Montag, 27. Juni 2016

Nach dem Sew Along-Gedanken

Ich genieße es sehr, mir die schönen fertigen Röcke des Rock-Sew-Alongs anzuschauen. Ab gesehen davon, dass ich ungefähr die Hälfte dieser Röcke auch haben will, bin ich begeistert von diesen vielen schönen Frauen in ihren Röcken, die sich so wohltuend von dem abheben, was ich oft Langweiliges auf den Straßen sehe. Und ich bin sehr amüsiert und gerührt davon zu lesen, was sich im Laufe der Wochen in den Köpfen der Näherinnen abspielt. Das ist doch das, was wir sonst nachts oder in Tagträumen tun. Wenn wir ein fertiges, neues Kleidungsstück präsentieren, ging dem doch so oft doch eine längere Phase des Träumens und Denkens voraus. Wie oft liege ich vor dem Einschlafen abends im Bett und grübele, welches Schnittmuster zu welchem Stoff passt, wie ich das Ganze umsetze und ob ich verdammt noch mal die passenden Shirts und Accessoires dazu habe? Und brauche ich nicht noch ein neues Strickjäckchen? Wie lang soll ich die Falten absteppen und ohjeee, die Rocklänge nimmt mir den Schlaf.

Ich finde es so toll, dass so ein Sew-Along diese Gedanken sichtbar macht. Wieviel wertvoller ist doch ein Kleidungsstück, wenn wir es selbst genäht haben. Es steckt nicht nur die Nähzeit drin sondern so viele begleitende Gedanken. Dieses Auf- und Ab der Gefühle - die Texte in den Sew-Along-Beiträgen mache es sichtbar!

Wie gut kenne ich dieses Gefühl der Verliebtheit bei Projektstart, wenn ich einen wunderbaren Stoff gejagt habe oder ein faszinierendes Schnittmuster in den Händen halte. Dann diese furchtbare Projektphase, wenn bei der ersten Anprobe nichts, wirklich gar nichts so aussieht, wie in meinen Träumen. Und dann dieses Aufraffen, dieses noch-mal-zur-Hand-nehmen-obwohl-alles-furchbar-ist! Und irgendwann schlüpft wie ein zauberhaufter Schmetterling das fertige Kleidungsstück. Wir ziehen es an und wir finden es so lálá. Wir wählen die passenden Schuhe, suchen nach den passenen Accessoires und trauen uns das erste Mal damit auf die Straße, immer darauf wartend, einen ersten positiven Kommentar zu bekommen oder im perfekten Moment im lauen Wind an einem Schaufenster vorbei zu kommen und einen ganz anderen Blick auf uns im neuen Outfit zu erhaschen, als frontal vor dem Spiegel. Dieses Gefühl der Erleichterung, wenn das Schaufenster etwas Schönes zeigt, die Kollegin anerkennend schaut und die Kommentare im Blog sagen "alles richtig" gemacht. Und dann wandelt sich die Verliebtheit nach den ersten Zweifeln hoffentlich in Liebe und wir haben ein neues Lieblingsstück mit unseren eigenen Händen und Träumen erschaffen. Wie schön, auch bei anderen an diesem Prozess teilhaben zu dürfen und einen Blick hinter die Kulissen zu erhaschen. Danke!

Sonntag, 26. Juni 2016

Rock Sew Along: Finale



Juchhu, einen  fertigenRock habe ich im Rahmen des Rock-Sew-Alongs genäht. Wenn auch nicht der, den ich mal bei den ersten Treffen plante. Aber immerhin so ähnlich. Projekt B, der Blumenstoff sollte ein Maxirock werden, aber leider hatte ich zu wenig Stoff. Also kaufte ich kurzerhand einen Ersatz et voilá. Hier ist er, mein Maxirock Nr. 2. 





Nach meinem spontanen ersten Versuch mit einem Maxirock war ich von dem positiven Feedback so motiviert, dass ich sofort noch einen weiteren Maxirock nähen musste. 




Zu diese Rock fehlt mir allerdings noch ein passendes Shirt. Weder mit weiß noch mit dunkelblau bin ich wirklich zufrieden, aber der Rock ist nett und trägt sich wunderbar und ein Shirt sollte auch kein Problem sein, nachdem ich endlich einen guten Schnitt gefunden habe. 



