Dienstag, 3. Mai 2016

#MMMay2016



Ich war noch unentschlossen, aber als ich gestern morgen im Bus den Hashtag #mmmay16 bei Instagram scrollte und unzählige Frauen aus aller Welt in ihren genähten Outfits sah, dachte, ich "ach, ich mache auch beim Me-Made-May 2016 mit - aber nur nicht stressen lassen mit den Fotos!" Ich werde als morgens ein Spiegel-oder-Aufzugsfoto machen und wenn es sich im Laufe des Tages kein besseres Foto ergibt, dann bleibt es dabei. Ungefähr einmal die Woche mache ich dann einen Post in dem ich diese Fotos hier zeige und auf Beiträge mit besseren Fotos und dazugehörigen Text verlinke.

Gestern trug ich den Nina Cardigan und ein Shirt aus der KnipMode 6/2013. Der selbstgenähte graue Mantel hat es nicht aufs Foto geschafft, aber das macht er bestimmt noch mal diese Monat. Heute bin ich unterwegs nach Berlin zum Vortrag bei der GLS-Bank. Das Reiseoutfit ist unspektakuläres Alltagsoutfit, das ich garantiert noch mal im Mai tragen werde. Ich hoffe, beim Vortrag macht jemand ein schönes Foto von mir. Obwohl ich ein komplettes Outfit selbst gemacht habe (Kleid, Cardigan, Leggins, Mantel, Tuch), bin ich noch unsicher, ob ich es tragen werde. Die Wettervorhersage macht mich kirre.

Good Morning! I decided to take part at #mmmay16, because I love the idea, that woman all around the world show their selfmade outfits they really wear during the whole month. Today is the first day with good wheather since a long time. I can not remember, how it might feel to have 20 degrees. It was difficult for me to choose my outfit. My choice: a shirt, a cardigan and a coat I have sewn an jeans I have bought recently, because it was hard for me to sew a trouser without trying it on before. The Shirt ist from Knip Mode 6/2013, the cardigan is the Nina Cardigan from #StyleArc. Once a week I write a blogpost on crafteln.de with all the outfits and links to better pictures an explaining text in german. 



Montag, 2. Mai 2016

In guten Stoff investieren #2 - Das Interview mit Karin Schell (Werbung)

Vertrauen ist der Schlüssel, war das Resümee meines Blogpostes "In guten Stoff investieren" vor ein paar Tagen. Wenn ich mehr Geld für etwas ausgebe, dann muß ich mir vertrauen, dass ich daraus etwas Anständiges produziere. Aber ich muß auch dem Hersteller und dem Verkäufer vertrauen, dass das, was ich mitnehme, mein gutes Geld wert ist. Ich bin wahrhaftig nicht markengläubig: ich kann mir bei vielen teuren Bekleidungs-Marken beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie wie auch immer besser sind, als billiges Zeug. Und gleichzeitig habe ich eine Abneigung gegen billige Kleidung, die zur Wegwerfware mutiert ist.

Um mein Unbehagen zu bearbeiten, beschloss ich mehr über Stoff herauszufinden. Mit Karin Schell bzw. ihrem Ladengeschäft und Onlinehandel "Der Rote Faden" habe ich eine Kooperation am Laufen, über die bei Gelegenheit mehr berichte. Jedenfalls bekam ich von ihr Stoff, um etwas auszuprobieren und bin von der Qualität dieses Stoffes sehr angetan. Damit aber alles seine Ordnung hat, habe ich diesen Beitrag mit "Werbung" gekennzeichnet, denn wenn ich auch kein Geld für den Beitrag bekommen habe, gibt es eben diese Vorgeschichte. Ich weiß, dass Qualität bei ihren Stoffen eine besondere Rolle spielt, sie unheimlich lange schon näht und sich einfach auskennt, deswegen habe ich mich für ein Interview mit ihr entschieden.



Karin Schell ist eine alte "Häsin" im Stoff-(Online)-Handel. Ihr Stoffgeschäft gibt es schon seit 1998. Zunächst war sie auf der Suche nach Stoffen und Nähzubehör für eigene Nähvorhaben und als Sie sich als "Einkaufstrüffelnase" erwies, wuchs sich ihre Leidenschaft zu einem Hauptberuf aus. Sie startete mit Reißverschlüssen und Nähzubehör, das sie zunächst für den eigenen Bedarf kaufte und dann an andere Schneiderinnen weiterverkaufte, weil es natürlich günstiger war, große Mengen zu bestellen. Zunächst verkaufte Karin Schell von zu Hause aus, doch zwei Jahre später bot sich ihr die Chance, nach dem Umzug nach Aachen, in ein Stoffgeschäft einzusteigen. Sie startete einen Online-Handel und übernahmt nach einigen Jahren das Stoffgeschäft und verkauft nun seit vielen Jahren Stoffe und Nähzubehör an gewerbliche- und Privatkunden.




Zu Beginn unseres Gespräches per E-Mail habe ich sie gefragt, wie sie die Stoffe für ihr Sortiment auswählt.
"Ich kaufe immer noch das ein, was mir gefällt, was ich gut finde und nicht, was so günstig ist, dass ich eine besonders hohe Marge rausholen könnte. Da ich immer noch selber nähe, soweit die Zeit es hergibt, also nachts ;) merke ich schnell, wenn bei Stoffen oder Nähzutaten die Qualität nicht stimmt und nehme entsprechende Artikel aus dem Sortiment. Die ganze Mühe einer individuellen Kreation, sei es nun bei Modeateliers oder bei Hobbyschneidern, lohnt sich nicht, wenn das Teil dann schnell kaputt ist.
Stoffe probiere ich größtenteils aus. Wenn sie pillen, also Knötchen bilden und nach dem Waschen ganz fusselig werden, bestelle ich bei dem Lieferanten nicht mehr, es sei denn, er kann mir die Problematik erklären und ich kann solche Stoffe vermeiden."
Das ist der Punkt! Die Mühe des Selbermachens lohnt nicht, wenn das Material nicht hält, was es verspricht. Aber wie finde ich heraus, ob ich dem Material trauen kann? Eine Möglichkeit ist es, der Fachfrau zu vertrauen, die auch selbst näht. Wenn "eine von uns" sagt, dass sich ein Material bewährt, empfinde ich das als vertrauenswürdig.
"Und dann gibt es noch einen Aspekt: es müssen nicht immer Markenartikel sein. Wenn die Qualität bei einem (vielleicht auch nur in Deutschland) unbekannteren Produkt genauso gut ist, aber der Preis niedriger als der des Markenartikels ist kann ich hier für meine Kunden einen Preisvorteil anbieten. Das ist bei den hochwertigen spanischen Rubi-Reißverschlüssen ebenso der Fall wie bei dem Coats-Nähgarn, bei Einlagen und Schulterpolstern, die nach unseren Vorstellungen gefertigt werden u.v.m."
Marken sind ein gutes Stichwort! Bei vielen Produkten gibt es Marken und ein „Marken-Vertrauen“. Wieso wird bei Stoff so wenig über Marken vertrieben? Ist es den Kundinnen nicht wichtig, wer den Stoff designt oder hergestellt hat? Im Patchworkbereich wird ja viel über den Designernamen
gemacht, warum bei den anderen Stoffen nicht?
"Ja, im Patchworkbereich gibt es ein paar Firmen, die sich mit tollen Dessins auf immer gleichbleibenden gewebten Baumwollstoffen einen Namen gemacht haben. Der Name steht also für bestimmte Dessins und nicht die Stoffe als solche. Davon gibt es auch ein paar bei den Bekleidungsstoffen. Aber immer steht das Design im Vordergrund. 
Das Gros der Stoffe wird aber nicht über das Dessin sondern die Qualität vertrieben, also Herstellungsart (gewebt, gewirkt), Zusammensetzung (Anteile an Natur- und Kunstfasern), Grammatur (Gewicht pro qm).  Das Dessin ist meist nicht herausragend, sondern zweitrangig. 
Und bei Bekleidungsherstellern, Großhändlern und für Stoffgeschäfte ordernden Einkaufsgemeinschaften sind Namen, etwa von guten Stoffwebern, durchaus bekannt. Dadurch aber, dass diese Einkäufer die Stoffe in sehr großen Mengen kaufen müssen und sie oft auch Einfluss auf die Zusammensetzung nehmen können, ist der Stoff, der nachher entsteht, schon wieder ein Spezialprodukt, das man nicht mehr dem Hersteller zuschreiben kann. Also welchen Markennamen soll man da etablieren? 
Bei den Futterstoffen ist es ja auch wieder anders: hier können sich, aufgrund gleichbleibender Zusammensetzung der Qualitäten, sehr wohl Markennamen etablieren, wie Nevaviscon oder Devetex."
Das kann ich irgendwie nachvollziehen. Das ist sicherlich ein Grund, wieso Fabrikverkäufe bei Hobbynäherinnen beliebt sind. Wenn der Bekleidungshersteller den Ruf hat, Qualitätsware zu verkaufen, sind die Stoffe, die es dort zu kaufen gibt, bestimmt auch von guter Qualität. Aber solche Fabrikverkäufe gibt es ja nicht überall und ständig. Wo bekommen wir sonst noch gute Qualität. Karin Schell sprach von der Zusammensetzung, der Grammatur und der Herstellungsart. Darüber möchte ich noch mehr wissen. Wenn Preis und Qualität in einem echten Verhältnis stehen: Welche Faktoren machen Stoff teuer?
"Die Rohstoffe. Es gibt etwa Wolle aus 1. Schur (Schurwolle) und solche, bei der auch Reißwolle beigemischt wird, quasi Recycling. Seide ist aus der Mitte des Kokons fein und gleichmäßig, die gröberen Enden werden zu unregelmäßigerer Seide verarbeitet. Baumwolle oder Viskose kann als „Gewirke“ also z.B. Jersey langstaplig sein und damit viel glatter und feiner oder aus den kürzeren Resten, die dann eher zum Pilling neigt. Als Gewebe können Sie aus einer langstapeligen Baumwolle feinen Batist machen, die kurzstapeligen Reste taugen nur für grobes Fahnentuch."
Oh, das wusste ich so nicht, auch wenn es plausibel klingt. Wie schade, dass den Stoffen nicht mehr Informationen mitgeliefert werden! Wenn ich genauer wüsste, was ich bekomme, dann könnte ich auch eine viel bewußtere Preisentscheidung treffen, statt mich ausschließlich von Farbe und Muster verführen zu lassen!



