Hose zu nähen, wirklich eine so gute Idee ist.

Aber jetzt habe ich begonnen und mich zum nächsten Schritt durchgebissen. Meine Unterrichtsaufzeichnungen sind schön aufgeschrieben, ich habe die Theorie noch mal nachgelesen und in den letzten Tagen schaffte ich es sogar, den Hosen-Grundschnitt nach meinen Maßen in Groß zu zeichnen. Dieses "in groß konstruieren" finde ich gar nicht so leicht. Wenn ich 1:4 auf DIN A 4 Papier konstruiere, ist es schon schwierig, die Schritte, nach zu vollziehen. Auf dem großen Papier ist es dann noch schwieriger, den Überblick zu erhalten. Ab gesehen davon fand ich das, was ich da zu Papier brachte schon ganz schön groß.

Für die Probehose habe ich einen feinen viscosehaltigen Anzug-Hosenstoff im Ausverkauf günstig erstanden - immer im Hinterkopf, dass ich es durchaus ok fände, die Probehose auch anziehen zu können. Dabei hatte ich mir geschworen, mir nicht all zu viel Hoffnungen zu machen, weiß ich doch vom Kleidergrundschnitt und vom Jackenschnitt, dass die ersten zwei Proberunden im Mülleimer landen. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt und mir fehlte die Zeit, einen anderen Stoff zu besorgen, also schnitt ich beherzt in den schönen, fließenden Nadelstreifen und nähte eine Probehose.

Ich war überrascht. Ab gesehen davon, dass mir bei den Bildern schnell klar wurde, dass eine besser sitzende Unterhose, doch zu einem schickeren Gesamteindruck führen könnte (und schwups war der Bestellfinger über Marylin), fand ich doch das, was ich sah gar nicht mal so schlecht. Die Hose ist zu weit - das mag ich immer, schmeichelhafter, als zu eng. Vorne an den Abnähern geht noch was, aber dass vorne nicht ganz einfach werden würde, war mir klar. Auch an der "Rundung" im Schritt muss noch ein kleines bisschen was getan werden, aber hinten finde ich sie, für ne Probehose schon gar nicht so schlecht. Auf dem Foto sieht man nicht viel, weil leider dunkle Hose, aber ich bin ganz optimistisch, denn sie fühlt sich richtig an. Kennt ihr das? Dass ihr schon beim Anprobieren fühlt, ob das mit der Hose und euch geht oder eben nicht? Ich habe schon ewig keine Hose mehr anprobiert, aber ich kann mich noch sehr gut an das "geht nicht"-Gefühl erinnern. Diese Hose fühlt sich nach "das könnte ganz gut gehen" an und das finde ich für das erste Probemodell schon verdammt gut.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

MMMM - mit Probestrickjäckchen



Letzte Woche sah ich beim Me Made Mittwoch eine selbstgenähte Strickjacke - genäht nach einem normalen Jackenmuster - und erwähnte im Kreise der Freundinnen, dass das doch mal ne gute Idee wäre, eine Strickjacke zu nähen. Die latente Idee, wurde durch den Hinweis, auf das Schnittmuster Jenna Cardi beschleunigt. Ach, dachte ich, gar keine schlechte Idee, das könnte ich doch mal probieren und da ich zufällig am nächsten Tag im Stoffladen arbeitete, fand ich dort zufällig einen günstigen Strickstoff und hatte schon am übernächsten Tag, ein Probe-Strickjäckchen zugeschnitten und mit der Overlock genäht.



Ich war erstaunt: Strickstoff näht sich mit der Overlock wirklich unkompliziert, es gab allerdings überall Flusen, vermutlich, weil der Stoff sehr unregelmäßig gestrickt ist. Während des Nähens fragte ich mich, warum ich überhaupt selbst strickte, so erstaunlich einfach nähte sich das Gestrick. Dann dauerte es ein paar Tage, bis ich mich an die Knopflöcher und Knöpfe traute. Knopflöcher waren schwierig, ich glaube, das war aber auch maßgeblich dem unregelmäßigem Stoff geschuldet. Mit einem glatten Strick, einem Jersey oder Nicky wäre das sicherlich einfacher. Der Vorteil des Stoffes: misslungene Knopflöcher sind nicht zu sehen, es war also nicht schlimm, dass ich mehrere Versuche brauchte.

