Mittwoch, 28. Januar 2015

MMM - der Fluch des "schönsten Kleides"


Hallo und herzlich willkommen beim Me Made Mittwoch. Heute bin ich mal wieder "drüben" als Gastgeberin, aber der Vollständigkeit halber, gibts diesen Beitrag auch hier.

Der Fluch des schönsten Kleides

Das ist mein "Weihnachtskleid" mit vier Wochen Verspätung. Endlich habe ich es an, obwohl es eigentlich dem "Fluch des schönsten Kleides" erlegen war. Was ist passiert? Vor Weihnachten das übliche: Jahresendzeitstimmung und viel Trubel. Da wollte ich ein Weihnachtskleid nach bewährtem Schnitt nähen. Immerhin hatte ich nach diesem Schnitt im Jahr 2014 (Knip Mode 11/2009) schon vier Kleider genäht, die ich sehr mag. Da dieser Karostoff ein Streichelschätzchen ist, den ich zwei Jahre gelang gehütet habe, war das theoretisch ein guter Plan.

Melleni, von talentfreischön hat daraus vor zwei Jahren ein Kleid genäht und mailte beim Nähen "das wird mein SCHÖNSTES Kleid" - wir waren gespannt. Ich war hellauf begeistert aber sie wurde nicht recht warm mit ihrem Kleid. Ha, dachte ich, das kann mir nicht passieren: bewährter Schnitt, lang geplantes Projekt, das wird MEIN SCHÖNSTES KLEID. Damit es auch wirklich das allerschönste wird, habe ich noch ein klitzekleinesbißchen am Schnitt optimiert herumgebastelt. Tja und was dann passierte, war irgendwie absehbar. Ich gab mir alle Mühe beim Zuschnitt der Karos, ich nähte glückseelig im Wissen, dass dies mein schönstes Kleid werden würde, probierte es an und war geschockt. Die Abnäher im Vorderteil stimmten gar nicht mehr und endeten AUF den Brüsten. Einen ganzen Abend änderte ich, trennte ich, nähte neu. Es gelang mir einfach nicht, dabei war auch mittlerweile schon Silvester vorbei. Ich warf das Kleid in die Ecke und war traurig.

Dank guter Vorsätze gibt es ein Happy End mit uns beiden

Die Energie der guten Vorsätze am Jahresanfang nutzend, widmete ich mich erneut dem schönen Stoff. Letzte Woche raffte ich mich auf, am offenen Herzen zu operieren. Ich trennte das Vorderteil vom Taillenband, zog das Kleid auf links an, steckte und nähte die Abnäher neu. Sie sind immer noch nicht perfekt. Irgendwie habe ich wohl einen Denkfehler im selbstgebastelten und veränderten Schnitt. Doch das Kleid ist gerettet. So, kann ich es anziehen.




Schnitt: Knip Mode 09/2011 - besser bekannt als Frau-Kirsche-Kleid oder Paspelkleid. Ich weiß, das Heft ist vergriffen und es tut mir leid, euch etwas zu zeigen, für das der Schnitt nicht mehr erhältlich ist. Aber es gibt ähnliche Schnitte! Haltet einfach nach Schnitten mit Taillenband Ausschau, denn das zaubern den Effekt.
Änderung: zwei Kellerfalten vorne und hinten statt angekräuseltem Rockteil , Ausschnitt vergrößert. Schnitt auf Grundschnitt angepasst, d.h. um 4 Größen vergrößert und Zwei-Naht-Ärmel nach eigenem Schnitt. 
Stoff: Viskose-Woll-Plastikmischung vom Maybach Ufer alles im schrägen Fadenlauf zugeschnitten

Ordentlich Säumen bisher versäumt

Weil es nun absolut nicht mein schönstes Kleid geworden ist, unsere Liebe wurde schließlich auf eine harte Probe gestellt, habe ich entgegen meines Vorsatzes, einen Handsaum zu üben, das Kleid am Rocksaum doch mit Schrägband verstürzt. Die Liebe reichte nicht für meterweise Handnähen. Diese "unsichtbare Schrägbandsaummethode" mag ich ganz gerne, weil der Saum etwas schwerer wird und das Kleid dadurch schön fällt. Normalerweise nehme ich dann gerne auch noch eine verrückte Farbe, um einen kleinen Hingucker zu haben, von dem nur ich weiß, aber bei abgekühlter Liebe gab es nur noch schwarz. An den Ärmeln habe ich mich im Handsäumen geübt und finde das Ergebnis ganz entzückend.



Nähen und Bloggen gehören einfach zusammen. Kaum hatte ich das mit dem Handsäumen gebloggt, wurde ich dezent darauf hingewiesen ermuntert, doch alles richtig zu säumen und das tat ich dann auch an zwei Abenden und nähte brav das Schrägband fast unsichtbar mit der Hand fest. Und ich muss sagen, die intensive Beschäftigung mit Saum und Kleid hat unser Zusammengehörigkeitsgefühl doch bestärkt.

Auch wenn das Kleid nun nicht mein allerschönstes Kleid geworden ist, bin ich froh, dass ich es fertig gemacht habe und auch stolz darauf, mich im Handsäumen versucht zu haben. Wenn ich es mir so anschaue, dann ist es ein sehr schönes Alltags-Winter-Kleid geworden und so etwas kann ich eigentlich viel besser gebrauchen, als ein Allerschönstes-Festtagskleid. Wie man sieht, funktioniert es auch ohne Petticoat aber mit warmer Kauf-Strickjacke. Auch wenn die Jackenlänge nicht optimal ist, so trage ich es heute, weil die Jacke so schön warm ist.

Apropos Strickjacke: habt ihr gesehen, dass es dieses Jahr wieder einen Frühlingsjäckchen Knit Along auf dem Me Made Mitwoch Blog gibt? #FJKA2015




Mehr wunderbare selbstgemachte Outfits an echten Menschen findet ihr wie immer Mittwochs auf dem Me Made Mittwoch Blog.

Freitag, 23. Januar 2015

Säumen



Wie man sieht, sieht man nichts. Nun ja fast. Auf dem - komischen auf dem Kopf stehenden - Foto erkennt ihr beim genaueren Hinschauen, einen Rocksaum, der von innen mit einem Schrägbandstreifen verstürzt ist von links und darüber  darunter, auf dem Rock liegend, einen Ärmel auf rechts. Aber nicht zulange drauf schauen, das gibt sonst Augenkrebs.