Wie viele andere Hobbynäherinnen, war ich in den letzten Monaten intensiv auf der Suche nach guten Strickstoffen und bin nicht wirklich fündig geworden. Das, was ich fand, war entweder "Plastik" so hochpreisig, dass ich dann doch auf den Einkauf verzichtete. Warum gibt es so viele Strickstoffe mit Kunstfaseranteil? Welche Vorteile bringen die Kunstfasern mit sich?
"Zum einen ist es eine Frage des Preises, Kunstfasern sind viel billiger im Preis, zum anderen erleichtert allerdings ein geringer Kunstfaser-Anteil die Waschbarkeit, Tragbarkeit (Pilling, Formstabilität). Ist der Kunstfaser-Anteil recht hoch, schwitzt man aber darin, obwohl die Hersteller mittlerweile auch hochwertige Kunststoffe entwickeln, die luftdurchlässiger sind, die haben aber auch ihren Preis.
Das Problem bei guten aber bezahlbaren Strickstoffen ist so: je besser die Qualität, desto teurer. Wir haben zum Beispiel einen wunderbaren Angora-Strick, der recht teuer ist und daher von wenigen Kunden gekauft wird, so dass wir nur noch schwarz nachproduzieren können. Jetzt haben wir einen ähnlichen mit mehr Polyester-Anteil mit ins Programm genommen, der ca 30% weniger kostet und der läuft sehr gut. Was lernen wir daraus?"
Achja. Das stimmt natürlich alles. Auch hier gilt wohl: wenn ich einen Schnitt erprobt habe und ein Kleidungsstück haben möchte, was mich wirklich zufrieden macht, muss ich wohl doch investieren.

Ganz oft höre ich von Näherinnen, dass eine bestimmte Art Stoffe schwer zu bekommen seien; z.B. moderne Stoffe aus interessanten Fasermischungen oder technischen Eigenschaften, Sportmaterialien - gibt es solche Stoffe tatsächlich nur schwer als Meterware oder ist das Preis-Leistungsverhältnis so, dass die Kundinnen nicht genügend zugreifen? Oder werden bestimmte Stoffqualitäten für bestimmte Bekleidungshersteller produziert und sind gar nicht als Meterware erhältlich?
"Technische Fasern/Sportmaterialien, da werden unendlich hohe Abnahmemengen verlangt, da kommen wir nur selten dran."
Aha, da lag ich also richtig. Das wäre ein Argument, bestimmte Dinge dann doch nicht zu nähen, sondern lieber zu kaufen. Aber glücklicherweise gilt das ja nur für bestimmte Stoffqualitäten. Bei den allermeisten Stoffen gibt es glücklicherweise eine große Auswahl.



Aber wie soll ich nun meine Wahl treffen? Kann ich überhaupt so etwas "Kompliziertes" wie Stoff online bestellen? Ist der Onlinestoffkauf nur etwas für Sparfüchse und funktioniert gar nicht für diejenigen, die auf der Suche nach guter Qualität sind? Was ersetzt das „Anfühlen“ der Stoffe beim Online-Kauf? Es kann doch nicht nur über den Preis gehen!
"Das finde ich auch. Den Stoff einfach mal kaufen, weil der Preis so günstig, egal ob er notfalls nachher in der Ecke liegenbleibt, widerstrebt meinem Verlangen nach Nachhaltigkeit. Da man nicht von jedem Stoff ein Muster schicken kann, dem Kunden aber vermitteln möchte, du musst nur 1x ein Muster bestellen, dann kannst du immer die gleiche Qualität in verschiedenen Farben nachordern: das war für mich der Grund, die Stoffe zu standardisieren, als ich das Stoffgeschäft übernahm. Jetzt führen wir ja auch ständig wechselnde Modestoffe, die meisten davon werden aber immer auf die gleichen Qualitäten gedruckt: beim Jersey ist es eine Ware von 92% Viscose, 8% Elasthan, beim Baumwoll-Köper eine Ware von ca. 96% Baumwolle, 4% Elasthan, bei leichten Batisten 100% Baumwolle und bei schwereren Popelinen eine Baumwoll-Polyestermischung, so dass der Kunde auch hier davon ausgehen kann, dass er im nächsten Jahr die gleiche Qualität, nur mit neuem Dessin bekommt."
Na, das finde ich super! Genau so etwas wollte ich hören! Doch das war mir nicht bewusst. Das ist wirklich ein Kauf-Argument. Wenn ich bereits gute Erfahrungen mit der Qualität gemacht habe, dann ist es doch mehr als plausibel, den gleichen Stoff in der nächste Saison noch einmal in anderer Farbe oder anderem Muster zu verarbeiten.

Stoffe verkaufen sich oft „über schöne Farben und interessante Muster“. Ein Muster kann in einem Online-Shop gut dargestellt werden. Wie verkauft sich Qualität?
"Die Berührungsängste sind da. Der Neukunde weiß erst mal nicht, ob die aufgezeigte Zusammensetzung und Grammatur auch mit Qualität verbunden ist. Eine gewisse Aufklärung, Beschreibung im Online-shop kann da schon helfen, Mustersendung auch, wenn dem Kunden das nicht zu lange dauert. Schön ist es, wenn der Kunde einem diese Chance gibt, ihn überzeugen zu dürfen."
Von einigen Stoffen verschicken Sie Stoffproben. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Verfolgen Sie, wie viele Muster zu Aufträgen führen?
"Eigentlich verschicken wir ja von allen Stoffen Proben. Nur von den Modestoffen muss man sie per Mail anfordern, von den Standard-Stoffen kann man eine Farbkarte bekommen. Wir machen damit gute Erfahrungen, die Schwellenangst ohne Muster ist doch am Anfang recht hoch. Wir halten auch nicht nach, wieviel Prozent der Kunden nach Musterbestellung den Stoff auch bestellen, da wir daraufhin auch nicht die Konsequenz treffen würden, etwa keine Muster mehr zu schicken, weil es zu teuer wäre. Aber interessieren würde es mich auch: irgendwann werde ich diese Mammut-Aufgabe in Angriff nehmen…."
Immerhin Stoffproben sind zwar nicht vergleichbar damit, ein Stück Stoff vom Ballen abzuwickeln und ihn vor dem Spiegel am Körper zu drapieren, um herauszufinden, ob er für mich gemacht ist, aber immerhin kann ich den Stoff anfassen und die Farben besser einschätzen, als am Bildschirm. Gefühlt bleibt der Nachteil, dass ich so noch länger auf den Stoff warten muss, bevor ich endlich anfangen kann. Aber erfolgreiche Projekte werden möglicherweise nicht huschhusch erledigt, sondern erfordern gute Vorbereitung und Investitionsbereitschaft.

