Freitag, 20. Oktober 2017

Onlinekurs: "Auf Nummer sicher - ab jetzt wählst du die richtige Größe für dein Nähprojekt"



Gestern, im Webinar „Messen ist super“ habe ich es schon erzählt und im letzten Blogbeitrag schon angedeutet, aber jetzt auch noch mal offiziell für euch, liebe Blogleserinnen: Nachdem ich lange im Geheimen vorbereitet habe, geht in wenigen Tagen mein erster Onlinekurs an den Start, zu dem Du dich schon jetzt anmelden kannst. Online deshalb, damit ich euch etwas vermitteln kann, egal, ob ihr um die Ecke wohnt oder am anderen Ende Deutschlands. 

Ich fange mit einem sehr grundsätzlichen Thema an, mit Wissen, das frau braucht, um passende Kleidung zu nähen und wer eins und eins zusammenzählt, kann sich schon denken, worum es geht: „Auf Nummer sicher - ab jetzt wählst du die richtige Größe für dein Nähprojekt“ heißt der Onlinekurs und hier kannst Du dich dafür anmelden: --> *klick* 


Gut passende Kleidung macht stark und schön!


Ich kann mich noch so gut an den Mary-Poppins-Moment in meinem Leben erinnern, als ich zum ersten Mal ein selbstgenähtes Kleidungsstück vor dem Spiegel anprobierte, dass wirklich aus meinen Träumen entsprungen schien. Genau so einen Mantel wollte ich schon immer haben, genau so sollte meine Kleidung sein, mit der ich der Welt begegne und jetzt hatte ich ihn mir selbst genäht. Das war der Moment, der alles verändert.

Fortan wollte ich nur noch das für mich nähen, das wirklich (zu mir) passt. Ich beschloss alles über das Anpassen von Schnittmustern zu lernen und Schnittmuster, statt sie hoffnungsvoll umzusetzen mit dem Risiko, dass es anschließend eine Enttäuschung wird, vor dem Nähen zu Maßschnittmustern für mich zu machen. Ich hatte genug von dem Glücksspiel, das mein Nähen vorher war, ich hatte die Nase voll von UFOs und TFTs. Ich wolle Kleidung, die mich schön und stark macht!


Schnittmuster zu Maßschnittmustern machen


Schnittmuster sind nur Ausgangspunkte. Schnittmuster sind genauso Massenkonfektion wie das, was wir in den Läden an Kleidung kaufen können. Schnittmuster werden nicht für einen bestimmten Menschen erstellt, sondern nach einem Größensystem gradiert. Wir Menschen mit unseren individuellen Körpern passen nur manchmal zufällig genau in dieses Größensystem. Vielleicht funktioniert dieses „auf Anhieb passen“ manchmal durch Zufall oder der Jersey sucht sich seinen Weg. Aber je mehr die Ansprüche an selbstgenähte Kleidung steigen, umso mehr Kenntnisse brauchen wir, um aus Schnittmustern Maßschnittmuster für uns zu machen.

Ich suchte nach einer Möglichkeit, mehr Erfolgserlebnisse beim Nähen zu haben und schließlich fand ich einen guten Ausgangspunkt: wenn ich von Anfang an, die richtige Größe wähle, dann muß ich später weniger ändern!


„Kleiner machen geht immer“ ist zwar irgendwie möglich, aber nicht der beste Weg



Näht ihr auch lieber etwas zu groß, nach dem Motto „kleiner machen geht immer? Ich nähte lange Zeit unförmige Säcke, obwohl ich eigentlich Kleidung haben wollte, die meiner Figur schmeichelten. Ganz oft, mußte ich auf ein Schnittmuster verzichten, weil es dieses gar nicht in meiner „auf-Nummer-sicher-Größe“ gab. Nach dem Nähen verbrachte ich viel Zeit mit Anpassungen, die ich nur sehr schwer auf das Schnittmuster übertragen konnte oder war genauso enttäuscht von meinen Nähwerken, wie von gekauften Klamotten. Bis ich erkannte, dass ich es mir mit dieser Strategie unnötig schwer machte.

Seit dem ich weiß, wie ich die richtige Größe auswähle, muß ich auch nicht mehr viel am Schnittmuster ändern bzw. am fast fertigen Kleidungsstück ändern. Dazu braucht es Hintergrundwissen und Erfahrung und das möchte ich gerne mit euch teilen.


Nach dem Onlinekurs findest du in jeder Maßtabelle, deine richtige Größe



Aber was ist die „richtige Größe“ und wie finde ich sie raus? Wie kann ich meinen Körper vermessen, Maßtabellen lesen und interpretieren und aus diesen Erkenntnissen zusammengenommen genau die Größe auswählen, bei der ich ein schnelles Erfolgserlebnis habe, weil ich möglichst wenig anpassen muß? Alles das, zeige ich dir im Onlinekurs.

Ein Onlinekurs ist eine super Sache. Du lernst bequem von zuhause aus und nimmst dir jeden Tag dafür ein Zeitfenster, wann es für dich gut passt. Du bekommst von mir Lernmaterial in Form von Texten, Aufgaben und Videos und während des Kurses hast du die Möglichkeit, dich mit anderen und mir zu den Kursinhalten in einer geschlossenen Facebookgruppe auszutauschen. Der Kurs findet zu einem festen Zeitpunkt statt und ist zeitlich begrenzt, damit du auch wirklich loslegst und möglichst schnell Erfolgserlebnisse hast.


Deine Vorteile, wenn Du dir schnell ein Herz fasst:


Für alle, die sich bis morgen (Samstag Abend) zum Kurs anmelden, biete ich einen Frühbucherrabatt, denn es ist mir großes Anliegen, dass der Kurs mit ausreichend Teilnehmerinnen stattfindet.

Dieser erste Onlinekurs ist ein Pilotkurs, den ich später aber noch oft anbieten möchte. Im Pilotkurs ist möglicherweise noch nicht alles perfekt, aber du kannst mir mit deinem Feedback ermöglichen, den Kurs so gut wie möglich zu machen. Deswegen biete ich Dir den Kurs zu einem Pilotpreis.

Für die ersten 10 angemeldeten Teilnehmerinnen habe ich noch einen Bonus: Gehörst du zu diesen Earlybirds, dann lade ich dich zu einem Live-Webinar in kleiner Gruppe ein, bei der wir anhand deiner Maße klären, auf was du bei der Auswahl der richtigen Größe achten solltest.

Hier geht es zum Kurs und zu der Anmeldung —> *klick* 

Bist du noch unsicher, ob der Kurs bzw. ein Onlinekurs das Richtige für dich ist? Hast du Fragen zu den Inhalten oder zum Thema Onlinekurs? Dann immer her damit. Sehr gerne beantworte ich dir hier in den Kommentaren deine Fragen, denn ich würde mich sehr freuen, Dich in meinem Kurs zu begrüßen. 

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Messen ist super!




Wenn ich in meinen Kursen meine Maßbänder zücke, mich räuspere und sage "jetzt seid ihr dran", dann schaue ich zunächst einmal in weniger begeisterte Gesichter. Obwohl jede Hobbynäherin natürlich sehr gerne eine Maßtabelle mit den eigenen Maßen hätte, die richtig korrekt gemessen sind. Das Messen an sich, das Aufschreiben der Zahlen, das Vergleichen der eigenen Maße mit den Werten in den Maßtabellen, das ist für viele gar nicht so leicht.

Es gibt in Büchern, in Nähzeitschriften und natürlich auch im Internet viele Anleitungen dafür, an welchen Stellen des Körpers gemessen werden muß - mal mehr, mal weniger ausführlich - aber es gibt wenig Hilfe dabei, wie frau mit den gemessenen Ergebnissen umgehen könnte. Theoretisch ist den Meisten sicherlich klar, dass die eigenen Maße mit der Maßtabelle verglichen werden und so, die richtige Größe ausgewählt und die notwendigen Anpassungen bestimmt wird. Aber praktisch müssen vor der nüchternen Interpretation erst einmal die eigenen Ergebnisse verdaut werden. Wer kennt das nicht, wir hören Maße, die anders klingen als 90-60-90 und zack setzen die Bewertungen ein. Dann höre ich Sätze wie "ich habe eine Birnenfigur" oder "mein Bauch ist zu dick" - von der nüchternen Überlegung beim Schnittmuster anpassen genau dort Weite einzufügen, wo Weite gebraucht wird, ist diese Kategorisierung, die in den meisten Fällen nicht die allerbesten Gefühle auslöst, weit entfernt.

Aber messen ist super! Es nützt viel mehr, als das es uns zu verunsichern braucht. Im Webinar, heute Abend um 20.30 Uhr , erkläre ich dir warum, wie und was du dabei beachten solltest. Hier kannst du Dich zum Webinar anmelden:

https://crafteln.clickmeeting.com/messen-ist-super/register

Ich freue mich auf Dich!

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Me Made Mittwoch mit dem ersten Kleid mit der neuen Nähmaschine




Wer mein Blog schon länger liest, weiß, dass ich immer mal wieder mit der aktuellen Mode kämpfe - zum Beispiel mit dem Thema "eleganter Sack". An anderen finde ich diese Hängerchenkleider reizend, aber bisher war es mir noch nicht wirklich gelungen, diese Silhouette zufriedenstellend für mich umzusetzen. Aber das Thema ließ mich nicht los.




Als ich den Mikrofaserstoff entdeckte, wollte ich ihn sofort haben: Blumen, Vögelchen und das auf einem traumhaft matten hellpetrol, das eben kein türkis ist. Und da gerade meine neue Nähmaschine bei mir eingezogen war, traute ich mich auch mal an so einen flutschig-fließenden Stoff ran. Mir war allerdings klar, dass ein Stoff, der sich so anders anfühlt, als die Stoffe, die ich sonst trage und vernähe auch ein anderes Schnittmuster braucht als sonst. Also probierte ich es mal wieder mit einem eleganten Sack.



Leider gab es das Schnittmuster (ebenso wie der Stoff von Stoff und Stil) nicht in meiner Größe - aber das hält mich natürlich nicht ab! Ich sah das als gute Möglichkeit, mal wieder zu experimentieren und euch an meinen Erkenntnissen teilhaben zu lassen.


