Donnerstag, 5. März 2015

SPOILER: Great British Sewing Bee - Staffel 3 Folge 5

############ACHTUNG SPOILER############

Wer die 5. Folge der 3. Staffel der GBSB noch sehen möchte und nichts darüber wissen möchte, darf diesen Post noch nicht lesen!

############ACHTUNG SPOILER############

Willkommen zum vorletzten Teil meiner kleinen Spoilerserie. Wie in den Wochen zuvor, versuche ich mich an einem schnellen Rückblick auf die aktuelle Folge der britischen Sewing Bee; heute war Halbfinale und Schwierige-Stoffe-Woche. Wie jede Woche schreibe ich direkt nach dem Ende der Ausstrahlung, mit ein paar Notizen zur Sendung, aber ohne durchdachtes Konzept. Es geht mir um einen frischen, noch ganz spontanen, wenig intellektualisierten Rückblick. Here it is:

Bei Aufgabe Nummer 1 war ich verblüfft. Ok, Spitze ist zwar ganz bestimmt ein herausforderndes Material, aber ein enger Rock ist etwas, was sicherlich jedeR schon mal genäht hat: Drei Teile, zwei Abnäher und ein nahtverdeckter Reißverschluß... uuuund Futter. Hey Klamotten haben auch ein Innenleben? Ein ganz neuer Aspekt des englischen Nähwettbewerbs!

Wie jede Woche machte ich mir so meine Gedanken zur Wahl des Materials und der Werkzeuge. Wenn etwas irgendwie zickig ist, bevorzuge ich den Rollschneider, weil die Schere, wenn sie nicht ganz ordentlich unter dem Material auf dem Tisch liegt, alles in Bewegung bringt. Ich war erstaunt, dass dennoch von Vielen mit Scheren zugeschnitten wurde. Erst im Laufe der Aufgabe kam ich dahinter, welche Schwierigkeiten in dem Projekt stecken können. Die Frage, wie mit den Nahtzugaben umgegangen wird, stelle ich mir recht selten. Es gibt sie einfach, meist werden sie versäubert und je nach dicke des Materials mache ich das vorher, um sie auseinander zu bügeln oder säume sie faul zusammen, nach dem Zusammennähen. Da ist Spitze natürlich tricky und obwohl in der Sendung einiges darüber gesagt wurde, was ich leider nicht wirklich verstand, habe ich immer noch keine Vorstellung davon, was frau idealerweise mit den Nahtzugaben macht. Bei Kates Hochzeitskleid waren sie auf jeden Fall sehr ordentlich.

Als es zu den Juryurteilen kam, war ich echt platt. Als Matts Rock vorgestellt wurde, jubelte ich innerlich "ach schau mal, der macht ja genauso unordentliche Säume wie ich" und ich meinte den Futterrock, der echt einen unordentlichen, dicken, komisch zuppelnden Saum hatte. Aber die Jury kommentierte den Rock mit "Sewing extremly good". Ach.... Ich glaube, diese Folge muss ich mir doch noch ein zweites Mal anschauen und dann immer erst die Jury-Urteile und dann noch mal das Ergebnis anschauen. Ich fürchte, ich sehe da zum Teil andere Dinge.

Diese Woche hatte ich mir vorgenommen, nicht über die Menschen zu urteilen, in der Vermutung, dass es sich um gewissermaßen zugewiesene Rollen handeln könnte, die von Menschen dargestellt werden. Machen wir uns nichts vor, Schnitt und Regie haben einen großen Einfluss und entscheiden, was sie uns von dem mehrstündigen Material zeigen. Ganz abgesehen davon, dass ich auf deutsch schreibe und mein Geschreibsel die englischen KandidatInnen vermutlich nicht interessiert, fand ich doch den Hinweis einer Nähnerdfreundin sehr wertvoll, nicht zu vergessen, dass Menschen beteiligt sind, für die es verletzend sein könnte, etwas negatives über sie zu hören oder zu lesen.

ABER. Es geht  nicht, auf diese Gedanken zu verzichten. Das ganze Sendeformat ist auf Wettbewerb ausgerichtet und spielt mit unseren Gefühlen. Es ist quasi unmöglich, sich von Sympathien oder Antipathien frei zu machen, denn wir werden dazu eingeladen, mitzufiebern. Insofern weiß ich nicht, wie frei von Gefühlen mein kritischer Blick auf Matts Rock ist. Aber der jubelnden innerliche Triumph beim Blick auf den Futtersaum war unzensiert, der war einfach da. Ich fand den Saum sympathisch menschlich :-) Und trotzdem, mein Lieblingsrock war von Lorna und ich hatte schon ganz am Anfang der aktuellen Sendung das Gefühl "Deborah kommt" und ihr Spitzenrock war in meinen Augen spitze. Insofern fand ich es auch durchaus interessant, dass sie im Pauseninterview sagte "immerhin bin ich vor Neil, das ist ein Erfolg". Ja, solche Sätze sagen Menschen, wenn sie in Wettbewerbssituationen gedrängt werden und immer wieder genau auf den Wettbewerb zielend interviewt werden.

Die ganze Folge ging es mir so, dass ich dachte "Strike, jetzt weiß ich, warum ich Deborah mag" und ihr merkt, ich bin wieder drin in diesen persönlichen Aussagen. Die Theorie und die Praxis, die guten Vorsätze und so.... aber kam es euch nicht auch so vor, als stünde Deborah plötzlich mehr im Mittelpunkt, als zeigte sie uns erst heute, welches Talent in ihr steckt? Vielleicht lag dieser Eindruck daran, dass sich Kamera und Regie auf weniger Personen konzentrieren mussten und jede KandidatIn dadurch einfach mehr Raum bekam. Und trotzdem...... ach Meike, hör auf!

Doch immer wieder mußte ich an die klassische Heldengeschichte denken. Wir hatten es ja schon geahnt, dass Neil keinen Durchmarsch zum Finale machen würde, sondern der Spannung zuliebe erstmal eine Krise bekommt. Da mögen jetzt böse Zungen mit Verschwörungstheorien kommen, aber vielleicht war es ja auch das Unbewusste, mit dem  fast alles erklärt werden kann und die Psychoanalytische Theorie hat ja durchaus ein Faible für Heldengeschichten. Tja, wir haben es eben gewusst. Das ist die Klugheit der Masse - wenngleich natürlich wir Kommentatorinnen auf meinem Sofa, die wöchentlich die Folge auswerten natürlich noch bei weitem nicht die kritische Masse erreichen. Im Klugscheißen sind wir trotzdem ziemlich gut, finde ich. Danke!

Kommen wir zur zweiten Aufgabe. Ha! Nennt mich Trendsetter! Neopren! Ich muss allerdings zugeben, dass ein Anzug doch etwas schwieriger zu verarbeiten ist als Meterware. Aber Neopren bleibt Neopren: Faszinierendes Material, leicht zu verarbeiten und franst nicht. Obwohl ich wahrlich kein kreatives Ass bin - diese Aufgabe hätte ich GELIEBT! Die Aufgabenstellung war einfach toll: Neopren modern im Materialmix zu einem klar definierten Kleidungsstück, sprich einem Kleid, zu verarbeiten. Sehr klare Aufgabenstellung und genau wie bei der ersten Aufgabe schoss mir der Gedanke durch den Kopf "ach, diese Woche leichtere Aufgaben, wie kommts?".

Deborah gewann die zweite Aufgabe, aber das nützte ihr nix. Können wir ein Muster erkennen? Spielt die Veränderungsaufgabe nicht so eine große Rolle bei den Bewertungen oder ist da mal so oder mal so? Mir hat gefallen, dass Lorna mutig war. Ich erinnere mich, dass wir mal die Hypothese hatten, dass die zweite Aufgabe nicht ihr Liebstes wäre. Und ich war froh, dass die Jury ihren Mut anerkannte. Es wurde erstaunlich wenig zu Neils Ding gesagt, fandet ihr nicht?