Schnitt: Jenna Cardi Variation A mit 3/4 Ärmel (keine Änderungen)
Stoff: Stoff und Stil (nicht im Katalog)
genäht mit der Overlock und der Nähmaschine


Und nun, bin ich zufrieden? Ja, bin ich! Idee, sich eine Strickjacke zu nähen, hat durchaus Potential. Diese Jacke ist eine Probejacke und damit ist es kein Weltuntergang, dass sie nicht ganz perfekt ist, ich trage sie trotzdem. Sie ist zu kurz. So kurz, dass ich es geschlossen etwas unangenehm finde, weil der Rockbund dauernd zu sehen ist, wenn ich mich minimal bewege. Trage ich sie aufgeknöpft, kann ich auch tanzen.


Bildquelle: sewingmuse.com

Wenn ich den Jenna Cardi noch mal nähe, mache ich eine FBA und verlängere das Vorderteil. Außerdem würde ich ihn aus einem Strickstoff nähen, bei dem das Design auch sichtbar wäre, denn das breite Taillenband geht bei diesem Wollgewusel komplett unter und mit Version B bietet der Cardigan noch interessante Details, die ich auch gerne mal probieren würde. Aber grundsätzlich kann ich das Strickjackennähen nur empfehlen. Ich werde es bei Gelegenheit noch mal mit einem weiten, schlabbrigen, längerem Modell und einem Jenna Cardi aus anderem Stoff versuchen.



Der Rock? Der ist auch selbstgenäht, den kennt ihr schon, das ist mein Lieblingsrock. Dank der tollen Stoffqualität (festes Baumwollgemisch mit Elasthan) trage ich ihn unheimlich gerne und sehr oft. Der Schnitt ist ein halber Teller und selbstgemacht.

Mehr selbstgenähte Sachen an echten Menschen gibt es wie immer Mittwochs auf dem Me Made Mittwoch Blog - heute mit Sanni als Gastbloggerin, die zeigt, dass auch so einfache Dinge wie ein Rock glücklich machen kann, wenn er selbstgenäht ist.

Hosenherbst - die Linklisten sind noch mal offen



Huch, schon wieder ein Monat vorbei? Das kann doch nicht sein! Aber ok, die Uhr ist umgestellt, selbst ich trage mittlerweile wieder Strümpfe und Weihnachten scheint auch näher zu rücken. Bevor wir uns im November nochmal mit dem Thema "Passform" beschäftigen, öffne ich noch mal die Linklisten der letzten Monate, falls ihr noch Einträge zu den jeweiligen Themen nachreichen wollt.

Die Monatsthemen:

August: Hosenformen, Hosenmoden, Hosenschnitte 
September: Passform I - Ansprüche
Oktober: Im Detail liegen die Tücken
November: Passform II - Mängel erkennen und beheben
Dezember: Defilée und Resumée

Die Linklisten sind bis Freitag um Mitternacht - huhuuuuuuu - geöffnet.

Und hier ist noch mal die Linkliste zum Thema Details, in das uns Frau Nahtzugabe so vortrefflich eingeführt hat. Hipphipp Hurra!

Monatsthema Oktober
 Im Detail liegen die Tücken 
Geknöpfte Hose, Reißverschluss mit allem Drum und Dran oder einfach nur ein Gummibund? Wie verschließt ihr eure Hose? Wie säume ich meine Hose? Wie verstärke ich den Bund? Futter? Hat eure Hose Taschen und wenn ja welche (und wie macht man solche Taschen)? 



Dienstag, 28. Oktober 2014

Nix Halbes und nix Ganzes



Irgendwie hänge ich zur Zeit fest. Gefühlt hetze ich durch den Alltag, schaffe wie eine Wilde und sehe trotzdem wenig Ergebnisse. Ähnlich ergeht es mir beim Crafteln.

Es ist nicht so, dass ich auf der faulen Haut liegen würde. Ich stricke gerade den zweiten Sinnesfrid der Saison, diesmal in grau, obwohl der rote Sinnesfrid noch immer keine Knöpfe hat. Ich habe eine Giraffe gehäkelt, der nur noch die Augen, der Schwanz und der Mund fehlt. Ich habe eine Strickjacke genäht, der noch die Knöpfe und Knopflöcher fehlen, ich habe einen halben Hosengrundschnitt erstellt und noch kein Probemodell genäht und deswegen den Unterrichtstermin schon 3x verschoben. Ich habe ein Shirt genäht, das unten zu kurz und der Ausschnitt zu unvorteilhaft ist, an das ich noch mal ran muß. Ich habe B6018 jetzt auch mal das Rockteil angepasst, ein Probemodell genäht und traue mich nun nicht, den kostbaren Winterstoff anzuschneiden. Ganz zu schweigen von den anderen angefangenen Projekten, dem blauen kurzarm Pullover, der weißen Strickjacke, beides auf dünnen Nadeln, und der immer noch nicht vollendeten Häkeldecke und dem unfertigen Wintermantel, den ich im Frühjahr in den Schrank gehängt hatte.