FBA bei Oberteil mit angeschnittenen Ärmeln


An einer FBA (kombinierte Längen und Weitenänderung um mehr Platz für die Brust zu schaffen) für ein Schnittmuster mit angeschnittenen Ärmeln hatte ich mich schon ein paar Mal erfolglos versucht, doch diese Herausforderung ließ mich nicht kalt - bei diesem Projekt ist es mir dann auch endlich gelungen. Aber was ist das Problem bei den angeschnittenen Ärmeln? Bei einer FBA wird eine Hilfslinie vom Brustpunkt zu einer Markierung 1/2 des Armausschnitts gezeichnet. Aber wo soll diese hin, wenn kein Armausschnitt existiert?



Ich löste das Problem, in dem ich mir das Armloch einfach dachte. Also eine Stelle annahm, an der die Linie ungefähr verlaufen könnte. Diese und die Lage des Brustpunktes bestimmte ich, in dem ich mir das Schnittmuster so gut wie möglich anhielt, immer darauf achtend, dass die Schulternaht die Schulter trifft und die vordere Mitte möglichst parallel zur vorderen Mitte verläuft.



Ich fand, ein eleganter Sack wird kein eleganter Sack, wenn er einen konventionellen Brustabnäher, als von der Seitennaht aus im rechten Winkel zum Brustpunkt. Ich stellte mir vor, dass es viel eleganter aussehen würde, wenn der Abnäher aus der Taille kommt - deswegen sieht er so schief aus. Allerdings war das ein wenig vergebliche Liebesmüh, denn bei diesem gemusterten Stoff, sieht frau den Abnäher kaum. Vielleicht hätte ich den Abnäher doch konventionell machen und dem Kleid dafür Taschen spendieren sollen?

ok, gebügelt sähe es noch besser aus


Um auch den Rücken zu verbreitern, habe ich das Rückenteil auseinander geschnitten und so eine Naht in der hinteren Mitte produziert, an der ich weiten und anschließend auf Figur anpassen konnte. Natürlich wurde dadurch der Halsausschnitt zu weit, dort mußte ich ordentlich enger nähen. Aber da ich den Halsausschnitt sowieso "frei Schnauze" größer geschnitten hatte, war das sowieso nicht mehr der Originalausschnitt. Die Rückenansicht findet ich noch suboptimal. Man sieht, dass ich es am Halausschnitt lieblos enger nähte und das die Ärmel für mich noch zu eng sind. Außerdem finde ich, dass man dem Kleid "einen Tag am Schreibtisch sitzen" zu viel ansieht, dafür, dass es Polyester ist.



Genäht war das Kleidchen dann flott, denn die Säume und den Halsausschnitt habe ich flott mit Rollsaum genäht. Ich konnte es kaum erwarten, die kreisrundgeschnittenen Ärmelchen anzusetzen und es anzuprobieren. Schick!



Ich freue mich sehr über meinen neuen eleganten Sack und wedele manchmal freudig mit den unpraktischen Ärmeln und da ich ausnahmsweise auch mal wieder ein Schnittmuster genäht habe, das nicht von mir verlegt wird, kann ich damit auch endlich mal wieder beim Me Made Mittwoch mitmachen. Das freut mich sehr, denn der MMM ist nach wie vor für mich, die Verlinkungsaktion der deutschen Nähszene, die ich gerne anschaue und bei ich wunderbare Inspirationen finde. Danke MMM-Team, fürs organisieren!


Dienstag, 17. Oktober 2017

Webinar: "Messen ist super" am Donnerstag um 20.30 Uhr



Die Grundlage für passende Kleidung ist das Vermessen des Körpers, für den ihr näht. Ohne die Kenntnis der eigenen Maße ist es ein Glücksspiel, passende Kleidung zu nähen. Dabei wollen wir doch alle Kleidung nähen, die gut zu uns und unserem Leben passt! Deswegen finde ich messen super und super spannend. Und weil mir das Webinar am Sonntag so viel Freude bereitet und den Teilnehmerinnen gut gefallen hat, erzähle ich euch am Donnerstag Abend etwas über das Messen und was es dabei zu beachten gilt.

Hier könnt ihr euch für das kostenlose Webinar anmelden:

https://crafteln.clickmeeting.com/messen-ist-super/register

Ich freue mich auf euch, am Donnerstag, den 19.10.2017 um 20.30 Uhr!


Montag, 16. Oktober 2017

Neue Nähmaschine!




(Werbung)
Da kommst du morgens ins Büro und denkst: "Wie gut, dass ich Weichei bei dem Schietwedder mit dem Auto statt mit dem Bus gefahren bin! Yeah, ich habe eine neue Nähmaschine. Sie ist da! Das langersehnte Sahnestückchen!"

Aber von Anfang an: Im März, auf der h+h Handarbeitsmesse, habe ich die netten Menschen von elna Deutschland kennengelernt. Rosa p und ich waren gemeinsam unterwegs und am Stand von elna wurde rosa p mit großem Hallo begrüßt, während ich noch ein wenig schüchtern an der Seite stand. Die Gespräche war dann so nett, dass elna und ich in Kontakt blieben und so hat sich nun eine Kooperation entwickelt. Ich werde für elna schreiben und damit ich auch weiß, über was ich schreibe, habe ich eine Nähmaschine und die Gelegenheit bekommen die Menschen hinter elna ausführlich kennenzulernen, um zu schauen, was elna so kann. Deswegen ist dieser Beitrag mit "Werbung" markiert. 

Ich konnte es natürlich kaum abwarten, nachhause zu fahren, um die Nähmaschine auszupacken. Ich bin sonst nicht so geduldig und eher der Typ "schnellaufreißen", aber ich malte mir den ganzen Tag über aus, wie es wohl sein wird, das Schätzchen auszupacken. So ein Moment muss natürlich zelebriert werden! Ehrlich gesagt, hätte ich niemals gedacht, dass jemals so ein Sahnestückchen bei mir einziehen würde. Aber nun war sie da!



Die Menschen von elna verstehen wirklich  was von Nähmaschinen und lieben, was sie tun


Als ich im Juni elna in Neumünster besuchte, hatte ich die Gelegenheit drei Maschinen ausführlich auszuprobieren und die Menschen und Philosophie von elna besser kennenzulernen. Frau Andrea Jochem, die Fachfrau von elna, die Teamleiterin für Produktschulungen für die NähmaschinenhändlerInnen durchführt, erklärte mir ausführlich und geduldig alles über die Maschinen und natürlich durfte ich auch mit den unterschiedlichsten Stoffen und Füßchen Probenähen. Ich begann mit der elna 680: eine tolle Maschine, zu einem fairen Preis mit unglaublichen Funktionen und ich war verliebt. Ich dachte daran, wie meine Mutter oft flucht, wenn sie mit einer Nähmaschine, die genauso alt wie ich ist, Jersey näht und hätte sie am liebsten gleich mitgenommen und meiner Mutter geschenkt. Die würde sie glücklich machen!

Dann wechselte ich zu der elna 720. Auch ein tolles Ding, aber ich glaube, sie ist eher der Typ Nähmaschine, der für die Fans von Industrienähmaschinen attraktiv ist, da sie ein Flachbett und keinen Freiarm hat. Das ist echt ein Arbeitstier, alles aus Metall und irre schnell. Ich habe erfahren, dass die Maschine demnächst als 720 PRO mit neuen Funktionen auf den Markt kommt. Schon spannend, aber ich glaube, sie ist eher für die Wirklich-Vielnäherinnen, zu denen ich ja bekanntlich nicht gehöre. Allerdings der Obertransport der 720 hatte es mir schon sehr angetan. Bisher habe ich es vermieden, arg flutschiges Zeug zu nähen. Was wäre, wenn ich so eine Maschine mit Obertransport hätte? Würden dann so entzückend flattrige, flutschige Blüschen in meinem Leben Einzug halten?


Spoiler: Ja! Aber davon mehr im nächsten Blogbeitrag


Alleskönnerinnen sind besonders beliebt


Es war total spannend, mit Frau Jochem zu reden. Endlich verstand ich, was der Unterschied zwischen Haushaltsnähmaschinen und Industrienähern ist! Im Prinzip ist das ganz einfach: während es in der Industrie für jeden Zweck eine Maschine gibt, sollte eine Haushaltsmaschine möglichst alles können: Webware und Jersey nähen, Knopflöcher nähen und vieles mehr. So eine Haushaltsnähmaschine ist also ein ziemlich komplexes Ding, deswegen gibt es auch so viel Auswahl an Modellen.

Eine Haushaltsnähmaschine muss viel können, aber trotzdem brauchen Quiltnäherinnen dann doch oft auch andere Features als Bekleidungsnäherinnen. Genau das macht es für Nähmaschinenkäuferinnen - besonders wenn sie noch nicht so viel Erfahrung haben und eigentlich noch garnicht genau wissen, was sie in Zukunft alles nähen werden -  auch so schwierig, das passende Modell auszuwählen. Deswegen müssen wir alten Hasen immer mal darüber schreiben und erklären, warum wir was wie machen! Ich gelobe das zu beherzigen.

Bei den elna-Maschinen gefiel mir besonders, dass ich die Stichplatte mit einem Klick abnehmen kann. Wie oft habe ich bei meiner alten Nähmaschine die Stichplatte abgeschraubt, weil die Maschine mal wieder den Stoff gefressen hatte und wie selten habe ich sie gereinigt, weil ich zu faul war, die Stichplatte abzuschrauben. Shame on me! Und dann diese ganzen Füßchen! Das ist echt ne Wissenschaft für sich mit den ganzen Füßchen. Was frau damit alles tun kann! Da freue mich mich schon darauf, das auszuprobieren!


Stichplatte auf Knopfdruck lösen, statt umständlich mit Schraubendreher


Ist "mehr immer mehr" oder ist es doch umgekehrt?


