Freitag, 24. Februar 2017

Nähwerkzeuge: Fangnadel



In Workshops oder als Stoffverkäuferin werde ich immer wieder gefragt, welche Nähwerkzeuge ich empfehlen kann. Das mache ich gerne, denn wie jede Handwerkerin weiß ich gutes Werkzeug zu schätzen. Manche Werkzeuge sind selbsterklärend, andere stellen nicht nur eine Anfängerin vor Rätsel, wie sie dieses Werkzeug einsetzen kann oder was es beim Kauf zu beachten gibt. 

In dieser Blogserie will ich immer mal Freitags, ein Werkzeug vorstellen - über Ergänzungen in den Kommentaren freue ich mich. Danke für eure tollen Ergänzungen! Wundert euch nicht, falls es mal einen Freitag keinen Beitrag zu dieser Serie gibt. Ich behalte mir vor, nach Lust und Laune Beiträge zu schreiben, aber wenn zu den Werkzeugen, dann immer freitags!





Die Fangnadel


Heute schreibe ich über ein Nähwerkzeug, über das ich vor ein paar Monaten zufällig gestolpert bin, denn ich war mal wieder auf der Suche nach einem Nahttrenner. Ich glaube, Nahttrenner und kleine Scheren sind verhext. Ich weiß nicht, wie das bei euch ist. Aber bei mir verschwinden sie regelmäßig spurlos. Hin und wieder finde ich durch Zufall mal eines dieser Werkzeuge wieder. Aber ich komme niemals auf die eine ganze Sammlung - einige dieser Werkzeuge scheinen irgendwo im Nähwerkzeuguniversum eine große Schleife zu drehen und erst in hundert Jahren wieder zu mir zurückkehren.

Ich wollte also einen neuen Nahttrenner kaufen und entdeckte bei den Kurzwaren die Fangnadel. Was diese macht, konnte ich gleich auf der Packung erkennen. Da auch meine Fangnadel Nr. 1 irgendwohin verschwunden ist, habe ich mir letzte Woche einen Ersatz gekauft und hatte so Gelegenheit, die Verpackung für euch zu fotografieren.  Mit der Fangnadel können die Fäden, die bei einer Kettelnaht mit der Overlockmaschine übrig bleiben, in die Naht gezogen werden.


Die Geschichte der Fangnadel


Als ich meine erste Fangnadel mit nach Hause nahm, wurde ich neugierig. Als ich nach diesem Werkzeug googelte, fand ich heraus, dass die Fangnadel eigentlich dazu genutzt wurde, um feine Strümpfe zu reparieren, die eine Laufmasche hat. Das fand ich faszinierend. Ihr kennt doch auch alle dieses Phänomen, dass Strumpfhosen kaum länger als einen Tag tragbar sind, weil sie sofort eine Laufmasche bekommen. Früher haben Frauen Feinstrümpfe repariert. Ich kann mir jetzt vorstellen, wie. Und ich stelle mir das sehr mühsam vor. Aber toll finde ich das schon - besser als wegwerfen.


Gängiger ist die Methode des Hochhäkelns der Laufmasche. Dazu wird eine sehr feine Häkelnadel benötigt. Omas haben den Strumpf über ein Schnapsglas oder einen Stopfpilz gespannt, um gut arbeiten zu können. Mit einer sehr feinen Repassiernadel wird die Laufmasche Schritt für Schritt zurückgehäkelt. Das Loch wird per Hand vernäht. meinestruempfe.de


Das gibt es Geschichten. Fragt mal eure Omas und Mütter! Es gab auch Maschinen, mit denen Strümpfe repariert wurden. Hier ist eine schöne Geschichte dazu. Aber irgendwann sind wir zum Wegwerfen übergegangen. Einzig teure Kompressionsstrümpfe kann frau wohl noch reparieren lassen. Ich finde es spannend, dass es die Fangnadel immer noch gibt, wenn auch jetzt mit einer anderen Verwendung. Die Welt ändert sich, aber die Fangnadel bleibt.


Wie funktioniert eine Fangnadel?


Aber noch mal langsam. Also, wenn ihr mit einer Overlockmaschine näht, näht ihr mit 4 Fäden. Am Ende einer Naht stellt sich die Frage, was mit diesen vier Fäden geschieht. Vernähen ist schwer möglich. Eigentlich ist so eine vierfädige Naht auch ziemlich stabil. Trotzdem würde es mir Alpträume bereiten, diese Fäden immer einfach so abzuschneiden. Ich schneide die Fäden nur an den Stellen ab, über die ich anschließend noch einmal darüber nähe. Z. B. schneide ich die Fäden an den Seitennähten eines Shirts, oben und unten ab, weil ich oben, beim Einsetzen des Ärmels noch mal darüber nähe und unten beim Säumen. Eine ganze Menge dieser Anfangs- und Endfäden können also einfach abgeschnitten werden. Trotzdem bleiben bei jedem Kleidungsstück immer noch ein paar Fäden übrig. Was tun?

Bevor ich eine Fangnadel hatte, öffnete ich theoretisch mein Täschen für das Handnähen und Flicken, suchte eine Stopfnadel heraus, fädelte die vier Fäden in die Stopfnadel und zog sie dann ein paar Zentimeter durch die Stiche der Naht. "Theoretisch" deswegen, weil ich mir das manchmal nur vorgenommen habe, das Kleidungsstück ein paar Mal trug und wusch, um dann festzustellen, dass die herabhängende Fäden verfilzen und es sich jetzt auch nicht mehr lohnt das Nähtäschchen aus dem Schrank zu holen, die Stopfnadel herauszusuchen, die vier Fäden in die Stopfnadel einzufädeln und sie dann ein paar Zentimeter durch die Naht zu ziehen. Sprich: Es gab Kleidungsstücke in meinem Schrank, in denen innen noch Fäden baumeln.

Seit dem ich eine Fangnadel besitze, ist das aber vorbei. Die Fangnadel ist zwar auch nur so groß wie ein Nahttrenner (und verschwindet ebenso oft, weswegen ich letztens einen Ersatz kaufen musste), aber  immerhin ist sie größer, als eine Stopfnadel. Seit dem ich die Fangnadel besitze, ziehe ich die Fäden, die nicht übernäht werden, nach dem Nähen immer sofort durch.




Funktioniert die Fangnadel gut?


Diese Frage kann ich mit einem entschiedenen "manchmal" beantworten. Das Prinzip ist klar, oder? Die Fangnadel hat eine Öse mit einem Häkchen. Sie sieht aus, wie eine Mini-Häkelnadel mit Sicherung. Die Fäden werden eingehakt und flutschen nicht weg beim Durchziehen. Leider geht anschließend das Häkchen nicht immer sofort auf. Dann fange ich an zu fluchen.

Ich habe den Eindruck, dass es von zwei Dingen abhängt, wie gut die Fangnadel funktioniert. 1. Sie funktioniert besser bei einer guten Naht. An Stellen, an denen ich die Passform nachträglich korrigiert habe und zwei Overlocknähte aufeinander treffen, hat sie Schwierigkeiten, durch das Gewurschtel zu kommen. Ich glaube, das darf ich nicht auf die Fangnadel schieben. 2. Es kommt darauf an, wie ich die Fangnadel halte, denn ich kann ja entscheiden, ob das Häkchen oben oder unten ist. Wenn ich das ein paar Mal hintereinander gemacht habe, funktioniert das immer prima. Bei der ersten Fadengruppe habe ich manchmal Schwierigkeiten.


Würde ich eine Fangnadel empfehlen?


Jawohl. Ich finde die Fangnadel gut. Letztlich geht es doch schneller mit der Fangnadel, als erst die Fäden in die Stopfnadel einzufädeln. Es braucht eben ein bisschen Übung.


Alle Beiträge der Blogserie findet ihr unter dem Stichwort "Nähwerkzeuge" oder durch Klick auf den Link. Vorherige Beiträge:

Dienstag, 21. Februar 2017

Stadtmantel-Sew Along Teil 2: Nähen (Zusammenfügen, Blende und Kragen)




Wie wäre es mit einem Stadtmantel für den Frühling?? 