Und was ist aus Plan A geworden? Für den Streifenrock kaufte ich nach langem Nachdenken einen passenden grünen Stoff, um daraus eine Art Sattel zu nähen, an den ich die Falten annähen wollte, damit der Rock um die Hüften eher anliegend ist. Leider war der Stoffkauf ein Reinfall. Ich habe den grünen Stoff 4 x gewaschen und er färbte immer noch aus. Das wäre mit dem Streifenstoff zusammen nicht gegangen. Irgendwie war der Wurm drin in dem Projekt. 



Aber Sew-Along ist Sew-Along und ich wollte mich auch nicht lumpen lassen. Also habe ich den Rock zumindest irgendwann angefangen und zugegebenermaßen eher schlampig vorläufig zusammengenäht, um zu schauen, ob der Stoff und ich doch noch irgendwas werden. Der Stoff war sehr günstig aus dem Ausverkauf, ich war unsicher, ob so ein Streifenrock für mich ne gute Idee ist, also musste ich es wenigstens versuchen. Ich raffte mich auf, schnitt den Stoff waagrecht entlang eines Streifens durch und fügte ihn zu einem langen Band zusammen. Dann rechnete ich Pi mal Daumen aus, wieviele Falten es werden könnten, legte die Falten in eine Richtung, nähte sie einfach fest, bügelte einen halben Streifen Bundeinlage darauf (halb, weil der Bund durch die Falten ohnehin schon sehr fest wurde), schlug ihn einmal um und steppte ihn fest. Das ist die schlampigste aller möglichen Bundlösungen, ich gebe es zu, aber sonst hätte ich es, in unserer in den letzten Tagen 30 Grad warmen Dachbude gar nicht hinbekommen. 



Und ehrlich gesagt ist der Rock auch noch gar nicht fertig. Es fehlt noch ein Reißverschluss und der Saum, aber ich dachte, ich stecke ihn mal zusammen, lasse mich fotografieren und frage euch, ob euch die Länge so gefällt oder ob ich ihn noch etwas kürzen sollte. Und was mache ich mit den Falten. Bügele ich die bis nach unten?



Ohne den Sew-Along gäbe es weder diesen halbfertigen Rock noch das gelungene Experiment Maxirock. Es hat mich gefreut, den Rock-Sew-Along auf dem Me Made Mittwoch-Blog zu betreuen und zu sehen, wieviele Teilnehmerinnen fleissig mitgenäht und mit gefiebert haben und jetzt freue ich mich darauf, in den nächsten Tagen die vielen schönen neuen Röcke zu bewundern!

Freitag, 24. Juni 2016

Sehgewohnheiten ändern!

"Alles richtig gemacht" lautete einer der vielen netten Kommentare zu meinem gestern gezeigten Outfit mit Maxidrock und drapiertem Shirt. Das hat mich natürlich sehr gefreut, dass ich nicht nur ganz subjektiv das Gefühl hatte, ein gelungenes Outfit, in dem ich mich wohlfühle produziert zu haben, sondern dass es auch von anderen als schön und stimmig empfunden wird. 

Was mich besonders freut - und dafür liebe ich das Bloggen und meine Leserinnen - ist das Gespräch, das sich in den Kommentaren ergab. Gemeinsam suchten wir nach Antworten darauf, warum diese neue Silhouette, die ich zeigte, funktioniert. Gerade weil dieses Outfit ganz viel Potential zum "falschmachen" hat. Stopp, was heißt eigentlich "falschmachen"? Wenn wir von "falschmachen" reden gehen wir davon aus, dass es Regeln gibt, dass etwas richtig sein kann und das im schlimmsten Fall die Stilpolizei kommt und uns darauf hinweist, dass das so nicht geht, Fräulein!

Das passt eigentlich gar nicht in mein Denken, versuche ich mich doch zu akzeptieren, wie ich bin und die Vielfalt der Körperformen anzuerkennen. Warum denke ich dann in Kategorien wie richtig und falsch?

Weil ich es gewohnt bin. 

Ich bin es gewohnt, bewertet zu werden. Wir leben schließlich in einer Leistungsgesellschaft. Wo kämen wir denn da hin, wenn nicht bewertet werden würde. Kinder lernen das früh, dass es ganz normal ist, bewertet zu werden, das geht vom stolzen Elternspruch "das hast du super gemacht", über die Noten bis hin zu dem komischen Gefühl, dass es anscheinend heutzutage Farben gibt, die angeblich einem Geschlecht zugeordnet werden. 