Aber ich schweife ab. Also, zu guter Letzt kam dann die Königsklasse, die Excellence 780 und was soll ich euch sagen - diese Maschine schüchterte mich zunächst völlig ein. Vielleicht waren es das das Glitzern in den Augen und die Schwärmereien von Frau Jochem oder die Tatsache, dass ich keinerlei Vorstellung davon habe, wozu ich kleines Meikchen jemals drei Stichplatten und so viele Stiche brauchen würde. Ich stellte mir das dazugehörige Handbuch wie eine Bibel mit so dünnem Papier und ähnlich vielen Seiten vor und traute mich kaum, die Maschine anzufassen.





Als sich zögerlich meine Finger dem "An-Knopf" näherten und das Display anging, war ich schon beeindruckt. Das ist wirklich intuitiv. Vielleicht muß ich gar nicht in die dazugehörige Bibel schauen, um eine Naht zu nähen? Der Touchscreen machte es mir leicht, ins Ausprobieren reinzufinden, aber das prall gefüllte Zubehörfach erschlug mich wieder. So krass, was da alles dabei ist!

Als Frau Jochem dann den Scheinwerfer das verstellbare Licht aus der Maschine zog und mir den Nadeleinfädler zeigte, war es um mich geschehen. Ich werde ja auch nicht jünger; Nadel einfädeln und dunkle Stoffe in schlechtem Licht nähen, fällt mir auch mit Gleitsichtbrille immer schwerer. Ist es nicht großartig, dass es dafür Hilfsmittel gibt? Ich war begeistert.


Was spricht eigentlich dagegen, eine wirklich tolle Nähmaschine zu besitzen?


Trotzdem war ich immer noch respektvoll gegenüber der Maschine erstarrt. Das ist schon ein dickes Ding! Brauche ich so etwas? Und dann dachte ich an andere Hobbys und die dazugehörigen Ausgaben, ich dachte daran, was ein Satz schicke Felgen für ein Auto kostet (und mich überhaupt nicht glücklich mach) und ich erinnerte mich an das Mantra, das ich selbst oft sage "es macht nur Freude, etwas zu tun, wenn das Werkzeug gut ist". Stimmt, dachte ich, warum eigentlich nicht! Was spricht eigentlich dagegen, eine wirklich tolle Nähmaschine zu haben? Wenn das Nähen doch das ist, was uns entspannt und glücklich macht, dann soll es doch auch leicht von der Hand gehen!






Und jetzt steht diese wunderbare elna780 hier bei mir zuhause und ich betrachte sie immer noch mit großem Respekt. Gleich werde ich sie wieder einschalten und ausprobieren - wahrscheinlich immer noch etwas zögerlich. Wir werden vermutlich ein bisschen brauchen, um miteinander warm und beste Freundinnen zu werden. Ich bin gespannt, aber ich freue mich wie Bolle! Und ich werde berichten!





P.S. Mittlerweile sind wir schon Freundinen geworden und das erste Kleid ist genäht und auch endlich fotografiert. Das ging wirklich super und ich bin schon begeistert, obwohl ich erst eines der unzähligen Füßchen und zwei Stiche ausprobiert habe. Das Kleid zeige ich euch am Mittwoch!

Samstag, 14. Oktober 2017

Webinar am Sonntag: Das Geheimnis der passenden Stoffmenge




Heute arbeite ich mal wieder im Stoffladen und morgen erzähle ich euch etwas davon, was ich im Stoffladen machmal mache: ich verrate das Geheimnis der passenden Stoffmenge.

Allerdings habe ich oft den Eindruck, dass viele Kundinnen dieses Geheimnis gar nicht interessiert. Die einen "kaufen immer 2 Meter" und die anderen sagen "Fräulein, sagen sie mal, wieviel brauche ich für..." ohne das Projekt näher zu erläutern. Dabei könnte ich ihnen erklären, warum, wieso, weshalb, wenn sie nur mal fragen würden! Aber geht es euch nicht auch so, dass ihr nicht dauernd 34 cm Stoff übrig haben wollt oder gerne Faustregeln zum Stoffkauf im Kopf hättet?

Ich kann mir Regeln stets besser merken, wenn ich verstehe, warum das so ist. Falls euch das auch so geht, dann nehmt euch Sonntag Vormittag ein halbes Stündchen Zeit und ich weihe euch in das Geheimnis der passenden Stoffmenge ein. Am Sonntag Vormittag von 11.30 Uhr bis 12 Uhr veranstalte ich ein Webinar zum Thema: das ist ein Live-Event, an dem ihr über das Internet teilnehmen und mir über den Chat Fragen stellen könnt. Ich freu mich auf euch!

Dafür anmelden könnt ihr euch hier: ---> *klick*

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Du hast die Wahl: ein Stadtmantel mit Teilungsnähten oder mit Abnähern




In den letzten Tagen habe ich euch einige Bilder des Stadtmantels gezeigt - ich freue mich, wie gut der Mantel bei euch ankam, es ist aber auch ein wirklich tolles Schnittmuster! Gestern kam dann die Frage auf, wie das eigentlich mit den Teilungsnähten und den Abnäher so ist. Die beantworte ich natürlich gerne!


Was sind Abnäher und was sind Teilungsnähte


Ich fange mal ganz grundlegend an. Sowohl Teilungsnähte als auch Abnäher sind dazu da, um einen dreidimensionalen Körper formschön mit einem zweidimensionalen Stoff zu umhüllen. Immer dann, wenn Körperformen und -Konturen "gezeichnet" werden, dann braucht es Abnäher (oder Teilungsnähte), um an Stellen, an denen weniger Stoff gebraucht wird, diesen zusammen zu halten, damit an anderen Stellen, an denen mehr Stoff gebraucht wird, diesen dort zur Verfügung zu stellen. Abnäher sind also immer da, wo ein Kleidungsstück enger werden soll bzw. zeigen auf eine breitere Stelle.

Die bekanntesten Abnäher im Oberteil sind Brustabnäher, die von der Seitennaht auf die Brust zeigen. Der Abnäher endet kurz vor dem Brustpunkt (der breitesten Stelle der Brust) und nimmt seitlich der Brust die überschüssige Stoffmenge weg. Das ist ganz logisch, denn die Seitennaht an Vorderteil und Rückenteil muß gleich lang sein, um verbunden zu werden, aber das Vorderteil braucht eigentlich mehr Länge, "um den Weg über die Brust zu gehen".


Wo ein Abnäher liegt, ist eine Frage des Designs


Abnäher sind aber nicht nur funktional, sondern auch eine Frage des Design. Sie schaffen auch Linien, an denen das Auge hängen bleibt und sich erfreut. Da Abnäher mit ein bisschen Hintergrundwissen auch verlegt werden können, können sie an verschiedenen Stellen liegen - gerade so, wie es die Designerin für dieses Modell schön findet - und dort das Auge erfreuen und ihren Job tun. Außerdem können Abnäher auch geteilt werden - sprich aus eins mach zwei - um den Abnäherinhalt zu verteilen. Das heißt, den DesignerInnen stehen eine Menge an Möglichkeiten zur Verfügung, wie sie den zweidimensionalen Stoff so gestalten, dass er gut um den dreidimensionalen Körper passt und dass das Design etwas Besonderes wird.




Der Stadtmantel hat in seiner Originalversionen im vorderen Oberteil zwei Abnäher: einen Schulterabnäher und einen Brustabnäher. Beide dienen dazu, den Oberköper unter Berücksichtigung der Brustwölbung schön zu umhüllen. Der Brustabnäher ist jedoch kein klassischer Brustabnäher, der auf Höhe des Brustpunktes aus der Seitennaht kommt. Die Designerin des Stadmantels, Melinda Stokes, entschied sich dafür, ihn schwungvoll von unten kommen zu lassen.

Als wir darüber sprachen, das Design des Stadtmantels auch fülligeren Frauen zur Verfügung zu stellen und ich ausprobierte, ob das für meinen Körper funktioniert, entschieden die Designerin und ich, dass es bei runderen Frauen und größeren Oberweiten schicker aussieht, die beiden Abnäher zu zu einer Teilungsnaht zu verbinden. Es bleibt euch natürlich frei, ob ihr die Abnähervariante näht oder den Stadtmantel mit Teilungsnaht, aber wir empfehlen, bei einer größeren Körbchengröße die Teilungsnaht.

--> mit *klick* kommst du direkt zum Schnittmuster des Stadtmantels. In meinem Schnittmusterkiosk gibt es auch den passenden Walk und die dazugehörigen Druckknöpfe!


Je besser du die Konstruktion verstehst, umso passformgenauer kannst du nähen


Ist das nicht spannend?! Ich finde solches Hintergrundwissen zum Nähen wahnsinnig spannend. Für mich waren das immer große Aha-Effekte, wenn ich vor oder beim Nähen nicht nur entdeckte, wie sich die einzelnen Stoffteile zu einem großen Ganzen zusammenfügen, sondern auch noch verstand, warum das funktioniert. Und deswegen erkläre ich auch so gerne euch, wie Konstruktion funktioniert und ihr Schnittmuster anpassen könnt.

Für alle die das genauso spannend finden, wie ich und Lust haben darüber etwas zu lernen und gerne von mir auf Blogartikel oder Veranstaltungen zum Thema "Schnittmuster anpassen" hingewiesen werden möchte, habe ich eine spezielle Email-Liste angelegt, die meinen Newsletter ergänzt. --> *klick* Hier könnt ihr euch dafür eintragen. 

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Rückblick auf #genähte Lieblinge und Frage: Möchtet ihr ein Shirt-Schnittmuster von crafteln?




Es war so toll! Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben. 166 Beiträge auf Instagram sind zusammengekommen von ganz unterschiedlichen Teilnehmerinnen. Manche Gesichter und die dazugehörigen Nähprojekte waren mir schon vertraut, aber besonders toll fand ich, auch neue Hobbynäherinnen zu entdecken.

