Montag, 20. Oktober 2014

Entscheidungsproblem

Geht euch das auch so? Ich finde es wirklich schwierig, mich für Knöpfe zu entscheiden, wohlwissend, dass Knöpfe einem Kleidungsstück das gewisse Etwas geben können. Im Nachhinein habe ich schon oft festgestellt, dass ich nicht die richtige Entscheidung getroffen habe, deswegen frage ich jetzt mal euch. Welche Knöpfe soll ich auf mein neues Sinnesfrid-Mieder nähen?








Die silbernen Knöpfe hatte ich eigentlich für das graue Mieder gekauft, was ich bei Gelegenheit stricke. Farblich passen am besten die rosaroten, weil das rot transparent ist. Am dezentesten sind die kleinen roten, für die würden sich aber bestimmt noch oft andere Verwendungszwecke finden, da sie so universal perlmuttig schimmern. 

Neue Liebe, alte Liebe



Ich versuche mich zu mäßigen, was das Kaufen von Nähzeitschriften angeht, weiß ich doch, dass ich wirklich nur sehr selten daraus etwas nähe. Da es aber die Knip Mode in Hamburg nicht einfach so zu kaufen gibt, lasse ich mir seit zwei Jahren das Jahresabo zu Weihnachten schenken. Ist doch ein viel schöneres Geschenk, als irgendwelche Hinstellerchen!


Die Auslieferung des Oktoberheftes hatte sich gewaltig verzögert und ich war entsetzt. Das Magazin wird nun von einem anderen Verlag herausgegeben und ich hatte den Eindruck, dass ich einfach nicht mehr Zielgruppe bin. Zum einen bin ich sehr langsam, was Modeströmungen angeht, zum anderen glaube ich nicht, dass mich die Mode der 80er und 90er Jahre wirklich vorteilhaft einkleidet. Das Novemberheft, das gefühlt drei Tage später kam, macht allerdings wieder Hoffnung. Auch wenn darin nicht wirklich etwas drin ist, dass ich SOFORT nähen MUSS. Ist es doch wieder mehr so, wie ich die Knip mag: es gibt hübsche Jerseyschnitte und die Klamotten werden nett mit Accessoires kombininert und präsentiert.

guter Jerseyschnitt aus der Knip November
Obwohl ich die holländischen Texte nicht verstehe, blättere ich die Zeitschrift nach Erhalten doch einige Male durch. Zuerst schaue ich natürlich, ob interessante Schnitte für mich dabei sind, aber dann blättere ich wiederholt durch und schaue mir ganz genau an, was wie und mit was getragen wird, welche Farben, welche Accessoires. Die Inspiration gefällt mir. Es ist bunt, es ist manchmal ein bißchen schrill, aber es ist immer noch genügend normaler Alltag. Im Gegensatz zur Burda, die irgendwie annimmt, dass wir ständig auf Hochzeiten und Cocktailpartys eingeladen sind, wenn wir nicht gerade Karriere als Businessfrau machen, habe ich das Gefühl, dass die Knip Mode mehr mein Lebensalltagsgefühl trifft.

nettes Sweatshirt aus derNovember Knip

Und dann berichtete letzte Woche Katarina und am Wochenende noch Frau Pepita von der neuen Zeitschrift "La Maison Victor". Das klang spannend. Als ich am Freitag zwei geschenkte Stunden in Eppendorf verbrachte, kaufte ich mir das Magazin und blätterte es bei einem Kaffee begeistert durch. Was ich sah, gefällt mir verdammt gut! Ich mag den Stil, ich mag die Schnitte. Ich mag es, dass es mehrere Fotos von einem Kleidungsstück gibt, auch von hinten. Obwohl die Schnitte elegant wirken, sind sie modern interpretiert. Vielleicht liegt es auch an den ausgewählten Stoffen (viel uni), vielleicht liegt es am Layout und dem Style. Toll, dass es ein großes Größensprektrum gibt. Es stört mich nicht, dass auch etwas für Kinder, Männer und zum Basteln dabei ist. Victor gefällt mir und ich habe große Lust, etwas daraus zu nähen, um rauszufinden, ob die Schnitte und Anleitungen gut sind.

Victor: tolles Oberteil!


Leider gefällt mir am allerbesten diese Bluse mit dem raffinierten Kontrast-Beleg-und-aufspringenden-Falten-Detail, die ein ganz hervorragendes Projekt zur Behandlung meiner Oberteilschwäche wär. Aber: ich bin wenig motiviert, eine Bluse ohne Ärmel im Herbst zu nähen, finde ich die Aussschnittlösung auch noch so wow. Wir wissen ja, kommen Ärmel, kommt Armloch, kommen Probleme. Das gilt zwar nicht für mich, weil ich ja jetzt einen Grundschnitt habe, aber ich glaube, die Bluse wirkt nur halb so toll, hätte sie noch Ärmel. Oder vielleicht mit 3/4 Ärmel?

Victor:"Bürokleid" mit Trenchcoat-Detail - chic! 