Ich habe wenig Ruhe und Muße, mich um kompliziertere Projekte zu kümmern, da ist es am einfachsten, einfach einen Sinnesfrid nach dem anderen zu stricken und darauf zu hoffen, dass sich die Fäden von selbst vernähen und passende Knöpfe vom Himmel fallen ......

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Ich liebe Baumwolljersey



So, jetzt ist das Geständnis raus. Ich habe eine neue Liebe: Baumwolljersey.

Eigentlich hasse ich es, T-Shirts zu nähen. Meine Versuche dahingehend, waren bisher alle gescheitert: die Säume und vor allen Dingen der Ausschnitt waren stets suboptimal und die Dinger machten eine schlechte Figur. Nicht, dass ich wirklich auf eine gute Figur achten würde, aber jedes Röllchen zu präsentieren, muß ja auch nicht sein. Mittlerweile weiß ich, dass es am Viskose-Jersey lag. Dünner, glatte, flutschiger Viskosejersey macht Röllchen. Abgesehen davon, dass er oft ätzend zu verarbeiten ist. Witziger Weise habe ich nichts gegen Kleider aus Viscosejersey. Ich vermute die Details fallen einfach nicht so auf, wenn es sich um ein großes Kleidungsstück handelt und die Schlampnäherei geht in wilden Mustern unter.

Aber zu dem schwierigen Viskosejersey gibt es ein Pendant: Baumwolljersey. Einziges Problem. Es gibt für den erwachsenen Frauen-Geschmack wenig Auswahl: das, was ich in den Läden oft sehe ist für Kinder oder erinnert mich an Nachtwäsche. Die schönen Farben und Muster finde ich bei der Viskose.

Shirts zu nähen, war für mich lange keine Option, so lange mir die schwedischen Kaufshirts passen. Das tun sie immer noch und hervorragend und wenn ich nicht über die Produktionsbedingungen nachdenke, haben sie einen guten Preis. Die Kaufshirts, die ich mag, sind alle samt aus Baumwolljersey - die, die ich als Fehlkäufe bezeichnen würde, sind aus Viskose. Aber die Kaufshirts, die ich meine, sind Standardshirts: die Uni-Farben, die gerade in Mode sind, ein bißchen auf Figur geschnitten, zwei simple Ausschnittsvarianten. Ich trage sie gerne, häufig und besitze sie in fast allen Farben des Regenbogens. Doch wer ein Nähnerd ist, weiß, dass da mehr geht. Raffungen, interessante Ausschnitte, Muster...

Nachdem ich nun wirklich viele Kleider genäht habe, trage und besitze, hat sich dieses Jahr die Tellerrockliebe in mein Leben geschlichen und dazu brauche ich Oberteile. Da ich keine blusigen Oberteile zum weiten Rock mag (Litfasssäulenalarm!), braucht es eben enge Shirts.

Vor ein paar Tagen, wurde ich sozusagen gezwungen ein Shirt zu nähen. Ich hatte zudem extrem schlechte Laune und ein bißchen Zeit, also raffte ich  mich auf zum Mittagspausennähen in der Hoffnung, mal eben schnell ein Shirt aus obigen Stoff zu zaubern. Eben schnell war natürlich ein Trugschluss - dazu schreibe ich ein anderes Mal mehr. Aber es hat mir gefallen, den Baumwolljersey zu nähen. Er fühlt sich gut an und nähte sich - im Vergleich zu Flutschjersey - wie von selbst. Ich werde in nächster Zeit verschärft ein Auge auf gute Baumwolljerseys und interessante Shirt-Schnitte haben. Könnt ihr Bezugsquellen mit "Erwachsene-Baumwoll-Jerseys, die nicht sofort pillen" empfehlen?

Mittwoch, 22. Oktober 2014

MMM - Minus mal Minus gleich Plus?



Das olle Mohnblumenkleid bekommt mal wieder eine Chance. Der Me Made Mittwoch ist eine gute Gelegenheit, Fotos zu machen und den Kleiderschrank an Selbstgenähtem zu überprüfen.

