Mittwoch, 20. August 2014

Gedanken

"Ist jetzt alles anders?", dachte ich gestern, "muß ich jetzt mein Motto ändern?" Ihr wisst schon, das mit den Outdoorjacken und den Jeans und den Röcken und den Kleidern? Darf das da jetzt noch sein?

Alles darf sein! Amen! Ein bißchen Toleranz schadet niemals. Naja, theoretisch. Ich finde Pärchen ins Zwillingsoutdoorjacken immer noch wenig schön anzusehen und langweile mich, bei der Standartbekleidungsvereinfachungsnummer "Jeans an" schon sehr. Aber deswegen darf ich trotzdem über Hosen nachdenken und sie auch mal tragen. Keine Regel ohne Ausnahme! Und überhaupt, Regeln brechen ist schön.

1,5 Tage trug ich nun die krasse Bux. Es hatte Vor- und Nachteile. Ein Vorteil war ganz klar, dass sie zum Wetter passt. Trotz Petticoat finde ich es untenrum heute ein wenig fröstelich. Aber hübsch fühle ich mich. Ich schaute erfreut auf die Spiegelung in einem großen Fenster, als ich im Kleid mit Petticoat daran vorbei rüschte. Gestern schaute ich eher skeptisch.

Ist schon klar, die Sindbad-Hose ist nicht der Weisheit letzter Schluß - danke für Eure Anregungen, Feedback und Kommentare! Mit den Kleidern und Röcken ist es noch lange nicht vorbei im Hause Crafteln. Vermutlich wird die Jeans, die ich mir nähen will, auch keine Jeans im üblichen Sinne. Mein Blick für Proportionen hat sich verschoben, meine Sehgewohnheiten verändert. Eine Nullachtfünfzehnjeans könnte ich mir (vielleicht) auch kaufen. Vielleicht ähnelt meine Traumjeans meinen Kleidern mehr, als ich jetzt denke und vielleicht war das Experiment mit der Sindbadhose auch zu extrem. Aus der Komfortzone heraus, bedeutet ja nicht automatisch und zwangsläufig mit Karacho ins andere Extrem. Es bleibt spannend. Vielleicht sollte ich einfach mal wieder ein paar Tellerröcke zwischendurch nähen.

Dienstag, 19. August 2014

Krasse Bux



Seit dem #Stoffwechsel habe ich Lust, hin und wieder meine Komfortzone zu verlassen, und wieder öfter "den Quatsch ernst zu nehmen". Dafür ist das Nähen können doch da: wer kann sich schon spontan einen verrückten Wunsch erfüllen und einfach etwas ausprobieren, wenn nicht wir Näherinnen! Der #HosenHerbst kam auch genau so zustande - diese krasse Bux ebenso.

Ich sah diese Hose bei einer schlanken Kollegin und irgendwie fand ich sie gut. Jetzt war mir klar, dass ich nicht so aussehe, wie sie, aber wer sagt, dass es nicht einen Versuch wert wäre, es trotzdem mal mit der Hose zu probieren. Im Zweifelsfall wird es eben eine Rumlümmelhose, dachte ich.




Und dann nähte ich das Ding, gespannt, wie es wohl bei mir aussehen würde. Immerhin hatte ich nun schon seit Ewigkeiten keine Hose mehr getragen. Meine Sehgewohnheiten haben sich sehr verändert. Zumindest war mir klar, dass ich ein enges Shirt dazu tragen wollte, statt wie früher es auch obenrum schlabbern lassen zu wollen.

Nun, ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich habe sie nun in der Öffentlichkeit getragen und nette Menschen sagten nette Dinge zu mir; aber das kann frau ja auch nicht immer glauben. Der Gatte sang "Sindbad, Sindbad, schau wie viel Glück dieses Kind hat" und fand nicht, dass ich damit aus dem Haus gehen sollte. Das Kind findet die Hose lustig. Ich finde es, mmmh sagen wir "ungewohnt". Es ist auf jeden Fall ganz anders, als das, was ich sonst so trage. Ich fühle mich wahnsinnig "dänisch" damit. Letztes Jahr im Sommerurlaub, trugen die Däninnen solche Hosen und so merkwürdige Overalls, an die mein Auge noch nicht gewöhnt ist. Ich schwanke, ob ich es jetzt dänisch/modern finden sollte oder ob ich das Ding doch lieber nur zuhause anziehe, weil es vielleicht ein schlanken, jungen Dingern gut aussieht, aber an mir mir etwas peinlich ist. Mal schauen, wie es sich entwickelt, mit mir und der krassen Bux. Ist ja nix Neues, dass ich neuen Kleidungsstücken gegenüber etwas skeptisch bin und das ist schon verdammt neu für mich.

Stoff: Blumenviscosejersey in naturweiß und marine von Stoff und Stil
Schnitt: Haremshose von Stoff und Stil


Freitag, 15. August 2014

HosenHerbst - das erste Treffen



Heute geht es los mit dem #HosenHerbst (mehr Informationen über den Sew Along findest du hier)

Das Monatsthema August:

Hosenformen, Hosenmoden, Hosenschnitte 
Was für eine Hose möchte ich nähen? Welche Hosen habe ich bisher gerne oder ungerne getragen? Was sind meine Ansprüche an eine Hose? Welcher Hosentyp passt zu meinem Körper und zu meinem Leben? Aus welchem Material möchte ich meine Hose nähen? Welche Materialien eigenen sich für welchen Hosenschnitt? Welche Schnittmuster habe ich bereits ausgesucht? Was für ein Schnittmuster suche ich noch?

Ich habe vor ein paar Tagen schon Einiges über meinen Hosenwunsch erzählt, deswegen an dieser Stelle nur noch die Kurzfassung

Was für eine Hose möchte ich nähen?
  • Ich möchte eine Retro-High-Waist-Hose nähen, also eine Hose mit hohem Bund, seitlichem Reißverschluss oder einem Reißverschluss in der hinteren Mitte und mit weiten Beinen. Ich könnte mir auch eine Schlaghose vorstellen. 
  • Starten möchte ich mit einer Jeans. 
  • Falls sich das Hosennähen als gut herausstellen sollte, könnte ich mir noch sehr gut eine "Arbeits-Hose" aus feinem Wollstoff vorstellen und eine Schlaghose aus Cord. 
  • Den Schnitt würde ich gerne selbst konstruieren, wenn meine Schnittkonstruktionslehrerin aus dem Urlaub zurück ist. Falls ich das nicht erwarten kann, versuche ich vielleicht dieses Schnittmuster, das Catherine schon mal genäht hat von dem das Bild stammt, denn dieses gibt es in zwei Größengruppen. 