Egal, ich habe zur Zeit sowieso kaum Zeit zum Nähen. In Ermangelung von größeren Zeitfenstern, muß ich mich mit dem Streicheln meiner neuerworbenen Stoffe und dem Träumen von fertigen Kleidungsstücken begnügen, was auch nicht das Schlechteste ist. Jetzt bin ich erstmal gespannt, wohin sich die Knip mit dem Dezember-Heft entwickelt - soll ich mir noch ein Abo wünschen oder nicht? - und wie das nächste Victor-Heft aussehen wird. Denn Victor macht Lust auf mehr. Das freut mich wirklich sehr, denn so hübsch ich die italienische Zeitung fand, die es zuletzt auf den deutschen Markt versuchte, so realistisch sehe ich die Differenz zwischen kleinen Italienerinnen und meinen Maßen. Ich glaube, mit den Holländerinnen bin ich ganz gut bedient und freue mich also, das mit Victor ("La Maison Victor" - bescheuerter Name!) noch eine niederländische Nähzeitschrift auf den deutschen Markt kommt.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

MMM - jahreszeitenunstimmig geblümt



Keine Sorge, mich gibts schon noch. Aber ich das Leben... ihr wisst ja. Und dann fand ich auch noch meine Bilder, die ich letzte Woche für den Me Made Mittwoch machte doof. Zu faul, das Styling zu optimieren und Neue zu machen, zeige ich sie euch nun trotzdem.

Erst wunderte ich mich, dass ich so wenig Komplimente zu meinem neuen Rock, in dem ich mich natürlich bildschön fand, bekam. Als ich dann die Bilder sah, wusste ich schon warum. Irgendwie stimmt da was nicht an den Proportionen und die Stiefel sehen ohne dunkle Strumpfhose ganz merkwürdig dazu aus. Die Stiefel habe ich aber ehrlicherweise gar nicht zu dem Rock getragen, denn ich bin ja ein Heissblut und verweigere nach wie vor außer Haus Strümpfe, so dass ich zu dem Outfit schwarze Ballerinas trug.



Jetzt überlege ich, ob ich das rote Schrägband noch mal abtrenne und den Rock von innen damit verstürze, damit es nichts ein roter Knaller wird, denn dann würden die Stiefel schon dazu gehen, insbesondere, da ich gerade einen Sinnesfrid in dem gleichen matten rot stricke oder doch nicht? Wäre auch nicht so tragisch, wenn ich schwarze Stiefel zu dem Rock tragen müsste, denn rote Stiefel braucht frau ohnehin. Jedenfalls freue ich mich über meinen schwarzgrundigen Blumenrock, um die Blumen mit ins Winterhalbjahr zu nehmen... ich werde schon noch etwas passenderes Beiwerk dazu finden, den den Spaß an dem neuen Rock, mag ich mir nicht verderben.

Schnitt: halber Teller selbst gemacht
Stoff: fester, leicht elastischer Baumwollstoff vom Maybachufer

Birgit, von lila und gelb zeigt uns als erste Gast-Gastgeberin auf dem MMM-Blog heute eine viel schönere Kombination aus Rock und Shirt - kein Wunder, ist ja auch beides selbstgemacht und nicht wie bei mir, schnöde mit Kaufshirt kombiniert. Ich finde es immer wieder klasse, welche Vielfalt es an Me Made am Mittwoch auf dem Me Made Mittwoch Blog zu sehen gibt.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

HosenHerbst - Im Detail liegen die Tücken




Hallo und herzlich willkommen zum zum dritten Monat unseres HosenHerbstes.

Nachdem uns Anfang September Sandra, Frau Zufallwennsklappt, schon nett und informativ eine ganze Menge über Passformprobleme und deren Lösungen verraten hat, Hipphipphuraaaa, habe ich heute schon wieder eine tolle Überraschung für euch. Frau Nahtzugabe hat sich bereiterklärt, für uns etwas zu den Details des Hosennähens zu recherchieren und zu schreiben. Es ist für jedeN etwas dabei: für Hosen-Novizinnen bis zu den fortgeschrittenen Hosenchampions. Frau Nahtzugabe präsentiert uns jede Menge Links und Ideen, wie aus einem Ding mit zwei Beinen so etwas raffiniertes wie eine Hose werden kann.

Eigentlich bin ich ziemlich sicher, dass ihr alle Frau Nahtzugabe kennt. Falls nicht: Frau Nahtzugabe ist mein Idol in gründlich Nachdenken und interessante Schnitte nähen. In der Nähnerd-Welt ist sie eine feste Institution mit ihren Wochenrückblicken, als Teil der Me Made Mittwoch Crew verschönert sie uns regelmäßig den Me Made Mittwoch und nicht zu letzt als Autorin eines Grundlagen-Nähbuches ist sie mir eine wertvolle Ratgeberin für Nähdetails, die ich theoretisch schon kann, aber praktisch lieber noch mal nachschlage, damit ich nicht alles dreimal machen muß. Vorhang auf für Frau Nahtzugabe! Hipphipphurra und ganz herzlichen Dank!

Monatsthema Oktober
 Im Detail liegen die Tücken 
Geknöpfte Hose, Reißverschluss mit allem Drum und Dran oder einfach nur ein Gummibund? Wie verschließt ihr eure Hose? Wie säume ich meine Hose? Wie verstärke ich den Bund? Futter? Hat eure Hose Taschen und wenn ja welche (und wie macht man solche Taschen)? 




Als mich Frau Crafteln vor einigen Wochen fragte, ob ich einen Gastbeitrag zum Hosen-Herbst schreiben würde, sagte ich ja ohne zu ahnen, wie sehr mich das Hosen-Thema noch vor dem Zuschneiden beschäftigen würde. Es ist doch verrückt: lange Strecken meines Lebens trug ich nichts als Hosen. In den letzten sieben, acht Jahren verdrängten Röcke die Hosen in meinem Schrank, so dass ich heute nur noch eine selbstgenähte Stoffhose (die sieht man auch auf den Fotos) und ein paar gekaufte und eher schlecht als recht passende Jeans besitze. Seit vier, fünf Jahren schiebe ich das Hosennähen vor mir her, obwohl Schnitte bereitliegen und ich früher auch schon erfolgreich passende Hosen genäht habe.