Ich denke auch deswegen in Kategorien wie richtig und falsch, weil mir immer wieder eingebläut wurde, zu kaschieren, was nicht optimal ist. Wenn schon nicht richtig, dann belästige wenigstens die Augen deiner Mitmenschen nicht damit. "Gott sei dank" gibt es Stilratgeber, die uns sagen, was geht und was nicht und wie wir schummeln können, bis kein Mensch mehr erkennt, dass er einen Elefant statt einer Fliege vor sich hat. 

Eigentlich versuche ich mich davon frei zu schwimmen. Ich werde nicht müde zu betonen, dass es gar nichts nützt, schwarz zu tragen, denn dass ich dick bin, erkennen sowieso alle, auch wenn ich ein schwarzes Kleid trage. Ich erzähle allen, dass jeder Körper perfekt ist, so wie er ist und einfach schön ist - ohne das zu begründen. Ich behaupte das einfach mal so, weil es zu meinem Wertesystem passt. Die andere Fraktion, die das Gegenteil behauptet, macht das schließlich genau so. 

Und trotzdem versuche ich, mich möglichst schön zu kleiden und freue mich, wenn mir das gelingt. Ich freue mich, wenn ein Outfit nicht nur für mich schön ist, sondern auch von anderen schön gefunden wir. Und da hilft es mir in der Tat, gewisse "Regeln" zu entwickeln, die mir Orientierung geben, damit mein Nähen auch von Erfolgserlebnissen gekrönt ist und ich meine selbstgemachte Kleidung auch gerne trage. Insofern freue ich mich, wenn wir auch gemeinsam auf die Suche nach dem gehen, was schön macht und danke euch fürs mitdenken. 

Als Erfolgsgeheimnisse meines gestrigen Outfits wurden genannt:
  • der Wasserfall am Shirt + die Drapierung unterhalb der Brust (die nur wenig sichtbar ist), weil die Aufmerksamkeit auf "oben" gelenkt wird. Möglicherweise durch die Kette verstärkt. 
  • der "schöne Rücken". Der Kontrast der Rückseite des Shirts, zur Vorderseite, die Taillierung und die überhängenden Ärmelchen.
  • Oberteil ist "geformt" eher kurz und figurbetont aber nicht eng. 
  • Das diagonale Muster des Rockes
  • die dunklen Farben

Gut zu wissen und trotzdem frage ich mich, ob das reproduzierbar ist oder ein Glücksfall, der tatsächlich mit den Worten "alles richtig gemacht" beschrieben werden kann. 

Reproduzierbar könnte auch bedeuten, dass sich die Sehgewohnheiten ändern und vielleicht ist ein besonders gelungenes Outfit auch etwas, was sozusagen einen "kick-off" für neue Sehgewohnheiten bieten kann. Vielleicht empfinden die Menschen mein Silhouettenwechseln von gestern deswegen auch als angenehm, weil ich ihn dezent in dunklen Farben genäht habe. Was wäre passiert, wenn ich auf einmal in pink oder türkis so aufgetaucht wäre? Was würde passieren, wenn ich als nächstes in pink oder türkis auftauchen würde? 

Ich glaube, die Frage der Sehgewohnheiten ist ganz entscheidend. Wir sind so unglaublich bildmanipuliert durch das, was uns medial vorgesetzt wird und es ist so verdammt schwer, sich davon frei zu machen. Unsere Nähblogcomunity und der Me Made Mittwoch sind ein wunderbarer aufmüpfiger Akt dagegen und ich finde es nach wie vor bestärkend und schön, echte Frauen in dem zu sehen, was sie sich für sich ausgedacht und gemacht haben. Immer und immer wieder, Woche für Woche, denn Sehgewohnheiten ändern sich nur sehr langsam. Genau deswegen, gibt es in meinem Kopf immer noch dieses Vergleichen, dieses "das ist nicht für meine Figur"-Zensieren und die vielen inneren Stimmen, die mir immer noch Vorschriften machen. 

Insofern ist es wichtig, mir frech anzueignen, wonach mir das Herz begehrt. Nicht darauf zu warten, dass "es das auch für Dicke gibt", sondern mir ein Retrokleid zu nähen, wenn mir nach retro ist, mit Hosenformen rumzuexperimentieren oder eben ein Maxirock auch noch mit Gummizug (wo doch alle wissen, wie schlimm das ist!) zu produzieren und sich damit auch noch gut zu fühlen. Innere Stimmen sind nicht immer Freundinnen, denn wer weiß, wo her ich sie haben. Dank des Nähens ist es mir möglich, den Stimmen zumindest zu versuchen, das Gegenteil zu beweisen. 