Welche Hosen habe ich bisher gerne oder ungerne getragen?
  • Hosen sind gut, wenn der Bund nicht kneift, wenn sie Taschen haben, wenn das Material unkompliziert ist (also nicht so schmutz- und knitterempfindlich) und wenn sie zu vielen Oberteilen aus dem Schrank passen.
  • Hosen sehen an mir doof aus, wenn der Bund an der falschen Stelle sitzt. 

Das reicht erst mal von meiner Seite. Die vielen Fragen zum Monatsthema sind eher als Leitfaden gedacht und müssen nicht partout abgearbeitet werden. 

Was wollt ihr nähen? Welche Hose passt in Euren Kopfkleiderschrank und warum? Ich bin gespannt!





Die Linkliste wird bis Montag Abend geöffnet sein. Dann öffnet sie sich wieder vom 29. - 31. August. Wer nach dem 31. August noch einsteigen will und etwas zum Monatsthema August ergänzen möchte, schreibt einen Post und schickt mir den Link an meikehh ät gmx punkt de.
Mehr Informationen zum Sew Along (Ablauf, Teilnahmeregeln etc.) findest du hier. 

Die nächsten Monatsthemen:

September: Passform I - Ansprüche
Oktober: Im Detail liegen die Tücken
November: Passform II - Mängel erkennen und beheben
Dezember: Defilée und Resumée

Donnerstag, 14. August 2014

HosenHerbst - der etwas andere Hosen Sew Along 2014


HosenHerbst

Die Idee, eine Hose zu nähen, liegt in der Luft. Na, dann gehen wir es doch an! Alles ist erlaubt, so lange es Hosen für Erwachsene sind, die du für dich nähst (aber bitte keine Unterhosen und keine Hosen für Kinder). Morgen, am Freitag, den 15. August beginnt der HosenHerbst 2014. 

Wer mitmachen will, ist herzlich willkommen. Wir starten mit der Formulierung des persönlichen Ziels "Was für eine Hose möchte ich nähen?" und einem dreifachen Hipphipphurra für Chrissy, die das hübsche Logo designt hat, das ihr gerne mitnehmen dürft. Herzlichen Dank Chrissy!

Sew Along etwas anders

Der #HosenHerbst wird kein zackizacki Sew Along, sondern eine entschleunigte Wissenssammlung, die uns allen Spaß und Erkenntnisse liefern, aber keinen Stress machen soll.  Jede näht nach ihrer Geschwindigkeit! Wir nähen nicht gleichzeitig, nicht simultan im Gleichschritt, sondern jede näht soviel und in welchem Tempo es ihr gefällt Die einzelnen Termine organisieren nur den inhaltlich sortierten Austausch.

Ziel und Zeitraum für den Sew Along

Der HosenHerbst geht von August bis Dezember. Streng genommen ist das vorne und hinten nicht Herbst, aber wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt. Ziel ist es, zum Ende des Jahres (zumindest/mindestens) eine schöne Hose genäht und einen reichen Fundus an Wissen und Erfahrungen zusammengetragen zu haben.

Monats-Themen 

Am Monatsersten präsentiere ich das Monatsthema und eröffne eine Linksammlung für das jeweilige Thema. Die Linksammlung ist für 3 Tage am Anfang des Monats und 3 Tage am Ende des Monats geöffnet. Sollte im Nachhinein der Wunsch nach Verlinkung bestehen, schickt mir eine Mail an meikehh ät gmx punkt de und ich ergänze den Link. 

Teilnehmerinnen können sich auch mehrmals in einer Linkliste eintragen, wenn sie einen neuen Artikel mit neuen Erkenntnissen zum Thema geschrieben haben und verlinken wollen. 

Verlinkte Beiträge, die nicht zum Monatsthema passen, werden von mir gelöscht und müssen selbständig noch mal in der richtigen Linkliste verlinkt werden. (Ich weiß, oftmals können in einen Beitrag mehrere Themen auftauchen. Konzentration auf ein Thema und eine genau Verlinkung hilft anderen, euren Beitrag zu finden.). 

Jeder Beitrag von mir enthält die Links zu den Monatsterminen, damit auch nach dem Sew Along alles Wissen leicht abrufbar ist. 

Und das sind die Themen:


August
Hosenformen, Hosenmoden, Hosenschnitte 
Was für eine Hose möchte ich nähen? Welche Hosen habe ich bisher gerne oder ungerne getragen? Was sind meine Ansprüche an eine Hose? Welcher Hosentyp passt zu meinem Körper und zu meinem Leben? Aus welchem Material möchte ich meine Hose nähen? Welche Materialien eigenen sich für welchen Hosenschnitt? Welche Schnittmuster habe ich bereits ausgesucht? Was für ein Schnittmuster suche ich noch?


September
1. September 2014: Passform I - Ansprüche 
Welche Passformmängel kenne ich von Kaufhosen oder selbst genähten Hosen? Zeigt her eure ungeliebten Hosen! Welche Anpassungen habe ich schon mal versucht, um Passformmängel zu beheben. Wie erkenne ich überhaupt Passformmängel und wie heißt mein Problem? Wo gibt es Informationen über Anpassungen? Wovor habe ich den meisten Respekt? 


Oktober
1. Oktober 2014: Im Detail liegen die Tücken 
Geknöpfte Hose, Reißverschluss mit allem Drum und Dran oder einfach nur ein Gummibund? Wie verschließt ihr eure Hose? Wie säume ich meine Hose? Wie verstärke ich den Bund? Futter? Hat eure Hose Taschen und wenn ja welche (und wie macht man solche Taschen)? 


November
1. November 2014: Passform II - Mängel erkennen und beheben
Wie sitzt die neue Hose? Wo gefällt sie mir noch nicht? Was könnte ich an dieser Hose noch ändern? Was muß ich machen, damit das nächste Modell besser wird?