Der Stadtmantel, designed by Lindy Stokes, ist ein Mantel für die Übergangsjahreszeit, ein leichter Wintermantel oder aber auch ein Strickmantel für Innenräume. Nur die Ärmel und die Schulterpartie sind zum leichteren Anziehen und besseren Sitz gefüttert. Der Mantel kann wahlweise mit Teilungsnähten im Vorderteil oder aber mit einem Brust- und einem Schulterabnäher genäht werden.

Hallo und herzlich Willkommen zum zweiten Teil des Stadtmantel-Sew Alongs. Heute wird genäht. Wir starten mit den Abnähern, fügen das Grundgerüst zusammen und nähen die schöne Blende. Wenn das alles erledigt ist, kannst du den Mantel zum ersten Mal anprobieren, gegebenfalls etwas anpassen, und dich schon mal auf deinen wunderbaren neuen Mantel freuen.

Schreibt eure Fragen gerne in die Kommentare - ich versuche sie zeitnah zu beantworten. Falls ihr noch das Schnittmuster für den Stadtmantel braucht - dieses bekommt ihr zum Download und selbst zusammenkleben sowie als Datei zum Plotten im Schnittmusterkiosk. Dort gibt es auch die passenden Druckknöpfe.

Wie jede Woche des Sew Alongs, gibt es auch diese Woche zwei Schnittmustergutscheine unter allen verlinkten Blogbeiträgen der dieswöchigen Linkliste zu gewinnen. Die Gewinnerinnen der letzten Woche sind Patchworkangel(a) und Heikeleien. Herzlichen Glückwunsch! 



Das Schnittmuster für den Stadtmantel bekommt ihr im Schnittmusterkiosk: *klick* Der Stadtmantel ist ein Design des berliner Labels stokx. Das Schnittmuster gibt es in 12 Größen (Brustumfang ca. 80 cm bis 143 cm) und in zwei Varianten: mit Teilungsnaht oder mit Schulter- und schwungvollen Brustabnäher.


Erfolgserlebnis oder Meisterklasse?


Habt ihr euch mal gefragt, ob der Stadtmantel schwierig oder einfach zu nähen ist? Ich würde das mit einem aussagekräftigem "tja..." beantworten. Ich finde den Stadtmantel nicht allzu schwer zu nähen, denn Walk ist einfach ein sehr freundliches Material! Aber wie jedes Schnittmuster aus dem Hause stokx, hat es frickelige Stellen. Über diese Hürden versuchen wir euch mit der ausführlichen Anleitung hinweg zu helfen. Damit ist der Stadtmantel eigentlich von jeder Hobbynäherin zu schaffen und wird zum "Erfolgserlebnis".

Vom Aussehen ist der Mantel "Meisterklasse". Das bemerken insbesondere Garderobendamen im Theater. Das Innenleben des Mantels mit den gefütterten Ärmeln, den Schulterbelegen und den Druckknöpfen fand schon viel Lob, denn das macht den leichten Stadtmantel so besonders.

Wenn ihr Zweifel habt, ob ihr das Projekt meistern könnt, besucht einen Nähkurs. Es wäre zu schade, wenn ihr euch nicht trauen würdet, einen Mantel für euch zu nähen oder an einer Stelle stecken bleibt!


Nach dem Zuschnitt näht sich das Grundgerüst flott


Die ersten Nähte sind einfach. Ihr schließt die Abnäher bzw. fügt bei der Version mit den Teilungsnähten die Vorderteile zusammen und näht die Taschen. Das geht wirklich flott und ist nicht sonderlich schwierig - einzig in den Rundungen müsst ihr ein bisschen aufpassen, dass ihr den Walk nicht zu stark dehnt, denn sonst passen die Teile nicht mehr zusammen.





Eigentlich müsst ihr den Walk nicht versäubern. Solltet ihr eine Overlockmaschine haben, könnt ihr  die sichtbaren Nahtzugaben umketteln. Das sieht dann noch etwa professioneller aus, ist aber nicht notwendig! Damit ihr nicht ständig zwischen Nähmaschine und Overlockmaschine hin und herspringen müsst, kann ich euch raten, nachdem ihr die Abnäher genäht habt, zunächst die Seitennähte, sowie die beiden Seiten der hinteren Mitte zu versäubern. Anschließend versäubert ihr noch die angegebenen Kanten der Schulterbelege. Danach könnt ihr die Ovi wieder wegpacken.





Taschen annähen


Die aufgesetzten Taschen sind Zierde und funktionell. Achtet beim Aufsetzen darauf, dass ihr sie gemäß der Markierungen, möglichst parallel zu dem Abnäher bzw. der Teilungsnaht platziert.

Damit ihr sie auch benutzen könnt und sie bei Benutzung nicht komplett ausleiern, sind die Walktaschen mit Futter und einem Beleg verstürzt. Je mehr Mühe ihr euch damit gebt, sie wirklich rund zu nähen, um so schicker sehen sie anschließend aus. Die schöne Rundung erreicht ihr, in dem ihr die Nahtzugaben knapp nicht zu lang lasst, sie in der Rundung einschneidet und die Tasche wirklich gut bügelt.





Vergesst das Webband nicht!


Wenn ihr die aufgesetztenTaschen annäht, dann vergesst die kleinen Webbandstücke nicht, die auf der Innenseite des Mantels dagegen gesetzt werden. Sie dienen dazu, dass der Walk an der Stelle, an der ihr in die Tasche greift, nicht zu sehr beansprucht wird. Es ist etwas frickelig, diese auf die richtige Position zu setzen - mir gelang das am besten mit etwas doppelseitigem Klebeband oder etwas Kleber.



Da diese Webbänder sichtbar sind, wenn ihr den Mantel weit öffnet oder aufhängt, rate ich dazu, das gleiche Webband wie für den Aufhänger zu verwenden. Dann sieht das gewollt und gekonnt aus.


Die Vorderteilblende


Die sichtbare Vorderteilblende ist nicht nur dekoratives Element, sondern dient auch dazu, den Walk für die Knöpfe zu verstärken. Da sie am umgeklappten Kragen sehr sichtbar ist, lohnt es sich, besonders dort ordentlich zu arbeiten und vor allen die Ecke ganz oben schön auszuformen und die Kante anschließend sorgfältig zu bügeln!



Die Blende wird mit der umgebügelten Kragenkante verstürzt. Auf dem Foto oben siehst du, wie die schmale Seite der Blende bereits angenäht und die umgebügelte Kragenkante bereits mit einem Zickzack festgesteppt wurde. Dieser Zustand entspricht der Grafik auf Seite 8 oben rechts in der Anleitung. Ich finde, auf dem Foto erkennt man eigentlich noch besser, wie es gemeint ist, und wie es später wird, wenn auch noch die langen Seiten des Vorderteils mit der Blende verstürzt werden.



Den Kragen annähen


Bevor der Kragen angenäht wird, werden die Schulternähte geschlossen. Das Nähen der Kragenansatznaht ist die Vorgehensweise für die beiden Varianten unterschiedlich. Während bei der Variante mit Teilungsnaht, wirklich nur noch die Kragenansatznaht geschlossen wird, ist bei der Abnähervariante noch mehr zu tun. Hier wird "in einem Rutsch" sowohl die Schulterabnäher geschlossen, als auch der Kragen angenäht.

Das Tückische an dieser Stelle ist, dass dort zwar fett erwähnt wird, dass an dieser Stelle ein Aufhänger mit befestigt werden kann - das es aber Menschen wie mir gelingt, das zwar zu lesen, dann aber trotzdem beim Nähen zu vergessen. Seid einfach schlauer als ich *g*.





Außerdem ist das "in einem Rutsch" nicht ganz wörtlich zu nehmen, denn die Naht wird schöner, wenn ihr nicht von Abnäherspitze, über den Kragen, bis hin zur nächsten Abnäherspitze näht, sondern jeweils von von der Kragenmitte bis zur Abnäherspitze. Das macht es auch leichter, an den Abnäher zu denken!