Qualität hat seinen Preis. Haben Sie das Gefühl, dass die Kundinnen das einschätzen können?
"Teilweise schon, der Rest muss mit Beratung gemacht werden."
Beratung, ja klar. Das heißt Kontakt, das heißt Gespräch und Offenheit. Vielleicht sollte ich mehr das Gespräch zu den Verkäufern suchen, statt nur den Bestellfinger zucken zu lassen!

Ich bin immer noch neugierigen. Mich interessieren die Hersteller. Warum erfahre ich so wenig über die Herstellungsbedingungen? Beziehen Sie die Stoffe direkt von den Herstellern? Wissen Sie etwas über die Herstellungsbedingungen?
"Teilweise beziehen wir sie direkt, teilweise auch von einigen Großhändlern. Wir bemühen uns mehr und mehr von unseren Lieferanten ein Öko-Tex-Zertifikat zu bekommen, das ja nicht nur eine Aussage über die Schadstoffe macht sondern auch über die Herstellungsbedingungen. Wir haben aber auch kleine deutsche Stricker, die sich einfach ein solches Zertifikat nicht leisten können, wir wissen aber, wie sie arbeiten und stehen dahinter."
Die Problematik mit den Zertifikaten kenne ich. Das hat mir auch schon mal der Apfelbauer vom Wochenmarkt erklärt, der in Bioqualität produziert, aber das Biosiegel zu teuer findet und deswegen seine Äpfel "konventionell" anbietet. Die Frage ist ja ohnehin, was diese Zertifikate bringen. Frau Siebenhundertsachen hat ja mal sehr interessant über Siegel gebloggt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich über diesen Weg nicht wirklich mehr Vertrauen gewinnen kann. Aber wie denn dann?




Ich habe im Onlineshop des "Roten Fadens" die Bemerkung „Standardstoffe für längere Zeit lieferbar gelesen". Das bringt mich zu der Vermutung, dass auch der Händler die Marke sein könnte. Das Vertrauen wird über ein stabiles Produktsortiment aufgebaut, so dass zum Beispiel die Aussage „guten Walk bekommst du beim Roten Faden“ ein wesentliches Argument dafür ist, bei Ihnen zu bestellen, weil sie für langfristig, gleichbleibend gute Qualität stehen. Ist damit der Händler „die Marke“ und ersetzt damit Produkt- bzw. Herstellermarken?
"Diese logische Schlussfolgerung finde ich sehr schön und in gewissser Weise bestätigt das auch das oben Gesagte. Ja, genau wie der Bekleidungshersteller oder -designer für die von ihm verwendeten und in der Entstehung mit beeinflussten Stoffe als Marke für diese Stoffe gilt, steht irgendwo auch der Händler als Garant für gleichbleibende Qualität."
Ich glaube, das ist der Punkt. Genauso wie ich Äpfel am liebsten bei meinem Lieblingsbauern auf dem Wochenmarkt kaufe, ist eine Möglichkeit Vertrauen zu gewinnen, um ein gutes Gefühl bei der Stoffinvestition zu bekommen, LieblingshändlerInnen zu finden, denen ich gerne vertraue, weil sie mir vertrauenswürdig erscheinen. Dieses Vertrauen bekomme ich über das Gespräch, über Offenheit und den Willen, mit den Kundinnen ins Gespräch zu kommen und auch Hintergrundwissen mitzuteilen.

In diesem Sinne bedanke ich mich sehr bei Karin Schell für die offene Beantwortung meiner Fragen! Wer noch mehr über Karin Schell und ihr Stoffgeschäft den "Roten Faden" wissen will, kann auch den informativen Podcast von Muriel Nahtzugabe5cm hören, in dem die beiden ausführlich fachsimpelten.

Donnerstag, 28. April 2016

maschenfein meets crafteln - ein Interview



Auf dem Maschenfein Strick-Blog gibt es ein tolles Interview mit mir. Die klugen Fragen von Marisa inspirierten mich zu spannenden Antworten. Zum ersten Mal erzählte ich, warum Stricken und Nähen für mich ganz selbstverständlich zusammen gehört und vieles mehr. Viel Spaß beim Lesen!

Mittwoch, 27. April 2016

Workshops für "Große Größen"

Früher war ich enttäuscht und wütend, dass es partout nicht das für mich an Kleidung zu kaufen gab, was ich mir wünschte. Früher haderte ich mit meinem Körper. Ich schalt mich, nicht normal zu sein und fühlte mich selbst schuld, dass es keine schönen Klamotten für mich gibt. Das Jammertal hatte ein Ende als ich lernte, Schnitte für meine Figur passend zu machen.

Oberteile anpassen für "Große Größen"

Schnitte zu vergrößern ist möglich, auch du kannst es lernen. Ich weiß, wie es geht und ich zeige es dir gerne. In meinem Workshop kümmern wir uns um alle Bereiche, bei denen ein fülliger Körper im Oberteil mehr Platz braucht. Wir machen fertige Schnittmuster zu deinem Schnitt und du nähst dir anschließend die Kleidungsstücke, in denen du dich wohlfühlst.

Klar, Schnitte zu vergrößern ist eine Fleissaufgabe. Ich lade dich dazu ein, Papier und Stift mitzubringen - das ist natürlich ein bisschen wie Schule. Aber keine Sorge, bei mir gibt es keinen langweiligen Vortrag und trockenes Lehrbuchwissen. Du bist in Action: du probierst am DIN A4 Modell aus, du machst es selbst, damit du lernst, wie es geht! Und du wirst sehen, dass das alles gar nicht so schwer ist. Wer lieber etwas gezeigt bekommt, statt sich durch ein Buch zu arbeiten, wer lieber in der Gruppe Aha-Erlebnisse hat, ist in meinem Workshop genau richtig. Anschließend nimmst du alles, was du in Zukunft zum Schnitte anpassen brauchst mit nach Hause und bist gerüstet für Kleidungsstücke zu nähen, die du wirklich magst und trägst.

Großartig statt zu groß - auch du kannst in selbstgemachter Kleidung einfach toll aussehen

Du fragst dich, ob dir das, wovon du träumst, überhaupt steht? Was ist, wenn Traum, Kopfkleiderschrank und das Bild im Spiegel noch sehr weit auseinander sind? Was ist, wenn der Frust zu groß und der Mut zu klein ist? Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, sich als dicke Frau vorzustellen, wie ein Petticoatkleid am eigenen Körper aussehen könnte und ich weiß sehr gut, wie schwierig es ist, sich zu trauen einen Gürtel zu tragen, bei dem frau den ganzen Tag das Gefühl hat, dass er den Bauch auch noch betont. Hast du Traumkleidungsstücke, die du dir nur schwer an dir vorstellen kannst? Um Kleidung zu tragen, mit der du beschwingt durch den Alltag gehst, weil du dich in ihr einfach schön fühlst, braucht es mehr, als nur ein einigermaßen gut geschnittenes Kleidungsstück. Die Kleidung von der wir träumen, die unseren Kopfkleiderschrank schon seit langem füllt, ist Kleidung in die wir manchmal erst psychisch hineinwachsen müssen. Wir sind es jahrelang gewohnt zu kaschieren und uns möglichst klein zu machen. Da ist es gar nicht so einfach, sich plötzlich schön zu fühlen und zu finden.

Seit mehr als 15 Jahren begleite ich beruflich Menschen in Veränderungsprozessen. Nun setze ich meine Coaching-Erfahrung dazu ein, dir in einem Workshop zu helfen, mit Kleidung-aus-deinen-Träumen glücklich zu werden. Bei vielen Veränderungsprozessen sind die äußeren Hindernisse sehr viel kleiner, als die, mit denen wir uns selbst gedanklich im Wege stehen. Als Coach kann ich dir dabei helfen, alte Überzeugungen und hemmende Glaubenssätze aus dem Weg zu räumen.

Beide Workshops, der Technikworkshop zum Schnitte anpassen und der Coaching-Workshop ergänzen einander. Such dir den Workshop aus, der das bietet, was gerade bei dir ansteht. Ich freue mich, dich ein Stück auf deinem Weg zu begleiten und zu unterstützen! Denn: Nähen macht Spass. Aber Kleidung nähen macht glücklich!

Für meine Workshops auf dem lille.stoff.festival gibt es noch Restkarten im Onlineshop (Für Workshopteilneherinnen sind noch Eintrittskarten für das Festival reserviert). Weitere Termine an anderen Orten folgen. 