Dezember
1. Dezember 2014: Defilée und Resumée
Zeigt her eure Hosen? Seid ihr zufrieden? Tragt ihr eure Hosen? Mit was kombiniert ihre eure Hosen (Oberteile, Jacken, Schuhe)? Näht ihr noch weitere Hosen? Warum? Oder warum nicht?

Austausch

Blogs im Allgemeinen und ein Sew Along im Speziellen lebt vom Austausch in den Kommentaren. Ich schaue mir alle Beiträge an (auch wegen der Teilnahmebedingungen), aber ich werde es nicht schaffen, viel zu kommentieren. Also bitte ich euch, das für mich mit zu übernehmen, dafür biete ich euch die Plattform.

Auf twitter könnt ihr euch zwischendurch mit dem Hashtag #HosenHerbst austauschen.

* Ich schreibe im generischen Femininum. Männer sind selbstverständlich mit gemeint und willkommen. 
** Na, Herr Charming, du machst doch mit, oder?!

Morgen geht es los! Die Linkliste für August ist ab morgen bis Montag Abend (18.08.2014) geöffnet und dann noch einmal vom 29. - 31.08.2014

Dienstag, 12. August 2014

Plötzlich Lust auf Hosen!

Seit Wochen gehe ich mit dieser merkwürdigen Idee schwanger. Die Metapher passt ganz gut, hatte ich doch das Gefühl, ich darf es noch niemand erzählen, bevor ich mir nicht ganz sicher bin. Dann gestern das Geständnis:




Was folgte war kein Entsetzen, keine Verwunderung, keine Empörung (was hatte ich eigentlich erwartet?), sondern Interesse, die Hypthese, das ein Hosentrend in der Luft liegen könnte, die Idee eines Sew Alongs und Bekenntnisse, es auch gerne mal mit einer Hose zu versuchen. Ich versprach am nächsten Tag, also heute, darüber zu bloggen. Achtung, es wird lang.




Hosen und FrauCrafteln? Kommt euch das auch komisch vor? Wenn ja, dann liegt es daran, dass ich außer einer Rumlümmelhose (die, ganz nebenbei, auch furchtbar ist, aber man verzeihe mir bitte, ich war jung und unerfahren), niemals eine Hose im Blog gezeigt habe. Ich habe zu keinem Zeitpunkt bewußt entschieden, keine Hosen mehr tragen zu wollen, aber irgendwann hatte ich einfach so viel schönere Röcke und Kleider, dass es einfach passierte. Ich weiß gar nicht mehr genau wann, aber ich vermute, dass ich jetzt zwei oder drei Jahre keine Hose mehr getragen habe. Stopp, das stimmt so auch nicht, denn zuhause trage ich im Winter durchaus eine bequeme Hose aus dem Sportsegment, aber sobald ich das Haus verlasse oder Besuch bekomme, trage ich sie nicht mehr.

Ich kann allerdings sehr genau sagen, wann ich in den letzten Monaten das erste Mal das Bedürfnis nach einer Hose für die Welt da draußen hatte: am 26. März diesen Jahres. Es war, als Frau Kreuzberger Nähte beim MMM ihre Hose zeigt und absolut überzeugend argumentierte, dass im Frühling irgendwann so eine Abneigung gegen Strumpfhosen entsteht und an Tagen, an denen es mit Rock aber ohne Strümpfe zu kalt sein sollte, eine Hose einfach eine überzeugende Lösung wäre. Ich fand ihre Hose hübsch, wusste aber, dass das absolut kein Modell für mich wäre und packte den Gedanken, FrauCrafteln vielleicht doch mal wieder in Hosen, weg.

Aufgehört hatte es für mich mit den Hosen, als ich mich vor ein paar Jahren in einer Busfensterscheibentür gespiegelt sah. Ich trug Jeans und ein ordentliches weißes T-Shirt. Das war meine "geht eigentlich immer und fast überall"-Kleidung über viele Jahre. Ich sah mein Spiegelbild und wusste "das geht ganz und gar nicht". Die Porportionen stimmten nicht. Mein Körper sah merkwürdig unterteilt aus. Über dem Hosenbund sah ich deutlich meinen nach der Schwangerschaft erworbenen Zweitbauch durch das weiße Shirt, das natürlich über der Hose hing, dann kam der Hosenbund und anschließend noch mal Bauch. Es war nicht schön. In allen daraufhin neu genähten Röcken und Kleidern sah ich besser aus. Zunächst versuchte ich es mit Tuniken, der Klassiker. Tuniken waren schon etwas besser, verlängerten sie doch meinen Oberkörper und brachten mit Prinzessnähten etwas Form in meinen Körper. Zu diesem Zeitpunkt meines Nähkönnens, fand ich passformgenau Tuniken extrem herausfordernd. Heute würde ich das hinbekommen, aber es reizt mich nicht mehr - vielleicht, weil es so ein klassisches Dicke-Frauen-Kleidungsstück ist.

In den vergangenen Näh-Blog-Jahren beschäftigte mich immer wieder die Themen Taille und Gürtel und viele, die mich schon länger lesen, werden sich daran erinnern. Das Schöne am Nähen ist, dass es möglich ist, nach Lust und Laune zu experimentieren. Lange Zeit lehnte ich Gürtel für mich komplett ab, dann traute ich mich, es mal mit Gürteln zu probieren, derzeit liebe ich in Kleider integrierte Taillenbänder als dezente aber bequeme Taillenbetonung. Bei all der Experimentiererei stellte sich für mich aber stets die Frage: wo ist denn genau meine Taille bzw. welche Stelle möchte ich betonen, um die Silhouette zu modellieren. Als ich in den letzten Wochen über Hosen nachdachte, fiel mir auf, dass ich im Laufe des Lebens schon an sehr unterschiedlichen Stellen den Hosenbund trug. Irgendwie hängt die Frage nach der Taille also auch mit Hosenformen und Hosenmoden zusammen.