Ich mag es, dieses Kleid, ich mag den Stoff, ich mag den Schnitt, aber ich ziehe es nicht gerne an. Im Sommer ist es mir zu warm, weil es ein relativ dicker Baumwolljersey ist. Für "kühler" ist es aber zu kurz und überhaupt, was soll ich darunter anziehen? Schwarze Strumpfhose ist doof, graue Leggins ist doof, hautfarbene Strumpfhose ist doof.... Bisher trug ich es deswegen nur ohne Strümpfe, fühlte mich aber etwas komisch, weil obenrum muckelig und unten etwas kühl.

Schnitt: Baumwolljersey vom Maybachufer
Schnitt: Ajaccio von der Schnittquelle
genäht: September 2013

Jetzt habe ich noch ein paar doofe Schuhe im Schrank, die ein ähnliches Schicksal wie das Kleid haben. Im frühen Frühjahr versuchte ich es mal mit Online-Schuhkauf und bestellte diverse Paar rote Schuhe. Alle passten nicht bzw. hatten das falsche rot. Die einzigen die passten, hatten die Farbe von Nacktschnecken. Es war ein Graus. Auf diese "Pädagoginnenschuhe" mußte ich monatelang warten, weil sie vergriffen waren. Als ich sie schon vergessen hatte und es mittlerweile Sommer war, bekam ich sie zugeschickt. Sie drückten ein wenig und waren zu warm für warme Tage. Ich beschloss sie - trotz hohem Lehrerinnenfaktor - zu behalten, weil meine Herbst-und-Winterpädagoginnenschuhe so bequem sind und versuchte sie mit nassen Strümpfen in der Wohnung einzulaufen. Als sie nach zwei Tagen ok waren, räumte ich sie in den Schrank und entschied auf die Strumpfsaison zu warten. Heute fiel mir das Kleid in die Hände und die Schuhe wieder ein. Ich beschloss, dass wir es mal miteinander wagen.

Und nun? Das Outfit hat einen hohen Pädagoginnenfaktor, aber so schlimm finde ich das nicht, habe ich doch viele Jahre meines Lebens als Pädagogin gearbeitet. Sprich: kein Outfit für jeden Tag, aber für schlumpfige Alltage durchaus ok und zumindest konsequent. Ach, irgendwie finde ich es sogar ganz schön.



So könnte ich zum Beispiel aus dem Haus gehen. Bei Übergangstemperaturen, wenn es noch zu warm für den Wintermantel ist, bietet es sich an, den Hartmut aus dem Schrank zu holen. Rot und türkis mag ich ohnehin gerne zusammen und wenn man genau hinschaut, dann erkennt man die türkisen Sprenkel in dem Kleid. Aber wenn ich mir die roten Stiefel so zu dem Kleid anschaue, finde ich, dass die Pädagoginnenschuhe sogar fast besser. Und wenn ich die Fotos jetzt so sehe, bin ich ziemlich angetan. Nicht schlecht! Olle Klamotten aus dem Schrank geholt und nun neu entdeckt. Danke MMM!

Name: Hartmut
Mantelstoff: Wollwalk von Frau Tulpe
Schnitt: Ottobre 5/2009
genäht: Oktober 2011


Mehr selbstgemachte Outfits an echten Menschen findet ihr wie immer Mittwochs auf dem Me-Made-Mittwoch-Blog, heute mit Frau eben-Julia als Gastgeberin im tollen Jackett - hatte ich erwähnt, dass ich nicht mehr ohne ein kariertes Jackett leben kann. Dieser ewig inspirierende MMM, wann soll ich das nur alles nähen?!

Montag, 20. Oktober 2014

Entscheidungsproblem

Geht euch das auch so? Ich finde es wirklich schwierig, mich für Knöpfe zu entscheiden, wohlwissend, dass Knöpfe einem Kleidungsstück das gewisse Etwas geben können. Im Nachhinein habe ich schon oft festgestellt, dass ich nicht die richtige Entscheidung getroffen habe, deswegen frage ich jetzt mal euch. Welche Knöpfe soll ich auf mein neues Sinnesfrid-Mieder nähen?








Die silbernen Knöpfe hatte ich eigentlich für das graue Mieder gekauft, was ich bei Gelegenheit stricke. Farblich passen am besten die rosaroten, weil das rot transparent ist. Am dezentesten sind die kleinen roten, für die würden sich aber bestimmt noch oft andere Verwendungszwecke finden, da sie so universal perlmuttig schimmern. 

Neue Liebe, alte Liebe



Ich versuche mich zu mäßigen, was das Kaufen von Nähzeitschriften angeht, weiß ich doch, dass ich wirklich nur sehr selten daraus etwas nähe. Da es aber die Knip Mode in Hamburg nicht einfach so zu kaufen gibt, lasse ich mir seit zwei Jahren das Jahresabo zu Weihnachten schenken. Ist doch ein viel schöneres Geschenk, als irgendwelche Hinstellerchen!