Wahrscheinlich werde ich diese inneren Stimmen nur ganz langsam los. Zwischenzeitlich kann ich mich weiter darüber freuen, dass es mir durch das Nähen möglich ist, zu experimentieren. Ich muss nicht warten, bis irgendeine "Autorität" entschieden hat, das ein bestimmter Style auch für Dicke käuflich zu erwerben ist, sondern ich kann mir einfach das nähen, was ich will und wann es für mich der richtige Zeitpunkt ist. Während Miss Bartoz sagt "ich darf das!" setze ich noch einen drauf und sage "ich kann das!" - yeah! Mit der Silhouette und dem Stil zu experimentieren ist auf einmal möglich und gibt mir ein Gefühl der Freiheit. In dem ich es trage und zeige ist es noch mehr, denn es ist auch eine Erweiterung des Möglichkeitenraumes für andere. Und letztlich ist diese erweiterte Bandbreite an Silhouetten und Stilen auch eine Erweiterung der Sehgewohnheiten für uns und für alle, die uns begegnen. Indem wir immer mehr sehen, was möglich ist, werden wir stärker. Und das ist schön!


Donnerstag, 23. Juni 2016

Maxirock? Maxirock!



Zur Zeit stehe ich voll auf Maxirock. Ich weiß, ich hänge der Mode ein wenig hinterher... Aber vielleicht ist das auch normal, als dicke Frau. Bei allen neuen Sachen braucht es ein wenig mehr Mut und viel Fantasie, um sie sich neue Silhouetten am eigenen Körper vorzustellen. Bei anderen fand ich Maxi bereits seit dem langen Anna-Dress von Frau Nahtzugabe toll. Aber Maxi-Rock an mir?

Stoff und Schnitt von Stoff und Stil

Und dann liefen mir bei diese Kraniche über den Weg. Tierstoffe in "erwachsen" liebe ich sehr, sehr, sehr und sie sind wahrlich nicht leicht zu finden. Es war klar, dass dieses relativ große Muster auch großflächig eingesetzt werden sollte. Ein Kleid mit vielen Teilungsnähten kam nicht in Frage. Und plötzlich traute ich mich mit Maxirock, auch wenn ich unter vorgehaltener Hand zugab, dass bei Nicht-Mögens der Stoff ja immerhin nicht kaputt wäre und die große Fläche dann für etwas anderes bereit stünde. Und was soll ich sagen, ich ziehe den Rock kaum noch aus und habe schon Maxirock Nr. 2 genäht. Meine Befürchtung, dass es wie Dicke-Frauen-Verhüllen aussieht, sind nicht eingetreten, ich fühle mich boho und s*xy gemäß dem Motto "dann mach ich mir nen Schlitz ins Kleid und fühl' mich wunderbar".



Zu dem Maxirock trage ich die zweite Neuentdeckung des Jahres: ein Shirt aus Viscosejersey. Bisher vermied ich Viscosejersey für Shirts, weil sie in eng jedes Röllchen abzeichnen. Aus reiner Neugierde bestellte ich aber vor einiger Zeit den Schnitt Mono Lisa von So! Pattern, weil ich sehen wollte, wie so ein drapiertes Shirt aus einem Stück genäht wird. Dann probierte ich es an einem Jerseyrest und war begeistert. Ein graues Shirt habe ich noch zugeschnitten und es werden sicherlich noch mehrere in diversen Farben folgen. Vorne schöner Wasserfall und hinten gut geschnittenes Shirt und so leicht und locker, das schwimmt sogar in Milch! Sehr sehr angenehm zu tragen und inklusive Zuschnitt in ner knappen Stunde genäht. Zwei super tolle schnellgenähte Projekte - deswegen zeige ich es euch bei rums.



Das ist mein Nähen nach dem Lustprinzip. Auf der einen Seite quäle ich mich gedanklich mit den möglichen Lösungen für den Rock-Sew-Along herum und auf der anderen Seite nähe ich mal eben schnell zwei Lieblingsstücke, weil die Intuition drängt. Aber Nähen soll ja Spaß machen und so tut es das bei mir!

Sonntag, 19. Juni 2016

Sommer Rock Sew Along: etwas über Taschen

Es ist total peinlich. Aber ich bin eigentlich immer noch nicht weiter, mit den Röcken. Und noch peinlicher ist: Ich habe einen anderen Rock genäht. Den kann ich aber jetzt hier nicht zeigen, da ich den Stoff von meinem Arbeitgeber geschenkt bekam und Werbung im Rahmen des Me Made Mittwochs nicht erwünscht ist. Ich zeige ihn euch ein anderes Mal, dann weiß ich auch, ob der Maxirock und ich Freundinnen werden.