Den Schrägbandsaum mag ich bei Winterröcken, denn ich arbeite gerne mit Schrägband, finde es aber nur bei Baumwollröcken schön, wenn es als Saumstreifen außen sichtbar ist. Außerdem ist das ein Designelement, was sich relativ schnell abnutzt, d.h. an dem ich mich schon mal übersehen kann. Wenn das Schrägband aber als dekoratives Element innen ist, ist es ein Hingucker, von dem nur ich weiß und an dem ich mich heimlich freuen kann - gerne auch in verrückter Farbe. Ganz abgesehen davon, ist es eine unheimlich schnelle Methode, um einen weiten Rock ordentlich zu säumen. Auf der Rockseite ist zwar eine Naht sichtbar, diese verläuft aber schön parallel zur Saumkante, weil sie von der Breite des Schrägbands vorgegeben ist.

So mache ich die Säume seit langem. Eine Methode, die meinem Charakter sehr nahe kommt, denn irgendwann ist beim Nähen ein Punkt erreicht, an dem ein Kleidungsstück für meinen Geschmack schnellschnell fertig werden muß.

Doch irgendwie wurmte es mich, wenn ich von handgenähten Säumen las.

Mehr und mehr hatte ich das Gefühl, dass meine Saumschlampenmethode etwas ist, aus dem frau auch rauswachsen kann. Deswegen ließ ich mir letztes Wochenende von Frau machstattkaufen und Frau von Mema zeigen, wie frau einen Handsaum näht. Und da ich mir das als Tätigkeit, die auch noch begeistern soll, von mir recht schwer vorstellen konnte, beschloss ich diese Methode zwar mal auszuprobieren, doch realistisch nur an den Ärmeln.




Was soll ich sagen. Es gefällt mir! Es gefällt mir das Ergebnis und es gefällt mir sogar das Handnähen. Wer hätte das gedacht!

Jetzt rede ich mir den Schrägbandsaum schön von wegen "der fällt schöner, wenn er schwerer ist", aber ich glaube, ich bin bezüglich des Handsäumens auf den Geschmack gekommen. Danke!


Dienstag, 20. Januar 2015

Futterschnitt

Hofenbitzer: Schnittkonstruktion für die Damenmode


Ich bin immer noch hochmotiviert und würde am liebsten nähennähennähen, aber leiderleiderleider fehlt die Gelegenheit; umso schöner ist es, auf das Wochenende zurück zu blicken. Jedenfalls bin ich sehr motiviert, die karierte Jacke fertig zu machen, auch oder gerade, weil sie mir so, wie sie ist, nicht gefällt. Das Schößchen steht sehr merkwürdig vom Körper ab.

Es gibt drei Gründe dafür bzw. Sachen, die ich verändern könnte:
1. Das Futter zuppelt den Beleg nach oben
2. Die Einlage ist zu steif
3. Das Schößchen ist zu ausladend zugeschnitten.

Ich fange nun erstmal mit dem Futter an und dann sehe ich weiter. Da ich das Futter bisher nur mit großem Stich eingenäht habe, weil ich nicht sicher war, ob es passt, ist es leicht, wieder herauszutrennen und glücklicherweise habe ich noch von dem schönen türkisen Futterstoff.

Obwohl meine Jacke dem "Suit Jacket" aus Gerties Buch ähnelt, habe ich sie selbst konstruiert und nur die Schößchen- und Kragenidee von Gertie übernommen. Dementsprechend habe ich natürlich auch das Futter selbst "konstruiert", d.h. ich habe geschaut, wo Beleglinien sind und es einfach so zugeschnitten, leider ohne vorher das schlaue Schnittkonstruktionsbuch (Hofenbitzer) zu konsultieren. Das Einzige, was ich als Unterschied berücksichtig hatte, war eine Bewegungsfalte im Rücken und die Ärmellänge. Nun ja, wer nicht verlängert, muß sich nicht wundern, wenn es zuppelt.

Was habe ich nun beim Erstellen des neuen Futterschnitts beachtet:

Vorderteil:
1. Im Futter genauso viel Abnäher zu haben, wie im Vorderteil ist unnötige Mehrarbeit. Außerdem nähten sich die Abnäher auch nicht so prickelnd und ich hatte das Gefühl, dass die Perforation durch die Nadel den Stoff auch nicht stabiler macht. Im Buch wird vorschlagen, die Abnäher zu schließen und zur vorderen Mitte zu verlegen. Dort kann dann die Mehrweite eingehalten bzw. in Falten gelegt werden. Zwei der drei Abnäher habe ich also nach vorne verlegt, den dritten lasse ich, ohne ihn zu Nähen, so dass das Vorderteil noch etwas Weite bekommt. Mal schauen, ob das eine kluge Entscheidung ist, ggf. nähe ich den Abnäher doch noch.



2. Auf dem Bild kann man gut erkennen, dass durch die Verlegung der Abnäher, die Unterkante des Vorderteils nicht mehr gleichmäßig ist. Die Angleichung nutze ich gleich, um das Vorderteil zu verlängern: Das Vorderteil-Futter habe ich um 1,5 cm in der Mitte, zur Seitennaht auslaufend, verlängert.

3. Die Schulterpolstererhöhung habe ich wieder herausgenommen, weil das Schulterpolster zwischen Oberstoff und Futter liegen wird.

4. Da das Futterteil nun nicht mehr identisch mit dem Vorderteil ist und deswegen in der Rundung auch nicht der Belegrundung entspricht, habe ich ab der Stelle, ab der ich einhalten muß, ein zusätzliches Passzeichen in Futter und Beleg gemacht.

Rückenteil

1. Die Taillenabnäher habe ich in die hintere Mitte verlegt.

2. Die Bewegungsfalte ist wie vorher ca. 2 cm in jedem Rückenseitenteil.

3. Das Rückenteil habe ich um 2 cm verlängert

4. Auch im Rückenteil habe ich die Schulterpolstererhöhung wieder weggenommen.

Jetzt bin ich gespannt, ob das Futter besser passt oder ob ich es "zu gut gemeint" habe und es nun ganz fürchterlich flattert. Manchmal arbeite ich ja nach dem Prinzip "mehr ist mehr", weil mir "weniger ist mehr" nicht wirklich einleuchtet.

Theoretisch müsste ich auch noch meinen Zweinaht-Futter-Ärmel an der Armkugel vergrößern, aber bei der Anprobe fühlte sich der Ärmel gut an. Wenn er sich gut heraustrennen lässt, dann lasse ich ihn so und mache das erst beim nächsten Jackett.

Beim Lesen der Theorie fand ich es spannend, dass für die industrielle Fertigung Tipps gegeben wurden. Da geht es ja immer darum, Arbeit oder Material zu sparen. Deswegen ist es natürlich auch schlüssig, auf Abnäher zu verzichten, die nicht notwendig sind. Der Futterschnitt soll so einfach und aufwendig wie möglich sein. Darüber hatte ich vorher noch gar nicht nachgedacht.