Die Auslieferung des Oktoberheftes hatte sich gewaltig verzögert und ich war entsetzt. Das Magazin wird nun von einem anderen Verlag herausgegeben und ich hatte den Eindruck, dass ich einfach nicht mehr Zielgruppe bin. Zum einen bin ich sehr langsam, was Modeströmungen angeht, zum anderen glaube ich nicht, dass mich die Mode der 80er und 90er Jahre wirklich vorteilhaft einkleidet. Das Novemberheft, das gefühlt drei Tage später kam, macht allerdings wieder Hoffnung. Auch wenn darin nicht wirklich etwas drin ist, dass ich SOFORT nähen MUSS. Ist es doch wieder mehr so, wie ich die Knip mag: es gibt hübsche Jerseyschnitte und die Klamotten werden nett mit Accessoires kombininert und präsentiert.

guter Jerseyschnitt aus der Knip November
Obwohl ich die holländischen Texte nicht verstehe, blättere ich die Zeitschrift nach Erhalten doch einige Male durch. Zuerst schaue ich natürlich, ob interessante Schnitte für mich dabei sind, aber dann blättere ich wiederholt durch und schaue mir ganz genau an, was wie und mit was getragen wird, welche Farben, welche Accessoires. Die Inspiration gefällt mir. Es ist bunt, es ist manchmal ein bißchen schrill, aber es ist immer noch genügend normaler Alltag. Im Gegensatz zur Burda, die irgendwie annimmt, dass wir ständig auf Hochzeiten und Cocktailpartys eingeladen sind, wenn wir nicht gerade Karriere als Businessfrau machen, habe ich das Gefühl, dass die Knip Mode mehr mein Lebensalltagsgefühl trifft.

nettes Sweatshirt aus derNovember Knip

Und dann berichtete letzte Woche Katarina und am Wochenende noch Frau Pepita von der neuen Zeitschrift "La Maison Victor". Das klang spannend. Als ich am Freitag zwei geschenkte Stunden in Eppendorf verbrachte, kaufte ich mir das Magazin und blätterte es bei einem Kaffee begeistert durch. Was ich sah, gefällt mir verdammt gut! Ich mag den Stil, ich mag die Schnitte. Ich mag es, dass es mehrere Fotos von einem Kleidungsstück gibt, auch von hinten. Obwohl die Schnitte elegant wirken, sind sie modern interpretiert. Vielleicht liegt es auch an den ausgewählten Stoffen (viel uni), vielleicht liegt es am Layout und dem Style. Toll, dass es ein großes Größensprektrum gibt. Es stört mich nicht, dass auch etwas für Kinder, Männer und zum Basteln dabei ist. Victor gefällt mir und ich habe große Lust, etwas daraus zu nähen, um rauszufinden, ob die Schnitte und Anleitungen gut sind.

Victor: tolles Oberteil!


Leider gefällt mir am allerbesten diese Bluse mit dem raffinierten Kontrast-Beleg-und-aufspringenden-Falten-Detail, die ein ganz hervorragendes Projekt zur Behandlung meiner Oberteilschwäche wär. Aber: ich bin wenig motiviert, eine Bluse ohne Ärmel im Herbst zu nähen, finde ich die Aussschnittlösung auch noch so wow. Wir wissen ja, kommen Ärmel, kommt Armloch, kommen Probleme. Das gilt zwar nicht für mich, weil ich ja jetzt einen Grundschnitt habe, aber ich glaube, die Bluse wirkt nur halb so toll, hätte sie noch Ärmel. Oder vielleicht mit 3/4 Ärmel?

Victor:"Bürokleid" mit Trenchcoat-Detail - chic! 


Egal, ich habe zur Zeit sowieso kaum Zeit zum Nähen. In Ermangelung von größeren Zeitfenstern, muß ich mich mit dem Streicheln meiner neuerworbenen Stoffe und dem Träumen von fertigen Kleidungsstücken begnügen, was auch nicht das Schlechteste ist. Jetzt bin ich erstmal gespannt, wohin sich die Knip mit dem Dezember-Heft entwickelt - soll ich mir noch ein Abo wünschen oder nicht? - und wie das nächste Victor-Heft aussehen wird. Denn Victor macht Lust auf mehr. Das freut mich wirklich sehr, denn so hübsch ich die italienische Zeitung fand, die es zuletzt auf den deutschen Markt versuchte, so realistisch sehe ich die Differenz zwischen kleinen Italienerinnen und meinen Maßen. Ich glaube, mit den Holländerinnen bin ich ganz gut bedient und freue mich also, das mit Victor ("La Maison Victor" - bescheuerter Name!) noch eine niederländische Nähzeitschrift auf den deutschen Markt kommt.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

MMM - jahreszeitenunstimmig geblümt



Keine Sorge, mich gibts schon noch. Aber ich das Leben... ihr wisst ja. Und dann fand ich auch noch meine Bilder, die ich letzte Woche für den Me Made Mittwoch machte doof. Zu faul, das Styling zu optimieren und Neue zu machen, zeige ich sie euch nun trotzdem.