MMM in "Jogginghose" mit Petticoat



Heute zum Me Made Mittwoch wieder das Aufzugsbeweisfoto und ergänzende Bilder, auf denen ihr die Kleidung besser sehr aus alten Blogbeiträgen.

Um dem usseligen Wetter etwas positives abzugewinnen, deute ich es um in "schön, dass ich mich in Ruhe von den Winterkleidern verabschieden kann." Heute trage ich also noch mal das 2 Jahre alte, gemütliche Frau-Kirsche-Kleid aus festem Jersey mit dicker Strumpfhose und muckeligem Petticoat. Darüber aber nur noch Hartmut, denn den Wintermantel kann ich wirklich nicht mehr sehen. Statt Strickjacke habe ich das Tuch dabei, in das ich mich im Büro einhüllen kann, wenn es mich fröstelt.



Mehr über das Kleid erfahrt ihr hier. Den Schnitt gibt es leider nicht mehr und es gab ihn auch nicht in meiner Größe. Ich habe ihn nachdem ich eine FBA machte und die Abnäher verlegte mit meinem Grundschnitt abgeglichen, bis er passte. Mehr über den Mantel namens Hartmut gibt es hier und über das Tuch dort.



Karin, die heutige Gastgeberin beim Me Made Mittwoch sieht schon sehr viel sommerlicher aus, als ich. Das Kleid würde ich auch sofort nehmen! Ich liebe Jerseys mit großen Blumen! Hach!

Montag, 25. April 2016

lille.stoff.festival 2016 - ich bin dabei!

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Es gibt noch einige wenige freie Plätze für meine Workshops - Obwohl das Festival ausverkauft ist, sind für diese Workshops noch Tagesticktes reserviert.
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Ich freue mich, dass ich endlich mit der Nachricht rausrücken kann: dieses Jahr bin ich als Workshopleiterin auf dem großem Näh-Event dem lille.stoff.festival in Hannover dabei!

Stellt euch vor: bis vor der Anfrage aus dem Hause Lillestoff hatte ich gar nicht gewusst, dass sich schon seit Jahren im Herbst in Hannover hunderte von Frauen zu einem gemeinsamen Nähwochenende treffen. Letztes Jahr waren es 1200 Frauen! 1200 Frauen, die mit ihren Nähmaschinen anreisen, um gemeinsam zu nähen, DIY-Workshops zu besuchen, sich kennenzulernen, (wieder) zu treffen und Spaß zu haben. Wahnsinn!



Wann? 
17. und 18. September 2016, jeweils 10-18 Uhr
Einlass ist an beiden Tagen bereits ab 9 Uhr

Wo?
Bayernstraße3
30855 Langenhagen (bei Hannover)

Tickets:
Tickets könnt ihr ab Dienstag Nachmittag direkt im Onlineshop von lillestoff buchen.

"Sowohl das Festival-Ticket als auch die einzelnen Workshops werden ab heute Nachmittag als einzelne Artikel (so wie die einzelnen Stoffe oder Nähkurse zum Beispiel) in unserem lille-Shop verfügbar sein und ihr müsst sie zur Buchung einfach nur in den Warenkorb legen, als würdet Ihr eine ganz normale Bestellung tätigen. 

Bitte beachtet, dass die Teilnahme an den Workshops NUR in Verbindung mit einem Tages- oder Wochenend-Festivalticket möglich ist."


Den Flyer zur Veranstaltung findet ihr hier.


Meine Workshops:

Ich biete drei verschiedene Workshops an. Workshop a und c sind Technik-Workshops in denen ihr Schnittanpassungen lernt und am DIN A4 Modell ausprobiert. Es gibt einen kleinen Workshop zum Thema FBA und einen ausführlichen, in dem ihr lernt, Schnittmuster für Oberteile aus Webware anzupassen. Alle Workshops sind insbesondere für Frauen mit größerer Kleidungsgröße konzipiert.

Workshop b ist ein Gruppencoaching, im geschützten Raum für Frauen, die Schwierigkeiten haben, sich schön zu finden, weil sie eine "Große Größe" tragen. In kleiner Gruppe schauen wir uns das Problem genauer, räumen hemmende Glaubenssätze aus und finden Lösungen, die dir helfen, dich vorteilhaft zu kleiden und dich schön zu finden.


a) Nichts klafft mehr - mit einer FBA (Full Bust Adjustment) Platz für die Brust schaffen

Level: 
Du hast schon mal ein Kleidungsstück nach Schnittmuster genäht

Wann:
WS 1a Samstag 10.30 Uhr bis 12.00 Uhr
WS 3a Sonntag 10.30 Uhr bis 12.00 Uhr

Preis:
22 Euro

Kursinhalt:
Du hast "ordentlich Holz vor der Hütte" und klaffende Blusen wirklich satt? Du hast einen großen Brustumfang und ärgerst dich, dass es das gewünschte Schnittmuster nicht in deiner Größe gibt?

Mit einer kombinierten Längen- und Weitenanpassung (FBA) es ganz einfach, Schnittmuster so zu vergrößern, dass genug Platz für die Brust vorhanden ist und trotzdem Rücken und Schultern nicht zu weit werden. Ich zeige, wie es geht und du übst dies Schnittveränderungen am DIN A 4 Modell, so dass du das Gelernte ausprobieren kannst und für zu Hause einen konkreten Leitfaden hast.

Bitte mitbringen:
Schere, bunte Stifte (am besten Fineliner in mind. 2. Farben), Bleistift, Radiergummi, Geodreieck (am besten 32,5 cm und Griff) Klebestift, Maßband und einen Block zum Mitschreiben.



b) Großartig statt zu groß - auch du kannst in selbstgemachter Kleidung einfach toll aussehen!

Wann:
WS 2b Samstag 15.15 Uhr bis 17.45 Uhr

Preis:
90 Euro

Du trägst eine "Große Größe", bist mollig und curvy, nennst dich "Plus-Size-Lady" oder "Rubens-Frau" und magst diese Bezeichnungen eigentlich alle nicht? Du bist nicht glücklich mit deiner Figur und möchtest trotzdem toll aussehen? Du möchtest für dich selbst Kleidung nähen, traust dich aber noch nicht so richtig oder bist mit den bisherigen Ergebnissen unzufrieden? In unserer kuscheligen Coachinggruppe räumen wir deine ganz persönlichen Hemmnisse aus, die es Dir schwer machen, dich schön zu finden.

Konkrete Tipps und Motivation bringen Dich auf den Weg, dich mit selbstgenähter Kleidung zu einer gut gekleideten Frau zu machen, die innerlich anerkennend pfeift, wenn sie ihr Spiegelbild in einer Schaufensterscheibe entdeckt. Denn Nähen macht Spaß, aber Kleidung nähen macht glücklich!

Mit meiner langjährigen Erfahrung als Coach unterstütze ich Dich dabei:
  • dich zu sehen, wie du bist und deinen Körper besser anzunehmen
  • mutig zu werden, Lust zu bekommen, sichtbar zu sein und dich zu zeigen
  • und helfe Dir dabei, dich selbstsicher, gut und schön zu finden. 
In der Coachinggruppe erarbeiten wir konkrete Lösungsmöglichkeiten, wie selbstgenähte Kleidung deiner Figur schmeicheln und dein Selbstwertgefühlt steigern kann.

Dieser Coaching-Workshop wird durch meine Technikworkshops ergänzt, in denen du lernst, wie du Schnitte anpassen kannst. 


c) Oberteile anpassen für "Große Größen"

Level: 
Du hast schon mal ein Kleidungsstück nach Schnittmuster genäht

Wann:
WS 4c Sonntag 14.15 Uhr bis 17.45 Uhr

Preis:
45 Euro

Kursinhalt:
Du hast eine "Plus-Size-Figur" und möchtest gerne gut sitzende Oberteile tragen, die deiner Figur schmeicheln, dich schön machen und dir eine gute Ausstrahlung geben? Fertige Schnitte vergrößern und für deine Maße anzupassen ist gar nicht so schwer. Ich zeige Lösungen für die typischen Probleme fülliger Frauen und du übst diese Schnittveränderungen am DIN A4 Modell. So kannst du das Gelernte ausprobieren und nimmst einen konkreten Leitfaden mit nach Hause.