Eine Assoziation, die ich zu Hosen habe, sind ältere Damen, die sehr hoch geschnittene Hosen tragen und dadurch einen merkwürdig verkürzten kurzen Oberkörper haben. Als Frau mittleren Jahrens, schaue ich mir junge Frauen, mittelalte Frauen, ältere Frauen und alte Frauen an, versuche mich zu verorten und überlege, wohin die Reise noch hin geht. Diese älteren Damen mit den ungewohnt kurzen Oberkörpern fielen mir auf. Das konnte ich mir für mich zunächst ganz und gar nicht vorstellen. Aber warum tragen sie das so? Ist es bequem? Sind sie es so gewohnt? Mag ich es nur nicht, weil es für mich so ungewohnt ist?

Aber auch tiefer geschnittene Hosenbünde sind nichts für mich. Soll der Bund zwischen Bauch I und Bauch II? Soll ein tiefgeschnittener Bund Bauch I noch mal teilen? Wo soll der Bund hin? Und warum ist das so ein Problem. Wenn ich Röcke trage, dann geht das doch irgendwie auch. Geht es? Auch bei Röcken und Kleidern habe ich das Problem, dass ich nicht immer weiß, wohin der Gürtel soll. Durch meinen Schnittkurs weiß ich nun, dass das Problem Taillensenkung heißt: bei dicken Frauen sitzt die Taille hinten höher als vorne zwischen Bauch I und Bauch II. Wenn ich Röcke nähe, dann löse ich das Problem mit dem Rockabrunder. Ich ziehe den fast fertigen Rock an und markiere mit dem Rockabrunder vom Boden die gleiche Höhe, was dazu führt, dass meine Röcke hinten länger sind als vorne. Beim Hosennähen muß das auch irgendwie berücksichtigt werden, es erscheint mir aber komplizierter - geht es bei Hosen nicht nur um "Platz für den Po", sondern auch noch um eine schöne Passform und Bewegungsfreiheit.

Wie ich oben schrieb, war Frau Kreuzberger Nähte der erste Anstoß, über Hosen in meinem Leben erneut nachzudenken. Der zweite Anstoß kam durch den Badenixen-Sew Along. Im Zuge des Badenixen-Sew-Alongs wurde ich auf hochgeschnittene Bikinihosen aufmerksam. Letztes Jahr las ich bereits über den "Fatkini" und wunderte mich über die Hosenform. Dieses Jahr gewöhnte ich mich an den Anblick - alles eine Frage der Sehgewohnheiten und der Häufigkeit! - und überlegte, ob ich aus dem misslungenen Bombshell nicht lieber einen Bikini mit hoher Hose zaubern sollte.




Ohne es ausprobiert zu haben, vermute ich, dass so hoch geschnittene (Unter-)hosen, sollten sie denn gut passen, super bequem sind. Wahrscheinlich müssen wir uns auch noch an den Anblick auf der Wäscheleine von solchen Hosen mit königlich viel Stoff gewöhnen. Ich habe noch die Stimme meiner Mutter im Ohr, die etwas sagt wie "damit kannst du 10 Pfund Kartoffeln holen". Will ich aber nicht.

Als ich über derartig hochgeschnittene Unterhosen nachdachte, fiel mir auf, dass "Shapewear" sich auch dieser Form bedient und dass früher Hosen auch viel höher geschnitten waren. Interessant dachte ich. Vielleicht wäre das eine Lösung für mein Problem mit Bauch I und Baum II.

Und dann sah ich sie!

Anfang Juli saß ich in Berlin in der Tram und fuhr an einer Frau mit einer Jeans vorbei, die fast bis unter den Busen reichte. Es war ein sehr hoher Bund. Ich konnte nur kurz sehen und leider nicht genauer studieren, was das für eine Hose war, was ich erkannte, waren dekorativ aufgesetzte Taschen vorne und eine wunderbare Figur von Hinten. Ich vermute, der Reißverschluß war in der Seitennaht. Ich war entzückt. Das Bild dieser Frau in dieser Hose ließ mich nicht mehr los. Ich mußte immer wieder an diese Hose denken. Mir schwante, dass zwei Dinge absolut ausprobierenswert wären: ein hoher Bund und der Reißverschluß in der Seitennaht.... und es dauerte nicht lange, als auf twitter genau diese zwei Ideen nach meinem Geständnis geäußert wurden.

Kurz und gut: ich habe Lust, so eine Retro-hochgeschnittene-Hose-mit-Reißverschluß-in-der-Seite zu nähen.

Aber ich habe keine Lust auf einen klassischen Sew Along.

Ich komme mit den Zeitvorgaben eines Sew Alongs nicht zurecht. Für die einen müssen die Termine recht zügig beieinander liegen, damit sie motiviert sind, für die anderen (wie für mich) artet das in Stress aus, zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig werden zu müssen, um dabei zu sein.

Da aber mehrere Nähnerds auf twitter Interesse an Hosen bekundet haben, rufe ich jetzt mal den Hosen-Näh-Herbst aus. Oder hat eine ne bessere Idee, wie wir das nennen können? Wir nähen nicht gemeinsam, aber ich sammele unsere Erkenntnisse. Das heißt, ich stelle ein Linktool an bestimmten Tagen zur Verfügung und ich schreibe auch Posts zum Thema, aber es geht nicht darum, sich an einem bestimmten Tag mit einem bestimmten Nähfortschritt zu verlinken, sondern nur zu einem bestimmten Thema. Wie ich das mit den Terminen, der Öffnungsdauer des Linktools lösen will, weiß ich noch nicht. Dazu - und in welche Themenblöcke ich das Thema unterteile - mache ich mir noch Gedanken. Mir geht es um einen langen Zeitraum ohne Stress und um eine Ideen und Quellensammlung - motivieren müsst ihr euch selbst. Mir schwebt ein langer Zeitraum von August bis Ende des Jahres vor, denn ich will auf jeden Fall Stress vermeiden. Habt ihr auch Lust auf Hosen und Lust gemeinsam darüber nachzudenken, Hosen zu nähen und euch darüber auszutauschen?

Mir kommt das alles so verrückt vor. Hosen? Ich? Aber ich habe Blut geleckt und will es zumindest ausprobieren. Ich habe mir fest vorgenommen, wieder häufiger "den Quatsch ernst zu nehmen" und deshalb nähe ich jetzt (also irgendwann in den nächsten Wochen) so eine Hose. Verrückt!


