Freitag, 19. September 2014

Schnittkonstruktion 13: Der Hosen-Grundschnitt

es ist mir ein Rätsel, warum es falsch rum ist!

Nach einer Sommerpause, habe ich nun wieder mit dem Schnittkonstruktionsunterricht begonnen. Obwohl ich das Jeansjackett noch nicht fertig habe (der Stoff stinkt, trotz zweimaligem Vorwaschens, wie hulle und irgendwie bin ich unmotiviert, obwohl ein Jeansjäckchen sicherlich sehr herbsttauglich wäre), war mir wieder danach "zur Schule" zu gehen. Außerdem passte dieser Wunsch sehr gut zu dem plötzlich aufgekommenen Bedürfnis, eine Hose zu besitzen.

Der Unterricht begann gleich mit einer Warnung: "Jedes Material verhält sich anders. Eigentlich braucht man für jedes Material einen eigenen angepassten Grundschnitt". Aha. Ich soll also die Erwartungen nicht so hoch setzen. Verstanden. Ich bin mittlerweile sowieso schon sehr bescheiden, was die Perfektion von Schnitten und selbst Genähtem anbelangt. Als ich zu nähen begann, war ich verwundert, wieso meine erste selbstgenähte Tunika nicht "einfach passte". Je mehr ich über das Nähen, Schnitte und Schnittkonstruktion weiß, um so mehr wundert es mich, wenn wenig Anpassungen von Nöten sind. Trotzdem sind die Ergebnisse meines Nähens, weitaus besser, als es Kaufkleidung je für mich war. Also versuche ich gelassen zu bleiben und brav weiter zu lernen.

Als nächstes folgte ein Hinweis: "Je weiter die Hose ist, desto leichter wird es, Platz für den Bauch zu konstruieren, weil es an den Oberschenkeln nicht wieder eng werden muss". Dieser Hinweis leuchtete mir ein: wenn der Bauch eine Kugel ist, dann müssten eigentlich rund herum Abnäher sein, aber welche Hose hat schon unter dem Bauch Abnäher (außer vielleicht diese Hosen, die so ne vordere Naht haben, die dann als Teilungsnaht konstruiert sein kann, oder fallen euch solche Hosen mit Abnähern unter dem Bauch ein?). Aber da ich sowieso nicht vorhatte, im "skinny-Sektor" zu arbeiten, beunruhigte mich dieser Hinweis auch nicht weiter. Irgendwie bin ich hosenmäßig sowieso ziemlich gelassen und wenig anspruchsvoll. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass eine Hose dem Kleid in Bezug auf Schönheit Konkurrenz macht, ich mag sie einfach unter praktischen Gesichtspunkten haben und wenn es mal chic sein muss, kann ich ja immer noch eines meiner 1000 Kleider anziehen.

Auch das Hosen-Grundschnitt-machen-lernen begannen wir wieder auf einem DIN A 4 Blatt und mit einem Schnitt in Größe 38. Das ist so ne Art Probelauf, um die Schritte, die notwendig sind, zu lernen. Wieder rauchte mir am Ende der Stunde extrem der Kopf. Die Fülle an Informationen auf der einen Seite, aber ich hatte auch das Gefühl, dass es zu Ende hin komplizierter wurde. Diese Hypothese bestätigte sich bei den Hausaufgaben, als ich meine Aufzeichnungen noch mal in schön abschrieb und die Konstruktion noch einmal alleine machte. Den "Taillenring" der Vorderhose fand ich schon nicht ganz einfach und die Hinterhose hatten wir sowieso nicht bis zum Ende geschafft, weil ich schon Konditionsprobleme hatte. Als ich am Ende der zwei Stunden schwächelte, hat meine Lehrerin mich noch vermessen, so dass wir heute noch einmal alle Fragen besprechen können, die Hosen-Theorie zur Hinterhose fertig machen und mit dem Grundschnitt nach meinen Maßen beginnen können. Heute steht auch noch auf dem Programm, was es bei großen Größen zu beachten gilt, da bin ich schon sehr gespannt!

Mittwoch, 17. September 2014

MMM - im Schwalbenkleid


Endlich wieder Me Made Mittwoch! Die Sommerpause war ganz schön lang, oder? Aber jetzt sind wir wieder da und verschönern immer wieder Mittwochs die Welt mit selbstgenähten Klamotten an echten Menschen.

Puh, ich hatte Glück! Der Schwalbenstoff ist - entgegen meiner Befürchtungen - nach dem Waschen nicht eingelaufen. Im Laufe des Nähens hatte ich mich nämlich gefragt, ob ich den lang im Vorfeld gestreichelten Stoff überhaupt vorgewaschen hatte. Und dann habe ich das Kleid zu einem Anlass getragen, ohne es vorher zu fotografieren! So was macht doch kein echter Nähnerd!

Aber alles gut: Kleid noch in der richtigen Größe und ich konnte mich dank kurzzeitig in den Griff bekommener Accessoires-Legasthenie sehen lassen. Es war ein wunderschöner Abend und ich habe getanzt, wie eine Wilde (so mit Muskelkater an den nächsten beiden Tagen), obwohl der Gatte mein Kleid nur mittel fand, denn es ist ihm zu hochgeschlossen. Dem kann man aber auch nix recht machen.

Ich fand mich wunderbar und mein Kleid wunderschön! Dabei war im Vorfeld so viel schief gegangen! Zuerst hatte ich die Ärmel ohne Nahtzugabe zugeschnitten - das kommt davon, wenn frau manche Schnitte mit, manche Schnitte ohne Nahtzugabe hat und diese nicht ordentlich beschriftet. Glücklicherweise hatte ich noch genügend Stoff, um die Ärmel ein zweites Mal zuzuschneiden. Es lohnte sich also, dass ich um den Stoff damals kämpfte und nicht schwach wurde, den Freundinnen noch nen Meter zu spendieren (obwohl ich ein schlechtes Gewissen hatte). Irgendwas stimmte aber immer noch nicht. Obwohl ich den Schnitt schon ein paar Mal genäht hatte, passte das Oberteil vorne und hinten nicht. Hinten bekam es dann noch eine Rückennaht spendiert, die eigentlich nicht notwendig gewesen wäre und vorne korrigierte ich 1000 Mal die Abnäher. Der Ausschnitt war zu groß und der Stoff bedeckte an den Schultern kaum die BH-Träger. Irgendwie war der Murks in diesem Kleid. Ich war wohl im Vorfeld etwas zu großspurig in meinen Annahmen.