Letztlich half mir dieses Stoffgeschenk, mich von dem Traum, aus dem Blumenstoff einen Maxirock zu nähen, zu verabschieden. Es ist definitiv zu wenig Stoff für Maxi. Also wird das ein Oberteil. Um aber wenigsten ein Vorhaben innerhalb des Sew Alongs zu verwirklichen, habe ich noch einen Baumwollstoff gekauft, der zu den Streifen passt. Aus diesem werde ich eine Art Sattel nähen und dann die Streifen ansetzen. Vielleicht. Hoffentlich.

Ein bisschen fleissig war ich aber schon, denn für den Sew Along-Beitrag auf dem Me Made Mittwoch-Blog, habe ich etwas über Taschen geschrieben.:

Das heutige Thema sind Details. Ich finde das ja gerade das Tolle am Nähen, dass ich es in der Hand habe, Details an Kleidungsstücke beliebig anzufügen oder wegzulassen. Ich denke da an vergessene Mantelaufhänger oder Ratz-Fatz-Röcke ohne Taschen. Die viel interessanteren Details sind aber diejenigen, die genau zu unserem Leben und unseren Bedürfnissen passen und die wir auch an Schnittmuster anfügen können, obwohl sie dafür gar nicht vorgesehen sind. Das prägnanteste Beispiel sind für mich: Taschen.

Bei Taschen gibt es die eine und die andere Fraktion: die einen sagen "kein Kleidungsstück ohne Taschen, wohin sonst mit Taschentuch, Schlüssel und Telefon" und die anderen sagen "Taschen? Wenn dann ohne Funktion, denn das trägt sonst viel zu viel auf" und vielleicht gibt es auch noch die dritte Fraktion, die das ganz einfach nach Lust und Laune handhabt. Ganz viel zum Thema "Taschen an Kleidungsstücken haben wir schon 2012 im Taschen-Monat-September zusammengetragen.

Rocktaschen können ein Designmerkmal sein und deswegen in ganz vielen Formen vorliegen. Die typischsten habe ich jetzt mal für euch zusammengestellt:



Nahttaschen
Diese Taschen werden in den Seitennähten eingefügt. Sie haben eine runde, abfallende Form, die zur Größe der Hand passt und immer nach unten zeigt, damit nichts herauskullert. Solche Taschen kennt eigentlich jede. Sie sind einfach zu nähen und wenn ihr einem Schnitt solche Taschen zufügen wollt, könnt ihr das Taschenschnittmuster problemlos von einem anderen Schnitt nehmen. Und wenn frau den Trick beherzigt, die Nahtzugabe auf den Taschenbeutel zu nähen, dann quillt auch nach ordentlichem Bügeln kein Wulst aus der Seitennaht.




Aufgesetzte Taschen
Aufgesetzte Taschen sind nichts anderes als ein verstürztes Stoffstück, dass U-förmig angenäht wird, damit ein Beutel mit Eingriff ensteht. Verstürzen heißt nichts anderes, als das zwei Stoffe (das, was als Tasche zu sehen sein soll und ein Taschenfutter rechts auf rechts bis auf eine kleine Wendeöffnung zusammen genäht werden. Solche aufgesetzten Taschen sind oft rund oder eckig mit einer zurückgeklappten Ecke, so wie bei Sybilles Tutorial von letzter Woche.




Taschen mit Eingriff von oben
Diese Taschen kennt ihr z.B. von Jeans. Sie haben einen Eingriff von oben und und es gibt für den Taschenbeutel nur ein Schnittteil, das gleichzeitig ein Teil des Bundes ist bzw. oben am Bund angenäht wird. Manchmal werden solche Taschen mit kontrastierendem Stoff genäht, so dass überhalb des Eingriffs und in der Tasche ein anderer Stoff ist, als der Rest des Rockes. Die Tascheneingriffe kann frau zur Stabilisierung und/oder Verzierung mit Schrägband einfassen.