In Bielefeld zeigte mir Mema, dass sie das Futter auch "in Falten legt, so wie sie kommen". In dem Moment, als sie mir das zeigte, habe ich noch gar nicht darüber nachgedacht, was das für den Futterschnitt bedeutet. Aber jetzt ist es mir klar. Mein Futter war "passend" zugeschnitten", da stellte sich die Frage nur im Bereich der Bewegungsfalte. Ahaaaa!

Hach, alles sehr spannend! Ich bin gar nicht frustriert, dass ich das Futter noch mal machen muß, weil ich das Lernen so spannend finde.

Montag, 19. Januar 2015

Nähen im Flow



In den letzten drei Tagen habe ich knapp 20 Stunden genäht. Das Nähnerd-Treffen in Bielefeld, war eine gute Gelegenheit, auch mal wieder ein größeres Projekt anzugehen. Schon seit 1,5 Jahren, also seit dem Kostüm-Sew-Along, habe ich zwei Stoffe hier, die zu Blazern werden sollen und deren Rockpartnerinnen schon lange fertig sind und fleissig getragen werden. Obwohl ich im Schnittkurs schon vor Monaten einen Blazergrundschnitt erstellt habe, war die Zusammenführung des Grundschnittes mit den Details des Suit Jackets von Gertie, das ich nähen wollte, eine Gehirnleistung, die ich lange vor mir herschob.

Sehr kurzfristig erfuhr ich, dass ich tatsächlich auf der Warteliste für die AnNAEherung soweit vorgerückt war, dass ich auch noch mit nach Bielefeld fahren durfte. Welch ein Glück! Mein Körper ist wieder in Hamburg, aber dem Geist fällt es schwer, wieder im Alltag anzukommen - nicht nur wegen der Müdigkeit. Vielen Dank den Organisatorinnen und den anderen Teilnehmerinnen. Ich habe die Zeit sehr genossen!

Mit Bahn und Nähmaschine zu reisen bedeutet nicht nur, gründliches Packen um nur ja kein Schnittteil etc. in der Heimat zu vergessen. Es bedeutet für mich auch, ohne Overlockmaschine zu nähen. Es ist verflixt, wie sich ein Nähnerd schnell und vollständig an die Erweiterung des Maschinenparks gewöhnt. Jedenfalls hatte ich keine Lust, etwas zu nähen, bei dem ich die Ovi vermissen würde. Also doch ein Blazer! Die kurzfristige Zusagen, eine mit Verpflichtungen vollgestopfte Woche, ein Schnitt, der noch erstellt werden muß und ein Stoff mit Karos, sind ehrgeizige Voraussetzungen. Doch ich schaffte, alles vorzubereiten, so dass ich am Freitag Abend mit dem Aufbügeln der Einlage beginnen konnte. So eine Bügelpresse, die ich ausprobieren durfte, ist zwar eine tolle Sache, aber gefühlt habe ich trotzdem den ganzen Freitagabend damit zugebracht, die Einlage aufzubügeln. 

Die Stunden am Samstag vergingen wie im Flug. Vormittags ein bißchen nähen, ein kleiner Nähnerdausflug und dann, nur von einem kurzen Abendessen unterbrochen weiter nähen bis kurz vor 1 in der Nacht. Von 17 Uhr bis Abendessen hatte ich eine Paspelknopflöcherblockade und ging Frau Nahzugabe vermutlich ziemlich damit auf die Nerven. Um 22 Uhr hatte ich die Knopflöcher dann im Blazer drin und hoffe nun immer noch, dass sich die Geschichte zum Running Gag aber nicht freundschaftstrübend auswirkt. Jetzt habe ich das gründlich kapiert mit den Knopflöchern und werde, falls ich die Tage mal Zeit finde, dafür eine Anleitung schreiben. Ich weiß, das gibt es schon tausendfach, aber das mache ich natürlich auch für mich, denn wer weiß, wann ich wieder Zeit für ein aufwändiges Projekt habe. 




Es war wirklich erstaunlich. In der Nacht zum Samstag hatte ich nur 6 Stunden geschlafen und diese wenigen Stunden wurden auch noch einen Wecker, der versehentlich um 6 Uhr klingelte und für dessen Ausschalten ich minutenlang brauchte, unterbrochen. Trotz heftiger Kopfschmerzen nähte ich unverdrossen und ich hätte auch noch nach Mitternacht lange weiter genäht, wenn die Stimmung im Raum etwas weniger Party gewesen wäre. Im Laufe des Abends, als immer mehr Näherinnen sich dem Partyflauschen zuwendeten, wurde es im Raum lauter und lauter, aber trotzdem nähte ich konzentriert und unverdrossen weiter. Es war eher die Vernunft, die mich dazu überredete aufzuhören und die Angst vor Fehlern und dem dazugehörigen Trennen. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Blazer langsam erkennbar und die Fertigstellung absehbar. Es war wirklich schwierig, die Maschine auszuschalten bzw. nur für als Stimmungslicht anzulassen. 

Sonntag geriet ich etwas aus dem Flow und wurde etwas hektisch, aber ich glaube, mit dieser Stimmung war ich nicht alleine. Die Zeit des Abreisens rückte näher und das war im Raum zu spüren. Ich wollte das Ding gerne bis zur Abfahrt fertig bekommen, zumindest das Futter sollte drinnen sein, damit es nicht mehr aussieht, wie eine Operation am offenen Herzen. Leider ist mein Futter nicht optimal konstruiert, an den Futterschnitt muß ich noch mal ran und die Vorderteile und das Rückenteil des Ärmels noch mal neu zuschneiden und einnähen. Wie gut, dass es bisher nur geheftet ist! Und vor allen Dingen werden ich ordentlich alle Erkenntnisse notieren - hoffe ich doch! Denn eigentlich wäre es sinnvoll, den erträumten roten Blazer gleich hinterher weg zu nähen. Immerhin geht da der Zuschnitt leichter...