Ich überlegte lange, ob ich nicht lieber kurze Ärmel möchte, vor allen Dingen, da sehr warme Temperaturen für den Tag angesagt waren. Die misslungenen Ärmel schnitt ich ab, so wie ich mir das vorstellte, aber ich fand für ein dunkles Kleid die halblangen Ärmel dann doch besser. Lange überlegte ich auch, ob ich wirklich ein hellblaues Schrägband an den Saum mache, denn eigentlich hätten die hellblauen Paspeln gereicht. Mir gefiel aber die Ärmellänge und auch das Schrägband am Ärmel und da ich mich für eine helle (selbstgenähte) Clutch entschieden hatte, fand ich dann einen zusätzlichen hellen Akzent gut. Ich trage übrigens auch bewußt den weißen und nicht den schwarzen Petticoat unter dem Kleid.




Mehr tolle selbstgemachte Outfits an echten Menschen, gibt es endlich wieder beim Me Made Mittwoch, der heute seine Sommerpause beendet. Heute, mit Frau Kirsche als Gastgeberin, die das gleiche Kleid, aber nicht dasselbe (oder war es umgekehrt) auch schon mal bei einer Hochzeit trug, beim MMM zeigte und den Schnitt entdeckte.

Schnitt: Knip Mode 9/2011 mit Grundschnitt angepasstem Vorderteil und eigenen Ärmeln
Stoff: Baumwolle vom Maybach Ufer

Clutch Schnittmuster: Stoff und Stil
Material: außen der Vorgänger von diesem Kunstleder und innen schwarzes Neopren

Ansteckblume: nach diesem Tutorial aus Voile und danach einmal mitgewaschen :-)

Dienstag, 16. September 2014

Accessoires-Legasthenie



Vorletzte Woche hatte ich dann doch eine Menge mit dem Hochzeitsoutfit zu tun, das ich im Vorfeld eigentlich gar nicht als Herausforderung betrachtet hatte. Die Entscheidung für ein Hat-Frau-Kirsche-auch-schon-mal-auf-einer-Hochzeit-getragen-Schwalbenkleid viel eigentlich schnell und leicht, aber dann kam der Rest. Da ich den Frau-Kirsche-Kleid-Schnitt dieses Jahr schon ein paar Mal genäht hatte und diese Kleider auch regelmäßig trage, wollte ich das Kleid schon noch ein bißchen festlicher als die anderen machen. Ich freute mich wie Bolle darauf, endlich mal wieder mit meinem Mann auszugehen, so dass ich natürlich besonders schön sein wollte. Aber was tun, wenn frau eine Accessoireschwäche hat?


Nach meinem Geständnis meiner Accoessorieschwäche auf twitter, folgte dort eine sehr unterhaltsame Diskussion zwischen Nähnerds über Accessoires. Irgendwie triggerte mich die Aussage "wann denn (rausputzen), wenn nicht zu so einem Anlass". Stimmt, dachte ich mir. Im normalen Leben siegt bei mir immer die Einfachheit und Bequemlichkeit. Ich schminke mich seit 25 Jahren gleich (nur Lidstrich, Wimperntusche und hin und wieder die Augenbrauen), ich trage Taschen, in denen der halbe Haushalt Platz hat und bequeme Schuhe. Ich könnte zum Anlass ja mal ein bißchen experimentieren.

An einem  Nähsamstag, an dem wenig klappte, schaute ich nacheinander ein paar Folgen Shoppingqueen und staunte, wie selbstverständlich die Damen auf der Jagt nach Accessoires waren. Ich kann nur vermuten, dass zu der Zeit, in der die Accessoire-Ausbildung junger Mädchen stattfindet, ich mit dem Öko-und-Weltverbesserungs-Trip so beschäftigt war, dass ich den entscheidenenden Kurs verpasste. Aber inspiriert war ich schon.


Obwohl ich absolut keine Ahnung hatte, was ich hinein tun könnte, fiel mir zuerst eine Clutch ein. Wie gesagt, ich nutze keinen Puder und keinen Lippenstift, fotografiere nicht mein Essen, um es zu posten und den Autoschlüssel brauchte ich auch nicht, weil der Gatte fahren wollte. Als ich nach Kauf-Clutches forschte, mochte ich am liebsten ein schlichtes, teures Lederteil - aber 50 Piepen ausgeben, für etwas, das ich eigentlich gar nicht brauche, war mir dann doch zu viel. Also vertagte ich das Problem und wandte mich den anderen Accessoires zu.

Aufgrund meiner Nickelallergie, trage ich eigentlich nur echten Schmuck. Da ich aber eher der schlichte Typ bin und damit meine ich "vergesse ich morgens ohnehin anzuziehen" und nicht "mir liegt mehr die unauffällige Kleidung", habe ich zwar Schmuck, aber nicht sehr viel und auch eher von der Kategorie "Büro-Schmuck" als "Abend-Schmuck". Außerdem bin ich in Buschi-Muschi-Boutiquen, ihr wisst schon, diese Modeschmuck-Kette, hilflos überfordert. So ging es mir auch, bei meinem ersten Erkungungsgang. Als mich die Verkäuferin fragte, ob sie mir behilflich sein könnte, floh ich wie ein verschrecktes Huhn aus dem Laden und wünschte mir die helfende Hand einer Freundin.




Zwei Tage später versuchte ich mutig erneut mein Glück und mutig liess ich mich sogar beraten. Das war eine gute Idee. Denn als mir die Verkäuferin Armbänder (dazu hatte ich mich wegen des hohen Ausschnitts entschlossen) brachte, wusste ich immer in sekundenschnelle, was ich akzeptabel oder unmöglich fand. Kurz entschlossen kaufte ich mir ein Armband in der Hoffnung, dass sich der Rest dann dazu wie von selbst fügt.