Donnerstag, 7. August 2014

Kinder zu Nähnerds machen

Auf twitter hatten wir Nähnerds gestern einen hübschen Austausch, nachdem ich die Frage in den Raum war, ob eine Strickliesel für den 6. Geburtstag ein gutes Geschenk sei. Aufgrund der Antworten habe ich mich nun für eine Strickliesel und eine Strickgabel entschieden und bin gespannt.  10 cm "Probelieseln" fand ich auf jeden Fall schon mal spannend.

Was mich aber noch mehr begeisterte, war das Interesse, das mir auf twitter aufgrund meiner Frage entgegen gebracht wurde. Jetzt ist mir schon klar, dass viele Nähnerds Kinder haben, auch wenn sie nicht dauernd über deren Kunstwerke und das Nähen von Kinderklamotten bloggen. In "unserem Kreis" besteht eben mehr Interesse, sich über Damenbekleidung auszutauschen. Trotzdem geht es aber jeder vermutlich wie mir: wir stehen vor dem Spielzeugangebot und sind wenig begeistert. Ab gesehen davon, dass unsere Kinder sowieso viel zu viel besitzen, macht mich die Geschlechtertrennung im Angebot hochgradig aggressiv. Hier die pinke Ecke, dort die blaue. Und "natürlich" habe ich auch meine Schwierigkeiten, mich für das Jungsspielzeug zu begeistern, obwohl ich mir große Mühe gebe, mit der Zeit in die Jungswelt hineingewachsen bin und sowieso akzeptieren muß und will, dass mein Kind eben ein eigenständiger Mensch mit eigenständigen Interessen ist.

Trotzdem will ich dem Kind natürlich auch etwas von meinen Erfahrungen mitgeben und etwas gemeinsam mit ihm machen, was uns beiden Spaß macht. Natürlich lese ich ihm begeistert die Bücher vor, die ich als Kind liebte. Ich sehe auch erfreut, dass Nähen, Stricken und Häkeln, das Tragen von Kleidung-nach-Wunsch, für ihn, im Gegensatz zu anderen Kindern, die mit großen Augen schauen, eine Selbstverständlichkeit ist. Bis vor kurzem war das Kind aber eher auf Spielen geeicht und verabscheute Malen und Basteln. Es ist schwer, in so einem Moment nicht "ach, es ist eben ein Junge" zu seufzen. Der Osterhase brachte ein Bastelbuch, was sein Interesse weckte und das wirklich sehr zum Basteln anregt. Ich wünschte, ich würde noch mehr Bücher kennen, die ein bißchen so was Legoanleitungen aufgebaut sind, denn nach diesen baut das Kind auch Stück für Stück, nur nach Bildern, ohne Text, die schwierigsten Dinge zusammen.

Dass er nun bastelt ist toll. Aber ich würde ihm zu gerne auch die Liebe zum textilen Arbeiten weiter geben - insbesondere, weil er ein Junge ist. Es wird vermutlich Zeiten geben, in dem textiles Arbeiten als Mädchenkram abgetan wird, aber gerade jetzt hat er - kurz vor dem 6. Geburtstag - Interesse. Er würde gerne Stricken und Häkeln versuchen und er wählt begeistert Stoffe aus und legt sie zu interessanten Designs zusammen, er sitzt auf meinem Schoß und drückt den Start- und Stopp-Knopf der Nähmaschine, um die letzten Nähte seines neuen Kleidungsstückes selbst zu nähen "habe ich mit Mama zusammen genäht!". Er hat Interesse, dies gilt es jetzt mit Ideen zu befeuern.

Auf dem Plan steht wie gesagt die Strickliesel und die Strickgabel. Frau lottikatzkowski bot einen Strickring zum Leih an und Frau ebenJulia erzählte von Stick- und Pomponprojekten. Wie sieht es bei euch aus? Was macht ihr mit den Kindern, um eine neue Generation für textile Techniken begeisterter Nähnerds zu machen? Ab wann geht was? Ich freue mich über nerdige Ideen, Anregungen und Diskussion.

Mittwoch, 6. August 2014

NFA - auf ganz neuen Wegen



Auch wenn ich in letzter Zeit wenig bloggte, hatte ich doch in den letzten Wochen das Gefühl, trotz vieler Reiserei auch viel Zeit an der Nähmaschine verbracht zu haben. Das lag sicherlich an dem Stress rund um die Sew Alongs (Badeanzug und Stoffwechsel), aber auch an dem Zeitdruck, nebenher und dann auch noch heimlich, eine "Büro-Bermuda" für den Gatten zum Geburtstag zu nähen. Wie das mit den Geburtstagen und Weihnachten ja so ist - sie kommen immer so plötzlich. Schon als im Frühling das Männer-Sonderheft der Knip herauskam und der Gatte auf die Bermuda zeigte, fasste ich den Plan. Naja, ihr kennt das sicherlich. Am Schluß kam ich doch sehr in Zeitdruck und nähte Abend für Abend an den terminierten Projekten.

Eine Bermuda zu nähen fand ich gar nicht so schlecht. Ich mochte die kurzen Stoffteile und die Herausforderung mit Obertritt und Untertritt rund um den Reißverschluß. Webware zu nähen ist ja sowieso ein Vergnügen. Es war spannend, denn ich mußte ich Materialteile und Nähfortschritt immer verstecken, obwohl ich nur abends zum Nähen kam. Der Gatte wunderte sich schon sehr, wie lange frau an einem Badeanzug nähen kann. Beides nähte ich mit schwarzem Garn, ich mußte nur immer die Nadel wechseln, wenn ich das Projekt wechselte. Beim Reißverschluß kam ich ganz schön ins Schwitzen. Ich nähte mit der Anleitung aus dem Buch von Frau Nahtzugabe und dem Video und der Fotoanleitung von Farbenmix. Es machte mich allerdings kirre, dass das alles Anleitungen für Mädchen und Damenhosen waren und damit die Seiten vertauscht waren. Obwohl ich das Buch von Frau Nahtzugabe sehr schätze, zog ich doch das Video vor - insbesondere, weil ich auf dem Balkon in der Dämmerung nähte. Schritt für Schritt schaute ich mit dem iPad die Anleitung und fluchte, wenn an der entscheidenden Stelle wieder ein Flugzeug über mich donnerte und ich die Erklärung nicht verstand. Als ich das Ding endlich drin hatte, war es komplett dunkel und nur noch das Nähmaschinenlicht leuchtete.