Und zu entdecken gab es eine ganze Menge, denn die gezeigten Lieblinge waren so verschieden. Das war wirklich ein buntes Bild, das wir gemeinsam gemalt haben. Dieses große Ganze möchte ich gar nicht zu sehr interpretieren und damit zerpflücken, obwohl mir schon ein paar Dinge aufgefallen sind, die für mich als Schnittmusterverlegerin wichtige Informationen sind. Vielen Dank, dass ihr meiner Einladung gefolgt seid, auf Instagram mehr als nur ein Bild zu zeigen - gerade die Begründungen habe ich wirklich gerne und mit großem Interesse gelesen, denn es ging mir ja um bewährte Sachen. Einschätzungen dazu finde ich in der Blogwelt so selten und sie auf so einem geballten Haufen zu haben, finde ich einfach großartig. Danke!

Habt ihr gesehen? Ejasfreudentränen hat einen zusammenfassenden Bericht über ihre Challenge-Beiträge geschrieben. Das ist toll, denn neben der Buntheit der großen Gruppe, gibt es ja auch noch die wertvollen Einzelbetrachtungen, die in der Challenge so nur schwer auffindbar sind. Schreibe doch auch du einen Rückblick - ich würde mich freuen und verlinke es gerne.

Die Challenge ist vorbei, aber alles ist noch da


Doch abseits von diesem kleinen Wehmutstropfen: es lohnt wirklich, sich die Beiträge noch mal als Überblick anzusehen und bei einzelnen nochmal genauer zu schauen und nachzulesen. Über den Hashtag #genähteLieblinge findet ihr sie ganz einfach bei Instagram. Es ist eine schöner Laufsteg der Inspiration und zeigt, durch die Zuordnung zu den Fragen, die ich stellte, noch mal schön, was vielen Hobbynäherinnen beim Nähen wichtig ist.






Eine Sache, die mir ganz oft aufgefallen ist sind Shirts. Shirts, Shirts, Shirts. Das hatte ich bisher gar nicht so auf dem Schirm, aber anscheinend nähen ganz viele von euch gerne und häufig Shirts. Dabei las ich, dass es um schnelle und sichere Erfolgserlebnisse ging, aber auch um Wiederholbarkeit und Wandlungsfähigkeit. Viele haben richtig Lust, ein Shirt immer wieder neu für sich zu erfinden. Seitdem ich kaum noch Hosen und Röcke tragen, sind Shirts für mich eher Unterhemden, aber für euch sind sie wichtig, deswegen meine Frage an euch:


Möchtet ihr gerne einen Shirt-Schnitt aus dem Hause crafteln?


Und wenn ja, was muß dieses Shirt haben? Wie soll es aussehen? Das ist jetzt ein großes Wunschkonzert und mit diesen Wünschen werde ich auf die Suche nach einer Designerin gehen, die sie erfüllen und zu einem Design machen kann, dass den Qualitätskriterien von crafteln entspricht, denn unsere Schnittmuster sollen gut sitzen, aus sich selbst Form haben, gut anzupassen zu sein und vor allen Dingen etwas ganz besonders sein und das für EVERY.BODY!

Ich hätte große Lust, mich diesem Thema zu stellen und die Idee umzusetzen - gerade weil es schon so viele Shirt-Schnittmuster gibt und auch viele von euch geschrieben haben, dass sie ihr Lieblingsschnittmuster schon gefunden haben. Doch manchmal sehe ich auch an schönen Shirts noch Optimierungsmöglichkeiten und fände es einfach großartig, ein Schnittmuster zu produzieren, dass auch in einfarbigen Stoff großartig aussieht und für möglichst alle Körperformen perfekt ist. Ob das funktioniert, weiß ich nicht, aber Herausforderungen sind immer spannend!

Schreibt in die Kommentare, ob ihr gerne einen Shirt-Schnitt für nächstes Frühjahr haben möchtet und was dieser beinhalten/können sollte, damit er für euch attraktiv ist.  

Dienstag, 10. Oktober 2017

Lust auf Komplimente?



Gestern postete ich Bilder von mir in Stadtmantel und Ninjakleid und es hagelte haufenweise Komplimente. Während ich das Ninjakleid schlaftrunken aus dem Schrank gezogen hatte, weil das Radio beim Wecken verkündete, wie kalt es draußen sei, hatte ich bei den Rückmeldungen das Gefühl, ich hätte ein sorgfältig zusammengestelltes Outfit an. Nunja, die Strumpfhose hatte schon ein paar Knubbel, weil ich sie letzten Winter schon oft anhatte, die Stiefel habe ich glaube ich auch schon mindestens zwei Jahre und der karierte Mantel passt eben nur zu quasi einfarbigen Kleidern. Ehrlich gesagt, hatte ich mir bei dem Outfit nicht viel gedacht.

Und dann las ich in der Brigitte Woman den Satz "Für diese Mode müssen Sie keine perfekte Figur haben, sondern Lust auf Komplimente". Das bezog sich natürlich auf eine Plus-Size-Modestrecke und verursachte bei mir ein genervtes Augenrollen, denn dieses "du bist trotzdem schön", mag ich gar nicht. Mag sein, das ich es hineininterpretierte, weil ich das nun schon so oft gelesen und gehört habe. Auf "trotzdem schön", kann ich verzichten, auch wenn das noch so freundlich rüberkommt. Lieber mag ich "du bist schön" - ihr versteht, was ich meine, ne?




Aber plötzlich verstand ich, was die Kommentare und Komplimente zu meinen Bildern bedeuteten. Ab gesehen davon, dass sie einfach gefielen, wurde auch kommentiert, dass manche sich gerne eine Scheibe meines Mutes abschneiden würden, denn immerhin traue ich mich, auffällige Farben und Muster zu tragen, ein Hingucker und sichtbar zu sein.

Trotzdem.

Ja, aber warum denn nicht?!

Glaubt mir, nicht jeder Tag ist ein Tag für ein Knaller-Outfit, aber manche Tage eben schon. Wie großartig ist, es dann auch noch mit gemütlichen Klamotten wie dem Ninjakleid und dem Stadtmantel - selbstgemacht und ganz den eigenen Farb- und Musterwünschen entsprechend - den großen Auftritt hinzulegen! In meinem Alter! Mit meiner Figur!

Und das noch nicht einmal trotzdem, sondern einfach so, weil ich es kann!





Ich glaube, ich werde wieder mal öfters mein Outfit fotografieren und zeigen (obwohl ich es immer furchtbar anstrengend finde, Fotos zu machen). Anscheinend gibt es noch so viele Bedenken, das dies und jenes nur schwer möglich sei. Mich haben die vielen Bilder aus dem Internet von echten Frauen in selbstgenähter Kleidung nachhaltig beeindruckt und bestärkt. Und jetzt möchte ich euch bestärken. Trau dich. Du darfst sichtbar sein. Du darfst dich schön fühlen. Ohne trotzdem, einfach, weil du du bist und weil du dir nähen kannst, was dich stark und schön macht!




Wenn wir alle mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen, können wir so stark und mächtig sein. Aber nur, wenn wir den Kopf frei bekommen von angeblichen Vorschriften, wie Frauen zu sein haben. Es liegt an uns, uns das zu erlauben und uns selbst zu ermächtigen. Und wenn du dazu noch einen kleinen Schubs brauchst. Ich bin da!

Freitag, 6. Oktober 2017

Ein Gespräch über Längenänderungen

Für alle, die am Donnerstagabend keine Zeit hatten, live bei unserem Gespräch dabei zu sein, haben wir einen großen Teil des Webinars aufgezeichnet. Elke, von ellepuls.com und ich plauderten über Schnittmusteranpassen und insbesondere um Verlängern. 

Auch wenn das auf dem Video merkwürdigerweise nicht zu sehen ist, wurde auch per Chat mit den Zuschauerinnen nett mitgeplaudert und Fragen gestellt, die wir allerdings hauptsächlich erst nach Ende der Aufzeichnung beantworteten.




Längenänderungen - ein Webinar mit Elke von EllePuls from crafteln on Vimeo.


Uns hat die Veranstaltung viel Spaß gemacht. Für mich ist es eine neue Erfahrung, live im Internet etwas zu erklären. Aber genau dieses lockere Gespräch und die Möglichkeit eben auch spontan auf Fragen von euch einzugehen, fand ich super. Die positiven Rückmeldungen der Teilnehmerinnen haben mich natürlich auch sehr gefreut. Ja, das ist noch mal anders, ein Video zu sehen, statt nur Texte mit Bildern. Ich finde, das ist eine tolle Ergänzung zum Bloggen.  Davon gibts auf jeden Fall mehr!

Wenn Du das nächste Mal rechtzeitig von einem Webinar erfahren möchtest, kannst du dich ganz einfach für meinen Newsletter anmelden.

Service - Links etc. über die wir im Webinar sprachen:


Shirtbox
Buch: "Der große Fotoguide für die perfekte Passform" von Sarah Veblen
App zur Messung der Schulterneigung iLevel - Winkelmesser LITE
Blogbeitrag von Slumra "Alleine vermessen" Teil 1 und Teil 2

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Vorher ändern oder hinterher anpassen?

Das Schnittmuster auf Anhieb perfekt passen ist vermutlich ein unerfüllbarer Wunschtraum. Es sei denn, du nähst extrem Oversize, du erlaubst dem Jersey das Kommando zu übernehmen und fügst dich, wohin er rutscht oder dir ist sowieso alles egal. In allen andere Fällen, mußt du irgendwie ein fertiges Schnittmuster mit deinem individuellen Körper zusammenbringen. 

Wann ist der richtige Zeitpunkt?


Das macht zusätzliche Arbeit und hält uns von schnellen Erfolgserlebnissen ab. Aber erstens ist schneller Erfolg nicht immer das entscheindende Kriterium für Zufriedenheit mit Nähergebenissen und zweitens hat wirklich gute genähte Kleidung auch etwas mit Nachhaltigkeit zu tun. Letztlich ist es eine Frage des Zeitpunktes, wann ich diese zusätzliche Energie aufbringe, mich nicht mit einem vorgefertigten Ding zufrieden zu geben, sondern diese Optimierungszeit investiere. Mache ich das vor dem Nähen oder danach?