Gegen eine Blume im Haar entschied ich mich, nachdem ich ein paar Stunden damit zubrachte, Retro-Frisuren-Videos auf Youtube anzuschauen und mich anschließend kaputt zu lachen, wenn ich das Ergebnis im Bad im Spiegel sah. Das bin ich einfach nicht! Ich erinnerte mich sehr an die Konformandin, die ich einmal war, die damals auch nicht gut zu Kleid und Frisur passte. Was war ich damals enttäuscht, dass ich so gar nicht dem Bild von mir und meinem Kopfkleiderschrank entsprach!

Ich kaufte mir sogar zwei rote Lippenstifte und weitere Schminkausrüstung. Das Puderläppchen meines 11 Jahre alten Puders zerfiel in Einzelteile - ich war allerdings zu geizig, mir neuen Puder zu gönnen, weil ich das Gefühl von Puder oder Make up auf der Haut so hasse und Puder eigentlich nur nutze, wenn Scheinwerfer und Kameras auf mich gerichtet sind. Zugegebnermaßen passiert das eher selten. Wozu also in neuen Puder investieren. Ich schminkte mich zur Probe und konnte mich mit dem Augenglitzer anfreunden, Make up und ich, das wird wohl nix mehr in diesem Leben und den Lippenstift fand der Gatte doof.



Immerhin, jetzt hatte ich ein bißchen was, um in die Clutch zu packen und nähte mir eine aus dem Rest des Tussitaschenmaterials (ich glaube, die häufig benutzte Tussitasche hatte ich nicht gebloggt) und einem interessantem Material namens Scuba (Neopren). Permuttfarbenes Kunsleder außen, schwarzes Neopren innen. Siehe oben. Sagen wir so. Ich finde sie ok, irgendwie gefällt sie mir sogar. Aber ich kapiere das Prinzip Clutch  immer noch nicht. Wohin mit dem Ding auf dem Klo?

Irgendwann war ich erschöpft von dieser Accessoirevorbereitungsodysee und trug zusätzlich nur  noch eine selbstgebasteltet Ansteckblume am Kleid und olle schwarze Schuhe. Letztlich, war es sowieso egal, denn ich hatte das schönste Kleid des Abends an - das muß ich aber noch fotografieren, falls es nicht beim Waschen eingelaufen ist, denn ich befürchte, ich hatte vergessen, den Stoff vorher zu waschen - und den tollsten Mann dabei.

Neues vom Me Made Mittwoch

Pure Eitelkeit treibt mich, euch die Me Made Mittwoch-Neuigkeiten auch hier zu verkünden, in der Annahme, dass ihr hier gerne lest und den MMM-Blog nur hin und wieder :-)

Nach der langen Sommerpause geht es morgen wieder mit dem Me Made Mittwoch los. Vorab verkünden wir, die MMM-Crew, auf dem MMM-Blog schon ein paar Neuigkeiten. Mit neuem Schwung gehen wir in die neue Me Made-Saison und freuen uns wieder auf Austausch und viele wunderbare selbstgenähte Outfits an echten Menschen. Ich freu mich drauf.

Montag, 1. September 2014

HosenHerbst - Passform I - Ansprüche


Es ist September! Weiter gehts mit dem HosenHerbst.

Da ich ja eigentlich zum Thema Hosen gar keine Ahnung habe Damit es etwas spannender wird, habe ich ein paar reizende Damen angesprochen, Beiträge für den HosenHerbst zu schreiben und zum Monatsanfang unsere Gastgeberin zu sein.

Den Anfang macht Frau Zufallswennsklappt alias Sandra. Ich freue mich sehr, dass Sandra sich bereit erklärt hat, uns etwas zu berichten, denn sie ist noch mitten drin im Hosen-Fieber und ich finde, da ist es alles andere als Zufall, was da klappt! Auf ihrem Blog könnt ihr schauen, was sie zum Thema Hosen schon alles geschrieben hat, das habe ich für euch schon mal herausgesucht. Doch heute schreibt sie ganz frisch und exklusiv für unseren HosenHerbst. Vorhang auf für Sandra! Hipphipphurra und ganz herzlichen Dank!

Monatsthema September
Passform I - Ansprüche 

Welche Passformmängel kenne ich von Kaufhosen oder selbst genähten Hosen? Zeigt her eure ungeliebten Hosen! Welche Anpassungen habe ich schon mal versucht, um Passformmängel zu beheben. Wie erkenne ich überhaupt Passformmängel und wie heißt mein Problem? Wo gibt es Informationen über Anpassungen? Wovor habe ich den meisten Respekt? 



Hallo! Mein Name ist Sandra, ich blogge auf „Zufall, wenn´s klappt“, und auch ich darf Euch heute zum HosenHerbst begrüßen. Meike hat mich gebeten, einen Gastpost zu schreiben, und dieser Bitte komme ich doch gerne nach!

Um eine halbwegs vernünftige Hose zu bekommen, die man tragen kann, habe ich viel rumprobiert. Dabei wage ich mal zu behaupten, dass ich gar nicht so viele Dinge berücksichtigen muss. Aber da ich nicht weiß, wie ich anfangen soll, ist es echt kniffelig, eine gut sitzende Hose zu nähen. Die ich im Übrigen immer noch nicht habe, aber ich arbeite daran.

Welche Passformmängel kenne ich von Kaufhosen oder selbst genähten Hosen?

Ich habe eine breite Hüfte und eine schmale Taille. Bei Kleidern ist das nicht so ein Problem, bei Hosen schon. Wo ein Kleid das kleine Hohlkreuz kaschiert, steht bei der Hose der Bund unschön ab, insbesondere im Sitzen. Dem Problem kann ich etwas entgegenwirken, indem ich Hüfthosen trage (bis dahin passt die Hose nämlich), aber das will ich ja auch nicht immer. Vor allen Dingen nicht im Herbst / Winter - da habe ich es gerne etwas wärmer um die Leibesmitte rum. Wenn ich eine Hose nähe, kann ich natürlich den Bund anpassen. Das ist auch machbar und von den Arbeitsschritten her verständlich. ABER das ist nicht das einzige Problem bei selbstgenähten Hosen.

Zeigt her eure ungeliebten Hosen!