Für mich war es sehr erstaunlich, dass ich die Zeit mehr zum Nähen als zum Quatschen nutzte. Irgendeine sagte "Ach, nähen kann ich doch auch zuhause...", aber ich merkte, dass das für mich nicht wirklich gilt. Abends oder eben mal schnell zwischendurch zuhause nähen, ist nicht das gleiche, die die Chance konzentriert über mehrere Stunden sich einem Werkstück zu widmen. Im Nachhinein finde ich es zwar schade, dass ich weniger als geplant herumgelaufen, über die Schulter geschaut, Nähmaschinen angeschaut, geplaudert und von anderen gelernt habe, aber es fühlte sich so schön an, einfach zu nähen. Wer mich kennt, kennt meinen Spruch "eigentlich nähe ich gar nicht gerne" - mir ist am Wochenende klar geworden, dass ich unter den üblichen Bedingungen einfach nicht gerne nähe. Aber mit dieser Erkenntnis lässt sich ja arbeiten. 


beachte: mit eben-Julia-Gedenk-Tischmülleimertasse


Der Aufbruch war schnell und holprig, denn das bestellte Taxi kam früher als geplant. Leider konnte ich weder an der Abschlußrunde teilnehmen, noch mich gebührend bedanken und verabschieden. Aber wir lesen uns ja wieder! Das Treffen war toll und hat meine Nähmotivation extrem erhöht. Es fügt sich schön ein, in die diversen Nähnerdaktionen des Jahres und deswegen war der Abschied auch nur ein körperlicher Abschied, denn wir sind ja verbunden und das ist schön! Es fühlt sich schön an, ein Hobby zu haben, das hätte ich früher nie gedacht. Ich bin gerne ein Nerd! Ich finde es schön, in eine Tätigkeit versunken zu sein, Freundinnen und Bekannte zu haben, die sich für das Gleiche begeistern, mit ihnen in Geheimsprache zu reden und sich für Dinge zu begeistern, die andere nicht kennen oder mit den Augen rollen, wenn sie davon hören. Es macht Spaß, bis in die Nacht hinein, gemeinsam etwas zu tun, es ist toll, ein Wochenende komplett abzutauchen und sich mit Hingabe dem Nerdsein zu widmen. Wie schön, dass ich das Nähen für mich entdeckt habe und dass es die Nähnerds gibt!

edit:
Ich war ja nicht alleine in Bielefeld. Wie die anderen die vergangenen Tage erlebt haben, könnt ihr hier gesammelt nachlesen. Sehr spannend!


Montag, 12. Januar 2015

Mit Bildern und Rührung



Frau Masulzke hat nun auch über unser Nähkränzchen gebloggt. Hier schreibt sie ganz rührend darüber. Hach! <3

Und weils so schön ist, habe ich gleich noch mal nach dem alten Beitrag gesucht, in dem ich berichtete, wie wir schon mal zusammen nähten. Hier und hier berichtete ich "Live vom Nähkürschen". Das ist schon interessant, zwei Jahre später so einen Bericht noch mal zu lesen. Ich freu mich jedenfalls wie Bolle, eine Freundin mit dem Nähvirus infiziert zu haben, Profi hin oder her :-)

Freitag, 9. Januar 2015

Lakritz-Pulli?



Manchmal stricke ich einfach so vor mich hin. Ich habe Langeweile, bin gerade bei einer guten Serie und habe kein aktuelles Projekt und tief in mir schlummert eine Inspiration, die ausprobiert werden möchte. Theoretisch könnte ich auch ein angefangenes weißes WM-Jäckchen weiterstricken oder die graue Kopie meines Frühlingsjäckchen 2012, aber für jedes Strickprojekt braucht es mehr als nur Gelegenheit, ich muss das Ergebnis schon auch dringend wollen, um die Ruhe aufzubringen, die Nadeln zu schwingen.

Ich weiß nicht mehr genau wo ich zum ersten Mal einen Ringelpullover oder eine Ringeljacke mit bunten Ringeln gesehen habe. Es ist auch schon mindestens zwei Jahre her, würde ich schätzen. Jedenfalls ging es mir nicht aus dem Sinn. Für meine Häkeldecke hatte ich sehr viele Farben Drops Baby Merino und viel grau bestellt, so dass es irgendwie nahe lag, die Idee einmal auszuprobieren. Anfang des Jahres hatte ich auf einmal dieses "JETZT MUSS ES SEIN"-Gefühl, beendete aber zuerst brav den fast fertigen blauen Pullover (noch nicht gezeigt, weil noch nicht gespannt und zusammen genäht). Dann quälte ich mich durch ein langes Bündchen und startete mit den Ringeln. Irgendwie war es dann doch nichts so schön, wie in meinen Träumen.

bereits weggeribbelt


Frau sewing addicted erinnerte mich an Frau Marbuntes Frühlingsjäckchen und Frau Drehumdiebolzen merkte an, dass "nur rosa" irgendwie hübscher wäre. Also ribbelte ich bis zum Bündchen und wieder ging es von vorne los. Jetzt gefällt es mir viel besser. Es erinnert mich an Lakritz. Ich mag diese Rollen mit dem farbigen Kokoszuckerzeugs um Lakritz besonders gerne in weiß und rosa und kaufe diese Mischtüten fast nur deswegen.

Wie ich die Ärmel stricke und ob es ein Pullover oder ein Jäckchen, ob mit langen oder kurzen Ärmeln wird, weiß ich noch nicht. Ich mag es, wenn das Projekt noch offen ist und mir mein Strickstück beim Stricken flüstert, was es werden will. Hoffentlich flüstert es nicht wieder einen anderen Namen. Frau Masulzke ging natürlich mit meiner neuen Mütze nachhause. Schon beim Stricken wusste ich irgendwie, dass ich gar nicht für mich, sondern für sie stricke. Ich muss zugeben, ihr stand sie einfach besser. Jetzt habe ich wieder keine Mütze, aber was soll frau machen, wenn das Strickstück entscheidet, zu wem es gehören will! Hübsch wäre ja die Schulterpartie meines Lakritzdingens auf einmal zu stricken, damit die Ringel durchlaufen, aber wie das geht, weiß ich noch nicht. Ich bin gespannt.


Donnerstag, 8. Januar 2015

Nähkränzchen mit Frau Masulzke



Was habe ich mich gefreut, gleich zu Anfang des Jahres ein Nähkränzchen mit meiner besten Freundin Merle (die ich übrigens auch, aber schon vor ca. 17 Jahren, aus dem Internet herunter geladen habe), alias Romika Masulzke, geplant zu haben. Vor zwei Jahren hatten wir das schon mal gemacht und da wir leider mittlerweile 500 km weit auseinander wohnen, haben wir eben nicht häufig die Gelegenheit dazu. Trotzdem ist es mir gelungen, sie mit dem Näh-Virus anzustecken. Früher oder später bekommen wir sie alle, harrharrr!