Jetzt dürft ihr anprobieren!


Wenn ihr jetzt die Seitennähte schließt, habt ihr einen Mantel ohne Ärmel, den ihr schon mal anprobieren dürft.

Da der Mantel neben den Seitennähten auch noch Abnäher und eine Naht an der hinteren Mitte hat, ist es sehr einfach, ihn enger zu nähen und damit auf Figur zu modellieren. Das funktioniert sehr gut und ich kann euch nur ermuntern, ihn euch so abzustecken, wie ihr es selbst gerne mögt. Passt aber auf, dass ihr den Mantel bei den Anproben nicht zu sehr dehnt, denn er hat noch nicht die endgültige Stabilität - diese erreichen wir erst durch das Einsetzen der Schulterbelege, aber darum kümmern wir uns nächste Woche.


Ausblick


Nächste Woche setzen wir die Ärmel ein und machen den Mantel innen mit Schulterbelegen und Ärmelfutter schön. Und dann ist der Mantel auch fast schon fertig. Dann müsst ihr ihn nur noch säumen und die Geduldsaufgabe lösen, die Druckknöpfe per Hand anzunähen.

Apropos Druckknöpfe - diese bekommt ihr jetzt im Schnittmusterkiosk in zwei verschiedenen Größen und drei Farben: silber, gold und anthrazit. In der Kollektion stokx werden Knöpfe mit 19 mm Durchmesse für Damenmäntel und Knöpfe in 25 mm für Herrenmäntel genutzt. Als Hobbyschneiderin habt ihr die Wahl. Ihr bestimmt, wie groß und präsent die Knöpfe eures Mantels sein sollen. (Ich finde ja, dass große Mädchen auch große Knöpfe bekommen sollten, aber das ist natürlich Geschmackssache). Ein Tipp: größere Knöpfe sind etwas einfacher in der Handhabung.

Mich ärgerte es, das es schwierig ist, genau 7 Knöpfe zu kaufen, weil es sonst eher Verpackungseinheiten von einem Knopf, 2, 6 oder 10 Knöpfen gibt. Deswegen orderte ich einen Karton voller Druckknöpfe vom Haus- und Hoflieferanten von stokx und biete sie euch im Schnittmusterkiosk an.








Die Termine des Sew Alongs


Wer auch auf twitter oder Instagram am Stadtmantel-Sew Along teilnehmen möchte, taggt diese Beiträge bitte ganz einfach mit #Stadtmantel. (Ein Schnittmustergutschein zu gewinnen, ist aber nur mit einem verlinkten Blogbeitrag möglich.)

Linkliste für die Teilnehmerinnen des Sew Alongs


Verlinkt eure Beiträge mit euren ersten Überlegungen zum Stadtmantel gerne in der Linkliste. Diese ist eine ganze Woche lang, bis nächsten Montag Abend, geöffnet. Unter allen verlinkten Beiträgen dieser Linkliste, verlose ich zwei Gutscheine für ein Schnittmuster aus dem Hause crafteln.


Donnerstag, 16. Februar 2017

FrauCrafteln hat einen Pussyhat (Anleitung)



Als ich die ersten Bilder der Demonstration "Womans March on Washington D.C." anlässlich der Amtsübernahme des amerikanischen Präsidenten mit den rosa Mützen sah, wusste ich sofort, dass ich auch so einen Pussyhat haben muß. Die Tatsache, dass Frauen aufstehen und kund tun, was ihnen nicht passt, dass Frauen öffentlich, in großer Zahl und medienwirksam für Frauenrechte demonstrieren gefällt mir. Und natürlich gefällt es mir auch, dass das Symbol der Bewegung selbstgemacht ist, denn das zeigt mal wieder, wie kraftvoll das Selbermachen ist!

Die unzähligen pinken Mützen auf den Bildern der Demonstrationen sind ein Statement, das nicht übersehen werden konnte. Auch in Deutschland wurde in vielen Medien darüber berichtet. Pink ist eine kraftvolle, leuchtende Farbe, die weiblich konnotiert ist. Wir eignen sie uns wieder an, statt sie der Werbeindustrie mit ihren Zuschreibungen, wie Mädchen und Frauen auszusehen und sich verhalten sollen, zu überlassen.


I am no Pussycat, this is a Pussyhat!



Seit der Demonstration in Washington, ist wirklich klar, dass Pink, für Frauenrechte steht. Die pinke Mütze ermöglichst es uns symbolisch mit anderen Menschen, die für Toleranz, Gleichwertigkeit und Weltoffenheit stehen, zu verbinden. Es begann mit der Unzufriedenheit über die Wahl des Präsidenten und seine sexistischen Äußerungen. Doch es gibt noch viel mehr, mit dem wir unzufrieden sein können und wo es lohnt den Mund aufzumachen und gemeinsam für eine Veränderung der Welt einzustehen.



Pussyhat is a movement. Not just a moment



Jede Schattierung von rosa kann ein Pussyhat sein. Eine Mütze mit oder ohne "Ohren" ist ist ein Pussyhat, wenn er für dich ein Pussyhat ist. Die Mützen mit den Ohren entstanden als Anspielung auf die Bemerkung Trumps, man dürfe Frauen einfach so zwischen die Beine greifen. "Pussy" bedeutet nicht nur Kätzchen, Pussy ist auch ein Wort für das weibliche Genital - indem wir es verwenden und die Deutungshoheit darüber übernehmen, machen wir uns stark. Wir haben Pussys, wir sind Frauen und wir bestimmen, was mit unserem Körper geschieht. Wir können Mützen mit Katzenohren tragen und diese Pussyhat nennen, wir stricken oder nähen sie uns einfach - weil wir es können!

Auf https://www.pussyhatproject.com findet ihr die Mission des Pussyhat-Projektes, Anleitungen um den Pussyhat zu fertigen mehr Informationen und die Möglichkeit für die Initiative zu spenden. 

Strick dir deinen Pussyhat!


Es gibt so viele Gründe, für Frauenrechte gut sichtbar einzustehen. Die rosa Mütze macht uns und unsere Haltung mit einem Augenzwinkern gut sichtbar. Deswegen ist es nach wie vor wichtig, die das Wissen weiterzugeben, wie diese gemacht wird - auch wenn es eigentlich schon unzählige Anleitungen dazu überall im Netz gibt. Wir sind viele und wir werden immer mehr.



Ich bin echt kein Mützentyp und es gibt schönere Bilder von mir. Das Pink passt ganz und gar nicht zu der Farbe meines Mantels. Egal, ich habe einen Pussyhat und ich bin stolz darauf.

Ich habe mein Pussyhat genau nach der Anleitung des Pussyhat Project gestrickt. Mit Merinowolle und Nadeln Nr 5 (Bündchen mit 4,5er Nadeln) knapp 10 cm Bünchen, dann glatt rechts und wieder genau so viel Bündchen, bis es insgesamt 44 cm sind. Das ist nicht schwer! Das schaffen auch Strickanfängerinnen!


auch wenn das Bild anderes zeigt: die Bündchen sind gleich lang!


Nach dem Stricken wird die Mütze zusammengeklappt und zusammengenäht. Fertig! Für zwei Mützen verstrickte ich exakt 150 g. Je nach Lauflänge der Wolle, kann die Menge variieren. Eine Mütze strickte ich an zwei Abenden, das Zusammennähen geht anschließend auch flott.

Wenn ihr Stricken könnt, dann strickt am besten gleich noch einen Pussyhat für eine Freundin - es kann gar nicht genug davon geben. Und wenn es Frühling wird, dann nähen wir uns Pussyhats aus Baumwolljersey!

Und jetzt muss ich zur Post, dann hat FrauMasulzke auch bald einen.



Dienstag, 14. Februar 2017

Stadtmantel-Sew Along Teil 1: Größenwahl, Stoffwahl und Schnittmuster vorbereiten




Wie wäre es mit einem Stadtmantel für den Frühling?? 