Diese Hose wollte ich für den Kostüm-Sew-Along nähen. Wie unschwer zu erkennen ist: Großes, unschönes Passformproblem. Dabei passt die Hose um die Taille recht gut.



Und das ist die Hose, die ich für den SWAP gemacht habe. Bis jetzt habe ich es immer kaschiert, hier zeige ich es ganz ungeniert: Der Bund steht ab.



Wie erkenne ich überhaupt Passformmängel und wie heißt mein Problem?

Darf ich vorstellen? "Sanduhr-Figur" und "flacher Hintern", meine zwei Probleme. Seit ich die Problematik kenne, fällt sie mir auf: Einen flachen Hintern haben viele. Besonders gut zu sehen bei Männern in Anzugshosen. Die Hinterhose bildet Längsfalten unterhalb des Popos und an den Oberschenkel, weil zu viel Stoff und zu wenig Hintern da ist.

Welche Anpassungen habe ich schon mal versucht, um Passformmängel zu beheben? 

Enger und weiter machen - insbesondere am Bund - haben bestimmt schon alle mal gemacht. Oder auch die Länge der Hosenbeine korrigiert. Schwieriger wird es bei der Schrittnaht. Um den "Katzenbart" zu vermeiden, muss man ein bisschen rumspielen, und die Kurve der Naht testen. Steiler oder doch lieber etwas runder? Bei der Anpassung, die für mich von Bedeutung ist, muss ich unterhalb des Popos Stoff reduzieren. Aber wie nehme ich das weg? Lange, lange habe ich gesucht und wurde dann bei Ann Rowley fündig.




Wo gibt es Informationen über Anpassungen? 

Natürlich habe ich meine Bücher gewälzt, und mir zusätzlich noch das Heftchen "Pants for everbody" gekauft. Das ist zwar komplett auf Englisch, aber auch reichlich bebildert, so dass ich der Meinung war, ich könnte meine Problematik doch irgendwie lösen.



Kann ich aber nicht. Nicht mit diesem Buch. Also habe ich gegoogelt, was das Netz hergab, aber ich habe nichts gefunden. Bei der Hobbyschneiderin gab es mal einen bebilderten Hosennähkurs, aber ich weiß, dass ich dazu hunderte Seiten durchforsten muss, und ich will - ehrlich gesagt - keine Doktorarbeit aus meiner Hose machen und außerdem, muß ich zugeben, finde ich den Link dorthin nicht mehr. Ich bin nicht bereit, tagelang zu recherchieren, zu lesen, mir Seiten auszudrucken, und dann zu versuchen: Geht das bei mir auch so? Im Buch "Der große Fotoguide für die Perfekte Passorm" von Sarah Veblen ist auch lang und breit die Anpassung einer Hose erklärt - aber viel interessanter ist der Text, der zum Thema Hosenanpassungen geschrieben steht: „Der Bereich an einer Hose, der am schwierigsten anzupassen ist, ist der untere Rumpf. Versteht man, wie sich die Körpermaße in dem von der Hose geschaffenen Raum verteilt, werden der Anpassungsvorgang und die sich daraus ergebende Arbeit am Schnittmuster einfacher, insbesondere da einige Passformkorrekturen bei Hosen der Intuition widersprechen. Beim Anpassen einer Hose stellen Sie sich den Körper als eine Art Gehäuse vor. Sie haben es mit drei Dimensionen zu tun: (1) der Höhe, das ist der Abstand von der Taille bis zum Ende des Rumpfes; (2) der Weite, also dem Abstand von einer Körperseite zur anderen, und (3) der Tiefe, also dem Abstand von der Körpervorderseite zur Körperrückseite. Diese Dimension der Tiefe wird dadurch noch komplizierter, dass Sie sowohl die besondere Form der Beckenknochen als auch die Rundungen von Bauch und Gesäß berücksichtigen müssen.“ Ich glaube, wenn man sich das verinnerlicht hat, dann ist man schon einen großen Schritt weiter.

Wovor habe ich den meisten Respekt?

Ich muss echt viel um die Ecke denken, vorausschauend arbeiten und immer berücksichtigen, dass Änderungen bei Hosen selten mit einem Arbeitsschritt getan sind. Bei Kleidern versuche ich, meine Rückenlinie nachzuformen, oder ich achte darauf, dass die Hüfte etwas ausgeprägter ist, aber bei der Hose ist es echt schwierig. Für mich. Mit meinem Kenntnisstand. Wie sieht es denn bei Euch aus? Habt Ihr schon Erfahrungen gesammelt? Ich bin gespannt auf Eure Berichte!





Mehr Informationen zum HosenHerbst Sew Along (Ablauf, Inhalte und Teilnahmeregeln) findest du hier.

Die bisherigen und nächsten Monatsthemen:

August: Hosenformen, Hosenmoden, Hosenschnitte (hier und hier)
September: Passform I - Ansprüche
Oktober: Im Detail liegen die Tücken
November: Passform II - Mängel erkennen und beheben
Dezember: Defilée und Resumée




Mittwoch, 27. August 2014

HosenHerbst - die Linkliste ist noch mal geöffnet

Wie versprochen, hat die Linkliste für den HosenHerbst auch am Ende des Monats noch mal geöffnet. Dieses Mal steht die Tür für euch ab jetzt bis Sonntag Abend offen, um Beiträge zum

Monatsthema August:

Hosenformen, Hosenmoden, Hosenschnitte 
Was für eine Hose möchte ich nähen? Welche Hosen habe ich bisher gerne oder ungerne getragen? Was sind meine Ansprüche an eine Hose? Welcher Hosentyp passt zu meinem Körper und zu meinem Leben? Aus welchem Material möchte ich meine Hose nähen? Welche Materialien eigenen sich für welchen Hosenschnitt? Welche Schnittmuster habe ich bereits ausgesucht? Was für ein Schnittmuster suche ich noch?

zu veröffentlichen.

Diese Linkliste, die ihr unten seht, ist genau die gleiche, wie im ersten Beitrag zum August-Thema. Ihr könnt euch also genauso gut hier verlinken. Ihr dürft euch auch mit einem zweiten Blogpost verlinken, falls dieser neue Erkenntnisse zum August-Thema bietet.