Dass dieser zusätzliche Zeitaufwand lästig ist, steht außer Frage. Natürlich möchte ich ein Kleidungsstück, dass ich gerade nähe, so schnell wie möglich anziehen. Ich habe ein Schnittmuster, eine Traumvorstellung, ich habe einen wunderschönen Stoff - da ist es doch klar, dass ich ganz ungeduldig bin, mein Ergebnis in den Händen zu halten, weil ich im Vorfeld hundertprozentig sicher bin, dass es mein Leben verbessern wird.

Ich habe mich sehr früh in meiner Nähkarriere dazu entschieden, eher das Schnittmuster als das fertige Kleidungsstück zu ändern, denn mir ging es stets um wiederholbare Erfolgserlebnisse. Es machte mich wahnsinnig, dass meine ersten Nählehrerinnen zwar wunderbar abstecken konnten, was mir ermöglichte ein gut passendes Kleidungsstück zu nähen, aber sie weigerten sich stets, diese Änderungen auf das Schnittmuster zu übertragen. Ich habe einige Nählehrerinnen verschlissen, denn genau das war mein Ziel. Ich wollte wiederholbare Erfolgserlebnisse, und das individualisierte Schnittmuster, sollte der Schlüssel zu meinem Erfolg sein.

Nachdem ich in den Nähkursen nicht das lernen konnte, was ich wirklich wollte, lernte ich Schnittkonstruktion und das brachte mich dem, was ich wissen wollte, einen großen Schritt näher. Da ich aber keine Designerin bin und das auch nie werden wollte, wandte ich mein Konstruktionswissen auf fertige Schnittmuster an, d.h. es wurde eine Art Arbeitsteilung: der/die DesignerIn dachte sich Silhouette, Details (wie Kragen, Abnäher, Taschen etc.) aus und ich veränderte die grundlegenden Linien hin zu einem Maßschnitt. Das ist auch das, was ich unterrichte: verliebe dich in ein Schnittmuster und mache es dann zu einem Maßschnittmuster.




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Es ist wie immer im Leben: sowohl als auch!


Womit ich allerdings als Näh- und Schnittmusterveränderungsanfängerin nicht gerechnet hatte ist die Erfahrung: jeder Stoff verhält sich anders. Obwohl ich mich mittlerweile gut mit Schnittmustern und mit Stoff auskenne und schon gut voraussagen kann, wie sich ein Stoff verhält, bleibt doch immer noch ein Rest Unsicherheit, wie gut letztlich der ausgewählte Stoff und das Schnittmuster sich zu einem Kleidungsstück am echten Menschen mit allen möglichen Bewegungen verhalten wird. Wie sehr dehnt es sich, wie fällt der Stoff, wie verhält sich das genähte Kleidungsstück mit der darunter gezogenen Unterwäsche oder anderen Kleidungsstücken darunter, darüber, daneben.

Diese Restunsicherheit führt dazu, dass ich nicht nur Zeit für Schnittmusteranpassungen einkalkuliere, sondern dass auch finale Anpassungen zum Nähen von Kleidungsstücken mit guter Passform dazu gehören. So, wie ich bei einem Tier nicht immer voraussagen kann, wie es sich verhält, gewähre ich auch dem Stoff ein gewisses Maß an kapriziösem Verhalten. Ich zerschneide ihn, füge ihn neu zusammen und dann müssen wir erst einmal sehen, wie wir zusammen klar kommen. In vielen Fällen braucht es noch weitere Anweisungen, wie der Stoff sich zu verhalten hat. Das nenne ich Finetuning.


Faustregel: vorher Denken, hinterher Finetuning


Deswegen habe ich mir angewöhnt, alle Weiten- und Längenzugaben im Vorfeld zu machen, aber den Feinschliff der Silhouette (also das enger machen an bestimmten Stellen und das Kürzen), am auf links angezogenen Kleidungsstück abzustecken bzw. die Saumlänge erst als allerletztes zu bestimmen.

Dieses Abstecken auf links kann ich auch alleine vor dem Spiegel machen oder in dem ich mich zwischenzeitlich fotografiere, denn es handelt sich tatsächlich nur noch um ein Finetuning, den letzten Schliff. Wenn ich in Nähblogs von "langen Anpassungsorgien" lese, dann vermute ich stark, dass eben im Vorfeld nichts am Schnittmuster geändert wurde. Wenn erst im Nachhinein angepasst wird, dann führt oft eine Anpassung zum nächsten Problem und so weiter und so fort. Das dauert natürlich und ist nichts anderes als Frickelei. Wenn ich aber im Vorfeld ein Schnittmuster ändere und dabei strategisch die Zusammenhänge bedenke, dann sind meine Anpassungen nur noch ganz kleine Feinheiten. Das Kleidungstück passt schon, aber durch etwas Wegnehmen von Stoff hier oder da, wird die Sihouette verfeinert, ohne grundsätzlich etwas zu ändern und damit die Bewegungsfreiheit einzuschrenken. Es ist ein Nachmalen der Kontur, das Sahnehäubchen quasi. Nicht mehr und nicht weniger.



Prozess optimiert oder betriebsblind?


Ich finde, es lohnt, vor dem eigentlichen Zuschnitt Zeit und Gehirnschmalz in Schnittmusteränderungen zu investieren und ich habe festgestellt, dass jede dieser Änderungen meine Projekte schon um Klassen besser macht, als wenn ich gar nicht unternommen hätte. Wenn ich ein Schnittmuster im Vorfeld kontrolliere und dahingehend korrigiere, genau dort Weite zu haben, wo ich Weite brauche, riskiere ich nicht mehr, dass es anschließend zu eng wird. Wenn ich nur eben-mal-schnell die Nahtzugabe verbreitere, habe ich ein "Sack-Risiko", denn diese Strategie ist eher ein Glücksspiel mit Nebenwirkungen, als ein bewußter Vorgang.

Aber man selbst wird ja schnell auch ein wenig betriebsblind. Ich mache "meine üblichen Änderungen" und gehe eigentlich immer gleich vor. Was ist, wenn, es auch noch andere Möglichkeiten gibt, besser passende Kleidung zu produzieren? Frau lernt nie aus, deswegen habe ich mir vorgenommen, immer mal ins Gespräch mit anderen Expertinnen zu kommen. Heute Abend spreche ich mit Elke von ellepuls.com. Elke ist Expertin für Längenänderungen und ändert Schnittmuster im Vorfeld; sie hat auf ihrer Website einige Tutorials dazu. Ich bin gespannt, welche ähnlichen Vorgehensweisen aber auch Unterschiede, wir im Gespräch entdecken.

Sei live dabei und stelle Fragen im Chat. Heute Abend um 20.30 Uhr geht es los - anmelden kannst du dich hier --> *klick*. 

Dienstag, 3. Oktober 2017

Einladung zum kostenlosen Webinar mit Elle Puls




Heute möchte ich Dich zu einem speziellen Event einladen: am Donnerstag, den 5.10.2017, also schon übermorgen Abend, werde ich ab 20.30 Uhr für ca. eine Stunde lang mit Elke, besser bekannt als Elle Puls, über „Schnittmuster anpassen“ live im Internet plaudern. Du kannst dabei sein und im Chat fragen stellen, die wir dann live beantworten. Wir werden vor allen Dingen darüber sprechen, wie Schnittmuster verlängert oder gekürzt werden können.

Elke macht spannende Angebote unter dem Motto „Kleider von der Stange passen dir nicht? Dann näh dir deine Garderobe selbst“. Vielleicht hast du schon mal von den von ihr veranstalteten Nähcamps oder Sew Alongs gehört oder kennst ihre Schnittmuster und ihren tollen Blog, prall gefüllt mit Inspiration und Wissen. Ich freue mich jedenfalls sehr, mich mit ihr, der Expertin für Längenänderungen, auszutauschen und euch daran teilhaben zu lassen.

Die Zuschauerplätze sind begrenzt, es können nur 50 Menschen unserem Gespräch live folgen und Fragen stellen. Also melde dich KOSTENLOS an, damit die Teilnahme für dich reserviert ist.

https://crafteln.clickmeeting.com/laengenaenderungen/register


Das Event wird aufgezeichnet, um es anschließend für diejenigen, die am Donnerstag keine Gelegenheit finden, live dabei zu sein zu veröffentlichen - falls Du nicht mit deinem richtigen Namen im Chat erscheinen möchtest, dann melde Dich bitte mit einem Phantasienamen an.

Wir freuen uns auf Dich und Deine Fragen!

Freitag, 29. September 2017

Nachhaltigkeit nähen




Heute möchte ich etwas über "bewährte Kleidungsstücke" schreiben. Wer mich schon länger liest weiß, dass ich schon langem beim Me Made Mittwoch sehr gerne bewährte Kleidungsstücke zeigte. Für mich ist es einfach viel, viel spannender zu erfahren, welche selbstgenähten Kleidungstücke wirklich getragen werden und warum, als zu beklatschen, was "frisch von der Nadel gehüpft" ist. 


Steigere deine "Treffsicherheit für Näherfolge" und du brauchst nicht den Rausch der schnellen Erfolgserlebnisse



Die Formulierung "die Treffsicherheit für Näherfolge zu erhöhen" ist mir in letzter Zeit besonders häufig aus den Tasten geflossen. Wie schon so oft in meinem Leben, war ich zunächst gelangweilt von meinen ewigen Wortwiederholungen, bis ich erkannte, dass das durchaus sinnvoll ist. Denn genau darum geht es mir, egal, ob ich Schnittmuster verlege oder unterrichte, wie eine gute Passform erreicht werden kann: Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, euch dazu ermutigen und zu befähigen, mit euren Ressourcen, eurer wertvollen Zeit und tollem Stoff, sorgsam umzugehen und Dinge zu produzieren, an denen ihr wirklich und lange Freude habt.

Das ist nichts anderes als das Streben nach Nachhaltigkeit. Ich möchte mich abkoppeln von den ewigen, schnellen Erfolgserlebnissen, von der Jagd nach Mode, beliebten Mustern und dem Hype von modischen Schnitten. Es spricht nichts dagegen, sich zur Abwechslung zu gönnen, bei diesen Wellen der Begeisterung mit zu surfen. Aber ich glaube, dass wir uns längerfristig keinen Gefallen damit tun, primarkaresque Wegwerfmode zu nähen.