Erst wunderte ich mich, dass ich so wenig Komplimente zu meinem neuen Rock, in dem ich mich natürlich bildschön fand, bekam. Als ich dann die Bilder sah, wusste ich schon warum. Irgendwie stimmt da was nicht an den Proportionen und die Stiefel sehen ohne dunkle Strumpfhose ganz merkwürdig dazu aus. Die Stiefel habe ich aber ehrlicherweise gar nicht zu dem Rock getragen, denn ich bin ja ein Heissblut und verweigere nach wie vor außer Haus Strümpfe, so dass ich zu dem Outfit schwarze Ballerinas trug.



Jetzt überlege ich, ob ich das rote Schrägband noch mal abtrenne und den Rock von innen damit verstürze, damit es nichts ein roter Knaller wird, denn dann würden die Stiefel schon dazu gehen, insbesondere, da ich gerade einen Sinnesfrid in dem gleichen matten rot stricke oder doch nicht? Wäre auch nicht so tragisch, wenn ich schwarze Stiefel zu dem Rock tragen müsste, denn rote Stiefel braucht frau ohnehin. Jedenfalls freue ich mich über meinen schwarzgrundigen Blumenrock, um die Blumen mit ins Winterhalbjahr zu nehmen... ich werde schon noch etwas passenderes Beiwerk dazu finden, den den Spaß an dem neuen Rock, mag ich mir nicht verderben.

Schnitt: halber Teller selbst gemacht
Stoff: fester, leicht elastischer Baumwollstoff vom Maybachufer

Birgit, von lila und gelb zeigt uns als erste Gast-Gastgeberin auf dem MMM-Blog heute eine viel schönere Kombination aus Rock und Shirt - kein Wunder, ist ja auch beides selbstgemacht und nicht wie bei mir, schnöde mit Kaufshirt kombiniert. Ich finde es immer wieder klasse, welche Vielfalt es an Me Made am Mittwoch auf dem Me Made Mittwoch Blog zu sehen gibt.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

HosenHerbst - Im Detail liegen die Tücken




Hallo und herzlich willkommen zum zum dritten Monat unseres HosenHerbstes.

Nachdem uns Anfang September Sandra, Frau Zufallwennsklappt, schon nett und informativ eine ganze Menge über Passformprobleme und deren Lösungen verraten hat, Hipphipphuraaaa, habe ich heute schon wieder eine tolle Überraschung für euch. Frau Nahtzugabe hat sich bereiterklärt, für uns etwas zu den Details des Hosennähens zu recherchieren und zu schreiben. Es ist für jedeN etwas dabei: für Hosen-Novizinnen bis zu den fortgeschrittenen Hosenchampions. Frau Nahtzugabe präsentiert uns jede Menge Links und Ideen, wie aus einem Ding mit zwei Beinen so etwas raffiniertes wie eine Hose werden kann.

Eigentlich bin ich ziemlich sicher, dass ihr alle Frau Nahtzugabe kennt. Falls nicht: Frau Nahtzugabe ist mein Idol in gründlich Nachdenken und interessante Schnitte nähen. In der Nähnerd-Welt ist sie eine feste Institution mit ihren Wochenrückblicken, als Teil der Me Made Mittwoch Crew verschönert sie uns regelmäßig den Me Made Mittwoch und nicht zu letzt als Autorin eines Grundlagen-Nähbuches ist sie mir eine wertvolle Ratgeberin für Nähdetails, die ich theoretisch schon kann, aber praktisch lieber noch mal nachschlage, damit ich nicht alles dreimal machen muß. Vorhang auf für Frau Nahtzugabe! Hipphipphurra und ganz herzlichen Dank!

Monatsthema Oktober
 Im Detail liegen die Tücken 
Geknöpfte Hose, Reißverschluss mit allem Drum und Dran oder einfach nur ein Gummibund? Wie verschließt ihr eure Hose? Wie säume ich meine Hose? Wie verstärke ich den Bund? Futter? Hat eure Hose Taschen und wenn ja welche (und wie macht man solche Taschen)? 