Da Frau Masulzke ohne Nähmaschine reiste, überlegte ich mir, dass ich etwas aus Jersey nähen könnte, damit sie meine Nähmaschine nutzen kann. Mein Plan war zwei Shirts zu nähen, da Stoff und Stil für das Frühjahr meinen Wunsch erhört hat und schönen neue Baumwolljerseys im Programm hat. Mein Geheimplan war noch, aus den Resten mal Schlübber zu probieren. Unter Nähnerdfreundinnen wird ja Marylin als der geheime heiße Scheiß seit Monaten unter dem Tisch rumgereicht. Als ich nach dem Zuschnitt der Shirts, einen ca. 70x70 großen Rest hochhielt und freudig sagte "ach, da wird noch ein Schlübber draus" stockte Frau Masulzke erst der Atem und dann konnte sie kaum noch aufhören zu lachen. Meine Mutter würde sagen "damit kannst du 10 Pfund Kartoffeln holen", aber ich blieb standhaft, schnitt meine Schlübber zu und dachte mir, dass die Nähnerds schon nicht irren und überhaupt, wollte ich ja perspektivisch irgendwann einen Fatkini nähen, da wäre die Hose schon mal ein gutes Probeding.

Frau Masulzke und ich kamen allerdings kaum zu nähen, was nicht nur an einem geheimen zukünftigen Projektbrainstorming lag und auch ganz sicherlich nicht am Sushi und auch nicht an dem gemeinsame gekauften Lippenstift, bei dem Frau Masulzke mich bezüglich meiner Schminklegasthenie unterstützte, die ja neben der Accessoire- und Deko-Legasthenie mein Leben etwas karg macht. Nein, wir schnitten eigentlich hauptsächlich zu, denn Frau Masulzke hatte noch nichts vorbereitet (empörend! ich allerdings auch nicht) und wollte ein Kleid mit Futter nähen. Bekanntlich dauert so ein Zuschnitt. Am Schluß tackerte ich noch die beiden Shirts mit der Ovi zusammen und bis auf die Säume sind sie nun fertig. Auf das Nähen der Schlübber freue ich mich noch, falls ich diese Woche noch eine ruhige Minute finde. Das ist auf jeden Fall spanender, als die Abnäher des Weihnachtskleid-UFOs noch mal zu nähen, das ich unter der Brust komplett aufgetrennt habe. So Operationen am offenen Herzen sind ja stets heikel....

So ein kleines unkompliziertes Nähkränzchen ist eine feine Sache. Vor allen Dingen, wenn ich dafür nicht irgendwo hin muß und an alles einzupacken denken und alles schleppen muß. Hat Spaß gemacht und die ambitionierte Nachwuchsbloggerin hat auch fotografiert und bloggt sicherlich bei Gelegenheit ein Paar Bilder dazu.

By the way: das waren immerhin schon zwei Anläufe, meine Oberteilschwäche anzugehen. Habt ihr auch eine Oberteilschwäche? Bestimmt! Dann schaut mal hier: Santa Lucia Patterns veranstaltet eine Jahresaktion zur Bekämpfung der lästigen Oberteilschwäche, die 12 Tips Challenge. Ha!


Mittwoch, 7. Januar 2015

Ich darf keine Lust haben


In den letzten Wochen fragte ich mich oft, woran es liegt, dass ich oft keine Lust zum Nähen habe oder ob ich wirklich gerne nähe. Ich bin da hin und hergerissen mit der Antwort. Oft habe ich einfach keine Lust und das Nähen an sich reizt mich, im Gegensatz zum Pläneschmieden oder (gemeinsamen) Stoff kaufen nur wenig. Wenn ich dann meinen Jahrsrückblick sehe, bin ich sehr erstaunt, über den Output, der trotz Unlust dann doch zustande kommt.




Eine mögliche Erklärung habe ich derzeit: ich habe kaum Lust, weil die Umstände nicht optimal sind. Ich habe wenig Lust, mir unter der Esstischlampe bei der Schnittkonstruktion und dem Zuschnitt den Rücken zu verrenken. Ich habe wenig Lust, mal eben schnell 20 Minuten zu nähen, wenn ich vorher noch den Tisch vom Familien-Müll befreien und dann die Maschinen aufbauen muß. Wie sehr beneide ich Nähnerds, wenn sie neue Zuschneidetische oder einen nebeneinander augebauten Maschinenpark oder aber auch eine ganze Wand mit Schrank und Regal zum ordentlichen Lagern von Material und Zubehör zeigen. Ich glaube, das würde es tatsächlich einfacher machen. Oder würde mich solche ein Paradies dann zu sehr unter Druck setzen, es auch nutzen zu müssen? 


In den letzten 25 Jahren hatte ich nie Lust auf ein Haus und nur sehr selten auf einen Umzug. Ich fragte mich immer, was die Menschen wohl motiviert, Geld zu sparen, Schulden zu machen und dann irgendwo aufs Land oder an den Stadtrand zu ziehen. Ich lebe gerne in der Stadt, auch wenn mein derzeitiger Wohnort für viele urbane coole Menschen auch schon farfaraway ist. Doch in den letzten Jahren habe ich das permanente Gefühl, dass uns ein Zimmer fehlt. Ganz abgesehen davon, dass ich von zuhause aus arbeite und keinen Schreibtisch habe, sondern am besagten Esstisch zum arbeiten auch meinen Kram aufbauen muß. Es wäre einfach toll, ein Arbeits-Näh-Gästezimmer zu haben und ein Wohnzimmer, dass einfach nur Wohnzimmer ist. Den Rest der Familie stört das Gekruschel des Schnittmusterpapiers, mein Gestöhne ob des Zuschnitts und mein Fluchen beim Nähen. Mich stört es, wenn ich nicht Nähen darf, wenn ich inspiriert bin. Vielleicht muß ich doch über einen Arbeitsraum irgendwo für 2015 nachdenken. Ein Nähbüro für mich. Das wäre ein Traum!


MMM - schönstes Kleidungsstück



Liebe LeserInnen, seid ihr gut ins neue Jahr gekommen? Das hoffe ich doch sehr und wünsche Euch nur das Allerbeste für 2015! Vielen Dank für Euer Interesse, Eure Kommentare und Euer wertvolles Feedback 2014! Ohne Euch wäre das Bloggen gar nix!

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Bei einem netten Plausch mit Claudia, stellte ich am Sonntag fest, dass ich zwar einen Jahresrückblick machte, aber kaum qualitativ wertete! Ach, sagte ich, da muss ich aber noch mal ran! Worauf Claudia anmerkte, dass ich mich ohnehin schon so arg kurz gefasst hatte. :-) Recht hat sie! Da kommt mir das heutige Me Made Mittwoch Motto "schönste Kleider 2014" doch ganz recht.