#genähteLieblinge stehen für Nachhaltigkeit 


Das alles hatte ich noch nicht so klar, als ich mir letzte Woche die #genähteLieblinge Challenge ausdachte. Dahinter steckte viel mehr die Neugierde, mehr von euch zu erfahren. Ich wollte wissen, was ihr zur Zeit gerne mögt und was ich bei der weiteren Auswahl von zukünftigen Schnittmustern im Auge behalten sollte.

Heute aber ist mir klar geworden, dass die Aufgaben der Challenge überraschend weise formuliert sind. In dem wir auf "Lieblinge" schauen und nicht neue, sondern bewährte Kleidungsstücke einander zeigen, kann jede für sich aber auch wir alle gemeinsam herausfinden, was die Qualität der eigenen Werke und der zugrunde liegenden Schnittmuster ausmacht. Wenn das mal kein Beitrag zur Nachhaltigkeit des Bekleidungsnähens ist. Ich freue mich schon sehr, auf eure Beiträge ab übermorgen!

Wenn du mehr über die Challenge #genähteLieblinge erfahren möchtest, dann lies diesen Blogbeitrag oder melde dich hier an, dann bekommst du alle Informationen per Mail.

Donnerstag, 28. September 2017

Was muß ich beachten, wenn ich einen anderen Stoff nehmen möchte, als angegeben?

Wie ihr wisst, arbeite ich auch hin und wieder als Stoffverkäuferin, so richtig im Stoffladen. Das ist wirklich ein toller Job, denn es macht so Spaß, für andere Stoffverrückte zu arbeiten, Stoffverrrückte als Kundinnen zu treffen und glücklich zu machen. Besonders schön finde ich, dass alle Kundinnen glücklich mit ihren Schätzen nach Hause gehen und dass ich ganz nebenbei mein Wissen weiter geben kann. Damit ihr auch etwas davon habt, möchte ich, wie versprochen, in loser Reihenfolge, ein paar Dinge aus meinem Nähkästchen als Stoffverkäuferin erzählen. 

Heute möchte ich darüber schreiben, was es mit Stoffempfehlungen auf Schnittmustern auf sich hat und was zu beachten ist, wenn frau in Erwägung zieht, sich nicht daran zu halten. Schließlich heißt es ja Empfehlung und nicht Gesetz! Doch manchmal bezahlen wir Kreativität mit Ergebnissen für die Tonne. Das muß nicht sein, wenn frau ein paar Dinge beherzigt.



Ganz genau wie das Vorbild


Manche Hobbynäherinnen wollen am liebsten genau den Stoff vernähen, der in einer Schnittmusterzeitschrift abgebildet oder zum Beispiel bei uns im Laden als Dekoration mit dem genähten Kleidungsstück ausgestellt ist. Das kann ich gut verstehen, denn mit einem Schnittmuster kauft frau nicht nur die Expertise, wie frau ihr Nähprojekt umsetzen soll, sondern auch eine Stoffempfehlung. Je näher die Stoffqualität dem Modellbeispiel ist, desto mehr Sicherheit wird gekauft, dass das Nähprojekt gelingen kann.

Außerdem ist es für uns Hobbynäherinnen ja gar nicht so einfach, sich vorzustellen, wie ein Kleidungsstück werden könnte, wenn wir einen Stoff und einen Schnitt kombinieren. Wird sich die gewünschte Materialqualität bewähren und sich genauso verhalten, wie das Stoff des Designbeispiels? Ich kann gut nachvollziehen, dass es schwer fällt, von einer Idee abzuweichen, wenn eine anderes Material eine so schöne Farbe oder ein faszinierendes Muster hat! Wie doof, wenn dann die Stoffverkäuferin Bedenken anmeldet!

Ich verstehe auch, wenn ein Designbeispiel 1:1 mit den identischen Materialien nachgearbeitet wird, denn diese Gefühl "ich weiß, wie es werden wird und bin mir jetzt schon sicher, dass es mir gefällt" ist prima. Für mich allerdings ist das oftmals zu langweilig. Gerade, wenn alle genau diese Umsetzung haben, komme ich mir vor, als hätte ich das genähte Werk irgendwo gekauft. Natürlich ist es relativ unwahrscheinlich, dass meine Sitznachbarin im Bus exakt das gleiche selbstgenähte Ding aus exakt dem gleichen Stoff in der gleichen Farbe trägt wie ich. Aber alleine die Vorstellung, dass das möglich sein könnte, turnt mich ab - lieber mache ich etwas Eigenes.


Ich habe die Wahl - im Rahmen der Vorgaben


In der Regel gibt es zu Schnittmustern ziemlich genaue Stoffempfehlungen. Je ähnlicher sich mein favorisierter Stoff einer Vorgabe anfühlt, umso wahrscheinlicher wird es, dass ich mit meinem genähten Stoff zufrieden werde. Es gibt Stoffbezeichnungen, die sind quasi in aller Munde und uns sehr vertraut, wie zum Beispiel Jeans oder Frottee. Andere Stoffbezeichnungen hingegen klingen exotisch, altmodisch oder schlichtweg nach einer Fachsprache. Es lohnt sich, sich mit dieser Fachsprache vertraut zu machen und dazu empfehle ich gerne das Materiallexikon "Stoff und Faden" von Constanze Derham.

In einem Stoffgeschäft lohnt es sich, erst einmal die vorgeschlagene Stoffqualität zu suchen - fragt einfach eine Verkäuferin und zeigt ihr die Stoffempfehlung. Erst dann "dürft" ihr mit offenen Augen durch das Geschäft laufen, um zu schauen, was euch gefällt. Wenn ihr einmal den empfohlenen Stoff angefasst und euch mit den Materialeigenschaften vertraut gemacht habt, erkennt ihr sehr schnell, ob ein hübscher Favorit geeignet sein könnte, oder nicht. Macht ihr es andersrum, also schaut erst nach hübschen Stoffen, dann ist es sinnvoller auch erst im Nachhinein nach einem passenden Schnitt zu suchen, der sich für so einen Stoff eigenen könnte und falls euch dazu nichts einfällt - fragt die Stoffverkäuferin.

Eigentlich ist es gar nicht so schwer, denn ihr habt ja schon Erfahrungen: ihr wisst, wie sich eure Bekleidung, die ihr bisher in eurem Leben getragen habt, anfühlt und würdet niemals einen Tellerrock aus einem Kunstleder nähen, das für Taschen geignet wäre - es sei denn, ihr wollt unbedingt einen Rock, der hart von euch absteht :-)




Grundregel: unterscheide zwischen gewebt und gestrickt/gewirkt


Aber nicht jeder Stoff, der sich für uns vertraut anfühlt, hat die richtige Materialeigenschaft für unser nächstes Projekt. Dabei ist besonders ein Unterscheidungsmerkmal wichtig: ist der Stoff dehnbar und wenn ja wie sehr und in welche Richtung.

Gewebte Stoffe sind eher undehnbar sind, wenn sie in die Länge oder Breite gezogen werden. Das liegt daran, dass sie in einen Webrahmen gespannt hergestellt werden. In der häufig verwendeten Leinwandbindung, werden die Fäden tatsächlich in einer Art Gitter gewebt. Da dehnt sich nix - es sei denn, es wurde Elasthan (eine Art Gummifaden) mit verwebt. Dazu später mehr.

Gewebte Stoffe sind nur im schrägen Fadenlauf elastisch, das heißt, wenn sie diagonal zur Webkante gezogen werden. Diese Eigenschaft wird manchmal bei Schnittmuster genutzt, um einzelne Teile des Kleidungsstücks nachgiebig zu machen oder um einen "schönen Fall" zu erzeugen. Aber in der Regel werden gewebte Stoffe "im Fadenlauf" verarbeitet und es ist durchaus gewollt, dass der Stoff nicht elastisch ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Wenn das Kleidungsstück aus Webware genäht werden soll, aber trotzdem gemütlicher sein soll, dann wird heutzutage gerne Elasthan verwendet. Ihr kennt das - heutzutage gibt es ja kaum noch Jeans ohne Elasthan zu kaufen. Die Art und Weise, wie der Stoff verwendet wird, ist aber identisch mit einem Stoff ohne Elasthan, alleine das Tragegefühl ist etwas angenehmer, weil der Stoff nachgibt. Ich vermute das liegt an der allgemeinen "Jogginghosiisierung der Gesellschaft" aber das ist auch ein anderes Thema.


"Mit Elastan" ist nicht gleichbedeutend "elastische Stoffe" 


Aber Vorsicht: nur weil ein Stoff durch Elasthan elastisch gemacht wurde, heißt das nicht, dass er für ein Schnittmuster für elastische Stoffe verwendet werden darf. Mit elastischen Stoffen sind gestrickte oder gewirkte Stoffe gemeint, die Masche für Masche entstehen, und eben nicht gewebt sind. Solche Stoffe werden von Hobbynäherinnen gerne "Jersey" genannt und das stimmt auch oft. Aber es ganz präzise ist das immer noch nicht.

Es gibt auch gestrickte oder gewirkte Stoffe mit Elasthan-Anteil. Hier wird das Elasthan dafür verwendet, dass der Stoff nach der Dehnung eine gute Rücksprungkraft hat. Das ist zum Beispiel schön für Leggins, damit diese am Knie nicht so beulen. Elastisch ist der Stoff aber eben nicht durch das Elasthan, sondern durch die Art und Weise, wie aus einem Faden das Material hergestellt wurde.


Die/der DesignerIn hat sich was dabei gedacht


Zu den Schnittmustern ist zu sagen: wenn ein Schnittmuster für Webware konstruiert ist, dann wird es irgendwo eine Möglichkeit enthalten, in das Kleidungsstück hinein zu kommen, in dem an einer engen Stelle eine Öffnung (zum Beispiel ein Reißverschluß oder Knöpfe) eingebaut sind. Es gibt nur wenige Bekleidungsstücke aus Webware, in die du einfach hineinschlüpfen kannst - in der aktuellen Oversizemode ist das allerdings häufiger der Fall. Aber Moden ändern sich auch wieder. Ein Kleidungsstück aus gestricktem oder gewirkten Stoff ist hingegen so elastisch, so dass du ein Oberteil oder Kleid einfach über den Kopf ziehen kannst oder ein Rock oder eine Hose über die Hüften bekommst.