Spannend war auch, ob das Ding passt und ich war verdammt stolz darauf, dass ich mittlerweile gut fertige Textilien ausmessen und die passende Größe auswählen und anpassen kann. Die Hose sitzt bombig - auch wenn der Gatte meint, dass ein bißchen mehr Bequemlichkeitsweite an den Beinen nicht schaden würde. Aber es ist doch eine Bürohose! Ich gebe zu, ich habe am Geburtstag noch ein bißchen korrigiert. Der Übertritt war sehr schmal und der Reißverschluß war, weil die Hose etwas klaffte, zu sehen. Das war aber leicht zu ändern und vermutlich der Dunkelheit geschuldet.

Obwohl ich eine sehr egoistische Näherin bin, bekommt er noch eine. Er findet das Flaschengrün zu bunt und sehnt sich, nach einer etwas weniger bombigen Hose in dezenter Farbe. Und da ich mit Frau Kleines Haus nicht nur letzte Woche letzte nett plauschte, sondern auch noch in einem kleinem Stoffladen einen Doubleface-Stoff in beige-blau entdeckte, der sogar von Bogner sein könnte (der Gatte und die Schwiegerfamilie stehen auf Namen), steht dem nächsten Projekt nichts im Wege und ich freue mich schon darauf, noch mal Untertritt und Obertritt bei Tageslicht zu machen.

Dienstag, 5. August 2014

FrauCrafteln als billige Kopie



Ich hatte es ja gewußt. Ich mag das Probe-Tiramisu. Es ist immer wieder verflixt, da nähe ich Teile, die zwar nicht optimale Ausgangsbedingungen haben, die ich fertig gestellt, noch nicht mal besonders hübsch finde und dann werden sie zu Lieblingsstücken. Mit dem Probe-Tiramisu ging es mir genauso. Ein vermuteter Grund: es fühlt sich sehr angezogen an - Farben und Muster drängen sich nicht in den Vordergrund, Rocklänge und -weite sind sehr bedeckend.

Kaum war ich aus dem Urlaub zurück, musste ich ganz ganz schnell Tiramisu Nummer 2 nähen. Den Stoff hatte ich nach 2 Wochen zögern doch bei Butinette bestellt, nachdem ich das Kleid wirklich SEHR bei Frau Froebelina bewunderte. Mir gefiel der Streifeneffekt und ich dachte "ach, wenn da noch Blumen drauf sind - und zwar BLUMEN statt blümchen - dann brauchst du auch nicht ganz so ordentlich zu arbeiten. Ich scherzte, "na, da müssen wir ja aufpassen, dass man uns nicht als Zwillinge verwechselt", wohlwissend, dass das wohl eher unwahrscheinlich ist, bei zwei so verschiedenen Frauen.



Das Kleid war Samstag vormittag fertig, wurde anschließend sofort fotografiert, zur Arbeit getragen und liegt seit dem im Wäschepuff. Und, was soll ich sagen: obwohl ich das Gefühl hatte, nicht ohne ein Tiramisu aus diesem Stoff leben zu können, mag ich Tiramisu Nr. 1 doch lieber? Beim neuen Tiramisu klafft der Ausschnitt ziemlich, obwohl ich das Halsbündchen ordentlich gedehnt aufgenäht habe. Der Jersey scheint mehr zu leiern. Und das Stoffmuster? Ach - ich bin auch nicht sicher, ob wirklich FrauCrafteln darauf steht. Vielleicht muß ich doch noch mal eines aus "richtigen Streifen" oder nur mit Blumen nähen..... Es hat mir beim Nähen übrigens außerordentlich gut gefallen, dass ich das in kleinerer Größe (aber dafür mit größerem Cup) genähte Kleid doch noch mal ordentlich in der Taille verschmälern musste. Wie das wohl bei Version 3 wird?

Ich mache jetzt mal die Waschmaschine an, vielleicht ist es eine Liebe, die erst langsam wächst, zwischen mir und Tiramisu Nummer 2.

Montag, 21. Juli 2014

Badenixen Sew Along: Finale der Herzen



Ich habe wirklich alles gegeben, um rechtzeitig zum Finale der Herzen des Badenixen Sew Alongs fertig zu werden. Und ich bin heute fertig geworden. Ich bin allerdings nur um Erkenntnis, nicht um einen Badeanzug reicher.




Fertig bekommen habe ich "nur" das Probemodell. Trotzdem ist es das teuerste Nähprojekt, was ich bisher gemacht habe. Teurer als der Wintermantel aus gutem Wollstoff.

Der Probe-Bombshell - ein Satz mit X

Zum Beweis, dass ich tapfer bis zum Ende durchgehalten habe, habe ich das Drecksding fotografiert. Was man dank des dankbaren schwarz nur schlecht erkennen kann, ist die liderliche Verarbeitung der oberen Kante und der angenähten Bänder. Am Schluß ahnte ich, nach ein paar Anproben, das Desaster und wollte das Probeding nur noch zusammentackern, um den Beweis zu haben, dass es nicht funktioniert. Hätte es wiedererwartend doch funktioniert, hätte ich vermutlich noch mal getrennt und den Gummi oben, den Saum und die Bindebänder ordentlicher angenäht.



Warum ist es ein Reinfall?

Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Ich sage nur "Neckholder". Neckholder funktioniert nicht bei schweren Brüsten. Ich hoffte allerdings, dass es irgendwie doch funktionieren könnte. Immerhin besitze ich einen Tanknini ähnlichen Schnitts (allerdings mit "konventionellen Trägern"), der einigermaßen sitzt. Bei Bademoden müssen Frauen mit großen Brüsten ohnehin Abstriche machen. Die Wirkung der Schwerkraft kann möglicherweise bei Bademodellen, die nicht genau so wie ein BH genäht sind, einfach nicht aufgehoben werden. Mir war schon klar, dass die Brüste bei dem Badeanzug weiter unten positioniert wären, als im Kleid mit BH darunter, aber dass es so schlimm ist... und dass der Zug auf den Bindebändern um den Hals unerträglich ist und trotzdem nichts bewirkt. Das hätte ich in dieser Extremform nicht gedacht.