Was der HosenHerbst ist und wie die Teilnahme geht, habe ich hier beschrieben. 

Am 1. September geht es weiter. Lasst euch überraschen.

Die nächsten Monatsthemen:

September: Passform I - Ansprüche
Oktober: Im Detail liegen die Tücken
November: Passform II - Mängel erkennen und beheben
Dezember: Defilée und Resumée



Dienstag, 26. August 2014

Sind Kaufschnittmuster Problemlöser?

Haha, mein Loben und Lästern gestern, hat euch also gefallen. Danke für die Kommentare. Ein Kommentar ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Frau Fishkopp sagte: "Welche Plus-Size trägt denn das Trachtenmodell?" - das führte dazu, dass ich das Burda plus Heft noch einmal in die Hand nahm und feststellte, dass Frau Fishkopp mit der Vermutung, dass es sich um eine 38 handeln könnte, vermutlich gar nicht mal so falsch lag. Ich blätterte noch ein bisschen weiter und machte das kleine Größen-Rate-Spiel und glaubt mir, ich konnte nicht wirklich sagen, welche Größen die Models haben könnten. Ich vermute, zwischen 38 und 46 war alles dabei. Sehen so echte Plus-Size-Frauen aus?

Nur, um das Gedankenexperiment etwas weiter zu spinnen. Das wunderschöne Titelmodell, wie sieht das wohl an einer Größe 54 aus? Haben Frauen mit Größe 54 den Mut und die Gelegenheiten so ein Kleid zu tragen? Ich weiß, ich weiß, Models sollen nicht von dieser Welt sein, sollen uns zum Träumen bringen, uns verführen. Aber ist das bei einer Näh-Zeitschrift wirklich sinnvoll? Die Zufriedenheit von Selbermacherinnen hängt doch maßgeblich davon ab, ob das erträumte Kleidungsstück maßgeblich mit dem getragenen Ergebnis überein stimmt. Verführen uns die Models da nicht ein Stück zu weit?*

Mir geht es mittlerweile so, dass ich kaum in der Lage bin, meine Figur in ein Ranking einzuordnen. Ab gesehen davon, dass ich wirklich nur sehr ungefähr weiß, welche Konfektionsgröße ich habe, schaue ich mir immer wieder wohlgerundete oder dicke Frauen an und versuche mich einzuordnen, ob ich wohl so dick bin wie sie, dicker oder dünner - das finde ich fast unmöglich. Zum einen liegt es daran, dass die Varianz so hoch ist: die eine hat den Speck am Po hat und die andere am Bauch. Damit sind quasi identische Figurzwillinge nur schwer zu finden sind. Zum anderen habe ich aber durch meine selbstgenähte Garderobe der letzten Monate/Jahre auch modisch die klassische Große-Größen-Mode hinter mir gelassen. Natürlich habe ich Schwierigkeiten, mich mit einer Frau in Hose und Tunika zu vergleichen, wenn ich daneben ein Kleid mit Petticoat trage. Am ehesten würde das vielleicht in der Seitenansicht gehen - das ist die unvorteilhafte Seite meiner Outfits, die ich zwar für mich, zur Passformkontrolle fotografiere, aber nicht hier auf dem Blog zeige. Aber die Seitenansicht kann ich nun mal von mir sehr selten sehen. Wenn ich an mich denke, dann denke ich an das, was ich frontal im Spiegel sehe oder an die Fotos aus meinem Blog. Und da sehe ich natürlich super aus :-)

Schon vor längerer Zeit habe ich deswegen herausgefunden und frech behauptet, dass ich nicht mehr dick sei. Damit meinte ich, dass für mich "Dicksein als Problem" nicht mehr existiert, weil ich nähe. Allerdings stimmt das natürlich nicht allumfassend, denn vor der genähten Garderobe, die mich schön macht, steht die Schnittauswahl und da muss ich mich mit den Tatsachen, sprich meinen Maßen und den Konfektionsgrößen befassen. Und wenn ich dann nähe, dann trägt mich die Hoffnung, dass mein Traum sich erfüllt und das neue Kleidungsstück auch tatsächlich an mir gut aussehen wird. Bei jedem Experiment, wenn ich einen neuen Look, eine ganz neue Schnittführung probiere (z.B. bei der krassen Bux), geht mein Puls in die Höhe und ich werde komplett auf die alten Ängste zurückgeworfen. Dann bin ich "dick-als-Problem" und habe Angst in den Spiegel zu schauen und frage mich, ob ich so auf die Straße gehen kann.

Gestern kritisierte ich (und andere) an den Burda-Fotos, dass es für mich unmöglich ist, herauszufinden, was ich zu der gezeigten Hosen kombinieren könnte, weil das Modell sitzt. Das ist für mich eine offen und sehr interessante Frage, denn Tunika und weites Drüberhängen kommen für mich, mit meinem aktuellen Geschmack und Bedürfnissen, derzeit nicht in Frage, weil sonst Litfasssäule. Was würde aber passieren, wenn diese Hose an einer echten großen Größe gezeigt werden würde, vorne, hinten und von der Seite mit engem Oberteil. Würde es die Menschen abschrecken oder motivieren? Die einzigen, konstruktiv ehrlichen Fotos zu diesem Problem habe ich bei Frau Sewing Galaxy gesehen. Mich schreckt das nicht ab, ich finde es gut, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Auch wenn große Größe nicht gleich große Größe ist - das Fett sitzt bei jeder wo anders - es gibt schon ein paar typische Probleme großer Größen und die sind schon abbildbar.