Der Stadtmantel, designed by Lindy Stokes, ist ein Mantel für die Übergangsjahreszeit, ein leichter Wintermantel oder aber auch ein Strickmantel für Innenräume. Nur die Ärmel und die Schulterpartie sind zum leichteren Anziehen und besseren Sitz gefüttert. Der Mantel kann wahlweise mit Teilungsnähten im Vorderteil oder aber mit einem Brust- und einem Schulterabnäher genäht werden.

Hallo und herzlich Willkommen zum ersten Teil des Stadtmantel-Sew Alongs. Heute wird noch nicht genäht, denn wir sind mit den Vorbereitungen beschäftigt. Heute geht es um die verschiedenen Stoffe, die für den Stadtmantel verwendet werden. Außerdem beschreibe ich, wie ihr von dem digitalen Schnittmuster zu einem Papierschnitt kommt und wie ihr diesen für eure Zwecke vorbereitet. Nicht zuletzt sprechen wir heute auch darüber, wie ihr aus dem stokxschen Größensystem die passende Größe für euch Auswählt.

Schreibt eure Fragen gerne in die Kommentare - ich versuche sie zeitnah zu beantworten. Falls ihr noch das Schnittmuster für den Stadtmantel braucht - dieses bekommt ihr zum Download und selbst zusammenkleben sowie als Datei zum Plotten im Schnittmusterkiosk

Wie jede Woche des Sew Alongs, gibt es auch diese Woche zwei Schnittmustergutscheine unter allen verlinkten Blogbeiträgen der dieswöchigen Linkliste zu gewinnen. 



Größenwahl


Beginnen wir mit der Auswahl der passenden Größe. Den Stadtmantel gibt es nicht in den "üblichen Kleidergrößen". Die Designerin Lindy Stokes arbeitet mit einem eigenen Größensystem, das auf ihren Hypothesen beruht, wie Frauenkörper größer werden und an welchen Stellen Sie Mehrweite einplant, damit ein Kleidungsstück anschließend so aussieht, wie sie es sich vorstellt. 

Um eure Größe auszuwählen, vergleicht ihr eure Maße für Taille und Hüfte mit der Körpermaßtabelle. Entscheidend für die Auswahl der Größe ist beim Stadtmantel der Brustumfang.


Körpermaße (Angaben in cm)
Größe01234567891011
Brustumfang80859095101107113119125131137143
Taillenumfang65707580859095100105110115120
Hüftumfang*9499102109114119124129134139144149
*über der breitesten Stelle gemessen

Leider ist es manchmal so, dass das Ergebnis nicht eindeutig auf eine Größe schließen lässt. Dann bedeutet es, dass ihr den Mantel aufgrund eines Maßes auswählt und an anderer Stelle für euch anpassen (also weiter oder enger machen) müsst. Bevor ihr aber zurückschreckt und sagt "mimimi, das kann ich nicht" werft ihr erst mal einen Blick in die zweite Tabelle, die Fertigmaßtabelle, denn vielleicht hat sich damit euer Problem schon erledigt.


Fertigmaße (Angaben in cm)
Größe01234567891011
Brustumfang9095100105110117123129135141147153
Taillenumfang747984899499104109114119125131
Hüftumfang*101106111116121126131136141146151156
Der Mantel hat eine hintere Länge von ca. 116 cm. 


Die Fertigmaßtabelle beschreibt, wie der Name schon sagt, die Maße des fertigen Kleidungsstückes. Dieses ist natürlich größer als das reine Körpermaß, denn sonst würdet ihr eine Wursthaut nähen. Wie groß die Differenz zwischen Körpermaß und Fertigmaß sein soll ist Geschmackssache und Designentscheidung, bei einem Mantel z. B. auch abhängig davon, was und wieviel ihr darunter tragen wollt.

Wieviel Mehrweite ein Kleidungsstück haben "muss", ist also sehr subjektiv, denn es hängt von der Stoffqualität, den Vorstellungen der DesignerIn und vor allem von den Vorlieben des Menschen ab, die es anschließend trägt. Das heißt: ihr kommt nicht umhin, an dieser Stelle eine Entscheidung zu treffen. Aber keine Sorge, der Stadtmantel ist, wenn ihr ihn unterhalb der Brust etwas größer näht, leicht auf Figur anzupassen.

Berücksichtigt bei der Größenwahl auch, dass Walk stets etwas nachgibt. Mit der Zeit wird sich der Mantel aufgrund eurer Körpertemperatur und der Luftfeuchtigkeit an euren Körper anpassen und eure Rundungen umschmeicheln.




Anpassungen sind leicht möglich


Der Mantel ist tailliert geschnitten. Aber keine Sorge, selbst wenn ihr keine ausgeprägte Sanduhrfigur habt, und in der Körpermitte etwas mehr Weite braucht, ist es möglich, diese dezent in das Schnittmuster einzufügen, ohne den Gesamteindruck komplett zu zerstören. Die Designlinien, Abnäher im Rückenteil und Mehrweite im Saum, geben auch bei einer wenig stark ausgeprägten Taille die Anmutung einer Sanduhr.

Da der Mantel Rückenabnäher und eine Mittelnaht an der hinteren Mitte hat, könnt ihr diese Mehrweite zunächst dorthin verteilen, wo ihr sie braucht (z.B. rundum oder eben nur vorne) und gegebenenfalls nach Fertigstellung auch wieder wegnehmen, wenn ihr doch zu vorsichtig wart, in dem ihr an diese Stellen den Mantel wieder enger näht. Ich habe bei dem bunten Mantel im Taillenbereich vor dem Nähen Weite zugegeben und nach dem Nähen am Hohlkreuz und ganz leicht in den Seitennähten wieder Weite weggenommen, bis der Mantel gut passte.




Wenn ihr eine starke Hüfte habt, dann gebt ruhig ordentlich Weite an der Hüfte zu, denn es würde nicht schön aussehen, wenn der Mantel dort zu eng sitz. Verlängert die Mehrweite bis hin zum Saum, damit keine Tulpenform entsteht. Beachtet aber, dass dadurch die Saumweite größer wird und ihr deswegen möglicherweise etwas mehr Stoff braucht.



Welche Version? Lieber Abnäher oder Teilungsnähte?


Meine Faustregel lautet: je runder die Figur ist, je größer die Körbchengröße, desto eher rate ich zu den Teilungsnähten.

Ich liebe Abnäher und ich liebe es, wie elegant Lindy Stokes diese in ihren Designs einsetzt, aber für meine Figur sind sie nur bedingt geeignet. Der Abnäherinhalt ist aufgrund meiner großen Körbchengröße zu groß und irgendwie sieht es nicht "richtig" aus, nicht so, wie ich es mir aufgrund der Modellfotos mit Modells kleinerer Kleidergröße vorgestellt hatte.

Deswegen gibt es bei crafteln das von der Designerin nochmal überarbeitete und auf ein größeres Größenspektrum ausgeweitete Zusatzdesign eines Mantels mit Teilungsnähten. Wer sich schon mal ein bisschen mit Schnittkonstruktion beschäftigt hat weiß, dass eine Teilungsnaht nichts anderes ist, als verbundene Abnäher und im Grunde ist das in diesem Schnittmuster nicht anders. Der von unten kommende Brustabnäher und der Schulterabnäher wurden zu einer Teilungsnaht verbunden. Die grundlegende Linien des Designs damit nicht verändert, sondern nur variiert. Der bei mehr Brust benötigte große Abnäherinhalt wird einfach weggelassen und kann so nicht auftragen und die Rundung der Teilungsnaht unterstützt optisch die Rundungen des Körpers.



Wenn ihr Schwierigkeiten mit der Größenwahl habt, weil ihr eine große Körbchengröße tragt, nehmt im Zweifel die kleinere Größe und passt die Brustrundung im vorderen Seitenteil etwas ein, in dem ihr dort Weite zugebt. Ihr müsst dann beim Einnähen etwas sorgfältig sein, um die Mehrweite der Rundung ordentlich an die mittleren Vorderteile zu bekommen, aber das geht mit Walk und dank der hervorragend gesetzten Passzeichen gut. Bei einer sehr großen Oberweite solltet ihr eine "richtige FBA" machen, das heißt nicht nur die Brustrundung größer zeichnen, sondern auch das mittlere Vorderteil entsprechend verlängern, damit der Mantel final vorne und hinten gleich lang wird.