Achja, der Einspieler zum Thema Spitze, den hatte ich vergessen. Gut. Ok. Ganz interessant. Doch, doch. Ich mag die Einspieler, aber ein Einspieler pro Sendung wirkt so nen bisschen wie Werbepause, passt irgendwie nicht so recht zu dem Rest, auch wenn es um Spitze und Spitze ging. Nun gut.

Die letzte Aufgabe: Lederjacke. Hey, auch ne coole Aufgabe! Das würde ich auch gerne mal probieren, wenn mir jemand das Leder für ne große Größen Jacke spendiert ... oder für nen Mantel *träum*. Habt ihrs gemerkt, die Teile waren schon zugeschnitten. Herrlich! Das hätte ich auch gerne, einfach nur Nähen ohne das lästige Zuschneiden im Vorfeld. Irgendwie fand ich das auch für die Sendung und die KandidatInnen gut. Wahrscheinlich wäre es aber sonst in den üblichen Zeitvorgaben nicht zu schaffen gewesen. Ich sage nur 6,5 Stunden. Haha... Worauf kam es an? Passform, gute Konstruktion und alles im ersten Durchgang schaffen, weil Leder nach dem Trennen perforiert ist. So weit so gut, wie genial von Lorna mit der Futterjacke anzufangen. Als ich das sah dachte ich, wie gut ich es fände, wenn die Jury auch den Prozess des Nähens und des Projektmanagements bewerten würde und nicht nur das Ergebnis. Wenn sie das machen würden, dann wäre da durchaus noch ein bisschen mehr Lernen drin.

Ach, was habe ich gelitten, als der Reißverschlußnippel durch die Lüfte flog. Jaja, ich kann mich einfach nicht davon frei machen, ich fiebere mit, ich bin gefangen, ich mag Deborah. Aber das ist eben auch eine Unterhaltungssendung und Emotionen unterhalten.

Was ich gar nicht verstanden habe, waren die Bewertungen der Jury zu den Lederjacken. Spielte es nun eine Rolle, ob Futter drin war oder nicht, wie wurden die Jacken bewertet und in Reihenfolge gebracht. Sind unterschiedliche lange Vorderteile nun schlimmer als zu enge Ärmel oder hängende Schultern, oder nicht? Kam es jetzt auf Passform an oder auf Topstitching? Es ist mir ein Rätsel. Wurde die finale Bewertung überhaupt gezeigt? Oder war ich schon zu müde, um das mitzubekommen? Jedenfalls war ich als Zuschauerin nicht in der Lage, eine Reihenfolge der Sieger für diese Aufgabe zu bilden. Ich konnte kaum sagen, welche Jacke ich wie gut einschätzte. Komisch. Auf einmal ging es am Ende ganz schnell. Ich dachte, Deborahs Taucherkleid würde Kleidungsstück der Woche, aber nee, Neil gewann, weil der Magnetdruckknopf so ne witzige Idee war. Und dann überlegte ich noch schnell, wer wohl rausfliegt und dachte, "Na klar, Paul und Matt" und war dann doch sehr verwundert, dass es Deborah war, die gehen musste. Also zwei Männer im Finale und Lorna. Ob es Lorna Neil noch mal richtig schwer macht?

Und ihr so? Was habt ihr euch so beim Sehen der vierten Folge gedacht. Nehmt Platz auf dem Sofa und berichtet. Ich freue mich schon darauf zu lesen, an was ihr euch so erinnert und was bei euch welchen Eindruck hinterlassen hat.

Mittwoch, 4. März 2015

MMM - mit dem schlechtesten Foto ever



Heute mal ein Beitrag zum Me Made Mittwoch, mit einem wirklich fürchterlichen Foto. Aber weil ich gefühlt schon ewig nicht mehr beim MMM mitgemacht habe und weil ihr meine Garderobe gut kennt und euch deswegen eigentlich auch schon vorstellen könnt, wie es aussieht, zeige ich es trotzdem.

Wenn ich nicht unfähig gewesen wäre die Spiegelreflexkamera meines Manne von Sendung-mit-der-Maus-Fotokunst auf Normalbetrieb umzuschalten, könnte frau und man einen Tellerrock ("halber Teller") aus dem neumodischen Material Neopren sehen und ein selbstgenähtes Shirt aus Baumwolljersey mit Blümchen, das ihr schon von meiner letzten MMM-Teilnahme kennt. Die Silhouette, der Stil, das Rockschnittmuster - kennt ihr alles, ich laufe ja auch kaum in was anderem herum. Aber der Rock ist trotzdem interessant, deswegen zoomen wir jetzt noch mal näher dran. 




Vielleicht waren einige schon erstaunt, als sie Neopren lasen. Hä, ist das nicht das Material für Taucheranzüge? Ja, das ist es, aber es ist auch so nen modernes Zeugs, was nun für Kleidung benutzt wird. Ich finde es ist ein faszinierendes Material: es ist leicht zu verarbeiten, franst nicht, fällt wie ein vornehmer Stoff und ist dehnbar wie Jersey. Ich glaube, es gäbe 1000 Verwendungsmöglichkeiten dafür. Ich habe damit zum Beispiel schon meine Clutch gefüttert und eine Batmanmütze genäht. Dafür war es perfekt. Da es Neopren oder Scuba, wie es neudeutsch heißt nun auch in aufregenderen Versionen als dunkeblau oder schwarz gibt, wollte ich gerne mal einen Rock daraus probieren und dieses Rosen geprägte Material fand ich besonders faszinierend. Wenn ihr genau hinseht, erkennt ihr zwar nicht, dass die Farbe marine ist, aber ich denke ihr seht, dass das Muster tatsächlich geprägt ist. Spannend, oder?

Rockschnitt: halber Teller, selbst gemacht
Shirt-Schnitt: Stoff und Stil

Nähen lässt es sich, wie gesagt, pipieinfach. Einziges Problem: es ist relativ dick und es lässt sich nicht bügeln. Es ist also günstig auf alle figelinschen Dinge, die ein Schnittmuster enthalten könnte, zu verzichten. Den nahtverdecken Reißverschluß einzunähen war nicht ganz einfach, weil das Neopren schon ziemlich elastisch ist und ich vergaß, ein Nahtband aufzubügeln, was aber nicht dramatisch ist, denn es hätte ohnehin nicht geklebt. Auch mit dem Bund hatte ich meine Probleme. Einlage aufbügeln hält nicht, deswegen habe ich den Bund, trotz eleganter Nahtschattennahtverarbeitung dann doch noch mal an der Oberkante abgesteppt, damit die Einlage nicht rutscht. Beim Bundannähen merkte ich auch bereits, dass sich die Oberkante des Rockes gedehnt hatte, also nähte ich den Kopf etwas mehr an die Seite, als zunächst geplant, was eine doofe Falte über dem Reißverschluß macht. Ich bin auch nicht sicher, ob sich der Bund trotz Einlage beim Tragen noch aushängen wird. Jedenfalls habe ich den Rock mit Wäscheklammern eine Woche aushängen lassen, bevor ich den Saum nähte, weil ich nicht sicher war, ob sich das Material verändern würde oder nicht.  Den Saum umnähte ich mit schmalem Satinschrägband, weil Umschlagen einen dicken Wulst ergeben hätte. 

Ich bin froh, einen dunkelblauen neuen Rock zu haben (der auch ohne den warmen Petticoat darunter schön fällt), weil ich glaube, dass er gut zu meinem Leben und meinen Bedürfnisse passt und er meinem geliebten roten Rock vielleicht mal etwas Pause verschafft, bin aber gespannt, wie er sich längerfristig tragen wird. So ganz traue ich dem Material noch nicht - wir werden sehen. Meine Hoffnung ist aber, dass er ein unkomplizierter, schicker Rock wird und irgendwas sagt mir, dass das auch der Fall sein wird, denn im Gegensatz zu manch anderem fertig genähtem Stück, mag ich ihn schon jetzt! 