Und woran meine Hosen-Unlust liegt (und welche Schnitte und Hosenformen außer den bekannten in Frage kämen), darüber dachte ich letzte Woche nach, anstatt einfach eine Hose zuzuschneiden und loszulegen. Beim Nachdenken kam ich aber immerhin darauf, dass es gerade die vielen Details wie Taschen vorne und hinten, der Reißverschluss und die Gürtelschlaufen sind, die mich vom Hosennähen abhalten. Während so ein Rock mit ein paar großen Nähten schon im wesentlichen fertig ist, näht man bei Hosen sehr lange an den Kleinigkeiten herum. Weglassen gilt nicht, denn ich finde diese Schnittdetails geben den meisten Hosen erst ein professionelles Aussehen. 

Nach dem Motto "kenne deine Feinde" habe ich daher mal eine Menge hilfreiche Tutorials zusammengestellt, mit deren Hilfe diese Nähspezialitäten bewältigt werden können. Für Fortgeschrittene gibt es Bonus-Zusatzstufen mit besonderem Schwierigkeitslevel, denn was die Raffinesse bei der Innenverarbeitung betrifft, sind nach oben kaum Grenzen gesetzt. Kennt ihr noch andere nützliche Hosen-Näh-Tutorials? Verratet sie uns doch in den Kommentaren!


Der Hosenreißverschluss 



So ein Hosenreißverschluss mit verdecktem Schlitz, Schlitzbeleg und womöglich Untertritt ist ja ziemlich kompliziert. Was gehört wohin? Wie steppt man den Schlitz ab, ohne dass unten die Nadel abbricht? Wann und wie fügt man den Untertritt ein? Am einfachsten: Reißverschluss ohne Untertritt bei Sew and Sushis Sewing Secrets (untere Hälfte der Seite). Nach dieser Anleitung bin ich jahrelang vorgegangen, denn man muss dabei nicht denken, sondern nur Schritt für Schritt die Anweisungen befolgen. Besonderheiten: Es wird ein längerer (ca. 30 cm) Plastikreißverschluss verwendet, der zum Schluss gekürzt wird. Der Schieber stört daher nicht im Nähbereich. Die Schrittnaht ist bereits genäht, der Besatz für den Reißverschlusschlitz angeschnitten. Nachteile: Die Anleitung ergibt einen "männlichen" Reißverschlussschlitz, der sich nach rechts öffnet. Für einen typischen Damenhosenreißverschluss muss man alle Schritte spiegelverkehrt ausführen, also am Anfang die linke Seite des Reißverschlussbandes auf den linken Besatz steppen. (Bei Kaufjeans wird übrigens oft nicht zwischen männlichen und weiblichen Reißverschlüssen unterschieden). Den angegebene Abstand für die finale Abstepplinie von 4,5 cm finde ich zu groß - ich steppe meistens in 3 bis 3,5 cm Abstand ab.

Etwas schwieriger: Reißverschluss mit Untertritt bei Natron, wenn der einfache Reißverschluss ohne Untertritt den eigenen Ansprüchen nicht mehr genügt.  Besonderheiten: Der Besatz für den Reißverschlussschlitz ist ein separates Schnittteil, die Schrittnaht wird im Zuge des Reißverschluss-Einnähens geschlossen. Reißverschluss-Einnähen als Film von Farbenmix, den hatte Frau Crafteln neulich schon verlinkt. Ich finde die Farbenmix-Methode, bei der auf der linken Seite eine Falte im Schlitzbeleg eingelegt wird unnötig umständlich, aber es ist nützlich, das Einnähen mal in bewegten Bildern zu sehen.  Protipp: Das Einzeichnen der Stepplinie für den Schlitz funktioniert noch besser, wenn man die Hose dabei flach hinlegt und ein Lineal verwendet. Bonus-Zusatzstufe I: Der geknöpfte Untertritt nach Handmade by Carolyn. Besonderheit: Wie bei teuren Herrenanzughosen wird der Untertritt mit einem kleinen Knopf geschlossen. Ein zusätzlicher Stoffstreifen, der im Bund mitgefasst wird, nimmt den Zug auf und verhindert, dass der Reißverschlussschlitz aufklafft.

Bonus-Zusatzstufe II: Beim Reißverschluss mitgefasste Taschenbeutel nach Kenneth King - wird hier an einem Rock gezeigt, lässt sich aber ebenso auf Hosen übertragen, auch auf solche mit Taschen in der Seitennaht. Besonderheit: Das Schnittteil des Taschenbeutels wird so verlängert, dass die Tasche beim Einnähen des Reißverschlusses mit festgenäht wird. Die Vorderseite der Hose wird durch diese doppelte Stofflage stabilisiert, knittert und krumpelt weniger. Die hohe Schule des Hosennähens, die ich als Lernziel für das Jahr 2015 ins Auge fasse.