Wir kümmern uns darum:
  • dass am Busen nichts mehr klafft, das Rückenteil gut sitzt und das Oberteil deine Rundungen betont
  • Schultern und Ausschnitte nicht zu weit sind
  • Ärmel nicht zu eng sitzen und du den Arm heben kannst. 
Dieser Technik-Workshop ergänzt meinen Coaching-Workshop "Großartig statt zu groß - auch du kannst in selbstgemachter Kleidung einfach toll aussehen" in dem es darum geht eine innere Haltung zu entwickeln, sich selbst schön zu finden auch wenn die Figur nicht dem weit verbreiteten Ideal entspricht. 

Bitte mitbringen:
Schere, bunte Stifte (am besten Fineliner in mind. 2. Farben), Bleistift, Radiergummi, Geodreieck (am besten 32,5 cm und Griff) Klebestift, Maßband und einen Block zum Mitschreiben.

Mittwoch, 20. April 2016

Näh Dir dein Kleid - das neue Buch von rosa p (Werbung)




Rosa p hat ein neues Buch geschrieben und mir netterweise geschickt, damit ich es mir mal anschaue. Natürlich war ich sehr neugierig darauf, liebe ich doch Jerseykleider und finde die Idee eines Baukastensystems super! Es heißt "Näh dir dein Kleid" und ist Christophorus Verlag erschienen.



Genau darum geht es. In dem Buch werden zwar 16 Jersey-Kleider (ausschließlich Jerseykleider!) genauer vorgestellt, aber eigentlich ist es ein quasi unendlicher Fundus an Jersey-Kleidern, die damit genäht werden können. Ich habe nicht ausgerechnet, wie viel unterschiedliche Modelle kombiniert werden können - Mathematikerinnen vor! - aber ich kann euch verraten, dass es

- verschiedene Rockteile gibt (A-Linien Rock, 6 Bahnen- Rock, gerader Rock und weiter Rock)
- verschiedene Ärmel (klassischer und weiter Ärmel in jeweils drei Längen)
- verschiedene Oberteile (Wickel-, Carmen- und klassisches Oberteil mit drei Ausschnittstiefen)
- eine Kapuze
- und verschiedene Taillenpassen gibt.

Alles sehr schön aufgemacht, fotografiert und gut gegliedert. Die Anleitungen sind gut geschrieben, nicht nur Anfängerinnen werden ihre Freude daran haben. Es kann also fröhlich kombiniert und zusammengebaut werden.  Klasse, oder?



Ganz großartig finde ich es, dass es die Schnitte in den Größen S - XXL gibt (wobei ich den leisen Frust dabei runterschlucken muß, dass ich wohl eine XXXL-Frau bin, die noch eine FBA machen muß, weil auch XXL laut Maßtabelle nicht passt). Ich glaube ja, dass Jerseykleider ganz vielen Frauen stehen, egal, welche Kleidergröße sie tragen - es ist alles nur eine Frage der guten Stoffauswahl und guter Passung,  dann steht der "Jogginghose in Kleidform" für fast alle Lebensbereiche, nichts mehr im Wege.




Einen kleinen Vorbehalt habe ich allerdings, aber das ist eine Frage des Geschmacks. Mir ist das auf vielen Abbildungen gezeigte Taillenband zu breit oder genauer gesagt finde ich es etwas ungewohnt, dass das Rockteil (meist) auf  Hüfthöhe angesetzt ist. Mein Eindruck ist, dass das nicht wirklich vorteilhaft ist, aber vielleicht bin ich da nur meinen aktuellen Sehgewohnheiten erlegen und in Wirklichkeit ist das das neue heiße Ding.

Leider wird nicht erwähnt, ob bei den Modellen Längenänderungen im Oberteil vorgenommen wurden beziehungsweise, wie frau das machen kann. Es gibt nur einen Hinweis darauf, dass die Modelle an unterschiedlich großen Frauen länger oder kürzer als auf der Abbildung werden können. Da ist natürlich das Taillenband ideal, gleicht es doch die Größenunzerschiede aus. Wahrscheinlich stelle ich zu fortgeschrittene Fragen - die allermeisten Hobbynäherinnen werden vermutlich schöne Kleider mit dem Buch nähen, denn der Vorteil ist natürlich, dass ausschließlich Jersey genutzt wird - das passt dann schon irgendwie.





Ich finde es sehr gut, das die Kleider- und Körpergröße der Modells angegeben sind. Natürlich wäre es noch sehr viel schöner gewesen, eine größere Vielfalt an Körperformen zu sehen, aber dazu sind die Verlage bekannterweise nicht mutig genug. So bleibt den XXL-Frauen nur wieder die Aufgabe, sich vorzustellen, wie sie in so einem Kleid aussehen könnten, aber das sind die XXL-Frauen ja bereits gewöhnt und glücklicherweise gibt es Nähblogs, auf denen mit der Zeit auch Modellbeispiele mit Frauen größeren Formats zu sehen sein werden.

Ich glaube, wir werden in den nächsten Monaten in der Nähblogwelt viele Modell aus dem Buch sehen, denn das Buch ist gut geschrieben, geschickt gegliedert, hübsch aufgemacht und der übersichtliche Schnittbogen lädt zum Nähen ein. Wenn ich das richtig beobachtet habe, dann ist das Buch schon jetzt erfolgreich - ich drücke rosa p die Daumen für viele weitere verkaufte Bücher, denn es ist immer toll, wenn eine aus unseren Reihen ihr Wissen zwischen zwei Buchdeckel packt und es uns zur Verfügung stellt!



Dieser Textbeitrag ist mit Werbung gekennzeichnet, weil mir das Buch geschenkt wurde, um es zu besprechen.

MMM mit grottigen Fotos


Ach, ich würde so gerne wieder häufiger beim Me Made Mittwoch mitmachen - trage ich doch täglich selbstgemachte Kleidung! Aber die Fotos sind das Problem, ich schaffe es zeitlich einfach nicht, mich mal wieder "vor die Klotür zu stellen und das Stativ auszupacken", ganz zu schweigen von tollen Outdoor-Fotosessions. 

Da ich aber überlege, dieses Jahr wieder beim Me Made May mitzumachen, habe ich heute mal versucht, Selfies zu machen, quasi als Beweis, dass ich das wirklich anhabe. Vielleicht wäre das, ergänzt mit besseren alten Bildern eine gute Möglichkeit? Immerhin interessieren mich beim MMM insbesondere die Trageerfahrungen und weniger die Neuigkeiten. 



Das Appleton-Wickelkleid ist das zweite Kleid nach diesem Schnitt aus teurem Jersey und hat sich leider gar nicht bewährt. Ich trage es zwar hin und wieder (heute vermutlich das 5. Mal), aber ich trage es nicht gerne. Ganz im Gegensatz zu Appleton-Nr1 aus billig Jersey, das ich sehr liebe. Irgendwie sitzt Nr2 nicht richtig (der Jersey ist nicht so doll elastisch) und außerdem habe ich keine passenden blauen Schuhe. Die schwarzen Schuhe dazu stören mich sehr. 

Hier seht ihr das Kleid noch mal in etwas besser fotografiert, denn am 25.11.2015 hatte ich es frisch genäht schon einmal beim MMM vorgestellt. 




Zu dem Wickelkleid trage ich ansonsten nur gekaufte Sachen: Shirt, Strickjacke, Unterwäsche und Strumpfhose. Aber der Rüschenschal (Anleitung hier) ist selbstgestrickt und die Jacke für draußen darüber ist natürlich auch selbstgemacht und heißt Hartmut. Auch die herrlich türkise Walk-Jacke ist alles andere als perfekt, aber im Gegensatz zu dem Kleid, wird sie häufig und gerne getragen. 



Beim Me Made Mittwoch gibt es ansonsten viel schönere Bilder zu bestaunen und vor allen Dingen heute mal einen Mann. Ich bin ja immer zwiegespalten, ob ich in den Jubel einstimmen soll, wenn ein Mann sich in einer Frauendomäne zeigt, aber dieses Mal freue ich mich wirklich, denn zum einen kenne ich Burkhard und weiß, was für tolle Sachen er näht und zum anderen wäre es doch einfach toll, mehr Menschen vom Nähen der eigenen Bekleidung zu begeistern - warum also nicht auch Männer! 

Dienstag, 19. April 2016

Schnittmuster anpassen #7: Passform und Zugaben



Für diejenigen, die das erste Mal hier vorbeischauen und noch keinen weitere Beitrag meiner Blogserie zum Thema Schnittmuster anpassen gelesen haben: Mir geht es darum, Mut zu machen, vor dem Zuschnitt und dem Nähen Änderungen am Schnitt vornehmen, um anschließende lange "Anpassungsorgien" zu verhindern. Traut euch, Schnittmuster zu ändern - "hacken", wie man neudeutsch sagt! 