Taschen im Bahnenrock
Bahnenröcke habe ich viele (z.B. dieser Rock) und alle haben diese Taschenvariante, die mir mal eine Freundin zeigte. Um solche Taschen zu konstruieren, überlegt ihr euch, in welcher Höhe der Tascheneingriff sein soll und teilt das Schnitteil horizontal an dieser Stelle. Dann überlegt ihr euch, wie tief die Taschen sein soll und schneidet ein oberes neues Bahnenteil zu, dass die Fläche oberhalb der Tasche sowie den Taschenbeutel bildet. Beide Teilbahnen werden an den Seiten verbunden, wenn die Bahnen aneinandergefügt werden und am unteren Ende der Tasche mit einer Naht geschlossen. Den Eingriff könnt ihr umklappen und feststecken oder mit Schrägband versäubern.

Dienstag, 14. Juni 2016

Making of



Irgendwie komme ich zur Zeit nicht zum Bloggen. Selbst der finale Me Made May-Beitrag steht noch aus. Ob ich den wohl im Laufe des Junis noch schaffe? Hinter den Kulissen bin ich mit dem "Geheimprojekt" beschäftigt. Wie die Spatzen bereits von den Dächern pfeifen, gibt es bald einige der tollen Schnitte meiner Freundin Lindy und ihrem Label stokx, als digitale Schnittmuster über mich zu kaufen. Wer hätte gedacht, dass das so viel Arbeit ist, obwohl es die Schnitte ja bereits im Vorfeld gab?! Ich nicht!

Aber gute Schnitte brauchen auch gutes Drumherum und gut Ding will eben Weile haben. Deswegen bin ich auch extrem damit beschäftigt, die Anleitungen zusammen mit Frau Nahtzugabe so gut wie nur möglich zu machen, Briefings für Fotos und Anleitungsgrafiken zu geben, diverse Stücke selbst zu nähen und zu testen, mit Lindy, Schnittdirektrice, Grafikerin, Computerkrammenschen und Probenäherinnen zu korrespondieren und hier etwas zu entscheiden und dort etwas zu entscheiden und immer wieder Korrekturlauf um Korrekturlauf geduldig und mit Hingabe zu erledigen ohne dabei den Überblick über das umfangreiche Material in zahlreichen Dateien zu verlieren. Irgendwann habe ich begonnen auf Nachfrage von "Ende Juni" als Starttermin zu sprechen. So eine Verkündigung macht Druck und seit dem laufe ich auf Hochtouren. Ob es tatsächlich in zwei Wochen schon drei Schnittmuster geben wird, steht noch in den Sternen. Aber wir sind dran! Und ihr könnt euch schon mal auf einen Rock- und zwei Kleiderschnitte freuen!

Sonntag, 12. Juni 2016

Sommer-Rock-Sew Along: theoretisches Nähen



Huch schon wieder Sonntag! Weiter gehts mit dem Sommer-Rock-Sew-Along.

Wie ich letzte Woche schon berichtete, habe ich zwei Röcke in Planung, für die ich bereits Stoff und ein Bild im Kopf besitze, aber keinen Schnitt. Je mehr ich in den letzten Tagen darüber nachdachte, um so weniger bekam ich Lust, nach einem Schnitt zu suchen und diesen dann womöglich auch noch zu vergrößern. Mir steht mehr der Sinn nach Quick-and-dirty-improvisieren, d.h. mir selbst etwas zu überlegen und dann einfach loszulegen.

1,40 x140 cm geknitterte Baumwoll-Webware

Netterweise hat mir Frau Siebenhundertsachen ein Tutorial für einen Faltenrock geschrieben. Das ist toll und das werde ich auch garantiert bei Gelegenheit einmal ausprobieren, aber ich für meinen Streifenstoff ist das keine Lösung. Ich habe zu wenig Stoff für einen halben Teller und auch bei einem halben Teller mit vier Nähten wüsste ich nicht, wie ich die Teile auflegen sollte, um die Streifen so verlaufen zu lassen, wie ich mir das vorstelle.

Ich werde also doch auf die "zwei-Rechtecke-in-Falten-legen-und-mit-Seitennähten-schließen-Methode" zurückgreifen. Diese hat das Problem, dass sie a) ziemlich auftragen kann, wenn der Bund weit oben sitzt bzw. die Streifen komisch verlaufen lässt, wenn der Körper nicht ganz platt ist oder Taillen-Hüft-Differenz zu groß ist.

Dann fand ich eine Idee in einem Supermarkt-Prospekt, die mir eine Lösung brachte:

Bildquelle: abfotografierter Rewe-Prospekt

Auf dem Bild seht ihr einen Rock mit breitem Bündchen, der wahlweise als Rock mit sichtbarem oder umgeklapptem Bund oder als Kleid getragen werden kann.