Seitennahttaschen, Hüftpassentaschen und Paspeltaschen



Eben war ja schon von Taschen die Rede. An einer durchschnittlichen Hose lassen sich eine Menge unterbringen: Im Vorderteil zum Beispiel Hüftpassentaschen, wie sie für Jeans (und Jeansröcke) typisch sind, dafür gibt es hier eine gute Fotoanleitung von Natron. Auch Stoffhosen haben sehr oft Hüftpassentaschen, nur dass der Tascheneingriff dabei meistens leicht schräg verläuft und nicht diese charakteristische Rundung bildet wie bei Jeans. Das Nähen funktioniert aber ganz genauso. Seitennahttaschen sind eher für locker sitzende Hosen geeignet, bei engen Hosen lässt sich nämlich kaum verhindern, dass der Tascheingriff aufklafft und absteht. Bei Pattydoo gabs gerade eine gute Anleitung für Taschen in der Seitennaht. Das Schnittmuster für den Taschenbeutel kann man sich leicht selbst erstellen, wenn man auf Papier locker um die eigene Hand herummalt und den Beutel nach oben so weit verlängert, dass er im Hosenbund mitgefasst werden kann. Bei dünnem Stoff würde ich den Tascheneingriff bei Vorder- und Hinterhose innen mit einem Streifen Bügeleinlage verstärken.


Auf der Hosenrückseite bieten sich Paspeltaschen an, auch da schneidet man den Taschenbeutel am besten gleich so zu, dass die obere Kante im Hosenbund verschwindet. Wie man das berechnet und näht zeigt dieses Tutorial im Blog von Iconic Patterns, die Paspeltasche selbst wird bei Craftsy erklärt.   Nur für aufgesetzte Taschen, ob nun mit oder ohne Ziersteppung, fand ich keine vernünftige Anleitung - vielleicht könnt ihr helfen?


Bund und Gürtelschlaufen


Wenn ich beim Hosennähen bis hierher gekommen bin, bin ich meistens schon rechtschaffen erschöpft, daher habe ich die Gürtelschlaufen schon öfter vergessen oder vergessen wollen. Von Natron gibt es auch dazu ein gutes Foto-Tutorial - und Ingrid verrät hier, wie man dicke Gürtelschlaufen festnäht, ohne sich Nadel und Maschine zu ruinieren. Mit diesen Technik-Tipps sollte dem erfolgreichen Hosen-Nähen nichts mehr im Wege stehen. Vielleicht gelingt es mir ja, die nähtechnischen Schwierigkeiten nicht als Hindernisse auf dem Weg zur Hose, sondern als willkommene Herausforderungen zu sehen.

Wie sieht es bei euch aus? Vor welchen Details habt ihr Respekt, welche seht ihr als willkommene Herausforderung. Welche Hosendetails habt ihr schon genäht? Habt ihr noch weitere hilfreiche Links für uns?






Mehr Informationen zum HosenHerbst Sew Along (Ablauf, Inhalte und Teilnahmeregeln) findest du hier.


Die bisherigen und nächsten Monatsthemen:

August: Hosenformen, Hosenmoden, Hosenschnitte
September: Passform I - Ansprüche
Oktober: Im Detail liegen die Tücken
November: Passform II - Mängel erkennen und beheben
Dezember: Defilée und Resumée


Montag, 29. September 2014

HosenHerbst - die Linkliste ist noch mal geöffnet

Einen Tag zu spät öffne ich noch mal die Linklisten für den HosenHerbst. Aber wir wollten uns bei diesem Sew Along schließlich nicht stressen lassen und es gemütlich angehen, deswegen entschied ich gestern fünf gerade zu sein und die Lust für das Nähen eines Tellerocks über das Pflichtgefühl, noch ein Post für den HosenHerbst zu schreiben, siegen. Dafür dachte ich, ich öffne einfach noch mal beide Linklisten, denn ich habe das Gefühl, dass es zum Augustthema noch das ein oder andere für Späteinsteigerinnen zu sagen gibt.

Wie schaut es bei mir aus mit dem Hosenfortschritt? Der Hosen-Grundschnitt kommt aus Zeitmangel nicht voran, aber die Krassen Buxen trage ich ganz gerne. Ich würde sagen, das ist zumindest ein Hosenfortschritt. Nachdem ich die "Nacktheit" entdeckte, die mit dem Tragen von Hosen verbunden sein kann, mache ich mir noch mal Gedanken über Hosenformen und -Schnitte. Aber das versuche ich nicht allzu theoretisch ausarten zu lassen, sondern bin gespannt auf meinen Hosengrundschnitt.

Bevor wir zum nächsten Monatsthema kommen, in dem es dann wirklich um Details und das Nähen geht, bin ich jetzt noch mal gespannt, was ihr zu dem Thema Passform noch ergänzen wollt.


Monatsthema September
Passform I - Ansprüche 

Welche Passformmängel kenne ich von Kaufhosen oder selbst genähten Hosen? Zeigt her eure ungeliebten Hosen! Welche Anpassungen habe ich schon mal versucht, um Passformmängel zu beheben. Wie erkenne ich überhaupt Passformmängel und wie heißt mein Problem? Wo gibt es Informationen über Anpassungen? Wovor habe ich den meisten Respekt? 


Den ausführlichen Beitrag zum Thema Passform I - Ansprüche von Sandra findet ihr, wenn ihr diesem Link folgt.

Hier ist noch mal die Linkliste vom September. Sie ist bis zum Abend des 1.10. geöffnet.




Und hier findet ihr weitere Informationen zum HosenHerbst (Ablauf Inhalte und Teilnahmeregeln) sowie die auch noch mal bis Mittwoch Abend geöffnete Linkliste zum Monatsthema August.