Als mich Frau Crafteln vor einigen Wochen fragte, ob ich einen Gastbeitrag zum Hosen-Herbst schreiben würde, sagte ich ja ohne zu ahnen, wie sehr mich das Hosen-Thema noch vor dem Zuschneiden beschäftigen würde. Es ist doch verrückt: lange Strecken meines Lebens trug ich nichts als Hosen. In den letzten sieben, acht Jahren verdrängten Röcke die Hosen in meinem Schrank, so dass ich heute nur noch eine selbstgenähte Stoffhose (die sieht man auch auf den Fotos) und ein paar gekaufte und eher schlecht als recht passende Jeans besitze. Seit vier, fünf Jahren schiebe ich das Hosennähen vor mir her, obwohl Schnitte bereitliegen und ich früher auch schon erfolgreich passende Hosen genäht habe.

Und woran meine Hosen-Unlust liegt (und welche Schnitte und Hosenformen außer den bekannten in Frage kämen), darüber dachte ich letzte Woche nach, anstatt einfach eine Hose zuzuschneiden und loszulegen. Beim Nachdenken kam ich aber immerhin darauf, dass es gerade die vielen Details wie Taschen vorne und hinten, der Reißverschluss und die Gürtelschlaufen sind, die mich vom Hosennähen abhalten. Während so ein Rock mit ein paar großen Nähten schon im wesentlichen fertig ist, näht man bei Hosen sehr lange an den Kleinigkeiten herum. Weglassen gilt nicht, denn ich finde diese Schnittdetails geben den meisten Hosen erst ein professionelles Aussehen. 

Nach dem Motto "kenne deine Feinde" habe ich daher mal eine Menge hilfreiche Tutorials zusammengestellt, mit deren Hilfe diese Nähspezialitäten bewältigt werden können. Für Fortgeschrittene gibt es Bonus-Zusatzstufen mit besonderem Schwierigkeitslevel, denn was die Raffinesse bei der Innenverarbeitung betrifft, sind nach oben kaum Grenzen gesetzt. Kennt ihr noch andere nützliche Hosen-Näh-Tutorials? Verratet sie uns doch in den Kommentaren!


Der Hosenreißverschluss 



So ein Hosenreißverschluss mit verdecktem Schlitz, Schlitzbeleg und womöglich Untertritt ist ja ziemlich kompliziert. Was gehört wohin? Wie steppt man den Schlitz ab, ohne dass unten die Nadel abbricht? Wann und wie fügt man den Untertritt ein? Am einfachsten: Reißverschluss ohne Untertritt bei Sew and Sushis Sewing Secrets (untere Hälfte der Seite). Nach dieser Anleitung bin ich jahrelang vorgegangen, denn man muss dabei nicht denken, sondern nur Schritt für Schritt die Anweisungen befolgen. Besonderheiten: Es wird ein längerer (ca. 30 cm) Plastikreißverschluss verwendet, der zum Schluss gekürzt wird. Der Schieber stört daher nicht im Nähbereich. Die Schrittnaht ist bereits genäht, der Besatz für den Reißverschlusschlitz angeschnitten. Nachteile: Die Anleitung ergibt einen "männlichen" Reißverschlussschlitz, der sich nach rechts öffnet. Für einen typischen Damenhosenreißverschluss muss man alle Schritte spiegelverkehrt ausführen, also am Anfang die linke Seite des Reißverschlussbandes auf den linken Besatz steppen. (Bei Kaufjeans wird übrigens oft nicht zwischen männlichen und weiblichen Reißverschlüssen unterschieden). Den angegebene Abstand für die finale Abstepplinie von 4,5 cm finde ich zu groß - ich steppe meistens in 3 bis 3,5 cm Abstand ab.

Etwas schwieriger: Reißverschluss mit Untertritt bei Natron, wenn der einfache Reißverschluss ohne Untertritt den eigenen Ansprüchen nicht mehr genügt.  Besonderheiten: Der Besatz für den Reißverschlussschlitz ist ein separates Schnittteil, die Schrittnaht wird im Zuge des Reißverschluss-Einnähens geschlossen. Reißverschluss-Einnähen als Film von Farbenmix, den hatte Frau Crafteln neulich schon verlinkt. Ich finde die Farbenmix-Methode, bei der auf der linken Seite eine Falte im Schlitzbeleg eingelegt wird unnötig umständlich, aber es ist nützlich, das Einnähen mal in bewegten Bildern zu sehen.  Protipp: Das Einzeichnen der Stepplinie für den Schlitz funktioniert noch besser, wenn man die Hose dabei flach hinlegt und ein Lineal verwendet. Bonus-Zusatzstufe I: Der geknöpfte Untertritt nach Handmade by Carolyn. Besonderheit: Wie bei teuren Herrenanzughosen wird der Untertritt mit einem kleinen Knopf geschlossen. Ein zusätzlicher Stoffstreifen, der im Bund mitgefasst wird, nimmt den Zug auf und verhindert, dass der Reißverschlussschlitz aufklafft.