Am Ende des Beitrags findet ihr eine verlinkte Auflistung der vorherigen Themen.

Ich tue mich ein wenig schwer zu schreiben, dass wir mit den Änderungen der Anpassungen für das Oberteil durch sind, denn das, was ich in den letzten Wochen schrieb, ist natürlich noch nicht alles. Es gibt noch tausenderlei Maßnahmen, um der dreidimensionalen Vielfältigkeit unserer Körper gerecht zu werden und im Vorfeld des Zuschnitts schon zu sicherzustellen, dass das genähte Kleidungsstück möglichst gut passt. Aber ich habe das Gefühl, dass es jetzt erst einmal genug ist und dass wir einmal Durchatmen müssen. Deswegen gibt es heute wieder Überlegungen genereller Art.





Ein bescheidenes Ziel?


Mein Ziel bei den Veränderungen am Schnitt ist vielleicht erst einmal bescheiden. Ich möchte größere  Irrtümer vermeiden (komplett die Falsche Größe gewählt und ab in den Müll), längere Anpassungsorgien vermeiden (das bringt meist sowieso nur Ärger, weil das eine das andere bedingt) und den Menschen, für die es ein gewünschtes Schnittmuster nicht in ihrer Größe gibt ermöglichen diesen Schnitt trotzdem zu nähen.

Letzteres ist meine Lernmotivation und Lerngeschichte: ich wollte Kleidungsstücke nähen, die es nicht in meiner Kleidergröße oder als Schnittmuster gibt. Ich wollte der Frage nachgehen, ob es diese Kleidungsstücke nicht gibt, weil sie schlichtweg für meinen Körper nicht funktionieren oder ob es einfach daran liegt, dass die Bekleidungsindustrie und die Schnitthersteller nicht die größer proportionierten Frauen im Blick hat. Sehr schnell hörte ich dann, dass Schnittentwicklung für große Größen schwieriger ist und lange Zeit glaubte ich das auch. Doch mittlerweile verstehe ich, woher dieses Argument kommt. Je größer ein Körper ist, desto mehr Möglichkeiten gibt es, die zusätzliche Weite zu verteilen. Wer in Konfektionsgrößen und Standardisierung denkt, für den sind natürlich eine Vielzahl von Möglichkeiten ein Graus. Einfach Mehrweite und -Länge zuzugeben, wie es beim Gradieren geschieht wird natürlich der Vielfalt der Körper nicht gerecht. Deswegen bin ich ab von dem Größensystem. Mich juckt es nicht mehr, in welchen Größen ein Schnittmuster angeboten wird, denn ich gehe selbstverständlich davon aus, dass ich an verschiedenen Stellen "daran schrauben muß", damit es meinem Körper passt.

Erst dachte ich, das wäre ein besonderes Problem der "großen Größen" und ich beneidete jede Größe 38 für ihren gesegneten Standardkörper - bis ich hörte, dass auch diese Frauen anpassen müssen. Vielleicht nicht alle, vielleicht nicht alle gleich viel und vielleicht nicht alle bei jedem Schnittmuster. Aber den wenigsten Menschen passen genähte Sachen ohne Korrekturen - zumindest, wenn frau höhere Ansprüche an Passform hat als "passt schon irgendwie" oder nur mit Jersey näht.

Nachdem ich mich intensiv mit dem Thema Schnittkonstruktion beschäftigte (und auch dort die Erfahrung machte, dass nach der Theorie die Anpassungen kommen) und mich mehr und mehr damit beschäftigte, meinen Grundschnitt mit Kaufschnittmustern zusammen zu basteln, kam ich irgendwann zu dem Schluss, dass das sowieso ein praktischer Weg ist: wir nehmen ein Schnittmuster, vergleichen es mit unseren Körperformen und passen es an. Je öfter wir das machen und umso besser die damit genähten Kleidungsstücke werden, umso mehr nähern wir uns so etwas wie unserem "Grundschnitt" an.

Als nächstes begann ich Schablonen zu entwickeln. Es startete mit dem Armloch und dem dazugehörigen Lieblingsärmerl. Dann entdeckte ich, dass ich bestimmte Ärmellängen bevorzuge, als nächstes widmete ich mich den Ausschnitten. Ich fand heraus, welche Oberteillänge sich für mich gut anfühlt und wo ich gerne Abnäher habe. Mehr und mehr Schablonen entwickelte ich, die ein für mich gut geeignetes Kleidungsstück nach meinem Geschmack zu nähen erleichtern. Und dann fiel bei mir der Groschen: Wenn ich den Körper in Regionen unterteile und jede Region so behandele, dass es gut ist, dann wird auch das ganze Kleidungsstück gut. Und so kam ich zu meiner Methode der Schnittanpassungen.



Bedarf und Bedürfnis

Vielleicht müssen wir in Bedarf und Bedürfnis unterscheiden? Keine Ahnung, was die echte Definition der beiden Begriffe ist (obwohl ich mich dunkel daran erinnere, dies mal im Studium gelernt zu haben) - im Zusammenhang mit unserem Thema würde ich sagen: Bedarf ist ganz klar "passend machen". Gibt es ein Schnittmuster nicht in "so groß" oder "so klein", braucht der Mensch stets mehr Platz für XXX, als in Schnittmustern, die für Normgrößen gemacht werden vorgesehen ist, dann ist das Ändern schlichtweg notwendig. Ich würde sagen, es existiert ein Bedarf. Es muss geändert werden, sonst kann das Nähen dieses speziellen Kleidungsstückes für diesen speziellen Menschen vergessen werden.

Das Bedürfnis würde ich nun noch etwas spezieller sehen. Hier geht es vielleicht um "noch besser passen". Wahrscheinlich würden Frauen mit diesen Änderungswünschen so Sachen sagen wie "normalerweise passt mir eine Größe XXX, aber ich muß immer die Ärmel verlängern" oder "normalerweise passt mir eine Größe XXX, aber ich mag es einfach, wenn der Stoff unterhalb der Brüste eng anliegt, um meine Taille zu betonen". Versteht ihr, was ich meine? Wahrscheinlich können diese Frauen jahrelang Schnittmuster einfach so umsetzen, aber es gäbe noch Steigerungsmöglichkeiten bezüglich der Passform. Dagegen ist ja auch absolut nichts auszusetzen.

Doch worauf ich hinaus will: Das, was ich unter "Bedarf" beschrieben habe, verlang in meinen Augen sofortige Umsetzung. Jede Frau soll jedes Schnittmuster für sich nähen können! Wenn es dieses nicht in ihrer Größe oder für ihre Körperform gibt, soll sie die Fähigkeiten besitzen, es für sich zu ändern. Bei den Bedürfnissen bin ich ein bisschen vorsichtiger, denn ich ahne, dass auf einmal Perfektionsansprüche an Passform auftauchen könnten, die eher lähmen, es mit Schnittmuster-Hack zu versuchen, als motivieren. Oder irre ich? Wir sind alle verschieden, vielleicht ist es auch ein Ansporn, dann will ich euch natürlich nicht bremsen!

Was ist eigentlich gute Passform?

Vor der Frage nach der guten Passform habe ich immer ein bisschen Angst und ich merke, wie ich schüchtern werde, mich mit meinen selbstgenähten Kleidungsstücken in der Welt der Menschen zu zeigen, die meinen Blog lesen. Werden sie nicht wahnsinnig hohe Ansprüche haben, wie maßgeschneidert meine Kleidung aussehen muß und maßlos enttäuscht von der Wirklichkeit sein? Ab gesehen davon, dass ich noch viele Kleidungsstücke trage, die ich vor 2, 3, 4 oder sogar 5 Jahren genäht habe, weil ich sie einfach mag, sollte man doch davon ausgehen, dass ich nun, wenn ich über Anpassungen schreibe, die Weisheit mit Löffeln gefressen habe und nur noch perfektes Zeug produziere.

Nun, dem ist leider nicht so. Aber meine Trefferquote ist höher geworden und ich nähe Dinge, für die es einfach keine Schnittmuster in meiner Größe gibt. Ich trau mich einfach und ich kann damit leben, auch Kleidung zu tragen, die nicht perfekt ist. Aber ich produziere (fast) keine Ufos, weil sie - ups - nicht passen oder ich mich nicht darin bewegen kann!