Mehr selbstgemachte Sachen an echten Menschen findet ihr wie immer Mittwochs auf dem Me Made Mittwoch Blog, heute mit Frau Rogenrüth als Gastgeberin OHNE Strümpfe. Ach, da freu ich mich auch schon wieder drauf! 

Montag, 2. März 2015

Nähen ist das neue Kochen

Irgendwie liegt es in der in der Luft, dass Nähen einen Popularitätsschub bekommen könnte. Die englische Sendung über das Nähen Great British Sewing Bee wird gerade in der dritten Staffel ausgestrahlt und bekommt nach und nach Kinder: es gibt einen französischen Ableger, einen Niederländischen, es gab wohl eine norwegische Sendung über das Nähen, im deutschen Regionalfernsehen im Kabelnetz und für ganz Deutschland und auch in Amerika gab es immerhin schon mal einen Aufruf zum Casting. Fernsehen ist ein Massenmedium - das Thema Nähen scheint nun massenkompatibel zu werden. Vor einigen Jahren begannen die Kochsendungen die deutsche Fernsehlandschaft zu überschwemmen - wieso sollte das, was beim Kochen möglich ist, nicht auch mit dem Nähen möglich sein. Vermutlich hätte vor 20 Jahren noch jeder Sender abgewunken, wenn jemand eine Kochsendung realisieren wollte von wegen "das muß man riechen und schmecken, die Botschaft bekommen sie nicht über das Fernsehen realisiert" oder "wer interessiert sich schon fürs Kochen, die Welt freut sich über Convienienceprodukte" oder aber "Kochen? Das ist doch nur was für Frauen!". Aber das scheinbar Unmögliche wurde möglich und obwohl Kochsendungen schon länger todgesagt wurden, gibt es sie immer noch.

Gleichzeitig schwant es nicht nur mir, dass Nähen auch anderweitig aufgewertet werden könnte. In der englischen dritten Staffel der Great British Sewing Bee gibt es auf einmal Männer, die richtig nähen können, mindesten einen Mann, der eine gute Chance auf den Gewinn des Wettbewerbs hat und Männer, die sich gegenseitig abklatschen, weil sie einen guten Job machen. Erinnert ihr euch an MyBoshi? Kaum nahmen sich Männer dem uncoolen Häkeln an, wurde es ein Trend. Und dann gab es noch die putzigen Männer, die Christbaumkugen strickten und auf der Buchmesse letztes Jahr in Frankfurt sah ich eine einzige Handarbeitsvorführung: ein häkelnder Mann, vermutlich Nachahmer der MyBoshi-Vorreiter. Selbst das zieht.



Vielleicht habt ihr dieses Interview über nähende Männer letzte Woche gelesen, auf das uns Frau Drehumdiebolzen auf twitter aufmerksam machte. Fünf Männer erklären, warum sie nähen und wir weiblichen Nähnerds auf twitter waren eher irrtiert, als begeistert. Auf twitter ist so etwas schwierig zu diskutieren, umso erfreuter war ich, als Lotti Frau Fadenverloren in einem Blogpost aufschrieb, was vielen durch den Kopf schoß.




Na, darauf werden auch andere schon gekommen sein und spätestens, wenn sie unsere Beiträge lesen, werden sie darauf kommen. Männer, es warten lukrative Buchverträge auf euch! Wie sollen sich Männer, denn mit Handarbeitsbüchern voller Röcke, Deko, Haushaltskram und Kindersachen identifizieren? Von Männer für Männer, so einfach ist das und vermutlich ist das mehr als eine Pressemeldung wert. Schaut her: Handarbeiten sind doch gar nicht so schlecht, sogar Männer begeistern sich dafür!

"Ich frage mich ja seit langer Zeit, wo dieses negative Image herkommt. Und ich frage mich (eigentlich immer mehr) warum textile Arbeiten als weibliche Arbeit gelten. Wie hängen beide Aspekte zusammenhängen: Ist das Handarbeitsimage negativ, weil es weiblich besetzt ist, oder ist es weiblich besetzt, weil Männer zu stolz / sich zu schade sind für schlecht angesehene Tätigkeiten?" Suschna

Bisher ist das anders. Es gibt natürlich Berichte über Handarbeiten, aber diese haben alle ein Geschmäckle. Nähen, Stricken, häkeln, so lange es von Frauen ausgeübt wird,  hat es nicht den besten Ruf. Hypothesen dazu, könnt ihr bei Suschna und KittyKoma nachlesen, das ist wahnsinnig spannend.

Was bedeutet das für uns, wenn Handarbeiten zum neuen heißen Ding werden?


Nehmen wir ganz hypothetisch an, es gäbe auch in Deutschland eine Nähsendung im Fernsehen. Was würde das mit uns und unserem Hobby machen? Was würde mit unserer kuscheligen Ecke im Internet passieren? Wie würde es uns damit gehen? Als The Great British Sewing Bee vor zwei Jahren in England startete, waren wir alle euphorisch. Wir waren begeistert von der Sendung, wir liebten die KandidatInnen und wir freuten uns, dass das, was wir lieben sogar in einem Massenmedium gewertschätzt wird. Die Begeisterung ist ungebrochen. Wir tun auch bei der dritte Staffeln noch alles dafür, diese sehen zu können, aber wir fangen an, genauer hin zu sehen und ich glaube, das ist gut so.

Das "neue Handarbeiten" ist derzeit nur ein Phänomen unter vielen und findet in einer Nische statt. Es ist stark mit dem Internet verknüpft: gut vernetzte Blogs, kostenlose Anleitungen, gemeinsame Schaffen-und-Zeigen-Aktionen (Sew Alongs, Knit Along und Linksammlungen wie der Me Made Mittwoch) machten es auch denjenigen möglich, bei denen der Fluss der Wissensvermittlung von den Ahninnen unterbrochen war. Im Internet ist es ein Special-Interest-Thema, eine Nische in die sich nur diejenigen verirren, die gezielt danach suchen. Für den Rest der Welt, hat das, was wir in unserer Nische machen keinen Relevanz. Das könnte sich ändern, wenn es das Nähen auch ins deutsche Fernsehen schafft und wahrgenommene und positiv bewertete Männer unser Hobby bekannt machen.

Hat es mehr Vor- oder Nachteile für uns, wenn unser Lieblingshobby, unsere Leidenschaft, massentauglich und stärker kapitalisiert wird? 


Es hat sich schon viel geändert. Es hat den Anschein, als würde unsere Nische beständig größer werden. Wir können alle ein Lied davon singen, wie viel besser, die Ausgangsbedingungen zur Ausübung unseres Hobbys in den letzten Jahren geworden sind. Neben dem Schatz, den uns das Internet bietet, sind in den letzten Jahren an vielen Orten neue Handarbeitsläden, Nähcafés etc. entstanden. Es ist sehr viel leichter, an "Stoff" nicht nur im ursprünglichen Sinne zu kommen. Das ist toll! Während vor einigen Jahren die ersten Nähenden im Internet noch verzweifelt nach Gleichgesinnten suchten, gibt es mittlerweile (mehr als) eine große und lebendige Szene. Wir Nähnerds sind eine Nische in der Nische und noch nicht mal eine abgegrenzte Gruppe. Wir wissen, dass es auch andere Nischen gibt, in denen genäht wird und das ist gut so.

In meiner Ecke des Internets wird für sich selbst genäht. Wir nähen unsere Bekleidung selbst, wagen es, uns zu zeigen und teilen unsere Erkenntnisse. Das ist so unglaublich nährend und selbstermächtigend für unser Selbstbild als Frau und unser Selbstbewusstsein. Manchmal möchte ich vor Glück laut losjubeln, dass es euch, eure Blogs, eure Kommentare, eure Aussagen auf twitter, meinen Flauschbereich im Internet gibt und dass ich mit euch gelernt habe, was es für mich bedeutet, mit meiner selbstgenähten Garderobe mein Selbstbild selbst zu gestalten und wie es geht, im Nahtschatten zu nähen. Ich möchte dieses Glück teilen und wünsche allen Frauen, dass sie früher oder später diese immense Chance entdecken, die das Nähen der eigenen Kleidung bietet.