Ich nähte deswegen, in quasi weiser Voraussicht, eine Art BH, den ich in zwischen Futter und Oberstoff einnähte. Allerdings habe ich noch nie einen BH genäht. Ich habe mich zwar theoretisch schlau gemacht und außerdem trage ich seit 33 Jahren einen BH, aber trotz der Verwendung von Powernet, einnähbaren Miederstäbchen, Unterbrustgummi und Cups, reichte die Statik nicht aus, um quasi halterlos zu funktionieren. "Halterlos" deswegen, weil für das Gewicht, dass getragen werden muß, die Bändern um den Hals einfach nen Witz sind. Einen Teil des Gewichtes übernahm zwar der Unterbrustgummi, aber das reichte einfach nicht.


Ein zweiter Grund, wieso der Bombshell nichts für Kaliber wie mich ist, sind die neckischen Falten. Die Raffungen sehen bei Frauen, die ein wenig mehr Kurven erzeugen wollen, als gegebenenfalls vorhanden sind, neckisch aus. Ich schaute nur entsetzt auf meinen Po. Eine voluminöse Geschenkverpackung - es fehlte nur das Hasenschwänzchen oder ne rosa Schleife. Neee, neee, da hatte ich anscheinend auch zu viel vergrößert. Diese aufgeplusterten Falten am Po.... das kannstde niemand zeigen! Hingegen am Bauch hatte ich zu wenig vergrößert. Während sich hinten der Po plustert, als wolle ich gleich ein Ei legen, spannen die Falten doch tatsächlich über dem Bauch. Das sähe nur ok aus, wenn ich in Vorfreude auf ein Baby wäre.

So sehr ich doch dafür bin, echte Bilder von echten Frauen, jeden Alters, jeder Figur etc zu zeigen. Das geht nun wirklich nicht. Das Ding, wird höchstens sturzbetrunken guten Freundinnen gezeigt, falls es nicht vorher in die Mülltonne wandert oder ausgeschlachtet wird.

Die Erkenntnisse

Erkenntnisse habe ich eine Menge gesammelt. Zuallererst fand ich es spannend, mit dem Nähen von Bademode und Unterwäsche eine völlig neue Welt zu betreten. Andere Läden, andere Materialien. Es ist wirklich faszinierend, was da noch geht! Und frau kann da ne Menge Geld lassen.

Ich habe nicht zusammengerechnet, was ich alles ausgegeben habe. Besser ist das. Aber dank Nachbestellungen, weil Material fehlte - das konnte ich vorher noch nicht wissen - dem weiteres Material dazulegen, damit das Porto nicht so ins Gewicht fällt, bin ich vermutlich bei 150 Euro gelandet. Wenn ich bedenke, dass mein Ausgangspunkt ein Geldgeschenk von 100 Euro war, habe ich immer noch eine Menge Lehrgeld bezahlt. Das ärgert mich.

Auf der anderen Seite habe ich das geschenkte Geld in dieses Projekt investiert, weil es mir mit den Worten geschenkt wurde "kauf dir was, was du dir sonst nicht gönnen würdest". Tja, das habe ich. Ich hätte sonst vernünftig dreimal nachgedacht und mich gegen den Bombshell und den Sew Along entschieden. Das Geld ist ja nicht weg. Ich habe noch eine große Tüte an Material übrig. Da kann ich noch die eine oder andere Bikini-Hose mit nähen, selbst wenn sie bis unter die Achseln geht. Und das will ich auch. Diesen Sommer vermutlich nicht mehr, aber perspektivisch will ich an dem Projekt schon weitermachen. Auf jeden Fall die eine oder andere Hose und am liebsten noch dazu ein Bikini-Oberteil, das wir ein BH gearbeitet ist. Aber das muß jetzt nicht sofort sein. Das Kind soll nun im Herbst endlich schwimmen lernen. Es wird also auch dann noch Gelegenheiten geben, bei denen ich was zum Anziehen brauche.

Scheitern?

Bin ich nun gescheitert? Also ich habe definitiv etwas genäht, was ich nicht tragen werde. Ich habe viel Zeit und Geld in ein Projekt gesteckt, das kein verwertbares Ergebnis hat. Trotzdem würde ich es nicht als Scheitern bezeichnen. Viel mehr noch, als bei anderen Kleidungsstücken, wurde ich mit der Realität meines Körpers konfrontiert. Um es plakativ zu sagen: sind Kleider eigentlich nur Zierde, ging es beim Bombshell tatsäschlich um Statik. Das ist mir zwar nicht gelungen, aber ich habe herausgefunden, dass Statik interssant ist und einen kleinen Einblick gewonnen, was dafür nötig sein könnte. Ob ich nun einen Faible für Statik entwickeln werde, oder beim Kleidernähen bleibe, weiß ich noch nicht. Ich finde aber diesen Aspekt trotzdem unheimlich spannend.





Frau Nahtzugabe hat natürlich recht. Die tweets habe ich favorisiert und fühlte mich eher getröstet als angegriffen!

Gescheitert bin ich dahingehend, dass ich für die Badeverabredungen in den nächsten Wochen, keinen Wow-Badeanzug habe. Das wäre ja auch zu schön gewesen. Letztlich spielte da mein Kopfkleiderschrank mir etwas vor, das zugegebener Maßen unrealistisch war. Ich bin eben anders. Beim Kleidernähen sehe ich das ja als meine persönliche Herausforderung, durch das selber Nähen alles möglich zu machen. Ich sprenge die Vorgaben bezüglich Augengewöhnung und zur Verfügung stehender Schnitte und mache einfach mein Ding. Selbst wenn andere dann nicht "Wow" juchzen, freue ich mich, wenn ich ein Teil meines Kopfkleiderschrankes verwirklicht habe. Möglicherweise hat der Kopfkleiderschrank aber berechtigte Grenzen und nicht alles geht. Ich bin traurig, dass ich mich nicht mit den anderen Bombshell-Nähnerds zum Synchronschwimmen verabreden kann. Das wäre wirklich ein entzückendes Bild gewesen - im Traum sind wir schon oft gemeinsam zur Musik geschwommen. Trauer und Enttäuschung ist eindeutig dabei, die lässt sich auch nicht wegrationalisieren!