Ganz weit oben auf meiner Bestenliste ist der oben wieder mal gezeigte rote halbe Teller. In dem Rock fühle ich mich einfach immer und überall gut und richtig angezogen, weswegen ich ihn auch wirklich häufig getragen habe. Außerdem trug ich ihn immer, wenn ich unsicher war, was ich anziehen sollte oder wenn ich einen "Auftritt" hatte, bei dem ich eine "Rüstung" brauchte. Ich erinnere mich noch gut, wie ich ihn auf der re:publica anhatte und auf einer Session etwas sagte. Vielleicht auch, weil ich mit dem roten Rock so leicht wieder zu erkennen war, habe ich anschließend viel positives Feedback auf mein Statement bekommen und viele gute Gespräche geführt, die mir wirklich sehr geholfen habe, einen persönlich wichtigen Lernerfolg 2014 zu haben.

Obwohl "der rote Rock" wirklich das aller aller liebste 2014er Kleidungsstück ist, gibt es drei Schnitte, die einfach wichtig waren.

1. Das Frau-Kirsche-Kleid
Nicht nur, dass ich vier Kleider nach dem Schnitt nähte. Ich nähte auch alle "wichtigen" Kleider danach. Mir gefällt an dem Schnitt, dass er die Taille betont und trotzdem bequemer ist, als ein Kleid mit Gürtel zu tragen.





2. Tiramisu
2013 hätte ich nicht gedacht, dass es eine Alternative zu meinem bereits 8 oder 9 mal genähtem Schnitt Ajaccio gibt. Nach einigem Zögern mußte ich feststellen, dass Tiramisu tatsächlich eine wertvolle ERGÄNZUNG zu Ajaccio ist. Ajaccio ist für eher ein Freizeit-Schnitt, Ajaccio ist anliegend und gibt viel preis. In Tiramisu fühle ich mich angezogener und kann gar nicht genau sagen, woran es genau liegt: am weiteren Rockteil? Ich weiß es nicht. Und witzigerweise ist das Probekleid mir lieber als das "richtige" Streifentiramisu. Ich bin gespannt, wie es mit mir und diesem Schnitt weiter gehen wird. Ein neuer Stoff für ein Wintertiramisu wartet schon auf den Zuschnitt.



3. Der halbe Teller
Drei halbe Tellerröcke habe ich 2014 genäht, nachdem mit dem Kostüm Sew Along ganzer Teller, die Tellerrockliebe begann. Ich mag halbe Teller aber noch lieber, weil sie nicht den ganz großen Auftritt brauchen. Ich mag es, unter dem Tellerrock einen Petticoat zu tragen, aber oft ist es für einen Petticoat zu warm oder aber er schreit so laut nach Aufmerksamkeit. Der halbe Teller, hat er denn ein bisschen Stand, gibt die Silhouette, die ich Ende 2013 zu schätzen lernte, ohne eben so viel Trara zu machen.



Nun gut, "kurz fassen" geht anders, aber diese qualitative Ergänzung zum Jahresrückblick musste noch raus.

Was andere als selbstgenähte Lieblingsstück(e) 2014 auf dem Me Made Mittwoch Blog heute zeigen, bin ich schon sehr gespannt, angeführt von der wunderbaren Melleni als Gastgeberin, die es auch nicht schaffte, sich auf ein Kleid zu beschränken, deren rotes Kleid ich aber sehr sehr anschmachte, auch wenn es nur an dritter Stelle genannt ist.

Dienstag, 30. Dezember 2014

Jahresrückblick 2014




Zwischen den Jahren liebe ich es, einmal auf das Jahr zurück zu blicken und auch hier, habe ich 2013 und 2012 ein Resumée meines Nähjahres gezogen. Dieser Blick zurück würdigt noch mal, was ich geschaffen habe. Es geht mir weniger um Quantität noch will ich irgendjemand mit dem ganzen Kram brüskieren. Ich schaue nur gerne zurück, bin stolz auf das, was ich gemacht habe und versuche herauszufinden, was das Motto des Jahres war.



Gefühlt habe ich dieses Jahr weniger genäht als die letzten beiden Jahre. Das ist vermutlich auch wahr, denn ich habe mehr gearbeitet und damit natürlich auch weniger Zeit für das Nähen gehabt. Aber noch habe ich nicht nach Fotos gesucht und gezählt. Wer weiß, vielleicht ist es doch nicht so wenig.

Gefühlt habe ich dieses Jahr nur Tellerröcke und Frau-Kirsche-Kleider genäht und getragen und vermutlich stimmt das auch.







2014 ist für mich das Jahr der Schnittkonstruktion und der Experimente. Anfang des Jahres begann ich mit meinem kleinen Privatunterricht und lernte wie man einen Kleidergrundschnitt, einen Jackengrundschnitt und einen Hosengrundschnitt macht. Jetzt habe ich diese drei Grundschnitte und hoffentlich genug Wissen, diese auch auf körperliche Veränderungen anzupassen, die vermutlich nicht ausbleiben werden. Für den Schnittkonstruktionskurs habe ich einige Probemodelle genäht, die aber kurz vor Mülltonne stehen. Also genäht habe ich schon.




Das war wirklich gut investiertes Geld und ich freue mich, dass meine Familie mich unterstützte und mir diesen Wunsch zum großen Teil erfüllte. Ich habe sicherlich nicht alles Gelernte "parat", merke aber, dass ich Bekleidung und Schnitte nun anders angehe und den Schritt zu einem tieferen Verständnis getan habe. Das schöne an dem Privatunterricht ist, dass ich ihn ja jederzeit wieder aufnehmen kann, wenn ich ein neues Bedürfnis, eine neue verrückte Idee bekomme, was ich unbedingt lernen will. Jetzt habe ich aber erst mal das Gefühl, dass es genug ist und ich das Gelernte erstmal anwenden und üben muß.







Das größte Experiment war der Badeanzug. Ohne den Badenixen Sew Along und die Gemeinschaft der Nähnerds, hätte ich vermutlich noch nicht mal die Idee gehabt, mir einen Badeanzug zu nähen. So aber war der Sog groß und da ich zum Geburtstag einen Geldbetrag geschenkt bekam, der nicht zweckgerichtet war, beschloss ich, dass ich mit so einem unverhofften Geldsegen auch mal ein unvernünftiges Projekt wagen darf. Ich versuche nicht allzu böse auf das ungenutzte Material zu sein, denn es sind noch einige Reste übrig. Vermutlich werde ich das irgendwann noch mal rauskramen und mich noch mal an Badeklamotten versuchen. Irgendwie amüsiert es mich auch, wie sehr ich an diesem Experiment gescheitert bin. Es ist gesund, der Näh-Hybris manchmal ein bißchen Einhalt zu gebieten.