Doch die anderen Ecken des nähenden, bastelnden, kochenden  Internets sind auch toll, wenn auch für mich derzeit aus vielen Gründen nicht ganz so spannend. Doch egal was wir selbst machen - es verändert etwas! Wenn wir Dinge selbst machen, dann lernen wir, sie mehr und mehr so zu machen, wie sie für uns gut sind. Wir lösen uns aus den üblichen Konsumprozessen und gestalten unser Leben und unsere Lebensumwelt nach eigenem Gusto. Das ist in jedem Fall bereichernd und lehrreich. Es lebe die Vielfalt! Alle DIY-Ecken des Internets sind gut. Ach hätten wir nur die Zeit überall zu schauen und uns inspirieren zu lassen! Wenn die Massenmedien uns und viele andere mit der Nase auch auf Unbekanntes stupsen, ist das nicht das schlechteste, auch wenn wir latent das Gefühl haben, dass wir Internettussis das alles schon vorher wussten. Mag sein - aber auch wir haben nur begrenzte Zeit und leben in einer Filterblase.


Selbermachen ist toll - je mehr es erkennen, um so besser!


Je mehr Menschen den Wert des Selbstgemachten erkennten, umso besser wird unsere Welt. Diese Theorie mag naiv klingen, aber ich glaube fest daran. An mir und an anderen kann ich beobachten, wie das selbst in die Hand nehmen, das Selbermachen, das Gestalten der eigenen Lebensumwelt mehr als die Garderobe veränderte. Durch das Selbermachen und das sich zeigen wird ein Erkenntnisprozess in Gang gesetzt, der sich auch auf andere Lebensbereiche überträgt. Da beginnt etwas, das nicht mehr rückgängig zu machen ist. Wenn unser Hörspiel zu Weihnachten auch ein Märchen war, die positiven Rückmeldungen dazu bestätigten uns darin, dass nicht nur wir so fühlen.

Was könnte passieren, wenn Handarbeiten (wieder) massentauglich wird? Was könnten die Nachteile sein? Ich weiß es nicht, weil ich es mir eigentlich gar nicht vorstellen will. Aber vielleicht packt diese Freude am Selbermachen nicht alle. Das kann schon sein, auch ich habe nach einer aktiven Phase als Teenager und junge Erwachsene fast zwanzig Jahre nur wenig gehandarbeitet, bis ich es wieder für mich entdeckte. Ich kann nicht genau sagen, woraus diese Pause resultierte. Vielleicht passte es nicht in meine Leben, vielleicht passte es nicht in die Gesellschaft. Wenn es mir passiert, kann es auch anderen so gehen. Ich will ja gar nicht alle bekehren. Es muß schon passen. Irgendetwas in uns muß reif dafür sein, etwas Neues auszuprobieren und das Leben die Hand zu nehmen.

Vielleicht wird Nähen auch nur ein kurzlebiger Trend. Vielleicht nähen nach einer Nähsendung im Fernsehen auf einmal mehr Menschen Loops und legen sie ein paar Jahre später zu den MyBoshis in die Altkleidersammlung. Vielleicht wird es nur eine Mode, die recht schnell von der nächsten Mode abgelöst wird. Oder, wenn Nähen nicht das neue MyBoshi sondern das neue Kochen ist, dann passiert vielleicht etwas anderes. Vielleicht gefällt es den FernsehkonsumentInnen Nähen zu konsumieren. Wir wissen alle, das nicht mehr Leute kochen, nur weil sie Kochsendungen im Fernsehen sehen. Und trotzdem sind diese Sendungen beliebt. Vielleicht passiert genau das gleiche rund ums Nähen? Vielleicht ist es einfach spannend, einen Nähwettbewerb zu sehen und wenn nach ein paar Jahren die Luft raus ist, wird eben ein TöpferInnencasting veransteltet. Wer weiß, jetzt wo Macramee Paracord heißt, erscheint mir alles möglich.

Oder aber wir Frauen werden als Zielgruppe entdeckt. Vielleicht gibt es irgendwann einen Fernsehsender wie  DMAX  für Frauen oder besser gesagt "für Menschen". Wenn Sendungen über das Angeln, das Tunen alter Fahrzeuge oder das Holzfällern im Dschungel interessant genug sind, um als Serien produziert zu werden, könnte es doch auch sein, dass es gar keines Wettbewerbs im mittlerweile auch schon ausgelutschtem Castingformat bedarf, um ein Thema interessant zu machen. Vielleicht entdecken irgendwann mutige FernsehmacherInnen uns nerdige Klamottennäherinnen und machen Sendungen, die für Aussenstehende möglicherweise absurd langweilig sind, für uns aber die logische Fortsetzung der Nähpodcasts von Frau Nahtzugabe5cm, bei denen wir gebannt zuhören, was zwei Frauen, über ihre Leidenschaft, die auch unsere ist, erzählen.

Ich sehe das Glas halbvoll statt halbleer und nehme es als Chance, wenn Handarbeiten durch Männer oder das Fernsehen eine Aufwertung bekommt. Ich bin bereit mein Glück zu teilen und der festen Überzeugung, dass es genug Materialien für uns alle gibt und das Internet groß genug ist, noch mehr Handarbeitsnischen ein Zuhause zu bieten. Wenn mehr und mehr Menschen das Selbermachen für sich entdecken und daraus ein neues Selbstbewußtsein, eine innere Stärke und die Lust, etwas zu verändern bekommen, das wäre doch einfach wunderbar!

In meiner Ecke des Internets passieren gerade spannende Dinge. Ich freue mich über unsere Diskussionskultur, es ist eine gute Mischung, aus Diskussion in den Kommentaren, Inspiration auf twitter und längerem lauten Nachdenken auf dem eigenen Blog - sehr inspirierend, danke!

Samstag, 28. Februar 2015

Nennt mich "Nahtschatten-Heldin"



Als ich den frischgewaschenen roten Lieblingsrock aufhängte und einen kritischen Blick auf den lieblos schief gesteppten Bund warf (nennen wir es Kunst!), bekam ich große Vorfreude auf die neuen beiden Röcke, die im Nieselwetter auf dem Balkon abhängen aushängen.

Ich bin begeistert von meinen Nahtschatten-Künsten. Schon lange ärgerte ich mich über meine dilettantischen Rockbünde und jetzt freue ich mich, dass ich am Sonntag die Muße hatte, meinen Nähkünsten eine neue Herausforderung zu spendieren und das Nähen im Nahtschatten auszuprobieren. Auf twitter bekam ich den freundlichen Hinweis, dass es gar nicht unbedingt sein muss, dass der Innenbund nach innen eingeschlagen wird. Es ist auch möglich, ihn mit Schrägband zu versäubern oder ihn einfach nur flattern zu lassen. Gute Idee, das mit dem Schrägband versuche ich auch mal und bevor ihr euch wundert. Ich füttere meine Röcke nur äußerst selten, denn ich trage sie entweder mit Petticoat oder gerne auch einfach so. Gutes Futter ist arg teuer und erfordert auch doofen Beschaffungsaufwand. Da ich Röcke gerne als schnelles Zwischendurcherfolgsprojekt nähe, ist das Nähen ohne Futter für mich ne gute Sache. Und wenn der Bund dann auch noch so schön Nahtschattenversteckt gesteppt wird - zucker!



Als Erklärung zu den Bildern: also, der Grüne war der erste Versuch mit eingeschlagenem Innenbund im Nahtschatten von außen abzusteppen. Der Dunkelblaue ist aus Neopren und da das eher wulstig, elastisch und labberig ist und außerdem nicht franst, habe ich dieses Mal den Innenbund einfach unversäubert hängen lassen. Die obere Bundkante habe ich deswegen noch mal abgesteppt, weil erstens die Bundeinlage auf dem Neopren nicht klebt und zweitens ich dem Bund noch mal etwas Stabilität geben wollte. Der rote Rock ist die "altmodische Variante mit eingeschlagenem Innenbund und unordentlich rundum abgesteppt.