Stoffwahl


Der Stadtmantel heißt in der Kollektion stokx "Kuschelmantel". Es gibt ihn dort in den gedeckten Farben dunkelblau und grau sowie in rot. In einer kleinen Kollektion ist die Farbauswahl natürlich begrenzt, aber wir Hobbynäherinnen können nun machen was wir wollen. Egal, ob wir unsere Lieblingsfarbe wählen, die derzeit nicht wirklich in Mode ist, ob wir mit mehreren Farben arbeiten oder ob wir uns für eine gemusterte Alternative entscheiden - alles ist möglich, denn du bist die Designerin.


Bildquelle: stokx

Aber Stopp: ist wirklich alles möglich? Der Schnitt des Stadtmantels ist auf Walkstoffe ausgelegt, das heißt, dass der Schnitt am besten mit Walk funktioniert. Wird ein anderes Material verwendet, dann muß die Näherin noch genauer die Schnittteile und die Fertigmaßtabelle anschauen, um herauszufinden, welche Größe für sie geeignet ist, denn Walk gleicht aus. Er ist nicht nur bielastisch, sondern das Naturmaterial passt sich dank Körperwärme und Feuchtigkeit auch dem Körper an. Walk macht den Stadtmantel einfach schmeichelhaft - ein anderes Material, braucht möglicherweise ein bisschen mehr Zuwendung, um einen ähnlichen Look zu erzeugen.

"Walken nennt man den Vorgang, bei dem ein angefeuchtetes Vlies oder ein Stoff aus Wollfasern bei Feuchtigkeit und Wärme gerollt und geknetet wird, so dass sich die Schuppen der Wollhaare verhaken und Filz entsteht. Wollwalk ist aber kein echter Filz, denn seine Grundlage bildet ein dicker, gestrickter Stoff, der lediglich so angefilzt wird, dass eine einheitliche, flauschig-körnige Oberfläche entsteht, aber eine gewisse Elastizität erhalten bleibt. .... Walk dehnt sich leicht aus und neigt dazu, sich an die Körperformen anzupassen, daher müssen Teile wie Rockbünde und Knopfleisten verstärkt werden." Stoff und Faden. Materiallexikon von Constanze Derham

Das heißt ein Ersatzmaterial muß mindestens in eine Richtung elastisch sein, um bei ähnlich körpernaher Kontur ebenso bequem zu sein. Fast 1:1 kann Walk durch gekochte Wolle ersetzt werden. Gekochte Wolle ist, so viel ich weiß, die günstige kleine Schwester des Walks (wobei ich das Gefühl habe, dass beide Begriffe auch einfach synonym gebraucht werden). Das führt zu dem speziellen Problem: während bei Walk beide Stoffseiten nahezu bzw. komplett identisch sind, sieht die gekochte Woche häufig von der einen Seite aus wie Strick (linke Seite), während die andere Seite gefilzt oder flauschig aussieht. Da der Stadtmantel einen umgeklappten Kragen hat, bei dem die linke Stoffseite zu sehen ist, könnte das bei der Kaufentscheidung eine Rolle spielen. Aber wie gesagt: ihr seid die Designerin.





Bei meinem Frühlingsmantel aus gekochter Woche ist das übrigens so, dass die rechte und die linke Stoffseite anders aussehen. Das stört mich von Nahem, ist aber aus der Ferne kaum zu erkennen und da ich diesen Stoff schon viele Jahre im Schrank liegen hatte, erschien es mir den Versuch wert, es zu wagen. Wie ihr auf dem Bild erkennt, sieht die linke Stoffseite gestrickt aus, während die andere Seite so sehr "gekämmt" ist, dass die Streifen fast ineinander übergehen. Schöner wäre es natürlich, wenn beide Seiten gleich wären, aber von Weitem ist der Unterschied kaum zu sehen. 

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Den Walk für unsere Designbeispiele, die Mäntel von Ella Mara, Frau Kreuzberger Nähte, Frau Nahtzugabe und für meinen "Diane Keaton-Mantel" waren vom Roten Faden (gesponsort), einer guten Quelle für Standardstoffe. Dort gibt es den Walk in zwei unterschiedlich dicken Qualitäten. Auch wenn wir jetzt einen Frühlingsmantel nähen, würde ich dennoch die dickere Qualität  (Art - Nr. 36050 mit ca. 570g/lfm) empfehlen, da sonst bei dem ungefütterten Mantel zumindest bei den hellen Farben die Nahtzugaben durchscheinen können. Wenn ihr beim Onlinekauf bei der Farbe auf Nummer sicher gehen wollt, könnt ihr euch vom Roten Faden eine Farbkarte zuschicken lassen, die auch in der gedruckten Version die Farben gut wiedergibt. Ich habe gesehen, dass es den Walk dort derzeit im Angebot gibt. Wie praktisch! 






Ergänzend zu dem Oberstoff/Walk, aus dem der Mantel genäht wird, braucht ihr einen weiteren Stoff, wir nennen ihn in der Anleitung "Stoff2", der einerseits für Schulter, Ärmel und Taschenbelege genutzt wird, andererseits aber auch sehr sichtbar und präsent die vordere Blende verstärkt. Hier könnt ihr Ton in Ton arbeiten oder aber einen sichtbaren Kontrast setzen, der euch Freude bereitet. Es sind ja oft die Details, die das Hobbynäherinnenherz höher schlagen lassen.





Stoff2 muß hinreichend fest sein oder so mit Einlage bebügelt werden, dass er eine gewisse Festigkeit (vergleichbar mit Jeans oder Köper) bekommt, denn er ist nicht nur dekoratives Element. Die Druckknöpfe werden an die Blende genäht und sollen genügend Halt bekommen. Die Schulterbelege sehen toll aus und erfreuen jedes Mal mein Herz, wenn ich den Mantel auf einen Bügel hänge, haben aber auch stabilsierende Funktion. Dort, wo der Mantel Festigkeit braucht, unterstütz Stoff 2 den Walk, der alleine zu sehr nachgeben würde. Die Schulterpartie ist deswegen gut geformt und macht so eine schöne Figur, weil mit Stoff 2 Schultern, der Halsausschnitt und die Armlöcher verstärkt werden. 

Außerdem braucht ihr noch flutschiges Futter für die Ärmel und die Innenseiten der aufgesetzten Taschen. Gefütterte Ärmel erleichtern das Anziehen des wolligen Mantels und sorgen dafür, dass ihr euch bewegen könnt, ohne das Material zu stark zu dehnen. Die Belegen und die gefütterten Ärmel machen für mich den Mantel erst zum Mantel. Im Gegensatz zu einer dicken Strickjacke, trägt er sich sehr viel eleganter und komfortabler, ohne aber die steif und unbequem zu sein.


Stoff 2 ist hier an der Blende mit Einlage bebügelter Satin


Von der Datei zum Schnittmuster


Wenn ihr den Stadtmantel gekauft habt, könnt ihr das digitale Schnittmuster sofort als Version zum Zusammenkleben herunterladen und bekommt wenig später eine Plotversion gemailt. 

Die Version zum Zusammenkleben ist als Datei direkt der Anleitung angehängt. Diese PDF-Datei könnt ihr ganz normal auf eurem Drucker auf DIN A 4 Papier, wahlweise in Farbe oder Schwarz-weiß ausdrucken. Wenn ihr nur das Schnittmuster ausdrucken wollt, wählt ihr für den Drucker nur die entsprechenden Seiten (siehe Tippkasten) aus. So mache ich das immer und lade die Seiten der Anleitung auf mein ipad, denn das spart Papier. Außerdem hat die digitale Nutzung der Anleitung den Vorteil, dass ich sie "schön in Farbe" ansehen kann, während ich beim Druck eher dazu neige, sparsam in schwarz-weiß zu drucken. 