Anscheinend versteht sich die Burda-Plus nur begrenzt als Problemlöserin. Oder zumindest versteht sie das nicht in meinem Sinne. Sie spricht zwar von optischen Beineverlängern und kaschieren, aber ich finde nicht, dass sie die Probleme großer Größen tatsächlich löst. Die Schnitte sind ganz gut, vermute ich, die Präsentation hat leider mit dem echten Leben der wenigsten Frauen etwas zu tun. Das eine Kleid, dass ich nach Burda genäht habe, passt für meine damaligen Ansprüche tadellos. Wenn ich auf einem Foto nicht erkennen kann, wie ein Modell tatsächlich aussieht, dann ist es schwer, die Entscheidung zu treffen, ob ich es nähen will. Der Blick auf die technischen Zeichnungen hilft nur weiter, wenn ich schon eine gewisse Erfahrung darin habe, mich zu sehen, meine Qualitäten und Quantitäten einzuschätzen und weiß, welche Schnittlinien für mich vorteilhaft sind. Natürlich sehe ich auf der technischen Zeichnung, ob etwas durch Abnäher tailliert ist, aber um wirklich für einordnen zu können, ob das Kleidungsstück zu meinem Leben passt, müsste ich Kombinationsmöglichkeiten sehen - und wenn schon Sitz-Fotos, dann Schonungslose, so, wie Frauen wirklich aussehen, wenn sie sitzen. Habt ihr schon mal Fotos im Sitzen von Euren Kleidungsstücken gemacht? Ha, ihr werdet überrascht sein, falls nicht!

Manchmal werde ich gefragt, was ich für Plus-Size-Schnitt empfehlen kann und bin dann wirklich sehr überfordert. Ich nähe ja kaum derartige Schnitte und - ich kann mich nur wiederholen - jede Frau unpopulären Formats ist anders. Mein Weg ist ja, eigene Schnitte zu erstellen bzw. Schnitte in kleineren Größen zu vergrößern. Aber ich vermute, dass ich Größen- und-Mutmäßig auch in den noch einfacheren Teil der großen Größen 44-52 passe. Mein Verdacht ist, dass es ab 54 aufwärts noch mal richtig komplex wird. Und diese großen Größen gibt es ja auch noch!

Den einzigen Tipp, den ich zu Kauf-Schnittmustern habe ist: sucht per Suchmaschine nach Fotos von genähten Kleidungsstücken dieses Schnittmusterts. Dann seht ihr, ob Frauen, mit einer vergleichbaren Figur das Ding schon mal genäht haben. (Das Gleiche gilt natürlich auch für Strickanleitungen.) Wenn nein, dann ist das Schnittmuster entweder neu oder es funktioniert nicht für eure Größe - oder ihr seid eben die ersten. Mir hilft diese Bildersuche, manch verrückte Idee von mir einzuordnen und abzuwägen, ob ich das Experiment wage. Das ist einer der Gründe, wieso ich blogge und mich zeige.

Ich liebe das Internet dafür, dass es Bilder von echten Frauen gibt, die uns unabhängig davon machen, was die Medien - inklusive Schnittmusterzeitschriften und SchnittherstellerInnen - zeigen.

* Ich weiß, auch die "Normalgrößen" tun sich mit Models und Mode- bzw. Schnittabbildungen schwer. Ich spreche einfach nur über das, was ich besser kenne.

Montag, 25. August 2014

Loben und Lästern*: burda plus HW 2014

Bildquelle: Heft von mir fotografiert, wie man sieht


Ich kaufe ja sonst keine Burda. Aber am Samstag hatte ich das Gefühl, ich könnte mir mal so nen Frauendings gönnen und da erinnerte ich mich, bei Frau Nahtzugabe einen Link zu einer burda plus-Vorschau angeklickt zu haben, die mir gar nicht so schlecht gefiel. Ich hatte schon ewig keinen freien Samstag Vormittag mehr gehabt und schlenderte genussvoll durch die Welt. Flohmarkt, Kaffeetrinken und im Bioladen genug Zeit, um all das Kleingedruckte auf den Verpackungen zu lesen, auf der Suche nach Material für veganen Kuchen. Im Bioladen liess ich sehr sehr viel Geld - da fand ich es mehr als ok, mir mal ne Zeitung zu gönnen.

Meine Schnittlehrerin meint zwar, ich brauche keine Schnittmuster mehr zu kaufen, aber so ganz traue ich dem Braten noch nicht. Meine Vorgehensweise ist ja eher Grundschnitt mit Fertigschnitt zu kombinieren. Alles, vom Revers bis zur Linienführung selbst zu konstruieren, so vermessen bin ich noch nicht. Also werde ich schon immer mal schwach, wenn es um Schnittmuster geht. Zeitschriften scheinen da ja sehr effizient. So viele Schnitte für nur 5,60€. Ein Schnäppchen. Leider ist es aber mit den Schnitten und den Schnittmusterzeitschriften meist so, das viel eben auch nicht viel bringt. Es werden mehrere Schnitte zusammen bestellt, um Porto zu sparen und in einem Heft ist dann doch nicht so viel drin, was sofort umgesetzt wird.

Nachdem ich mir im ersten Durchlauf die Bildchen in der burda plus angesehen habe, war ich etwas ratlos. War das nun ein sinnvoller Kauf oder nicht? Ich blättere mal durch: Den Anfang macht die Rubrik "führungsstil". Es beginnt mit einer wild schauen Frau im schönen, eher mädchenhaften Kleid. Aha, so wünscht man sich ne Chefin. Ich bin nicht sicher, ob die tiefergelegte Taille wirklich vorteilhaft ist, aber ganz hübsch ist das Kleid schon. Die Dame auf dem nächsten Bild knubbelt die Unterkante ihres Spitzenpullovers zusammen, damit man nicht sieht, dass es nen Wallewalleding ist. Schönes Knotendetail (achneeeee, Knooooooten? Das habe ich mir schon IMMMER gewünscht, so originell!) Den dazughörigen Rock finde ich auch ganz nett. An hinten länger und Godets gewöhne ich mich langsam. Aber dieser Rock lässt genau die Frage offen "was ziehe ich obenrum an". Keine Ahnung, jedenfalls kein Wallewalleshirt, dass ich immer zusammenknubbeln muß, um damit eine gute Figur zu haben. Etuikleid und Schößchenjacke, die nun kommen sind ok bis schön, aber diesen Chefinnenblick muß ich noch üben. Dann kommt ein Kleid mit interessantem Kragen und französischen Effekt "der aussieht, als hätte frau einen Pullover über der Schulter". Ich bin fast sicher, dass das nicht wörtlich übersetzt ist. Glücklicherweise ist auch hier die Taille nicht zu sehen, um den Schnitt besser beurteilen zu können. Die Hose auf der nächsten Seite ist vermutlich schön, aber auch hier beantwortet das Bild nicht die Frage, was man obenrum dazu anziehen könnte, dass es GUT aussieht. Den Mantelkragen finde ich nicht schlecht und super finde ich, dass der Mantel von der Seite aus echt unvorteilhaft aussieht, wenn man wie ich es nicht mag, dass es unter dem Busen einfach gerade runterhängt. Ein dickes Lob an Burda für die Seitenansicht.