Ist es nicht fantastisch, dass es beim Nähen nach oben keine Grenzen gibt? Kann es uns jemals langweilig werden mit diesem Hobby? Ich fürchte nein und bin immer noch ganz verwundert, welche Richtung meine Entwicklung einschlägt, die ich niemals so planen könnte.

Begeistert bin ich aber nicht nur von der neuen Nähnerdevolutionsstufe, sondern auch voller Vorfreude auf meine zwei neuen Röcke. Ich kann zwar keine Strumpfhosen mehr sehen, aber ich freue mich wie Bolle auf zwei Röcke, die sich hoffentlich ebenso gut bewähren, wie mein roter Lieblingsrock. Ein kleines bißchen stolz bin ich auf mich, dass ich so wahnsinnig vernünftig zwei kombinierfreudige Röcke in uni nähe. Und dann fällt mir dazu ein, dass ich dringend interessante Oberteile dazu brauche.....

Donnerstag, 26. Februar 2015

SPOILER Great British Sewing Bee: Staffel 3 Folge 4

############ACHTUNG SPOILER############

Wer die 3. Folge der 3. Staffel der GBSB noch sehen möchte und nichts darüber wissen möchte, darf diesen Post noch nicht lesen!

############ACHTUNG SPOILER############

Donnerstag, Sewing Bee-Tag. Zur Einstimmung auf die heutige Folge blätterte ich durch "Ändern &Aufwerten von Kleidungsstücken" von Tersa Gilewska, dass ich aus der Bücherhalle ausgeliehen hatte. Kurz vor der Tagesschau, als das Kind gerade im Bett lag, überlegte ich, ob ich die Jeans zuschneiden soll, aber das wäre zu aufregend gewesen. Oder war ich aufgeregt, wie es bei der Sewing Bee weiter geht? Nein, ich muß zugeben, die Aufregung ist dahin. Die technischen Probleme sind gelöst und die Staffel bannt mich weitaus weniger, als die erste Staffel (die Zweite sah ich nur zum Teil).

Und nach der Sewing Bee gings schnurstracks aufs Klo. Ich vermute, es wäre sogar möglich, die Sendung mit ipad und Filmon-App pausieren zu lassen, aber das Risiko ist zu groß. Es könnte ja auch schief gehen, mir vertraue ich mehr, als der Technik. Also eine kurze Pause, bevor ich schnurstracks, ohne Konzept, aber mit ein paar Notizen diesen schnellen Post schreibe. Auf dem Klo fragte ich mich, wie nahe oder distanziert ich eigentlich diese Sendung sehe. Fühle ich mit den KandidatInnen mit, versetze ich mich in die rein, sind meine Lieblinge meine Lieblinge, weil ich mich mit ihnen am Besten identifizieren kann?

Irgendwie schon. Irgendwie stelle ich mir vor, wie ich reagieren würde, wenn ich die Aufgabe präsentiert bekommen würde. Ein Korsett! Krass! Ich weiß nicht, ob ich die Ruhe hätte, genau zuzuhören, wie die Aufgabe erklärt wird. Ob sie den TeilnehmerInnen überhaupt so erklärt wird, wie den ZuschauerInnen? Wir bekamen zu hören, dass es um Präzision geht. Als Teilnehmerin würde ich erstmal schockiert zusammenbrechen, wenn ich sähe, um wie viele Schnitteile es sich handelt. Als ich aber verstand, dass mal wieder mit Schrägband gearbeitet wird, entspannte ich mich merklich. Schrägband ist ein Freund! Und wenn ich richtig gesehen habe, dann war das Schnittmuster eines mit Nahtzugabe - das macht das präzise Arbeiten an so einem Stück leichter. Vermutlich war die Stoffwahl entscheidend für die Schwierigkeit und das Ergebnis. Rundungen zusammen nähen, bei Stoff, der nachgibt ist die Hölle. Trotzdem, ich wäre unsicher, welcher Stoff die beste Wahl wäre - aber ich habe ja auch noch kein Korsett genäht. Als ich das so sah, bekam ich allerdings durchaus Lust, mich auch mal an einem zu versuchen.

Gut gefallen hat mir bei der Aufgabe das strukturierte Vorgehen von Amanda am Anfang. Alle Teile schön an der Rückseite markieren und die Teilenummer drauf schreiben. Rückseite markieren mache ich auch oft, aber Teilenummer ist clever - das muss ich mir merken. Etwas irritierend fand ich Ryans Stoffwahl. Dass Streifen nicht banal sind, ist einleuchtend, da war wohl etwas Hybris mit im Spiel. Bei der anschließenden Jury-Bewertung, fand ich aber Platz 6 für Ryan doch etwas merkwürdig. Mir leuchtete nicht ein, wieso dieses Korsett so viel schlechter sein sollte, als zum Beispiel das von Paul. Pauls Korsett hatte eine schlechte Passform, es warf lauter Querfalten, was von der Jury mit keinem Wort erwähnt wurde. Stattdessen gab es sehr viel Lob und Platz 3. Lag es an meinen Englischkenntnissen, dass ich das merkwürdig fand?

Den Einspieler fand ich zunächst nett, weil ich Einspieler nett finde. Trotzdem finde ich ihn weitaus weniger interessant, als die Einspieler der ersten Staffeln. Und wieder frage ich mich, wer Zielgruppe für die Sendung ist. Eine richtige Nähnerd interessiert sich vermutlich viel mehr für Techniken und Materialkunde als für Fashion History. Na gut, es ist nicht uninteressant, aber ich vermute, zum Thema Korsett wäre es auch möglich gewesen, etwas handwerkliches zu erzählen. Andererseits war die Sichtweise auf das Korsett durchaus kritisch - es hätte ja schlimmer können und in die Richtung von unzähligen Facetten grau gehen können. Also, ich fand den Einspieler so lala, war aber dankbar, dass er für Abwechslung sorgte.

Bei der Kreativübung fiel mir wieder auf, dass reichlich Material zur Verfügung stand. Die 80er geizten ja auch nicht an Stoff. So recht warm wurde ich weder mit der Aufgabe noch mit den Ergebnissen. Aber vielleicht bin ich einfach auch nur abgeschreckt von dieser fürchterlichen Zeitvorgabe 90 Minuten. Vielleicht sollte ich, um mich zu beruhigen, einfach daran denken, dass es sich immerhin um 1,5 Stunden handelt, um etwas zu zaubern. Und zaubern können sie, die Damen und Herren, wenn ich bedenke Konzept überlegen und dann auch noch das Zeug zusammentackern und was weg ist ist weg. Das ist schon nen Ding!

Als Ryans Tränen gezeigt wurden dachte ich "ach, die ersten Tränen - erst jetzt?" Ich meine Hut ab vor den KandidatInnen. Wenn die Zeitvorgaben stimmen, dann stehen die doch bei jeder Aufgabe unter immensem Zeitstress und ich kenne nicht wenige Menschen, bei denen, zur Regulierung des überlaufenden Fasses Tränen laufen. Mein Mann findet das immer furchtbar, wenn ich ihm erkläre, dass das von meiner Seite aus oft erstmal ein Druckausgleich ist, weil er immer gleich das Schlimmste befürchtet. Also ich wäre vermutlich bei jeder Aufgabe extrem nahe am Wasser gebaut. In sofern empfand ich Ryans Tränen eher erleichternd zu sehen. Absolut menschlich und verständlich - endlich Tränen, es ist doch fast unheimlich, wie wenig geflucht und geweint wird! Damit meine ich absolut nicht, dass ich Tränen und unflätiges Zeug sehen will, das wäre ja voyeuristisch und auch der Sendung nicht angemessen. Ich bin einfach erstaunt, wie straight die KandidatInnen sich an diese wirklich schwierigen Aufgaben in Hinblick auf die sehr eng bemessene Zeit in Hinblick auf die Stresssituation machen.