Die bisherigen und nächsten Monatsthemen:

August: Hosenformen, Hosenmoden, Hosenschnitte (hier und hier)
September: Passform I - Ansprüche
Oktober: Im Detail liegen die Tücken
November: Passform II - Mängel erkennen und beheben
Dezember: Defilée und Resumée

Mittwoch, 24. September 2014

MMM mit dänischer Hose, Tussitasche und Frühlingsjäckchen



Im Gegensatz zu meinem Mann, hat euch die krasse Bux  gefallen. Frauen aus dem echten Leben fanden sie auch gut. Ich bin immer noch skeptisch, insbesondere, wenn ich Fotos von hinten oder von der Seite sehe. Vorne finde ich sie eigentlich ganz ok. Jedenfalls reifte in mir sehr schnell der Gedanke, eine krasse Bux noch mal "in dezent" zu nähen. Da kam mir ein Jersey, der wie Jeans aussieht sehr recht. Letztes Jahr hatte ich schon mal ein Jersey-Jeanskleid genäht. Solche "als-ob-Stoffe" können mir - sind sie gut gemacht - sehr gefallen.

Von hinten und von der Seite gewinne ich in der Hose sicherlich keinen Schönheitspreis. Aber ein schnelles Erfolgserlebnis ist die krasse Bux ja, das muß ich zugeben. Zwei Hosenbeine, Bund für oben und zwei Bündchen für unten. Fertig. Genäht ist sie mit der Overlock auch schnell, wenn ich auch erst auf Schwarz umfädeln mußte. Die Nähsaison für die dunkle Jahreszeit hat begonnen!




Mein schönstes Kleidungsstück ist das sicherlich nicht. Aber sehr bequem und durch die Jeans-Optik (ich mag ja solche Bezeichnungen eher nicht) auch unkompliziert. Noch ein Exemplar nach diesem Schnitt werde ich aber ganz sicher nicht nähen und so etwas außer Haus zu tragen, wird auch nicht zur Gewohnheit werden. Versprochen! Zur Zeit finde ich sie ganz lustig und trug sie heute auch zum Stoffe verkaufen, aber schön ist was anderes.

Für alle, die mal die Tussitasche sehen wollten. Hier ein Bild, wie ich das Haus verließ. Die Tasche heißt Tussitasche, weil es sich um ein perlmuttfarbenes Kunstleder handelt, aus dem ich auch die Clutch genäht habe. Ich hatte sie dreimal verschenkt und jedes Mal gedacht "ach, sooo schlecht finde ich sie gar nicht" und seit dem ich mir Anfang Mai so eine genäht habe, nutze ich sie täglich. Bin halt doch ein bißchen Tussi.




Dänische Hose" heißt die neue krasse Bux bei mir, weil ich mir immer so dänisch vorkomme. Fragt mich nicht. Ich weiß es gar nicht so genau, aber irgendwie habe ich die Däninnen in so lässigen Hosen abgespeichert. Außerdem sind Stoff und Schnitt von Stoff und Stil, was bekantlichermaßen auch ein dänisches Unternehmen ist. Und falls ihr euch wundert, warum ich relativ häufig Sachen aus deren Repertoire nähe: das ist kein Wunder, denn ein paar mal im Monat arbeite ich dort. Da kommt es selten vor, dass ich mit leeren Händen nach Hause gehe.

Schnitt: Haremshose - in größter Größe und um 12 cm verlängert, Bündchen oben und unten frei Schnautze
Stoff: Jeans-Jersey
Jacke: Frühlingsjäckchen
Tasche: Kunstleder (ausverkauft) von Stoff und Stil und Schnitt "Big Shopper" mit verlängertem Trageband

Sehr viel schicker als ich, sieht heute nicht nur Frau buntekleider aus, die heute zum ersten Mal - in hinreißendem Rock1!! - Gastgeberin beim Me Made Mittwoch ist, wo es noch viel mehr selbstgemachte Kleidung an echten Menschen zu bestaunen gibt.



Montag, 22. September 2014

HosenHerbst - September: die Hosen und ich

Hachjaaaa, der Hosenherbst. Schon komisch, da bin ich Gastgeberin eines Sew Alongs und gleichzeitig total Hosenjungfrau! Wie gut, dass ich Sandra überreden konnte, den Septemberpost zu schreiben! Ich freu mich sehr, dass sie "ja" gesagt hat.

Je mehr ich über Hosen nachdenke, umso mehr fange ich wieder an, mit ihnen zu fremdeln. Ich gebe zu, die krasse Bux habe ich schon oft getragen und plane, so ein Ding auch noch mal in dunklerem Stoff zu nähen, aber wenn ich die Hosen-Beiträge der anderen Teilnehmerinnen des HosenHerbst lese und wenn ich mir die Hosen in der Welt so ansehe.... und wenn ich mich dann im Kleid im Spiegel sehe.... dann frage ich mich, ob das wirklich sein soll, mit mir und der Hose.

Andererseits, ist die Hose wirklich nen Superding für die Übergangsjahreszeit und für mal-schnell-zur-Kita. Ich kann ja immer noch Kleider anziehen, wenn ich mich schick machen will! Aber wenn ich mir Hosen an anderen Frauen ansehe, dann denke ich immer "verdammt, die sind ja fast nackt". Wisst ihr, was ich meine? Hosen, die nicht gerade so aussehen, wie meine Pumphose zeigen ALLES. Bei manchen Frauen finde ich so einen runden Po in einer Hose sehr erotisch, aber ganz oft denke ich "oh man, ich sehe alles! Das ist soo krass". Wenn man, wie ich, in den letzten Jahren nur noch Kleider und weite Röcke getragen hat, dann ist so ne enge Hose wirklich nen krasses Ding. Ein weiter Rock bedeutet schließlich, dass zwar die Taille zu sehen ist - und ich habe schließlich lang genug gebraucht, um diese zu zeigen - aber dann gehts einfach verhüllend nach unten. Insbesondere mit Petticoat, ist untenrum eigentlich nix mehr echt. Das ist ein bißchen so, wie taillenabwärts in ner Tonne zu stehen und dann erst wieder die Waden zu zeigen. Mit meinen Waden und Knöcheln kann ich gut leben, aber das zwischendrin war eigentlich ganz gut verhüllt.