Trotzdem ganz herzlichen Dank an Frau Fadenverloren für die bezaubernde Organisation des Badenixen Sew Alongs. Ich finde es toll, dass du dich hast überreden lassen und damit anderen Mut gemacht hast, es einfach mal zu versuchen. Danke!

edit: 
Den Post habe ich, frustriert, gestern abend nach Fertigtstellung geschrieben, aber noch nicht online gestellt, weil ich keine Fotos machen konnte. Heute gab ich dem Ding noch mal eine Chance. Der Fairniss halber, probierte ich auch meinen Schwimm-Badeanzug und meinen Plansch-Tankini an zum Vergleich, denn ich wollte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Was soll ich sagen: durch Zufall fand ich eine Möglichkeit, wie ich den Bombshell tragen könnte. Den Vorschlag der twitter Nähnerds aufnehmend, kreuzte ich die Bänder über den Rücken und weil ich nicht wusste, wohin damit, knotete ich sie vorne unter der Brust. Oh! Wenn ich den Bombshell bis fast unter die Achseln ziehe (so dass die Brust seitlich gestützt wird, da habe ich ja Miederstäbchen eingenäht) und dann die Bänder hinten kreuze und durch das Verknoten ein zusätzliches Unterbrustband schaffe, dann kann ich die Schwerkraft ein wenig austricksen. Es geht und es ist auch nicht so unbequem. Die Rückansicht bleibt allerdings und das Ding bleibt trotzdem zum nächsten Badeausflug zuhause.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Tiramisu



Tiramisu wollte ich schon länger nähen. Mich gefiel das gestreifte Kleid auf der Schnittverpackung und es reizte mich sehr, dass ungewöhnliche Schnitt- und Größensystem von Cake Patterns auszupobieren. Als es zum Anfang dieses Sommers in Nähnerdkreisen in Mode kam (Frau talentfreischön und Frau von Mema begeisterten mich besonders), bestellte ich es spontan bei Urban Cut und war begeistert, als der Schnitt am nächsten Tag in meinem Briefkasten lag.

Zunächst konnte ich es gar nicht glauben, dass ich zur Abwechslung nicht einfach die größte Größe nehmen muß. Wahrscheinlich erging es mir wie vielen Näherinnen in meinem Format, dass wir erst einmal ein zu großes Kleid zuschnitten. Das Maßsystem fand ich super. Es leuchtet mir direkt ein, dass es auf die Rückenbreite bzw. die Oberbrustweite ankommt, die mit der Cup-Größe kombiniert wird. So kann es viel mehr varriiert und passformgenauer gearbeitet werden, als mit dem Maß der Oberweite, die große Brüste und breites Kreuz in einen Topf packt. Viele Näherinnen finden sowieso ihren Weg durch Mehrgrößenschnitte, in dem sie obenrum eine andere Größe wählen als unten. Bei Cake ist das gewollt. An verschiedenen Punkten trifft frau Entscheidungen und stellt sich so einen gut funktionierenden Schnitt zusammen - wenn frau sich auf das System einlässt und daran glaubt.




Mein erster Entwurf sah scheußlich aus. Ich nähte ihn aus einem geschenkten Stoff. Frau 81GradNord wunderte sich vor ein paar Monaten über ihren Fehlkauf und fragte mich, ob mir der Stoff gefalle. Auf dem Foto, das sie mir schickte, schätze ich die Kreise größer ein und obwohl braun an für sich nicht so mein Ding ist, mochte ich die türkisen Sprengsel und das Retromuster und sagte deswegen "ja" und an dieser Stelle noch mal "herzlichen Dank!".




Geschenkte Dinge sollte frau nicht zu lange rumliegen haben (Entschuldigung, für die zwei noch nicht genähten Schnitte!), deswegen griff ich beherzt zu dem einzigen, zu diesem Zeitpunkt herumliegenden Jersey und schnitt das Tiramisu zu. Interessant, by the way, ich habe ein Webware und Futterstoffe-Lager aber kein Jerseylager. Das Kleid war zu groß, die Taschen hingen an den Knien, das Taillenband zu weit und der Stoff lud dazu ein, es kurzer Hand als Kittel zu beurteilen. Siehe oben.


Ich wollte aber, obwohl ich eigentlich gerade noch genug Nähprojekte habe, die eigentlich bis nächste Woche fertig werden sollten, nicht aufgeben. Ich kaufte für 2 Euro noch petrolfarbenen Jersey dazu, nahm das Kleid noch einmal komplett (bis auf Rockteil mit Taschen) auseinander, kürzte das Taillenband und doppelte es gleich und fügte die kontrastierenden Blenden an. Ein Abend zusätzlich Arbeit und jetzt habe ich ein neues Kleid.




Witzigerweise war mein Urteil nicht sofort begeistert, aber mir schwante, dass das Kleid "ein Renner" werden würde. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber es ist so unkompliziert und angezogen. Vielleicht liegt es an Farben und Muster, die sich nicht in den Vordergrund drängen, vielleicht liegt es aber auch am Schnitt. Der weite Rock und die angeschnittenen Ärmel bedecken und sind trotzdem luftig. Es ist mehr Stoff, als an den kurzärmeligen Ajaccios und das fühlt sich weniger nackt an. Eigentlich mag ich diese angeschnittenen Ärmel überhaupt nicht, ich finde sie unförmig und zu 80er für mich. Ich habe auch immer Sorge, dass sie zu wenig Kontur geben und damit die Oberweite unnötig aufblähen. Aber witziger Weise stört es mich bei dem Kleid nicht, nachdem ich es im Taillenbereich noch mal wesentlich enger nähte.




Kurz und gut, hätte ich jetzt Zeit und einen gestreiften Jersey herumliegen, würde ich es sofort noch mal nähen. Hatte ich schon erwähnt, wie schwer verliebt ich in dieses Tiramisu bin, das ich letzte Woche beim Me Made Mittwoch entdeckte?

Egal, jetzt wird erstmal das Premiere-Tiramisu getragen, bis sich der Saum so ausgehängt hat, dass sich das säumen lohnt. Ich bin gespannt, ob mein erster Versuche wirklich so ein gern getragenes Alltagskleid wird, wie ich es schwer vermute. Ich glaube schon!