Willst du also ein Schnittmuster für Webware aus elastischen Stoffen nähen, dann brauchst du diese Öffnung vermutlich nicht, weil du auch so in das Kleidungsstück hineinkommen würdest. Es könnte aber durchaus sein, dass dir das Kleidungsstück dann insgesamt zu weit wird, denn das Schnittmuster für Webware hat nicht nur Öffnungen zu Ein- und Ausstieg, sondern auch noch Bequemlichkeitszugaben, die notwendig sind, um im angezogenen Zustand Luft zu bekommen und sich zu bewegen.

Auch wenn nicht jedes Schnittmuster für gestrickte oder gewirkte Stoffe mit negativen Bewegungszugaben designt ist, also wie eine zweite Haut sitzen soll, ist doch zu berücksichtigen, dass Schnittmuster eher knapp sind. Nur eine Öffnung anzubringen, funktioniert vermutlich nicht, wenn du das Schnittmuster nun aus Webware nähen willst - du solltest die Weite der Schnittteile nachmessen und dich ggf. für eine oder zwei Nummern größer entscheiden, falls du keine Wursthaut nähen möchtest.

Denk daran, nicht nur die Weite an Vorder- und Rückenteil auszumessen. Gerade die Ärmel können zum Problem werden, wenn du Webware verwenden willst, es sich aber um Shirtschnittmuster handelt, das für elastische Stoffe vorgesehen ist. Das geht in der Regel schief und gerade bei einem Kleidungsstück mit Ärmeln mußt du dann noch mehr basteln, um ein wirklich funktionierendes Kleidungsstück zu bekommen, denn Shirtärmel sind in der Regel eng, das Armloch klein und die Armkugel anders, als bei Schnittmustern für Webware.




Jetzt beginnt die Kreativität


Wenn du diese Grundregeln beherzigst, ist vieles möglich. Du kannst in der Tat mit etwas Materialkenntnis Stoffempfehlungen bewußt brechen und dich dafür entscheiden, ein ganz anderes Material zu verwenden - wenn du das eben bewußt machst. Du mußt einkalkulieren, das du irgendwie in das Kleidungsstück hineinkommen mußt und dass es eine irgendwie geigente Weite braucht.

Wenn du die Funktionalität berücksichtigst, kann du mit einer "interessanten Stoffwahl" aber ganz eigene Effekte erzielen. Ich finde, dass zum Beispiel gerade bei Röcken sich die Silhouette extrem interessant verändert, je nachdem wie weich das Material fällt, oder ob es so steif ist, dass der Rock stand bekommt. Gerade bei einfachen Röcken lohnt es sich auszuprobieren und ein wenig mit Material zu spielen. Letztlich lernen wir genau dann, wenn wir es ausprobiert haben und manchmal auch Lösungen für einen Reinfall finden müssen.

Da Stoff aber nicht immer billig und unsere Zeit wertvoll ist, lohnt es sich, sich mit den Materialempfehlungen von Schnittmustern vertraut zu machen, Stoffverkäuferinnen auszuquetschen und Materiallexika zu lesen. Je besser wir uns mit Stoffen auskennen, desto besser wird unsere Erfolgswahrscheinlichkeit bei unseren Nähwerken. Mir macht das sehr viel Spaß, unbekannte Stoffnamen nachzuschlagen und neue Materialien zu befühlen und zu untersuchen. Natürlich zählt für mich bei einem Kleidungsstück auch ganz oft zunächst Farbe und Muster, aber richtig gut wird es, wenn ich die perfekte Materialqualität gefunden habe, die sich genauso verhält, wie ich es mir in meinen Träumen ausgemalt habe.

Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, was ihr berücksichtigen müsst, um Stoffqualitäten auzutauschen, dann lest zum Beispiel meinen Blogbeitrag vom letzten Jahr "Webware oder Jersey" aus dem heraus ich den  gleichnamigen Workshop entwickelt habe, den ich am Samstag auf der Stoffmesse gebe. Vielleicht sehen wir uns ja auch am Samstag. Es gibt noch Tickets für den Workshop - ich würde mich freuen!

Außerdem bringe ich zur Nähmesse auch Kleidung, die nach unseren Schnittmustern genäht wurde zum anfassen und anprobieren mit. Und auch wenn ich am Samstag keinen Stoff verkaufe, so stehe ich euch doch mit meiner Expertise als Stoffverkäuferin zu Verfügung. Kommt einfach außerhalb der Workshopzeiten vorbei!





Mittwoch, 27. September 2017

Trefft mich am Samstag auf der Nähmesse in Hamburg!





Am Samstag, den 30.09.2017 gibt es die Möglichkeit, Kleidungsstücke, die nach unseren Schnittmustern genäht wurden, anzuprobieren - auf der Nähmesse in Hamburg!

Die Nähmesse ist eigentlich eine Stoffmesse und findet in den Messehallen am Modering statt. Der Schwerpunkt liegt aber ganz klar auf dem Thema Bekleidung nähen und gerade deswegen finde ich es interessant. Neben der Möglichkeit, Stoff anzufassen und natürlich auch zu kaufen, gibt es auch ein umfangreiches Rahmenprogramm: ein Nähwettbewerb, Workshop und auch Modenschauen.

Ein kleiner Tipp, wenn ihr zu zweit kommt, dann bekommt ihr ermäßigten Eintritt, also kommt und bringt eure liebste Nähfreundin mit. Am Samstag von 10 - 18 Uhr und am Sonntag von 10 - 17 Uhr habt ihr die Möglichkeit, dort in den schönsten Stoffen zu schwelgen und allerlei rund um das Thema Bekleidungsnähen zu lernen! Mehr Informationen findet ihr auf der Website der Nähmesse. Aber Achtung: ich bin nur am Samstag da!



Kommt auf die Nähmesse und lernt stokx-Schnittmuster mal anders kennen


Für uns Hobbynäherinnen ist es gar nicht so leicht, sich vorzustellen, wie ein Kleidungsstück werden könnte, mit dessen Schnittmuster wir liebäugeln. Welcher Stoff könnte sich dafür eignen, wie wirkt es mit unterschiedlichen Stoffqualitäten? Steht mir die Linienführung und die Silhouette? Es ist oft ein Risiko, ein neues Nähprojekt zu starten und wie groß ist die Enttäuschung, wenn das Kleidungsstück später nicht so wird, wie erträumt!

Aus diesem Grund finde ich es super, mal etwas anzufassen und anzuprobieren, selbst wenn Größe und Farbe nicht genau das sind, was ich mir erträumte. Trotz Abweichungen, kann ich ein Gefühl für dieses Schnittmuster entwickeln und herausfinden, ob ein Kleidungsstück danach zu meinem Leben passen könnte.



Nachdem dieses Anprobieren & Anfassen auf dem Lillestofffestival so gut angekommen ist, habe ich mich dazu entschlossen, am Samstag auch das Auto vollzupacken und auch euch diese Chance zu bieten. Also kommt am Samstag vorbei und probiert an, was ich mitbringe. Vormittags und Nachmittags gebe ich einen Workshop, aber davor, danach und dazwischen seid ihr herzlich dazu eingeladen, in meinen Workshop-Raum zu kommen.


Kommt zur Nähmesse und ich lehre euch, wie ihr die Treffsicherheit für gelungene Kleidungsstücke erhöhen könnt


Und wer gerne noch etwas lernen möchte, um die Treffsicherheit beim Nähen zu erhöhen. Vormittags gebe ich meinen bewährten FBA-Kurs "Nichts klafft mehr" und nachmittags erkläre ich euch, was ihr beachten müsst, wenn ihr mit verschiedenen Stoffqualitäten experimentiert. In meinem Kurs "Webware oder Jersey - wie kann ich eine Stoffqualität durch eine andere ersetzen", erkläre ich euch nicht nur die Produkteigenschaften der verschiedenen Stoffarten, sondern zeige dir auch die Zusammenhänge zwischen Materialeigenschaften und Schnittkonstruktion. Mit ein paar Tipps und Trick ist mehr möglich, als du denkst - aber nicht alles sinnvoll. Das, was ich dir in dem Workshop zeige, erhöht deine Trefferquote gelungener Kleidungsstücke und erlaubt es dir, deine Kreativität noch mehr auszutoben.





Aber Achtung, ich bin NUR AM SAMSTAG auf der Nähmesse. Geplant waren zwar ursprünglich zwei Tage, aber aus familiären Gründen, kann ich leider nur am Samstag kommen. Umso mehr freue ich mich, wenn ihr am Samstag vorbei kommt. Selbst wenn ich zwischendurch keine Zeit für euch finden sollte, kommt rein, denn meine bezaubernde Assistenin Frau Feinstöfflich unterstützt mich großartiger Weise.

Also: bucht einen Workshop (zu einem wahren Schnupperpreis von 25 €) --> schreibt dazu eine Mail an info@naehmesse.de oder riskiert es, am Tag der Tage einfach vorbei zu kommen und zu schauen, ob es noch ein Plätzchen für euch gibt. Mehr Informationen zu den Workshops findet ihr hier auf der Seite der Nähmesse.





Achja, habt ihr bei den Wettbewerben zum "Hamburger Nähtalent" mitgemacht? Ich bin gespannt, auf Eure Beiträge, denn ich bin in der Jury :-)

Ach, das wird nett auf der Nähmesse. Seid nicht schüchtern und kommt vorbei!

Dienstag, 26. September 2017

Instagram challenge: genähteLieblinge






Macht ihr auch so gerne bei Instagram-Challenges mit, wie ich? Ich liebe diese Aktionen, ist es doch eine wunderbare Gelegenheit, selbst zum Nachdenken angeregt zu werden und andere tolle Menschen zu entdecken und sich zu vernetzen. 