Ein weiter, elastischer Bund ist die Lösung. Das hat so viele Vorteile:

  • der Mann in den grünen Shorts schaut ganz interessiert
  • der Rock ist schnell und unkompliziert genäht
  • der Rock trägt im Bauchbereich nicht unnötig auf, sondern sitzt schön eng
  • wer, wie ich, nur wenig Stoff hat, kann trotzdem Fülle erzeugen, weil der Rock durch einen langen Bund länger wird. 


Zunächst dachte ich "ha, das ist die Lösung für mein Maxi-Rock-Problem! Schön quick-and-dirty! Aber so ähnlich wird vermutlich auch die Lösung für mein Streifen-Rock-Problem.


150 x 140 cm zerknitterte Viskose-Webware

Jetzt bin ich auf der Suche nach Jersey, der zu dem Blumenstoff passt und dabei kann ich auch gleich noch schauen, ob ich einen passenden Stoff zu den Streifen finde, falls ich nen Bund ansetzen will.

Und falls das alles nicht wie erhofft klappt, dann könnte ich ja auch versuchen, einen Streifenrock wie Dodo zu nähen und mir die Streifen einfach selbst zusammen setzen. Das wäre ja mit einem halben Teller gar kein Problem, wenn auch ein wenig aufwendig. Mal schauen, wenn ich den Streifenrock versemmele, kann ich das ja immer noch in Erwägung ziehen.

Alles nur Blabla meinerseits und noch keine Naht genäht. Ich hoffe, das ändert sich die Tage, wenn ich mit den "Ergänzungsstoffen" fündig geworden bin. Ich bin gespannt, wie es bei den anderen Teilnehmerinnen des Rock-Sew-Alongs aussieht und falls gar nix klappt, können wir uns ja einfach einen schnellen Rock nach Sybilles Tutorial auf dem Me Made Mittwoch-Blog nähen.

Montag, 6. Juni 2016

Reminder: Hamburgerinnen - am Donnerstag Abend lese ich in der Parallelwelt



Für alle die dachten "ach, das wäre doch was...." aber das Datum nicht mehr im Kopf haben. Am Donnerstag Abend lese ich aus "Nählust statt Shoppingfrust" und plaudere mit euch über das Nähen, Selbstbewusstsein, Körperakzeptanz und Schönheit in der Parallelwelt, der Kneipe dem Kulturzentrum von Tine Wittler, in Hamburg in der Gärtnerstraße 54 um 20 Uhr


***Donnerstag, 9.6.*** 20 Uhr *** Gärtnerstraße 54 in Hamburg***

Schreibt mir eine kurze Mail an fraucrafteln ät gmail punkt com und ich halte euch ein Plätzchen frei. Noch gib es ein paar Plätze, aber viele sind es nicht. Der Eintritt nach Ermessen, der Hut geht rum. Ich freu mich auf euch!

Sonntag, 5. Juni 2016

Sommer Rock Sew Along: Inspiration, Schnitte und Materialien




Frau Nahtzugabe und ich organisieren einen Sommerrock-Sew-Along auf dem Me Made Mittwoch Blog. Röcke kann frau nie genug haben und überhaupt, ist ein Sommerrock in meinen Augen das perfekte Kleidungsstück, um eine Me Made-Kleidernäh-Karriere zu starten. Es gibt einfache Röcke und komplizierte Rock-Herausforderungen - ich bin gespannt, was es beim Sew Along alles zu sehen geben wird. Heute werden auf dem Me Made Mittwoch-Blog "Inspiration, Schnitte und Materialien" gesammelt. Ich habe bisher ein Bild im Kopf und einen Stoff - das ist doch schon mal was. Den Schnitt dazu werde ich vielleicht bei einer der anderen Sew Along-Teilnehmerinnen finden oder mache ihn mir zur Not selbst.

Das ist der Stoff. Er liegt schon ein Weilchen im Schrank und ist dementsprechend zerknittert. Aber ich bin immer noch verliebt in die Farben und fest davon überzeugt, dass ich daraus einen Rock brauche.



Genauer gesagt plane ich diesen Rock schon seit zwei Jahren und seit einem Jahr habe ich den passenden Stoff dazu im Lager. Frau grueneblume zeigte ihn 2014 beim Me Made Mittwoch und seit dem bekomme ich einen gestreiften Rock mit Falten nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe keinen Schnitt dafür und ich bin auch noch nicht sicher, ob mir der gehortete Stoff vielleicht doch zu durchsichtig ist, aber ich habe fest vor, daraus einen Rock zu nähen. Vielleicht finde ich bei euch dazu noch Inspiration für die Umsetzung?