Keine Regel ohne Ausnahme. Natürlich passiert es auch mir immer wieder, dass ich einfach drauf losnähe, statt mir vorher in Ruhe das Schnittmuster anzuschauen. Erst vor ein paar Wochen nähte ich einen Strickjackenschnitt zur Probe ohne vorher etwas zu ändern - ich war so mutig, weil ich sie bei einer Freundin bereits in kleinerer Größe probiert hatte und mich nun für eine größere Größe entschieden hatte und auf die Vorteile des Strickstoffes hoffte. Ich nähte mit billigem - leider wenig elastischem - Strickstoff einfach drauf los und musste lernen, dass wie sonst auch, eine FBA im Vorfeld nötig gewesen wäre. Glücklicherweise war es nicht schade um den billigen Strick, dessen Farbe mich nach dem Waschen ohnehin nicht mehr überzeugte. Aber ärgerlich ist so ein Aufwand schon, auch wenn es sich nur um ein Probestück handelte.

Wenn ich bei anderen über Anpassungen nach dem Nähen lese oder Menschen beobachte, wie sie ein genähtes Kleidungsstück weiter und weiter abstecken und optimieren, dann werde ich oft ganz ehrfürchtig und gleichzeitig weiß ich, dass ich für solch einen Perfektionsgrad viel zu ungeduldig bin.  Im Laufe meiner Beschäftigung mit der Frage nach guter Passform, stellte ich vielmehr fest, dass es in meinen Augen sogar sinnvoll sein kann, die Perfektion nicht als höchstes Ziel zu haben, denn Kleidung ist gemacht, um darin zu leben. Mein Lieblingsbeispiel mit der Sitz und der Stehhose gehört zu dieser Betrachtungsweise. Wir müssen einfach oft Kompromisse machen zwischen dem, was gut funktioniert und der idealen Silhouette.

Und je mehr ich darüber nachdachte, fragte ich mich, woher mein Gehirn und meine Augen eigentlich wissen, was die "ideale Silhouette" ist. Lerne ich das von gefotoshopten Bildern? Oder vielleicht von Schaufensterpuppen, deren Klamotten hinten mit Stecknadeln zusammengesteckt werden? Und sehen die echten Menschen, deren Figur ich klasse und deren Kleidungsstücke ich als passformgerecht bezeichnen würde immer gut aus? Auch wenn sie sich bücken? Oder sitzen? Wenn sie wieder aufstehen? Oder wenn sie rennen? Welche Bilder habe ich gespeichert? Und passen die überhaupt zu meinem Leben?

Wie sieht Kleidung aus, die ich als "macht ne gute Figur" oder  "hat ne gute Passform" einschätze? könnte es nicht sein, dass diese manchmal nur vermitteln, "gute gemacht" zu sein und beim genaueren Hingucken genauso viele "Fehler" enthalten, wie das, was ich für mich nähe? Vielleicht gibt es ein paar Tricks, die unsere Sehgewohnheiten in Hinblick auf gute Passform befriedigen? Ich vermute schon.


Trick 17 - Schummeln für die gute Haltung

Ist euch schon mal aufgefallen, dass Männer in Anzügen unheimlich schneidig aussehen? Und ist euch schon mal aufgefallen, dass Blazer in der Regel Schulterpolster haben? Das ist der Trick! Ich rede jetzt nicht von Denver-Clan und 80er-Jahre-Schulterpolstern, sondern von kleinen formgebenden Hilfsmitteln, die sehr viel ausmachen und einem Kleidungsstück das gewisse Etwas geben können, dass euch einfach besser aussehen lässt. Aber Vorsicht, ihr könnt nicht einfach überall Schulterpolster einbauen, denn sobald ihr ein Schulterpolster einlegt, verringert sich die Größe des Armloches - also besser im Schnittmuster vorher schon mal Platz für die Polster vorsehen!



Schulsterpolster lassen eure Figur aufrechter wirken (Stichwort Buckel und hängende Schultern), Schulsterpolster geben einen Ausgleich zu repräsentativer Oberweite. Wenn es nicht gerade Sofakissen sind, die auf die Schulter geschnallt werden, mag ich bei Webware die Wirkung von Schulterpolstern. Wenn ich ein Kleidungsstück nähe, das mich ein wenig offizieller machen soll, das ich beruflich tragen will, mit dem ich Eindruck schinden möchte, verändere ich den Schnitt im Vorfeld gerne so, dass Schulterpolster eingebaut werden können.

Umgekehrt funktioniert das auch: Habt ihr ein Kleidungsstück genäht, das irgendwie zu weit und schlabbrig ist, bei dem die Schultern nicht gut passen, der Brustpunkt zu tief sitzt und der Rücken Falten schlägt, versucht es mal mit einem kleinen Polster. Es könnte sein, dass das schon die Lösung eurer Probleme ist.

Gute Passform ist eine Frage der Sehgewohnheiten. Wenn ein gut sitzendes Jackett unser Maßstab für gute Passform ist, dann wird es schwer, im Jerseykleid zu punkten. Das Jerseykleid zeigt möglicherweise jedes Röllchen und den Körper so, wie er ist - da hilft nur gute Unterwäsche! Es ist gar nicht so leicht, z.B. einem Kleid genau so viel Wow-Effekt hinzuzaubern, wie einem Jackett. Es fehlt das hier modelliert und das dort verstärkt - es sei denn, ihr mögt genau diese Verarbeitungsweise auch bei Kleidern.

Hingucker sind die Lösung

Wer weder Unterwäschepanzer tragen noch luftige Kleidung aufpolstern will, der helfen nur Hingucker, um die Idee guter Passform zu unterstützten. Also Designdetails, die hier betonen und von dort den Blick weglenken. Dabei denke ich an senkrechte Linien wie Teilungsnähte, die den Körper optisch strecken oder einen Gürtel in der Taille, der den Blick von Anderem ablenkt.

Wenn ihr wie ich einfach nicht perfekt seid, dann ist es günstig, wenn eure Kleidungsstücke einen Hingucker haben. Ich vermute, das ist der Hauptgrund, wieso so viele Frauen auf tolle Muster stehen. Wenn ein Kleidungsstück aus einem tollen Stoff gemacht ist, einer augenfälligen Farbe, einem hinreißendem Muster, dann haben alle Menschen nur noch die Augen dafür. Ein schlecht eingesetzter Ärmel fällt nicht auf, wenn die Farbe zum niederknien ist.

Bewegungszugabe und Designzugabe

Aber ich komme vom Thema ab. Wir sind beim Thema Schnittmuster anpassen und da haben wir uns ja schon im Vorfeld für ein Design entschieden. Kommen wir zurück zur Theorie und behandeln noch einen Aspekt, der ganz wichtig zum Thema Anpassungen ist: die Zugaben.

Ein Kleidungsstück sitzt niemals wie eine zweite Haut.

Glücklicherweise. Wer will schon eine Wurstpelle tragen!

Ein Kleidungsstück ist immer etwas weiter und diese Weite wird mit Zugaben erreicht. Bewegungszugaben sind Erfahrungswerte und werden von den Grundschnittsystem (oft als Spannweite von ... bis) vorgegeben.

Design-Zugaben sind Entscheidungs- und Geschmackssache und eine Frage der Mode. Es gibt Schnittmuster, die gute Designbeispiele zeigen oder Angaben darüber enthalten, wie lässig ein Kleidungsstück sitzen soll. Das ist nicht unerheblich, denn die Maßtabelle enthält schließlich Körpermaße. Ein paar Zentimeter mehr, machen einen erheblichen Unterschied. Wenn ihr Glück habt, sind die Maße des fertigen Kleidungsstück auf dem Schnittmuster angegeben, aber auch da braucht es etwas Phantasie, um herauszufinden, was sie für euch bedeuten. Viel sinnvoller finde ich, wenn ihr euch selbst überlegt, wie viel Zugabe ihr für das Kleidungsstück wo braucht und zum Beispiel ähnliche Kleidungsstücke als Vergleichsquelle zu Rate zieht.

Es ist die Designerin oder der Designer, die sich noch überlegen, an welcher Stelle ein Kleidungsstück noch ein wenig lässiger sein darf oder eben auch nicht. Doch wenn du nähst, bist du der Designer!  Du entscheidest, ob du den Vorgaben des Designs folgst oder dein ganz persönliches Kleidungsstück zauberst!




Bewegungsdetails

Wir bewegen uns und stehen selten so ordentlich da, wie auf den Fotos, auf denen wir stolz unsere neuen Werke präsentieren. Und das ist gut so. Kleidung sind für das Leben gemacht - wie ätzend wäre es, wenn wir unser Leben unserer Kleidung anpassen müssten!