Auch bei dieser Aufgabe war ich mit der Reihenfolge der Juryergebnisse nur mäßig einverstanden. Deborah wurde nur 5. - dabei trug sie by the way ein hinreißendes Kleid, dass ich die ganze Sendung über anschmachtete und ihre moderne Jacke fand ich klasse.

Nach der zweiten Aufgabe, schrieb ich eine Liste, wie es weitergeht und war mir 100% sicher, dass ich recht habe. Das führte allerdings dazu, dass ich dachte "ach wie langweilig" und hoffte, dass ich mich irren könnte. Meine Prophezeiung nach der zweiten Aufgabe war: Amanda und Paul müssen gehen. Neil, Lorna und Ryan kommen ins Finale --> Neil gewinnt und Matt und Deborah spielen weiter Mittelfeld, bevor sie nächste Woche gehen müssen.

Die dritte Aufgabe, einen Kilt zu nähen, hasste ich am Anfang sehr. Ich gebe allerdings zu, dass ich am Ende dachte, dass es vielleicht doch durchaus schick sein könnte, einen Frauen-Kilt zu nähen und zu tragen, aber das könnte auch einfach daran liegen, dass ich Karos liebe und Faltenröcke spannend finde. Bei Frauen. Vielleicht habe ich einfach keine Ahnung, was ein Kilt eigentlich genau ist und was dahinter steckt. Vielleicht ist ein Kilt so etwas, wie bei uns das Dirndl? Vermutlich müssen in der deutschen dritten Staffel - möge uns das Universum mindestens drei Staffeln einer deutschen Nähsendung schenken, amen - die KandidatInnen Dirndl nähen. Und sagt nicht, ich hätte es euch nicht prophezeit.

Erst im Laufe der Aufgabe verstand ich, dass bis auf Ryan alle KandidatInnen den Kilt selbst konstruierten. Deswegen sagte Neil auch "Pure Engineering" und als ich das verstand, fand ich die Aufgabe auf einmal sehr reizvoll. Immerhin haben sie das geübt und immerhin sind die Karos, die ich sonst so absurd schwer finde, bei dieser Aufgabe durchaus eine Hilfestellung. Insofern habe ich auch nicht verstanden, wie der Glitzerjeanskilt da rein passte. Irgendwie fand ich es auch komisch, dass sowohl für Frauen als auch für Männer genäht wurde, denn das waren irgendwie zwei komplett andere Aufgaben, wenn ich das richtig verstanden habe: bei den Männerkilts kam es darauf an, dass alles richtig gemacht wird, richtige Länge etc.. Bei den Frauenkilts gab es zwar gestalterischen Freiraum, aber dafür war, aufgrund der Hüftrundung die Passform sensibler. So richtig vergleichbar war das nicht.

Als Neils Kleid zum "garment of the week" gewählt wurde, gähnte ich nur. Jaja, was soll dieser "Nähmaschine" noch passieren auf dem Weg zum Siegertreppchen, wo doch alles, was er macht so extremly super ist. Öde! Ich möchte am liebsten dauernd Lorna anfeuern. Lorna! Lorna! Und Deborah natürlich auch, vermutlich ist sowieso klar, dass sie meine Lieblingskandidatin ist, obwohl ich das nicht wirklich begründen kann! Warum Ryan statt Paul gehen musste, ist mir ein Rätsel. Ich weiß nicht, warum ich das immer denke, aber bei Paul habe ich immer das Gefühl, dass er großzügige Männerbonuspunkte bekommt, denn so richtig überzeugen mich seine Sachen nicht, auch wenn er bestimmt ein liebenswerter Kerl ist. Oder mußte Ryan gehen, weil sie Angst um ihn und seine Nerven hatten?

Na, diese Folge lädt doch wieder herrlich ein, Verschwörungstheorien zu entwickeln? Was schoss euch so durch den Kopf beim Sehen? Wie nah oder wie distanziert seid ihr zu den KandidatInnen? Wie hättet ihr die einzelnen Aufgaben angegangen, was hätten sie besser machen können? Mögt ihr die dritte Staffel? Fragen über Fragen - ich lade euch herzlich ein, auf meinem virtuellen Sofa Platz zu nehmen, und zu Fachsimpeln.

Mittwoch, 25. Februar 2015

Es gibt sie gar nicht

Meine Güte, da habe ich ja mal wieder ein Fass voller Gedanken aufgemacht mit meinem frommen Wunsch, es möge doch eine Messe für Nähnerd-Stoffe geben. Denn das geht gar nicht. Oder zumindest nur schwer.

Als ich heute morgen im Stoffladen arbeitete und die Regale mit Damenstoffe aufräumte, fiel mir wieder auf, wie heterogen dieses Regal einsortiert ist. Es gibt Regale, die sind wesentlich übersichtlicher. Kinderjerseys sind Kinderjerseys, aber bei den Damen gibt es mit Glitzer und ohne, uni und gemustert, große Muster und Kleine, mit Struktur und ganz glatt, verschiedenste Materialien und und und. Und dann gibt es die unterschiedlichsten Frauen, die die unterschiedlichsten Stoffe kaufen.

Wenn ich mir meine kleine Ecke des Internets ansehe, dann gibt es da durchaus Moden. Karostoffe, sind manchmal sehr beliebt und Stoffe mit Schwalben sowieso. Aber sonst? Sonst geht es auch dort bunt durcheinander. Ich kann mich noch gut an den Herbst vor zwei Jahren erinnern, als auf einmal Romanit das heiße Thema war - diesen Winter sprach da eigentlich kaum jemand drüber, aber vernäht wurde er schon hier und da. Es gibt schon ein paar Stoffe, wo die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass die Peer Group kreischt, aber es gibt auch ganz viele Stoffe, die der einen gefallen und der anderen nicht so dolle.

Und überhaupt. Frauenstoffe können ja auch wahnsinnig unspektakulär scheinen. Uni Stoffe aus was auch immer können tolle Basisklamotten für den Kleiderschrank erzeugen oder aber interessante Schnitte erst richtig zur Geltung bringen. Auf den ersten Blick sehen sie möglicherweise langweilig aus, aber sie überzeugen durch Materialeigenschaften und Anfass-Gefühl.

Ich kann kaum online kaufen, weil ich vor dem Kauf gerne mit der Hand über die Stoffe streichele. Meine Hand wandert fast schneller, als die Augen und prüft zuerst, ob ein Stoff den Blick wert ist. Und dann wird er ausgiebigst gestreichelt und mit feuchten Händen geknüllt, gezogen, die Hand darunter gehalten, um zu sehen, wie durchsichtig er ist, ein Stück aufgewickelt um zu sehen, wie er fällt, ob er knistert. Das alles hat nur am Rande mit Farbe und Muster zu tun und ich kann nicht sagen, ob ich manchmal schneller mit den Augen oder den Händen erkenne, ob ein Stoff zu mir passt.

Als Nähanfängerin war ich ganz heiß auf laute Stoffe. Ich wollte Sachen nähen, denen der Laie ansieht, dass es selbst gemacht ist, dass es das so nirgendwo zu kaufen gibt - gibt es natürlich doch, bei Dawanda und Konsorten, aber eben nicht auf der Einkaufsmeile. Irgendwann wurde das Selbstgenähte so viel in meinem Kleiderschrank, dass es gar nicht mehr wichtig war, laut zu schreien. Plötzlich trat die Frage in den Vordergrund, was ich eigentlich wirklich mag - und diese Frage ist bei weitem noch nicht beantwortet.