Als nächstes kommt das Titelmodell. Ein Traum von einem Kleid - aber ich weiß nicht, wann ich so einen Ausschnitt tragen könnte. Mir geht das sowas von auf den Zeiger, dass bei dicken Frauen immer gesagt wird "aber du hast doch ein schönes Decoltée". Stimmt, aber deswegen brauchen sie sich doch nicht bis zum Bauchnabel frei machen! Und ganz ehrlich Burda, mein Leben besteht wirklich nur zu ganz kleinen Teilen aus "führungsstil, abend, folklore und wohlfühlen".

Auf die nächsten Modelle, mag ich gar nicht näher eingehen. Das Übliche: Fotos auf denen man nicht viel erkennt und absurde Materialien. Aber vielleicht bin ich einfach nicht modern genug. Das schöne Kleid von der Frau mit dem wilden Blick kommt "für abends" noch mal, auf diesem Foto sieht man, dass die tiefergelegte, gekräuselte Taille vermutlich nur für wenige Frauen vorteilhaft ist. Schade, obenrum sieht das Kleid gut aus. Gekauft habe ich das Heft auch, weil es zwei Trachtenmodelle gibt, aber da mag ich eigentlich nur die Blusen. Hinten gibt es einen Hausmantel - allerdings ungefüttert und eine Tunika, die ich nähen würde, würde ich Tunikas tragen.

Das Schreiben dieses Blogspostes, hat länger gedauert, als das zweimalige gründliche, mit genauem Hinsehen, Durchblättern des Heftes. Haben sich die 5,60 € jetzt schon bezahlt gemacht? Nein! Erst als ich die Texte las, war ich vollkommen überzeugt. Wie gut, dass ich die Knip Mode im Abo habe! Vermutlich steht da genauso ein Quatsch mit Kaschieren und "Weiblichkeit feiern", aber das verstehe ich wenigstens nicht. Wenn ich das lese "dank des Gummis an den Flügelärmeln passen sich diese den Oberarmen an", dann kann ich nur mit den Augen rollen. Unter mein nächstes Foto zitiere ich dann "inspirierend ist hier nicht nur das Model, sondern auch ihre Tunika".

Ich weiß, ich weiß, es ist nicht originell, in das übliche Burda-Bashing einzustimmen. Aber ich hoffe, dieser Post erinnert mich daran, keine Zeitschriften mehr zu kaufen und das Geld lieber für Schnittunterricht zu sparen.

* Artikelüberschrift schamlos geklaut bei Frau Nahtzugabe.

Freitag, 22. August 2014

Dies und Das

Meine Lieben, ich bin ein wenig in Plauderlaune, weil ich ein paar Aufgaben vor mir her schiebe. Da ist es bestimmt eine gute Idee, einen Blogeintrag "zum Warmschreiben" zu schreiben.



Gestern kribbelte es mich schon in den Fingern, das Zwillings-Frau-Kirsche-Schwalben-Kleid zu beginnen, nachdem der Entschluss endlich gefasst und noch Nachschub an hellblauer Paspel besorgt war. Die Familie sabotierte allerdings mein erhofftes Nähzeitfenster und abends war ich dann doch zu faul, den familiär kunstvoll dekorierten Esstisch soweit aufzuräumen, dass darauf ein Kleid zugeschnitten werden kann. Ich bin mit der Wahl des Frau Kirsche Kleides aus Schwalbenstoff aber nun sehr zufrieden. Eure Argumente überzeugten mich, dass das schon alles schön und gut so ist. Ich hoffe ja, dass ein Fitzelchen Stoff übrig bleibt, um den Gatten eine passende Fliege zu nähen. Nicht erschrecken, keine Fliege wie der Fliegenhuber, sondern einen richtigen Binder. Immer, wenn der Gatte in einem Film sieht, dass der Held nach einer Abendveranstaltung das Jackett auszieht, die Fliege öffnet und diese dann lose über das Hemd baumeln lässt, seufzt er. Ich fände das schon auch sehr schick an ihm und stelle mir eine Fliege, die auf der einen Seite Schwalben hat, sehr schön vor. Aber auf die andere Seite? Und überhaupt, was zieht er dann an. Er hat ein neues, ungetragenes Bundestrainerhemd in marine. Darf man dazu heutzutage eine schwarze Hose und eine offene Fliege mit Schwalben tragen. Ich erinnere nur daran, dass es eine bunte Hochzeit wird, wir können ja sowieso machen was wir wollen. Mir würde das auf jeden Fall gefallen.

Webware für Tellerröcke

Ansonsten drängt es mich wirklich sehr, die beiden geplanten Tellerröcke zu nähen. An sich kein größeres Projekt nur, dass ich mir vorgenommen hatte, mal einen 3/4-Teller auszuprobieren. Das heißt, vor dem einen Nähen steht das Denken und bekanntlich schiebe ich solche Projekte gerne mal vor mir her.

Jerseys für weitere Vichy-Kleider

Auf Vichy-Kleider-nähen habe ich trotz großem Jerseyvorrat keine Lust. Das Tiramisu hat mir ein bißchen die Lust auf Vichy verdorben. Ich bin zur Zeit ziemlich taillenbandsüchtig. Jetzt bin ich allerdings wenig wickeloberteilsüchtig, so dass es mich auch irgendwie wenig reizt, Tiramisu mit langen Ärmeln zu nähen. Ich lasse das mal noch ein bißchen wirken. Vielleicht bekomme ich noch die zündende Idee, was beim Tiramisu über dem Taillenband passieren könnte. Hinderlich für diese Vorhaben ist auch, dass ich Jerseymengen passend für Vichy gekauft habe, dass es also mit den gekauften Jerseys sowieso nicht funktionieren könnte. Also, Projekt erst mal auf die Seite.