#genähteLieblinge


In der Challenge #genähteLieblinge geht es darum, dass wir einander selbstgenähte Kleidungsstücke und Schnittmuster zeigen, die sich für unser Leben wirklich bewährt haben.

  • 7 Tage
  • Start: am 1. Oktober
  • Zeige uns deine selbstgenähten Lieblingskleider
  • und verrate uns, warum sich diese Schnittmuster für dich bewährt haben. 

Lust mitzumachen? Das wäre toll!




Was ist eine Instagram-Challenge?

Bei einer Instagram-Challenge gibt die Organisatorin der Challenge jeden Tag eine Frage oder Aufgabe zu einem bestimmten Thema vor, zu der ein Bild gepostet werden sollte. Das heißt: an diesem Tag posten alle, die an der Challenge teilnehmen ein Bild als Antwort. Wenn ihr auf Instagram den Hashtag # der Challenge anklickt, werden euch alle Bilder der Challenge gezeigt.


Wie funktioniert so eine Instagram Challenge?


Wenn ihr an der Challenge teilnehmen wollt, dann braucht ihr dafür  einen Instagram-Account. Dort veröffentlicht ihr das Challenge-Titelbild mit den Tagesaufgaben, das ihr mit einem Klick mit der rechten Maustaste einfach von hier mitnehmen könnt. (Um es auf euer Mobiltelefon zu bekommen, mit dem ihr Instagram benutzt, könnt ihr es euch vom Rechner aus ganz einfach per Mail an euch selbst schicken.) So gebt ihr kund, das ihr dabei seid und inspiriert vielleicht noch andere dazu, auch mitzumachen. Je mehr wir sind, umso größer wird der Spaß und umso inspirierender die Challenge!

Wichtig ist, dass ihr den Hashtag #genähteLieblinge verwendet, denn nur so ist es anderen möglich, euren Beitrag zur Challenge zu finden. Wenn ihr zusätzlich #crafteln schreiben würdet, dann würde mich das sehr freuen und wenn ihr auch noch @crafteln schreibt, dann geht ihr ganz sicher, dass ich euren Beitrag finde!


Warum #genähteLieblinge


Ich freue mich schon darauf mehr über eure genähten Kleidungsstücke zu erfahren. Ich freue mich, wenn wir uns gegenseitig besser kennenlernen und uns inspirieren - kurz und knackig auf Instagram.

Die noch genauer beschriebenen Tagesaufgaben bekommst du als Übersichts-PDF per Mail, wenn du dich in einer Liste eintragt. Ab dem 1.10. schicke ich dir jeden Morgen eine Erinnerungsmail mit der aktuellen Tagesaufgabe.






Die Mailserie endet nach der Challenge automatisch. Ihr könnt euch aber auch zwischenzeitlich jederzeit abmelden!

Ich hoffe, ihr findet die Aufgaben spannend und habt Lust, euch (täglich) mit einem Bild und kurzen Antworten zu meinen Fragen an der Challenge zu beteiligen!  Ich freue mich auf euch!

Wenn ihr Lust habt, diese Aktion zu teilen - sehr gerne!

Samstag, 23. September 2017

Experiment Live-Begegnung



Gibt es Fragen, die Du mir schon immer mal stellen wolltest? Jetzt ist die Gelegenheit. Am Montag, den 25.9. hätte ich zwischen 15.30 Uhr und 16.30 Uhr Zeit für Dich. Mach Dir einen Kaffee und das Internet an und wir plaudern ein bisschen. Hier findest du mich am Montag:

*klick zur Anmeldung zum kostenlosen virtuellem Treffen" 

Ich weiß, viele von Euch haben um diese Uhrzeit an einem Wochentag keine Zeit, aber das ist nicht tragisch, denn es ist nur ein Experiment. Ich lade euch ein mit mir zu Plaudern, weil ich ein neues Feature - Live-Begegnungen über das Internet - ausprobieren möchte. Wenn das klappt und sich gut anfühlt, gibt es davon schon ganz bald mehr und das auch zu anderen Zeiten. Warum ich das vor habe und was noch so alles im Hintergrund passiert, erzähle ich euch am Montag beim Kaffee oder bei Gelegenheit in einem Blogbeitrag.

Glaubt mir, ich bin mindestens so nervös wie ihr vor diesem Live-Experiment. Deswegen würde ich mich SEHR freuen, wenn ihr im Vorfeld schon über den obigen Link für das Treffen anmeldet oder aber euch per Mail anmelden würdet, damit ich ein bisschen einschätzen kann, wer kommt. (Du bekommst dann auch kurz vorher eine Erinnerungsmail von mir.) Den Kaffee müsst ihr aber selbst mitbringen. :-)

Donnerstag, 21. September 2017

Wo ist die Taille

Das Ninjashirt ist tailliert


Wenn es darum geht, Schnittmuster anzupassen bzw. auch schon dann, wenn es darum geht, die richtige Größe auszuwählen, brauchen wir ganz oft den Taillenumfang. Aber wo ist die Taille?

Eigentlich sage ich in meinen Kursen stets "die Taille ist da, wo du die Hände in die Seite legst, um mit Schimpfen loszulegen". Aber bei meinen letzten Workshops hatte ich das Gefühl, dass diese Aussage auch nicht immer weiter hilft. Wenn ich schaute, wo die Kursteilnehmerinnen die Taille mit den Händen markierten, war das oftmals darunter und ich war erstaunt. Als das ein paar Mal hintereinander passierte, beschloss ich diesen Blogartikel, über die Taille zu schreiben. 

Die Taille die ich meine, bezeichnet die engste Stelle eines Kleidungsstücks. Oder genauer gesagt: ich meine die engste Stelle eines Kleidungsstückes, wo eine Taillierung gut aussieht. Und genau das ist der Punkt! 

Du bestimmst, wo deine Taille ist


Wenn ein Kleidungsstück aus sich selbst heraus Form gibt und Körperlinien nachzeichnet, dann ist es sinnvoll die Taille dort hinzusetzen, wo sie gut aussieht. Es kann durchaus sein, das dort aber nicht unsere engste Stelle ist, weil sich im Laufe der Jahre dort Bauch2 angesammelt hat. Dennoch kann das wo Bauch2 sich hingeschummelt hat trotzdem genau die Waagrechte sein, an der eine Taillierung gut aussieht! 

Mittlerweile rate ich also dazu, sich zu überlegen, wo die Taille sein soll, statt verzweifelt nach ihr zu suchen. Nach meiner Erfahrung ist die Taille genau an dem Punkt, wo wir mit dem Finger hinpieksen, wenn wir jemand erfolgreich kitzeln wollen. Es kann aber auch durchaus sein, dass die Designerin oder der Designer eines Kleidungsstücks sich eine ganz andere Waagrechte im mittleren Körperbereich aussuchte, die besonders betont werden soll. Ihr kennt vermutlich diese Empirelinie, eine hohe Taille, direkt unter der Brust - auch das ist eine Taille! 

Wenn ihr selbst näht, seid ihr die Designerinnen - dann könnt ihr auch bestimmen, wo eure Taille ist. In dem ihr diese Linie definiert und im Schnittmuster markiert, könnt ihr mit dem Design spielen, so dass es perfekt zu dem Bild auf dem Schnittmuster und euerem Körper passt. 


Auch das Knitterkleid ist tailliert


Nicht jede Taille braucht einen Gürtel


Eine zeitlang trug ich gerne Gürtel, um die Taille zu markieren. Das sah theoretisch nicht schlecht aus, denn gerade zu einem weiten Rock war es vorteilhaft, die (eher) dünnste Stelle zu markieren. Aufgrund meiner Taillensenkung (Fachausdruck) bzw. meinem Bauch 2 (Bezeichnung meinerseits für den Bauch über der Linie, wo der Strumpfhosenbund hinrutscht) war dem Gürtel aber nicht wirklich klar, wohin er sollte. Im Sitzen rutschte er über Bauch 2 und im Stehen schob ich ihn dorthin, wo der Strumpfhosenbund schon auf ihn wartete und das sieht leider nicht toll aus, denn dann ist der Gürtel vorne tiefer als hinten. 

Mittlerweile bevorzuge ich es Kleider ohne Gürtel zu tragen, die eine Taillierung andeuten, aber eben ohne Gürtel. Ich mag es, eine angedeutete Sanduhrsilhouette zu tragen, denn das relativiert die breiteren Stellen meines Körper, nämlich Brust und Po. Und seit dem ich diese Silhouette nicht mehr mittels eines Gürtels, sondern durch Taillierung erzeuge, engt mich auch nichts mehr ein und nichts kann rutschen. 


Der Stadmantel ist auch tailliert


Wenn die Taille eine Designlinie ist und eben nicht identisch ist mit der von der Natur vorgegebenen Stelle, dann ist es wichtig, diese bewußt zu wählen, zu markieren und auch bei allen senkrechten Messungen (vordere Länge und hintere Länge) zu berücksichtigen. Das ist der Grund, warum ich Taillenmaßbänder so schätze. 

Wir brauchen die Taille, um gut sitzende Kleidungsstücke anzupassen, selbst dann, wenn wenig Taille da ist. Viele Frauen sind über ihre Taille unglücklich und trauern besseren Zeiten hinterher. Das ist unnötig! Ihr seid toll so, wie ihr seid und ihr habt das Glück, dass ihr in der Lage dazu seid, eure Kleidung selbst zu nähen. Ihr definiert, wo die Taille ist und müsst keine Kleidungsstücke von der Stange kaufen, bei der die Taille absolut nicht dort ist, wo sie zu eurem Körper passt. Ihr näht euch das, was zu euch passt und wenn ihr dabei Hilfe braucht, dann könnt ihr das, was ihr dazu noch braucht bei mir lernen! Its magic! 


Kimonobluse und Knitterkleid

Vielen Dank meinen bezaubernden Gästen auf dem #schnittmusterkioskgeburtstag, die große Freude daran hatten, vor der Kamera meiner Haus- und Hoffotografin Monika Lauber Kleidung nach unseren Schnittmustern zu präsentieren.