Bevor ihr alle Seiten druckt, druckt ihr zunächst die Seite mit dem Kontrollkästchen und kontrolliert, ob euer Drucker wirklich auf 100% eingestellt ist. Ist der Drucker falsch eingestellt, wird euer Rock zu groß oder zu klein! 

Zum Zusammenkleben könnt ihr die Layoutskizze auf Seite 14 als Orientierung nutzen, aber auch auf den einzelnen Seiten des Ausdruckes stehen Buchstaben und Zahlen, die euch zeigen, welches Blatt an das andere geklebt werden soll. Achtet darauf, präzise zu arbeiten, um ein korrektes Schnittmuster zu erhalten.


Oder doch besser plotten lassen?


Plotter sind große Drucker, die größere Formate als DIN A4 ausdrucken können. Mit diesen kann man ein Papierschmuster auf großem Papier ausdrucken. Die wenigsten Menschen werden einen Plotter haben, aber es ist möglich, mit der Datei, z.B. auf einem USB-Stick, zu einem Copyshop zu gehen oder diese über das Internet bei einem Plotterservice ausdrucken zu lassen. Adressen für Plotterservice findest du über die Suchmaschine (es lohnt Preise zu vergleichen!), ich habe aber auch schon mal hier darüber geschrieben. Erfahrungsgemäß bekommt ihr den fertig geplotteten Schnitt schon am nächsten Tag zugeschickt. Die ganz Eiligen können natürlich schon früher, direkt nach dem Kauf, mit Kleben beginnen. 

Nur als Hinweis: wenn in Näherinnenkreisen von "Plotten" gesprochen wird, ist meist etwas anderes gemeint, denn es gibt auch Schneideplotter. Mit diesen wird eine Transferfolie ausgeschnitten und erzeugt zum Beispiel aufbügelbaren Buchstaben und Motive zum Verzieren von Kleidung. Das Plotten von dem ich spreche, bezieht sich alleine auf die Größe des Ausdruckes und erzeugt ein Schnittmuster auf großflächigem Papier. 



Was brauche ich sonst noch?


Für den Stadtmantel braucht ihr natürlich nicht nur ein Schnittmuster und den passenden Stoff. Wie bei jedem Nähprojekt, dürft ihr auch noch Kurzwaren shoppen gehen.

Passendes Nähgarn braucht ihr auf jeden Fall, das ist ja klar. Wenn ihr für Stoff2 eine andere Farbe als die des Walks wählt, braucht ihr auch dafür noch das passende Nähgarn. Sollte Stoff2 von leichterer Qualität sein, dann braucht ihr noch Bügeleinlage, um ihn stabiler zu machen. Außerdem braucht ihr noch 7 Druckknöpfe zum Annähen.

Als ich anfing, nach Druckknöpfen für den Stadtmantel zu recherchieren stellte ich fest, dass es Druckknöpfe häufig in Packeten zu 2, 6 oder 10 Knöpfen zu kaufen gibt. Das ist natürlich etwas doof, wenn ich 7 Knöpfe brauche, denn diese Druckknöpfe zum Annähen sind nicht wirklich günstig. Daraufhin habe ich mich mit der Designerin, Lindy Stokes, beraten und wir sind überein gekommen, dass es eine gute Idee wäre, die Druckknöpfe, die sie für den Mantel verwendet, im Schnittmusterkiosk anzubieten. Ich warte ganz dringend auf die Lieferung, hoffe aber in den nächsten Tagen darauf, euch die gute Nachricht zu verkünden, dass diese ab sofort bestellt werden können.






Während in der Kollektion stokx nur dunkelsilberne Knöpfe verwendet werden, habe ich mich dazu entschlossen, beim gleichen Lieferanten auch noch goldene und silberne Knöpfe zu ordern. Ich bin so gespannt, für was für Farben und Muster sich die Hobbyschneiderinnen kreativ ausleben, wenn sie den Stadtmantel nähen. Ich fand, da braucht es eine größere Farbauswahl an Knöpfen. Wenn ich sehe, dass mein Knopfangebot gut angenommen wird, könnte ich mir vorstellen, das Angebot auch noch auf andere Farben auszudehnen.

Lindy verwendet für Damenmäntel kleinere Druckknöpfe als für Herrenmäntel. Das kann man machen, aber ihr seid die Designerinnen - ich finde, an mir großem Mädchen, die kleinen Knöpfe zu popelig und verwende lieber die "Herrenknöpfe". Ich mag es, dass sie ein schöner Hingucker am geöffneten Mantel sind. Deswegen gibt es die Druckknöpfe im Schnittmusterkiosk in beiden Größen. Ich versende sie in Packungseinheiten von 7 Stück, d.h. ihr bekommt die passende Anzahl funktionierender Knöpfe zu einem fairen Preis. Ich bin gespannt, welche Farbe und Größe das Rennen macht.



Stoff vorbereiten und Zuschneiden


Alle Teile des Stadtmantels werden einlagig zugeschnitten. Achtet darauf, dass ihr immer zwei spiegelverkehrte Teile zuschneidet. Beim Zuschnitt gilt es ferner zu beachten, dass bei Walk die linke und die rechte Stoffseite nicht immer identisch aber trotzdem schwer zu unterscheiden sind. Im Zweifelsfall markiert euch die linken Stoffseiten.





Die Taschen und das Futter werden im schrägen Fadenlauf zugeschnitten!

Da Kreide auf Walk meist nicht zu sehen ist, ist es ratsam die Markierungen für die Taschen und die Abnäher mit großen Handstichen und einem Garn in Kontrastfarbe zu markieren.


Ausblick


So, das war es für heute, nächste Woche kommen wir schon zum Nähen. Ich hoffe, die Termine des Sew Alongs sind nicht zu knapp für euch gesetzt. Gebt mir einfach Rückmeldung in den Kommentaren dazu. Eventuell verschiebe ich die Termine noch ein bisschen nach hinten. Da der Mantel aber recht fix genäht ist und sicherlich die eine oder andere schon in den Startlöchern sitzt, wollte ich zügig voran gehen - Nachnähen geht ja immer, denn die Texte zum Sew Along bleiben hier auf dem Blog stehen und die große Stadtmantel-Modenschau machen wir erst am Ostermontag.

Das Schnittmuster für den Stadtmantel bekommt ihr im Schnittmusterkiosk: *klick* Der Stadtmantel ist ein Design des berliner Labels stokx. Das Schnittmuster gibt es in 12 Größen (Brustumfang ca. 80 cm bis 143 cm) und in zwei Varianten: mit Teilungsnaht oder mit Schulter- und schwungvollen Brustabnäher.

Im Schnittmusterkiosk.de gibt es auch ganz bald die passenden Druckknöpfe!

Die nächsten Termine des Sew Alongs

  • 21.2. Nähen: Zusammenfügen, Blende und Kragen
  • 28.2. Nähen: Belege, Ärmel füttern und Säumen
  • 17.4. Finale am Ostermontag: Zeigt her eure Stadtmäntel!

Wer auch auf twitter oder Instagram am Stadtmantel-Sew Along teilnehmen möchte, taggt diese Beiträge bitte ganz einfach mit #Stadtmantel. (Ein Schnittmustergutschein zu gewinnen, ist aber nur mit einem verlinkten Blogbeitrag möglich.)

Linkliste für die Teilnehmerinnen des Sew Alongs


Verlinkt eure Beiträge mit euren ersten Überlegungen zum Stadtmantel gerne in der Linkliste. Diese ist eine ganze Woche lang, bis nächsten Montag Abend, geöffnet. Unter allen verlinkten Beiträgen dieser Linkliste, verlose ich zwei Gutscheine für ein Schnittmuster aus dem Hause crafteln.


Montag, 13. Februar 2017

Lust auf Probenähen?