Neue Schnitte, neue Moden bringen neue Ansprüche an Stoffe. Eine Zeit lang mochte ich feste Webware, um mit Schnitten zu experimentieren und genau zu nähen, eine andere Zeit lang, konnten die Jerseys nicht großgemustert genug sein. Ich habe schon gewisse Vorlieben und bilde mir ein, zu wissen, wo FrauCrafteln drauf steht - aber die Hand lege ich dafür nicht ins Feuer.

Und dann dieses Markkäufe, die mich verdorben haben. Stoff kaufen auf dem Maybachufermarkt ist natürlich ein großes Vergnügen für das Portemonnaie, aber es verführt dazu, planlos vorzugehen. Auf dem Markt findet frau nie das, was sie sucht, dafür unzählige andere Schätze. Intuitiv und schnell muß frau sich da entscheiden, was mit nach Hause darf, oft, ohne schon einen konkreten Plan für den Stoff zu haben. Mir gefällt das, es ist kreativ - aber es ist nicht immer vernünftig.

Alle diese Gedanken machen es so schwer zu definieren, was "Nähnerd-Stoffe" oder "Erwachsenenstoffe" eigentlich sind. Kindern dürfen bunt, aber wir erwachsenen sind auch vielfältig. Diese Vielfalt, dieser Reichtum an Lebenssituationen und Geschmäckern, machen es so schwierig, alle Vorlieben zu bedienen. In der Konfektion ist es einfach, da gibt es die Moden. Bestimmte, Formen, Materialien und Farben sind in Mode - das begrenzt das Angebot, aber wir Hobbynäherinnen wollen ja mehr - wir wollen jederzeit alle unsere verrückten Träume verwirklichen. Das Angebot darf ruhig unendlich sein!

Fortsetzung folgt.

Montag, 23. Februar 2015

Es fliesst wieder


Es ist so banal: Krisen begegnet frau am Besten damit, einfach mal einen ersten Schritt zu tun. Aber in der Krise darauf zu kommen, ist so verdammt schwer. Irgendwie hatte ich eine Nähkrise in den letzten Wochen. Nach Bielefeld war ich so frustriert, was den zuppelnden Blazer betraf. Ich hatte 2014 so viel Energie in das Lernen von Schnittkonstruktion gesteckt und jetzt habe ich schon den zweiten halb fertigen Blazer im Schrank hängen, der nicht so aussieht, nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe. Das ist echt ätzend!

Zwischendurch habe ich trotz Nähkrise zwar genäht, aber das war nicht dasselbe. Ein Faschingskostüm für das Kind zu nähen, ist eben Muddiverpflichtung und die Schlübber waren irgendwie einfach Ausdruck meiner Verzweiflung. Immer wieder musste ich daran denken, wie schwierig das Nähjahr 2014 gewesen war: die Blazer, der verdammte Badeanzug und dann noch die Frustration rund um das Thema Hosen. Ich weiß nicht so recht, wo es mit mir und dem Thema Nähen hingehen soll. Der Schrank ist ja relativ voll, die nächste Qualitätsstufe zu erreichen (Stichwort: Blazer mit guter Passform) ist einfach so verdammt schwierig.

Erstaunlicherweise fand ich ja durchaus Freude daran, meine Nähfertigkeiten auf ein anderes Niveau zu heben. Während ich eigentlich ja eher zur Nähschlamperei neige, hatte ich auf einmal eine Befriedigung beim Nähen mit der Hand und dem wunderbaren Saum, der dabei entstand. Das hätte ich tatsächlich niemals vermutet, dass mir Schnell-schnell-Mädchen so etwas gefällt. Ich bin verwundert.
Gestern, auf der Rückfahrt von der Stoffmesse beschloss ich, wieder ins Nähen zurück zu finden, in dem ich mein Erfolgsprojekt des Jahres 2014, der rote Rock, versuche zu duplizieren. Ich beschloss, einen grünen und einen dunkelblauen halben Tellerrock zu nähen. Einfache Projekte, ohne Herausforderung, mit relativ hoher Erfolgsgarantie und schnellem Ergebnis. Aber als ich so nähte, merkte ich, dass ich doch die Herausforderung suchte. Anfang Juni letzen Jahres bekam ich den Original-Reißverschlußfuß für nahtverdeckte Reißverschlüsse für meine Maschine geschenkt und nähte trotzdem alle weiteren Reißverschlüsse mit dem komischen YKK-Plastik-Reißverschlußding, weil ich zu faul war, ohne Anleitung, zu überlegen, wie ich den Spezialfuß nutzen könnte. Gestern überwand ich die Faulheit und es war ganz leicht! Davon motiviert beschloss ich, noch einen weiteren qualitativen Schritt zu tun: im Nahtschatten nähen. Ich hatte davon gehört und erstarrte regelmäßig in Ehrfurcht, nähte meine Rockbünde aber schnellschnell an und drückte sie mit einer sichtbaren Steppnaht in Form. Gestern Abend, beschloß ich es, auch mal anders zu versuchen und dank der hilfreichen Unterstützung auf twitter bekam ich es auch hin.


Ich muß sagen, das macht mich wirklich froh! Ich habe zwar das Blazerproblem noch nicht bezwungen, aber im Tun kam die Freude am Nähen wieder. Es war schön, die Herausforderungen angegangen und stolz auf das Ergebnis zu sein. Nähkrise überwunden, yeah!







Videotipp heute von Frau @Mizoal bekommen. Das probiere ich so auch noch mal aus! Danke!

Sonntag, 22. Februar 2015

Stoffmesse - Nähnerds sind vermutlich nicht die Zielgruppe



Die Plakate für die Stoffmesse hatte ich gesehen, aber angesprochen fühlte ich mich nicht wirklich. Eine Stoffmesse, die stelle ich mir eigentlich als richtige Messe für EinkäuferInnen vor: großer Standort, der neuste heiße Scheiß, Trends vom übernächsten Jahr. Aber so eine Endverbraucherinnenmesse? Vielleicht bin ich da etwas großstadtverwöhnt, vielleicht fahre ich einfach zu oft nach Berlin zum Maybachufer (niemals!) und zugegebenermaßen sind die Lager voll. Hätte Christine von stoffe.de mir nicht eine Einladung geschickt und hätte ich heute nicht das Gefühl gehabt, ich habe mir schon ewig nichts mehr gegönnt, wäre ich bestimmt nicht auf der Stoffmesse gewesen.

Und? Hat es sich gelohnt? Also meine zwei Streichelstöffchen haben mein Herz sehr erobert, insofern hat es sich gelohnt und unter Oberteilschwäche leide ich bekanntlich ja auch. Doch das beste ist, dass meine drängende Frage damit beantwortet ist: ich weiß jetzt, wo es schöne Erwachsenenjerseys gibt - bei der Glücksmarie! Das hätte ich mir eigentlich auch denken können, aber obwohl ich die reizende Nina alias Frau Glücksmarie sehr mag, ist der Weg doch recht weit von mir nach Winterhude und ich mache mich viel zu selten zu ihr auf. Wahrscheinlich, weil ich nur zu gut weiß, was für schöne Stoffe sie hat!

Doch trotz meiner Begeisterung für die allerliebsten Jerseys, aus denen ich mir hübsche Oberteile und Schlübber nähen werde, Stoffmesse ist nix für Nähnerds. Katarina schrieb ja bereits letztes Jahr darüber, dass sie mit leeren Händen nach Hause fuhr.  Aber sie war auch heute noch mal da - die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt - und sie habe ich leider nicht getroffen. In Wirklichkeit ist es nämlich eine Patchworkmesse. Ich hätte nie gedacht, dass der Markt für Patchworkstoffe und -Materialien so groß ist. Da waren echt viele AnbieterInnen da. Patchwork, wohin frau schaute. Und Kinderstoffe gab es natürlich auch reichlich. 