Kleidung muss funktionieren. Die schönste Hose, in der wir nicht sitzen können ist eigentlich für den Müll. Sitzen, Armheben, Bücken, Hocken... Kleidung muss vieles mitmachen und dazu braucht es Weite. Kleidung, die nicht elastisch ist, darf einfach nicht "wie angegossen" sitzen, sonst können wir uns nicht bewegen.

Das ist vermutlich der Grund für den Siegeszug des Jerseys.

Jersey geht mit. Jersey dehnt sich und wenn er genügen Rücksprungskraft an, dann ist er anschließend nicht ausgeleiert, sondern flutscht wieder dorthin, wo er sein soll. Es wundert mich nicht, dass Jersey so beliebt ist.

Aber manchmal ist Webware eben auch schön. Es ist möglich, mit Webware, mit unelastischem Stoff passformgenaue Kleidung zu nähen, die die Körperkonturen umschmiegt und nachzeichnet und trotzdem Bewegungen zulässt - aber dieses Umschmiegen ist eben kein Engtanz! Ein bisschen Weite muß sein und ein cleverer Schnitt.

Und nicht zuletzt braucht es ein bisschen Toleranz. Wenn der Stoff sich schon nicht tolerant verhält, dann mußt du die Vernünftige sein. Es geht viel, aber es geht nicht alles mit unelastischem Stoff.

Seid realistisch und nicht perfektionisitisch.

Du entscheidest deinen Look. Du musst dich entscheiden. Du darfst!

Über Fragen, Ergänzungen und Ideen würde ich mich sehr freuen! Schreibt sie entweder in die Kommentare oder einen eigenen Blogartikel. Dazu dürft ihr auch gerne das Bildchen zur Serie mitnehmen. Ergänzende Blogartikel verlinke ich nachträglich hier in diesem Beitrag. 

Bisherige Beiträge der Serie:

  1. Grundlagen und Längenänderungen
  2. FBA und SBA - kombinierte Längen- und Weitenänderung im Oberteil
  3. Fortsetzung FBA und Abnäher verlegen
  4. Einen Schritt zurück
  5. Änderungen am Rückenteil
  6. Ärmel und Amloch

Montag, 18. April 2016

In guten Stoff investieren

Warum kostet Stoff, was er kostet? Warum fahre ich auf Markt-Schnäppchen ab? Warum finde ich Bio-Stoffe toll und kaufe sie nicht? Warum investiere ich mein gutes Geld nicht in guten Stoff? Während Strickerinnen anscheinend alles dafür geben, nur das Beste vom Besten zu verarbeiten, in Kaschmir und Seide schwelgen, die Handfärberin und das Schaf am liebsten persönlich kennen, habe ich bei uns Hobbynäherinnen manchmal das Gefühl, dass wir zwar schöne Stoffe lieben, aber vor hohen Materialpreisen zurück schrecken.

Woran liegt das? Vertraue ich so wenig auf mein Können, dass mir das Risiko zu hoch erscheint, viel Geld für Material auszugeben? Ist es der Dreiklang aus Materialqualität, Farbe/Muster und Schnitt der das Endergebnis beeinflusst und deswegen spielt die Qualität nicht die Hauptrolle?  Ist es der Jagderfolg, etwas ganz Besonderes, was sonst keine hat, der uns bei Marktkäufen reizt? Geht es den anderen Hobbyschneiderinnen auch so? Werden wir von schmeichelnder Farbe und originellen Mustern verführt, bis wir uns willenlos ergeben? Sind wir so geflasht von dem Gesamteindruck des fertigen Werkes, dass wir gar nicht so sehr ins Detail gehen? Geht Nähen so viel schneller als Stricken, dass wir unser Budget auf mehr Projekte verteilen müssen als die Strickerinnen?

Ich muss mich da an die eigene Nase fassen. Auf der einen Seite denke ich, dass ich gerne bessere Stoffe verarbeiten würde: Stoffe, die unter guten Bedingungen produziert wurde, bio-zertifizierte Zutaten und menschenwürdige Herstellungsprozesse. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen bei dem Gedanken, wieviele Kilometer das Material durch die Welt gefahren ist, bevor es von mir verarbeitet wird. Immerhin tröstet es mich ein bisschen, dass ich wenigstens einen Teil der miesen Herstellungsbedingungen übernehme, wenn ich ein Kleidungsstück selbst herstelle. Aber reicht das? Letztlich ist das alles Theorie. Es ist ein frommer Wunsch von mir, mit besseren Stoffen zu arbeiten und dann lasse ich mich doch wieder von Schnäppchen verführen. Natürlich wünsche ich, es gäbe eine größere Auswahl an "fairen" Stoffen, doch statt diese zu kaufen, kaufe ich auf dem Markt. Ich nähe ein Kleid nach dem anderen, statt in "das Eine" zu investieren. Das Stofflager wächst, weil es so einfach scheint, die Träume zu realisieren. Mache ich mir mit den Wünschen nach Stoffen besserer Qualität etwas vor?

Das liegt auch an meiner Kleidergröße. Würde ich Babyklamotten nähen, würde ein Meterpreis über 30, - oder mehr Euro nicht so sehr ins Gewicht fallen. Bei meinen üblicherweise gekauften 3 m sehr wohl. Oder ist das nur eine Ausrede? Wenn ich mir einen Mantel nähe, den ich über Wochen und Monate trage, wenn ich ein Kleid für einen bestimmten Anlass nähe oder aber einen Rock, von dem ich hoffe, dass er viel getragener Lieblings meines Kleiderschrankes wird, dann könnte ich doch eigentlich auch einen Betrag X für Material ausgeben, der zwar über den Preise von fertigen Billigklamotten liegt, aber immer noch weit unter dem, was hochpreisige Anbieter verlangen. Habe ich nicht genügend Vertrauen in meine handwerklichen Fähigkeiten oder mein Geschickt bezüglich der Kombination von Stoff und Schnitt? Oft habe ich Angst, dass das, was ich mir zusammengeträumt habe, zusammengenäht an mir nur halb so toll aussieht. Aber was wäre, wenn ich nach dem Probekleid einmal ordentlich investieren würde?

Wenn ich teure Stoffe sehe, zögere ich. Warum ist der Stoff, den ich in der Hand habe so teuer? Liegt es an dem schnuckeligem Geschäft in bester Lage, das natürlich mit den Preisen des Marktes am Maybachufer nicht konkurrieren kann? Was rechtfertigt einen hohen Preis. Ist es das Material? Klar, Seide ist teuer. Aber warum gibt es auch billige Seiden und warum so teure Baumwolle? Wer sagt mir, dass dieser Stoff wirklich wert ist, was der Preis verspricht? Ich finde noch nicht mal Markennamen, denen ich vertrauen kann. Ich muß mich auf mein Gefühl verlassen, wenn ich den Stoff anfasse, darauf vertrauen, dass die Angaben über die Zusammensetzung des Materials (sofern es sie gibt) stimmen und darauf vertrauen, dass die EinkäuferInnen gute Arbeit beim Ertrüffeln der Schätze gemacht haben und fair ihre Verkaufspreis kalkulieren.

Früher, als wir nur ins Stoffgeschäft um die Ecke gingen blieb uns gar nichts anderes übrig, als dem Stoffhändler zu vertrauen. Wir kauften, was es gab und bezahlten - manchmal mehr oder weniger zähneknirschend - den Preis, der auf der Ware stand. Die Auswahl war begrenzt, wir nahmen, was es gab. Doch jetzt gibt es das Internet mit seinen quasi unbeschränkten Einkaufsmöglichkeiten. Wir können aus der ganzen Welt bestellen, wir können Preis vergleichen und wir tun es auch  - auch wenn wir dabei auf den schönsten Aspekt des Stoffekaufens verzichten: das sinnliche Streicheln der Stoffe, das Anhalten und fließen lassen - wir bestellen und hoffen, dass das, was wir bestellt haben, schon zu irgendwas taugt. Der niedrige Preis lässt uns dieses Risiko ertragen. Doch mein Gefühl sagt mir, dass es einfach nicht sinnvoll sein kann, einen Preiskrieg zu unterstützen. Irgendjemand bezahlt immer den Preis.

Ich möchte verantwortungsbewußter kaufen und gut investieren. Irgendetwas muß ich tun, um Vertrauen zu gewinnen. Bei Investitionen braucht es ein gutes Gefühl.  Ich glaube, ich brauche mehr Informationen. Gerade, weil ich immer weniger Zeit zum Nähen finde, sollte ich lieber langsamer nähen, sorgfältiger und dafür mit besserem Material. Und ich sollte endlich mir und meinen Fähigkeiten mehr vertrauen. Vertrauen ist der Schlüssel!