Für das nächste Schnittmuster suche ich noch Näh-Bloggerinnen, die Lust haben, einen Schnitt auszuprobieren und Fotos von dem angezogenen Kleidungsstück zu machen, die auf dem eigenen Blog gezeigt werden und die ich auch auf meinem Blog bzw. im Shop benutzen darf. Wenn mir ein Foto besonders gut gefällt, frage ich an, ob ich es für das Deckblatt des Schnittmusters verwenden darf.


Was wir dieses Mal probegenäht?


Es handelt sich um eine einfaches Kleidungsstück, ein "Erfolgserlebnis" aus Jersey (oder z.B. leichtem Sweat o.Ä.) mit wenigen Schnittteilen in zwei möglichen Längen als Oberteil oder Kleid.


Wie funktioniert das Probenähen:


Dir sollte es möglich sein im Laufe des Februars kurzfristig nachdem du das Schnittmuster bekommen hast, das Kleidungstück zu nähen, zu fotografieren und einen Blogbeitrag zu schreiben, denn geplant ist der Verkaufsstart des Schnittmusters Anfang März. Du bekommst ein digitales Schnittmuster von mir und die noch nicht zu 100% fertige Anleitung, zu der ich noch Feedback brauche. Du veröffentlichst deinen Blogbeitrag erst, wenn ich den Startschuss gebe, wenn der Erstverkaufstag definitiv fest steht.

Wir kommunizieren als Probenähgruppe ausschließlich auf Slack. Das ist ein einfach zu verstehendes Kommunikationstool, das auf dem PC, aber auch mobil auf Telefon oder einem Tablet benutzt werden kann. Ich helfe dir gerne dabei, wenn du am Anfang Schwierigkeiten damit haben solltest, was ich nicht glaube! Keine Kommunikation nach der Aufnahme ins Probenähteam per Mail - alle Probenäherinnen sollen alle wichtigen Informationen bekommen und später noch nachlesen können. Von Außen kann niemand lesen, was wir auf Slack austauschen. In Slack ist es möglich, Direktnachrichten mit mir auszutauschen, die die anderen nicht sehen können.



Was mußt du für dieses Probenähen mitbringen?


  • Du hast einen Blog
  • Du musst schon mal Jersey genäht haben, brauchst aber keine langjährig Näherfahrung. 
  • Du brauchst ca. 2- 3,5 m "Jersey", je nachdem, welche Größe du nähst und ob es ein Oberteil oder Kleid wird.
  • Du brauchst jemand, der dich vor einem möglichst neutralem Hintergrund fotografiert - es wäre schön, wenn dich das Fotografieren nicht zu sehr stresst :-) 
  • Ich brauche von dir deine Maße (Brustumfang, Taille und Hüfte) und die Adresse deines Blogs, damit dich dich schon mal kennenlernen kann. 
  • Du bringst die Bereitschaft mit, dich auf das Kommunikationstool Slack einzulassen.
  • Du kannst Geheimnisse für dich behalten.
  • Du hast Abenteuerlust neue Schnittmuster auszuprobieren und Freude darin, ein Start-up zu unterstützen. 



Wenn dich das anspricht, dann schreibe mir eine Mail an fragen @ crafteln.de. Ich freue mich auf dich!


Leider kann ich nicht allen Interessierten das Schnittmuster kostenlos zur Verfügung stellen - ich suche mir aus denjenigen, die Lust haben Probezunähen eine bunte Mischung aus Menschen aus, die die Bandbreite der möglichen Körperformen und Bekleidungsstile aufzeigen. Alle Interessierten merke ich mir und spreche euch ggf. beim nächsten Schnittmuster gezielt an, das in meinen Augen vielleicht noch besser für euch geeignet ist. Also seid bitte nicht traurig, falls ich euch absagen sollte!

Perspektivisch möchte ich mich gerne bei Probenäherinnen mit Bezahlung für die Unterstützung bedanken. Im Moment ist mir das als kleines Start-Up noch nicht möglich. Trotzdem würde ich mich sehr freuen, wenn es Frauen gibt, die Lust haben, mein neues kleines Label zu unterstützen und als Probenäherin und Modell mitwirken, wenn neue großartige Schnittmuster entstehen.

Freitag, 10. Februar 2017

Nähwerkzeuge: Nahttrenner



In Workshops oder als Stoffverkäuferin werde ich immer wieder gefragt, welche Nähwerkzeuge ich empfehlen kann. Das mache ich gerne, denn wie jede Handwerkerin weiß ich gutes Werkzeug zu schätzen. Manche Werkzeuge sind selbsterklärend, andere stellen nicht nur eine Anfängerin vor Rätsel, wie sie dieses Werkzeug einsetzen kann oder was es beim Kauf zu beachten gibt. 

In dieser Blogserie will ich immer mal Freitags, ein Werkzeug vorstellen - über Ergänzungen in den Kommentaren freue ich mich. Danke für eure tollen Ergänzungen! Wundert euch nicht, falls es mal einen Freitag keinen Beitrag zu dieser Serie gibt. Ich behalte mir vor, nach Lust und Laune Beiträge zu schreiben, aber wenn zu den Werkzeugen, dann immer freitags!





Der Nahttrenner, Pfeiltrenner oder Nahtauftrenner


Der "gemeine" Nahttrenner hat viele Namen, heißt aber manchmal auch nur: "wo versteckt sich nur das verfluchte Ding", denn einen Nahtauftrenner brauchen wir meist dann, wenn es beim Nähen nicht optimal läuft und sie neigen dazu, gerade in diesen ohnehin schon ärgerlichen Situationen unauffindbar zu sein.

Es handelt sich um ein Schneid- und Trennwerkezug aus Metall mit einem Kunststoffgriff oder andersrum gesagt, ein Kunststoffgriff, in den ein spitzes, seitlich scharfes Messer eingelassen ist. Die eine Seite der "Gabel" ist spitz und die andere, die wie abgebrochen aussieht, meist mit einer Kugelspitze geschützt. Die Klinge sitzt an der die Aussparung zwischen den beiden Spitzen. Wenn frau sie nicht verloren hat, hat der Nahttrenner eine Schutzkappe, um sich nicht an dem Werkzeug zu verletzen, die aber meist auch hinten aufgesetzt werden kann, um den Griff zu verlängern.

Ich habe mich lange gefragt, ob die hübsche farbige Kugel eine Funktion hat, hinter die ich noch nicht gekommen bin, aber ich fürchte, die Antwort ist ganz banal: das ist die Stelle, an der der Nahttrenner eben nicht spitz und scharf ist, um den Stoff zu schützen.


Sicherheitshinweise


Das Ding ist verdammt scharf und spitz, es ist schärfer, als frau vermuten würde. Deswegen gibt es wie beim Schnitzen den Ratschlag, immer schön "vom Körper weg" schneiden. Darüber habe ich bei der Benutzung allerdings noch nie nachgedacht, denn meist achte ich darauf, den schönen Stoff nicht zu verletzen. Geschnitten habe ich mich am Nahttrenner noch nie, gepiekst schon, aber das war nicht so schlimm. Aber Stoff habe ich damit sehr wohl schon zerstört.

Aus diesem Grund benutzt meine Nählehrerin keinen Nahttrenner. Sie findet das Ding unberechenbar und trennt falsch gesetzte Nähte lieber auf, in dem sie den Faden an einer Stelle mit der Schere aufschneidet, einen Faden mit der Scherenspitze etwas heraus zieht und dann an eben jenem Faden zieht so weit es geht, um ihn dann gegen die Nahtrichtung abzureißen. Dann nimmt sie den zweiten Faden, zieht wieder so lange es geht und reißt ihn ab. Immer abwechselnd, bis die Naht aufgetrennt ist. Diese Methode benutze ich zwar auch hin und wieder, aber oftmals geht es mit dem Nahttrenner doch einfacher und schneller.


Wie funktioniert der Nahtrenner?