Letztens war ich sehr sehr mutig und habe mich seitlich in Unterwäsche vor den Spiegel gestellt. Was ich sah, war ungefähr Folgendes: Vorne ne Kugel, hinten ne Kugel. Während ich bei Röcken und Kleidern immer nur die Frontalansicht im Kopf habe und den Taillen-Hüft-Verlauf beobachte, weiß ich, dass ich bei der Hose noch viel mehr auf das, was tatsächlich an Körper da ist, achten muß. Wir reden zwar von Schnitten und Schnittänderungen, aber das Problem beginnt in meinen Augen sehr viel früher: ich muß genau hinsehen, statt die Augen zu verschließen und ich muß annehmen, was ich sehe. Anschließend muß ich dann überlegen, ob ich das, was ich sehe auch anderen zeigen will, oder ob ich feige kneife und mich doch wieder den Röcken mit dem Petticoat zuwende.

Nein, nein, gekniffen wird jetzt nicht. Der HosenHerbst wird durchgezogen. Im Schnittkurs kommt jetzt bald die erste Probehose, dann sehe ich weiter. Aber ich bin schon erstaunt, welche Gedanken mir so kommen!

Freitag, 19. September 2014

Schnittkonstruktion 13: Der Hosen-Grundschnitt

es ist mir ein Rätsel, warum es falsch rum ist!

Nach einer Sommerpause, habe ich nun wieder mit dem Schnittkonstruktionsunterricht begonnen. Obwohl ich das Jeansjackett noch nicht fertig habe (der Stoff stinkt, trotz zweimaligem Vorwaschens, wie hulle und irgendwie bin ich unmotiviert, obwohl ein Jeansjäckchen sicherlich sehr herbsttauglich wäre), war mir wieder danach "zur Schule" zu gehen. Außerdem passte dieser Wunsch sehr gut zu dem plötzlich aufgekommenen Bedürfnis, eine Hose zu besitzen.

Der Unterricht begann gleich mit einer Warnung: "Jedes Material verhält sich anders. Eigentlich braucht man für jedes Material einen eigenen angepassten Grundschnitt". Aha. Ich soll also die Erwartungen nicht so hoch setzen. Verstanden. Ich bin mittlerweile sowieso schon sehr bescheiden, was die Perfektion von Schnitten und selbst Genähtem anbelangt. Als ich zu nähen begann, war ich verwundert, wieso meine erste selbstgenähte Tunika nicht "einfach passte". Je mehr ich über das Nähen, Schnitte und Schnittkonstruktion weiß, um so mehr wundert es mich, wenn wenig Anpassungen von Nöten sind. Trotzdem sind die Ergebnisse meines Nähens, weitaus besser, als es Kaufkleidung je für mich war. Also versuche ich gelassen zu bleiben und brav weiter zu lernen.

Als nächstes folgte ein Hinweis: "Je weiter die Hose ist, desto leichter wird es, Platz für den Bauch zu konstruieren, weil es an den Oberschenkeln nicht wieder eng werden muss". Dieser Hinweis leuchtete mir ein: wenn der Bauch eine Kugel ist, dann müssten eigentlich rund herum Abnäher sein, aber welche Hose hat schon unter dem Bauch Abnäher (außer vielleicht diese Hosen, die so ne vordere Naht haben, die dann als Teilungsnaht konstruiert sein kann, oder fallen euch solche Hosen mit Abnähern unter dem Bauch ein?). Aber da ich sowieso nicht vorhatte, im "skinny-Sektor" zu arbeiten, beunruhigte mich dieser Hinweis auch nicht weiter. Irgendwie bin ich hosenmäßig sowieso ziemlich gelassen und wenig anspruchsvoll. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass eine Hose dem Kleid in Bezug auf Schönheit Konkurrenz macht, ich mag sie einfach unter praktischen Gesichtspunkten haben und wenn es mal chic sein muss, kann ich ja immer noch eines meiner 1000 Kleider anziehen.

Auch das Hosen-Grundschnitt-machen-lernen begannen wir wieder auf einem DIN A 4 Blatt und mit einem Schnitt in Größe 38. Das ist so ne Art Probelauf, um die Schritte, die notwendig sind, zu lernen. Wieder rauchte mir am Ende der Stunde extrem der Kopf. Die Fülle an Informationen auf der einen Seite, aber ich hatte auch das Gefühl, dass es zu Ende hin komplizierter wurde. Diese Hypothese bestätigte sich bei den Hausaufgaben, als ich meine Aufzeichnungen noch mal in schön abschrieb und die Konstruktion noch einmal alleine machte. Den "Taillenring" der Vorderhose fand ich schon nicht ganz einfach und die Hinterhose hatten wir sowieso nicht bis zum Ende geschafft, weil ich schon Konditionsprobleme hatte. Als ich am Ende der zwei Stunden schwächelte, hat meine Lehrerin mich noch vermessen, so dass wir heute noch einmal alle Fragen besprechen können, die Hosen-Theorie zur Hinterhose fertig machen und mit dem Grundschnitt nach meinen Maßen beginnen können. Heute steht auch noch auf dem Programm, was es bei großen Größen zu beachten gilt, da bin ich schon sehr gespannt!