Allerdings, das Thema Dessous..... ach, kein Druck. Interesse ist da, aber es muß ja nicht alles gleich sofort!






In diesem Jahr habe ich auch viel darüber nachgedacht, wie sinnvoll eigentlich mein sehr freies, unbedarftes Nähen ist. Ich habe nur wenige Nähkurse gemacht, wenn ich mich recht erinnere, waren das ein paar Einführungen meiner Mutter, als ich Teenager war und zwei oder drei Wochenendkurse, sowie zwei Nähkursabende. Irgendwie habe ich mir das alles selbst beigebracht und habe dabei auch relativ wenig in Bücher geschaut. Das eine oder andere habe ich im Internet aufgeschnappt, aber eigentlich nähe ich immer nur drauf los.

Da ich in meiner Kleidernähkarriere früh mit den Knip Mode Schnitten begonnen habe, habe ich gefühlt auch nur sehr selten nach Anleitungen genäht. Ich erinnere mich an ein Burda Kleid und einen Mantel aus der Ottobre. Danach kamen die niederländischen Anleitungen, die ich nicht verstand und die mich für das Lesen von Anleitungen verdorben haben.

Naja, ich nähte nicht nur Tellerröcke und Frau-Kirsche-Kleider , zwei Unterröcke hatte ich ja, inspiriert durch den Untendrunter-Sew-Along auch noch genäht....





Rückblickend wurde mir klar, dass das Interesse für Schnittkonstruktion wirklich zwangsläufig war, denn ich habe sowieso nie wirklich nach Schnitten genäht. Kein Wunder, denn die, die mir  gefielen gab es sowieso meist nicht in meiner Größe. Ich muß also vor dem Beginn eines Nähprojektes einiges an Zeit in Schnittanpassung stecken, um dann irgendwann ein Ergebnis zu bekommen, muß das Nähen dann schnell gehen.



Jetzt bin ich ja eher so der schnell-schnell-nicht-so-ordentlich-und-wenig-perfekt-Typ und sehr ergebnisorientiert, deswegen sind vielleicht manche Dinge von mir vermutlich unkonventionell genäht. Theoretisch habe ich Lust, mich 2015 ein wenig mehr dem "guten Nähen" zuzuwenden. Mal schauen, ob ich das auch praktisch machen werde. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich diesen Vorsatz schon in den letzten Jahren hatte...

Im Laufe des Jahres hatte ich mir mal Gedanken darüber gemacht, ob ich das "Serien-Nähen" gut oder schlecht finde und bin immer noch der Meinung, dass das gut ist. Wenn ich einen Schnitt mag und mehrmals nähe, dann bin ich nicht mehr ganz so gierig und kann mich auch mehr auf das Nähen konzentrieren. Außerdem schaffe ich mir damit Freiraum, auch verrückte Projekte anzugehen, weil ich für diese nicht so einen Erfolgsdruck habe.





Mal schauen, wohin die Nähnerd-Reise nächstes Jahr hingeht. Ein Ziel habe ich nicht. Das Schöne an unserer Comunity ist ja, dass sich neue Ziele immer wie von selbst ergeben, weil wir in Kontakt sind. Das finde ich prima, denn das bringt mich dazu, auch Dinge zu probieren, die ich erstmal als zu groß empfinde oder als nicht-zu-meinem-Leben passend. Es macht mich froh, dass ich twitter für mich entdeckte und sich die Nähnerds mittlerweile dort ganz selbstverständlich dort "bewegen".  Ich kann mir die Vielzahl an Aktionen, die uns durchs Jahr begleiten, nur so erklären, dass neue Ideen schnell dort von Mehreren angedacht und damit auch schnell realisiert werden. Es ist doch so viel einfacher, mit einer Idee für eine gemeinsame Aktion zu starten, wenn frau schon mal weiß, dass es Interessierte gibt, die die Idee klasse finden und mitmachen wollen. Ich bin sicher, es wird uns noch das eine oder andere einfallen.

Mittlerweile stricke und häkele ich auch wieder ziemlich viel. Ich kann einfach nicht abends vor dem Fernseher sitzen und nichts tun. Ich mag Strickstücke, die dünn und filigran sind, weil ich ne heiße Braut bin, allerdings habe ich in den letzten Monaten das Vergnügen zu schätzen gelernt, mit dickeren Nadeln schnell Erfolgserlebnisse zu haben. Der spontane Sinnesfrid Knit Along war klasse und ich habe diesen Herbst gleich noch zwei nichtverbloggte Sinnesfrids gestrickt.

In den letzten Wochen war ich froh, dass mir der Arm nicht mehr so wehtat, wie noch beim Frühlingsjäckchen. Das war auch ein neues Erlebnis für mich: einen richtigen Knit-Along anzuführen, obwohl ich auch beim Stricken das Gefühl habe, eigentlich alles sehr selbstausgedacht zu machen. Ganz abgesehen von der Vorbildfunktion und dem damit verbundenen Zeitdruck. Das war keine leichte Aufgabe, aber eine gute Erfahrung.



Die Strickpause über den Sommer hat wohl gut getan, jetzt geht mir Stricken wieder leicht von der Hand. Wenn der Weihnachtskram weg ist, werde ich dann wohl auch endlich mal die Häkeldecke fertig machen, die allerdings schon Monate lang unfertig in Benutzung war. Das Deckenhäkeln hat mir Spaß gemacht. Ich muß mal überlegen, was ich kleinteiliges Häkeln könnte, denn das mag ich so gerne mitnehmen, um zum Beispiel beim Fußballtraining die Zeit sinnvoll zu nutzen.

Wenn ich durch mein Blog blättere, dann finde ich gleich zu Jahresanfang den Wintermantel, der zu meiner Schande immer noch nicht fertig ist. Erst dachte ich, dass ich den himbeerroten Wintermantel so extrem über hätte, aber irgendwie finde ich ihn immer noch ganz gut, obwohl ich ihn schon den dritten Winter trage. Mich stört auch nicht, dass man ihm an manchen Stellen die mangelnde Näherfahrung ansieht. Vielleicht hält mich von der Fertigstellung des dunkelblauen Mantels ab, dass ich (glücklicherweise) gar nicht so viele Anlässe für einen "guten" Mantel habe. Aber ich sollte mich dem Ding wirklich mal wieder annehmen und ihn fertig machen.