Bonus-Zusatzstufe II: Beim Reißverschluss mitgefasste Taschenbeutel nach Kenneth King - wird hier an einem Rock gezeigt, lässt sich aber ebenso auf Hosen übertragen, auch auf solche mit Taschen in der Seitennaht. Besonderheit: Das Schnittteil des Taschenbeutels wird so verlängert, dass die Tasche beim Einnähen des Reißverschlusses mit festgenäht wird. Die Vorderseite der Hose wird durch diese doppelte Stofflage stabilisiert, knittert und krumpelt weniger. Die hohe Schule des Hosennähens, die ich als Lernziel für das Jahr 2015 ins Auge fasse.


Seitennahttaschen, Hüftpassentaschen und Paspeltaschen



Eben war ja schon von Taschen die Rede. An einer durchschnittlichen Hose lassen sich eine Menge unterbringen: Im Vorderteil zum Beispiel Hüftpassentaschen, wie sie für Jeans (und Jeansröcke) typisch sind, dafür gibt es hier eine gute Fotoanleitung von Natron. Auch Stoffhosen haben sehr oft Hüftpassentaschen, nur dass der Tascheneingriff dabei meistens leicht schräg verläuft und nicht diese charakteristische Rundung bildet wie bei Jeans. Das Nähen funktioniert aber ganz genauso. Seitennahttaschen sind eher für locker sitzende Hosen geeignet, bei engen Hosen lässt sich nämlich kaum verhindern, dass der Tascheingriff aufklafft und absteht. Bei Pattydoo gabs gerade eine gute Anleitung für Taschen in der Seitennaht. Das Schnittmuster für den Taschenbeutel kann man sich leicht selbst erstellen, wenn man auf Papier locker um die eigene Hand herummalt und den Beutel nach oben so weit verlängert, dass er im Hosenbund mitgefasst werden kann. Bei dünnem Stoff würde ich den Tascheneingriff bei Vorder- und Hinterhose innen mit einem Streifen Bügeleinlage verstärken.


Auf der Hosenrückseite bieten sich Paspeltaschen an, auch da schneidet man den Taschenbeutel am besten gleich so zu, dass die obere Kante im Hosenbund verschwindet. Wie man das berechnet und näht zeigt dieses Tutorial im Blog von Iconic Patterns, die Paspeltasche selbst wird bei Craftsy erklärt.   Nur für aufgesetzte Taschen, ob nun mit oder ohne Ziersteppung, fand ich keine vernünftige Anleitung - vielleicht könnt ihr helfen?


Bund und Gürtelschlaufen


Wenn ich beim Hosennähen bis hierher gekommen bin, bin ich meistens schon rechtschaffen erschöpft, daher habe ich die Gürtelschlaufen schon öfter vergessen oder vergessen wollen. Von Natron gibt es auch dazu ein gutes Foto-Tutorial - und Ingrid verrät hier, wie man dicke Gürtelschlaufen festnäht, ohne sich Nadel und Maschine zu ruinieren. Mit diesen Technik-Tipps sollte dem erfolgreichen Hosen-Nähen nichts mehr im Wege stehen. Vielleicht gelingt es mir ja, die nähtechnischen Schwierigkeiten nicht als Hindernisse auf dem Weg zur Hose, sondern als willkommene Herausforderungen zu sehen.

Wie sieht es bei euch aus? Vor welchen Details habt ihr Respekt, welche seht ihr als willkommene Herausforderung. Welche Hosendetails habt ihr schon genäht? Habt ihr noch weitere hilfreiche Links für uns?






Mehr Informationen zum HosenHerbst Sew Along (Ablauf, Inhalte und Teilnahmeregeln) findest du hier.


Die bisherigen und nächsten Monatsthemen:

August: Hosenformen, Hosenmoden, Hosenschnitte
September: Passform I - Ansprüche
Oktober: Im Detail liegen die Tücken
November: Passform II - Mängel erkennen und beheben
Dezember: Defilée und Resumée