Mittwoch, 17. September 2014

MMM - im Schwalbenkleid


Endlich wieder Me Made Mittwoch! Die Sommerpause war ganz schön lang, oder? Aber jetzt sind wir wieder da und verschönern immer wieder Mittwochs die Welt mit selbstgenähten Klamotten an echten Menschen.

Puh, ich hatte Glück! Der Schwalbenstoff ist - entgegen meiner Befürchtungen - nach dem Waschen nicht eingelaufen. Im Laufe des Nähens hatte ich mich nämlich gefragt, ob ich den lang im Vorfeld gestreichelten Stoff überhaupt vorgewaschen hatte. Und dann habe ich das Kleid zu einem Anlass getragen, ohne es vorher zu fotografieren! So was macht doch kein echter Nähnerd!

Aber alles gut: Kleid noch in der richtigen Größe und ich konnte mich dank kurzzeitig in den Griff bekommener Accessoires-Legasthenie sehen lassen. Es war ein wunderschöner Abend und ich habe getanzt, wie eine Wilde (so mit Muskelkater an den nächsten beiden Tagen), obwohl der Gatte mein Kleid nur mittel fand, denn es ist ihm zu hochgeschlossen. Dem kann man aber auch nix recht machen.

Ich fand mich wunderbar und mein Kleid wunderschön! Dabei war im Vorfeld so viel schief gegangen! Zuerst hatte ich die Ärmel ohne Nahtzugabe zugeschnitten - das kommt davon, wenn frau manche Schnitte mit, manche Schnitte ohne Nahtzugabe hat und diese nicht ordentlich beschriftet. Glücklicherweise hatte ich noch genügend Stoff, um die Ärmel ein zweites Mal zuzuschneiden. Es lohnte sich also, dass ich um den Stoff damals kämpfte und nicht schwach wurde, den Freundinnen noch nen Meter zu spendieren (obwohl ich ein schlechtes Gewissen hatte). Irgendwas stimmte aber immer noch nicht. Obwohl ich den Schnitt schon ein paar Mal genäht hatte, passte das Oberteil vorne und hinten nicht. Hinten bekam es dann noch eine Rückennaht spendiert, die eigentlich nicht notwendig gewesen wäre und vorne korrigierte ich 1000 Mal die Abnäher. Der Ausschnitt war zu groß und der Stoff bedeckte an den Schultern kaum die BH-Träger. Irgendwie war der Murks in diesem Kleid. Ich war wohl im Vorfeld etwas zu großspurig in meinen Annahmen.




Ich überlegte lange, ob ich nicht lieber kurze Ärmel möchte, vor allen Dingen, da sehr warme Temperaturen für den Tag angesagt waren. Die misslungenen Ärmel schnitt ich ab, so wie ich mir das vorstellte, aber ich fand für ein dunkles Kleid die halblangen Ärmel dann doch besser. Lange überlegte ich auch, ob ich wirklich ein hellblaues Schrägband an den Saum mache, denn eigentlich hätten die hellblauen Paspeln gereicht. Mir gefiel aber die Ärmellänge und auch das Schrägband am Ärmel und da ich mich für eine helle (selbstgenähte) Clutch entschieden hatte, fand ich dann einen zusätzlichen hellen Akzent gut. Ich trage übrigens auch bewußt den weißen und nicht den schwarzen Petticoat unter dem Kleid.




Mehr tolle selbstgemachte Outfits an echten Menschen, gibt es endlich wieder beim Me Made Mittwoch, der heute seine Sommerpause beendet. Heute, mit Frau Kirsche als Gastgeberin, die das gleiche Kleid, aber nicht dasselbe (oder war es umgekehrt) auch schon mal bei einer Hochzeit trug, beim MMM zeigte und den Schnitt entdeckte.

Schnitt: Knip Mode 9/2011 mit Grundschnitt angepasstem Vorderteil und eigenen Ärmeln
Stoff: Baumwolle vom Maybach Ufer

Clutch Schnittmuster: Stoff und Stil
Material: außen der Vorgänger von diesem Kunstleder und innen schwarzes Neopren

Ansteckblume: nach diesem Tutorial aus Voile und danach einmal mitgewaschen :-)

Dienstag, 16. September 2014

Accessoires-Legasthenie



Vorletzte Woche hatte ich dann doch eine Menge mit dem Hochzeitsoutfit zu tun, das ich im Vorfeld eigentlich gar nicht als Herausforderung betrachtet hatte. Die Entscheidung für ein Hat-Frau-Kirsche-auch-schon-mal-auf-einer-Hochzeit-getragen-Schwalbenkleid viel eigentlich schnell und leicht, aber dann kam der Rest. Da ich den Frau-Kirsche-Kleid-Schnitt dieses Jahr schon ein paar Mal genäht hatte und diese Kleider auch regelmäßig trage, wollte ich das Kleid schon noch ein bißchen festlicher als die anderen machen. Ich freute mich wie Bolle darauf, endlich mal wieder mit meinem Mann auszugehen, so dass ich natürlich besonders schön sein wollte. Aber was tun, wenn frau eine Accessoireschwäche hat?