Besonders toll war natürlich der die Stoffwechsel-Aktion. Da würde ich gerne beim nächsten Mal wieder mit machen. Es war eine sehr lehrreiche Erfahrung für mich, mich da durchzubeißen. Bei der Wiederholung im Herbst war ich nicht dabei und das war gut so. Ich hätte mich nicht darauf einlassen können, weil ich mit zu vielen anderen Dingen beschäftigt war. 2015 sieht auch ganz danach aus, als würde ich in naher Zukunft noch mehr arbeiten, das ist schön, aber auch nicht gut, um bei so interessanten Sew Alongs mitzumachen. Ich versuche einen Weg für mich zu finden, mich von dem damit verbundenen Zeitdruck unabhängig zu machen und trotzdem Teil der Comunity zu bleiben und zu geben, statt nur passiv zu konsumieren.

Und wenn ich schon bei Aktionen bin: der Nähnerd-Podcast von Muriel hat mich sehr berührt. Auch wenn diese Erkenntnis so sehr 2004 ist, hat es mich erst jetzt, 2014 so berührt, Stimmen zu hören. Das sind ja auch ganz besondere Stimmen, denn es sind Stimmen von Menschen, die ich schon lange lese und schätze. Ich fand es klasse, auch Teil der Aktion sein zu dürfen. Nicht zuletzt hat der Podcast mich zu dem Hörspiel für die MMM-Spendenaktion inspiriert.

Ganz erstaunlich war dann in der Mitte des Jahres mein Bedürfnis Hosen nähen oder zu tragen zu wollen. Damit bin ich noch nicht durch und bin gespannt, wie sich das Thema Hosen 2015 weiterentwickelt. Es war ein wenig schäbig, den HosenHerbst im Dezember nicht mit einem würdigen Finale zu beenden, aber ich hatte einfach keine Kraft. Das hole ich dann im Januar nach, denn ich habe schon das Gefühl, das Thema auch vorläufig beenden zu wollen, um wieder frei von einer Hosenverpflichtung zu sein.







Zwei neue Nähthemen hatte ich noch dieses Jahr: Strickjacken und T-Shirts nähen. Die Idee, Strickjacken zu nähen hatte ich schon länger, fand aber bisher weder überzeugenden Schnitt und noch weniger überzeugende Strickstoffe. Nachdem ich den Jenna Cardi genäht habe, bin ich aber am überlegen, ob es nicht auch um die Ecke gedacht geht. Wieso muß es eigentlich Strick sein, ich könnte doch auch mal den Rib Jersey oder Nicky probieren. Das ist etwas, was auf meiner To do Liste steht.



Nachdem ich seit längerer Zeit mein erstes Shirt nähte, bin ich auch wieder auf das Thema Shirt-Nähen gestoßen und hatte den Aha-Effekt, dass meine früheren Shirts deswegen so doof wurden, weil ich Viscosejersey nutze, der natürlich jedes Röllchen zeigt. Die Shirts, die ich gerne trage, sind aus Baumwolljersey, warum bin ich da nur nicht früher darauf gekommen? Ein neuer Baumwolljersey dreht gerade jetzt in der Waschmaschine und wird vermutlich mein erstes Nähprojekt für 2015 werden.



Für andere habe ich auch genäht. Ein paar Shirts, Mützen und ein Faschingskostüm für das Kind. Sicherlich ein paar kleine Geschenke, aber so etwas vergesse ich immer wieder schnell wieder. Und dieses Jahr hat auch zum ersten Mal mein Mann etwas bekommen: zwei Bermuda-Shorts.








Achja, ein paar Beutel habe ich noch genäht und eine Clutch





Ach, wenn ich so schaue, dann habe ich doch viel genäht bzw. viel Zeit in mein Hobby investiert. Das ist doch prima. Es wirklich eine erstaunliche Enwicklung, die ich da gemacht habe. Ich bin sehr glücklich, dass ich nun einen schön ausgestatteten Kleiderschrank habe und mich wohl in meinen Klamotten fühle. Es fühlt sich wirklich klasse an, dass ich theoretisch fast alles realisieren könnte, wenn ich das nur wollte. Ich merke, wie die Gier abgenommen hat und das ist gut so. Das macht auch Platz für berufliches Streben! Das ist jetzt 2015 dran und fühlt sich auch gut an.

Mir gefällt es, dass ich eine Menge an Hintergrundwissen dieses Jahr gelernt habe. Auch wenn ich den Schnittkonstruktionskurs und die damit verbundenen Hausaufgaben sehr sehr anstrengend fand, macht es mich so glücklich, dass ich diesen Traum realisieren konnte. Ich sehe das als eine offene Baustelle: das war bisher nur ein Anfang, noch nicht mal ein Fundament, aber das, was ich machte, passt zu mir. Ich habe Grundlagen gelernt und habe jetzt erstmal Grundschnitte, mit denen ich etwas anfangen kann, um der Lust auf Neues Rechnung zu tragen. Was ich jetzt daraus mache, wird sich zeigen.

Es war ein gutes Jahr. Es war sehr anstrengend und oft fühlte ich mich gehetzt, aber das scheint mir normal als arbeitende Mutter mit eigenen Interessen, das ist bei allen Freundinnen nicht anders.

Und weil ich so neugierig bin, muß ich dann doch noch mal zählen:

Genäht
8 Kleider
4 Röcke
2 Unterröcke (und einer für die Tonne)
3 Hosen
1 Shirt
1 Strickjacke genäht
4 Kissenbezüge
2 Sattelbezüge
2 Lunchbags
2 Beuteltaschen
1 Clutch
2 Herrenbermudas
1 Kinder-Kostüm


Gestrickt und gehäkelt
1 Strickjacke fertig gestrickt
3 Sinnesfrid Leibchen
2 Mützen
1 Schal
1 Giraffe

Unvollendete
1 Wintermantel
1 Jeansblazer
1 zugeschnittenes Weihnachtskleid
1 Frau-Kirsche-Kleid
1 Häkeldecke
1 Badeanzug
1 Häkeltuch
1 weiße Strickjacke (WM-Jäckchen)
1 blauer Pullover (Erbe aus 2012)

Hui, entweder ist ein Jahr lang oder ich habe doch viel genäht. Das Unvollendete liegt ein bisschen auf dem Gewissen, da sollte ich in Kürze noch mal ran. Aber auf den Rest erlaube ich mir stolz zu sein.

Mir hat der Jahresrückblick Spaß gemacht, vielleicht fandet ihr es auch interessant. Wer bis hierher gekommen ist, der hat noch etwas Konfetti und Glitzer sowie die besten Wünsche für 2015 verdient! Guten Rutsch - wir lesen uns im neuen Jahr!