Ist es nicht seltsam? Auf der Stoffmesse kommt es einer fast so vor, als wäre Nähen oder Selbermachen nur etwas für die Mütter kleiner Kinder oder Frauen, weit hinter den Wechseljahren mit Vorliebe für wallende Kleider aus Naturmaterialien und Patchwork. Die Nähnerds, die ich kenne, wurden auf dieser Messe eigentlich kaum angesprochen. Stoffe für erwachsene, ganz normale schöne Alltagskleidung sind anscheinend ein wenig interessanterer Markt, als Material für farbenfrohe Kinderkleidung und kunstvolles Patchwork.  

Nähnerds, es gibt noch viel zu tun! 

Ich freue mich, dass wir immer zahlreicher werden und mit unserer selbstgemachten Garderobe uns und die Welt verschönern, aber ich fürchte, wir sind immer noch sehr Wenige! Wir suchen verzweifelt nach schlichten Rockstoffen, nach erwachsenen Baumwolljerseys, nach interessanten Mustern, nach erwachsenen Stoffen, nicht nur für die Anlässe als Hochzeitsgast. Wir wollen doch eigentlich nur ganz normale Sachen für den ganz normalen Alltag, erwachsener Frauen. Eine Stoffmesse mit solchen ganz normalen Stoffen - das wäre was! 


Freitag, 20. Februar 2015

Funkstille?

Liebe LeserInnen, ich habe in den letzten Wochen einige nette Mails nicht beantwortet. Das tut mir leid und ich finde sie in dem Wust von Mails und Spam nicht wieder. Bei mir ist in den letzten Wochen dank viel Arbeit und dauerndem Kampf aller Familienmitglieder gegen Viren und Bakterien landunter.

Donnerstag, 19. Februar 2015

SPOILER: Great British Sewing Bee: Staffel 3 Folge 3

############ACHTUNG SPOILER############

Wer die 3. Folge der 3. Staffel der GBSB noch sehen möchte und nichts darüber wissen möchte, darf diesen Post noch nicht lesen!

############ACHTUNG SPOILER############


Ich bin sehr müde, ich habe ein anstrengende Woche noch nicht hinter mir, aber Tradition ist Tradition. Hier ist sie wieder, der schnellste deutsche Rückblick auf die aktuelle Folge der Great British Sewing Bee.

Na, wie hat euch die heutige Folge gefallen? Ich fand sie TOLL! Das einzige, was ich zu bemeckern habe ist das kleine, fragende Achselzucken, was ich bekomme, wenn ich an die ollen Nähmaschinen denke. Musste das sein? Klar, sieht authentisch 50er aus und ist ja noch ne Herausforderung. Aber ist das nicht ne Nummer zu hart? Wir alle können uns doch denken, dass es an Stress für die KandidatInnen bei so einem Format nicht mangelt - muss es da noch mal die Umgewöhnung an eine andere Maschine sein? Nun gut, ist halt Fernsehen, macht schöne Bilder.

Aber zurück zum Anfang. Natürlich bekommt man mich mit einem Walk-Away-Dress. Ich bin zwar keine passionierte Retronäherin und nichts liegt mir ferner, als irgendein Authentizitätsanspruch, aber ich liebe mittlerweile diese Kleider. Ich liebe Hemdblusenkleider, ich liebe weite Röcke und I am desperately fallen in love mit diesem Schnittmuster. Dabei kenne ich es schon. Wer von euch hatte es schon mal genäht? Ich habe das Ding schon mal gesehen, aber ich komme gerade nicht darauf, welche meiner Lieblingsnähnerds es war. Wer auch immer du bist, Nähfreundin, ich würde mich sehr über ein Foto der Schnitteile der Oberteile freuen und schamlos selbst konstruieren. Falls ich jemals wieder Zeit habe, aber das ist ein anderes Thema.

Aber zurück zur Sendung. Die Aufgabe war NETT. Ja, ich fand sie wirklich nett. Ein übersichtliches Kleidprojekt - ich sage nur Bias-Band. Versäumen mit Schrägband ist die einzige Möglichkeit, so ein Ding unter Zeitdruck fertig zu bekommen und hier war es ausdrücklich erwünscht. Bingo! Finde ich gut! Die Kleider waren hübsch anzusehen, da blieb der Jury gar nichts anderes übrig als sich über zu große Knöpfe und unfertige Knopfschlaufen zu mokieren. Ich hatte nix zu meckern an der Aufgabe und finde es absolut gut, dass es auch lösbare Aufgaben gibt. Mir hat wahnsinnig gut gefallen, dass die Schnitteile so unkonventionell sind und damit kleine Verwirrungen auslösten, was wohin gehört. Das war reizend und schließlich haben es doch alle hinbekommen. Also 10 von 10 Punkte von mir für diese Aufgabe.

Die Kreativaufgabe mit dem Vorhang fand ich auch gar nicht so schlecht. Ich mag es ja, wenn genügend Material zur Verfügung steht und eigentlich ist es doch auch gar nicht so schwer, etwas 50ermäßiges aus nem Vorhang zu machen. Aber mir wäre nur der Tellerrock eingefallen, DENN: anscheinend nähen die diese Challenge stets ohne Schnittmuster. Ganz ehrlich Nähnerds, könnt ihr dann so freihändig zuschneiden und irgendetwas zaubern? Ich glaube, ich könnte das nicht oder zumindest hätte ich vermutlich unter Zeitdruck nen Blackout für kompliziertere Dinge. Da ist so nen Teller noch ne einfache Lösung. Ich hätte bei der Aufgabe dann nur die Sorge, dass alle nen Teller nähen. Haben sie aber nicht, denn wer einmal auf Neckholder setzt, tut das auch ein zweites Mal. Mir hat der Siegerrock auch am besten gefallen. Schlicht und gut gemacht. Well done!

Die dritte Aufgabe war natürlich ätzend. Endlich bin ich auch mal einer Meinung mit Neil, die Nähkampfmaschine, den ich ja eigentlich gar nicht mag. Chiffon! Keine 10 Pferde haben mich bisher dazu gebracht, mit diesem Teufelszeug zu arbeiten. Trotzdem fand ich die Ergebnisse nicht übel und fand es vor allen Dingen interessant, welche Schnitte die Kandidatinnen ausgesucht hatten. Das war interessant anzusehen und ich hatte schwer Mitleid. Chiffon! Bäh!

Jetzt habe ich auch endlich Lieblinge. Deborah und wie heißt noch mal der Jungsche, der die erste Challenge gewonnen hat. Ihr wisst schon, der mit den roten nervösen Bäckchen. Der kann was und irgendwie mag ich ihn. Warum ich Deborah mag, weiß ich eigentlich gar nicht so genau, ich glaube, ich finde sie einfach so nett normal von nebenan. Ich glaube, ich würde nen Kaffee mit ihr trinken gehen. Außerdem finde ich es wahnsinnig sympathisch, dass sie so mittelmäßig näht. Amanda wird mir auch von Folge zu Folge sympathischer. Die ist ja nen bisschen schräg und schrullig, das mag. Naja, und Lorna ist einfach cool.

Aber am ALLERALLERSCHÖNSTEN waren die reizenden alten nähnerdischen Ladys. Das war doch wunderbar. Davon könnte ich noch viel viel mehr sehen. Der Einspieler zum New Look war auch schön, wenn auch nichts neues. Aber schön anzusehen.

Also Daumen hoch von mir für diese Folge. Es ist wirklich nett anzusehen, auch wenn mir die Moderatorin und die Musik manchmal den Puls in die Höhe treiben, aber das ist ja auch gewollt. Dass alles nur so thematisch angerissen wird, stört mich nach wie vor. Ich würde gerne mehr sehen, mehr wissen, dabei sein, mit allen ein Schwätzchen halten, aber das ist nun mal Fernsehen und kein nettes Nähnerdland im Internet.

Also freuen wir uns, dass dem Mainstream mal gezeigt wird, wie schön Nähen ist und halten unser Schwätzchen hier bei mir aufm Sofa. Internet ist interaktiv, echt Fernsehen, das geht! You're welcome. Ich bin gespannt, wie euch die Folge gefallen hat und was euch noch so aufgefallen ist.