Nach meinem Geständnis meiner Accoessorieschwäche auf twitter, folgte dort eine sehr unterhaltsame Diskussion zwischen Nähnerds über Accessoires. Irgendwie triggerte mich die Aussage "wann denn (rausputzen), wenn nicht zu so einem Anlass". Stimmt, dachte ich mir. Im normalen Leben siegt bei mir immer die Einfachheit und Bequemlichkeit. Ich schminke mich seit 25 Jahren gleich (nur Lidstrich, Wimperntusche und hin und wieder die Augenbrauen), ich trage Taschen, in denen der halbe Haushalt Platz hat und bequeme Schuhe. Ich könnte zum Anlass ja mal ein bißchen experimentieren.

An einem  Nähsamstag, an dem wenig klappte, schaute ich nacheinander ein paar Folgen Shoppingqueen und staunte, wie selbstverständlich die Damen auf der Jagt nach Accessoires waren. Ich kann nur vermuten, dass zu der Zeit, in der die Accessoire-Ausbildung junger Mädchen stattfindet, ich mit dem Öko-und-Weltverbesserungs-Trip so beschäftigt war, dass ich den entscheidenenden Kurs verpasste. Aber inspiriert war ich schon.


Obwohl ich absolut keine Ahnung hatte, was ich hinein tun könnte, fiel mir zuerst eine Clutch ein. Wie gesagt, ich nutze keinen Puder und keinen Lippenstift, fotografiere nicht mein Essen, um es zu posten und den Autoschlüssel brauchte ich auch nicht, weil der Gatte fahren wollte. Als ich nach Kauf-Clutches forschte, mochte ich am liebsten ein schlichtes, teures Lederteil - aber 50 Piepen ausgeben, für etwas, das ich eigentlich gar nicht brauche, war mir dann doch zu viel. Also vertagte ich das Problem und wandte mich den anderen Accessoires zu.

Aufgrund meiner Nickelallergie, trage ich eigentlich nur echten Schmuck. Da ich aber eher der schlichte Typ bin und damit meine ich "vergesse ich morgens ohnehin anzuziehen" und nicht "mir liegt mehr die unauffällige Kleidung", habe ich zwar Schmuck, aber nicht sehr viel und auch eher von der Kategorie "Büro-Schmuck" als "Abend-Schmuck". Außerdem bin ich in Buschi-Muschi-Boutiquen, ihr wisst schon, diese Modeschmuck-Kette, hilflos überfordert. So ging es mir auch, bei meinem ersten Erkungungsgang. Als mich die Verkäuferin fragte, ob sie mir behilflich sein könnte, floh ich wie ein verschrecktes Huhn aus dem Laden und wünschte mir die helfende Hand einer Freundin.




Zwei Tage später versuchte ich mutig erneut mein Glück und mutig liess ich mich sogar beraten. Das war eine gute Idee. Denn als mir die Verkäuferin Armbänder (dazu hatte ich mich wegen des hohen Ausschnitts entschlossen) brachte, wusste ich immer in sekundenschnelle, was ich akzeptabel oder unmöglich fand. Kurz entschlossen kaufte ich mir ein Armband in der Hoffnung, dass sich der Rest dann dazu wie von selbst fügt.


Gegen eine Blume im Haar entschied ich mich, nachdem ich ein paar Stunden damit zubrachte, Retro-Frisuren-Videos auf Youtube anzuschauen und mich anschließend kaputt zu lachen, wenn ich das Ergebnis im Bad im Spiegel sah. Das bin ich einfach nicht! Ich erinnerte mich sehr an die Konformandin, die ich einmal war, die damals auch nicht gut zu Kleid und Frisur passte. Was war ich damals enttäuscht, dass ich so gar nicht dem Bild von mir und meinem Kopfkleiderschrank entsprach!

Ich kaufte mir sogar zwei rote Lippenstifte und weitere Schminkausrüstung. Das Puderläppchen meines 11 Jahre alten Puders zerfiel in Einzelteile - ich war allerdings zu geizig, mir neuen Puder zu gönnen, weil ich das Gefühl von Puder oder Make up auf der Haut so hasse und Puder eigentlich nur nutze, wenn Scheinwerfer und Kameras auf mich gerichtet sind. Zugegebnermaßen passiert das eher selten. Wozu also in neuen Puder investieren. Ich schminkte mich zur Probe und konnte mich mit dem Augenglitzer anfreunden, Make up und ich, das wird wohl nix mehr in diesem Leben und den Lippenstift fand der Gatte doof.



Immerhin, jetzt hatte ich ein bißchen was, um in die Clutch zu packen und nähte mir eine aus dem Rest des Tussitaschenmaterials (ich glaube, die häufig benutzte Tussitasche hatte ich nicht gebloggt) und einem interessantem Material namens Scuba (Neopren). Permuttfarbenes Kunsleder außen, schwarzes Neopren innen. Siehe oben. Sagen wir so. Ich finde sie ok, irgendwie gefällt sie mir sogar. Aber ich kapiere das Prinzip Clutch  immer noch nicht. Wohin mit dem Ding auf dem Klo?

Irgendwann war ich erschöpft von dieser Accessoirevorbereitungsodysee und trug zusätzlich nur  noch eine selbstgebasteltet Ansteckblume am Kleid und olle schwarze Schuhe. Letztlich, war es sowieso egal, denn ich hatte das schönste Kleid des Abends an - das muß ich aber noch fotografieren, falls es nicht beim Waschen eingelaufen ist, denn ich befürchte, ich hatte vergessen, den Stoff vorher zu waschen - und den tollsten Mann dabei.