Apropos Wickel: Frau Nahtzugabe erwähnte gestern die Möglichkeit einer Wickelbluse als Oberteil für Tellerröcke. Die Idee finde ich gar nicht schlecht. Ich mag ja Kragen sehr gerne. Das Einzige, was mich an Blusen stört ist, wenn sie zu blusig unter dem Busen werden. Das ist ja sehr unvorteilhaft für mich. Vielleicht wäre so ne Wickelbluse etwas für mich. Ganz gewagt denke ich sogar darüber nach, ob das nicht sogar mal ein Jerseyblusenprojekt werden könnte, was ich auch schon länger mal angehen wollte. Das wäre dann zwar auch ein Shirt über dem Rock - also nicht als HGO gemeint - aber durch den Kragen wäre es etwas feiner.

Das führt mich zu meinen nächsten Überlegungen: Ich habe hier noch einen wunderschönen dunkelblauen Viscosejersey liegen, aus dem ich eigentlich ein Shirt zur krassen Bux nähen wollte. Dann ist mir aber eingefallen, dass Shirts aus Viscosejersey in der Regel subotimal sind, weil sie, wenn sie eng vernäht werden, wirklich jedes Röllchen in den Vordergrund heben. Es ist wirklich komisch. Ich habe keinerlei Hemmungen, Kleider aus Viscosejersey zu nähen, aber alle Oberteile, die ich bisher aus Viscosejersey und alle Kleider, die ich aus uni-Viscosejersey genäht habe, wanderten letztendlich in die Tonne. Also doch ne Wickelbluse? Wie ist das bei euch? Stelle ich mich an oder ist das bei euch und dem Viscosejersey auch so?

Noch zu erwähnen wären das fast fertige Jeansjackett und den fast fertigen dunkelblauen Wintermantel. Bei beiden müsste "nur noch" Futter und Oberteil verbunden werden. Sollte ich mal machen. Ganz abgesehen davon, dass ich ja eigentlich unbedingt noch ein rotes Jackett zum roten Teller nähen wollte. Aber das Jeansjackett ist leider nur so lala geworden. Ich hatte davon geträumt, einen tollen fertigen Jackettschnitt nach dem Schnittkurs zu haben. Leider ist es bisher nur ein langweiliger Grundschnitt und noch nicht das, was ich mir erträumte. Da muß ich also auch noch Gehirnschmalz reinstecken.

Ach und zu guter Letzt habe ich mir natürlich noch eine Aufgabe organisiert. Passend zum HosenHerbst, werde ich meinen Schnittkurs wieder aufnehmen. Am nächsten Freitag geht es los mit dem Hosengrundschnitt. Ich freu mich drauf.

Tja, ihr seht, ich betreibe Nähnerd-Prokrastination vom allerfeinsten. Das liegt auch daran, dass zum Ende des Monats die Steuererklärung abgegeben werden muß und ich ziemlich viel Zukunftsprojekte auf dem Schreibtisch liegen habe.... Aber immerhin, ich bin wenigstens nicht vom Jahreszeitenwechsel nähgelähmt. Ist ja auch schön!

Mittwoch, 20. August 2014

HGO Hochzeitsgastoutfit - eines der liebsten Nähnerdprobleme

Huch, die Zeit rast. Die Hochzeit, zu der wir eingeladen sind, wähnte ich noch lange hin, aber ein Blick auf den Kalender verrät mir, dass sie schon in gut zwei Wochen ist (und vorher muß noch die Steuererklärung gemacht werden, hachjee...). Was ziehe ich nur an?!

Auf der Einladung steht zur Kleiderordnung "kommt so, wie ihr Euch wohl fühlt" und von der Braut weiß ich, dass sie auf jeden Fall farbenfroh,  gekleidet und in bequemen (Pädagoginnen-)Schuhen  unterwegs sein wird. Also theoretisch habe ich kein Problem. Praktisch ist es aber so, dass ich es schon schön finde, mir ein neues Kleid zu nähen, wenn ich endlich mal wieder einen Anlass habe, um mit meinem Mann auszugehen. Ich fände es schick, ihn wieder mal in schick zu sehen - da brauche ich ein adäquates Kleid dazu.




Also was tun? Ein glänzendes Taftkleid muß es natürlich nicht sein, das wäre wirklich overdressed, wenn die Braut in buntgemusterter Baumwolle tanzt. Die einfachste Möglichkeit, wäre ein Frau-Kirsche-Kleid und die Schwalben würden sich dafür anbieten. Wo habe ich nur die hellblaue Paspel hingelegt, die ich schon mal zur Umsetzung dieses Planes kaufte? Was meint ihr? Eine gute Idee oder habt ihr eine Bessere?

Schick fände ich auch einen Tellerrock aus dem gepunkteten Stoff, dessen Textur ist sehr besonders und irgendwie festlich. Aber was für ein Oberteil dazu? Normalerweise trage ich zu Tellerröcken T-Shirts, aber das geht wohl eher nicht. Was könnte ich obenrum anziehen, was schick und eng und trotzdem nicht Shirt ist? Für einen Blazer reicht der Stoff nicht und für ein Kleid ist er relativ knapp und mir eigentlich auch zu steif.




Oder gibt es irgendein Argument gegen schwarze Kleider auf einer Hochzeit? Nicht, dass ich Unglück bringe! Wenn schwarz zu so einem Anlass Unheil bringt, müsste ich mich vielleicht dazu aufraffen, die blauen Pagoden anzuschneiden. Aber neee, das ist noch zu früh! Der Stoff wartet noch auf den perfekten Schnitt!

Komisch! Denk ich an schwarz, weil der Sommer gerade so wenig sommerlich ist? Theoretisch müsste es doch möglich sein, zu einer Hochzeit Anfang September im Sommerkleid zu kommen! Ich hätte da noch den einen oder anderen bunten Kleiderstoff im Vorrat (gelb, rot, rosa) Aber ich weiß noch, letztes Jahr war ich im Ming-Vasen-Kleid auf einer Hochzeit mit ähnlicher Ansage und fühlte mich unwohl im hellgrundigen Kleid, obwohl ich es sehr mochte.