Und dann gibt es noch diesen Kollegen: Eine hübschgeblümte Viscose-Webware, von der ich leider nur 1,50 m habe, aber trotzdem von einem Maxirock träume. Vermutlich ist das ganz einfach mit Gummizug und Schlitz zu realisieren und schnell gemacht. Ich bräuchte dazu aber auch noch ein passendes Shirt und da das dann doch wieder ein richtiges Vorhaben ist, nehme ich das mal in meine Sew-Along-Pläne mit rein. Vielleicht finde ich ja bei euch noch eine Idee, wie ich aus knapper Stoffmenge trotzdem Walle-Walle zaubern kann.

Freitag, 3. Juni 2016

Wo steckten die Strick, Stick- und Nähnerds? Zu Gast auf der Maker Faire Hannover



Letzten Sonntag war ich mit der Familie auf der Make Faire in Hannover. Es war toll, dass mich die Lieben zu meinem Vortrag begleiteten und ehrlich gesagt, was das Ausstellungsangebot dort für die Jungs auch viel spannender, als für mich. Es gab dort unheimlich viel Technik-Bastelkram. Roboter, Aduino, 3-D-Drucker, Fischertechnik und viel LEGO, Schmieden, Laser, R2D2 und Stealpunk. Textile Techniken waren nur spärlich zu sehen. Einen Stand sah ich zum Thema Upcycling, wenn ich mich recht erinnere, gab es mehrere Stickmaschinen. Aber gerade deswegen fand ich es klasse, einen Vortrag über Nähblogs halten zu dürfen

Ganz großartig und beeindruckend war der Vortrag von drei Schülern, die Stop-Motion-Filme mit Legofiguren und -bauwerken drehen. Ab gesehen davon, dass der Vortrag ebenso klasse und professionell war, wie deren Werke, begeisterte mich, dass die Vortragenden noch so jung waren und den Saal rockten!

Am meisten begeisterte mich sonst noch das Reparaturmanifest von ifixit. Aber von deren Werkzeug bin ich ohnehin begeistert, wenn der Liebste mal wieder einfach so meinen Rechner aufschraubt, um neuen Speicher oder Ähnliches einzubauen. Die Grundhaltung, Dinge zu reparieren und das zu ermöglichen, finde ich so unendlich wertvoll. Ein Punkt auf dem Manifest ist die Forderung, dass Dinge überhaupt zu öffnen und reparierbar sein müssen. Dadurch wurde mir noch mehr bewußt, in was für einen kruden Wegwerfgesellschaft wir leben.



Ich fand es toll, unter Nerds zu sein, auch wenn mich die Themen nur mäßig interessierten. Diese Begeisterung, etwas selbst zu machen, zu lernen, wie Dinge und Techniken funktionieren und diese Begeisterung auch teilen zu wollen, finde ich einfach großartig.

Ich fragte mich allerdings, wie das, was mich begeistert, einen Platz auf so einer Ausstellung finden könnte.

Wer wären die Repräsentantinnen der textilen Techniken und welche Werke oder Initiativen wären geeignet, um sie einem größerem Publikum vorzustellen. Wenn die Fahrradwerkstatt aus XY auf so einer Veranstaltung ist, warum zum Beispiel nicht auch der Me Made Mittwoch? Warum macht nicht eine dort einen Stand und zeigt, wie und was sie näht oder strickt? Warum gab es Workshops zum Löten aber keine zum gegenseitigen Abstecken noch nicht optimal passender Kleidungsstücke? Wäre es nicht toll, dort Workshops, Ausstellerinnen und mehr Vortragende zu finden, die auch andere Nischen des Selbermachens beleuchten?

Die Aussteller auf der Maker Faire waren zum Teil Unternehmen, die für die Stände bezahlen mussten, aber es gab auch viele "Maker", die einfach zeigten, was sie machten. Eine reine Stoffmesse wäre nichts anderes, als eine Verkaufsveranstaltung, aber wenn sich Textil-Makerinnen treffen würden, wäre das doch gleich um Einiges interessanter. Warum bleiben wir im "Kämmerlein" und erobern uns nicht das Forum für das Selbermachen, das es doch schon gibt? Wie schauts aus, hättet ihr nicht Lust, mal was auf der Maker Faire zu machen? Ich fände das toll!