Viele Wege führen nach Rom. Ich kenne zwei Varianten, um mit dem Nahttrenner eine Naht aufzutrennen und meist benutze ich eine Mischung aus beiden Methoden. Wie immer ist es "es kommt darauf an": je nachdem, wie sich der Stoff verhält, versuche ich behutsam und vorsichtig die Naht zu lösen, so dass es möglichst schnell geht und der Stoff möglichst gar nicht verletzt wird.

Die erste Möglichkeit ist, dass ihr von der linken Stoffseite aus mit der Spitze unter einen sichtbaren Teil einer Naht stecht und diesen Teil der Naht aufschneidet. Wenn ihr dies bei jeder dritten oder fünften Stelle macht, könnt ihr euer Werkstück umdrehen und die Fäden auf der anderen Seite herausziehen.





Die zweite Möglichkeit ist, dass ihr - wenn ihr bereits ein Stück getrennt habt - die zusammengenähten Stoffbahnen auseinander zieht und jeweils den Faden in der Mitte, zwischen den Stoffbahnen, auseinander schneidet. Der Nachteil dieser sehr schnellen Methode des Aufschneidens ist, dass ihr hinterher eine ganze Menge kleiner Fädchen aus den Stoffstücken herauszuppeln müsst.



Mit einem Nahttrenner genähte Knopflöcher aufschneiden

Neben dem ärgerlichen Trennen, bei dem der Nahttrenner euch behilflich sein kann, wird der Nahttrenner auch gerne zum Aufschneiden von Knopflöchern eingesetzt. Ich finde das geht ganz prima, wenn frau eine Sache beherzigt. Damit die schönen genähten Knopflöcher beim Aufschneiden nicht zerstört werden, ist es eine gute Idee, an das Ende eines Knopfloches, eine Stecknadel zu stecken. Diese kann den Schwung beim Aufschneiden bremsen.




Brauche ich einen Super-Nahttrenner?


Nahttrenner gibt es als "Pfennigartikel" in klein und ganz günstig, aber auch in Wunschfarbe und ergonomisch geformt. Ich besitze alle möglichen Varianten und kann euch versichern: alle Varianten verschwinden mit gleicher Regelmäßigkeit irgendwo. Ich nutze immer den, der gerade auffindbar ist und habe keinen anderen Grund, wieso ich diesen oder jenen bevorzuge.

Sehr ihr das anders? Schwört ihr auf ergonomische Nahttrenner oder ein besonderes Design? Wozu benutzt ihr den Nahtrenner? Was habe ich noch vergessen? Ich bin gespannt!


Alle Beiträge der Blogserie findet ihr unter dem Stichwort "Nähwerkzeuge" oder durch Klick auf den Link. Vorherige Beiträge:

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Mittwoch, 8. Februar 2017

MMM - Abschied vom MMM



Dieser Beitrag erscheint auf dem Me Made Mittwoch-Blog und der Vollständigkeit halber auch hier. Ein letztes Mal bin ich heute die Gastgeberin für unser wöchentliches Defilée- ein komisches Gefühl. Aber zuerst zu den Klamotten.

Ich habe mir ein "Nachthemd" und einen "Bademantel" genäht und weiß nicht so recht. Schon seit einiger Zeit ist "Oversize" ein Modethema und wider besseren Wissens, wollte ich mich doch mal daran versuchen. Oversize finde ich an zarten, mädchenhaften Frauen ganz hinreißend. Auch ich springe sofort an, wenn ich die durch oversize Klamotten unterstrichende Hilfsbedürftigkeit sehe. Das Problem ist allerdings: das Zarte und Mädchenhafte ist bei einer Plus-Size-Frau zwar auch vorhanden, wird aber leicht im Gesamteindruck übersehen.



Für meine Figur bevorzuge ich normalerweise Kleidungsstücke, die auf Figur geschnitten sind und mit ihren Designlinien Form geben bzw. dem Auge halt bieten. Abnäher machen Kleidungsstücke dreidimension und schaffen dort Raum, wo Raum gebraucht wird. Teilungsnähte strecken und formen. Seit dem ich dem "Litfasssäulenlook" abgeschworen habe, hatte ich mich eigentlich dem Thema "Wallewalle" verabschiedet. Aber Mode, insbesondere die unter Nähfreundinnen, geht nicht spurlos an mir vorbei, deswegen ersehnte ich schon länger einen sehr langen Cardigan. Außerdem freute ich mich wie Bolle, dass es die La Maision Victor-Nähzeitschrift, als Sonderheft für große Größen gibt. (Hier habe ich sie besprochen.) In diesem Heft fand ich ein Kleid, dass mich an mein vielgeliebtes und abgeliebtes Reisekleid erinnerte.






Das Kleid ist sehr gemütlich und ein guter Ersatz für das geliebte Reisekleid mit ähnlicher Silhouette. Wenn ich es trage, dann suhle ich mich in Gemütlichkeit und kann die Mode, diese Vorliebe für "Freizeitisierung" der aktuellen Mode gut nachvollziehen. Doch ein Bild von der Seite zeige ich lieber nicht - diesen Eindruck möchte ich doch nicht aller Welt zeigen und für die Ewigkeit ins Internet stellen.

Da sowohl Kleid als auch Cardiganmantel aus schönem Material genäht sind, tragen sie sich sehr angenehm. Genäht waren beide Kleidungsstücke irre schnell: zack, zack mit der Ovi zusammengetackert, naturgemäß wenig Schnittanpassungsarbeit im Vorfeld und Anpassungen nach dem Nähen. Ich kann die Freude an schnellen Erfolgserlebnissen, die Begeisterung für Jerseyoberteile nähen und den Spaß an der "Gelinggarantie" von Oversizemodellen verstehen.





Kleiderschnitt: Bea aus La Maison Victor spezielle XL
Material: mitteldicker Seidenjersey vom Kaufhof am Ostbahnhof vor X Jahren

Cardigan: Stoff und Stil, Artikelnr.7300746, 25 cm verlängert
Material: Romanit/Courtelle, Stoff und Stil, 70 % Viscose, 27%Polyester, 3%Elastan






Genäht habe ich die beiden Kleidungsstücke, weil ich etwas brauchte, was ich als Gastgeberin beim Me Made Mittwoch zeigen kann. Die Werbefreiheit und das Zeigen der genähten Kleidung am echten Menschen, sind das, was den MMM besonders macht. Dafür habe ich immer wieder in Diskussionen, mit Engagement und auch, wenn ich Beiträge löschte und meinen Namen darunter schrieb, eingestanden.

Jetzt nähe und trage ich aber eigentlich nur noch Kleidungsstücke nach Schnittmustern, die ich verkaufe - diese Kleidungsstücke kann ich natürlich bei unserer werbefreien Aktion nicht zeigen. Will ich bei der Verlinkungsaktion mitmachen, kann ich nur etwas Altes zeigen oder muss mir extra etwas dafür nähen. Nachdem ich nun Schnittmuster verlege, Nähbücher schreibe und Workshops zu Schnittanpassungen gebe, dreht sich in Großteil meines Lebens um Nähen. Das ist toll, aber eben auch viel. Das ehrenamtliche Engagement als Teil des Me Made Mittwochs-Teams hat mir viel Freude bereitet, aber in den letzten Monaten ist es mir immer schwerer gefallen, die Aufgaben auch noch in meinem prall gefüllten Alltag unterzubringen.







Nach fast 5 Jahren als Mitorganisatorin des Me Made Mittwochs gebe ich den Staffelstab nun weiter. Die Entscheidung, das Team zu verlassen, ist mir schwer gefallen, denn ich hänge mit ganzem Herzen an der Idee des Me Made Mittwochs. Ich bin froh, dass der MMM in guten Händen ist, das machte mir meine Entscheidung leichter! Die Kommentare zu dem Beitrag, in dem die Veränderungen angekündigt wurden, haben mich sehr berührt. Ganz herzlichen Dank dafür. Und ganz herzlichen Dank, dass ihr alle den Me Made Mittwoch in den vergangenen Jahren mit Leben gefüllt habt! Ich freue mich darauf, eure Beiträge zu sehen, ganz ohne Verpflichtung, einfach nur, weil ich es schön finde, euch zu sehen!